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Die Übernachtung

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAngst, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Benny Handler Eva Marie Handler John Handler OC (Own Character) Sarah Wittner William "Willi" Tagert
29.01.2021
09.02.2021
5
7.488
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08.02.2021 1.838
 
Auch wenn es die Mädchen es sich wünschten, erzählt Will ihnen nichts von seinem Platz an seiner Traum-Uni. Er dachte nicht, dass es sie wirklich was angeht. Er hatte es seinen engsten Freunden erzählt, welche sich für ihn gefreut hatten. Auch wenn das hieß, dass er nach dem Schuljahr nach Texas gehen würde, war es doch der einzige Haken für ihn an der ganzen Stipendium Sache. Jedoch hatte das nicht ausgereicht um sich nicht an der Uni zu bewerben.
War ja nicht so, dass er keine schwierigen Situationen gewöhnt war. Und doch fand er es gerade schwierig dieses Glücksgefühl zu beschreiben. So sehr er seinen Freunden und seiner Familie glauben wollte konnte er es einfach nicht. Zu oft hatten Menschen ihn bemitleidet und ihm versucht das Leben einfacher zu machen. Es hatte in den ersten Monaten nach dem Tod seiner Eltern angefangen und endete selbst jetzt, 10 Jahre später, immer noch nicht.


Der Morgen nach der Übernachtung verlief relativ normal. Will war schon früh auf und machte seine Runde, um die Pferde zu füttern. Gerade als er den Pferden ihr Frühstück geben wollte fängt er an zu denken.  Dieses Glücksgefühl angenommen zu werden hatte ihn nachdenklich gestimmt und dieses Glück hatte sich schnell in eine mentale Krise verwandelt. War er es überhaupt Wert ein Stipendium zu bekommen? Er war doch nur… er. Der Junge, der auf dem Gestüt seiner Verwandten aushalf und das ohne festes Gehalt.
Er schüttelte seinen Kopf rasch und ging sich durch die Haare mit seinen schlanken und doch rauen Händen. Sein Onkel hatte gesagt, dass er wie sein Vater ist. Aber war er es überhaupt Wert mit seinem Vater verglichen zu werden? Martin Taggert hatte in seinem Alter schon mehr im Reitsport erreicht als sein Sohn jetzt gerade. Will wusste, dass seine Erfolge etwas Wert waren, aber würde sein Vater auch so denken wäre er… noch am leben?

“Ich weiß es doch auch nicht, Jimber…” seufzt der Junge und lehnt sich gegen den älteren Palomino Hengst. Seine Augen schlossen sich und verzweifelt versuchte er nach genug Luft zu schnappen, um seine innere Ruhe zu bewahren.
Alte Bilder aus seiner Kindheit wurden wieder erkenntlich als er seine Arme um Jimbers Hals schlung. “Ich hab dich lieb Jimber…” brachte er leise heraus und schluchzte leise. Schnell unterdrückte er ein weiteres, bevor eine der Stallhilfen ihn vielleicht hören könnte.

Tränen schossen ihm ins Auge. er wischte sie schnell mit seinem Handrücken weg.
“Ich sollte aufhören so kindisch zu sein… ich bin nicht mein Vater..” sagte er zu sich selbst und nahm einen tiefen Atemzug, wie es ihm seine Therapeutin gezeigt hatte. Doch anders als in seinen wöchentlichen Sitzungen mit ihr half es dieses mal nicht seinen Geist zu beruhigen. Er hasste dieses Gefühl von Machtlosigkeit in seinem eigenen Körper, und doch kannte er es allzu gut.  

“Will, ich weiß es ist schwer, aber sei nicht so hart zu dir.”
“Wie, wenn ich sie hätte retten können?”
“Du warst 7, Will. Du hättest sie nicht retten können.”

“Sei leise!” zischte Will durch seine Zähne. Er hatte diesen Dialog schon so oft mit der alten Dame besprochen, die mit ihm schon mehrere Therapien durchgeführt hatte. Und doch taten diese Sätze von ihr weh. Er wusste er hätte sie nicht retten können. “Viel hast du echt nicht erreicht.” sagte die Stimme in seinem Kopf und Will war kurz davor seinen Schädel irgendwo gegen zu schlagen.
Warum konnte es nicht vorbei sein.

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Mit einem hellen und fröhlichen Lachen lief der kleine Junge mit seinem kuschel-Dinosaurier und Plastikschwert auf seinen großen Bruder zu. Er sprang auf und ab und lächelte den größeren Jungen mit seiner Zahnlücke an.
“Andrew! Guck! Ich hab’ meinen ersten Zahn verloren!” plapperte der kleine blonde Junge ganz aufgeregt und zeigte seinem großen Bruder seine Zahnlücke voller Stolz.
Andrew lachte nur und schüttelte seinen Kopf gegenüber seinem jüngeren Bruder. Dann hockte er sich vor den kleineren und schaute sich Will’s Errungenschaft genau an. Eine seiner Hände platzierte er auf der Schulter des dünnen Jungens.
“Nicht das du mal größer wirst als ich.” sagt er und bringt die kurzen blonden Haare des kleinen 5 Jährigen Jungens durcheinander.
Dieser schaut seinen 12-Jährigen Bruder mit einem beleidigten Gesicht an und schaute auf seine Drachen Pantoffeln, “Du nimmst mich nicht ernst… oder?”.
Andrew verdreht seine Augen und schnippt Will liebevoll gegen die Stirn. Der Gesichtsausdruck seines Bruders bringt ihn nur noch mehr zum lachen. “Du bist ein wahrer Kämpfer. Mal sehen was die Zahnfee dir bringen wird, oder was meinst du?”
Will grinst übermütig und schließt seine Augen. Hochmütig schnaubt er durch seine kleine Nase, “Anders als den Weihnachtsmann gibt es die nicht. Ich hab gesehen, wie-”, schnell musste Will nach den richtigen Wörtern suchen und einmal durchatmen. “Ich hab gesehen, wie Mami deinen Zahn geklaut hat letzte Woche.”
“Weißt du der Weihnachtsmann ist auch nicht-”

“Wag’ es nicht Andrew” mahnt ihn seine Mutter und nimmt den kleinen Will auf den Arm. Sie küsst seinen Scheitel und schaut auf ihren ältesten mit mahnenden Augen.
Doch Will gab sich mit dem Ergebnis der Unterhaltung nicht zufrieden. Verwirrt dreht er seinen Kopf zu Andrew und biss sich leicht in den Zeigefinger, wie immer wenn er stark überlegte. “Was hat Andrew gesagt?...” fragt dieser leise und schaut seine Mutter mit großen blauen Augen an.
Diese schaut ihren ältesten Sohn nur mit noch einem warnenden Blick an. Der kleine musste nicht wissen, dass sein Vater in Wirklichkeit den Weihnachtsmann spielte. Nicht mit 5 und auch nicht in den nächsten Jahren.
“Was Andy sagen wollte war, dass der Weihnachtsmann gerade nicht in der Stadt ist. Er muss sich gerade um seine Rentiere kümmern, damit sie an Weihnachten wieder fit sind.” sagt Martin Taggert, welcher gerade die Küche betrat.
Julie Taggert schaut jetzt aber auf das Plastikschwert des kleinen Jungens und wirft ihrem Ehemann einen vorwurfsvollen Blick zu. Dieser zuckt nur seine Schultern und lacht nervös.
“Er sah so glücklich aus, als er es gesehen hat…” sagte der erwachsene Mann und rieb seinen Nacken mit einem unsicheren Lächeln. Seine Frau verdreht ihre Augen leicht und setzt Will wieder ab und schaut ihren kleinsten mit sanften Augen an.
“Er sah auch genauso glücklich aus, als er meine Vase damit kaputt geschlagen hat.” lachte sie etwas traurig.
Will sah das natürlich und schmollte vor sich hin mit seiner Unterlippe. “Entschuldigung Mami…” murmelte der kleine Junge vor sich hin, doch hielt sein Lieblingsspielzeug fest im Arm.
“Alles gut kleiner…” lächelte sie ihn an und stupste ihn leicht an die Schulter. “Ich bin mir sicher, dass du den Drachen besiegt hast.”


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Er versuchte seine Tränen wegzuwischen bei dem Gedanken an seine Eltern und seinem Bruder. Besonders sein Bruder hatte ihm einiges beigebracht. Wenn er zurückdenkt auch, dass der Weihnachtsmann niemand anderes als sein Vater war.
“Ob ich jetzt auch schon ein Onkel wäre, wenn Andrew noch hier wäre?...” fragt er sein Pferd leise und lächelt ein wenig bei dem Gedanken.

“Will? Du bist schon hier?” fragten zwei weibliche Stimmen und schauten ihren Reitlehrer mit verwirrten Augen an. Warum antwortete er ihnen nicht? Sie hatten sicherlich seine Stimme gehört, doch sehen konnten sie ihn nicht wirklich. Als die Zwillinge in die Box seines Pferdes schauten konnten sie ihren Reitlehrer endlich sehen. Er antwortete ihnen aber immer noch nicht. Stattdessen sah er recht ängstlich aus. Dieser Blick verschlimmerte sich nur, als er die beiden sah.

Sie liefen langsam auf Will zu, doch dieser drückte sich nur noch mehr an die Stallwand, seine Augen weit aufgerissen. Er hielt eine Hand vor sich um Zoe und Chloe zu zeigen, dass sie nicht näher kommen sollen.
Er schaute auf seine eigene Hand runter und bemerkte jetzt erst wie sehr er zitterte.
“Will? Was ist los?” fragte Chloe ihn vorsichtig, nicht sicher was gerade passierte. Sie gab ihrer Schwester ein Zeichen seinen Onkel zu holen, da der blonde nicht einmal wirklich sagen konnte was los war. Vorsichtig musterte sie ihn mit einem besorgten Gesicht.

Will versucht zu antworten und öffnet seinen Mund, aber es kommen keine Wörter heraus. Auf seinem Kopf bildeten sich Schweißtropfen und sein Herz sprang ihm fast aus seiner Brust. Mit jedem Herzschlag fühlte er sich noch schlimmer. Zu wissen, dass er gerade eine Panikattacke vor den Zwillingen hatte machte ihn nur panischer. So sehr hatte er versucht sich nichts von seiner Panik, nicht perfekt zu sein anmerken zu lassen. Er sackt zusammen und muss seinen Kopf zurücklehnen, um wenigstens ein wenig Luft zu bekommen. Seine Augen kniffen sich schmerzhaft zusammen während sein Körper versuchte mit der Panik klarzukommen. Er hatte das Gefühl an Ort und Stelle zu ersticken und es half kein wenig, dass Chloe vor ihm kniete und auf ihn einredete.

“Will atme mit mir. Tief ein-” fing die ältere der Zwillinge an und machte es ihm vor. Will, welcher nicht gerade begeistert von ihrer Anwesenheit war, machte es ihr nach und atmet auch wieder mit ihr aus. Chloe wiederholt diesen Prozess mit ihm und griff nach ihrer Wasserflasche. Sie hielt ihm diese hin und gab ihm ein kleines lächeln.
Der 19-Jährige versucht die Flasche zu halten, allerdings macht es ihm seine zitternde Hand schwer. Stattdessen hilft Chloe ihm wieder und nimmt ihn dann auch in den Arm.
Er umarmt sie nicht zurück, aber lässt die Geste der jüngeren zu. Nach ungefähr 15 Minuten hatte er sich beruhigt und lehnte seinen Kopf weiter an die Wand. Keiner der beiden Sprach, doch Chloe ließ ihn los und schaute zu John, welcher nur verwirrt in den Stall kommt.
Der Mann sieht seinen Neffen auf dem Boden und weiß sofort was passiert ist. Zoe schlenderte hinter ihm her und schaute verwirrt zwischen Will und Chloe hin und her.

John kniet sich jetzt auch vor Will und schaut ihn mit besorgten Augen an. Er kannte die Phasen seines Neffen und wusste auch das es wahrscheinlich nicht einfach war, dass die beiden jetzt davon wussten. Will war halt schon immer ein recht verschlossener Mensch, welcher die Aufmerksamkeit nicht mochte.
“Du arbeitest heute nicht. Ruh dich aus und bitte red’ später mit Ida darüber…”. Als er sich seinen Neffen länger ansah sah er, dass dieser komplett verblasst war und ihm nur ein leichtes Nicken entgegengebrachte. Das besorgte den Mann nur noch mehr und er legte eine Hand auf das Knie von Will. “Denkst du du kannst laufen?”.
Ein Kopfschütteln.
John seufzt packte einen Arm unter Will’s Kniebeuge, den anderen unter seinen Rücken und hebt den Reitlehrer hoch. Er schaut in die besorgten Blicke der Mädchen und schüttelt seinen Kopf. “Er wird es euch erzählen, wenn er bereit ist.”.
Mit diesen letzten Worten dreht sich der Erwachsene um und läuft Richtung Haus mit seinem Neffen auf seinem Arm. “Du machst mir ganz schön Sorgen, Will.” bringt sein Onkel mit einem Seufzen hervor.
“Tut mir leid…” murmelt Will aber nur erschöpft und schaut seinen Onkel nicht an
“Bitte hör auf dich zu entschuldigen…”
“Tut mir leid…” lächelte der Junge und lehnt seinen Kopf an die Brust von seinem Onkel.
John verdreht seine Augen mit einem leichten Lächeln und bringt seinen Neffen ins Haus.
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