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Phantomfeuer

von memoirst
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Marco der Phoenix OC (Own Character) Puma D. Ace / Gol D. Ace Thatch Whitebeard alias Edward Newgate
26.01.2021
03.05.2021
11
38.127
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PHANTOMFEUER




Der stärkste Mann der Welt








Die Nacht wurde zum Tag.

Fauchende Flammen erhoben sich auf der dunklen Wasseroberfläche, aus dem Nichts heraufbeschworen und so hoch, dass sie mit dem Krähennest der Moby Dick konkurrierten.
Die Hitze war unglaublich, schlagartig, allumfassend.
Flüche wurden laut, als die Piraten, die dem Feuerwall am nächsten standen, von der Reling zurückstolperten.

Hinter dem Schleier aus zuckendem Orange und brennendem Rot waren die Umrisse der Pikass sichtbar, die sich mit gehissten Segeln rasend schnell von Calma Bay entfernte.
Selbst ohne die Wand aus Feuer, die die beiden Schiffe voneinander trennte, wäre die Moby Dick kaum in der Lage gewesen, die kleinere, schnellere Karavelle einzuholen.

Der prasselnde Feuerwall schien sich aufzubäumen, flackerte und zuckte, verzweifelt darum bemüht, weiterzubrennen.
Doch wo die Flammenzungen eben noch weiß vor Hitze gewesen waren, wurden sie nun immer dunkler, verzehrten sich selbst. Todeskampf.
Und als der junge Mann auf den Holzplanken des Hafenstegs – halb bewusstlos und grün und blau geprügelt – beide Arme sinken ließ und auf die Knie fiel, erstarben sie vollends.

Auf der Moby Dick wandte man dem ziehenden Schiff den Rücken zu.
Die Pikass war eine vergessene Silhouette am nachtblauen Horizont.
Aller Augen lagen auf dem jungen Mann, dessen schweres Atmen vom aufkommenden Wind zu ihnen hochgetragen wurde. Auf dem jungen Mann und auf dem Riesen, der an ihn herangetreten war.

Marco stützte sich mit beiden Unterarmen an dem Geländer um das Steuerrad ab, die Stirn in Falten gelegt.

Von seiner erhöhten Position aus konnte über die Köpfe seiner Kameraden hinwegblicken, die sich um die Reling drängten und ihrerseits auf die beiden Männer zwischen rußschwarzen Planken, zersplittertem Holz und Brandflecken hinabsahen.

Einer von ihnen kniete. Der andere stand aufrecht.

Kein Schnitt, keine Verbrennung, nicht einmal die Umrisse einer Schramme zierten Whitebeards muskulösen Torso.
Und das Blut, das seinen weißen Kapitänsmantel besprenkelt hatte, war nicht sein eigenes.

»Genug jetzt.« Die Stimme des Kaisers hallte über den Schauplatz des Kampfes – wenn man die vernichtende Niederlage, die die Spade-Piraten erlitten hatten, überhaupt als Kampf bezeichnen konnte.
Zwanzig waren sie gewesen. Neunzehn hatten den Rückzug angetreten, auf Geheiß ihres Kapitäns.
Nur Portgas D. Ace war geblieben.
»Es reicht.«

Keiner der Whitebeard-Piraten hatte das Schiff verlassen, nachdem sie auf Calma Bay geankert hatten, der Handelsinsel, die unter der Schirmherrschaft Whitebeards stand.
Die Spade-Piraten waren allein dem Kapitän entgegengetreten.

Zwanzig von ihnen, Männer und Frauen, bewaffnet mit Schwertern und Pistolen und Eisenstöcken, angeführt von dem Rookie, dessen Hände in Flammen aufgegangen waren, sobald die Moby Dick den Hafen erreicht hatte.
Zwanzig gegen einen.

Es war ein Massaker gewesen.

Ein Luftzug zu Marcos Rechten war das Einzige, das ihre Ankunft ankündigte.
Die Schritte waren wie immer lautlos, unterstützt von den wadenhohen weichen Lederschuhen, die eher einem Seiltänzer als einem Piraten zugestanden hätten. Aus den Augenwinkeln konnte er den weiten Ärmel eines naturweißen Leinenhemdes ausmachen, als sie neben ihn an das Geländer herantrat.
Wie alle anderen würde auch ihr Blick auf dem halbzerstörten Steg liegen, auf der Feuerfaust, die noch immer nach Atem rang.

Aber ganz sicher war sich Marco nicht. Die Maske machte ihm da wie immer einen Strich durch die Rechnung.

Er erlaubte sich einen gehobenen Mundwinkel, ohne den Blick abzuwenden. »Gute Arbeit, Phantom.«
»Kommandant.« Thea setzte zu einem halbherzigen Salut an, ließ dann die Hand sinken.

Es war ein langer Weg zurück auf die Moby Dick gewesen – kurz vor den Gewässern um Wano nach Gray Cay bis hin zu Calma Bay – und die Erschöpfung saß ihr in den Knochen.
Es war nicht so, dass die Spade-Piraten keine Fährte hinterlassen hatten, nicht laut und bestechend selbstbewusst in ihrem Vorhaben gewesen waren. Mit der Aufmerksamkeit, die die Piraten auf sich gezogen hatten, hatten sie ihr dankenswerter Weise das Suchen abgenommen.
Als Späher hatte es Thea dieses Mal nicht sonderlich schwer gehabt. Die Teleschnecke, ein furchtbar launisches, überraschend jähzorniges Tier, war schnell genug zur Hand gewesen.

Sie steuern auf Calma Bay zu. Sagt Pops Bescheid.

Und doch …

Der Kampf, der keiner gewesen war, verpasste ihrem Enthusiasmus über den erledigten Auftrag einen Dämpfer.
Die Spade-Piraten hatten nicht verloren. Sie waren niedergemacht worden.

»Er wird es mir nicht danken, was?«, fragte sie leise.
Marco schüttelte den Kopf. »Ich denke nicht.«

Thea sah auf den jungen Mann hinab, der langsam den Kopf hob, um zu Whitebeard aufsehen zu können.
Portgas D. Ace war nun schon öfter gefallen, als sie zu zählen vermochte, wieder und immer wieder. Warum also machte er erneut Anstalten, sich hochzustemmen?
Er war viel zu ausgelaugt, um seine Teufelskräfte benutzen zu können, mit einem Bein bereits in der Bewusstlosigkeit. Aber das tat dem Feuer in seinen Augen keinen Abbruch.

Teufelsfruchtnutzer. Nein, Logia-Teufelsfruchtnutzer.
Die Seltensten, die Mächtigsten. Die Naturgewalten.

Mit der fernen Erinnerung an Windrauschen beugte sich Thea vor.

Auch Whitebeard schien sie zu bemerken, diese Flammen, die stur vor sich hinloderten und sich durch nichts löschen ließen.
»Ich würde«, begann er nachdenklich, in die schwere Stille hinein, die entstanden war, »dich ungern hier sterben sehen, Junge.«

Marco neben ihr stieß ein überraschtes Brummen aus und auch an der Reling wurden verwirrte Blicke gewechselt.
Der wird doch wohl nicht-

»Wenn du noch kämpfen willst, gebe ich dir die Chance, weiter über die Meere zu segeln.« Und als er der Feuerfaust die Hand entgegenstreckte, hörten sie das Grinsen in seiner Stimme bis hoch zu ihrem Aussichtspunkt. »Unter meiner Flagge. Als mein Sohn.«

Der Effekt war augenblicklich.

Flüsterschreie der Ungläubigkeit an der Reling, Marco, der kurz und bestimmend nach Ruhe bellte, Thea, deren Augen sich hinter der Maske weiteten.

Und Ace, der den Trotz auf seinen Zügen gegen einen Ausdruck der absoluten Fassungslosigkeit eingetauscht hatte.

»… Niemals«, brachte er schließlich knurrend hervor, eine Aussage, die das Grinsen unter dem weißen Bart nur noch breiter werden ließ. »Ich werde mich dir niemals anschließen.«
»Ah, Jugend.« Der Kaiser gluckste, bevor sich die geöffnete Hand zu einer Faust ballte. »Das gefällt mir.«

Der Schlag wäre mächtig genug gewesen, um den Steg vollends zu spalten, in einen Trümmerhaufen zu verwandeln.
Aber der stärkste Mann der Welt hatte neben einer unmenschlichen Körperkraft vor allem eines: Unmenschliche Kontrolle.

Sie sahen Portgas D. Ace mit dem Gesicht voran auf den Holzplanken aufkommen, ein letztes Mal zuckend, bevor ihn die Bewusstlosigkeit verschluckte.
Der Kampf war längst entschieden gewesen. Aber nun war er vorüber.

Eine dicke Wolke der Stille hatte sich über dem Hafen ausgebreitet.

»Huh«, machte Marco schließlich und brach damit als Erster das Schweigen.
Als sich die Piraten ein wenig ratlos zu dem Steuerrad umdrehten, hob er die Hand in einem stummen Befehl. Bewegung kam in die Crew.
Einige der Männer und Frauen machten sich daran, die Planke auszufahren. Zwei waren über die Reling gesprungen, um sich die bewusstlose Feuerfaust auf die Schultern zu hieven.

Da war ein Funkeln in den Augen des Vizekapitäns. »Einen Mund mehr zu füttern, was?«
Thea massierte sich die Schläfen. Eine zimtbraune Locke war aus dem unordentlichen Knoten in ihrem Nacken entkommen und flatterte in der aufkommenden Brise wie eine kleine Fahne. »Nicht mal du wusstest es?«
»Dass Pops hier anwerben will? Nein. Ich bin davon ausgegangen, dass er dem Rookie bloß eine Lektion erteilen wollte.« Der Kommandant der ersten Division stieß ein heiseres Lachen aus. »Der alte Mann ist immer für eine Überraschung gut, was?«
»Das kann man wohl sagen«, murmelte sie. »Hat meine Teleschnecke einen Wackelkontakt oder ist hier angekommen, dass die Feuerfaust auf Pops‘ Kopf aus ist?«

Whitebeards Kopf holen. Fast hätte sie gelacht.

So beeindruckend, wie das Flammenschauspiel auch gewesen war – die Hitze hatte sie selbst durch die Maske auf der Haut spüren können – mit Selbstbewusstsein hatte das nichts zu tun.
Der Welt zu verkünden, dass man einen der vier Kaiser töten wollte, war auf dem zweiten Teil der Grand Line ein verdammter Selbstmordversuch.

»Da würde ich mir keine Sorgen machen.« Sein Blick lag auf Whitebeard, der gerade die Planke erklomm, hinter ihm die beiden Männer, die den bewusstlosen Ace zwischen sich genommen hatten. Marco grinste. Da war Stolz, so unglaublich viel Stolz in seiner Stimme. »Niemand kann Pops töten.«

Wie so oft war Thea auch heute wieder froh um die Maske – um die rote Dämonenfratze mit der wulstigen Stirn, den verzerrten Zügen und den gefletschten Zähnen.
Eine deutliche Verbesserung, wenn du mich fragst, hatte Adelia einmal zu ihr gesagt. Dumme Kuh.

Thea war froh um die Dämonenmaske, die ihr Gesicht verdeckte.
Denn so konnte sie der Wut und dem Frust und dem Zweifel in ihrem Bauch erlauben, auf ihrem Gesicht Gestalt anzunehmen.

»Natürlich«, machte sie und neigte den Kopf, die Stimme frei von alledem. »Hast recht.«

Gemeinsam sahen sie dabei zu, wie die Planke wieder eingeholt wurde, nicht ohne, dass man einen Kartoffelsack, randvoll mit klimpernden Goldmünzen und Berryscheinen, über Bord auf den halbzerstörten Steg warf.
Entschuldigungsversuch.

Leinen los! hallte über die Moby Dick, und als hätte sie nur auf diesen Befehl gewartet, blähte die nächste heftige Böe das riesige Rahsegel vollständig auf.
Die Flagge mit dem grinsenden Totenkopf mit weißem Schnauzer zog sich augenblicklich stramm.

Die Piraten kamen zusammen, grinsend und scherzend und froh darüber, wie die Handelsinsel in ihrem Rücken immer kleiner wurde.
Vorfreude und Neugier lagen in der Luft, als man den noch immer bewusstlosen Neuzugang ins Krankenzimmer verfrachtete. Für Unterhaltung schien zumindest fürs Erste gesorgt zu sein.
Und während Thea sich der allgemeinen Heiterkeit anschloss und die beiden Rumfässer, die man über Deck zu ihnen rollte, genauso mit Pfiffen empfing wie der Rest der Crew – währenddessen griff sie das Geländer um das Steuerrad ein wenig fester.

Ein Jahr war bereits vergangen, seit Thea auf der Moby Dick angeheuert hatte, seit man sie als Späherin in die erste Division gesteckt hatte. Die Hälfte der Zeit war verstrichen und die Deadline hing wie ein wartender Guillotinenstoß über ihr.
Zwischen Hängematten und Wellengang, zwischen Sakeschalen und Piratenstiefeln war Zuhause eine ganze Welt entfernt.
Heimweh in ihrem Herzen.

Und Angst. So viel Angst.

Edward Newgate hieß das Ziel. Ihre Bewährungsprobe, ihr Ölzweig.
Ihre letzte Chance.

Komme, was da wolle – eine loyale, bis auf die Zähne bewaffnete Crew, ein Ozean, der sie von Mistral trennte, und ein Logia-Nutzer, der ihr allem Anschein nach in ihrem Vorhaben Konkurrenz machen würde.
Komme, was da wolle.

Aber Thea würde den stärksten Mann der Welt töten.









hallo hallo!

die idee hierzu spukt mir jetzt schon seit einigen wochen im kopf herum und obwohl ich mein erstes langzeitprojekt im one piece fandom erst beenden wollte, bevor ich etwas neues anfange, haben mich weder plot noch charaktere in ruhe gelassen. wie überaus unhöflich.

also jetzt mit der anstehenden klausurenphase im nacken und der uni, die mir hart in den hintern tritt – herzlich willkommen zu dem prolog zu Phantomfeuer!

damit, mich auf das genre festzulegen, habe ich mich hier sehr schwer getan.
obwohl die angegebenen kategorien abenteuer und romanze sind, setze ich auch mal ganz gepflegt familie, freundschaft, schmerz/trost, angst, drama und nicht zuletzt humor auf die liste. man glaubt es kaum, aber der soll hier auch nicht zu kurz kommen.

was gibt es groß zu sagen?
bis auf thea kann ich (leider) keinen geistigen besitzanspruch auf die welt und charaktere erheben. das stammt alles aus eiichiro odas feder – danke an dieser stelle.

ich behalte mir mal vor, kleine änderungen am canon vornehmen zu dürfen, wie den austragungsort des kampfes spade-piraten vs whitebeard, die übersetzung von piece of spadille in pikass für ace‘ schiff und die tatsache, dass es in whitebeards crew neben den krankenschwestern auch weibliche piraten geben wird, die kämpfen.
schließlich verleiben sie sich ja später die spade-piraten ein und da springen mit banshee und cornelia auch zwei mädels herum ┐(´д`)┌

hier findet ihr eine kleine charakter-playlist zu thea, die mir beim schreiben und tagträumen bisher sehr nützlich gewesen ist!

über fragen, anregungen und wünsche sowie konstruktive kritik zu meiner ersten oc x canon character geschichte würde ich mich sehr freuen!

man liest sich!

mfg memo
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