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Phantomfeuer

von memoirst
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Marco der Phoenix OC (Own Character) Puma D. Ace / Gol D. Ace Thatch Whitebeard alias Edward Newgate
26.01.2021
03.05.2021
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28.03.2021 3.667
 
PHANTOMFEUER




Eigentor






Ace sagte nicht Danke, als sie den Teller goldbrauner Pfannkuchen auf den Planken abstellte, und Thea sagte nicht Gern geschehen, als sie sich auf der Reling niederließ, die Knie angezogen.

In der Tat sagte niemand von ihnen besonders viel zueinander, als Effie und Diems erste Trainingsstunde unter anderer Leitung wieder aufgenommen wurde.

Thea unterdrückte ein Schnauben, als die Jugendlichen eifrig die Fäuste hoben, sobald Ace sich näherte.
Das aufgeknöpfte grüne Hemd flatterte in der aufkommenden Brise und der Cowboyhut baumelte an einer Schnur um seinen Hals befestigt zwischen den Schulterblättern.

Aufgeregt nahmen die beiden Schiffshüter eine Kampfstellung ein.
Füße zu eng beieinander in Effies Fall, viel zu aufrecht stehend in Diems. Bevor Thea den Mund aufmachen konnte, korrigierte Ace bereits.
Sie tastete nach Hybris auf ihrem Rücken, als sich die beiden unter Ace‘ Anweisungen in eine Position einfanden, die man als etwas Ähnliches wie eine passable Kampfstellung bezeichnen konnte.

Thea balancierte den Stab auf den Knien und fuhr mit den Händen über das Schwarzholz, während sie dem Grüppchen zusah.
Die Einkerbungen waren ausgemerzt worden, das Holz gewachst und poliert und sogar die kleine Einlassung in der Mitte des Stabes und der Mechanismus dahinter waren geölt worden.
Blenheim hatte ganze Arbeit geleistet.

Hinter der Dämonenmaske zuckte ein Mundwinkel. »Vernarbt mochte ich dich ein bisschen lieber, alter Freund.«
Eine Antwort blieb aus.

Bewegung kam in die Jugendlichen, die nun nicht mehr ganz so stark auf der Stelle schwankten, wie sie es noch vor einer halben Stunde getan hatten.
Ace hatte die Arme vor der Brust verschränkt, während er diese monumentalen Fortschritte beobachtete. Als er dann nickte und seinerseits eine Kampfstellung einnahm, schienen die beiden Schiffshüter in einer Frequenz zu vibrieren, die Glas zerspringen lassen konnte.

Sie hörte das Lächeln in seiner Stimme bis zu ihrem Platz auf der Reling. »Spiegelt mich.«

Thea legte das Kinn auf den gefalteten Händen ab, als das Dreiergrüppchen im Passgang über die Planken lief, dabei hin und wieder mit der Faust in die Luft schlagend.
Ihre Mundwinkel hoben sich bei dem Anblick von zweimal strahlenden Gesichtern unwillkürlich. Da war nicht genug Herzblut in diesen Schlägen, zaghaft und ein wenig schwerfällig, alles aus dem Arm, statt das Körpergewicht hineinzulegen, und die Deckung war noch immer viel zu lückenhaft.

Alles Dinge, die Thea nicht behaupten konnte, wenn sie sich die Feuerfaust ansah.

Jeder Schlag war präzise und kontrolliert und so wuchtig, dass da ein Pfeifen in der Luft lag, wann immer er ausholte.
Das Tempo war langsam genug, dass Effie und Diem folgen konnten, aber hoch genug, dass Thea ahnte, wie sehr er sich zurückhielt.

Sie war zu weit entfernt, um dem Gespräch bis auf den ein oder anderen Fetzen folgen zu können. Aber es war ohnehin die Körpersprache des Rookies, bei der sich ihre Stirn in Falten legte.
Kein Stolzieren, kein Aufplustern, kein träges, selbstgefälliges Grinsen auf seinem Gesicht.
Bloß … Unterrichten.

Sie warf dem Stapel Pfannkuchen einen Blick zu.

Thatch hatte ihr ein Augenbrauenheben geschenkt, als sie mit einem Teller bewaffnet durch den Essenssaal geschlendert war. »Dein Heißhunger ehrt mich, aber du weißt, dass wir pro Kopf eine Portion rechnen
»Mein Kompliment an den Chef und alles.« Thea hatte den leeren Teller durch das Kantinenfenster gestreckt. »Aber der ist für unseren Neuzugang

Ein breites Grinsen war auf dem Gesicht des Kommandanten erschienen. »Sag bloß. Wie hast du das denn angestellt?«
»Mein natürlicher Charme, selbstverständlich.« Sie hatte sich den Hinterkopf gerieben, als daraufhin bloß ein belustigtes Schnauben gefallen war. »Und offenbar ist die Feuerfaust recht kinderlieb

Thatch hatte die goldbraunen Pfannkuchen in einer Geschwindigkeit auf dem Teller gestapelt, die ihresgleichen suchte. »Ist das so?« Das leise Lachen konnte die Eindringlichkeit in seinen Worten nicht ganz übertönen. »Ich gehe davon aus, dass du trotzdem ein Auge auf die beiden hast.«
»Natürlich.« Ein kleiner Stich der Aufrichtigkeit in ihrer Brust. Erschreckend, wie ernst es ihr damit war.

Er hatte ihr den Teller durch das Kantinenfenster gereicht, offensichtlich zufrieden mit ihrer Antwort. »Morgen legen wir auf Valney an, um endlich den Proviant aufzustocken. Heute Abend wird wohl versoffen, was noch von unseren Vorräten übrig ist.« Thatch hatte den Kopf schiefgelegt. »Ace ist herzlich eingeladen. Sag ihm Bescheid, ja?«

Thea verzog das Gesicht und wandte sich von dem Pfannkuchenstapel ab.

Das sagte sich so einfach.
Waffenstillstand bedeutete auch nur das – kein gegenseitiges Ankeifen, keine Seitenhiebe. Vorerst, zumindest. Nicht mehr und nicht minder.
Es bedeutete nicht, dass sie einander plötzlich leiden konnten, und es bedeutete noch weniger, dass Ace eine Einladung wertschätzen würde, dem Saufgelage der Whitebeards beizuwohnen.

Und da war er nicht der Einzige.

Thea wusste nicht, ob sie diese Abende in Gesellschaft hasste oder liebte.

Wenn der Schnaps floss und die alten Geigen ausgepackt wurden, wenn Lieder angestimmt und auf dem Tisch getanzt wurde, wenn sie sich alle in den Armen lagen, lachend und johlend und brüllend und glücklich – dann war Zuhause so nah wie noch nie und Welten entfernt.
Ihr Herz riss sich selbst entzwei, wenn es gleichzeitig auf der Moby Dick und in Mistral war, nichts Halbes und nichts Ganzes.

Und immer war da diese kleine Stimme in ihrem Hinterkopf, die säuselte, dass die Piraten, mit denen sie sang und scherzte und trank, wie ein Mann ihre Waffen ziehen würden, sobald sie herausfanden, wer Thea wirklich war.

Was blieb ihr also übrig, außer lauter zu singen, lauter zu scherzen, mehr zu trinken?
Lauter singen, lauter scherzen, mehr trinken, bis die Stimme übertönt wurde, bis ihr das So-tun-als-ob in Haut und Knochen überging.
Bis Wut, Frust und Selbstekel von einer Flut aus Wein und Sake davongeschwemmt wurden.

In diesen Momenten war Thea der geselligste und einsamste Mensch der Welt.

»Guck mal!«

Sie blinzelte überrumpelt und sah von ihren Knien auf.
Effies grinsendes Gesicht rückte in ihr Sichtfeld. Aufgeregt sprang das Mädchen von einem Fuß auf den anderen, bevor sie tief Luft holte, sich sammelte und dann die Fäuste hob. »Schlag-Schlag-Schwinger-Uppercut-Knie!« Die angekündigten Angriffe in die Luft waren ein wenig unkoordiniert, aber mit viel Enthusiasmus ausgeführt. »Ist das nicht cool?!« Ihre Augen glichen wahren Leuchtsignalen. »Die Kombination hat uns Ace beigebracht!«

Thea hob die Augenbrauen, als auch Diem an die Reling trat, im Schlepptau der neue Lehrmeister, der sich am Kinn kratzte.
»Die beiden haben’s in sich«, antwortete Ace auf die unausgesprochene Frage. »So, wie ihr Zwei bei den letzten Schlägen zugehauen habt-« Er wandte sich an die Jugendlichen, die ein strahlendes Lächeln tauschten. »-würde ich euch ungern als Gegner gegenüberstehen.«

Hybris landete zurück in den Schlaufen auf Theas Rücken. »Klein, aber oho, was?«
Das Schiffsmädchen plusterte sich auf. »Wen nennst du hier klein, du miese-«
»Reg dich ab, Effie.« Diem verschränkte grinsend die Hände im Nacken. »Die ist nur neidisch.«

Da war ein Moment der Stille.

»Neidisch?«, wiederholte Thea dann und lehnte sich vor. Die rote Maske blitzte in der Sonne auf. »Willst du Stress, du Zwerg?«
Das Grinsen verlor ein wenig an Strahlekraft, ehe Diem aus ihrer Reichweite tänzelte. »Ich mein‘ ja nur. Ace ist eben der bessere Lehrer.«
»Zumindest der nettere«, warf Effie dazwischen und rieb sich verstohlen über die grün-blauen Unterarme.

»Das nennt sich Schwimmen lernen im tiefen Ende des Pools, ihr Winzlinge.« Mir hat schließlich auch niemand Welpenschutz gegeben. »Ist nicht meine Schuld, dass man euch alles doppelt und dreifach erklären muss.« Thea warf der Feuerfaust einen Seitenblick zu. Ein schiefes Lächeln zierte sein Gesicht, das ihr gar nicht gefiel. »Ich fass‘ es nicht. Hast du die beiden gegen mich aufgestachelt?«
Er hob ergeben die Hände. »Lästern ist unter meiner Würde.«
»Gut so.« Sie deutete mit einem Kopfnicken auf den Pfannkuchenteller. »Mir wurde mal gesagt, man soll freundlich zu den Menschen sein, die mit dem eigenen Essen hantieren.«

Ace grinste – ein richtiges, ehrliches Grinsen – ehe er sich auf den Planken niederließ, nach dem Teller grabschte und über seine erste richtige Mahlzeit seit anderthalb Wochen herfiel.

Thea biss sich auf die Unterlippe. Ace ist herzlich eingeladen, hatte Thatch gesagt. Sag ihm Bescheid, ja? Der Seiltänzerschuh klopfte in einem trägen Takt gegen die Reling.
»Effie, Diem«, begann sie dann langsam. »Morgen ankern wir auf Valney, um die Vorräte aufzufüllen. Heute Abend wird auf dem Hauptdeck gefeiert.«

Die Schiffshüter wechselten einen Blick. »Wir dürfen doch eh nichts trinken.«
Sie legte den Kopf in den Nacken und starrte zum klaren Himmel hinauf. »Ihr habt euch heute viel Mühe gegeben und ich bin gewillt, ein gutes Wort für euch bei Marco einzulegen. Auch, wenn ich eine so furchtbare Lehrerin bin.«

Die Jugendlichen machten große Augen. Und dann ging es erwartungsgemäß mit dem Zurückrudern los.
»Furchtbar? W-Was?«
»Wer hat denn furchtbar gesagt?«
»Sowas würde ich nie
»Ah, haha, nein, nein, da hast du was ganz falsch verstanden …!«

Effie fand das Gleichgewicht auf ihrer Schleimspur wieder und hielt inne. Dann wandte sie sich mit einem strahlenden Grinsen der Feuerfaust zu. »Möchtest du mitkommen, Ace? Das ist immer super lustig!«
In Diems Augen leuchtete es. »Oh ja, bitte! Ganz viel Musik und Essen und Alkohol! Also, falls du trinkst, natürlich!«

Thea verschränkte zufrieden die Arme vor der Brust, als das Scheinwerferlicht damit auf den Neuzugang fiel, ohne dass sie einen Finger rühren musste.
Viel zu voraussehbar, ihr Zwei.

Ace schob ein Stück Pfannkuchen mit der Gabel auf dem Syrup-See seines Tellers hin und her. »Eine Feier, was?«, machte er nachdenklich.
Das selbstgefällige Lächeln rutschte ihr vom Gesicht, als Ace aufblickte und seine Augen sofort die Dämonenmaske fanden. Und als dann der altbekannte kleine Funke darin erschien, wusste sie genau, was er gerade dachte.

Ihre eigenen Augen verengten sich, aber Thea hielt den Mund, reckte bloß das Kinn vor.
Versuch’s ruhig, dachte sie. Auf dem Hauptdeck, mit den Kommandanten anwesend? Versuch’s ruhig.

Ace räusperte sich in den Moment der Stille hinein, die entstanden war. »Nett von euch, mich einzuladen.«
Effie und Diem wechselten einen Blick. »Also-«
»-war das ein Ja?«

Es herrschte Waffenstillstand, ja.
Aber es war ein Waffenstillstand, der die kleinen Zankereien zwischen ihnen unterbrach und den Austausch der Feindseligkeiten regelte, der seit anderthalb Wochen keinen Abbruch gefunden hatte.
Die Schlacht hingegen war noch immer in vollem Gange.

Das ist keine weiße Fahne, klar?

Ace hob die Mundwinkel. »Gerne. Ich liebe Partys.«







Auf dem Hauptdeck der Moby Dick waren Papierlampen entzündet worden, die sich fröhlich gegen die dichte Dunkelheit abseits des Schiffes stemmten.
Ein leichter Wind brachte die Takelage knarzend in Bewegung. Das riesige gestreifte Rahsegel war eingeholt worden, der Anker ausgeworfen.

Doch von Nachtruhe konnte nicht die Rede sein.

Ace wusste nicht genau, was er von dem Abend in Gesellschaft erwartet hatte, aber einer Sache war er sich sicher: Der Lärm war ohrenbetäubend.

Die Piraten lachten und schrien und sangen und schimpften und johlten in einer Lautstärke, die feindliche Schiffe auch ohne die flatternde Totenkopfflagge mit dem schnauzbärtigen Jolly Roger abschrecken konnte.

Sie saßen in kleineren und größeren Grüppchen beieinander, alle entweder mit einer Flasche, einem Teller oder einem Kartenblatt in der Hand.
Unterhaltungen und Gelächter und schrecklich schiefe Gesänge waren überall, mischten sich zu einem einzigen Stimmenwirrwarr.

Ein üppiges Mahl war aus dem Rest der Vorräte zusammengekratzt worden, Alkohol jeder Farbe und Geschmacksrichtung floss in Strömen und Ace fragte sich, was in seiner Abendplanung schiefgelaufen war, dass er nun die dritte Würfelspielrunde in Folge verloren hatte.

Die Kommandanten Izou und Haruta wechselten ein Grinsen, als Ace murrend den Würfelbecher von sich schob.

Was als Alibi-Beschäftigung bis zu dem Zeitpunkt fungieren sollte, an dem Whitebeard sich endlich dazu bequemen würde, den Feierlichkeiten beizuwohnen, war mittlerweile dem Verlust von zwei Dritteln seines Anteils am nächsten Beutezug gewichen.
Nicht, dass das ein großes Problem darstellen wird, dachte Ace mit einem Stirnrunzeln, ehe er nach seiner Sakeschale griff. Mit einer Geste bedeutete er den Kommandanten, auf die vierte Runde zu verzichten.

Es war nicht leicht, die roten, lachenden, glücklichen Gesichter der Whitebeard-Piraten anzusehen und den Stich auszublenden, der sich irgendwo tief hinter seinen Rippen bemerkbar machte.

Die Moby Dick war um ein Vielfaches größer als die Pikass, so riesig, so gewaltig.
Aber die Geräusche an Abenden wie diesen waren dieselben.
Ace spülte Niederlage und Heimweh gleichermaßen mit einem Schluck Reiswein herunter.

»Schwamm drüber!« Haruta winkte gönnerhaft ab. »Ist schließlich ein Glücksspiel, mit Können hat das nichts zu tun.«
Izou öffnete seinen Fächer mit einem eleganten Handgelenkwirbel vor dem Gesicht, um ein breites Lächeln zu verdecken. »Ganz recht, mach‘ dir nichts draus.«

»Ach ja?« Der Koloss von einem Mann, der Kommandant der dritten Division, beugte sich zu ihnen herüber. Jozu schenkte Ace ein Augenbrauenheben und schnaubte belustigt. »Du bist ihnen also auch schon auf den Leim gegangen? Mit diesen gezinkten Würfeln könnten die beiden eigenhändig unsere Schatzkammern auffüllen.«
»Einspruch!«
»Verleumdung!«

Bevor Ace den Mund öffnen konnte, kündigte ein leises Lachen Marcos Ankunft an. Er hatte zwei überschäumende Bierkrüge in den Händen, von denen er ungefragt einen vor Ace‘ Platz auf der Reling abstellte.
Pfannkuchen und Bier, was? Obwohl er es nicht wollte, spürte Ace, wie sich ein mikroskopisch kleines Lächeln auf seine Züge schlich. Zumindest die Gastfreundschaft haben sie drauf.

Marco nickte ihm zu, als Ace sich herunterbeugte und nach dem Krug griff.
Höflichkeit und die Absurdität seiner Situation rangen in seinem Kopf miteinander, ehe er eine ruckartige Kopfbewegung in Marcos vage Richtung machte, die man im entferntesten Sinne als Zurücknicken interpretieren konnte.

»Gauner, alle beide«, machte Marco mit einem Blick auf seine Mit-Kommandanten und einem schiefen Grinsen, bei dem die lachende Empörung nur noch lauter wurde. »Gibt es in dieser Crew eigentlich jemanden, den ihr noch nicht ausgenommen habt?«
Izou klimperte mit den Wimpern. »Du schmeichelst uns.«
»Und dir selbst, Herr Vize.« Haruta lachte auf. »An dir haben wir uns noch nicht bereichern können.«
»Weil ich nicht gegen euch spiele, ihr Trottel.«
Noch mehr Grinsen. »Keine dumme Strategie, eigentlich.«

»Das war eine Option?«

Ace hoffte, dass man ihm das Zucken in der Schulter nicht angemerkt hatte, als sich die neue Stimme direkt neben ihm an der Reling meldete.
Thea saß im Schneidersitz auf dem Holzgeländer, eine mit Strohhalm versehene Sakeschale in der Hand, den Kopf schief gelegt. Er hatte sie nicht kommen gehört. Ace konnte nicht mal mit Sicherheit sagen, wie lange sie nun schon dort saß.
Phantom, huh.

Thea zog an dem Strohhalm. »Hätte man mir das nicht sagen können, bevor man mich in den Ruin getrieben hat?«
Izou zählte nachdenklich an den Fingern. »Du schuldest uns kaum siebentausend Berry.«
»Seh‘ ich aus, als ob ich so viel Geld hätte?«
»Wie war das mit den Fragen, auf die man keine Antwort wissen will?« Haruta prostete mit seinem Bierkrug und erntete Gelächter und eine Kusshand.

Ace hob den Krug an die Lippen, damit sie das Zucken seiner Mundwinkel nicht sahen, blickte aber vom Bierschaum auf, als Marco ihm ein Lächeln schenkte.
»Ich habe gehört, dass du dir unsere Schiffshüter heute zur Brust genommen hast. Dankeschön, diese Trainingsstunde schiebe ich jetzt schon seit ein paar Wochen vor mir her.« Er legte den Kopf schief. »Effie und Diem haben in den höchsten Tönen von dir gesprochen.«

Wenn Ace den Hals streckte, konnte er in einem benachbarten Grüppchen irgendwo einen strubbeligen Haarschopf und einen kurzgeschorenen Kopf entdecken.
Hoffentlich übertreiben die’s nicht mit dem Alkohol.
»Ist das so?« Ace rieb sich den Hinterkopf, ein wenig betreten. »Die beiden lernen ziemlich schnell, wirklich gebraucht haben sie mich nicht. Das war ihre erste Trainingsstunde?«

»Wenn man die Straße nicht mitzählt«, brummte Jozu dazwischen. In der Runde wurden wissende Blicke gewechselt. »Aber die bringt dir eher Einstecken als Austeilen bei.«
Der Fächer in Izous Hand zog träge Bahnen in der Luft. »Das und Blutergüsse zählen.«
»Hoch die Tassen«, murmelte Haruta.
Marco nahm einen Schluck von seinem Bier. »Eben drum. Mir ist es lieber, wenn sie freiwillig auf der Moby Dick lernen, wie man richtig zuhaut, als dass sie es irgendwann während eines Marineangriffes gezwungenermaßen tun müssen.«

Ace ließ das sacken.

Es war keine neue Erkenntnis, dass Not ein grausamer Lehrmeister war.
Was ihm Garp nicht hatte einprügeln können, hatte das Leben nur allzu bereitwillig übernommen.
In den meisten Fällen sah er sich diesem ewigen Gegner ohne Unterstützung gegenüber, aber manchmal gab es Tage, manchmal Monate, manchmal Jahre, in denen Portgas D. Ace nicht allein auf dem Schlachtfeld stand. Die Spade-Piraten hatten mehr Last getragen, als sie vermutlich selbst ahnten.
Und vor ihnen waren da Ruffy und Sabo gewesen.

Mit einer Hand strich er geistesabwesend über das Tattoo auf seinem Oberarm.

»Wenn du willst-«
Er sah auf.
Thea hatte den Kopf in den Nacken gelegt. »-kannst du die nächsten Trainingsstunden übernehmen. Ich lege mein Amt lieber selbstständig nieder, bevor ich noch haushoch ausgestochen werde. Als Lehrperson bin ich ohnehin nicht sonderlich beliebt.«
»Die liebevolle Strenge schlägt nicht an, was?«, machte Ace.
»Ich glaube fast, dich himmelt man einfach lieber an als mich.«
»Vielleicht liegt’s an der Maske?«
Thea leerte die Sakeschale in einem Strohhalmzug, ein Grinsen in der Stimme. »Nein, ehrlich?«

Und schon wieder, schon wieder spürte er, wie sich seine Mundwinkel hoben, ungewollt, fast unterbewusst.
Vielleicht war das auch der Grund, warum Ace den nächsten Satz einfach aussprach, ohne darüber nachzudenken: »Warum trägst du die überhaupt?«

Da war ein Moment der Stille, in der er die Worte fast bereute.

Dann schlug Thea die Beine übereinander und tat, als würde sie sich die kurzen zimtbraunen Locken nach hinten werfen. »Für euch, selbstverständlich, was denn sonst? Sonst würde Pandämonium auf der Moby Dick herrschen. Ich ohne Maske? Dann könnte sich auf diesem Schiff doch überhaupt niemand mehr konzentrieren.«
»Wie rücksichtsvoll von dir, dich dann für eine zu entscheiden, die so beruhigend und ansehnlich ist«, murmelte Jozu und duckte sich daraufhin unter allgemeinem Gelächter unter einer geworfenen Sakeschale hinweg.

Izou lachte leise hinter seinem ausgebreiteten Fächer. »Gesundes Selbstvertrauen ist das A und O.«
Haruta griff sich theatralisch an die Brust. »Wie umsichtig! Wir haben’s ja auch so schon schwer genug!«
Thea deutete eine alberne kleine Verbeugung an. »Oh, gern geschehen, gern geschehen.«

Ace legte den Kopf schief, ein kleines Glucksen irgendwo in der Kehle.

Da war diese Verbeugung und da war der Salut, den sie Blenheim während der Erkundungstour gegeben hatte.
Aber da waren auch der Beschützerinstinkt Effie und Diem gegenüber – die Augen hinter der Maske hatte er nur allzu deutlich während der Trainingsstunde im Nacken spüren können – und das Selbstverständlich, Kommandant, das ihm ebenso wenig aus dem Kopf ging.
Und dann natürlich all die kleineren und größeren Seitenhiebe gegen seine Person.

Großkotzig und charismatisch und respektvoll und herrisch und bedacht und humorvoll.
Thea schien ihre Eigenschaften mit ihren Gesprächspartnern zu wechseln.

Merkwürdig.

Marco beobachtete die Szene mit zuckendem Mundwinkel. »Ah, Thea, bevor ich es vergesse – Vater fragt nach dir.«
Sie legte den Kopf schief. »Ein neuer Auftrag?«
»Nur auf Valney, soweit ich weiß. Das sollte machbar an dem einen Tag sein, an dem wir ankern.«
»Dein Wort in Davy Jones‘ Ohr«, murmelte Thea und erhob sich von der Reling.

Haruta nippte an seinem Getränk. »Zumindest nicht nochmal quer durch die halbe Neue Welt, was?«
»Wano bis Calma Bay hat gereicht, danke auch.«

Wano bis Calma Bay. Ace spürte, wie ihm das leichte Lächeln langsam vom Gesicht rutschte. Seine Gedanken kreisten. Wano bis Calma Bay.

Er griff den Bierkrug ein wenig fester. »Auftrag, ja?«

An der Art, wie die Piraten bei dem steifen Klang seiner Stimme aufsahen, wie sie alle einen schnellen Blick wechselten, wie Thea für einen kurzen Moment innehielt, bevor sie sich räusperte – daran wusste er, dass er mit seinem Verdacht recht hatte.

»Informationsbeschaffung, genau. Ich bin der Späher der ersten Division.«
»Informationsbeschaffung«, wiederholte er, der beiläufige Tonfall eine Performance, die ihm niemand abkaufte. »Sowas wie …?«
Thea holte tief Luft. »Insellagen auskundschaften, Marine-Teleschnecken abhören, dem Klatsch und Tratsch in Bars lauschen-«
»Piratencrews verfolgen«, beendete Marco, die Lippen in einer schmalen Linie.

Betretenes Schweigen antwortete auf diese Aussage.
Bis auf den Vize schien ihm niemand so wirklich ins Gesicht schauen zu wollen.

Irgendetwas Nasses ergoss sich über seine Hand und Ace musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass es das Bier war, das vor Hitze Blasen geschlagen hatte.
»Ah«, machte er gutgelaunt und auch das wurde augenblicklich durchschaut. »Dann weiß ich wohl, bei wem ich mich bedanken kann.«

Izou legte den Fächer zur Seite und hob beschwichtigend eine Hand. »Hör mal, Ace, es ist ein Auftrag. Thea kann nicht einfach-«
»Nein, ist schon in Ordnung.« Die Dämonenmaske wandte sich ihm zu. Da war keine Entschuldigung in diesen Worten. Wenn er ehrlich war, hätte es in diesem Moment nichts gegeben, was er weniger haben wollte. »Whitebeard konnte die Spade-Piraten auf Calma Bay abfangen, weil ich euch seit Wano gefolgt bin.«

Da war ein Wimpernschlag der Stille.
»Weil ich es ihm gesagt habe.«

Seine Mundwinkel hoben sich ein letztes Mal, aber mit einem Lächeln hatte es nichts zu tun.
Ace ließ den Bierkrug, überschwappend und blubbernd, auf der Reling stehen und erhob sich. Er verneigte sich in die Runde. Obwohl es in seinen Augen loderte, war da Eis in seiner Stimme, das pure Eis. »Einen angenehmen Abend wünsche ich euch.«

Niemand hielt ihn auf. Besser so.

Thea machte ihm Platz, als er an ihr vorbeizog.
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte Ace es ihr anrechnen können, dass sie den Blick nicht senkte, aber gerade waren da bloß Feuerzungen in seinem Magen, die seine Eingeweide empor leckten.

In dem Sekundenbruchteil, in dem sie sich genau gegenüberstanden, bevor Ace den Plauderkreis verlassen würde, in dem er an diesem Abend für einen kurzen Moment den Ernst seiner Lage vergessen hatte, bevor er den Flammen auf einem der unteren Decks einen Ausbruch gewähren würde – in dem Sekundenbruchteil wusste Ace, dass Thea das gleiche dachte.

So viel zu einem Waffenstillstand.









hallöchen!

ahh, ich freue mich schon so sehr auf die kommenden kapitel – der kleine valney arc schwirrt mir nämlich schon eine ganze weile im kopf herum.

kleiner trivia fact: wie auch in ‚kronlos‘ setze ich den wert eines berry mit yen gleich (1 Berry = ¥1). yen und euro sind leider nicht ganz 100:1, aber so in etwa sollte gerechnet werden – also viel spaß beim kopfrechnen haha

ich hoffe, ihr hattet beim lesen genauso viel spaß wie ich beim schreiben! <3

wir lesen uns!
mfg memo
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