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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
33
Alle Kapitel
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21.08.2021 4.143
 
Sasuke Pov


༻✾༺

Das Ganze erschien ihm so surreal, dass es doch kaum der Wahrheit entsprechen konnte. Aber aus welchem Grund sollte Sakura ihm erzählen, sie sei schwanger, wenn es doch nicht stimmte?

Sasuke fasste sich an die Stirn. Seine Gedanken gingen drauf und drüber. Er schien so durch den Wind zu sein, dass er erst nicht bemerkte, wie ihm im Gehen einfach die Faust in die Höhe schoss. Als hingen unsichtbare Fäden daran, zielte er auf den nächstbesten Baum, der ihm vor der Nase auftauchte. Doch unmittelbar bevor die Hand ungebremst in dem Holz versank, hielt er zerknirscht inne und blieb wie angewurzelt stehen.

Seine Emotionen, sie überfuhren ihn regelrecht. Gegen seinen Willen versuchten sie ihn zwanghaft zu lenken; ganz ähnlich wie sie es früher getan hatten, als er noch dumm und einsam war. Aber er setzte sich durch, denn nie wieder würde er blindwütig Dinge tun wollen, die er im Nachhinein bereuen würde. Aber trotz seines Durchsetzungsvermögens drückten, piksten und traten sie so sehr, als wollten sie nur eins: Ihn quälen und triezen.

„Scheiße“, murmelte er leise, denn es fiel ihm alles andere als leicht, sich in dieser Situation zu beherrschen. Der Druck, sie herauslassen zu wollen, die Emotionen, um sich besser zu fühlen, war enorm. Und so stieß er, allerdings nur mit einem Bruchteil seiner Kraft, mit der flachen Hand gegen den Baum. Der Effekt war aber nicht derselbe.

„Mist.“ Ihm fielen die dicken schwarzen Strähnen ins Gesicht, als er den Blick senkte, um versessen zu Boden zu starren.

Ausgehend von seiner Handfläche breitete sich schlagartig ein pochender Schmerz aus, der ihm bis in die Schulter hineinzog und ihn aufsehen ließ. Und als sich mehr und mehr Druck auf den Baum aufzubauen begann, übertönte das anwachsende Pulsieren den angestauten Unmut in ihm. Er drückte so lange, bis er vor Schmerzen sogar leise stöhnte. Für den ersten Moment fühlte sich das unglaublich erleichternd an, und fast hätte er sich darin verloren; doch dann fiel ihm ein, dass er die Hand nun mehr denn je brauchen würde.

Sofort senkte er daher den Arm und atmete tief durch. Sonst gelang es ihm doch auch immer, den Durchblick zu behalten. Ein kühler Kopf; das war bisher immer sein Geheimrezept gewesen. Aber wieso fiel ihm gerade heute die Beherrschung so schwer?

Angestrengt kniff er die Augen zusammen, er musste durchatmen.

Der Grund, weshalb er die verunsicherte Sakura kurzerhand hatte stehen lassen müssen, war denkbar simpel: Sie sollte ihn so nicht sehen. Bereits kurz nach dem Unfall, da hatte er sie mit seiner Wut wohl völlig verschreckt. Und um ihr mit einem möglichst nüchternen Kopf gegenübertreten zu können, musste er sich erst sammeln und alles durchdenken.

“Scheiße”, entfuhr es ihm wieder. Normalerweise ging er doch mit Schimpfwörtern sparsamer um. Etwas zittrig fuhr er sich erst durch die Haare, dann durchs Gesicht. Seine Stirn war feucht, ihm war sogar ein wenig übel, als er daraufhin die letzten Tage mit der Neuigkeit in Verbindung brachte. Sein Herz raste unaufhaltsam, als sich die Szene immer und immer wieder vor dem inneren Auge abspielte. Ungebremst war er mit dem Chidori auf Sakura zugelaufen.

Er musst sich beruhigen.

Als hätte ihn der Unfall nicht schon genug gebrandmarkt, schließlich hatte er sie nicht zum ersten Mal beinahe mit dem Chidori durchbohrt. Nur ungern rief er sich diese Erinnerung ins Gedächtnis, denn sie war mit einer großen Last verbunden. Aber hätte er sich diese doch nur schon früher vor Augen geführt; wäre er nur klüger gewesen, dann hätte er sie sicherlich nicht als Trainingspartnerin gewählt und der Unfall wäre nie zustande gekommen. Glücklicherweise schien es nun für Sakura relativ glimpflich ausgegangen zu sein. Alles andere wäre auch unakzeptabel gewesen. Dennoch ärgerte er sich darüber, dass sein Stolz und Eifer, eine effektive Strategie gegen Mangetsu entwickeln zu wollen, ihn in völlige Blindheit getaucht zu haben schienen. Die Angst und die Panik, welche ihr buchstäblich ins Gesicht geschrieben waren, als er wie ein Verrückter auf sie zugelaufen war, ließen ihn nicht mehr los. Und er hätte es verhindern können.

Als wäre das alles nicht längst genug, so rückten die neuen Umstände den Unfall in ein völlig neues Licht – das Schicksal musste ja noch einen draufsetzen.

Als sie ihm vorhin sagte, sie sei schwanger, da war er es, der vor Entsetzen wie erstarrt dagestanden hatte. Und dies hatte genau zweierlei Gründe. Neben im Wesentlichen der Tatsache, dass er Vater werden würde, wurde ihm innerhalb dieser wenigen Sekunden knallhart bewusst, dass er nicht nur Sakura, sondern beinahe sein ungeborenes Kind auf dem Gewissen gehabt hätte. Und auch jetzt lähmte ihn diese Erkenntnis wieder so sehr, dass ihn selbst ein Genin unbemerkt von hinten hätte erdolchen können, ohne dass er es möglicherweise bemerkte.

Seit wann wusste sie davon? Wusste sie es bereits, als sie trainiert hatten? Hatte sie es ihm etwa verheimlicht? Wie kam es überhaupt dazu, sie nahm doch dieses Verhütungsmittel, zumindest hatte sie dies immer gesagt. Wieso hatte sie sich auf ein solches Training eingelassen? Hatte sie sich möglicherweise überschätzt und Angst bekommen, da er sie nicht gänzlich in das Training eingewiesen hatte?

Zähneknirschend schloss Sasuke die Augen. Was sollte er tun? Sauer auf Sakura sein, war das überhaupt angebracht? Oder eher auf sich selbst? Dass es nichts brachte, sich verrückt zu machen, sah er schnell ein. Manchmal bewehrte sich eben doch seine alte Einstellung und Methode, dass Gefühle einem klaren Gedanken nur im Wege standen. Und so versuchte er die Emotionen zu unterdrücken, die ihn quälten, um die gesamte Situation rationaler betrachten zu können. Dies gelang ihm heute aber nur semi-gut.

Es klang zwar banal, aber der Austausch solcher Zärtlichkeiten diente nun mal der Fortpflanzung, oder nicht? Er hätte also damit rechnen müssen, dass etwas Derartiges jederzeit passieren könnte.

Aber das war nicht das eigentliche Problem. Es ging um etwas völlig anderes.

Es war sein Kind. Ja natürlich, von wem sollte es sonst sein? Aber es waren seine Gene, das Vermächtnis des Uchiha-Clans, welches ihn unruhig stimmte, nicht Sakuras. Das Sharingan versprach auf der einen Seite eine große Macht, setzte aber tiefe emotionale und seelische Schmerzen voraus. Zudem kam es in seiner Vergangenheit und Kindheit nicht zu selten vor, dass er der Gier nach seinem Kekkei Genkai völlig ausgesetzt gewesen war. Eine solche Kindheit, die geprägt war von Leid, Schmerz und Manipulation, würde er um jeden Preis für sein eigen Fleisch und Blut verhindern wollen. Natürlich könnte man meinen, dass die jetzige Gegenwart eine völlig andere war, aber wie lange würde das noch so sein? Das wusste niemand. Wie lange würde er in der Lage sein, das Kind vor Unheil zu beschützen? Und ganz unabhängig davon war das Sharingan auch grundsätzlich, wollte man sich weiterentwickeln, mit Schmerz, Leid und Verlust behaftet. Daher stellte sich für ihn tatsächlich die Frage, ob er überhaupt ein Kind in die Welt setzen wollte, welches möglicherweise durch sein Vermächtnis so vorbelastet sein könnte. War es das wert? Konnte er das verantworten? Konnte er Sakura damit belasten?

Er stöhnte und rieb sich die Augen. Bisher hatte er sich nie mit solchen Gedanken auseinandersetzen müssen. Dass das furchtbar klingen musste, konnte er sich denken, und er scheute sich davor, seine Zweifel vor Sakura zu äußern, da er sie verletzten könnte. Und überhaupt war es nun eh nicht mehr zu ändern. Die gegebenen Dinge musste er nun so hinnehmen, wie sie waren. Er konnte nur hoffen, dass das Kind mehr nach seiner Ehefrau kommen würde. Auch, wenn dies eher unwahrscheinlich erschien.

Aber selbst wenn dieser wesentliche Unterschied eintreffen würde, änderte es nichts an dem Problem, welchem sie sich nun zusätzlich zu stellen hatten. Erst Jahre nach der Geburt würde sich zeigen, ob es seine Gene trug, oder nicht. Und bis dahin würde das Erbe der Uchiha das Kind dennoch in den Blick von Feinden schieben. Er dachte da besonders an Mangetsu, der sicherlich keine Mühe scheuen würde, erführe er lediglich von der potenziellen Existenz eines weiteren Uchihas. Natürlich brachte das aktuell auch Sakura in Gefahr.

Verdammt. Der Zeitpunkt einer solchen Nachricht war denkbar ungünstig. Sasuke ballte verzweifelt eine Faust. Es musste doch einen Weg geben, das Unheil von ihr abzuwenden. Er musste einen finden.

Bisher war er derjenige gewesen, welcher am längeren Hebel gesessen hatte, denn Mangetsu wollte etwas von ihm, nicht andersherum. Und nach wie vor war er davon überzeugt, ihm das Handwerk legen zu können, trafen sie aufeinander. Aber nun, wo doch die Möglichkeit bestand, dass es eine weitere Person mit dem Sharingan geben könnte, ein winziges Wesen, welches sich nicht selbst verteidigen könnte, schien ihm auch noch die letzte Kontrolle zwischen seinen Fingern zu entgleiten.

Was sollte er nun als Nächstes tun? Wie konnte er wieder an Kontrolle gewinnen? War dies überhaupt möglich? Wäre es gar besser für Sakura, wenn er sie nach Konoha bringen würde? Das würde ihr bestimmt nicht gefallen.

Fragen über Fragen. Und er wusste um kaum eine Antwort. Eigentlich würde er sie doch am besten schützen können, wenn er an der Seite einer Ehefrau war. Denn es war doch völlig klar, dass, wenn er sie allein ließe, Mangetsu nicht lange zögern würde, bekäme er es heraus. Und in Konoha, unter lauter Menschen, die sie kannten, da würde sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreiten. Und selbst dort könnte er sie nicht ohne Weiteres einfach zurücklassen. Niemand konnte ihm schließlich garantieren, dass diese Organisation nicht ein weiteres Mal in Konoha eindringen würde, Sakura konnte sich in diesem Zustand schließlich nicht selbst verteidigen. Sie mussten also dort sein, wo sie nicht aufzuspüren waren. Und das so lange, bis sie sich und das Kind selbst verteidigen konnte. Und da man sie in Konoha vermuten würde, wäre es äußerst unklug, dorthin zurückzukehren. Sasuke nahm sogar an, dass die Organisation ihr Heimatdorf überwachte, schließlich hatten sie ja auch den Hyuga-Clan ins Auge gefasst. Sie konnten also nicht zurück, er würde sie nur in die Höhle des Löwen stoßen. Das wäre viel zu riskant.

Er blies schwer Luft aus und sah sich jetzt zu allen Seiten um. Wie viele Minuten waren vergangen? Zehn, fünfzehn oder gar zwanzig? Bis eben war ihm das Zeitgefühl wohl völlig entfallen.

Sakura.

Seine Augen weiteten sich etwas, als ihm schlagartig die Verantwortung bewusstwurde, mit welcher er sie völlig allein zurückgelassen hatte. Sie musste doch mindestens genauso verwirrt sein, wie er es war. Er musste zu ihr. Sofort.

Eilig lief er also zurück, fand aber an dem Ort, an welchem er sie hatte stehen lassen, niemanden mehr vor. Und auch die Suche nach ihrem Chakra erwies sich als erfolglos. Als er sich nach Spuren umsah, seufzte er nur ernüchtert. Es waren keine mehr da. Wäre dies ein anderer Anlass, dann hätte er sicherlich anerkennend genickt, denn sie war mittlerweile verdammt gut darin, sich unbemerkt zu bewegen. Unverkennbar deutete ihre Mühe aber auch darauf hin, dass sie nicht gefunden werden wollte. Sasukes Herz wurde schwer. Er musste sie tief getroffen haben.

Zuerst vermutete er, dass sie ins Dorf gegangen sein musste, weshalb er dort zu suchen begann. Aber sie war dort nicht aufzufinden.

Mit seinem mächtigen Falken erhob er sich deshalb in die Lüfte, um von oben nach ihr zu suchen.

Während er von weit oben nach ihr aus Ausschau hielt, überkam ihn nur kurz die Panik, Mangetsu könnte sie womöglich aufgespürt haben. Im nächsten Moment verwarf er den Gedanken aber auch schon wieder, denn woher sollte er wissen, wo sie sich aufhielten? Sakura wäre die Letzte, die diese Nachricht laut rumposaunen würde, sodass die brisante Neuigkeit bereits zu ihm getragen worden wäre. Er konnte es also überhaupt nicht wissen. Und das war gut. Das war ihr Vorteil. Außerdem waren sie ständig in Bewegung gewesen, so würde es äußerst schwer sein, sie überhaupt aufzuspüren.

Automatisch zog es ihn zu einer Flussmündung, als er diese entdeckte, welche nur einen kurzen Fußmarsch vom Dorf entfernt lag. Er wusste, dass Sakura bevorzugt an Orten rastete, an denen es fließend Wasser gab. In vergangenen Tagen hatte sie ihm erzählt, dass es das heitere Plätschern war, welches ihr stets Aufmunterung schenkte, plagten sie lästige Gedanken.

Noch bevor er Landeflug ansetzte, fiel ihm bereits ein Stein vom Herzen, denn er entdeckte endlich ihren rosafarbenen Schopf aus der Ferne.

Die Wolken über ihnen begannen sich bedrohlich zusammenzubrauen, als die mächtigen Flügel des Falken, während des Sinkflugs, den Staub vom Boden aufwirbelten und Sasuke aus sicherer Höhe absprang. Es würde wohl doch noch regnen.

Er entdeckte Sakura auf einem Baumstamm sitzen, der im Gras lag. Sie sah auf das Wasser, hatte ihm den Rücken zugekehrt und tat so, als hätte sie ihn nicht bemerkt. Ihr Chakra hielt sie selbst jetzt noch vor ihm verborgen.

Er zögerte und blieb stehen, während der Falke sich mit lauten Flügelschlägen entfernte. Natürlich hatte sie ihn bemerkt, aber dass sie ihm auch jetzt noch den Rücken zukehrte, verunsicherte ihn zunehmend. Dabei machte sie doch nur genau das, was er vorhin getan hatte.

Tief atmete er jetzt ein, ignorierte das Ziehen in der Brust und ging auf sie zu; ob es ihm nun gefiel, oder nicht. Er musste es irgendwie wieder geradebiegen.

Um sie nicht zu bedrängen, hielt er etwa drei Handbreiten Abstand ein, als er sich neben sie auf das andere Ende des Baumstammes setzte. Dann linste er flüchtig hinüber. Sakura sah ihn aber noch immer nicht an.

Dann sah er genau hin und seine Augen weiteten sich, als sein Atem stockte. Ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen aufgequollen. Wütend biss er die Zähne aufeinander. Was hatte er nur wieder angerichtet? Wenn es einen Preis für den schlechtesten Ehemann der Welt geben würde, dann hätte er den sicherlich heute mit besonderer Auszeichnung gewonnen.

„Wieso bist du weggelaufen?”, fragte er endlich. Dass das die dümmste Frage überhaupt war, die er hätte stellen können, wurde ihm erst bewusst, als er sie ausgesprochen hatte.

Eine Antwort bekam er nicht.

Nervös ballte er eine Faust, während er fieberhaft nach anderen Worten suchte. Ein Gespräch zu beginnen, in dem es um Gefühle ging, zählte auch nach dieser langen Zeit offensichtlich nicht zu seinen Stärken.

Dann wanderte sein Blick automatisch von ihrem Gesicht hinab zu ihrem Bauch. Er war flach, so wie immer. Schwer vorstellbar also, dass sich darin etwas befinden und heranwachsen sollte.

Als ihre Unterlippe leicht zu zittern begann, und sie ihn nun endlich ansah, zog sich seine Luftröhre beengend zusammen. Er sah ihre Mundwinkel weit nach unten zucken, als sie plötzlich laut schniefte und im nächsten Moment auch schon bittere Tränen weinte.

Erschrocken und hilflos riss Sasuke die Augen auf, warf die Hand nach oben und schlug ein Bein über den Baumstamm, auf welchem sie saßen, um sich mit seinem gesamten Oberkörper zu ihr ausrichten zu können.

Um Himmels willen. Was sollte er nur tun?

„Ich wusste es nicht, als wir das Training begonnen hatten”, rief sie völlig verzweifelt. Die Rauheit, welche ihre Stimme untermalte, deutete ihm an, dass sie bereits lang und bitterlich geweint haben musste. Sasukes Kiefer spannte sich an; er war ein solcher Vollidiot.

„Ich ... es ist mir erst währenddessen aufgefallen.” Sie schniefte wieder und wischte sich völlig aufgelöst über das triefend nasse Gesicht, aber es war völlig aussichtslos, gegen die Tränen anzukämpfen. Es kamen immer und immer wieder welche nach. „Ich wollte doch nicht, dass du dich verletzt, und ich wollte es dir schon eher sagen, aber ich wusste doch nicht wie und wann, und sowieso musste ich doch erst sicher sein, und dann warst du so sauer wegen des Unfalls. Und ich wusste nicht, wie du das Ganze finden-”

„Shhh”, säuselte er ihr beruhigend ins Ohr, nachdem er die aufgebrachte Sakura mit einem Ruck an seine Brust gezogen hatte. „Ich verstehe”, erklärte er leise. Sie brauchte nicht weiterzusprechen. Behutsam legte er seine Hand auf ihren Schopf und hielt sie einfach fest, während sie sich so lange ausweinen sollte, wie sie es für nötig hielt. „Es ist doch nichts passiert“, fügte er tröstend hinzu, denn sie weinte so herzzerreißend, dass er dachte, sie würde nie wieder aufhören können.

Er war ein Dummkopf. Ausgerechnet ein solcher, der viel zu viel Glück hatte, welches er gerade tröstend in seinem Arm wiegte. Natürlich hatte sie nie beabsichtigt, ihn zu verärgern; wie war er nur darauf gekommen, sie hätte es ihm absichtlich verheimlicht? So etwas würde sie niemals tun. Diese Feststellung musste alles völlig durcheinandergeworfen haben. Und dann konnte er sich ja nicht mal ansatzweise vorstellen, wie es sich anfühlen musste, eine solche Verantwortung in sich zu tragen. Sie war enorm, und das Schicksal, absolut nicht mit anderen Schicksalen zu vergleichen, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ihrem Kind einhergehen würde, war absolut nicht mit anderen zu vergleichen. Es schien so erdrückend für seine weichherzige Ehefrau zu sein, dass er einen Moment darum fürchtete, sie daran zerbrechen zu sehen. Wie hatte er sie auch nur eine Minute damit alleine lassen können?

Dieses kleine Leben, welches noch ganz am Anfang seines Weges stand, hatten sie zu zweit erschaffen, und so trugen sie auch gemeinsam die Verantwortung dafür. Das würde er niemals leugnen wollen. Und obwohl ihm der Gedanke in vielerlei Hinsicht Angst einjagte, da dieses Kind so viel Ungewissheit in ihre Zukunft bringen würde, zuckte ihm bei dem Gedanken daran, dass Sakura etwas so Besonderes in sich trug, doch tatsächlich der Mundwinkel in die Höhe.

War die Zukunft nicht sowieso immer ungewiss? Ein Kind würde daran doch eigentlich gar nichts ändern. Und es wäre nicht fair, ein Kind, sein Kind, einer solchen Schuldzuweisung zu unterziehen.

Als sie sich endlich schniefend von ihm löste, war der Stoff seines Oberteils längst von ihren Tränen durchtränkt. Das letzte Mal, als er sie so bitterlich hatte weinen sehen, da mussten sie noch Kind gewesen sein.

„Ich bin so eine Heulsuse”, stellte sie unzufrieden fest.

„Das bist du nicht”, widersprach Sasuke ihr sofort.

„Und du bist sicher böse“, murmelte Sakura.

„Wieso sollte ich das sein?”

„Weil es alles durcheinanderbringt. Und ich es dir viel zu spät erzählt habe”, erklärte sie und sah niedergeschlagen zu Boden.

Sasuke seufzte erst, führte dann seine Hand zu ihrem Bauch und stützt sein Kinn auf ihren Kopf, nachdem er sie wieder an sich gezogen hatte. Es nervte ihn, dass sie sich die Schuld für etwas gab, für das sie doch nichts konnte. Wenn einer von ihnen eine Schuld zu tragen hatte, dann war er es; denn nur seinetwegen fühlte sie sich doch so.

Sie zuckte zusammen, als seine Finger die weiche Haut unter dem Stoff berührten. Sanft wippte er seine Finger in einem langsamen Rhythmus über ihren Bauch.

“Was machst du?”, fragte sie, während sie schluchzte und gleichzeitig leise gluckste. Dabei klang sie wieder fast wie die alte, was Sasuke zum Schmunzeln brachte.

„Du bringst gar nichts durcheinander“, sagte er bestimmend. „Die Dinge kommen genau so, wie sie eben kommen sollen“, erklärte er weiter. „Alles im Leben folgt einer höheren Bestimmung, selbst wenn es bedeutet, dass wir nun einen Umweg einschlagen müssen.“

Sakura sah überrascht auf.

Kurz hielt er inne und überlegte, während er ihre grünen Augen begutachtete. Heute wirkten sie so ungewohnt matt, weshalb er schwer schluckte. Dann sah er auf ihre kleine Nasenspitze hinab. „Es tut mir leid, wenn ich alte Gefühle in dir geweckt habe. Das war nicht meine Absicht gewesen.”

Als sich wieder Tränen in ihren Augen zu sammeln begannen, stutzte Sasuke überrascht. Was war nun?

„Das sind wohl die Hormone“, erklärte sie schnell und lächelte entschuldigend, aber zugleich auch so herzerwärmend, dass sein Puls in die Höhe schnellte. Egal, was er auch tat, sie verzieh ihm stets jeden Fehltritt. Sakura war wirklich außergewöhnlich, tolerant, gewissenhaft und verantwortungsvoll. Jede ach so kleine Eigenschaft an ihr war einfach nur wunderbar.

„Und ich verspreche, etwas so Wichtiges nie wieder zu verheimlichen“, sagte sie so entschieden, als schwor sie einen Eid direkt vor dem Hokage.

Sasuke schloss die Augen und nickte, denn es freute ihn, das zu hören.

„Du findest es also nicht schlimm?“

Er stutzte. Dachte sie das etwa immer noch? Er musste sie wirklich sehr verunsichert haben. „Wie könnte ich jemals etwas schlimm finden, das von dir stammt?“ Stirnrunzelnd sah er sie an.

Hörbar sog Sakura Luft ein. Ihre Brust hob sich und verlegen wich sie seinem Blick aus. Während er unauffällig ihre sich rot färbenden Wangen beobachtete, fiel ihm plötzlich etwas ein. Rasch griff er in seine Tasche und holte etwas hervor, was er ihr schon längst hatte geben wollen. Erst hatte er sich nicht getraut, dann war der Zeitpunkt immer ungünstig gewesen. Aber jetzt, da schien er perfekt zu sein.

Sakura hielt inne, als er es ihr vor die Nase hielt. Sein Geschenk. “Was ist das?”, fragte sie und sah blinzelnd zu ihm hinauf.

„Ein Armreif. Also eigentlich sind es zwei. Einen für jeden Arm“, erklärte er. „Ich habe sie selbst aus Chakra geformt. Es hat ein wenig gedauert und es ist eigentlich auch nichts Besonderes.” An beide Nächte, in welchen er sich davongestohlen hatte, um dieses Projekt umzusetzen, erinnerte er sich nur zu gut. Er hatte geflucht und sich geärgert, es aber am Ende doch noch hinbekommen. Jedoch hatte er sich das Ganze schon ein wenig einfacher vorgestellt.

Sasuke lehnte den Kopf ein Stückchen weiter nach vorne, um Sakuras Gesichtsausdruck beobachten zu können, indem er ihr über die Schulter blickte. Sie lehnte mit dem Rücken gegen seine Brust, sodass ihr Gesicht für ihn nicht ohne Weiteres zu erkennen war.

Ihre Augen waren vor lauter Überraschung geweitet. Erst schien sie zu zögern, nahm die beiden Stücke dann aber doch entgegen und begutachtete sie staunend, ehe sie einen Armreif über das eine und dann über das andere Handgelenk streifte. Danach schniefte sie laut und wandte das Gesicht zu ihm. Als sich wieder Tränen in ihren Augen zu sammeln begannen, fragte er sich ernsthaft, wie viele sie davon wohl noch übrighaben konnte. Würden Tränen nicht irgendwann versiegen?

„Entschuldige, die Hormone“, wiederholte sie und trocknete sich rasch die Augen. Dann zog sie beide Mundwinkel in die Höhe. „Die sind umwerfend. Danke“, flüsterte sie heiser und begutachtete erneut ihre mit Schmuck bestückten Arme.

Aber bereits im nächsten Augenblick sah sie ihn erschrocken an und zog bekümmert die Augenbrauen zusammen. „Aber Sasuke, ich habe doch gar nichts für dich.“

Ein Schmunzeln fuhr ihm über die Lippen, als sie ihm diese unsinnigen Bedenkenden äußerte.

„Bestimmt beim nächsten Mal.“ Er lächelte schief, als er ihr zugleich sanft auf die Stirn tippte. Erst weiteten sich verwundert ihre Augen, aber als er ihr sanft mit den Fingern auf den Bauch tippte, schien sie zu verstehen. Schüchtern lächelte sie schließlich, während ihre rosigen Wangen aufgeregt zu glühen begannen.

Er hatte doch längst alles. Und er würde es mit seinem Leben beschützen.

༻✾༺


Freunde der Sonne ;)

Ganz unten gibts ne Überraschung :)

Dies war mal wieder eines der Kapitel, welche mich in den Wahnsinn treiben. Gedanken über Gedanken. Ich kann nur eines sagen: Danke Jenny, dass du mich aufgebaut hast <3

Schön, wenn ihr bis hierhin mitgelesen habt. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige die Geschichte als zu langatmig empfinden. Gerade, wenn man nicht bereit ist, sich hinter die Beziehung der beiden zu denken - aus welchem Grund auch immer. Aber das war schon immer Ziel dieser Geschichte ;P Am Ende werde ich mein Vorgehen gerne etwas genauer erläutern, denn alles folgt tatsächlich einen bestimmten Plan, dessen Inhalt ich ständig neu erfinden musste.

Ach... und das mit dem Chakra ;) Ich habe das schon häufig zwischen den Zeilen gelesen, vermutlich ist es nur ein Gerücht, dass Sasuke ihr etwas aus Chakra angefertigt hat. Also in keiner Geschichte, sondern in Foren! Ich fand den Gedanken aber ganz nett und habe ihn etwas abgewandelt So viel dazu.

Dann habe ich mir übrigens ein Buch gekauft, um mich selbst im Schreiben weiterentwickeln zu können. Vornehmlich werde ich mich in der nächsten Geschichte damit befassen. Aber schonmal vorweg: Der Autor zählt unterschiedliche Gründe auf, weshalb die Menschen überhaupt das Schreiben verfolgen. Besonders in seiner ersten Angabe habe ich mich zu hundert Prozent wiedergefunden.

Etwas kürzer und in eigenen Worten wiedergegeben:

Der Autor möchte die Welt begreifen. Ein Fragment der Wirklichkeit (haha ;P) wird untersucht und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Man enthüllt damit die Wahrheit und bringt Ordnung in sein Gedankenchaos. Schreiben ist wie eine Therapie (vgl. Steele, 2020).

Ja, verdammt. Ohne Scheiß. Kishimoto hat so ein Gedankenchaos in mir verursacht, als Boruto begann. Ich bin fast durchgedreht. Ich wollte es verstehen. Jetzt tu ich es, zumindest aus meinem Blickwinkel. Endlich.
Den Manga habe ich ja nicht gelesen und bis Corona auch kein Naruto oder keine Animes mehr geschaut. Deshalb war das mit Sarada und der Beziehung zwischen den beiden auch echt neu für mich.

Aber um nochmal auf das Buch zurückzukommen:
Wie bereits gesagt, ich fiebere auf das Ende der Geschichte zu, um mich dann mit dem Buch in die nächste Geschichte zu stürzen ;P

Und nun die Überraschung: Zu meinem Ehrentag, am Mittwoch (25.08), werde ich außer der Reihe ein weiteres Kapitel veröffentlichen;) Und dann natürlich wieder am Samstag.

Liebe Grüße an Fuchsi <3

Fühlt euch gedrückt




Die Uni zahlt sich aus:

Literatur:

Steele A. (Hg.) (2020). Creative Writing. Romane und Kurzgeschichten schreiben. 6. Auflage. Berlin: Autorenhaus Verlag GmbH, S. 26
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