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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
32
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
07.08.2021 4.610
 
Sakura Pov

༻❀༺


Sakura betrachtete sich im Spiegel und den Knoten in ihrem Handtuch. Schwer fielen ihr die kühlen Haarsträhnen über die Schultern. Während sie gleichzeitig ihren Kopf schüttelte, fühlte sie sich mit ihrer Haarlänge wie eine Grazie, die einen Mann mit ihrer Körpersprache zu bezirzen versuchte. Aber sie war allein.

Vorsichtig rieb sie sich abschließend die Wangen trocken, und war froh, als sich ihre Haut dort rosig färbte. Nach ihrem kleinen Zusammenbruch, vor genau zwei Tagen, war sie den restlichen Tag mit der Blässe einer Leiche herumgelaufen; das hatte erschreckend ausgesehen.

Ein leises Seufzen entwich ihr. Sie konnte nur vermuten, dass es sich bei diesem Zusammenbruch um einen Infekt oder Sonnenstich gehandelt haben musste. Den Infekt hielt sie persönlich für wahrscheinlicher. Aus diesem Grund hatte Sasuke auf zwei Tage Ruhe für sie bestanden. Ihrer Meinung nach war das zwar völlig unnötig, denn es ging ihr bereits am nächsten Tag wieder gut.

So eisern, wie er die Ruhe für sie einforderte, schob er auch lange Trainingseinheiten für sich ein. Einmal hatte er zu Mittag nach ihr gesehen und ihr etwas zum Essen gebracht. Irgendwie was das ziemlich süß gewesen.

Heute, wo Sakura, sprühend vor Lebensfreude, in den Spiegel sah, lächelte sie bis über beide Ohren. Es ging ihr gut. Sehr gut sogar.

Dennoch hatte er wenige Minuten später erst nicht gewollt, dass sie ihn zum Training begleitete. Sie sollte im Bett bleiben und sich ausruhen.

„Es ist so langweilig hier im Zimmer", nörgelte sie, und als sie ihm hoch und heilig versprach, nur zuzusehen, willigte er unter einem Brummen ein. „Einen weiteren Tag allein auf diesem Zimmer, da würde ich sicher vor Langeweile sterben, Sasuke", übertrieb sie. „Das wäre bestimmt nicht in deinem Interesse", fügte sie mit einem gespielten Vorwurf in der Stimme hinzu und blickte ihn mit großen Augen an.

Er seufzte und schüttelte hoffnungslos den Kopf. „Wohl nicht."

„Sehr gut", rief sie begeistert und wühlte nach ihren Schuhen.

Übertrieben gut gelaunt stapfte sie ihm bis zu einem kleinen abgelegenen Platz hinterher und lehnte sich mit dem Rücken gegen einen Baum, von dem aus sie eine gute Übersicht genießen konnte.

Sein Training beobachtete sie interessiert und aufmerksam. Bei Sasuke erstaunte es sie immer wieder vom Neuen, wie schnell er doch agieren konnte, trotz dessen er nur einen Arm besaß. Jede seiner Bewegungen glich der einer äußerst geschickten Katze, so perfekt und exakt ausgeführt. Unglaublich. Seit er den Arm im Kampf mit Naruto verloren hatte, war er zwanghaft darauf angewiesen, seine Angriffe stets in Perfektion auszuführen. Hart hatte er trainiert, um den körperlichen Nachteil auszugleichen, der ihn seit jenem Moment begleitete. Und es war ihm hervorragend gelungen.

So beeindruckt Sakura auch von seinen Fähigkeiten war, er selbst schien noch lange nicht zufrieden mit sich zu sein. In den letzten Monaten, in denen sie zusammen waren, hatte Sakura erkannt, dass Sasuke sehr hart und kritisch mit sich umging. Ehrgeiz und Willenskraft, so würde man es bei ihm nennen können. Eigenschaften, die sie sehr an ihm schätzte, denn auch sie war immer erpicht darauf, besser zu werden. Das Böse schläft schließlich nie.

Nach drei weiteren Übungen führte er eine durch, bei der er augenscheinlich einen Partner benötigte. Ohne großartig zu überlegen, sprang Sakura auf die Beine, trat neben ihn, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und wippte unschuldig auf den Fersen. Als wüsste er bereits, was sie ihm anbieten wollte, wurde sein Ausdruck streng.

„Nein", sagte er scharf.

„Ich habe doch gar nichts gesagt", antwortete sie unschuldig und hob abwehrend die Hände.

„Du machst heute gar nichts."

„Aber es geht mir gut."

„Nein", wiederholte er erneut streng und wandte sich sofort von ihr ab, zog seine Kunais aus seiner Tasche und schleuderte diese auf die naheliegenden Bäume.

Unzufrieden ließ Sakura die Schultern sinken. Schade. Am Rande des von Sasuke ernannten Trainingsplatzes suchte sie nach einem netten Plätzchen und ließ sich ins hohe Gras fallen. Nach einer ganzen Weile wurde aber auch das Zugucken zunehmend langweilig. Genervt davon, dass sie nun auch hier nur unnütz herumlungern konnte, schloss sie die Augen und war bereits nach nur wenigen Minuten eingedöst.

Seit einer gefühlten Ewigkeit hatte sie nicht mehr von Mangetsu geträumt. Gewiss bestand auch die Möglichkeit, dass es ihr einfach nicht bewusst war, denn in der letzten Zeit erinnerte sie sich gar nicht oder nur sehr schwammig an den Inhalt ihrer Träume.

Sie schlief nun aber scheinbar fest genug, dass sie zu träumen begann. Urplötzlich tauchten seine glühend gelben Augen vor ihr auf, sodass sie, nach Luft japsend, aus dem Nickerchen schreckte und sofort kerzengerade im Gras saß. Das Erste, was sie sah, war das grüne Gras, danach Sasukes Gesicht, der unmittelbar neben ihr saß. Sein Training hatte er offenbar abgeschlossen. Erschrocken musste er einen Satz zur Seite gemacht haben, denn er war fast nach rechts weggefallen. Er starrte sie an.

Dann wurden seine Augen schmal. „Was hast du geträumt?", fragte er sofort und sah sie auffordernd an.

Sakura zögerte. In naheliegender Vergangenheit hatte sie ihm bereits einmal berichtet, dass sie von Mangetsu geträumt hatte, jedoch mit keinem Wort erwähnt, dass Sasuke jedes Mal Opfer dieser Träume war. Diese Welt war privat, peinlich, kindlich, mädchenhaft, und um keinen Preis würde sie ihm davon erzählen wollen.

„Hast du wieder von ihm geträumt?", kombinierte er selbst, nachdem sie nicht geantwortet hatte.

Sakura biss sich nervös auf die Lippe. Es zu leugnen war zwecklos, was war schon dabei? Es waren nach wie vor nur Träume.

„Ja", sagte sie ihm offen ins Gesicht, bemühte sich aber gleichzeitig um einen entspannten Ausdruck, um ihn nicht unnötig zu beunruhigen. Sie tat dies mit dem Hintergrund, ihn von weiteren Nachfragen abzubringen; das konnte nur peinlich werden. „Aber das letzte Mal ist schon lange her", erklärte sie. „Ich denke, ich verspüre nur den Drang danach, ihm endlich die spitzen Zähne ausschlagen", fügte sie hinzu und knackte mit der Faust. "Meine Motivation geht mal wieder mit mir durch. Das ist alles." Sie zuckte mit den Achseln.

Sasuke atmete tief ein und wieder aus, dann lehnte er sich zurück.

Innerlich atmete Sakura durch. Er schien sich mit der Antwort zufriedengegeben zu haben. Ein Glück!

„So einfach wird das sicherlich nicht", wandte er ein. Daraufhin schien er kurz zu zögern, als überlegte er, ihr etwas zu erzählen. „Ich kann", er stockte, erzählte dann aber weiter, „mit meinem Sharingan wahrscheinlich nichts gegen ihn ausrichten."

„Bitte was?", Sakura fiel alles aus dem Gesicht. Das hörte sie zum ersten Mal. War es das, was er ihr vor wenigen Tagen mitteilen wollte? „Seit wann weißt du davon?"

„Schon von Anfang an. Als Reigogu-"

„Ryugo", verbesserte Sakura ihn kurzerhand, während ihr Blick nicht von seinen Lippen wich.

„Als Ryagaga", fuhr er fort, und Sakura seufzte laut. Das machte er doch extra. „Als wir gemeinsam gegen Mangetsu kämpften. Aber keine Sorge", sagte er dann. „Ich... wir ... finden eine Lösung."

„Dazu müssten wir ihn erst finden", stöhnte Sakura und legte die Wange auf den Knien ab, sodass sie Sasuke noch gut betrachten konnte.

„Werden wir. Schließlich möchte er etwas von mir. Und das wird er von niemand anderem bekommen können. So wird er zwangsweise irgendwann auftauchen müssen."

„Mhm", stimmte Sakura ihm summend zu.

Dass er sie irgendwann aus dem Hinterhalt überraschen würde, war ein durchaus beunruhigender Gedanke. Bereits in der Vergangenheit schien er ihnen stets einen Schritt voraus gewesen zu sein. Sicher hatte das an Kato gelegen, der ihnen über mehrere Wochen den unschuldigen Forscher vorgegaukelt hatte. Insgesamt konnte man also nur hoffen, dass sie zu diesem Zeitpunkt, wenn Mangetsu auftauchen würden, darauf vorbereitet sein würden.

Am nächsten Tag setzten sie ihre Reise früh fort.

Gegen Mittag hielt Sasuke plötzlich an und schmiss seine Tasche zu Boden.

„Sasuke, was machst du?", fragte Sakura irritiert, während ihr Blick abwechselnd von seiner am Boden liegenden Tasche zu seinem Gesicht ging.

„Hier ist ein guter Platz, um zu trainieren", antwortete er, während er zugleich seinen Umhang aufknöpfte und auch diesen fallen ließ.

„Trainieren", wiederholte sie langsam und richtete ihren Blick auf das Uchiha-Symbol, welches sich auf seinem Rücken befand und nun zum Vorschein kam. Selten sah sie es, waren sie unterwegs; er trug ja ständig seinen Umhang, völlig unabhängig davon, wie heiß es am Tage werden würde. Sie hingegen hatte ihren Poncho schon seit Wochen in ihre Tasche verbannt.

„Wieso ausgerechnet hier?", erkundigte sie sich und sah sich fragend um.

„Hier ist viel Platz. Außerdem müssen wir vorbereitet sein. Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass, wenn Mangetsu bereit ist, er uns schon finden wird. Das könnte prinzipiell jede Minute der Fall sein. Auch, wenn ich damit aktuell nicht rechne. Irgendwas scheint ihn noch daran zu hindern." Sasuke wirkte nachdenklich.

Sakura legte besorgt den Kopf schief. Ihr war gar nicht aufgefallen, dass er sich in den letzten Tagen doch solche Gedanken über diesen Mann, der sich selbst als dritten Sohn Kaguyas bezeichnete, gemacht hatte. „In Ordnung", stimmte sie ihm zu und legte ihre Tasche neben seiner ab.

Sasuke konzentrierte sich zunächst voll und ganz auf sich selbst. Währenddessen schien er sich keinen Deut um sie zu scheren.

Sakura übte sich zunächst in der Chakrakontrolle, dies hatte sie schon länger nicht mehr getan. Präziser ging schließlich immer. Dafür hielt sie ihre Augen geschlossen und konzentrierte sich über einen längeren Zeitraum hinweg sehr intensiv.

Irgendwann, Sakura hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, drangen leise Kampflaute an ihre Ohren. Sie öffnete die Augen und suchend ging ihr Blick umher. Sie fand ihren Ehemann dort, wo sie die Quelle der Laute vermutet hatte. Er stand vor einem Baum und führte ... führte er Trockenübungen durch? Er rannte immer wieder mit gestreckter Hand darauf zu und schlug mit zugespitzten Fingern auf eine andere Stelle ein. Obwohl er kein sichtbares Chakra benutzte, verursachte er bei jedem Mal eine tiefe Kerbe in der Rinde des Baums.

„Kann ich dir helfen?", fragte Sakura, als sie jetzt an ihn herantrat. Diese Übung sah jener sehr ähnlich, an der er sich bereits versucht hatte. „Sicherlich brauchst du anstelle des Baumes einen Gegner. Liege ich da richtig?"

Sasuke Brustkorb hob sich, als seine dunklen Augen ihre grünen fixierten. Hielt er die Luft an?

„Sasuke?"

„Fühlst du dich denn wieder richtig gut?" Sein Brustkorb senkte sich wieder.

„Ich bin fit wie ein Turnschuh", rief sie und spannte ihren Oberarm an, um ihm ihre Kraft und Fitness zu demonstrieren.

Er atmete laut aus, überlegte noch kurz, nickte dann aber.

„Ich möchte etwas ausprobieren,", erklärte er. „Dafür brauche ich eine lebendige Person, um es mir besser vorstellen zu können. Die Idee dahinter ist, diesen Angriff ohne Sharingan durchzuführen, ich werde es aber zunächst im letzten Moment benutzen, um den Angriff erstmal besser kontrollieren zu können."

„Alles klar? Und was soll ich nun tun?"

„Einfach nur dastehen", sagte er.

„Mehr nicht?"

„Und meinen Angriff entweder abblocken oder unter allen Umständen ausweichen, falls du keine andere Möglichkeit siehst. Ich werde nicht mit voller Geschwindigkeit angreifen, sondern mich auf bestimmte Punkte fokussieren. Du blockst oder weichst kurz vorher aus. Das reicht vollkommen fürs Erste. Alles klar?"

„Klar wie Kloßbrühe. Das bekomme ich wohl hin." Zuversichtlich nickte sie und legte grinsend den Kopf schief. Sie freute sich, ihm helfen zu können. Auch, wenn sie nicht großartig etwas tun musste.

Sasuke platzierte sie an einer Stelle, die er für angemessen hielt, und entfernte sich schnellen Schritts von ihr, bis er etwa 15 bis 20 Meter von ihr entfernt stand. Sakura nahm ihre Kampfposition ein und wartete.

Mit dem Start seines Angriffs ließ er sich jedoch gehörig Zeit. Er schloss die Augen und konzentrierte sich eine ganze Weile lang. Es dauerte und dauerte und irgendwann begannen Sakuras Gedanken ganz automatisch abzuschweifen. Würde er diesen Angriff genauso in einem Kampf durchführen, könnte er aber nicht so lange warten. In Gedanken ließ sie schließlich die letzten Tage Revue passieren. Sie dachte an das Sodbrennen, die Übelkeit und das Erbrechen und wie unangenehm das alles doch gewesen war. Gut, dass es ihr wieder gut ging. Sie wollte ihm kein Klotz am Bein sein.

Sakura spannte all ihre Muskeln an und legte einen ernsten Gesichtsausdruck auf, als er seine dunklen Augen aufschlug. Sie war bereit, und er hatte verstanden.

Sasuke setzte sich in Bewegung, lief auf sie zu, jedoch etwas langsamer, als er es gewöhnlich im Kampf tun würde. Trotzdem bewegte er sich noch immer sehr, sehr schnell. Sakura ging noch ein Stück weiter in die Knie, um im Notfall besser ausweichen zu können. Ganz genau wusste sie ja noch nicht, was da auf sie zukam.

Sasuke ließ sein Chidori aufflackern, weshalb sie kurz zusammenzuckte, aber nicht den Blick von ihm abwandte. Dieser Angriff ohne Sharingan? Ob das gut gehen würde?

Als das laut zwitschernde und wild zuckende Chakra sie beinahe erreicht hatte, blendeten sie die blauen Blitze für einen Augenblick so sehr, dass sie für den Bruchteil der Sekunde blind davon war. Während sie nun an dem Flackern vorbei sah, und die Sicht aufklärte, erlebte sie ein seltsames Déjà-vu, welches sie an ihre Badezimmerleuchte von zu Hause erinnerte. An ihre Schublade unter dem Waschbecken und ... an ihre Pille. Und an ihre ...

Sakuras Körper versteifte sich schlagartig, als sie die Augen erschrocken aufriss. Völlig durch den Wind hob sie den Blick vom zuckenden Chidori, an seiner Hand, und sah in seine rotglühenden Augen, die in wenigen Sekunden unmittelbar vor ihr sein würden. Panisch riss jetzt auch Sasuke die Augen auf, denn Sakura blieb einfach stehen, das musste er gesehen haben. Ausweichen, schrie sie ihre Beine in Gedanken an. Er würde es nicht können, er war dafür viel, viel zu schnell und viel zu nah. Ausweichen, Sakura!

Wie auch immer er es hinbekommen hatte, aber im letzten Moment riss er noch seinen Arm zur Seite und führte das flimmernde Chakra haarscharf an ihrem Körper vorbei. Die Hitze seines Angriffs brannte ihr gefühlt die Haut ihres Armes weg, sodass ihr in diesem Moment die völlig unpassende Frage durch den Kopf schoss, wie er diesen Angriff lediglich mit seiner nackten Hand aushalten konnte.

Mit voller Wucht riss sein mächtiger Körper ihren von den Beinen. Dann flogen sie. Sakura hielt die Augen fest zusammengekniffen, während sie nicht wusste, wo oben und unten war. Sie spürte nur, wie sich sein Körper schützend um sie geschlungen hatte.

Nah an ihrem Ohr knallte es, ehe sie im nächsten Moment hart auf dem Boden aufkamen. Im Gegensatz zu Sasuke landete sie jedoch weich, denn er hatte sich im Flug so gedreht, dass sie auf ihm lag, und er den gesamten Sturz mit seinem Körper abfing.

Aufgelöst drückte sie sich von ihm ab und landete hart auf dem Hintern. Was war gerade passiert?

„Scheiße", keuchte Sasuke und richtete seinen Oberkörper auf.

Ihr Blick suchte hektisch nach seiner Hand, an der bis eben noch sein Chidori bedrohlich geflackert hatte. Als sie seinen halben Arm im Boden stecken sah, stutzte Sakura. Mit einem Ruck zog er seine Hand wieder heraus, woraufhin ihr ein erstickter Laut entwich. Sie war blutüberströmt, die Haut teilweise in Fetzen gerissen; das Chidori musste er dementsprechend im Boden entladen haben.

„Scheiße", wiederholte er fluchend. „Warum bist du nicht ausgewichen?"

„I-i-ich" Sakura zitterte am ganzen Körper und schlang wie ferngesteuert die Arme um sich. Was war gerade noch passiert? Sie war völlig durch den Wind. Das Einzige, was ihr gerade in den Kopf schoss, war, dass sie seine Hand medizinisch versorgen musste. Das Blut triefte, lief an seinem Unterarm hinab, und er schien es noch nicht mal realisiert zu haben.

Aber er entzog ihr seine Hand, als sie diese berühren wollte-

„Verdammt", zischte er. Sakura zuckte zusammen. Noch nie hatte sie Sasuke so sauer erlebt. „Sakura, ich hätte dich umbringen können", erklärte er ihr mit einer ungewohnten Panik in der Stimme. „Verstehst du das nicht?" Erst jetzt, wo er sich mit der Hand ins Gesicht fassen wollte, schien er die warme Flüssigkeit zu bemerken. "Scheiße", rief er wieder, als er die Verletzung bemerkte.

Sakura war wie versteinert, ihre Glieder schwer wie Blei. Und erst nach und nach realisierte sie überhaupt, was da gerade eigentlich passiert war. Und vor allem, was hätte passieren können. Zugleich erinnerte sie sich auch an die Erkenntnis, die sie so unerwartet gelähmt hatte und der Auslöser für diesen Unfall gewesen war. Ihr Magen begann sich umzudrehen. Würde sie nicht auf ihrem Po sitzen, dann hätte sie sich spätestens wohl jetzt hinsetzen müssen. Sasuke war mittlerweile aufgestanden und fluchte leise weiter.

Sakura wurde schlagartig schlecht, als ihr Sasukes Worte durch den Kopf hallten. Er hätte sie umbringen können. Jetzt, wo sie sich wieder sammelte, erhielt dieser Satz eine noch ganz andere Bedeutung. Vorausgesetzt, ihre Vermutung stimmte. Ihr Magen krampfte schlagartig so sehr, dass sie kurzzeitig dachte, sie müsste sich erneut übergeben. Zum Glück kam es nicht dazu.

Abwesend nickte sie steif, wobei dies eher einer Vor- und Rückwärtsbewegung ihres Oberkörpers glich. Ob Sasuke dies sah, wusste sie nicht, da sie währenddessen auf den Boden starrte. „Es war dumm von mir. Entschuldige", flüsterte sie leise. Ja, es war dumm. Äußerst dumm sogar. Dümmer als dumm. Wo hatte sie nur ihren Kopf gelassen? Wieso war sie nicht schon eher auf diese Idee gekommen? Sie war überfällig, bereits seit über einer Woche. Wie konnte sie das nur übersehen haben? Wie konnte sie sich, unter solch potenziellen Umständen, auf ein derartiges Training einlassen? Natürlich war es bisher nur eine Vermutung, aber ihr Wohlbefinden der letzten Tage passte einfach so gut dazu. Es passte vorne bis hinten. Alles. Der Heißhunger auf den Kohl, ihre Müdigkeit, das Sodbrennen, der aufgeblähte Bauch und die Übelkeit am Morgen. Wie um Himmels Willen hatte sie diese Zeichen nur übersehen können? Sakura fasste sich an den Kopf. Eine Schwangerschaft kam für sie bisher nie infrage, sie nahm doch ein hochwirksames hormonelles Verhütungsmittel. Und sie war sich sicher; sie hatte niemals eine dieser kleinen rosafarbenen Pillen vergessen einzunehmen. Dann konnte es sich nur um einen Irrtum halten, oder nicht?

Sakura erschrak, als Sasuke heftig auf einen der Bäume einschlug. Sakura schluckte, als erneut ein dunkelroter Schwall an seinem Unterarm hinabfloss.

"Sasuke", schrie sie den Tränen nahe, lief zu ihm und packte verzweifelt nach seiner Hand, um sie festzuhalten. "Hör auf damit". Das war gerade wohl ein bisschen zu viel. Für sie beide.

Sie zuckte zurück, als er sie anzischte, dennoch ließ sie nicht locker und zog seine Hand bestimmend zu sich, um sie heilen zu wollen. Endlich ließ er es zu und setzte sich auf den Boden. Seine Wut war für Sakura in jeder Hinsicht nachvollziehbar, trotzdem musste er einsehen, dass seine Wunde versorgt werden musste.

Höchstwahrscheinlich war es lediglich seinem Sharingan zu verdanken, dass es so glimpflich für sie ausgegangen war. Sakura schluckte. Weniger jedoch für Sasuke. Zerknirscht biss sie sich auf die Unterlippe. Das war allein ihre Schuld.

„Es tut mir leid, Sasuke", hauchte sie, während seine Hand in ihrem Schoß lag und sie ihre darüber bewegte. Sie hatte Mist gebaut. Großen Mist. Und dabei verdammtes Glück gehabt. Und das Sasuke sie jetzt nicht mehr ansehen wollte, machte das Ganze nicht wirklich besser. Es fühlte sich wie ein Dolch an, der tief in ihrer Brust saß und höllische Schmerzen verursachte.

Die Wunden an seiner Hand waren ziemlich schlimm, die Heilung für Sakura dagegen eher eine Routine. Nur würde es eben eine Weile dauern, bis er sie wieder uneingeschränkt benutzten könnte. Abschließend legte sie ihm einen Verband um und erklärte, dass die neue Haut noch sehr dünn sei und bei Unachtsamkeit schnell einreißen würde. Ihre Worte schienen nur bedingt zu ihm durchzudringen, ein Schmerzmittel lehnte er weiterhin wortlos ab.

Nach der gründlichen Erstversorgung seiner Hand gab sie vor, Wasser aus einem Fluss holen zu wollen, um Tee zu kochen. Sasuke nickte abwesend. Sein Blick war starr in die Ferne gerichtet.

Eigentlich wollte sie ihn nicht allein lassen, aber sie brauchte unbedingt einen Moment für sich, um sich zu sammeln und nachzudenken. Als sie annahm, die Entfernung würde genügen, schob sie ihr Oberteil hinauf und betrachtete ihren Bauch. Sie zog ihn erst ein, dann fuhr sie ihn aus und wiederholte dieses Wechselspiel einige Male. War er ausgestreckt, hatte man den Eindruck, sie hätte ein großes Steak mit nur einem Happen verschluckt. Sie seufzte; ihr Bauch sah so aus wie immer.

Tief atmete sie ein, um ihren aufgeregten Herzschlag zu beruhigen, denn sie verspürte wieder diese zunehmende Angst, welche sie abermals zu lähmen begann. Eben noch, da war sie mit der Versorgung von Sasukes Wunden beschäftigt gewesen. Jetzt aber, wo sie allein war, da trieb ihr der Gedanke erneut den Schweiß auf die Stirn.

Mit flatternder Hand schob sie eine Strähne hinter das Ohr zurück; diese war ihr ins Gesicht gerutscht. Kinder? Jetzt und hier? Noch nie zuvor hatte sie darüber nachgedacht, mit Sasuke eigene Kinder großzuziehen. Jedenfalls nicht konkret. Irgendwann mal vielleicht. Aber jetzt? Sie waren doch gerade mal 19.

Ihr bisheriges Leben hatte sich allezeit nur um Sasuke gedreht. Nie hatte sie erwartet, dass sich die Prioritäten in eine andere Richtung verschieben könnten. Zumindest nicht in solch naher Zukunft. Aber noch war es nicht endgültig. Noch bestand die Möglichkeit, dass sie es sich einbildete.

Von Gynäkologie hatte Sakura absolut keine Ahnung, da dies weder Bestandteil ihrer medizinischen Ausbildung an der Akademie noch Teil von Tsunades Ausbildung gewesen war. Sicherlich wusste sie einiges über den weiblichen Körper und auch, wie eine Schwangerschaft verlaufen sollte, welche Anzeichen es gab, aber niemals zuvor hatte sie ein Kind auf die Welt bringen müssen. So wenig sie sich mit der medizinischen Behandlung von Föten auskannte, umso besser konnte sie hingegen die geringsten Mengen an Chakraströmen nachempfinden. So war es einen Versuch wert.

Sakura hielt die Luft an, als sie nun ihre zitternde Hand auf den Bauch führte und die Augen schloss. Am liebsten wäre sie einfach zu einem Arzt gegangen, der sich auskannte. Was wäre, wenn sie sich unsicher sein würde, sie wusste doch so wenig. Was wäre, wenn etwas nicht stimmte? Aber so lange auszuharren, bis sie in ein Dorf mit entsprechender ärztlicher Versorgung kamen, konnte sie nun auch nicht. Sie wollte es wissen. Sie musste es wissen.

Ihre Hände leuchteten Grün auf, als sie ihren Bauch untersuchte. Unterdessen wurde sie immer nervöser, ihr Herzschlag immer schneller. Kurz darauf wurde ihr plötzlich schlecht. Sie sank auf die Knie und begann nervös auf dem Nagel ihres Daumens zu kauen.

Es war wahr. Da war tatsächlich ein winzig kleiner, pulsierender und schwacher Chakrastrom, der mit ihrem verbunden zu sein schien. Klitzeklein, vielleicht so groß wie der Samen einer Blume.

Sakura setzte sich auf die warme Erde, ehe sie fallen würde, denn ihr war ein wenig schwindelig geworden. Zudem war ihr schlagartig heiß, ziemlich heiß, und sie brauchte einen Moment, um sich von den neuen Erkenntnissen zu erholen.

Ihr Herz zog sich zusammen. Sie trug Sasukes Kind in sich.

Tausende Fragen schossen ihr durch den Kopf, Tränen sammelten sich in ihren Augen. War das gut? Was würde Sasuke sagen? Wie sollte das funktionieren? Würde er sie nach Konoha bringen und dort allein lassen? Das Angstgefühl ließ sie erzittern. Sie wollte doch bei ihm sein.

War er überhaupt bereit? War sie dafür bereit? Oder noch besser: Waren sie gemeinsam dafür bereit?

Erst jetzt bemerkte sie, dass ihr bittere Tränen über die Wangen liefen. Verwirrt vergrub sie daraufhin ihr Gesicht in den Knien und weinte einfach, weil ihr eben danach war. Gleichzeitig wünschte sie sich, Ino wäre bei ihr. Allein war Sakura in dieser Situation einfach nur maßlos überfordert und auch der Schock von eben saß der jungen Kunoichi noch tief in den Knochen. Warum konnte nicht einmal, nur ein einziges Mal, alles in Ordnung sein? Und eine Weile lang auch so bleiben?

Einige Minuten saß sie so da und schluchzte, ehe sie erschrocken aufsah. Freute man sich nicht über eine solche Nachricht? War sie, weil sie arg zweifelte, ein schlechter Mensch?

Da Sasuke auf sie wartete, riss sie sich zusammen. Was blieb ihr auch anderes übrig? Als sie sich einigermaßen beruhigt hatte, wusch sie sich das Gesicht mit kühlem Wasser und zog sich in einem schneckenartigen Tempo zurück. Ihre Beine fühlten sich so taub an, ihr Blick war starr, aus Bange, Abneigung von ihm erfahren zu können, würde er es bemerken. Sie wusste ja selbst nicht, wie sie überhaupt dazu stand.

Und so wandte sie sich ihm keines Blickes zu, als sie aus den Büschen trat; aus Angst, er könnte womöglich ihre Gedanken lesen.

„Wo ist das Wasser?", fragte er sofort.

„Wasser? Ja. Wasser." Sie sprach die Worte so monoton und abgeschnitten, als wäre sie ein Roboter. Ja, sie hatte Wasser holen wollen. Richtig. Völlig vergessen.

Mit einem Satz drehte sie sich um und setzte einen Fuß nach vorne, um auf dem schnellsten Wege zurück in den Wald zu stürmen. Sasuke hielt sie aber am Handgelenk zurück.

„Deine Hand", schrie Sakura erschrocken, als sie sich an seine Wunde erinnert. Sie drehte sich zu ihm.

Als er in ihr Gesicht sah, durchzuckte es ihn heftig.

„Hast du geweint?", fragte er zähneknirschend.

Sakura erstarrte. Sah man es ihr noch immer an? Verdammt.

„Nein", log sie schnell und schüttelte ihr Handgelenk aus seiner Hand sanft frei.

Dann packte er erneut zu und Sakura versuchte wieder sich zu befreien. Aber er drückte fester.

„Ich war außer mir, es tut mir leid", sagte er mit fester Stimme und sah zu Boden.

Sakuras Arm entspannte sich.

„Hast du dir etwas getan?", fragte er und ließ jetzt ihr Handgelenk frei.

„Es ist alles gut", sagte sie, und schnappte nach Luft, als sie das frische Blut an ihrem Handgelenk bemerkte. Er hatte zu fest zugedrückt, dabei hatte sie es ihm doch extra erklärt. Jetzt musste sie die Wunde erneut versorgen.

„Schau dir deine Beine an", wies er sie hin. Seine Verletzung ignorierte er.

„Was ist damit?", fragte sie, blinzelte und blickte hinab. Tatsächlich. Sie waren aufgeschürft, und auf ihrem linken Schienbein war das Blut bereits angetrocknet. Sie stutzte, das war ihr bis eben nicht aufgefallen. „Es ist alles in Ordnung", erklärte sie mit beruhigender Stimme. „Dank dir ist mir nichts passiert." Sie lächelte schwach und sah ihn an.

„Dank mir wärst du fast umgekommen", verbesserte er sie zerknirscht.

„Was redest du da?" Es war schließlich ihre Unachtsamkeit gewesen.

„Das war das erste und letzte Mal, dass wir diese Technik geübt haben." Er klang bestimmend und ernst, und vermittelte ihr auf diese Art und Weise deutlich, dass er sich in dieser Hinsicht wohl niemals würde umstimmen lassen.

Sakura ließ die Schulter hängen. Widersprechen wollt sie ihm heute nicht mehr, obwohl sie diesen Entschluss als vollkommen unnötig und unverhältnismäßig einstufte. Im Normalfall wäre alles glattgegangen. Jedoch könnte sie in nächster Zeit sowieso nicht viel tun... nur er war derjenige, der von diesem Glück noch nichts wusste.

Sie hob den Blick und sah ihn an.

Glück. Wäre es das für ihn?

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Freunde der Sonne (:

Das Wetter schlägt um, umso mehr Grund zu Hause zu bleiben und zu Schreiben xD

Während viele Inhalte meiner Kapitel immer erst entstehen, wenn ich sie schreibe, oder eben kurz vorher in meinem Köpfchen gedeihen, so stehen die Inhalte der nächsten Kapitel schon seit Beginn des ersten Teils. Und endlich ist es an der Zeit, sie aufzuschreiben. Aber so wie ich mich kenne, werde ich sicher noch das ein oder andere drehen, aber im groben wird wohl alles wie geplant laufen.

Über ne Wortmeldung würd ich mich freuen

Merci! Et vive la france, Jenny Merci mon amie! Profitez de vos vacances ;)

Schule lässt grüßen! Ists richtig ^^?

Eure Juli <3

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