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Unsere Bestimmung - Sakura & Sasuke (Part 3)

von JuliTales
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sarada Uchiha Sasuke Uchiha
29.01.2021
12.02.2022
43
192.131
33
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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03.04.2021 4.317
 
Sakura Pov
༻❀༺


„Sakura? Wie konntest du mir das nur so lange verheimlichen?" Ino starrte ihre beste Freundin so entrüstet an, als hätte diese gegen eines der Grundgesetze von Konoha verstoßen.

Sakura seufzte und ließ den Kopf hängen.

„Es tut mir leid", jammerte sie schuldbewusst. Eine Beichte war längst überfällig; ungeachtet davon, ob Ino bereits Verdacht geschöpft hatte oder eben nicht.

Die beiden jungen Kunoichi hatten sich ein gemütliches schattiges Plätzchen unter einer großen Kastanie gesucht und sich auf einer Holzbank niedergelassen. Hinter ihnen plätscherte beruhigend das Wasser eines kleinen Bachs. Sakura fächelte sich mit der Hand ein wenig Luft zu, denn die Hitze war heute kaum auszuhalten. Das Krankenhaus hingegen war klimatisiert, und alleine der kurze Weg von dort zu diesem Treffpunkt hier reichte aus, um sich nach einer Abkühlung und einem neuen Oberteil zu sehnen. Nicht mal ein seichtes Lüftchen wehte, weshalb sich die heiße Luft auf den Straßen Konohas heute besonders staute.

Da Ino Sakura noch immer sprachlos anstarrte, linste Sakura jetzt vorsichtig zu ihrer Freundin hinüber. Ihr langes blondes Haar trug sie heute in einem Zopf und an solchen Tagen war Sakura einfach nur froh darüber, keine so voluminöse Haarmähne wie ihre Freundin zu besitzen. Zwar hatte Ino das „Thema Sasuke "ganz von selbst angesprochen, worüber Sakura im Übrigen unendlich dankbar war, doch sie konnte die Wahrheit im ersten Moment trotz alledem nicht fassen. Im gleichen Zuge hatte Sakura auch das Wort Verlobung fallen lassen. Besser sie wurde es früher los als später.

Sakura knibbelte nervös an ihrem Daumen, denn die Stille wurde mit jeder Sekunde unausstehlicher. Die berechtigte Angst, Ino könnte unglaublich sauer sein, saß Sakura wie eine aggressive Wespe mit gezücktem Stachel im Nacken. Im Nachhinein bereute sie es nun also doch, nicht schon eher mit der Sprache herausgerückt zu sein. Unruhig faltete Sakura nun die Hände im Schoß und wartete.

Ihre Freundin schien eine ganze Weile mit ihren Gedanken sehr weit weg zu sein. Ino starrte zwar nur, in ihren Augen passierte aber viel. So, als würde in Minutenschnelle ein ganzer Film in ihrem Kopf ablaufen; als ließe sie die Ereignisse der letzten Tage äußerst genau Revue passieren und diese in für sich logische Schlüsselmomente fließen. Und als Ino sich endlich zurücklehnte, entspannten sich ihre Gesichtszüge schlagartig. Gemütlich verschränkte sie die Arme, schloss die Augen, und zog, entgegen Sakuras Erwartung, die Mundwinkel genüsslich in die Höhe.

Sakura atmete innerlich auf, denn eine wahnsinnig schwere Last fiel von ihr ab.

„Jetzt weiß ich auch, was mit dir los war Sakura", Ino nickte zuversichtlich, ihre Stimme war ungewohnt gelassen. „Seit wann geht das schon so?"

Sakura blinzelte und hob das Gesicht, um die Blätter der Kastanie betrachten zu können. Da es fast windstill war, bewegten sich die Äste kaum. Ja, wie lange ging das eigentlich schon?

„Eine ganze Weile", antwortete Sakura zögerlich und spürte, wie daraufhin die Röte in ihrem Gesicht ganz unvermittelt zunahm. Als wäre es nicht schon heiß genug.

„Eine ganze Weile? Geht's vielleicht noch unkonkreter Sakura? Eine Woche? Einen Monat? Mehrere Monate?"

„Mehrere Wochen, denke ich", murmelte Sakura abwesend. So richtig hatte sie darüber noch gar nicht nachgedacht.

„Denkst du?" Ino lehnte sich nach vorne und stützte die Unterarme auf den Beinen ab. Dann hob sie die Hand und wedelte damit vor Sakuras Gesicht, als wollte sie testen, ob Sakura noch bei Sinnen war. "Erde an Sakura. Wie kannst du deiner besten Freundin nur verschweigen, dass du unseren Jugendschwarm Sasuke Uchiha rumgekriegt hast?" Ino grinste erst breit und schürzte dann aufgesetzt die Lippen. „Ich bin wirklich ein bisschen angefressen, dass du mir das nicht sofort mitgeteilt hast."

„Rumgekriegt?"

„Ja, was denn sonst?" Ino lehnte sich wieder zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Sakuras Blick folgte ihr. „Endlich mal ne spannende Nachricht", meinte Ino trocken. „Man könnte fast schon behaupten, dass einem in den Zeiten des Friedens langweilig werden könnte." Jetzt fixierte sie Sakura aus den Augenwinkeln. „Aber das war doch klar. Wenn es jemand schaffen würde, dann wohl du. Durch eure Teamarbeit hattet ihr von vornherein eine besondere Verbindung zueinander. Und auch grundsätzlich fand er mich schon immer viel nerviger als dich. Gott war ich früher neidisch." Ino seufzte betroffen.

„Ino, sag sowas doch nicht. So war das doch alles gar nicht", wandte Sakura unsicher ein und winkte ab. Rumgekriegt klang so ... penetrant und super unromantisch. Schließlich hatte er doch am Ende ihre Nähe gesucht.

Sakura zuckte zusammen, als sie Inos spitzen Ellenbogen in der Seite spürte. Dann griff ihre blonde Freundin nach ihrer Hand und drückte sie fest und herzlich. Sakura sah verwundert in Inos strahlendes Gesicht.

„Nun mal nicht so bescheiden Sakura Haruno, ihr werdet schließlich bald heiraten", sagte Ino und lächelte wie ein Honigkuchenpferd. „Oder sollte ich besser Sakura Uchiha sagen? Schönere Nachrichten konntest du mir doch gar nicht überbringen. Ich freue mich sehr für dich Sakura. Sag mir Bescheid, wenn ich dir helfen kann."

Dankend lächelte Sakura. Wie kam sie nur auf die dumme Idee, Ino könnte ernsthaft sauer sein.

Da Sakura wieder im Krankenhaus aushalf - sie hatte die Bitte von Tsunade nicht ablehnen können - winkte sie ihrer Freundin nur zur, anstatt diese zu umarmen.

Auf dem Weg nach Hause musste sie wieder an Sasuke denken. Heute sollte ein erneuter Versuch erfolgen, Informationen aus Kato herauszukriegen. Vorausgesetzt, dieser Mistkerl wäre endlich wach. Dass Sasuke ihn angemessen in die Mangel nehmen würde, da war Sakura sich ziemlich sicher. Gerne wäre sie auch dabei gewesen; die Show hätte sie sich mit Freude angesehen, aber aus mehreren Gründen war dies nicht möglich. Und so musste sie sich nun gedulden und warten, bis Sasuke ihr die Ergebnisse mitteilen würde.

Sakura betrat die Wohnung und legte den Schlüssel, wie immer, auf der Kommode neben der Garderobe ab. Wie erwartet war Sasuke noch nicht zurück. Aber das war ein gutes Zeichen. Oder? Kato war sicher wach und Sasuke hatte schwer zu tun.

Im Schlafzimmer holte sie aus dem Schrank ein frisches Oberteil hervor, zog sich das alte über den Kopf und legte es auf der Kommode ab. Dann umfasste sie mit beiden Händen ihre vom Schweiß feuchten Haare und formte mit einem Haarband geschickt einen Zopf. Das Gefühl von Erleichterung durchfuhr sie, als die frische Luft an ihre feuchte nackte Haut traf und die Verdunstung des Schweißes eine angenehme Kühle zurückließ. Seit Sakura die Haare etwas länger trug, klebten sie an solch extrem heißen Tagen gelegentlich auch lästig im Nacken. Das war durchaus unangenehm.

Als sie nun nach der Wäsche auf der Kommode griff, sah sie verwundert auf. Sie hatte nach dem Kleid gegriffen, welches sie vor zwei Tagen auf Inos Hochzeit getragen hatte und breitete es nun aus. Augenblicklich schlug ihr das Herz bis zum Hals, als sie an jene Nacht von vor zwei Tagen zurückdachte.

Am Morgen nach der Hochzeit war sie an seiner nackten und harten Brust aufgewacht. Der ganze Raum hatte nach ihm geduftet, sein gesamter Körper hatte ihren gewärmt und jede einzelne ihrer Zellen hatte in dem Gefühl von purem Glück gebadet.

Erst als er aufwachte und sich bewegte, fiel ihr siedend heiß ein, dass sie beide keine Kleidung trugen. Sakura vergrub ihr Gesicht ein wenig tiefer in seiner Brust, um ihre Scham zu verbergen, und stammelte ein nervöses „Morgen". Sasuke brummte mal wieder nur zustimmend. Anschließend lagen sie eine ganze Weile wortlos da und bewegten sich kein Stückchen. Nur Sasukes Daumen führte kleine sanfte Bewegungen auf ihrer Haut aus. Und hätte Sakura seinen beschleunigten Puls nicht sehr deutlich vernommen, wäre sie niemals darauf gekommen, dass er nervös sein könnte. Sie lagen noch immer nah aneinander, Haut an Haut. Sakuras nackte Brust an seiner.

Als er sich endlich rührte, rollte Sakura sich sofort zur Seite und hüllte sich schützend in die Decke ein. Sasuke erhob sich rasch und wandte sich offensichtlich ein wenig von ihr ab, als er sich eilig seine Hose anzog. Klammheimlich schlich sich ihr Blick immer wieder zu ihm hinüber. Sie konnte es nicht verhindern und Sasuke bemerkte es glücklicherweise nicht. Sakura hielt die Luft an. Er sah ja schon mit Klamotten unglaublich gut aus. Aber sein trainierter Rücken, seine kräftigen Oberschenkel und Waden zogen ihre Aufmerksamkeit immer wieder auf sich. Wer konnte bei diesem Anblick nur widerstehen?

Ohne sich nach Sakura umzusehen, verschwand er im Bad. Froh darüber breitete sie die Arme weit aus und versuchte, ihren Puls zur Ruhe zu bringen. Obgleich sie in der Nacht Zärtlichkeiten ausgetauscht hatten, alles voneinander gesehen und erkundet hatten; ohne den Rausch der Leidenschaft fühlte sich Sakura irgendwie ein wenig unwohl.

Als ihr plötzlich auffiel, dass auch sie diese Situation zum Anziehen in Anspruch nehmen sollte, sprang sie auf. Ihr Fuß verhedderte sich in ihrem Kleid, welches am Boden lag. In einer flüssigen Bewegung hob sie es auf und warf es auf ihre Kommode, direkt neben den Kleiderschrank.

Im Laufe des Tages hatten sie nicht über ihre gemeinsame Nacht gesprochen. Aber das war in Ordnung. Sakura war einfach nur froh, dass sie nach einer Weile nicht mehr automatisch rot anlief, wenn Sasuke sie ansah. Er schien hinsichtlich dieser Sache einen etwas kühleren Kopf bewahren zu können, wobei auch er ein wenig häufiger ihrem Blick auswich und sich dann räusperte. Mittlerweile hatte sie raus, dass dieses Verhalten ein Anzeichen von Verlegenheit sein musste.

Sakura hob jetzt den Deckel ihres Wäschekorbs an und ließ das Kleid lautlos hineinfallen. Ihre Wangen glühten, ihre Lippen formten stets ein Lächeln, wenn sie an diese Nacht und den nächsten Morgen zurückdenken musste.

Bis zu Sasukes Rückkehr vergingen noch etwa drei Stunden, in denen Sakura die Wohnung auf Vordermann brachte.

Sie hatte längst aufgehört zu zählen, wie oft sie in diesen drei endlosen Stunden auf die Uhr gesehen hatte. Die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Aufgeregt ließ sie den Putzlappen fallen, als sie den Schlüssel in der Tür hörte. Als hätte sie vergessen, bis eben etwas in der Hand gehalten zu haben. Kerzengerade stellte sie sich vor dem Esstisch auf und wartete. Herrje war das offensichtlich. Es fehlte nur noch, dass sie salutierte. Rasch stemmte sie die eine Hand in die Hüfte und bemühte sich, möglichst lässig zu wirken. Ihre hochgradige Neugierde musste ihm ja nicht direkt auffallen. Mit verkniffenem Mund betrat Sasuke das Wohnzimmer und hob überrascht den Blick, als er Sakura in dieser unnatürlichen Haltung bemerkte.

„Was ist?", fragte sie sofort, um von ihrem missglückten Versuch abzulenken. „Hat es wieder nicht funktioniert?" Gestern war Sasuke mit einem ähnlich angespannten Ausdruck heimgekehrt. Kato war noch immer nicht bei Bewusstsein gewesen.

„Doch. Er war wach", antwortete Sasuke und legte eine kurze Sprechpause ein, um sich zu sammeln. Sakura wagte indessen kaum zu atmen, während zugleich ihr Blick an seinen Lippen klebte und sie ihre eigenen zusammenpresste.

Endlich fuhr Sasuke fort: „Der Vorfall mit dem Hyuga-Mädchen. Ich weiß jetzt, weshalb sie hinter der Kleinen her waren." Äußerlich wirkte Sasuke wie die Ruhe selbst, an seiner Gestik und Haltung erkannte Sakura aber recht schnell, dass er durchaus beunruhigt war.

„Mangetsu schwebt es scheinbar vor, Kaguya wiederauferstehen zu lassen. So wie vor wenigen Jahren."

„Wie das? Etwa mit dem Götterbaum? Aber den habt ihr doch zerstört."

„Scheinbar möchte er einen neuen erschaffen." Sasuke schloss die Augen und seufzte erschöpft. Sowieso wirkte er heute ungewöhnlich müde auf Sakura. „Er selbst hält sich wirklich für den leiblichen Sohn Kaguyas. Ausgetragen von einer Jungfrau, in deren Körper ein Samen der Otsutsuki gelegt wurde. Beweise gibt es dafür aber nach wie vor nicht."

„Dritter Sohn hin oder her... wie zum Geier möchte er denn den Götterbaum erschaffen ...?", fragte Sakura ungeduldig. Die Sache mit dem Sohn war doch Humbug. Sie sah nachdenklich zu Boden, als es ihr wie Schuppen von den Augen fiel. Wieso war ihnen dies erst jetzt aufgefallen? Aber diese Option erschien schon wieder als viel zu offensichtlich, als dass sie auf den ersten Blick wahr sein konnte.

Sasuke wartete geduldig. Er schien sich sicher zu sein, dass Sakura von selbst die Antwort auf ihre Fragen finden würde.

„Braucht er deshalb ...dein Sharingan? Und das ... das Byakugan?" Sakuras Augen weiteten sich. Etappenweise begannen sich nun die Dinge vor ihren Augen zu offenbaren. Alles ergab plötzlich einen Sinn. Mangetsu hat ja selbst keines der Kekkei Genkai, natürlich musste er sich diese erst besorgen. Auch Madara hatte damals Chakra gesammelt, um den Götterbaum zu erschaffen. Mangetsu musste ein Nachahmer sein. „Aber Sasuke ... Meinst du, er könnte wirklich den Götterbaum und Kaguya ... Madara hat es damals ja auch geschafft", stellte sie entsetzt fest. Sakura wurde schlagartig übel. Wenn es wieder zu seinem Krieg kommen würde ... so viele Menschen waren gestorben, das durfte sich nicht wiederholen.

„Er hält jegliche Arten von Kekkei Genkai für sein Eigentum, ebenso das Chakra auf der ganzen Welt. Ich werde es nicht soweit kommen lassen. Alleine das Sharingan wird er niemals bekommen können." Sakura sah ihrem zukünftigen Ehemann besorgt ins Gesicht. Beim letzten Mal hatte er sich noch lustig darüber gemacht, dass es wieder mal jemand auf sein Sharingan abgesehen hatte. Und nicht nur das. Sicherlich würde er auch das Rinnegan an sich nehmen wollen. Und jetzt zischte Sasuke nicht mal mehr unbeeindruckt darüber. Nein, im Gegenteil. Die Sache schien tatsächlich verdammt ernst sein.

„Es ist also ernst", hauchte Sakura, um sich zu vergewissern.

Sasuke nickte angespannt.

„Laut diesem Tagebuch soll Mangetsu tatsächlich Mitglied dieser Sekte gewesen sein", sprach er weiter. „Alles aus Katos Nachforschungen deutet darauf hin. Mit seinem besonderen Genjutsu hat er nach und nach damit begonnen, die Leute zu kontrollieren, welche ihm nicht gehorchen wollten. Irgendwann begannen einige, sich ihm zu widersetzen; sie wollten ihm kein Chakra mehr zur Verfügung stellen. Mangetsu zwang sie aber weiterhin."

Langsam ging Sakura zum Sofa, um sich darauf fallen zu lassen. Das alles musste sie erst einmal verdauen.

„Wie furchtbar", murmelte sie und sah dann wieder zu Sasuke auf. Menschen zu so etwas zu zwingen.

„Er fand eine Prophezeiung, die auf Kaguyas Auferstehung hindeutete. Und zwar in etwa 100 Jahren. Angeblich hatte Mangetsu damals Nachforschungen angestellt, von Menschen, die mithilfe von Chakra 100 Jahre überleben konnten. Ich habe noch nie in meinem Leben davon gehört. Ein Wunder, dass es wirklich funktioniert haben soll."

„So etwas soll es wirklich geben?" Diese Geschichte erinnerte eher an das Märchen von Dornröschen, welches ihre Mutter ihr früher vor dem Einschlafen vorgelesen hatte. „Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, ist es nicht so abwegig, dass eine riesige Menge an Chakra einen länger am Leben halten könnte. Wenn der Körper schläft, dann befindet er sich in einem Ruhe- und Energiesparzustand. Fährt er zusätzlich noch die Körpertemperatur hinunter, so ähnlich wie Bären es im Winterschlaf tun, dann könnte er noch mehr Energie sparen. Die Voraussetzung wäre eben nur, dass man eine solch große Menge an Chakra speichern könnte. Sieh dir Tsunade an. Auch sie kann, wenn auch nur äußerlich, ihre Erscheinung mit einer gewissen Menge Chakra dauerhaft verjüngen. Allerdings schöpft sie dafür aus ihrem eigenen Chakra. Und auch ich kann kein fremdes in mir bündeln. Geschweige denn solch große Mengen, die für eine so lange Zeit ausreichen würden. Das ist Wahnsinn. Ich hätte niemals angenommen, dass so etwas überhaupt möglich ist." Sakura hielt kurz inne, um intensiv nachzudenken. „Vielleicht ... braucht er deshalb auch jetzt so viel Chakra, um sich am Leben zu halten. Weil er eigentlich schon lange hätte tot sein müssen."

Sasuke dachte kurz nach und nickte dann langsam. „Könnte eine Möglichkeit sein", meinte er. „Jedenfalls ermordete er die gesamte Sekte, nur sehr wenige konnten fliehen. Angeblich entführte er noch nahezu alle jungen Frauen aus einem benachbarten Dorf. An dieser Stelle hören seine Aufzeichnungen auf. Wahrscheinlich schlief er kurz darauf ein."

„Und wachte dann zu spät auf", führte Sakura seinen Gedanken weiter aus. „Ob diese Prophezeiung wirklich auf diesen Tag hinwies? Und wieso wussten wir nichts davon?"

„Ich denke, es ist so ähnlich wie mit dem ewigen Kreislauf der Reinkarnationen der beiden Söhne Kaguyas. Über Jahrzehnte hinweg ist Zetsu immer wieder gescheitert. Aber er wusste genau, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, an dem er erfolgreich sein und der Götterbaum gedeihen müsste. Und so gab es sicherlich auch zahlreiche Prophezeiungen, die dies voraussagten. Eine musste ja mal zutreffen. Zumindest in etwa. Diese Prophezeiung konnte also für jedes Jahrhundert neu verfasst werden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass dies irgendwann einmal eintreten würde, ging gegen 100. Es war nur die Frage des richtigen Zeitpunkts. Möglicherweise war es einfach nur Zufall, dass ausgerechnet dieses Ereignis nach etwa 100 Jahren eintrat. Damit würde sich auch dieser Patzer mit dem Verschlafen erklären lassen." Sasuke seufzte, schloss seine Augen und begann, seine Schläfe zu massieren. Hatte er Kopfschmerzen?

„Aber das werden wir sicher nie herausfinden. Dafür müssten wir in die Vergangenheit reisen, was wir nun mal nicht können. Wir sollten uns lieber auf den Feind in der heutigen Zeit konzentrieren und ihn auslöschen."

„Ja." Kurz zögerte Sakura, fragte dann aber doch. „Könnte dieser Zetsu seine Finger wieder im Spiel haben?"

„Darüber hatte Kakashi auch nachgedacht. Möglicherweise war dies eine Notabsicherung, falls genau das eintreten sollte, was eingetreten ist. Wir haben Zetsu handlungsunfähig gemacht."

Sakura nagte nachdenklich an der Unterlippe. Ob Zetsu wirklich so weit gedacht haben konnte? Prophezeiungen zu hinterlassen und darauf zu warten, dass sie eines Tages von jemand Verrücktem gefunden wurde? Konnte denn jeder Mensch einfach so den Götterbaum beschwören? Womöglich war doch etwas mehr dran an der Geschichte des dritten Sohnes.

Besorgt betrachtete sie den erschöpften Sasuke. Er brauchte Ruhe, aber diese eine Frage brannte ihr noch auf der Zunge.

„Und was hat es mit diesen Explosionen auf sich?"

„Auch eines seiner Genjutsus. Mittlerweile kann ich es auflösen. Es ist nicht einfach, aber die letzten Male hat es immer funktioniert. Dieses war aber wieder besonders kompliziert und hat mich eine Menge Chakra gekostet."

„Kato war auch mit diesem Jutsu belegt?" Sakura war überrascht vom Sofa aufgesprungen.

„Ja. Ich war ebenso überrascht und er selbst auch." Sogar Sasuke schüttelte darüber fassungslos den Kopf.

„Echt?" Überrascht zog Sakura die Mundwinkel nach unten. Das hatte sie nicht erwartet. Mangetsu schien sich nach allen Seiten hin abzusichern. Sogar in seinen engsten Reihen. „Er ist doch selbst schuld", meinte Sakura abfällig und zuckte mit den Schultern. „Wer einem Irren folgt, der seine Mitmenschen wie Bauern auf einem Schachbrett bewegt, der sollte sich im Nachhinein nicht wundern, wenn der König auch seine Königin vorschickt und opfert. Seinen engsten Vertrauten." Wer letztendlich nach solch einer Macht strebte, konnte nur egoistisch sein. So war es auch bei Madara gewesen. Wie in einer Anarchie. „Was gedenkt Kakashi nun zu unternehmen?"

„Die Hyugas sind angehalten, sich nur in Gruppen zu bewegen. Nachts werden mehr Wachen postiert, die ein besonderes Auge auf diese Familie haben. Wahrscheinlich haben sie es eher auf die Jüngeren und Unerfahrenen abgesehen. Weiterhin werden Trupps ausgesandt, um spezielle Nachforschungen dazu anzustellen. Alle Dörfer werden informiert und zur Mithilfe verpflichtet." Sasukes Stimme klang angespannt, sein Kiefer mahlte nervös.

„Aber was ist mit dir?", rief Sakura jetzt und ballte ihre Hände zu Fäusten. Es war schön und gut, dass mehr Acht auf die Hyugas gegeben wurde, dass alle Dörfer noch enger zusammenarbeiteten, um einen Krieg zu verhindern; aber wer passte auf Sasuke auf?

Sasukes Gesichtsausdruck entspannte sich.

„Ich kann auf mich aufpassen", sagte er ruhig. „Wir müssen eher aufpassen, dass er anderen kein Leid antut." Sakura presste wieder die Lippen aufeinander. Ja. Natürlich konnte er auf sich selbst aufpassen. Trotzdem hatte sie höllische Angst, ihn zu verlieren. Was war nur mit ihr los? Enttäuscht von sich selbst schloss sie die Augen und vergrub das Gesicht in ihrer Handfläche. Sie waren doch beide Shinobi. Sakura hatte sich damals bewusst für diesen Beruf entschieden und damit auch für ein gewisses Risiko. Aber sie waren ein Team. Genau das hatte Sasuke doch auch eben mit seinem Wir betont. Und genau deshalb würden sie sich gegenseitig immer beschützen können, sodass niemand ernsthaft zu Schaden kommen müsste. Wieso hatte sie sich also verdammt nochmal nicht im Griff?

Sasukes Hand lag so plötzlich an ihrer Wange, Sakura hatte seine Bewegung noch nicht mal wahrgenommen. Er hielt sogar ein wenig Abstand ein, den sie gerade noch laut protestierend einfordern wollte, indem er nur den Arm nach ihr austreckte. Mittlerweile wusste man, dass sich die Krankheit sich nur über einen direkten Kontakt ausbreitete. Also müsste er ihr schon wesentlich näher, kommen um Gefahr zu laufen, sich zu infizieren.

Lange und intensiv sah er sie an.

„Du zerbrichst dir mal wieder unnötig den Kopf", stellte er unzufrieden fest. Sakuras Herzschlag beschleunigte sich, als sein Blick ihren durchdrang. „Und du solltest in nächster Zeit auch nicht alleine das Dorf verlassen", ergänzte er bestimmt.

Sakura nickte schwach. Für jemand anderen hätte bestimmt ein "Tust du mir den Gefallen?" oder ein "Bitte" gefehlt. Aber auch ohne diese Worte erkannte Sakura unmissverständlich, dass es sich um eine ernstgemeinte Bitte handelte. Verblüfft sah sie ihn eine Weile lang an. Genauso, wie sie sich um ihn sorgte, tat er es scheinbar auch um sie. Diese Erkenntnis tat so gut, sie war so entlastend, denn noch immer hallten ihr in solchen Situationen seine Worte von früher durch den Kopf: Gefühle stehen einem nur im Weg.

Am nächsten Morgen arbeitete Sakura wieder im Krankenhaus. Die Lage bezüglich des Virus hatte sich in den letzten Tagen deutlich entschärft. Nur noch wenige Patienten und Mitarbeiter waren infiziert und alle ohne ernste Folgen genesen. Sicherheitshalber schlief Sasuke aber trotzdem noch auf dem Sofa. An diesem Abend brach Sasuke gemeinsam mit Sai und Shikamaru auf eine Mission auf, um einige der Verstecke von Mangetsus Fake-Organisation im Feuerreich ausfindig zu machen. Sakura war sehr froh darüber, denn seit dem Verhör wirkte Sasuke innerlich ziemlich aufgewühlt und unruhig. Nach dem Abendessen ging er sogar auf eine freiwillige Patrouille und kam erst wieder heim, wenn Sakura schon schlief.

Kato wurde darüber hinaus nach Kirigakure überführt. Seit den letzten Monaten schien Kakashi die Beziehung zum Reich des Wassers besonders intensiv zu pflegen. Das war gut, denn enge politische Verbündete waren auch zu Zeiten des Friedens nicht verkehrt.

Als Sasuke am nächsten Tag von seiner Mission zurückkehrte, hatte er nicht sonderlich viel Neues zu Berichten. Die meisten Verstecke waren verlassen und geräumt oder zerstört worden. Möglicherweise wusste Mangetsu sogar, dass sie ihm langsam aber sicher auf die Schliche kamen. Besonders Konohagakure. Aber auch Kirigakure und Sunagakure waren ihm auf den Fersen. Schnell wurde zudem ersichtlich, dass Mangetsu selbst Kato nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben haben konnte. Zumindest was seine Unterschlüpfe anging. Sakura wunderte es dennoch stark, dass Kato niemals misstrauisch geworden war.

Auch nach der Rückkehr von dieser Mission wirkte Sasuke nicht wirklich entspannter. Zudem kam er wesentlich später nach Hause als Sai und Shikamaru. Das wusste Sakura von Ino. Sicherlich suchte er wieder auf eigene Faust nach Hinweisen, was Sakura durchaus beunruhigte.

„Entschuldige, es ist spät geworden.", sagte Sasuke, als er nach Hause kam. Es war längst dunkel. „Was machst du morgen Nachmittag?", fragte Sasuke, als er den Umhang an der Garderobe aufhing und Sakura damit die Verblüffung ins Gesicht trieb. Sonst hatte er diesen immer über dem Stuhl platziert und Sakura hatte ihn nachträglich an die Garderobe gehängt. Und auch seine Tasche platzierte er heute neben ihrer. Verwirrt runzelte Sakura die Stirn. Hatte er etwas vor? Noch nie hatte er nach Zeit füreinander gefragt, um irgendwo hinzugehen.

„Ich könnte früher Feierabend machen ...", meinte Sakura zögerlich.

„Ich würde dir gerne etwas zeigen."

„So? Was denn?"

Sasuke räusperte sich und sah sich unsicher um. Und als er nichts erwiderte, ergriff Sakura erneut das Wort: „Ich sehe es ja morgen." Freundlich lächelte sie. Das letzte, was sie erreichen wollte, war, ihn noch weiter in Verlegenheit zu bringen, besonders, wenn er wegen dieser anderen Sache schon so aufgewühlt war. Auch wenn es sie brennend interessierte, sie musste bis morgen warten.

Am Nachmittag des nächsten Tages wartete Sasuke vor dem Ausgang des Krankenhauses. Den Grinch hatte Sakura seit der unangenehmen Begegnung nicht mehr zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich war irgendjemandem der Kragen geplatzt und er wurde kurzerhand gefeuert. Über diese Möglichkeit musste Sakura nur schadenfroh grinsen.

Sasuke begrüßte Sakura mit einem knappen Nicken und ging mit großen Schritten und ganz selbstverständlich voraus. Schnell holte Sakura auf, um neben ihm gehen zu können.

Sasuke wirkte nicht besonders gesprächig. Wo wollte er nur hin? Sie durchquerten fast ganz Konoha. Dabei bemerkte Sakura, dass er die belebten Hauptstraßen mied.

Sakura rechnete schon gar nicht mehr damit, dass Sasuke noch innerhalb Konohas Mauern anhalten würde und so sah sie beim Gehen in den Himmel, um die weißen Puffwölkchen am Himmel zu beobachten. Heute war es glücklicherweise nicht ganz so heiß und ein frischer Wind wehte, der die Hitze um einiges erträglicher machte.

Irgendwann hielt Sasuke an und deutete mit einem steifen Nicken in eine Richtung.

„Was hältst du davon?", fragte er.

„Wovon?" Ihr Blick folgte nun seinem. Erst wusste sie nicht so recht, was genau er meinte, und suchte nach etwas Besonderem. Aber als sie dann das Offensichtliche bemerkte, weiteten sich überrascht ihre Augen.

༻❀༺


Freund der Sonne ;)

Dank der supersuperschnellen Jenny, kommt dieses Kapitel mit nur einem Tag Verspätung. Danke für das Beseitigen von fliegenden Sektenmitgliedern und nervös malenden Kiefern (man mag sich das bitte bildlich vorstellen xD). Und ja, es ist mal wieder der ruhigeren Szenen, aber so etwas gehört zu einer Geschichte.

Das Nächste ist bereits in Arbeit. Eventuell folgt es am nächsten Samstag. Daraufhin wird es aber erst einmal wieder zweiwöchentlich weitergehen. Ist aktuell leider nicht anders zu handhaben.

Wenn euch der dritte Teil bis hierin bereits gefallen hat, würde ich mich sehr über eine Empfehlung freuen :) Lieben Dank wegen der bereits vorhandenen und auch sowieso an alle treuen Mitleserinnen, ob sie nun still oder laut sind ;P

Ich hoffe, es geht euch gut und ihr seid gesund :)


Fühlt euch gedrückt!

Eure Juli
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