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Die Schatzsuche

OneshotAbenteuer / P12 / Gen
Inquisitor (männlich) OC (Own Character)
28.01.2021
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Raik, gerade zehn Jahre alt, versteckte sich ganz verschüchtert hinter einem Baum, der zur Grenze des Inquisitionslagers am Luthias-See stand. Er hatte ein wenig Angst, doch zum Glück war er ja nicht allein.
„Jetzt geh schon!“ raunte sein Freund Fen'an fordernd. „Ja, trau dich!“ flüsterte Bron, der Jüngste der drei unterschiedlichen Freunde.
„Ich geh ja schon.“ flüsterte Raik zurück, blieb aber noch immer im Schutz des Baumes stehen. Eigentlich wollten sie in der Nähe des kleinen Wasserfalls spielen und Fen'an sollte für seine Mutter Blutlotus mit nach
Hause bringen.
Die diensthabende Wache der Inquisition hatte die drei Kinder bereits bemerkt. Er war erstaunt, dass so unterschiedliche Jungs miteinander spielten. Ein Dalish Elf, der Kleidung nach zu Urteilen, ein Zwerg und ein Mensch. Er tat so, als bemerke er die Tuschelei nicht, irgendwann würde sich sicher einer der drei trauen, hervor zu kommen. Und tatsächlich! Nach ungefähr fünf, für die Kinder quälenden, Minuten, trat schließlich der kleine Zwergenjunge einen Schritt neben den Baum. Sofort bereit, wieder dahinter zu verschwinden, falls es gefährlich werden sollte. Freundlich nickte der Scout dem schüchternen Kind zu. „Sei gegrüßt, kann ich etwas für dich tun? Ich heiße Padraig*.“ Er sah, wie das Kind ängstlich von einem Fuß auf den Anderen trat. „Keine Angst, ich bin ganz harmlos. Ihr anderen! Ihr könnt auch kommen!“ rief er und winkte die Kinder herbei. Als diese verstanden, dass von der Wache nichts zu Befürchten hatten, trauten sie sich in das Lager und schauten sich neugierig um. Fen'an stand bereits am Requirierungstisch und bewunderte das Kartenmaterial und die Materialien, die wahllos auf ihm verteilt waren. Er deutete auf einen glänzenden, schwarzen Stein.
„Was ist das denn? Ich habe noch nie einen solchen Stein gesehen!“
„Du Dummie! Das ist Opsiediaarn!“ Bron, der Menschenjunge stemmte wichtigtuerisch die Hände in seine Seiten. „Das weiß doch jedes Kind.“ Fen'an verzog den Mund und streckte seinem Freund die Zunge raus. „Und was macht man damit, mit diesem Opsti... Optisi-an?“ fragte er neugierig.
Padraig musste unwillkürlich lachen. „Obsidian“, verbesserte er den Elfen. „Man kann daraus eine Rüstung bauen. Das ist ein besonders starkes Material. Du kannst auch einen Dolch daraus fertigen und, für die
Magier, ist der Stein besonders beliebt, um Kälte zu erzeugen.“
Raik, dem schon wieder Langweilig war, stand am Ufer des kleinen Gewässers, welches sich direkt neben dem Lager befand. Er starrte wie gebannt auf einen der Bäume, die auf der anderen Seite. Oben, direkt unter der Baumkrone war ein Stuhl mit Seilen befestigt. „Da sitzt wer drauf!“
Bron und Fen'an sahen nun auch hin. Bron zeigte aufgeregt mit dem Finger nach oben: „Das ist ein Toter!“ Padraig rechntete fest damit, dass die Kleinen zart besaitet waren. Eine Gruppe heulender und panischer Kinder konnte er jetzt gerade nicht gebrauchen. Aber er hatte weit gefehlt. Hoffnungsvolle Blicke richteten sich nun auf den überraschten Scout.
„Dürfen wir da hin? Biiitte...!“ fragten sie nun im Chor. Erleichtert nickte er den Dreien zu. „Natürlich. Soll ich mitkommen?“ fragte er. Er war im Grunde genommen sehr froh über die Abwechslung in seinem sonst eher langweiligen Tagesablauf. „Nein, wir gehen allein.“ sagte Bron bestimmt, der Eindruck schinden wollte. Er wünschte sich nichts sehnlicher, später ein Scout der Inquisition werden. Er würde durch die Welt reisen und die unglaublichsten Abenteuer erleben.
„Gehen wir nicht!“ widersprach Raik, der sich ein wenig fürchtete. Wer konnte ihm denn garantieren, dass dieses Skelett dort oben auf seinem Stuhl sitzen blieb, und nicht von dort herunter sprang. Schließlich hatte er von den Schlurfenden Toten im Fahlbruch gehört. Und noch während die beiden debattierten, war Fen'len schon längst durchs wadentiefe Wasser gewatet und untersuchte den Baumstamm scheinbar fachmännisch.
„Da ist kein Blut mehr.“ stellte er fest. Und schon rannten die anderen Jungs hinüber, und besahen sich den Stuhl genauer, der jetzt über ihren Köpfen hing. Padraig schmunzelte, während er die Kinder beim Spielen beobachtete. Da er allerdings seine Pflicht nicht vernachlässigen wollte, ging er wieder auf
Patroullie. Er erinnerte sich an seine eigene Kindheit, in der er mit seiner kleinen Schwester stets auf Abenteuersuche gewesen war. „Ach...“, seufzte er, „das waren Zeiten.“
Fen'an, der die besten Augen von allen hatte, sah, dass der Tote, von dem nicht mehr als Knochen in zerfetzter Kleidung übrig war, etwas in seiner Hand hielt. Er suchte sich einen Stock und versuchte diese knochige Hand zu erreichen.
„Fen!“ Raik, der kaum in den Baum zu schauen wagte, schrie vor Entsetzen auf. „Was machst du denn da! Der fällt gleich runter!“ Der Zwergenjunge trat mehrere Schritte zurück, schloss seine Augen und hielt sich die Ohren zu. „Angsthase.“ Fen'an lachte ihn aus und Bron, dem nun auch etwas mulmig zumute war, lachte nervös mit. Aber auch er trat nun vorsichtshalber zwei Schritte zurück. Der Elf schlug mit dem langen Ast auf des Toten Hand. Mit einem leisen Knacken zerbrach das Gelenk und die Hand fiel mitsamt dem festgehaltenen Gegenstand vor Fen'an auf den Boden. „Es ist ein Stück Papier!“ rief er seinen Freunden zu. Die Angst war im Nu vergessen. Gemeinsam versuchten sie das Papier aus der Hand zu bekommen, ohne diese anfassen zu müssen, denn selbst Fen'an hatte dort seine Grenze gefunden. Bron fixierte das abgebrochene Handgelenk vorsichtig mit dem Fuß, um es nicht noch weiter zu zerbrechen. Irgendwie befürchtete er, der schon vor langer Zeit Verstorbene könnte Schmerz empfinden. Fen'an nahm noch einen zweiten Stock zur Hilfe und spreizte damit die Finger der Skeletthand Und so konnte Raik das Papier ohne Probleme an sich nehmen. Aufgeregt und mit zittrigen Fingern entfaltete er es und starrte ungläubig darauf. „Das ist eine Schatzkarte!!“ Und ja, allem Anschein nach hatten sie soeben eine echte Schatzkarte gefunden. Sie war hastig gezeichnet und nicht gut zu erkennen. Was allerdings sehr gut zu erkennen war, war der leuchtend rote Kringel, der an einer Stelle eingezeichnet war.
„Da! Da muss der Schatz sein! Seht ihr? Da wo der Kreis ist!“ Bron runzelte die Stirn. Sein Vater, der übrigens auch Bron hieß, arbeitete für Meister Dennett, der bei den Höfen von Redcliffe wohnte. Bron Junior kam diese Karte bekannt vor, oder besser gesagt, was darauf gezeichnet war. Aber er erinnerte sich nicht daran, wo genau es sein könnte. Es lag ihm förmlich auf der Zunge. Und es musste in der Nähe sein. „Ich hab eine Idee. Wir bringen sie zu meinem Vater. Der weiß ganz sicher, wo das ist.“ Raik zog skeptisch eine Braue nach oben. „Bist du sicher, Bron, dass du das möchtest? Ich mein ja nur... was würde dein Vater dazu sagen, wenn er wüsste, dass wir hier sind?“ Und damit sprach er aus, was allen wie ein Damokles Schwert über ihren Köpfen hing. Eigentlich war ihnen von ihren Eltern verboten worden die Wegkreuzung zu verlassen. Sie durften einzig und allein auf dem Königsweg zu Brons Haus gehen. Da die Inquisition dafür gesorgt hatte, dass es dort nun sicher war, stellte das nun kein Problem mehr dar. Aber dass sie jetzt hier in einem Inquisitionslager abseits der ihnen erlaubten Route waren, dürfte für alle großen Ärger bedeuten. „Wir sagen einfach, dass wir sie wo anders gefunden haben.“, schlug Fen'an listig vor. Doch Bron schüttelte den Kopf. „Mein alter Herr ist nicht dumm, der weiß alles. Und auch, woher diese Karte ist. Ganz sicher.“ Er starrte einen Moment auf das zerknitterte Papier und nahm dann eine entschlossene Körperhaltung an. „Mir egal, ob ich Ärger bekomme. Wenn das ein echter Schatz ist, dann sind wir reich!“ Raik und Fen'an, die mit ihren Eltern in der Flüchtlingssiedlung an der Wegkreuzung wohnten, atmeten tief durch. Dann streckte Raik den Arm aus. „Schlagt ein, wir halten zusammen und finden diesen Schatz!“ Die beiden anderen legten ihre Hände auf die von Raik und schauten sich feierlich an. Der Pakt war geschlossen und nun konnte sie nichts mehr davon abbringen, den eingekreisten Ort zu finden. Mit Papa Bron's Hilfe, oder ohne.
Mittlerweile hatten sie Padraig ganz vergessen, der sie zwischendurch aus der Ferne beobachtete. Schließlich fühlte er sich ein wenig für die Drei verantwortlich, da er ihnen erlaubt hatte hier zu spielen. Anscheinend hatten sie etwas interessantes gefunden, denn sie redeten alle aufgeregt durcheinander. Einer von ihnen hielt etwas in seinen Händen. Padraig war sofort hoch alarmiert, denn wenn es irgend eine magische Schrift war, die sie laut vorlesen könnten, und damit etwas beschworen... Mit langen Schritten stiefelte er zu ihnen. „Was habt ihr denn da?“ fragte er sie. Bron, der die Karte noch hielt, versteckte sie hastig hinter seinem Rücken. „Nichts.“ log er.
Raik, der der Vernünftigste der Kinder war, lenkte ein: „Bron, das hat keinen Sinn, er hat es doch schon gesehen.“ Widerwillig rückte Bron das Papier heraus. Der Scout nahm es mit gerunzelter Stirn entgegen und
faltete es sorgsam auseinander. „Das ist eine Schatzkarte.“ kommentierte Bron nun, der sich seinem Schicksal ergeben hatte. Er hoffte, dass der Mann vielleicht wusste, wo das war, dann könnten sie den Weg über seinen Vater umgehen. „Das sehe ich.“ antwortete Padraig mit gerunzelter Stirn. „Und jetzt wollt ihr nach diesem Schatz suchen?“ fragte er. Insgeheim machte er sich Sorgen, dass sie es wirklich vorhatten, denn er erkannte diese Stelle sofort. Erst vor zwei Tagen hatte ihm Späherin Costeau erzählt, dass sie dort ein geheimes Lager der abtrünnigen Templer gefunden hatten. Noch waren sie da, aber bald würde der Inquisitor hier eintreffen und sich darum kümmern. Nicht, dass sich die hier stationierten Soldaten das nicht selbst zugetraut hätten, doch Ser Alec Trevelyan hatte darauf bestanden, die Sache selbst zu erledigen. Bron und die anderen nickten. Fen'an sah sich selbst schon mit funkelnden Steinen nach Hause kommen. All ihre Probleme wären auf einen Schlag gelöst. Er war zwar noch klein, bekam aber die Schwierigkeiten der Eltern mit, das fehlende Geld, der Mangel an Essen und Kleidung... Mit seinem Anteil könnte er neue
Kleidung und vielleicht sogar eine Ziege kaufen. Doch Padraig, der Scout der Inquisition, und heimliches Vorbild für Bron (der ihn zwar erst sein einer Stunde kannte, aber dass er für die Inquisition arbeitete reichte schon), zerschlug all ihre Hoffnung auf ihre abenteuerliche Suche nach Gold.
„Es tut mir wirklich sehr leid... ich kann euch dort nicht hingehen lassen. Ich weiß, wo das ist, und es ist lebensgefährlich für euch.“ Die Kinder murrten enttäuscht auf. „Für uns alle ist es gefährlich.“ fügte er hinzu, um seine Aussage zu bekräftigen. „Ist da ein verdammter Drache oder was...!“ Fen'an verlor fast seine Fassung. „Egal! Ich werde kämpfen! Ich kann mit dem Bogen umgehen! Meine Eltern sind Dalish.“
Padraig hockte sich hin, um mit den Jungs auf Augenhöhe zu sein.
„Es ist dort so gefährlich, dass der Inquisitor selbst herkommen muss, um sich darum zu kümmern.“ „Wirklich?“ fragte Bron ungläubig.
„Ja,“ antwortete der Scout, der nun wusste, dass die Kinder jetzt brav sein würden.
„Was geht hier vor?“ sagte plötzlich eine strenge Stimme. Padraig war sofort auf den Beinen und salutierte. „Inquisitor. Es gibt neue Berichte.“ Alec Trevelyan, der Inquisitor grinste schelmisch. „Alles gut, Scout. Rühren. Ich sehe, wir haben Besuch?“ fragte er mit einem neugierigen Blick auf die Kinder. Padraig nickte. „Ich habe ihnen erlaubt, hier zu spielen. Sie haben etwas gefunden.“ Der Inquisitor nickte den drei staunenden Kindern freundlich zu und bat um Verzeihung: „Entschuldigt bitte mein Auftreten. Ich wollte euch nicht erschrecken. Ich muss nur kurz mit eurem Freund unter vier Augen sprechen.“ Alec bemühte sich so nett wie möglich zu klingen, um die Kleinen nicht zu erschrecken. Er hatte keine Erfahrung mit Kindern und sie immer eher als nervig, laut und stinkend empfunden. Diese hier schienen aber ganz in Ordnung zu sein. „Padraig, auf ein Wort?“ Das war keine Bitte, sondern ein Befehl, das wusste der Scout sofort. Er ging Lord Trevelyan zügig hinterher, der am Requirierungstisch Halt machte.
„Was machen die Kinder hier?“ fragte er streng. Auch wenn die Gefahr offensichtlich vorbei war, hatten Kinder hier nichts zu suchen. Dies war ein militärisches Lager.
„Ser, es war gerade nichts los hier. Es ist alles abgesichert. Und die drei waren neugierig. Sie wollten spielen. Ich dachte mir nichts dabei, als ich sie hier hab spielen lassen. Ich werde natürlich die Konsequenzen dafür tragen.“
„Jetzt übertreibt mal nicht, hier ist ja inzwischen alles soweit abgesichert. Banditen sind hier ja, dem Erbauer sei Dank, nur noch selten anzutreffen... Und was haben sie gefunden?“ Alec hatte Mitleid mit dem Mann, der sichtlich nervös war.
„Sie haben eine Schatzkarte gefunden. Sie führt zum Templerlager, welches Ihr säubern wolltet.“ Alec verstand sofort und runzelte nachdenklich die Stirn. „Und nun wollen sie dort hin. Ich werde sie etwas hinhalten müssen, bis die Sache erledigt ist."
Padraig wusste, er konnte sich auf seinen Vorgesetzten verlassen. Und deswegen wagte er es, eine Bitte auszusprechen. „Ser, wenn ich anmerken darf... Die Jungs sind aufgeweckt und schlau. Besonders der eine. Bron. Er möchte gern Scout der Inquisition werden.“ Vielleicht konnte der Lord die Kinder etwas aufheitern ob der Enttäuschung. „Ich hab schon eine Idee... gebt mir bitte Euer Abzeichen.“
Als er Padraigs erschrockenes Gesicht sah, lachte er hell auf.
„Nein, keine Sorge, Ihr werdet nicht degradiert. Ich besorge Euch ein Neues. Ich möchte es dem Jungen geben. Der Elf bekommt einen besonderen Pfeil und der Zwerg... hmmm....“ Alec legte den Finger an sein Kinn und überlegte kurz. „Ach ich hab was...“
„Was glaubst du, was die da reden?“ fragte Fen'an grimmig. Er sah seine Chance auf den Schatz dahinschwinden. Einerseits war er beeindruckt vom Auftreten des Inquisitors, andererseits bedeutete dies auch, dass sie die Sache mit dem Schatz vergessen konnten.
„Ist doch klar. Mister Pendraig wird dem Inquisitor sagen, was Sache ist. Und dann wird... oh! Da kommt er!“ Bron nahm automatisch die gleiche Haltung an, die er sich Augenblicke zuvor bei dem Scout abgeschaut hatte. Die anderen taten ihm es mehr oder weniger halbherzig nach.
Alec lächelte. So schlimm waren die Jungs ja nicht. Mit wichtiger Miene stellte er sich vor sie und sagte im militärischen Ton: „Rühren, Männer.“
Die Kinder grinsten alle stolz von einem Ohr zum Anderen, und waren nun bereit zuzuhören und alles anzunehmen, was der Inquisitor zu sagen hatte. Er war schon ein feiner Kerl. Besonders Bron war schwer angetan.
„Nun, mein Scout Padraig hat mich darüber informiert, dass ihr drei gute Arbeit geleistet habt. Ihr bringt alles mit, was ein gutes Team ausmacht.“
Nun platzte selbst Raik fast vor Stolz.
„Ihr arbeitet gut zusammen, habe ich gehört. Doch leider muss ich eure Mission vorerst auf Eis legen.“ Die drei kleinen Gesichter wurden lang. Doch Alec hatte einen Trumpf im Ärmel.
„Wenn wir die abtrünnigen Templer vertrieben haben, verspreche ich euch, dass wir gemeinsam auf die Suche nach diesem Schatz gehen.“ Er machte wieder ein sehr wichtiges Gesicht und verfehlte die Wirkung
keineswegs. Die Kinder strahlten um die Wette. Doch einer war skeptisch.
„Und was ist, wenn Ihr das Versprechen nicht einhaltet?“ fragte der Menschenjunge. „Bron!“ Raik konnte nicht glauben, dass gerade Bron das Wort des Inquisitors in Frage stellte.
„Nein nein, mein lieber Raik, Bron hat schon Recht. Und deswegen bekräftige ich mein Versprechen an euch.“
Lord Trevelyan sank auf ein Knie, so feierlich es ihm möglich war und blickte einen nach dem anderen fest in die Augen.
„Fen'an, aus dem Volke der Dalish. tritt hervor.“ Und während der Junge sich nervös zu seinen Freunden umdrehte, zog Alec einen seiner Pfeile aus dem Köcher. Er zerzauste die Federn etwas, damit er nicht mehr so neu aussah. Als Fen'an vor ihm stand, lag der Pfeil bereits auf Alecs ausgestreckten Händen. „Nimm dies, als Zeichen meines Versprechens. Ich schwöre hiermit feierlich, mit dir zusammen den Schatz zu finden.“ Er überreichte dem überraschten Elfenjungen den Pfeil und sprach die Worte, die den Pakt besiegelten.

„Von Bruder zu Bruder, der Eure, bis der Schatz gefunden ist.“


Mit großen Augen nahm Fen'an den Pfeil an und war sprachlos. Wie im Traum trat er wieder in die Dreierreihe zurück, seinen Blick noch immer ungläubig auf den Pfeil des Inquisitors gerichtet.
„Raik aus dem Volke der Zwerge, tritt hervor.“ sprach Ser Trevelyan, worauf hin der schüchterne Zwerg von Bron nach vorn geschubst wurde.
„Ich verspreche dir hiermit, dass ich mit dir gemeinsam den Schatz finden werde. Als Zeichen meiner Aufrichtigkeit überreiche ich dir die Werkzeugtasche, die mir schon so manches Tor geöffnet hat.“ Er gab dem Kind eine kleine Ledertasche mit feinem Besteck zum Öffnen verschlossener Türen. Und wieder kam der Spruch:

„Von Bruder zu Bruder, der Eure, bis der Schatz gefunden ist.“


„D-d-d-anke...“, stammelte Raik, der sein Glück kaum fassen konnte. Der Inquisitor hatte ihm die eigene Werkzeugtasche geschenkt. Welch größere Ehre möge es da noch geben?
Bron wusste, dass er nun dran war. Nervös tänzelte er auf der Stelle, bis er gerufen wurde.
„Bron, aus dem Volke der Menschen, tritt hervor.“ lautete die Aufforderung. Bron trat also hervor und senkte den Kopf. Er hatte großen Respekt vor dem Mann.
„Ich gebe dir dieses Abzeichen eines Scouts, als Versprechen, den Schatz mit dir zusammen zu suchen. Und...“ fügte er hinzu, „dich als Scout der Inquisition vorzumerken. Du wirst, mit dem Einverständnis deiner
Eltern, im gegebenen Alter unserer Organisation beitreten.“
Bron quiekte vor Freude auf und ließ sich das Abzeichen an sein Hemd stecken.

„Von Bruder zu Bruder, der Eure, bis der Schatz gefunden ist.“


sprach Alec zum letzten Mal. Bron trat mit stolz geschwellter Brust wieder in die Reihe zurück. Drei überglückliche Kinder standen nun vor dem Inquisitor. Er lächelte und war überrascht, dass er doch ganz gut mit ihnen fertig geworden war. „Ich werde euch dreien unverzüglich Bescheid geben, sobald die Gegend sicher ist. Bis dahin werdet ihr keinen Fuß dorthin setzen. Ist das klar soweit?“ fragte er mit einer gewissen Strenge in der Stimme.
„Jawohl, Ser!“ riefen die Jungs im Chor. Sie waren so stolz nun Teil von alldem zu sein, dass sie jeden Befehl entgegen genommen hätten.
Der nächste ließ auch nicht lange auf sich warten: „Und ihr werdet euren Eltern alles erzählen und sie um Erlaubnis fragen, ob ihr nach dem Schatz suchen dürft. Ihr könnt ihnen auch gern sagen, dass ich dabei sein werde.“
Er hatte zudem auch noch vor, den Eltern der Jungs einen kurzen Brief der Erklärung zu schicken, damit sie beruhigt waren und ihren Kindern das Abenteuer erlaubten. Alec nickte den Dreien noch einmal freundlich zu, salutierte und stapfte davon. Keine drei Wochen später sollten sie sich an genau der gleichen Stelle wieder sehen und mit Proviant, Gerätschaften und natürlich der berühmten Schatzkarte in das ehemalige Templer Lager aufbrechen.

Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden...
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