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Vaterliebe

von Sassie
GeschichteHumor, Familie / P18 / Gen
Felix Edel OC (Own Character) Sabine "Biene" Winkelmann Sandra Starck
27.01.2021
06.03.2021
14
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23.02.2021 3.411
 
Um sieben Uhr morgens schloss Samantha leise die Tür auf und gähnte herzhaft. Sie schlüpfte aus ihren Schuhen und streckte sich durch. Die Nacht war lang aber unglaublich spaßig gewesen und sie hatte nicht einen einzigen Anruf ihres Stiefvaters auf dem Handy vorgefunden, als sie wieder aus dem Club gekommen war, was sie umso fröhlicher stimmte. Neugierig warf sie einen Blick ins Wohnzimmer, konnte zu ihrer großen Enttäuschung aber nichts Auffälliges entdecken. Es war aufgeräumt und sah überaus ordentlich aus. Samantha seufzte. Hatten die beiden es denn wieder nicht auf die Reihe gekriegt? Sie fragte sich wie man so unglaublich kompliziert sein konnte. Kopfschüttelnd beschloss sie noch zu duschen und stieg die paar Stufen ins Schlafzimmer hoch, der eigentlich flüchtige Blick, den sie allerdings zum Bett ihres Stiefvaters werfen wollte, blieb hängen und sie grinste wie ein Honigkuchenpferd. Eng aneinander gekuschelt lagen die beiden Anwälte sich in den Armen und schliefen offenbar selig.
Samantha zupfte ihr Handy aus der Hosentasche und schickte Nico eine SMS, bevor sie den Rucksack neben ihrem Bett schnappte und leise zum Kleiderschrank tapste. Sie schnappte sich etwas Unterwäsche und ein paar Klamotten und stopfte sie in die Tasche und als sie sich wieder aufrichtete, stieß sie sich den Ellbogen an der Kante des Schranks. Sie biss sich auf die Unterlippe, um nicht los zu fluchen, und erschrak beinahe zu Tode, als sie sich umdrehte und ihr Stiefvater sich verschlafen aufsetzte und sie irritiert anblinzelte.
„Ich bin schon wieder weg“, flüsterte sie grinsend.
„Wie spät ist es?“, gab er leise zurück.
„Sieben Uhr morgens. Ich wollte auch gar nicht stören. Ich fahr noch zu Nico. Euer Abend schien ja erfolgreich gewesen zu sein, was?“ Sie kicherte kurz.
Felix warf einen kurzen Blick auf Sandra, die immer noch neben ihm lag und schlief.
„Habt ihr mir ein Geschwisterchen gemacht?“, hakte Samantha noch einmal leise lachend nach.
„Ssscchhhh!!!“, grinste Felix kopfschüttelnd. „Komm, du Frechdachs, hau schon ab!“
„Keine Sorge, nichts lieber als das… bevor das hier weitergeht“, murmelte sie. „Du willst bestimmt nicht auch noch Therapiestunden bezahlen!“
Immer noch kichernd schlurfte sie die Treppe hinab und als sie die Wohnungstür eher etwas unsanft zuwarf und Felix die Augen verdrehte, merkte er, wie sich neben ihm jemand streckte.
Er warf einen Blick zu Sandra, die langsam die Augen aufschlug und ihn ansah.
„Tut mir leid, mein Schatz, haben wir dich geweckt?“ Er beugte sich zu ihr und drückte ihr einen Kuss auf den Oberarm.
„Wir?“, blinzelte Sandra alarmiert. „Wer ist wir?“
„Samantha war eben hier“, antwortete Felix. „Hat sich Klamotten geholt und ist wieder abgehauen. Ich denke sie bleibt ein paar Tage bei Nico.“
„Oh…“ Sandra räusperte sich und zog die Decke etwas höher. „Hat sie was gesehen?“
„Sie stand hier am Kleiderschrank“
„Oh…!“
Felix lachte. „Alles gut, sie ist erwachsen. Hast du doch immer gepredigt!“
„Ja, schon, aber selbst als Erwachsene will man seinen Vater nicht neben einer nackten Frau liegen sehen“, antwortete Sandra und strich sich über ihr Gesicht, bevor sie gähnte.
„Sie wirds verkraften“, gab Felix zurück und grinste. „Kaffee oder noch eine Runde Schlafen?“
„Ich wäre eher für noch eine Runde Sex“, murmelte Sandra und streckte sich ausgiebig.
Als sie damit fertig war, bemerkte sie Felix‘ erstaunten Blick und lachte. „Dachtest du im Ernst einmal reicht mir?“
„Nein, aber so zum Wachwerden…“, gab er schluckend zurück und lächelte, als sie an ihn ran robbte und seine Brust küsste.
„Hast du ein Problem damit?“, flüsterte sie leise schmunzelnd.
„Absolut nicht“, antwortete er, drückte sie zurück in die Kissen, und beugte sich über sie, um sie zu küssen.

Sandra hatte es kaum aus dem Badezimmer geschafft, als Felix sie schon umschlungen und in den nächsten Kuss gezogen hatte.
Sie hatten beide nacheinander geduscht, Felix als erster, um schon mal das Frühstück vorbereiten zu können, während sie noch genießerisch unter dem Wasserstrahl gestanden hatte. Die junge Anwältin hätte nicht leugnen können, dass das Schmetterlingsmeer in ihrem Bauch gestern endgültig explodiert war und es seither kein Halten mehr gab.
„Setz dich schon mal, der Kaffee ist fast fertig“, lächelte Felix.
Sandra schlurfte auf den Küchentisch zu, der gedeckt war als kämen noch drei weitere Personen zum Frühstück, und grinste.
Ein paar Augenblicke später stellte Felix eine Kaffeetasse vor ihr ab und setzte sich ihr gegenüber. „Guten Appetit“
„Ich bin üppige Frühstückstische ja eigentlich auch von Pat gewöhnt, aber das...“, murmelte sie und grinste, während ihr Blick wieder über all die Köstlichkeiten wanderte.
„Zugegeben, einiges davon ist erst hier, seit Sammy bei mir wohnt… du hast ja gesehen, was die verdrücken kann. Aber grundsätzlich sieht das jeden Morgen so aus, wenn ich nicht alleine frühstücken muss.“, lächelte er.
Sandra strich sich etwas verlegen das Haar hinter die Ohren und schnappte sich ein Brötchen, begann es aufzuschneiden.
„Und das ist nur ein winziger Bruchteil dessen, was man so geboten bekommt, wenn man mit mir in einer Beziehung ist“, setzte Felix hinterher und trank einen Schluck Kaffee.
Sandra fiel beinah das Messer aus der Hand. Sie räusperte sich.
„Zu früh für so ein Gespräch?“, riet Felix und stellte die Tasse zurück auf den Untersetzer.
„Nein“, schüttelte Sandra den Kopf. „Ich war nur… überrascht“
„Überrascht?“, antwortete Felix. „Du dachtest jetzt aber nicht, dass ich vorhabe mir nur eine Nacht mit dir zu genehmigen und dann wieder so zu tun, als wären wir nur Kollegen, oder?“
„Äh… nein…“, stammelte die junge Anwältin.
Ihr Gegenüber sah ihr die Überforderung förmlich an und atmete tief durch. Er hatte den Eindruck als müsse er hier grundlegend etwas klarstellen. „Hör zu, Sandra, es ist ja nicht so als hätte ich meine tiefen Gefühle für dich erst gestern Abend entdeckt.“
Sie blickte auf und lächelte kurz.
„Ich denke wir sollten da eventuell sofort drüber sprechen, falls es zu spät ist“, fuhr er fort und lehnte sich zurück. „Ich wollte weder nur eine einzige Nacht, noch will ich eine zweiwöchige Affäre. Ich möchte mit dir zusammen sein. Ich weiß, es ist unser erster gemeinsamer Morgen und eventuell klingt das völlig paranoid, aber ich habe das Gefühl als hätten wir bereits vier Jahre verschwendet und… ich denke es ist nur fair dir zu sagen, dass ich mit dir das volle Programm will.“
Sandra legte ihr Brötchen auf den Teller und sah ihn an. „Das volle Programm?“
„Ganz genau“, nickte er. „Ich will hier erstens nichts geheim halten, weder vor unseren Freunden, noch vor Biene, noch am Gericht. Ich will, dass wir offiziell zusammen sind. Ein Paar. Ich will, dass wir als eine kleine Familie zusammenwachsen, gemeinsam mit Sammy. Und...“
Sie sah, dass er zögerte und hatte das Gefühl, als müsse sie einen großen Schritt auf ihn zu machen. „Felix, Moment mal, machst du dir hier gerade Sorgen, dass mir das alles zu viel werden könnte?“
„Irgendwie schon...“
Sie lachte und schüttelte den Kopf. „Dann sag ich dir jetzt mal was und die Chancen, dass du daraufhin flüchtest stehen wesentlich größer als umgekehrt.“
Felix zog eine Augenbraue hoch und sah sie an.
Sandra schluckte leicht und senkte ihren Blick auf ihre Tasse. „Nachdem ich gesehen habe wie absolut liebevoll du mit Sammy umgehst,… da hat sich in mir der Wunsch nach… Familie gebildet. Und das vielleicht ein bisschen umfassender, als du es im Sinn hast.“
„Wie darf ich das verstehen?“, antwortete er und setzte sich wieder etwas aufrechter hin.
„Ich finde Sammy toll, das hast du ja bestimmt gemerkt, und dass sie ein Teil unseres Lebens ist, das steht damit ja wohl völlig außer Frage… aber… ich… ich denke, ich hätte doch gern… ein eigenes Kind...“ Vorsichtig hob sie ihren Blick wieder, beinah schon in Erwartung, dass er sie gleich fragen würde, ob sie völlig den Verstand verloren hatte ihm sowas nach nur einer gemeinsamen Nacht direkt vor die Füße zu knallen.
„Du… willst ein Baby mit mir?“, hakte Felix nach.
Sandra seufzte leise und lachte dann. „Ja, ich weiß, das ist völlig absurd, oder? Und war vermutlich nicht die beste Gesprächsbasis um sowas sofort rauszuhauen. Ich weiß auch nicht, ich dachte nur, wenn wir schon so ehrlich sind, dann...“
Sie erschrak beinahe, als Felix plötzlich neben ihr stand und sie direkt vom Stuhl in einen langen leidenschaftlichen Kuss zog.
Als er sich wieder von ihr gelöst hatte, öffnete sie langsam die Augen und blinzelte ihn überrascht an.
„Du weißt, dass ich noch ein Kind will“, flüsterte er. „Und das mit niemand anderem auf dieser Welt als mit dir“
Sie lächelte und schlang ihre Arme um ihn, küsste sein Kinn.
„Und wenn es nach mir geht“, fuhr er fort und schmunzelte auf sie hinab. „Kannst du die Pille auch schon heute absetzen“
„Felix“, lachte sie. „Denkst du nicht, dass das ein bisschen schnell geht?“
„Naja, bis man schwanger wird dauert es ja auch einige Zeit“
„Schon, aber...“ Sie beobachtete ihn, wie er sich auf ihren Stuhl setzte und lachte, als er sie dann auf seinen Schoß zog. „Da gibts noch einige andere Dinge, die wir uns überlegen müssen“
„Ach, das mit der Kanzlei packen wir schon irgendwie, wir gehen einfach abwechselnd in Elternzeit“, winkte Felix ab. „Und sonst können wir uns ja auch einen Referendar holen, dann wird das alles auch noch ein bisschen leichter. Wir machen das schon, und, ich meine Sammy erklärt sich bestimmt auch ab und zu bereit auf ihr Geschwisterchen aufzupassen...“
„Schatz“, unterbrach Sandra ihn grinsend. „Sollen wir dann zu viert hier wohnen?“
Felix blinzelte kurz und sah sich um. „Oh. Das meinst du.“
„Ja, das mein ich“, antwortete sie. „Samantha wird vermutlich noch etwas länger bei dir wohnen, wenn sie studieren geht, denn ich schätze mal sie wird nicht sofort mit Nico zusammenziehen und für eine eigene Bleibe wird kein Geld da sein.“
„Das heißt...“, meinte Felix. „Wir brauchen was Größeres. Zwei Kinderzimmer, mindestens. Ein Arbeitszimmer. Genügend Wohnfläche. Vorsorglich auch schon mal zwei Badezimmer, falls wir noch eine Tochter bekommen...“
Sandra schmunzelte und lachte dann kurz. „Wenn uns jemand reden hören könnte“
„Wieso?“
„Wir hauen hier nach einer gemeinsamen Nacht die komplette Familienplanung auf den Tisch...“
„Hey, wie gesagt… wir hatten da schon vier Jahre Vorgeschichte“
„Stimmt. Vier unendlich lange Jahre...“ Sie schob ihre Hand in Felix‘ Nacken und küsste ihn zärtlich, bevor sie leise seufzte.
Er sah sie fragend an.
„Naja, natürlich freue ich mich darauf eine Familie mit dir zu gründen, aber… irgendwie wäre noch ein wenig Zeit zu zweit auch ganz schön. So ganz in Ruhe, wenn du verstehst...“
„Haben wir doch noch“, grinste Felix. „Und so ein Baby muss ja auch erst mal gemacht werden… und da werden wir ganz ganz ganz viel Übung brauchen...“
„Hoffentlich“, schmunzelte sie verführerisch und stöhnte auf, als Felix‘ Handy klingelte.
Er erhob sich, als Sandra von seinem Schoß gehopst war, und nahm ab. „Ja?“
Der Anwalt lauschte einen Moment und lachte dann. „Wie lange schon, du Witzbold? Mein Gott… komm hoch! Wir frühstücken!“
Sandra sah ihn fragend an, als er auflegte und lachend den Kopf schüttelte.
„Nico musste weg und Sammy sitzt seit einer halben Stunde unten vor der Tür, weil sie Angst hatte hochzukommen, falls wir…“
„Oh Gott“, grinste die Anwältin. „Tja, siehst du? Wir brauchen was Größeres!“
„Mhm“, gab er zurück und nahm ihren Kopf in die Hände um sie noch einmal zu küssen. „Und etwas ganz Kleines…“
Sandra lächelte und verlor sich in der Zärtlichkeit und Felix ging es vermutlich ebenso, denn erst als sie leises Räuspern hinter sich wahrnahmen, rissen sie sich voneinander los und die junge Anwältin grinste Sam verlegen an. „Guten Morgen“
„Und wie gut der ist“, schmunzelte die junge Frau und ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Ist es jetzt endlich offiziell? Und bitte sagt nicht ‚Nein, wir sind trotzdem nur Kollegen‘“
Die beiden Anwälte lächelten sich kurz an.
„Es ist offiziell“, bestätigte Felix und setzte sich schließlich neben Sandra. „Ja, Klecks, bedien dich ruhig“
„Oh, Entschuldigung“, räusperte Samanta sich und ließ das Brötchen wieder sinken, bevor sie einen kurzen Blick an den beiden vorbei warf und dann grinste. „Tja, ich nehm an es wird ganz schön eng hier in nächster Zeit“
„Darüber haben wir uns tatsächlich gerade unterhalten“, meinte Felix und zog seine Kaffeetasse zu sich. „Wir werden umziehen müssen“
Samantha sah ihn an und nickte dann begeistert. „Cool! Bekomm ich dann ein eigenes Zimmer?“
„Klar“, grinste der Anwalt. „Das ist der Sinn dahinter. Ich nehme an das heißt du willst noch nicht zu Nico ziehen, richtig…?“
„Nein!“, gab die Angesprochene eilig zurück. „Wir sind grade mal ein paar Tage zusammen. Dazu kennen wir uns noch nicht gut genug. Ist ja nicht so wie bei euch.“
Die beiden Anwälte grinsten sich wieder an.
„Tja, dann sollten wir uns wohl ziemlich zeitnah umsehen. Der Immobilienmarkt ist ja nicht gerade rosig.“, meinte Sandra. „Und wenn wir nicht im Plattenbau wohnen wollen…“
„Wie wärs mit Prenzlauer Berg?“, meinte Felix und schob sich ein Stück Brötchen in den Mund.
„Oh Gott“, murmelte Samantha tonlos.
„Was ist daran denn so schlimm?“, fragte Sandra und griff nach Felix‘ Hand.
„Totaler Spießerbezirk. Die jagen dich mit Fackeln an den Stadtrand wenn du es da wagst in unechten Birkenstock Schlappen durch die Straße zu latschen…“, gab Sam trocken zurück.
Sandra lachte und Felix verdrehte grinsend die Augen.
„Wir werde nicht nach Kreuzberg ziehen, Sam“
„Warum? Künstlerviertel wär doch cool…“
„Nein!“ Felix überlegte kurz. „Charlottenburg wäre auch noch eine Option. Da solls ja auch viele gute Kitas geben“
„Sehr witzig, Papa“, meinte Sam augenrollend, bevor sie innehielt und die beiden abwechselnd erstaunt ansah. „Moment mal, ihr…“
Die beiden Anwälte sahen sich kurz an und lächelten.
„Wow“, nickte Samantha anerkennend. „Von Null auf Hundert in nur einer Nacht. Bemerkenswert.“
„Wir haben da nur mal drüber gesprochen“, antwortete Sandra. „Ich setz jetzt nicht sofort die Pille hab“
„Genau“, stimmte Felix zu. „Einen Zyklus wartet sie noch ab“
Die junge Anwältin boxte ihn leicht in die Seite und er lachte.
Sam grinste nur. „Hey, ich beschwer mich nicht! So ein kleiner Schreihals wird super. Kann ich schon mal üben für die Zukunft!“
„Für eine hoffentlich noch sehr sehr ferne Zukunft!“, gab Felix warnend zurück.
Samantha lachte. „Keine Sorge. Aber hey, bevor wir jetzt über größere Wohnungen und Babys reden… machen wir heute was zusammen? Alle drei? So als neue Familie?“
Sandra konnte nicht anders, sie grinste wie ein Honigkuchenpferd. Das war alles besser gelaufen, als sie sich das vorgestellt hatte.

Der Sonntag war ein absolut perfekter Tag gewesen, sie waren zusammen durch Berlin gelaufen wie Touristen, die zum ersten Mal in der Stadt waren, hatten sich sämtliche Sehenswürdigkeiten angesehen und waren abends noch ins Kino gegangen.
Sandra und Felix hatten die Dringlichkeit einer größeren Wohnung erneut schmerzlich begriffen, als sie sich abends notgedrungen voneinander getrennt hatten. Sie würden Samantha nicht ständig zu Nico ausquartieren können, noch dazu nicht, weil auch er in einer WG lebte, also fiel Felix‘ Wohnung ziemlich flach. Aber auch bei Sandra zu Hause hatten sie nicht die Ruhe, die sie sich wünschten, weil Patrizia nun mal da war. Die junge Anwältin hatte zwar gemeint, dass es durchaus möglich war ihre beste Freundin öfter mal außer Haus zu jagen, aber Felix und Sandra waren sich ziemlich sicher, dass sie so schnell wie möglich zusammenziehen wollten. Als Sandra Patrizia von den ganzen Geschehnissen und auch Plänen erzählte, war diese erst etwas stutzig und fragte ihre beste Freundin, ob sie nicht meinte, dass das doch etwas schnell ginge, aber sie erntete nur ein Kopfschütteln und ein Grinsen.
„Vier Jahre, Pat“, war die Antwort, die Sandras Meinung nach alles erklärte und rechtfertigte. Und ganz so unrecht hatte sie da ja auch nicht.
Montagmorgen war sonnig und warm und die junge Anwältin hätte die ganze Welt umarmen können und das obwohl ihr heute eine ziemlich zähe Verhandlung bevorstand – aber nichts hätte ihre Stimmung an diesem Tag trüben können. Summend schlenderte sie auf das Café zu, bestellte einen Cappuccino und begab sich an den Stehtisch. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass jeder sie anlächelte, was aber auch daran liegen konnte, dass sie selbst so unerhört fröhlich war.
Sie bedankte sich, als ihr Kaffee gebracht wurde und war gerade dabei Zucker hineinzustreuen, als jemand sie von hinten in die Seite knuffte. Erschrocken machte sie einen kleinen Satz zur Seite und kicherte dann, als Felix grinsend hinter ihr stand.
„Fiesling“, lachte sie.
„Jaja“, antwortete er und senkte seinen Blick schmachtend auf ihre Lippen. „Guten Morgen, Schatz“
„Guten Morgen“, gab sie verlegen schmunzelnd zurück und es dauerte keine drei Sekunden, bis sie sich küssten und sich in ihren Zärtlichkeiten verloren.
Sie lösten sich erst wieder voneinander, als die Kellnerin geräuschvoll das Tablett mit Felix‘ Espresso abstellte. „Wie immer, nehm ich mal an?“
Felix räusperte sich. „Ja. Danke, Susi.“
Die Kellnerin blickte zwischen ihnen hin und her, grinste dann breit und nickte, bevor sie wieder zurück ins Café schlenderte.
„Sag mal, kommt es nur mir so vor oder ist jeder irgendwie… gut gelaunt heute?“, lächelte Sandra und warf einen Blick in die grünen Baumkronen.
Sie nahmen beinah zeitgleich einen Schluck ihres Kaffees.
„Keine Ahnung“, antwortete Felix dann. „Ich weiß nur, dass ich gut gelaunt bin und weißt du warum?“
„Nein?“
„Weil ich die schönste Frau der Welt habe“ Er lächelte und küsste sie erneut kurz, bevor er einen überlegenden Blick aufsetzte und dann nickte.
„Was?“, grinste die Anwältin.
„Der Kaffee schmeckt eindeutig besser von deinen Lippen als hier draus“, meinte er und schob seine Tasse etwas zur Seite, bevor er seine Arme wieder um Sandras Taille schlang und sie sich zum zweiten Mal an diesem Morgen in Liebkosungen verloren.
Die Zeit, die sie normalerweise damit verbrachten miteinander zu reden und sich zu kabbeln, wurde heute in Schmusereien investiert und als sie es irgendwann schafften sich doch voneinander loszureißen, war der Kaffee kalt und sie mussten ihn in Windeseile austrinken, weil sie sonst zu spät kamen.
Hand in Hand spazierten sie los in Richtung Kanzlei und Sandra fühlte sich wie ein Teenager. Am liebsten hätte sie jedem, der ihnen entgegenkam, erklärt, dass sie jetzt mit Felix zusammen war und dann noch stundenlang darüber philosophiert warum er einfach ein Traummann war – denn das war es, was er tatsächlich für sie darstellte. Es war unerheblich, dass er ihr oft den letzten Nerv raubte und seine kleinen Eigenarten sie manchmal wahnsinnig machten. Sie hätte sich trotzdem niemand Besseren an ihrer Seite vorstellen können, und wenn sie zu sich selbst ehrlich war, dann war das schon lange so. Das Bild hatte sich nur verfestigt, nachdem sie erlebt hatte was für ein wundervoller Vater er außerdem war.
Das lenkte ihre Gedanken zu dem Gespräch mit Patrizia zurück, die sich fast verschluckt hatte, als Sandra ihr erklärt hatte, dass sie vor hatte nach diesem Zyklus vermutlich die Pille abzusetzen. Patrizia hatte ihr gesagt, dass sie ihr wirklich alles Glück der Welt wünschte, sie aber gefragt ob sie nicht vielleicht dachte, dass sie das alles etwas zu überstürzt angingen und auch wenn Sandra daraufhin gekontert hatte, jetzt im Nachhinein betrachtet hatte Patrizia womöglich recht.
Die junge Anwältin wartete, bis Felix die Haustür geöffnet hatte und stieg dann hinter ihm die Treppen hinauf, ohne etwas zu sagen. Glücklicherweise schob er es auf ihren durchwegs positiven Gemütszustand und summte, als er auch noch die Kanzleitür aufschloss und eintrat. „Guten Morgen, Biene!“
„Morgen, ihr zwei“, lächelte die Sekretärin und schien in der Sekunde die fröhliche Aura wahrzunehmen.
„Hattest du ein schönes Wochenende?“, fragte Sandra strahlend und nahm ihre Post entgegen.
„Ja, war toll. Und ihr so?“ Biene blickten zwischen ihren beiden Chefs hin und her.
„Auch, danke“, antwortete Felix.
„Und deins?“
„Äh, ja!“, grinste Sandra. „Ich hab heute um halb elf Verhandlung, nur damit alle Bescheid wissen“
Die Sekretärin warf einen flüchtigen Blick auf den Terminkalender und nickte und Felix drehte sich zu Sandra und lächelte.
„Tja, dann schönen Vormittag!“, meinte er.
Die junge Anwältin strahlte über das ganze Gesicht, als Felix sich zu ihr beugte und sie erneut zärtlich küsste. Sie zuckten zusammen, als Biene der Brieföffner aus der Hand fiel und auf den Boden knallte.
„Äh – entschuldigung…“, stammelte die Sekretärin und bückte sich, ohne ihre Chefs aus den Augen zu lassen. „Wie… seit wann… also, öh…“
„Sandra war am Samstag bei mir und da…“ Felix schmunzelte und sah sie wieder an, bevor er sanft mit seiner Nase gegen ihre stupste. „Es wird mir erheblich schwer fallen zu wissen, dass du nur ein paar Schritte entfernt von mir sitzt und ich dich trotzdem nicht jede Sekunde küssen kann“
„Na, Donnerwetter“, stammelte Biene tonlos. „Da hats ja richtig geknallt“
Die Anwälte grinsten sich noch kurz an und wanderten dann auseinander und in ihre Büros. Kopfschüttelnd blickte die Anwaltsgehilfin erst Felix hinterher und dann Sandra, bevor sie grinste. Konnte es wirklich sein, dass die beiden es endlich geschafft hatten?
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