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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
32
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59 Reviews
Dieses Kapitel
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10.04.2021 5.977
 
Sakura POV

༻❀༺


Sakura wollte ihren Augen nicht trauen. Da stand es. Ein typisches und einfaches japanisches Holzhaus mit Charme. Ihr Blick wanderte von der Holzveranda bis hoch hinauf zu den dunklen Dachziegeln. Dann lächelte sie. Es war wirklich hübsch, so gut wie neu, aber durch die alte Bauweise sehr traditionell gehalten.

Als Sasuke in Richtung Haustür ging, blieb Sakura wie angewurzelt stehen. Was hatte er vor? Erschrocken sah sie sich nach Beobachtern um, als er die Haustür einfach einen Spalt aufschob. Nicht, dass jemand die beiden für Einbrecher halten würde.

„Was machst du denn da?", zischte sie ihm aus der Entfernung so leise zu, dass er es gerade so hören konnte. Abermals sah sie sich um, während sie sich nervös eine Strähne hinter das Ohr steckte. Aber niemand war zu sehen.

„Na, du sollst es dir doch ansehen", antwortete er schulterzuckend.

„Was? Wieso?" Sakura blinzelte. Eine vage Vorahnung schwebte ihr zwar schon vor Augen, aussprechen mochte sie diese jedoch gerade nicht. Am Ende irrte sie sich noch.

„Ich möchte es kaufen", erklärte er ganz selbstverständlich.
Wie bedeppert stand Sakura da, die Nachmittagssonne brannte ihr im Nacken. Jetzt wo er ihre Vorahnung aussprach, wirkte das Ganze doch ziemlich surreal. Hatte er überhaupt so viel Geld? War ein Haus nicht furchtbar teuer? Und wie kam er so plötzlich auf diese Idee?

Sogleich setzten sich ihre Füße in Bewegung, als Sasukes Finger begannen, nervös auf dem Rahmen der Tür zu tippen. Als sie nun vor ihm stand, schob er die Tür noch weiter auf und ließ Sakura den Vortritt. Achtsam lag sein Blick auf ihrem Antlitz, als sich die beiden für den Bruchteil einer Sekunde nebeneinander befanden. Sakura hielt einen Schritt später kurz inne, als sie es bemerkte. Häufig sah er sie so aushorchend an, wenn er unsicher war. Um ihn zu beruhigen - aber auch weil ihr das Haus wirklich gut gefiel - lächelte sie, als sie sich nun umsah.

Es war nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Vor allem aber multifunktional und kompakt. Die vier Zimmer waren durch Papierschiebetüren voneinander getrennt, ein Wohnzimmer lag neben der Küche und es gab ein kleines Gästebad und ein gefliestes Badezimmer mit Badewanne. Sogar ein netter Garten war vorhanden, in dem eine Wäscheleine in mehreren Reihen gespannt stand.

„Was sagst du?", erkundigte sich Sasuke jetzt, als sie sich auf der Veranda des Gartens gegenüberstanden.

„Steht es denn überhaupt zum Verkauf?" Sakuras Gegenfrage schien ihn zu verwirren. Steif nickte er. Nachdenklich sah sie sich um.

„Aber ... ich habe gar nicht so viel Geld. Das muss doch wahnsinnig teuer sein", meinte Sakura und wurde sofort von einem schlechten Gewissen durchfahren. Da machte er sich so große Mühe und sie steuerte bedenklich dagegen.

„Wir haben genug", erwiderte er knapp. „Den Rest können wir abbezahlen."

„Du warst bei der Bank?" Sakura weitete verblüfft darüber die Augen. Dass Sasuke sich um offiziellen Papierkram kümmerte, passte so gar nicht zu ihm. War es ihm also wirklich ernst? „Aber wieso hast du nichts gesagt, ich hätte doch ...", unsicher brach Sakura ihren Satz ab und sah gedankenverloren in das grüne Gras. Ja was hätte sie eigentlich? Sie waren doch noch nicht mal verheiratet.

„Magst du es nicht?" Seine Gesichtszüge verhärteten sich und Sakura sah ihm schockiert über seine Auffassung wieder in die Augen. Schnell schüttelte sie den Kopf. Das Haus war wunderschön, das war es nicht.

Verteidigend hob sie also die Hände und sagte: „Nein, nein. Es ist wunderschön. Wirklich." Ein beklemmendes Gefühl machte sich in ihr breit, als sie Sasukes neugieriger Blick durchdrang. Sollte sie ihre Bedenken wirklich äußern? Auf gar keinen Fall wollte sie sein altes Verhalten triggern.

„Es ist nur ...", tief atmete sie ein und schloss die Augen, bevor sie Sasuke ins Gesicht blickte. „Bist du denn wirklich schon bereit, hier in Konoha zu bleiben? Für immer?"

Sasuke schnaubte und sah in die Ferne. Er dachte nach. Sakura schluckte mehrfach nervös, während sie auf seine Antwort wartete. Hoffentlich hatte sie da jetzt nicht etwas losgetreten. Aber sie mussten voreinander mit offenen Karten spielen, sonst würden sie sich niemals bedingungslos vertrauen können. „Ich habe nur Bedenken, dass dies noch nicht der richtige Zeitpunkt sein könnte." Jetzt sah er sie wieder an. „Verstehe mich bitte nicht falsch Sasuke. Ich finde das Haus wunderschön und ich bin zutiefst geehrt, dass du daran denkst, uns ein Eigenheim zu kaufen. Aber ... wie kommst du da eigentlich so plötzlich drauf?"

Seufzend schloss er die Augen. Es war nicht zu übersehen, dass ihn Sakuras Einwand nachdenklich gestimmt hatte. Und dennoch strahlte er eine unglaubliche Ruhe aus, doch Sakura ließ sich davon nicht täuschen. Seit dem Verhör von Kato war Sasuke wieder so unruhig geworden. Es trieb ihn wieder nach draußen. Es zog ihn zu Orten, die außerhalb der Mauern Konohas lagen; Sakura spürte es deutlich. Also weshalb zur Hölle wollte er gerade jetzt ein Haus kaufen?

„Es gehört sich doch so. Wenn man verheiratet ist", erklärte er.

„Sagt wer?", fragte Sakura und verschränkte die Arme. Sie wohnten doch schon gemeinsam in ihrer Wohnung. Reichte ihm das nicht?

„Naruto ... und ... auch andere ...", stammelte er plötzlich und wich Sakuras forschendem Blick aus.

Sakura legte den Kopf schief und formte ein sanftes Lächeln auf ihren Lippen. Naruto und Hinata hatten sich ein Haus gebaut. Ja. Aber deshalb mussten sie es ihnen doch nicht sofort nachmachen. Früher hatte es immer den Anschein gemacht, Naruto eiferte Sasuke hinterher. Aber eigentlich hatten sich beide stets gegenseitig beneidet. Und auch heute noch schienen die beiden das Verhalten des anderen genaustens im Blick behalten zu wollen.

Sakura schloss die Augen und dachte kurz nach.

„Bist du dir wirklich sicher? Nur weil andere Ehepaare sich sofort ein Haus kaufen, müssen wir dies nicht auch tun."

„Ich weiß", erwiderte er und nickte knapp. Er wirkte beinahe etwas geknickt darüber, dass Sakura ihm nicht jubelnd in die Arme sprang. Dennoch behielt er wie immer die Fassung und wartete ab.

In Windeseile drehte sich Sakura um und ließ sich auf der Veranda nieder.

„Ich denke, hier lässt es sich gut leben. Aber wenn du mich fragst, sollten wir noch ein paar Nächte darüber schlafen. Ist das möglich?"

„Ja, ich habe das Haus reservieren lassen. Momentan ist das Angebot hoch, aber die Nachfrage niedrig".

Schmunzelnd betrachtete sie Sasuke von der Veranda aus. Es war echt zum Schießen, ihn über Immobilienpreise und Finanzierungen sprechen zu hören.

Völlig überraschend überkam Sakura eine Welle von Glückseligkeit, als sie in den Garten hinaussah und zugleich Sasukes Präsenz nah bei sich spürte. Es war fast zu schön, um wahr zu sein. Sasuke wollte ein Haus kaufen.

Vor lauter Hochstimmung huschte ihr eine Frage über die Lippen, welche sie seit Tagen schon beschäftigte.

„Wann heiraten wir denn eigentlich?" Immer wenn sie daran dachte, glühten ihre Wangen zartrosa. So wie jetzt.

„Wann du möchtest", antwortete Sasuke unerwartet schnell.

„Wann ich möchte?" Sakura dachte nach. Am liebsten sofort. Aber das würde nicht
gehen. Sie brauchten ja eine Feier. Oder? Wenn es nach Sasuke ginge, sicherlich nicht.

„Sasuke sag..." Sakura stockte. „Ähm. Du möchtest sicherlich keine Feier, oder?"

„Mach es so, wie du es für richtig hältst", erwiderte er und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

Tolle Antwort. Sakura rümpfte nachdenklich die Nase und ließ ernüchtert die Schultern sinken. Dass er ihr nun alle Freiheiten ließ, machte das Ganze nicht wirklich leichter. Hätte er gesagt, er würde lieber alleine heiraten, dann hätte Sakura dies akzeptieren können. Aber so? Heimlich heiraten, auf Sakuras Verantwortung? Da wären sicherlich viele ihrer Freunde sauer. Vor allem ihre Eltern. Ihr Vater würde sie, über mehrere Monate hinweg, stets mit einem betrübten Gesichtsausdruck begrüßen. Und ihre Mutter? Sakura würde bestimmt nie wieder ihre berühmte Hühnersuppe zu Gesicht bekommen. Nein, das konnte sie nicht riskieren. Alleine bei diesem Gedanken kam sie regelrecht ins Schwitzen. Sasuke musste also wohl oder übel durch eine öffentliche Zeremonie. Diese musste ja nicht groß und pompös sein. Nur die engsten Freunde wollte Sakura einladen.

„Ich vertraue dir", ergänzte er und sah sie fest an. Sasuke lehnte mal wieder lässig am nächsten geeigneten Gegenstand. Diesmal war es der Holzmast der Veranda. Sakura lächelte.
Augenblicklich erstarrte sie, als ihr siedend heiß etwas einfiel.

„Meine Eltern", rief sie mit einer viel zu hohen Stimme und schlug die Hand vor den Mund. „Sie kennen dich ja nicht ... und schon gar nicht wissen sie, dass wir ...", Sakura blieb das letzte Wort im Halse stecken.

Laut sog Sasuke Luft ein und schloss die Augen. Er schien zu ahnen, was auf ihn zukommen würde. Dann nickte er aber zuversichtlich und sagte: „Das ist schon in Ordnung."

Auf dem Heimweg drehte sich Sakura noch einmal nach dem Haus um. Gerne hätte sie ja gesagt, aber sie mussten einfach sehen, was die nächste Zeit für sie zu bieten hatte.

Noch am selben Abend rief Sakura bei ihrer Mutter an und meldete sich für den nächsten Abend zum Essen an.

„Ich komme nicht alleine Mama", presste Sakura widerwillig hervor. Ihre Mutter war gerade im Begriff, aufzulegen.

„Nicht? Bringst du Ino mit?"

Sakuras Lunge schnürte sich schlagartig zu. So absurd es auch klang, aber sie hatte einfach nur darauf gehofft, dass ihre Mutter nicht genauer nachfragen würde. Dieser Gedanke war naiv gewesen. Das sah jetzt auch Sakura ein. Aber es fiel ihr ohnehin doch schon schwer, über ihr Liebesleben zu sprechen. Und dann auch noch ausgerechnet am Telefon?

„Sakura ... bist du noch dran?" Ihre Mutter klang plötzlich verunsichert. Und als diese am anderen Ende der Leitung nach Luft schnappte, hielt Sakura als Gegenpart die Luft an.

„Kizashi", schrie ihre Mutter plötzlich aufgeregt, sodass Sakura den Hörer vom Ohr entfernen musste. „Sakura bringt morgen ihren Freund mit. Sakura mein Schatz? Was soll ich kochen? Was mag er denn? Sakura?"

„Bis morgen Abend." Klack. Sakura hatte aufgelegt. Mit rasendem Herzen starrte sie auf das Telefon in der Ladestation. Was hätte sie denn auch sagen sollen? Sie seufzte verzweifelt und vergrub das Gesicht in den Händen. Na, das würde morgen Abend noch was werden. Sasuke tat ihr jetzt schon leid.

⋯ ♡ ⋯


Als sie am nächsten Abend vor dem Haus von Sakuras Eltern standen, hatte Sasuke einen gelassenen und unbeschwerten Gesichtsausdruck aufgelegt. Er schien sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lassen zu wollen, was sicherlich eine gute Voraussetzung darstellte, um ihre Eltern kennenzulernen.

Sie warf ihrem zukünftigen Ehemann einen letzten bist-du-bereit-Blick zu und hob die Hand Richtung Klingel. Aber noch bevor Sakuras Hand diese erreichen konnte, riss ihre vor Neugierde platzende Mutter einfach die Tür auf. Erschrocken zuckte Sakura zurück und stieß rücklings gegen Sasuke. Hatte ihre Mutter etwa vor der Tür gelauert? Diese stand nun mit strahlenden Augen in der Tür und schien einfach durch Sakura hindurchzusehen. Durch ihre eigene und einzige Tochter.

Als der Blick ihrer Mutter Sasuke fixierte, strahlte sie bis über beide Ohren. Gott war das peinlich. Sakura sah Sasuke aus den Augenwinkeln nun doch nervös Luft einziehen.

„Mama, was soll das?", fragte Sakura schroff und sah ihre Mutter beschwörend an. Sie starrte Sasuke noch immer wie eine Irre an. Da ihre Mutter aber nicht in geringster Weise daran dachte, von ihm abzusehen, schüttelte Sakura nur fassungslos den Kopf. Daher beschloss sie, ihn einfach vorzustellen. „Das ist ..."

„Sasuke, mein Kind. Der Junge von dem Foto. Du hast es doch immer stundenlang mit diesem verliebten Blick angestarrt ", unterbrach die Mutter ihre Tochter. „Ich bin Mebuki Haruno, Sakuras Mutter."

Plötzlich war es totenstill; nicht mal die Vögel wagten es, zu zwitschern. Irgendwo um die nächste Ecke musste ein Kind gestürzt sein, denn nach einem lauten Krachen folgte ein wehleidiges Weinen. Der Wind wehte und ließ Sakuras Haarlängen kurz abheben. Noch in ihrer Bewegung und mit erhobener Hand erstarrte Sakura zu einer Salzsäule. Ihre Mutter hingegen hatte weiterhin nur Augen für Sasuke und bemerkte die Erschütterung ihrer Tochter nicht mal ansatzweise.

Am liebsten wäre Sakura auf der Stelle im Boden versunken. Wie konnte sie das nur vor Sasuke erwähnen? Ihr gesamtes Gesicht brannte schlagartig vor Peinlichkeit und es fühlte sich so an, als strömte heiße Luft aus ihren Ohren. Als ihre Mutter einen Schritt hervortrat und Sasukes Arm berührte, um ihn hineinzubitten, traten ihre Augäpfel ein Stückchen hervor. Und als er ihrer Bitte auch noch ohne Einwand nachkam, fühlte Sakura sich wie in einem falschen Film. Sie wurde einfach stehen gelassen. Von ihrer eigenen Mutter. Nur Augen für Sasuke hatte sie. Und ihrem zukünftigen Ehemann. Aber was hätte er sonst auch machen sollen.

Mit hängendem Kopf folgte sie den beiden ins Wohnzimmer.

„Kizashi schau, es ist Sasuke Uchiha." Erstaunt darüber, dass ihre Eltern scheinbar doch mehr von ihrer Kindheit mitbekommen hatten als bis dato angenommen, verschränkte Sakura misstrauisch die Arme.

Mit verkniffenem Mund beobachtete Sakura, wie ihr Vater – ja ihr Vater -, auch voller Euphorie in den Augen, nach Sasukes Hand griff, um ihn zu begrüßen. Sasuke ließ sich dabei keinen Unmut anmerken und nickte fest zur Begrüßung.

„Jetzt beruhigt euch mal", wandte Sakura ein, merkte aber sofort, dass sie gegen eine Wand sprach.

„Wie können wir nicht aufgeregt sein Liebes?", trällerte ihre Mutter fröhlich und schob ihren heutigen Ehrengast Sasuke Uchiha zu Tisch. Mit angespanntem Ausdruck sah Sakura ihrer Mutter hinterher, die summend in die Küche verschwand und nur ein paar Sekunden später mit dem Essen wieder auftauchte. Seit einer Ewigkeit hatte sie diese nicht mehr so fröhlich erlebt. Seufzend ließ sie sich auf dem Platz neben Sasuke nieder.

Als ihre Mutter wieder hektisch in der Küche verschwand und ihr Vater gerade mit dem Rücken zu ihnen gewandt. stand, nutzte Sakura die günstige Gelegenheit, um Sasuke eine entschuldigende Geste zuzuwerfen. Verwundert senkte sie den Blick, als seine Hand plötzlich flüchtig ihren Oberschenkel streifte. Unauffällig und Sakura seelenruhig betrachtend, zog er nun dezent den Mundwinkel in die Höhe. In Gedanken hörte sie ihn wieder zerbrich dir nicht den Kopf sagen, weshalb ihr ein schwaches Lächeln über die Lippen huschte. Ganz unwohl schien er sich also wohl nicht zu fühlen.

Während sie am Tisch aßen, antwortete Sasuke gewöhnlich knapp auf die Fragen ihrer Eltern. Sakura ergänzte gelegentlich. Sasukes eher zurückhaltende Art schien niemanden der Anwesenden zu stören. Im Gegenteil, ihre Eltern hatten ihn wohl direkt in ihr Herz geschlossen, was Sakura ungemein beruhigte. Auch wenn er es nicht zeigte, war dies wohl nicht ganz unbedeutend für ihn. Man merkte zumindest, dass er sich sehr viel Mühe gab.

„Familie hast du hier aber nicht mehr in Konoha, oder? Und auch nicht außerhalb?", fragte ihre Mutter und tupfte sich dabei vornehm den Mund mit einer Serviette ab.

„Nein, ich bin der letzte Lebende meines Clans", antwortete Sasuke.

„Keine entfernten Verwandten? Cousinen, Großcousins?", mischte sich jetzt ihr Vater ein. Sakura konnte es kaum fassen. Natürlich hatte er keine. Nein heißt nein. Und sowieso wussten ihre Eltern doch, dass die Uchihas allesamt ermordet wurden. Lebten ihre Eltern etwa auf einem anderen Stern?

Sasuke schüttelte verneinend den Kopf.

Alle schwiegen einen Moment lang. Sakura begann nervös an der Unterlippe zu nagen. „Aber ...," verlegen starrte sie auf den leeren Teller. Die neugierigen Blicke ihrer Eltern, die jetzt auf ihr ruhten, spürte sie ganz deutlich. Jetzt oder nie. „Bald nicht mehr", murmelte sie leise und gleichzeitig so laut, wie es ihr in diesem Moment nur möglich war.

Ihr Vater sah verwirrt zu seiner Frau auf. Ihre Mutter blinzelte einmal, dann noch einmal und weitete dann begeistert die Augen.

„Sakura, bist du etwa... ?!", hauchte ihre Mutter.

„Was? Nein. Oh Gott, Mama." Mit den Händen fuchtelte Sakura abwehrend vor ihrer Brust. Ihr Gesicht hatte indessen eine dunkelrote Farbe angenommen.

Enttäuscht senkte ihre Mutter die Schultern.

„Aber wir ... ähm." Herrje, wieso war das nur so unangenehm und schwer? „Heiraten", nuschelte Sakura, wobei sie eher hustete, als sprach.

Ihr Vater sprang urplötzlich auf und Sakura bemerkte, wie Sasuke die Luft anhielt. Nicht, dass er Angst vor ihm haben müsste, aber Väter besaßen wohl eine angsteinflößende Aura gegenüber ihren Schwiegersöhnen in spe. Dann sprang auch ihre Mutter auf und fiel ihrem Mann jubelnd in die Arme. Erleichtert und perplex zugleich ließ Sakura die Stirn auf die Tischplatte sinken. Waren eigentlich nur ihre Eltern so seltsam?

Als ihre Mutter nach einem Datum fragte, winkte Sakura, noch immer mit dem Kopf auf dem Tisch liegend, ab.

„Sobald ein Termin frei ist", murmelte sie in die Tischplatte.

„Hervorragend Liebes. Ich besorge mir gleich morgen etwas anzuziehen und mache einen Termin beim Schneider für dich. Sakura sah jetzt verdutzt auf. Ja, ein Schneider. Sie brauchte natürlich einen neuen Kimono. Und da ihre Mutter voller Freude in die Küche sprang und andauernd etwas von Hochzeit trällerte, wollte sie ihr diese Vorfreude nicht nehmen. Sollte sie doch den Termin beim Schneider organisieren, wenn sie unbedingt wollte. „Sasuke mein Herz, du brauchst doch sicherlich auch einen Yukata."

Sasuke mein Herz? Sakura seufzte. So arg wie heute hatte sie wohl noch nie an dem Verstand ihrer Eltern gezweifelt.

Sasuke nickte als Antwort nur zögerlich und Sakura musste über diese groteske Situation, in der sie sich gerade befanden, irgendwie schmunzeln. Endlich konnte sie aufatmen. Der für sie unangenehme Teil wäre vorerst erledigt.

Das befreiende Gefühl hielt aber nur so lange an, bis ihre Mutter plötzlich ein großes Buch hervorzog.

Oh nein. Das Fotoalbum.

„Mama", wandte Sakura bittend ein, in der Hoffnung, ihre Mutter würde es wieder zurückstellen. „Ich glaube nicht, dass Sasuke sich für alte Fotos interessiert."

Nervös sog sie Luft ein, als ihre Mutter das dicke und alte Fotoalbum, trotz ihres Hinweises, vor Sasuke auf den Tisch knallte.

„Schau nur, wie süß unsere Sakura früher mal war Sasuke." Mit dem Finger deutete sie auf ein Foto, auf welchem Sakura mit einem Stofftier abgebildet war. Und was war sie bitte heute? Etwa eine Schreckschraube? Sakura seufzte wieder und vergrub das Gesicht in den Handflächen. „Und hier", hörte sie ihre Mutter sagen, nachdem diese einige Seiten weitergeblättert haben musste. „Ihr fünfter Geburtstag." Sasukes Augen folgten aufmerksam dem wegweisenden Finger, als Sakura zwischen ihren Fingern in seine Richtung linste.

„Mama", setzte Sakura erneut an und beobachtete argwöhnisch Sasukes gehorsam folgenden Blick.

Als sich jetzt aber seine Augen weiteten, kniff Sakura ihre konzentriert zusammen. Das war äußerst verdächtig. Was hatte er plötzlich? Als sie ihren Blick auf das Foto richtete, auf welches Sasuke gerade so irritiert starrte, rutschte ihr das Herz in die Hose.

„Und hier Sakura in der Badewa...". Mit einem schnellen Griff packte Sakura das Album und schlug es zu.

„Das reicht jetzt Mama", rief sie mit hochrotem Kopf.

„Liebes, was hast du denn?" Was sie hatte? Das fragte ihre Mutter noch? War das ihr verdammter Ernst? Dass ihre Eltern sich freuten, konnte Sakura ja nachvollziehen, aber Sasuke Fotos zu zeigen, auf denen sie als Kind badete, das ging nun wirklich zu weit.

Zum Abschied winkten ihre Eltern den beiden noch glücklich, für Sakuras Geschmack jedoch viel zu lange, hinterher. Als sie um die nächste Ecke bogen, atmete sie die ganze angestaute Luft des Abends mit einem Mal aus.

„Es tut mir leid Sasuke", sagte Sakura und wandte den Kopf zu allen Seiten, um den vergeblichen Versuch zu unternehmen, eine lästige Verspannung zu lösen, die sich in den letzten Stunden urplötzlich gebildet hatte. „Manchmal sind meine Eltern ein wenig ... wie soll ich sagen... durchgeknallt. Ich hoffe, es war nicht zu anstrengend für dich."

„Nein. Nicht wirklich", sagte er und schnaufte sogar amüsiert.

„Und ... tut mir leid wegen der Fotos", murmelte Sakura jetzt, als sie den Treppenaufgang zu ihrer Wohnung hinaufgingen. Das war mit Abstand das peinlichste, was ihre Mutter jemals in ihrer Gegenwart getan hatte. Sakura kramte in der Tasche nach ihrem Schlüssel, als sie vor ihrer Tür zum Stehen kamen.

Sasuke zuckte mit den Schultern und schmunzelte tückisch. Verwundert darüber legte Sakura den Kopf schief und betrachtete ihn aus dieser Lage.

„Hab schon Schlimmeres gesehen" meinte er und zog provozierend eine Augenbraue nach oben.

„Wie bitte?" Wütend stemmte Sakura die Hände in die Hüften und baute sich vor der Wohnungstür auf. Der Schlüsselbund klimperte dabei laut in ihrer Hand.

Sasuke trat sofort einen Schritt näher und umfasste ihre Hand, in welcher sie den Schlüssel hielt. Mit gesenktem Blick sah er sie von oben herab an. Seine schwarzen Haare wehten im Wind und offenbarten kurz sein Rinnegan. Sakuras Puls schnellte in die Höhe, als sich ein beflügelndes Gefühl gegen ihren Ärger durchzusetzen versuchte. Augenblicklich rang ihr Herz gegen ihre Vernunft und versuchte sich krampfhaft darüber hinwegzusetzen. Er war so nah und doch fern. Ihr Blick blieb an seinen Lippen hängen. So unglaublich gerne würde sie ihn küssen, ihre Hände in seinem Haar vergraben und sich an ihn ziehen. Aber sie durfte nicht. Bedauerlicherweise trug heute sogar der Wind seinen Duft von Sakura fort. Verärgert wegen vielerlei biss sie sich auf die Zunge. Sie wollte ihn berühren.

Klammheimlich begann er, während ihres inneren Konflikts, jeden einzelnen ihrer
Finger nach und nach zu lösen. Sakura bemerkte es erst, als er bereits den Schlüssel in der Hand hielt. Mit aller Macht versuchte sie daher das positive Gefühl zu unterdrücken, welches er ohne Zweifel nur hervorrufen wollte, um sie abzulenken. Aber sein Blick hielt ihren Körper nach wie vor in seinem Bann gefangen.

Ohne den Blick von ihrem abzuwenden, schloss er die Tür auf. Im allerletzten Moment, bevor er an ihr vorbeiging, huschte ihm ein Schmunzeln über die Lippen.

„He", rief sie ihm aufgebracht nach und fuhr auf dem Absatz um, als er den Blickkontakt unterbrach. Das war heute schon das zweite Mal, dass er sie einfach so stehen ließ. „Das meintest du doch nicht ernst, oder? Sasuke?" Aufgebracht lief sie ihm hinterher. Aber mehr als ein belustigtes Schnauben und ein tückisches Schmunzeln über Sakuras Erbostheit äußerte er an diesem Abend nicht mehr dazu.

⋯ ♡ ⋯


Am nächsten Morgen wachte Sakura mit einem dicken Kopf auf. Sie zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen, als sie ihre schweren Beine auf dem Zimmerboden abstellte und ihre leicht geschwollenen Hände betrachtete. Ihre Glieder waren schwer, als wären sie von heute auf morgen einfach zu Blei geworden. Mit der Hand fasste sie sich an den Nacken und begann diesen zu massieren; er war unglaublich verspannt. Schon gestern hatte sich eine Verspannung angedeutet, aber dass es ihr so schlecht gehen würde, kam jetzt doch etwas überraschend.

Taumelnd erhob sie sich vom Bett und hielt sich am Türrahmen fest, als ihr kurz schwindelig wurde. Sakura war krank, das war nicht zu übersehen.

Im Wohnzimmer stach ihr als erstes das unbesetzte Sofa ins Auge. Sasuke hatte heute Morgen schon sehr früh eine Besprechung, weshalb er schon längst aufgebrochen sein musste.

Mit etwas zittrigen Beinen schleppte Sakura sich zum Telefon, um sich im Krankenhaus abzumelden. Anschließend legte sie den Hörer aber nicht auf, sondern wählte eine weitere Nummer. Sie brauchten doch noch unbedingt einen Termin für die Trauung. Noch weiter wollte Sakura die Veranstaltung nicht hinausschieben.

„Den nehme ich", sagte sie erschöpft, als die Frau am anderen Ende der Leitung einen Termin in zwei Wochen vorschlug.

Anschließend schlurfte sie wieder zum Bett und schlief nach ewigem Hin- und Herdrehen ein. Fieber hatte sie nicht gehabt, weshalb sie zunächst davon ausging, sich lediglich eine leichte Grippe eingefangen zu haben. Das Virus konnte es nicht sein, sie hatten im Krankenhaus doch stets akribisch aufgepasst, nicht mit Körperflüssigkeiten der Erkrankten in Kontakt zu kommen.

Gegen Mittag wachte Sakura schweißgebadet auf. Zu ihrem Bedauern ging es ihr wesentlich schlechter, als es heute Morgen der Fall gewesen war. Ihr Gesicht war nun doch glühend heiß, als sie es mit den Händen berührte, und auch die Luft im Zimmer erschien plötzlich so erdrückend stickig. Und so benötigte sie nun doch das Fieberthermometer aus dem Wohnzimmerschrank.

Sakuras Körper zitterte, als sie mit ungewöhnlich viel Kraftaufwand das Fenster öffnete. Ihre Beine fühlten sich wie Wackelpudding an, waren aber gleichzeitig zentnerschwer. In ihrer Kehle hatte sich eine Wüste aus Dürre und Trockenheit gebildet, als hätte sie seit Wochen nichts mehr zu Trinken bekommen.

Auf dem Weg zur Kommode legte sie an sämtlichen Möbelstücken eine kleine Zwangspause ein. Schwer atmend, mit knallheißem Kopf, krallte sie sich verzweifelt an jedem Gegenstand fest, den sie dabei zu fassen bekam. An ihrem Ziel angekommen beugte sie sich hinab und tastete mit zittrigen Fingern nach dem guten Stück. Mit dem Thermometer in der Hand erhob sie sich wieder und spürte just in diesem Moment, wie ihr der Kaltschweiß das Gesicht und den Rücken hinablief. Kurz bevor ihr schwarz vor Augen wurde, drehte sich ihre Umgebung.

Als Sakura wieder zu sich kam, lag sie im Bett. Das erste, was sie durch ihr Blinzeln vernahm, war Sasukes Gesicht. Seine Lippen verzogen sich zu einem langen schmalen Strich, als er ihren Blick bemerkte. Aber da war noch jemand bei ihm. Sakura hörte eine weibliche Stimme, die mit ihm sprach.

„Sakura?" Tsunade beugte sich über ihre ehemalige Schülerin. Sie trug einen Mund-Nasenschutz. Natürlich. Hatte sich Sakura etwa doch mit dem Virus infiziert?

„Tsunade", stöhnte Sakura kraftlos. „Wieso bist du ... hier?" Ihr war so verdammt heiß, ihr Hals so kratzig.

„Sasuke hat mich geholt", erklärte sie und schob Sakura gleichzeitig das Fieberthermometer in den Mund. „Er hat dich ohnmächtig am Boden gefunden. Du hast hohes Fieber", sagte sie, als das Thermometer nach 30 Sekunden piepte und sie die Temperatur ablas. „Ich habe dir einen Zugang mit Flüssigkeit gelegt Sakura. Du hast viel davon verloren, weil du so stark geschwitzt hast." Jetzt wo Tsunade es erwähnte, bemerkte Sakura wieder, wie durstig sie doch eigentlich war.

„Das Virus ...?", hauchte Sakura. Ihr Körper schien sogar für eine Unterhaltung zu erschöpft.

„Ja, der Test ist positiv."

„Aber ... wie ...?"

„Lilian hat es auch erwischt. Irgendwie müsst ihr mit dem Virus in Berührung gekommen sein. Du hast glücklicherweise keinen Husten, das ist gut. Das deutet auf einen milden Verlauf hin." Sakura nickte zustimmend. Das wusste sie doch. „Hoffen wir also, dass deine Bronchien auch weiterhin verschont bleiben." Tsunade wandte sich Sasuke zu, der sich gegen den Kleiderschrank gelehnt hatte und alles aus der Ferne genaustens beobachtete. „Falls das Fieber nicht innerhalb eines Tages sinken sollte, bringst du sie ins Krankenhaus. Kann ich mich darauf verlassen?" Ihre Worte klangen eher wie ein Befehl und nicht wie eine Frage.

Sasuke nickte einmal fest.

Dann drehte sich Tsunade wieder zu Sakura.

„Ich injiziere dir gleich ein Medikament. Dann wirkt es schneller. Es ist bisher das wirkungsvollste und neuste, welches Shizune in der kurzen Zeit entwickeln konnte." Tsunade trennte vorübergehend den Zugang zu dem Beutel mit der Kochsalzlösung und führte über den Zugang das Medikament direkt in Sakuras Vene. Es brannte leicht, als es sich in ihrem Arm verteilte.

Etwas unkontrolliert suchten Sakuras Augen nun den Raum ab. Dass dies am hohen Fieber lag, wusste sie trotz Benommenheit nur zu gut. Als ihr Blick den von Sasuke traf, verweilten diese eine Weile aufeinander. Sein Kiefer mahlte nervös, während er Sakura ungewöhnlich unruhig beobachtete. Gerade wollte sie ihm zulächeln, da unterbrach Tsunades Stimme Sakuras so mühsam auf ihn gerichtete Aufmerksamkeit. „Den Rest nimmst du über die Tabletten zu dir. Verstanden?"

Sakura nickte schwach und bemühte sich jetzt, Tsunade anzusehen.

„Und auch du." Ohne sich umzudrehen, warf sie Sasuke einen Streifen Tabletten über die Schulter zu. Lässig fing er diesen. „Vorbeugend kann man es auch nehmen. Ihr hattet engen Kontakt, daher halte ich es für äußerst sinnvoll", erklärte Tsunade und drehte sich zu Sasuke um. „Wenn du auch noch krank wirst, dann kannst du dich nicht um sie kümmern", versuchte sie ihm mit einem eindringlichen Ton zu vermitteln. Guter Schachzug, dachte sich Sakura, und schloss erleichtert und erschöpft die Augen. Er hasste es, nutzlos zu sein.

„Wenn er sich schon weigert, eine Maske zu tragen," schimpfte Tsunade mehr zu sich selbst, als dass sie mit Sakura redete.

Sakura lächelte dankbar. Ob Tsunade dies registrierte, konnte Sakura nur hoffen. Ihre Lider fühlten sich so verdammt schwer an, sie konnte sie kaum noch offenhalten.

Mit einem unmissverständlichen Befehl schickte Tsunade Sasuke aus dem Zimmer, um Sakura beim Umziehen zu helfen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie nicht mehr den Pyjama von heute Nacht trug. Sasuke musste sie also bereits einmal umgezogen haben. Und auch jetzt waren ihre Klamotten wegen des Fiebers schweißdurchnässt.

„Sag... Sakura, wohnt er bei dir?", fragte Tsunade neugierig, als sie ihrer ehemaligen Schülerin das frische Shirt über den Kopf zog.

Sakura nickte schwach.

„Na dann kann er sich ja mal ordentlich um dich kümmern." Tsunade lächelte unter der Maske, Sakura hörte es deutlich an dem Tonfall ihrer Stimme.

Als sie das Zimmer schließlich verließ, um zurück zum Krankenhaus gehen, kam Sasuke wieder ins Zimmer und setzte sich zu Sakura ans Bett. Stumm betrachtete er sie eine ganze Weile, während sich diese kleine Sorgenfalte wieder auf seiner Stirn bildete. Müde lächelte Sakura darüber; er sollte sich doch keine Sorgen machen.

„Mir geht's gut", nuschelte sie fast unverständlich in ihre Bettdecke hinein und gähnte ausgiebig. Das Fieber ließ sie sich ganz eigenartig fühlen. So als stünde sie völlig neben sich. Oder war das vielleicht die Medizin? Da Sakura plötzlich so unendlich müde war, nahm sie an, dass auch ein Schlafmittel in dem Medikament enthalten sein musste. Sie selbst hatte nur die Kinder behandelt, und denen ging es fast durchweg nur gut. Mit möglichen Medikamenten hatte sie sich also kaum auseinandergesetzt. Kurz darauf fiel sie in einen unruhigen und fiebrigen Schlaf.

Sakura hatte einen dieser wirren Fieberträume, welche sie noch aus ihrer Kindheit kannte. Und dann ausgerechnet auch noch von diesem Mangetsu. Das Fieber schien ihre Träume heute jedoch noch viel verrückter und lebendiger wirken zu lassen, als es ohnehin schon der Fall war.

Als Sakura aufwachte, taten ihre Glieder noch immer weh. Ein feuchter Lappen fiel ihr auf die Brust, als sie versuchte, sich aufzurichten. Sasuke musste ihn ihr auf die Stirn gelegt haben. Ihr Puls ging schnell, ihr Atem war schwer. Ob dies nun vom Fieber oder vom Traum kam, wusste sie nicht. Sasuke saß auf einem Stuhl am Fenster und kam langsam auf Sakura zu, um sie zu begutachten.

„Wie geht es dir?", fragte er und tastete nach ihrem Rücken. „Du musst dich umziehen", stellte er fest. Schon wieder?

Sasuke sah Sakura nur in die Augen, als er ihr half, das frische Oberteil über den Kopf zu ziehen. Sakura war ihm deshalb unglaublich dankbar. Automatisch vergruben sich ihre Finger in seinem Ärmel, um ihn festzuhalten, als er sich wieder von ihr entfernen wollte. Dabei sollte er ihr doch nicht so nah sein. Aber das Fieber ließ sie nicht mehr ganz klar denken.

„Danke", murmelte Sakura und versuchte einen Mundwinkel in die Höhe zu ziehen. Nur kurz gelang es ihr. Dann ließ die Kraft in ihren Fingern nach und sie sank zurück ins Kissen. Sasuke atmete schwer aus, als er Sakura betrachtete. Sie musste auf ihn wie ein Häufchen Elend wirken.

Anschließend reichte er ihr eine Suppe, die Ino verbeigebracht hatte. Woher sie von der Krankheit wusste, berichtete Sasuke nicht. Wahrscheinlich hatte er nicht mal gefragt.

Sakura aß nicht viel. Sie hatte keinen Appetit. Die Tablette bekam sie gerade noch so heruntergeschluckt.

„Du musst nicht hier sein", flüsterte sie heiser, als er die Schüssel auf der Kommode abstellte. Gerade hatte sie einen ganz klaren Moment, den sie nutzen wollte. Es wäre sowieso besser, er hielte sich von ihr fern. „Du hast doch sicherlich wichtigere Dinge zu tun."

„Red keinen Unsinn", grummelte er verärgert und setzte sich zurück auf die Bettkante. „Schlaf lieber, du musst dich ausruhen."

„Mhm", summte sie leise und lehnte sich wieder zurück. Sasuke legte ihr den kalten Lappen auf die Stirn zurück und strich die klebrigen Haarsträhnen aus ihrem Gesicht.

Nach einer Weile wurden Sakuras Lider sehr schwer. Ihre Wangen drohten vor Hitze zu verglühen und Sakura hatte das Gefühl, Feuer zu speien. Sasuke hatte sie die ganze Zeit schweigend angesehen. In einem Moment schien das Fieber wieder die Oberhand zu gewinnen und ein heiseres Kichern entwich Sakura.

„Wieso willst du keine Maske tragen? Du steckst dich noch an", flüsterte die Hitze
aus ihr. Sie stand augenblicklich völlig neben sich.

„Werde ich schon nicht", betonte er nachdrücklich.

„Aber du siehst doch auch mit Maschke rischtisch gut aus", nuschelte sie super undeutlich. Hatte Sakura das gerade wirklich gesagt? Nein, das hier war ein Traum, oder? Jedenfalls fühle es sich so an. Ihr Gesicht war so verdammt heiß, bestimmt konnte man darauf Spiegeleier zubereiten. „Mir doch egal, ob du was trägscht, oder eben nischt", sagte sie und lächelte zufrieden in sich hinein, bevor ihr endgültig die Augen zufielen. Gerade vernahm sie noch, wie Sasuke überrascht die Augenbrauen hob. Er sah so unglaublich niedlich und heiß zugleich aus. Besonders, wenn er so verdattert schaute. Hatte sie das gerade nur gedacht? Oder auch laut ausgesprochen? Egal, war ja nur die Wahrheit. Und das Ganze hier ja eh nur ein Traum. In Träumen konnte man doch machen, was man wollte.

In der Nacht wachte Sakura hin und wieder auf. Sasuke saß jedes Mal am Fenster und starrte in die Nacht hinaus.

Am nächsten Morgen musterte Sasuke Sakura auf eine ziemlich ungewöhnliche Art. Er lehnte sich weit nach vorne und sah ihr tief in die Augen, als wollte er die Größe ihrer Pupillen überprüfen.

„Geht's dir wieder besser?", fragte er und kratzte sich nachdenklich am Kinn.

„Ich denke schon." Zumindest fühlte Sakura sich nicht mehr so, als stünde sie permanent neben sich. Und egal wie scharf sie auch nachdachte, an einige Dinge von gestern schien sie sich nur noch schwammig oder auch gar nicht mehr erinnern zu können. „Hast du was? Ist was vorgefallen? Geht's dir nicht gut?", fragte sie verwirrt, als er sie noch immer stirnrunzelnd betrachtete.

Sasuke schüttelte so heftig Kopf, dass Sakura darüber die Nase rümpfen musste. Das war mehr als verdächtig.

Ehe Sakura weitere Fragen stellen konnte, hielt er ihr auffordernd das Fieberthermometer an die Lippen. Sie gehorchte nur widerwillig. Und während sie gemeinsam auf das Ergebnis warteten, musterten sie sich gegenseitig nachdenklich. Was zum Geier hatte Sasuke nur?

Das Thermometer zeigte nur noch 38,5°C an, als Sakura auf die Anzeige schaute. Wahnsinn, das Medikament war ja der absolute Hammer. Sasukes seltsames Verhalten war so gut wie vergessen. Stattdessen forderte sie die Verpackung des Medikaments, um sich die Liste der Inhaltsstoffe durchzulesen. Die bisherigen Patienten lagen wesentlich länger mit höherem Fieber flach. Diese Informationen hatte Sakura den Berichten entnommen. Aber nach nur kurzer Zeit taten ihr schon wieder die Augen vom Lesen weh und sie wurde sogleich sehr müde. Ihr ging es zwar deutlich besser, trotz alledem würde es wohl noch einige Tage dauern, bis Sakura sich wieder richtig fit fühlen würde. Und dafür musste sie sich ordentlich ausruhen. Schließlich stand in zwei Wochen ein wichtiger Termin an, welchen Sakura unter keinen Umständen versäumen wollte.

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Freunde der Sonne,

Alltag, unangenehme Szenen mit den Eltern ... wer kennt sie nicht. Meine Mutter hat meinem älteren Cousin mal ein Bild von mir gezeigt, auf dem ich als Kind in einer Regentonne bade. Das war mir sooo peinlich ... und mein Cousin hat's meinen ganzen anderen Cousins gezeigt (große Familie und so ...) :D Heute würd ich ihm die Ohren dafür langziehen xD

Schade, dass man bei FF.de keine Cover verwenden kann. Auf Wattpad ist dies ja möglich und daher habe ich selbst ein Cover für den ersten Teil gezeichnet, Pünktlich zu meinem einjährigen Jubiläum :) Heute vor einem Jahr habe ich meine ersten Wörter für diese Geschichte geschrieben. Falls ihr euch dieses ansehen wollt, könnt ihr auf meinem Profil gerne auf mein Wattpad-Profil gelangen.

Lieben Danke an die fleißige Jenny für‘s korrigieren <3

Bleibt fresh. Ich hoffe, wir lesen uns in zwei Wochen. Die letzten Wochen meiner Prüfung laufen an


Eure (noch) gut gelaunte Juli <3
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