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Die Narbe

von Selket
OneshotFamilie / P12 / Gen
Aramis OC (Own Character)
27.01.2021
27.01.2021
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Hey Leute,

Den kurzen Oneshot habe ich heute beim Aufräumen auf einem alten Block gefunden. Ich kann mich erinnern, dass es ursprünglich mal drei waren: Dieser, einer zu Athos Narbe an der Lippe und ein dritter zu Porthos Narbe über dem Auge. Die anderen beiden waren nicht dabei, falls ich sie finde, werde ich sie noch nachliefern. So lange: Viel Spaß damit.

LG
Selket
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Pauline lief schreiend, als sei sie aufgespießt worden, über das Feld von Monsieur Bernard. Wie jedes Jahr zur Erntezeit halfen einige Kinder aus dem kleinen Dorf bei der Feldarbeit, um sich den ein oder anderen Sous dazu zu verdienen, so auch Aramis und Pauline. Letztere rannte nun, wie bereits erwähnt, unter lautem Getöse auf den unmerklich älteren Jungen zu und warf sich ihm, als sie ihn erreicht hatte, um den Hals, sodass sie beide miteinander auf dem Erdboden landeten.
Nachdem er sich von dem verängstigten Mädchen befreit, sich selbst aufgerappelt und Pauline mit aufgerichtet hatte, begann Aramis seine Freundin zu beruhigen. Er umarmte sie und strich ihr beruhigend über den Rücken. Als sie den ersten Schock überwunden und sich soweit wieder beruhigt hatte, berichtete die Siebenjährige von einer Riesenratte, die sich inmitten des Weizens befand.
Aramis schnappte sich einen Ast vom Rand des Feldes und begab sich in die Richtung, aus der Pauline gekommen war, denn er war der Mutigste der Kinder. Er wollte einst ein Soldat des Königs werden und so brachte er sich immer wieder in Schwierigkeiten. Madame Loumeis sagte immer, er habe Hummeln im Hintern.
Nun ging er also in den Teil des Feldes, in dem der Weizen noch stand, und hielt nach der von Pauline beschriebenen Ratte Ausschau. Was er fand, war jedoch keine Ratte, sondern ein kleiner, für den kurz geratenen Achtjährigen jedoch beachtlich großer, Hund. Das Tier stand knurrend vor Aramis, die Ohren steif nach vorne geneigt, sich auf die Spitzen der Pfoten stellend, um möglichst groß zu wirken. Aramis ging einige Schritte rückwärts, doch der Hund folgte ihm, unablässig knurrend. Bald blickte er sich um und sah schon den Rand des bereits gedroschenen, sodass er seine Schritte beschleunigte, den Blick immer noch zum Hund gerichtet. Dieser sah nun seine Gelegenheit und setzte zu einem kräftigen Sprung an, der den kleinen Jungen umstieß.
Aramis spürte die Krallen des Hundes an seiner Stirn, kurz bevor er hart auf den Boden aufschlug. Das Letzte, das er sah, war der blaue Himmel, über den sich langsam dunkle Wolken schoben, und das letzte, das er hörte, war Monsieur Bernard, der den Hund verscheuchte.

Aramis erwachte, als er etwas nasses an seinen Händen spürte. Er befand sich in den Armen von Madame Felous, einer der Damen des Hauses. Der Himmel, den er durch ihre braunen Locken sehen konnte, war schwarz. Es regnete. Aramis konnte ihre Schritte spüren, sie wiegten ihn wieder in den Schlaf.

Das nächste Mal erwachte er durch ein lautes Donnern. Aramis blickte sich um. Er befand sich in der kleinen Kammer, die er sich mit seinen Brüdern Pierre und Phillip teilte. Auf dem kleinen abgenutzten Tischchen neben seinem Bett brannte eine Kerze. Die anderen beiden Betten waren verwaist. Durch das Fenster konnte er sehen, dass draußen ein Sturm tobte. Blitze zuckten über den Himmel über den teilweise abgeernteten Feldern und der Regen prasselte gegen die Scheiben.
Als er versuchte aufzustehen, erfasste ihn ein Schwindel. Er fasste an seine Stirn und spürte einen Verband, da kam die Erinnerung zurück: Das Feld, Pauline, der Hund.
Nur kurz darauf kam Aramis Mutter in den Raum. Sie hatte gehört wie er versuchte aus dem Bett zu klettern. Vorsichtig legte sie ihren Sohn zurück in sein Bett, gab ihm einen Schluck Wasser und setzte sich dann auf die Bettkante. Behutsam strich sie sein dunkles Chaos von Haaren zur Seite und überprüfte die Verbände.
„Wenn du Glück hast, Renè“, begann sie mit einem Lächeln, das ihre nahezu makellosen weißen Zähne offenbarte, „werden vielleicht keine Narben bleiben.“
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