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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
31
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
14.08.2021 4.516
 
Sakura Pov

༻❀༺


Sakura lauschte dem Rascheln der Bäume im Abendwind, während sie Sasuke aus den Augenwinkeln dabei beobachtete, wie er einzelne Äste so stapelte, dass ein ergiebiges Lagerfeuer daraus entzündet werden konnte. Das schmalere Holz diente ihm als Untergrund, und nach oben hin verbaute er zunehmend die größer gewachsenen Äste. Genau so machte man es, so hatten sie es gelernt. Denn nur so besaß der untere Teil genug Raum, um sich zu entzünden und die hohen und konstanten Flammen erzeugen zu können, die nötig waren, um die dickeren Äste auf ihre Entzündungstemperatur, auch Flammpunkt genannt, zu erhitzen. Bereits in ihrem ersten Ausbildungsjahr war dies Bestandteil der Praxisübung „Überleben in der Wildnis“ gewesen. Sakura lächelte. Weshalb sich ausgerechnet diese Worte von Sensei Iruka so eingebrannt hatten, wusste sie nicht. Dabei hatte sie diese Übung nicht mal mit Sasuke durchführen müssen. Jedoch schien nicht nur sie sich diese Technik ihres ersten Senseis eingeprägt zu haben.

Sakura wandte sich wieder ihrer Tasche zu. Gemeinsam waren sie im Inbegriff, ihr Abendlager auf einer kleinen Lichtung aufzubauen, die im Schutz breiter und uralter Bäume stand.

Ein solch langer Tagesmarsch, wie sie ihn heute zurückgelegt hatten, machte Sakura schon seit geraumer Zeit kaum noch etwas aus. Dennoch begann sie sich zu fragen, wie lange das noch gut gehen würde?

Sie musste es ihm unbedingt sagen.

Sie gähnte leise, nachdem sie ihre Bürste aus der Tasche genommen hatte, um ihr Haar zu entwirren. Ein wenig erschöpft war sie wohl doch.

Seit dem Unfall waren nun fast zwei ganze Tage vergangen. Und eigentlich hatte Sakura damit gerechnet, dass ihm die Wunden, die er sich dabei zugezogen hatte, noch ein- oder zweimal aufreißen würden, aber er agierte, in allem was er danach tat, überaus vorsichtig. Selbst beim Errichten des Feuers. Und so heilten die Wunden besser, was in vielerlei Hinsicht ein Vorteil war. Natürlich würde Sasuke niemals zögern, mit der verletzten Hand sein Schwert zu ziehen, wenn es denn sein musste; seinen Regenerationsprozess würde es aber zurückwerfen. Genau so hatte sie es ihm deutlich zu vermitteln versucht und so wie es aussah hatte es wohl gefruchtet.

Auf der einen Seite war es die Heilung, die Sakura primär anstrebte, auf der anderen stand aber auch ein weiterer und überaus wichtiger Punkt im Raum. Beiden waren sie sich absolut im Klaren darüber, dass Mangetsu einfach hinter der nächsten Ecke auftauchen könnte. Möglicherweise liefen sie ihm gerade unbewusst direkt in die Arme. Bereits in der Vergangenheit war es ihm gelungen, die beiden aufzuspüren und sie sogar so zu manipulieren, dass sie letztendlich dort waren, wo er sie haben wollte. Das war durchaus beunruhigend. Damals war es allerdings Kato, dem sie dies zu verdanken hatten, so nahm Sasuke es zumindest an. Trotzdem hielt er es, unter Anbetracht ihrer momentanen Umstände – dabei kannte er ja eigentlich nur die halbe Wahrheit - für ratsam, nicht länger als einen Tag an ein und demselben Ort zu verweilen. Darüber hinaus nahmen sie sich vor, falls sie sich irgendwo vorstellen mussten, weder ihren Nachnamen noch, dass die aus Konoha kamen, preiszugeben. Generell wollten sie erst gemeinsam und in Ruhe darüber beraten, ob sie sich zukünftig einem Fremden anvertrauten, oder es lieber ließen. Er hatte es als reine Vorsichtsmaßnahme bezeichnet und Sakura hatte ihm in jedem Punkt zugestimmt.

Besonders in solchen Momenten, in denen er zur Ruhe kam, sah man ihm an, dass ihn der Unfall nach wie vor beschäftigte. Unauffällig betrachtete er dabei Sakura stets mit dieser einen kleinen Falte, und, wanderte sein Blick hinab zu ihren Beinen, meißelte sie sich tief in seine Stirn. Dieser Blick war ihr jedoch längst zu vertraut, als dass er ihr entgehen könnte. Zugegeben, ihre Beine sahen wirklich schlimm aus, deshalb hatte Sakura zumindest die Schienbeine mit älteren Verbänden verdeckt. So musste er diese nicht permanent sehen. Sie waren blau, grün und lila gefleckt und auch gepunktet, als hätte jemand achtlos darauf eingeschlagen. Die große Schürfwunde am Bein war bereits vollkommen verkrustet und weitaus weniger schlimm, als die Verletzung, die er sich an der Hand zugezogen hatte.

Niemals hätte er eine solche Übung mit ihr durchführen sollen. Genau diesen Wortlaut hatte er verwendet, als sie versucht hatte, ihm seine Selbstvorwürfe bezüglich des Trainings nehmen zu wollen. Währenddessen hatte er wieder seinen Kiefer krampfhaft angespannt und die Lippen schmal gehalten. Sakura fühlte sich ebenso schlecht, wenn sie ihn so sah, denn natürlich war es nicht seine Schuld gewesen. Die Übung war durchführbar, gar keine Frage. Sie hatte schon ganz andere Abläufe, die weitaus schmerzhafter waren, geübt. Aber ihm die passende Erklärung zu liefern, dazu war sie noch nicht bereit. Bisher überwog einfach die Angst, sie könnte seine Stimmung dadurch nur noch weiter drücken oder ihn nur unnötig aufwühlen. Und in einer Sache war sie sich ziemlich sicher: es würde rein gar nichts an der von ihm vorgenommenen Schuldzuweisung ändern.

Solange sie nun selbst unsicher war, wie sie zu dieser Sache überhaupt stand, konnte sie es ihm doch nicht sagen. Wie sollte sie es in Worte fassen? Ein Brief war wohl kaum eine Option.

Nachdem die beiden etwas Nahrhaftes zu sich genommen hatten, half Sakura ihrem Ehemann, sich im Fluss zu säubern. Die dünne und frische Haut, welche sie mithilfe ihrer Fähigkeiten durch angeregte Zellteilung gebildet hatte, sollte möglichst noch nicht feucht werden, da sie sonst einzureißen drohte. Und da er den anderen Arm im Kampf verloren hatte, musste sie ihm helfen. Die Schweigsamkeit, die sie beide in diesen Tagen verband, lag seit dem Unfall wie ein schweres Netz aus Ketten über ihrer Stimmung gespannt und hielt diese permanent gedrückt. Besonders Sakura fiel es in diesen Tagen nicht leicht, sich unbekümmert zu unterhalten und das wirkte sich natürlich auch auf Sasuke aus. Die Angst, ihr könnte aus Versehen etwas herausrutschen, oder sie müsste ihn gar abermals anlügen, zügelte ihre Sprache.

In Gedanken versunken ließ er Sakura machen, während er den Arm nach oben hielt, damit er nicht nass wurde. Binnen kürzester Zeit wusch sie seinen gut trainierten Oberkörper und drückte ihm die Zahnbürste in die Hand. Dann stemmte sie die Hände in die Hüften und wartete ungeduldig. So langsam, wie er es heute tat, hatte er mit der Bürste wohl noch keine Kreise gezogen. Endlich spuckte er Schaum aus und gab ihr die Zahnbürste zurück.

„Danke“, säuselte sie leise, als sie diese entgegennahm, um wieder aus dem für die hüfthohen Wasser zu stiefeln.

Seit Sakura diesen winzigen Chakrastrom in ihrem Körper bemerkt hatte, fühlte sie sich zwiegespalten. Machten sie aber eine kurze Pause, so überprüfte sie ihn täglich mehrfach, da sie, trotz Sasukes Rettungsaktion, ja dennoch gestürzt war. Und obwohl sie sich unsicher fühlte, so wuchs bei jedem Mal die Angst, das winzige Leben könnte plötzlich nicht mehr zu finden sein.

Erst heute Mittag, da hatte sie die Luft anhalten müssen, da sie ein wenig länger nach dem Chakra hatte suchen müssen. Aber als sie es endlich fand, ein wenig versetzt, da durchfuhr sie ein unendlich erleichterndes Gefühl, welches sie anschließend ins Grübeln brachte. Verwundert darüber, dass ihr Herz so aufgeregt pochte und sie eine solche Angst verspürt hatte, es könnte verschwunden sein, legte sie eine Hand an ihre Brust. Das Gefühl, welches sie gerade durchfuhr, war sagenhaft. Herzerwärmend, neu und auf eine ganz besondere Art und Weise aufregend und brachte sie einfach zum Lächeln.

Als Sakura am nächsten Tag aufwachte und sich vom Boden erhob, wurde sie nach nur wenigen Schritten abermals von diesem sauren Druck überrascht, der sich in ihrer Speiseröhre emporschob. Schnell wollte sie hinter dem nächsten Baum verschwinden, damit Sasuke nichts mitbekam, aber ihre überhastigen Schritte entgingen seinem aufmerksamen Blick natürlich nicht.

Kurz darauf brannte sich auch schon sein besorgter Blick in ihren Nacken. Mit dem Handrücken wischte sie sich vielleicht etwas voreilig über den Mund, während sie noch vor ihrem Erbrochenem kniete und Sasuke ihr bereits einen Becher mit Wasser entgegenhielt. Aber noch bevor sie diesen entgegennehmen konnte, spuckte sie einen weiteren Schwall Gallenflüssigkeit auf den Boden. Da war nichts mehr, was sie auswerfen konnte. Gefrühstückt hatte sie schließlich noch nichts.

„Danke“, murmelte Sakura beschämt und scheute davor, ihm direkt ins Gesicht zu sehen. Das war albern, denn natürlich hatte sie nicht, wie bei dem Spiel Scharade, das Wort schwanger auf ihrer Stirn kleben. Trotzdem fühlte es sich irgendwie so an.

Automatisch linste sie aber dennoch zu ihm und erkannte, dass er sein Gesicht angespannt hielt. „Sakura“, begann er ernst, woraufhin sie schnell wegsah. „Du kannst mir nicht erzählen, dass es normal ist, dass du dich schon wieder übergeben hast. Im nächsten Dorf gehst du zu einem Arzt.“

„Aber ich bin doch quasi Ärztin“, wandte sie abwehrend ein und sah ihn an. Lange genug hatte sie im Krankenhaus von Konoha gearbeitet. Aber bekanntlich waren Ärzte ja die schlimmsten Patienten.

„Zu einem anderen Arzt“, betonte er scharf. „Oder weißt du, was mit dir los ist?!“

„Ich brauche keinen Arzt“, erklärte sie und überging so seine Frage.

Verärgert zischte Sasuke kurzerhand, drehte sich dann einfach um und ging zurück zum Lager. Sein Einwand war wohl eher eine Forderung als eine Bitte.

Erschrocken darüber, dass er sie angezischt hatte und sie zurückließ, wurde ihr Herz zunehmend schwerer. Rasch schluckte sie, als sich auch noch ein verdammter Kloß in ihrem Hals zu bilden begann - weinen wollte sie nicht. Er musste sie für völlig verantwortungslos halten. „I- ich meine. Es ist nichts“, rief sie ihm noch nach, aber er ignorierte es.

Am nächsten Morgen ging es Sakura ähnlich, jedoch suchte sie vorsorglich sofort das Weite, bevor der Druck nicht mehr zu halten war. Langsam wurde es wohl zur Gewohnheit, denn sie ekelte sich mit jedem Mal weniger. Anschließend nutzte sie die Zeit und untersuchte wieder ihren Bauch. Lächelnd hielt sie ihre Hände einen Moment über der Stelle, an der das kleine Chakra lebhaft seine kleinen Kreise schlug und beobachtete es ganz genau. Vor Aufregung schlug ihr eigenes Herz nun schneller und versetzte auch den winzigen Strom in Rage. Währenddessen wurde ihr zunehmend bewusst, dass sie sich mit jedem Tag mehr und mehr mit dem Gedanken anzufreunden schien. Dieser winzige Samen in ihr, er würde langsam aber sicher zu einem Kind heranwachsen - ihrem Kind. Dem Kind von Sasuke Uchiha. Sakura legte den Kopf schief und lächelte, während sich dieser Gedanke wie ein warmer Schleier um ihr Herz legte und es sanft drückte. Nicht mehr lange, dann würde sie dafür bereit sein, es ihm zu sagen. Da war sie sich sicher.

Den ganzen weiteren Tag über ging es ihr fabelhaft und Sakura taute zunehmend auf. Die Übelkeit schien wohl offensichtlich nur morgens aufzutreten, was ein enormer Vorteil war, denn so würde sie ihr Unwohlsein für eine gewisse Zeit gut verbergen können, bis sie bereit war, es Sasuke zu sagen. Sie strotzte fast vor guter Laune, was sich auch positiv auf ihn auswirkte. Er war weniger verkrampft und zog auch mal wieder den Mundwinkel in die andere Richtung.

Wieder legten sie an diesem Tag einen langen Fußmarsch zurück und ließen dabei zwei kleine Dörfer hinter sich. Aus diesem Grund begann Sakura sich zu fragen, ob Sasuke ein bestimmtes Ziel vor Auge hatte. Üblich war es so, dass sie dorthin gingen, wo der Weg sie eben hinführte; ein bestimmtes Ziel hatten sie derweilen ja nicht anpeilen können. Und so hatte Sakura ihm beim letzten Mal über die Schulter gelinst, als er die Karte entfaltet und anhand des Standes der Sonne die Himmelsrichtung bestimmte hatte. Als sie sein Ziel auf der Karte identifiziert hatte, hielt sie erschrocken die Luft an, denn die Absicht dahinter war unverkennbar. Mit weitem Abstand war es das größte Dorf in der Umgebung. So war die Wahrscheinlichkeit, dass es dort eine ärztliche Versorgung gab, natürlich recht hoch. Kurz stand sie wie erstarrt da, als ihr nun siedend heiß bewusstwurde, dass ihr die Zeit davonlief. Spätestens der dort praktizierende Arzt würde es laut aussprechen. Und bereits morgen würden sie das Dorf erreichen. Panisch schlug sie sich die Hand vor den Mund. Sie musste es ihm vorher unbedingt sagen.

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„Hast du noch Schmerzen?“, erkundigte sie sich am Abend, während sie vor Sasuke kniete, die Salbe aus der Tasche nahm, um den Deckel abzuschrauben.

„Nicht wirklich“, antwortete er, worüber Sakura ihn skeptisch ansah. Das konnte kaum stimmen. Stumm sprach sie das Wort Sturkopf, ließ ihn aber in dem Glauben, sie würde es ihm abkaufen. Das Wort Schmerzmittel wollte er ja nicht mal hören, weshalb es keinen Sinn ergab, mit ihm darüber zu diskutieren.

Sakura stutzte, als sie zu einem frischen Verband griff, um seine Hand darin zu bandagieren. Es war der letzte. Morgen müsste sie also neuen besorgen, wenn sie doch schonmal eine größere Stadt durchquerten.

Als sie den Knoten zur Fixierung zusammenzog, spürte sie auch schon im nächsten Moment seine Hand an ihrer Hüfte. Mit einem Ruck zog er ihren Körper zu seinem heran, sodass sie zwischen seine Beine fiel. Sie flog sanft, denn er schien es darauf abgezielt zu haben, dass sie nicht auf ihren aufgeschürften Beinen landete, sondern auf dem Po. Ehe sie wusste, was mit ihr geschah, spürte sie seinen Herzschlag bereits zu ihrem Ohr durchdringen.

Kurz blieb ihr die Luft weg, denn es war das erste Mal, seit dem Unfall, dass er eine solche Nähe zu ihr suchte. Und da seine Berührung Balsam für ihre Seele war, blieb sie mit der Wange einfach auf seiner Brust liegen und schloss die Augen. Sein Atem brachte unterdessen die kleinen Härchen an ihrer Schläfe zum Beben, woraufhin ihr ein mädchenhaftes Kichern entwich. Wie sehr sie seine körperliche Nähe doch vermisst hatte.

„Das kitzelt, Sasuke“, erklärte sie lachend und drehte sich so, dass sich ihre Schläfe nicht in seinem Atemzug befand. Gerade noch rechtzeitig hatte sie zu ihm hinaufgesehen, um zu erkennen, dass sein Mundwinkel in die Höhe gezuckt war. Die Augen hielt er jedoch geschlossen.

„Du bist sauer, oder?“, fragte er nach einer Weile. Sakura hatte in der Zwischenzeit ebenfalls die Lider gesenkt und konzentriert seinem gleichmäßigen und beruhigenden Herzschlag gelauscht.

„Nein, wieso sollte ich?“, fragte sie seelenruhig.

„Weil du mir etwas verheimlichst.“

Sakura erstarrte. Hatte er doch etwas bemerkt? Verwirrt sah sie auf.

„W- was …“. Hatte er etwa Verdacht geschöpft? Nein, bestimmt nicht, wie konnte er?

„Shhh.“ Sanft berührte er mit seinen Daumen ihre Lippen und ihr Herz überschlug sich bei dieser Geste. Als er den Daumen zurückzog, hinterließ dieser ein prickelndes Gefühl auf ihren Lippen, während das Licht der untergehenden Sonne kurzzeitig in seinen Augen aufflackerte. „Du musst es mir nicht sagen.“

Aber sie musste es ihm doch sagen. Sicher dachte er, es wäre etwas Belangloses, was sie eine gewisse Zeit vor sich herschieben könnte. Aber das war es doch nicht. Sakura presste sie Lippen aufeinander, öffnete dann den Mund, aber es kam kein Ton heraus.

Wieder zog er sie an sich. Um bequem sitzen zu können, lehnte sie sich jetzt mit dem Rücken an seine Brust. Sie wusste, dass ihre Aufschübe nur dumme Ausreden waren, aber jetzt gerade wollte sie diesen Moment nicht zerstören. Zu sehr hatte sie sich nach seiner Nähe gesehnt und sicherlich würde er sie loslassen, teilte sie ihm diese Nachricht mit. Es würde ihn aufwühlen, das war sicher. Morgen. Morgen würde sie es tun wollen. Völlig unabhängig davon, ob sie sich danach fühlte oder nicht.

In der heutigen Nacht schlief Sakura so gut, wie schon seit Tagen nicht. Eng umschlungen wärmte ein Körper den anderen.

⋯ ♡ ⋯

Am nächsten Morgen verspürte Sakura ausnahmsweise mal keine Übelkeit. Aber anstatt sich zu freuen, erschrak sie furchtbar darüber und zog sich zurück. Mit zittrigen Händen fuhr sie sich über den Bauch und seufzte dann erleichtert, denn alles schien auch heute in bester Ordnung zu sein.

Sasuke sah von seiner Karte auf und hob misstrauisch die Braue, als sie fröhlich aus den Büschen stolzierte.

„Hast du einen Topf voll Gold gefunden?“, wollte er wissen.

„Ähm. So etwas Ähnliches“, antwortete sie aus dem Affekt und lachte nervös.

Statt weiter nachzubohren, packte er seine Tasche. Sakura ließ daraufhin die Schultern hängen, denn sie hätte sich gewünscht, dass er es tun würde. Im nächsten Moment später drückte er ihr auch schon die Reste von gestern Abend als Frühstück in die Hand, und Sakura blinzelte ihn verwirrt an. Er schien es heute besonders eilig zu haben. Und das kam ihr so gar nicht entgegen.

Die Sonne stand hoch am Himmel und kündigte bereits in den ersten Zügen ihren Abgang und damit den Nachmittag an.

Langsam aber sicher begann Sakura richtig ins Schwitzen zu kommen, denn in wenigen Minuten würden sie das Dorf erreichen und noch immer hatte sie es ihm nicht gesagt.

Sie sollte es jetzt tun. Kurz und schmerzlos. Jetzt oder nie.

Gerade als sie ansetzten wollte, um ihn zu überholen und sich ihm in den Weg zu stellen, hörte sie jemanden laut rufen.

„Guuuten Taaag. Haaaallooo“, rief eine krächzende Stimme. Beide sahen sich danach um und entdeckten eine alte Frau an einem Gehstock, die sich an einem Zaun festhielt und aufgeregt winkte. „Könnten Sie mir bitte helfen?“

Na super. Sakura stöhnte laut und erntete von Sasuke einen irritierten Blick. Gemeinsam gingen sie anschließend auf die alte Dame zu.

„Guten Tag“, grüßte sie und lächelte. „Ein Glück, dass sie hier vorbeikommen. Mein Enkel hat mich stehen lassen“, erklärte sie und deutete auf einen Stapel Brennholz, der neben ihr lag. „Und er kommt einfach nicht wieder. Dabei hatte er es fest versprochen. Das Holz muss nach Hause, bevor es regnet.“

„Es soll regnen?“, Sakura legte die Stirn in Falten und sah in den blauen Himmel. Danach sah es aber nicht aus.

„Ja, mein Kind, die Spechte lachen“, erwiderte die alte Dame und deutete auf den Wald, rechts neben sich. „Hör nur“, sagte sie dann und schwieg so lange, bis tatsächlich der Laut eines Vogels zu hören war, welcher wie ein schadenfrohes Lachen klang. „Das bedeutet, dass es bald Regen geben wird“, erklärte sie weiter. Sakura blieb von dieser alten Bauernweisheit, die sie heute zum ersten Mal hörte, unbeeindruckt. So was traf doch fast nie zu.

„Sicher helfen wir“, sagte Sakura dann schließlich seufzend, ohne überhaupt großartig darüber nachzudenken. Nie würde sie jemanden die Hilfe ausschlagen, wenn man sie nett darum bat. Freundlich lächelnd betrachtete sie das Holz nun genauer. Aber als ihr schlagartig klar wurde, dass keiner von ihnen beiden diesen schweren Holzstapel würde tragen können, klappte ihr der Mund auf. Verdammt.

Sasuke trat neben sie und streckte seinen Arm aus, um zu überprüfen, wie er das am besten Holz tragen könnte.

„Bist du von allen guten Geistern verlassen?“, fuhr sie ihn streng an. Mit seiner Hand würde er gar nichts tragen. Das Risiko, dass das Gewicht die Haut beschädigte oder sich ein Splitter durch den Stoffverband bohrte und seine Haut aufriss, war viel zu hoch.

„Dann trag du es doch“, erwiderte er und sah sie nüchtern an.

Sie schluckte hastig und starrte wieder auf den Stapel. Ja … Im Normalfall wäre das ja gar kein Problem … aber unter diesen Umständen? Hektisch wischte sie sich über die Stirn, denn Sasukes neugieriger Blick versetzte sie erneut in Schweißausbrüche. Wie zum Geier schaffte sie es nur immer wieder, sich in solch blöde Situationen zu verstricken? Wegen eines blöden Holzstapels. Vor der alten Oma konnte sie ihm doch nicht sagen, dass er bald Vater werden würde.

Sakura zögerte. Beobachtet, von einem Sasuke, der sie abwartend ansah und einer alten Dame, die sich an einem Zaun festhielt, um nicht umzufallen. Was war das überhaupt für ein Enkel, der seine Großmutter mit einem solchen Stapel Holz zurückließ? Sie schüttelte fassungslos den Kopf.

„Nicht, dass wir noch nass werden“, fügte sie hinzu, um die Dringlichkeit zu betonen.

„Ja, ja. Nur … i-i-ich … äh …kann das leider nicht tragen …“, murmelte Sakura und sah die alte schließlich Dame mit hängenden Schultern an. „Tut mir leid, aber das ist zu schwer für mich.“

Aus den Augenwinkeln sah sie Sasuke nicht eine Miene verziehen.

„Jammerschade. Und was mache ich jetzt?“

Verdammt, aber sie konnten die alte Dame doch nicht einfach so stehen lassen.

„Ahhh“, rief die runzlige Frau plötzlich und deutete mit einem Finger hinter Sakura. „Da kommt ja endlich mein Enkel.“

Sakura drehte sich wie in Zeitlupe um und sah einen jungen Mann mit einer Holzkarre heraneilen. Wieder klappte ihr der Mund auf. War das ihr Ernst? Bestimmt stand sie hier lediglich fünf Minuten. Verzweifelt fuhr sie sich mit der Hand durchs Gesicht. Das hier war gerade alles unnötig gewesen? Echt jetzt?

„Danke trotzdem“, sagte die alte Dame und winkte ihnen zum Abschied zu.

Ohne sich auch nur nach ihm umzudrehen, ging Sakura jetzt stocksteif weiter. Wie versessen starrte sie auf den Boden und ihre Füße waren es, die ihr den Weg wiesen, denn ihr Kopf konnte in diesem Moment nur Panik schüren. Jetzt kam sie nicht mehr drum herum. Dass er ihr folgte, entnahm sie seinen Schritten, die nicht von ihrem Weg abwichen.

An einem Ort, der ein wenig abseits jener Leute lag, die in diesem Dorf wohnten, hielt sie an und wandte sich noch im selben Atemzug um.

Sasukes Gesichtsausdruck war ernst geworden, was sie kurz den letzten Hauch an Mut kostete, an welchen sie sich noch bis eben so festgeklammert hatte.

„Nun ja … es ist so … dass ich“, begann sie zu stottern. „Na ja. Mir ging es ja nicht so gut und so. Aber das weißt du ja bereits“, sie lachte ein wenig hysterisch. Oh Gott war das schlecht.

„Komm zum Punkt, Sakura“, sagte er bestimmend, aber nicht unfreundlich.

Jetzt oder nie.

Sie kniff die Augen zusammen, ballte ihre Hände entschlossen zu Fäusten und schrie es einfach laut hinaus: „Ich äh, ich bin schwanger.“

Mit einem Mal fiel die zentnerschwere Last von ihren Schultern ab, die sie so beschwerlich hatte mit sich schleppen müssen. Sie hatte es ausgesprochen. Endlich. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, ihr Gesicht glühte so sehr, dass sie kurz dachte, sie würde spontan einem Hitzetod erliegen. Aber der nächste Atemzug gelang ihr schon wieder recht gut, woraufhin ihre Nervosität ein wenig zurückwich.

Sie wartete noch einen Moment, bis sie ein Auge vorsichtig öffnete, um nach ihm zu sehen.

Sasuke war nur wenige Meter vor ihr zu einer Salzsäule erstarrt. Sein Gesichtsausruck war nicht mehr ernst, sondern er wirkte nun überrascht, seine Augen waren geweitet und sein Mund stand einen Spalt weit offen. Damit hatte er wohl offensichtlich am wenigsten gerechnet.

Als sie das zweite Auge öffnete, begann sie anschließend nervös ihre Finger zu kneten. Wie gebannt starrte sie abwechselnd von seinen Füßen zu seinem Gesicht und wartete auf eine Reaktion.

Aber als er auch nach einer weiteren Minute nur so dagestanden hatte, ohne sich zu bewegen, trat sie entschieden einen Schritt auf ihn zu.

„Sasuke?“ Ihre Stimme klang vorsichtig und sanft. Nicht, dass er einen Schock erlitten hatte. Je nachdem wie man das Ganze auffasste, war die Nachricht ja zugegeben nicht ganz ohne. So langsam wurde ihr das Warten aber unerträglich.

„Liebling?“, sprach sie ihn vorsichtig an und spürte gleichzeitig, wie sich ein verzweifelter Kloß in ihrem Hals bildete.

Bei dem Wort Liebling zogen ihm innerhalb kürzester Zeit genau zwei Emotionen durch das Gesicht. Sakura musste schwer schlucken, als er sie ansah, und sich gleichzeitig darum bemühen, nicht die Fassung zu verlieren. Erst schien er völlig entsetzt zu sein, sah von ihr ab in die Ferne, und dann biss er wehmütig die Zähne aufeinander, als bereute er etwas. Möglicherweise, dass er mit ihr zusammen war? Dass das in ihrem Bauch passiert war? Der herzerwärmende Schleier, welcher bis eben noch so wohltuend um ihr Herz gelegen hatte, wurde von einem Dornenkleid eingenommen. Von jetzt auf gleich hatte sie das Gefühl, die Anziehungskraft der Erde wäre plötzlich um ein Vielfaches stärker geworden, sodass man große Mühe hatte, sich überhaupt auf den Beinen zu halten. Automatisch wich sie einen Schritt zurück, um Abstand von Sasuke zu gewinnen, und stellte erschrocken fest, dass sie just in diesem Moment von dem Gefühl eingenommen wurde, sich von ihm entfernen zu wollen. Das Gefühl, welches er ihr mit seiner Reaktion vermittelte, war ihr mittlerweile so fremd geworden, dass es sie so sehr erschlug, als falle sie zum ersten Mal in ein solch tiefes Loch ihrer Emotionen. Obwohl sie mit einer solchen Reaktion doch gerechnet hatte, war das alles hier nun so viel erdrückender, als sie es je zu träumen gewagt hätte. Sakura schniefte laut. Und irgendwo konnte sie es verstehen, denn er musste stinksauer sein; schließlich hatte sie es viel zu lange vor ihm verheimlicht.

Er sah noch immer an ihr vorbei, woraus sie schloss, dass er sie nicht mal mehr ansehen wollte. „Ich brauche einen Moment“, murmelte er plötzlich apathisch und verschwand in nur wenigen Sprüngen hinter den nächsten Bäumen.

Während sie ihren Ehemann in die völlig entgegengesetzte Richtung gehen sah, als in die, in welcher sie stand, brachen ihre Dämme vollständig.

Und wieder war er gegangen.

Dabei hatte er doch gesagt, er wollte es nicht mehr tun.


༻❀༺
©JuliTales


Freunde der Sonne :)

Wie gehts, wie stehts? Ich war gestern das erste Mal seit Corona wieder in einem Schwimmbad. Es war so leer, eingeschränkte Besucherzahl, das war der Wahnsinn. Meine kleine Nichte (7) ist gefühlte hunderte Mal vom 3 -Meter-Brett gesprungen, während ich mit schlotternden Beinen daneben stand und mir dachte: Das kann doch nicht wahr sein. Wieso hab ich so nen Schiss? xD Irgendwann habe ich es dann auch vom Turm geschafft. Und das nicht über der Leiter! Ich versuch das echt immer wieder, aber bei jedem Mal sterbe ich fast vor Angst, bin wie gelähmt und frage mich, wieso ich mir das überhaupt antue ^^ Bisher bin ich aber immer gesprungen. Ich habs sogar gleich nochmal probiert, in der Hoffnung, dass ich durch den Erfolg weniger Angst haben würde. Leider war das nicht der Fall xD Es hat beim zweiten Mal sogar noch länger gedauert. Gut, dass kaum was los war ...

Abgefahren, dass der Kopf, nur weil es von oben so viel tiefer aussieht, den Körper sperrt.

Na ja :) Vielleicht seid ihr da mutiger xD

Nächsten Samstag gehts dann weiter.
Lieben Dank an Jenny, denn sie hat das Kapitel sogar in ihrem Urlaub korrigiert! :-*

Aktuell geht mir das Schreiben leider nicht so leicht von der Hand, muss ihr ehrlich zugeben. Woran es genau liegt, kann ich nur vermuten. Möglicherweise, ist es die wenige Resonanz aus den letzten Wochen (ausgenommen ist hier natürlich der harte Kern ;)), trotz meiner hohen Zeitinvestition, die einer Leserin natürlich verborgen bleibt. Ich hoffe, dass ganz schnell ein neuer Motivationsschub kommt, denn eigentlich lasse ich mich eher weniger von meinen negativen Gedanken unterkriegen. Fühle ich mich jedoch nicht so nach dem Schreiben, dann brauche ich auch einfach deutlich länger und bin echt unzufrieden mit dem, was ich so produziere^^ Oder nennt man das nun Schreibblockade? Keine Ahnung. Bisher bin ich davon verschont geblieben ... denke ich. Es ist nicht so, dass ich ja nicht wüsste, was ich schreiben möchte. Vielleicht habe ich auch in den letzten Wochen einfach viel zu viel Zeit investiert, dass mir die Lust ein wenig vergangen ist? Who knows. Jedenfalls schlaucht mich das doch schon sehr. Die Geschichte ist mittlerweile auch einfach sehr lang und ich würde sie gerne endlich abschließen können. Und das natürlich möglichst ordentlich.

Hach ja ☺ Genug gejammert.

Und keine Sorge, denn ein wenig habe ich vorproduziert und bleibe natürlich weiterhin am Ball :) Aber vielleicht lass ich die Feder doch ein paar Tage ruhen ;)

Habt ein schönes Wochenende.

Bis nächsten Samstag ;)

Eure Juli
<3
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