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Das Engels-Mysterium

von Assan
GeschichteMystery, Fantasy / P18 / Gen
Artemis Fowl Butler Holly Short Julius Root OC (Own Character) Trouble Kelp
25.01.2021
22.07.2021
7
18.659
 
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22.07.2021 3.291
 
Die Vorhänge blähten sich leicht in der Brise, die die Geräusche der Stadt durch das zerbrochene Fenster trug. Die Leiche inmitten der Glasscherben, die über den Boden verstreut waren, machte die Luxus-Suite zu einem finsteren Tatort.

Der Professor schwankte. Obwohl sie bereits lebendiger aussah als noch vor einer Stunde hatte ihre sonst so warme olivfarbene Haut einen aschigen Hauch an sich. Butler stützte sie am Arm.

"Der Major muss das sehen", sagte sie undeutlich und kippte gegen Butler. Er hätte sie auf die Couch zurückgelegt, wäre da nicht die zigste Unterbrechung in dieser Nacht gewesen.

Glasscherben knirschten unter Stiefeln, im selben Moment als eine Stimme frage: "Und was würdest du ihm sagen?"

Butler ließ den Arm des Professors los, die zu Boden fiel wie ein Sack Kartoffeln, und fuhr zum Fenster herum. Ein weiterer Engel hatte das Hotelzimmer durch das Fenster betreten, und lächelte angesichts der zwei Pistolen, die auf seinen Kopf zielten. Mit nichts als einer raschen Bewegung des Handgelenks flogen Butler Pistole und Troubles Blaster durch den Raum.

"Gentlemen", rügte der Mann und schlenderte zur Couch. Er griff die Rückenlehne und richtete sie mit Leichtigkeit wieder auf. Er setzte sich, faltete seine Flügel hinter sich und deutete auf die leeren Stühle.

"Bitte, setzt euch.", sagte er großzügig und genoss die offensichtliche Verwirrung. "Wenn es euch nichts ausmacht, bringt die Gelehrte auch."

Der Mann biss die Zähne zusammen, als sich niemand rührte. Artemis hätte schwören können, dass seine Augen für einen Moment lang schwarz wurden. "Ich werde nicht noch einmal fragen, Sterbliche."

Trouble hatte eine Verteidigungshaltung eingenommen, bereit nötigenfalls mit bloßen Händen zu kämpfen. "Wer sind Sie?"

"Oh, fangen wir jetzt damit an? Wie du willst. Ich bin Lucifer, Helel ben Shachar oder der Teufel, welchen Titel ihr auch bevorzugt", antwortete er mit einer wegwerfenden Handbewegung.

Butler konnte nicht verhindern, dass sich eine ungläubige Falte auf seiner Stirn bildete. "Sie sind der Teufel?"

Lucifer seufzte. Er hatte das schon so oft gehabt. Am Anfang war es noch lustig gewesen, aber inzwischen wurde es öde. Nicht, dass er jemals damit aufhören würde, Sterbliche zu erschrecken. Er nahm die unausgesprochene Herausforderung an.

Das Hotelzimmer verschwand. Stattdessen standen Butler, Artemis und Trouble nun inmitten eines brennenden Flusses, dessen rote Lava die pechschwarze Nacht erhellte. Artemis roch brennendes Fleisch bevor er feststellte, dass es seine eigene schmelzende Haut war. Trouble schrie schmerzerfüllt. Seine Magie schützte ihn nicht vor der immensen Hitze. Butler versuchte, Artemis vor der Gefahr zu schützen, was sinnlos war, denn sie kam von überall. Und dann, so schnell es begonnen hatte, so schnell war es vorbei und das Hotelzimmer war zurück.

Trouble fiel auf die Knie. Butlers Hände zitterten. Sogar Artemis war still während sein Blick von links nach rechts zuckte und er versuchte, sich zu sammeln. Das Feuer war verschwunden. Der Engel mit den goldbraunen Locken und dem roten Bart war es nicht.

"Woher wissen wir, dass Sie nicht hinter den Angriffen stecken?", fragte Artemis, seine Bestürzung überspielend.

"Das ist ja das lustige: das könnt ihr nicht. Aber wenn ich euch tot haben wollte, würdet ihr bereits an eurem eigenen Blut ersticken", stellte Lucifer rundheraus klar. "Also, wie wär's mit einer kleinen Unterhaltung?"

Artemis nickte und gab seinem Leibwächter ein Zeichen. Butler hob den bewusstlosen Professor vom Boden auf und trug sie zur Couch bevor er seine Position hinter Artemis wieder einnahm. Auch Trouble ging zu der Couch, wobei seine Augen immer auf Lucifer geheftet blieben. Sehr zu dessen Erheiterung.

Er striff einen goldenen Siegelring von seiner Hand und schob ihn dem Professor auf den Finger. Artemis sah zu und erwartete ein Spektakel, doch alles blieb ruhig. Keine Funken flogen durch die Luft, doch irgendeine Art von Magie wirkte. Die Frau rührte sich und die Farbe kehrte in ihre Wangen zurück.

"Ein kleiner Vogel hat mir gezwitschert, dass du heute allen möglichen Unfug angestellt hast" sagte Lucifer mit glitzernden Augen als sich Sofias eigene öffneten. Sie setzte sich auf. Diesmal beließ sie es beim Sitzen.

Lucifer kehrte zu seinem Sitzplatz auf der umgedrehten Couch und beobachtete sie dabei, wie sie die Anwesenheit dreier anderer Personen im Raum wahrnahm.

Sie warf Lucifer einen unsicheren Blick zu. "Was ist los?"

"Ich dachte ihr wärt Freunde", log er, doch das Leuchten in seinem Blick verriet ihn.

"Ich habe sie noch nie -" Ihr Blick fiel auf Artemis. Ihre Augen verengten sich. "Du bist einer meiner Studenten."

"Technisch gesehen, Professor", erklärte Artemis selbstgefällig, "Habe ich nur Ihre Stunde observiert. Ein paar Leute waren neugierig, nach Ihren jüngsten Tricks  an den Palisades."

Sofia blickte finster, unsicher ob sie nicht vielleicht Opfer eines Scherzes war, den sie nicht verstand. "Was?"

"Was hast du für mich?", hielt Lucifer dagegen und das spielerische Leuchten in seinen Augen erlöschte.  Das Gespräch begann ihn zu langweilen.

Sofia zögerte. "Uh, willst du das etwa ... hier erledigen?" Eigentlich hatte sie mit ihnen sagen wollen, doch Lucifer warf den dreien einen raschen Blick zu und zuckte die Schultern.

"Sicher, warum nicht?", fragte er und fuhr sich druchs Haar. Er liebte Publikum. Sofia blieb still, ihre Finger zappelten unruhig in ihrem Schoß. Dann bemerkte sie das Kleidungsstück um ihre Körpermitte, das sie daran hinderte, tief einzuatmen. Als sie ihre Aufmerksamkeit der Bandage zuwandte anstatt ihm, machte Lucifer ein ungeduldiges Geräusch.

"Hast du's noch nicht raus? Die kleinen Leute sind sehr aufmerksam wenn es um das Aussterben ihrer Art geht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis man dich wegen deiner Eskapaden kriegen würde."

"Meine Eskapaden?", fragte Sofia gereizt.

"Ich bin nicht derjenige, der versucht herauszufinden warum meine Geschwister ihre Essgewohnheiten geändert haben."

Trouble lehnte sich vor. "Was meinen Sie, ihre Essgewohnheiten geändert?"

"Oh ja. Ich vergesse immer wieder, wie wenig ihr kleinen Sterblichen über das Göttliche wisst. Wie erkläre ich es, damit sogar euer begrenzter Verstand es nachvollziehen kann?"

Trouble warf Artemis einen düsteren Blick zu, während sich ein dumpfes Pochen hinter seinen Augen aufbaute. Vermehrten die sich?!

"Meinem Vater wurde klar, dass ihr Sterbliche zu viele wurdet. Also schickte er die Nephilim auf die Erde, um sich um das Problem zu kümmern. Und irgendwann fanden sie Gefallen an menschlichem Blut und begannen, Jagd auf die Lebenden zu machen. Folgt ihr mir noch?"

Butler und Trouble nickten, ihre Gesichter erzählten eine andere Geschichte.

Artemis runzelte die Stirn. "Aber wir sind noch hier."

"Ja, die Nephilim verloren ihre Göttlichkeit. Sie verpassten die Gelegenheit, euch alle zu versklaven - " Er klang beinahe enttäuscht. Sofia verdrehte die Augen. Manchmal fragte sie sich, auf wessen Seite sie stand.

Er fuhr fort. " - oder zu verschwinden. Jetzt stecken sie hier fest und operieren aus den Schatten, machen Jagd auf Sterbliche. Kein Engel kann eine Horde von Sterblichen mit Mistgabeln abwehren, oder mit was auch immer ihr euch heutzutage die Köpfe einschlagt."

Butler hatte aufmerksam zugehört, und die flüchtigen Blicke des Professors waren ihm nicht entgangen. Er war noch immer nicht überzeugt von der ganzen Geschichte oder überhaupt der Entwicklung dieser Nacht. Doch, angenommen er glaubte es, dann ... "Warum greift ... Gott nicht ein?"

Lucifer höhnte. "Bitte, Gott interessiert sich nicht für das unvollkommene. Er hat sich seit den Punischen Kriegen nicht mehr auf dieser Kugel eingebracht. Nicht überraschend, wenn man daran denkt, wie ungesund sie für uns ist."

"Ist sie nicht", murmelte Sofia.

Lucifer hielt inne. "Was?"

"Ich denke nicht, dass es die Erde ist. Wir sind es. Es gibt einen Absatz im Henochbuch, in dem-"

"Meinst du das hier?", sagte er und zog das Buch aus seiner unförmigen Lederjacke.

Sofia schnappte nach Luft, als er es ihr zuwarf. Sie streckte sich danach, der Ring rutschte ihr vom Finger und fiel zu Boden. Sie hob ihn auf und hielt in Lucifer hin.

Ein berechnendes Lächeln erschien auf seinem Geischt. "Behalte ihn. Ich habe so ein Gefühl, dass du ihn irgendwann wieder brauchen wirst."

Den Kommentar übergehend öffnete sie das Buch in ihrem Schoß und warf ihm einen abschätzigen Blick zu. "Mir ist es lieb, wenn du nicht losziehen und Artefakte stehlen würdest."

Er kicherte. "Eigentlich hieße es 'es wäre dir lieb'. Aber wir sollten uns nicht mit solchen Banalitäten aufhalten."

Trouble schnaubte und warf Artemis einen weiteren vielsagenden Blick zu. Artemis war mehr daran interessiert, was für Geheimnisse das Buch wohl enthalten mochte, und ignorierte den Blck.

Sofia blätterte mit größtmöglicher Sorgfalt durch die Seiten bis sie gefunden hatte, wonach sie suchte.

"Nein!", rief sie frustriert aus. "Wenn meine Theorie korrekt ist, dann sind mit diesen Bäumen die Unterirdischen gemeint. Und der Wein wird getrunken werden und wird ihnen die Kraft des Göttlichen schenken. Und das Göttliche wird ernten und teilen und alles, was dann bleibt und altert wird verseucht sein. Menschen werden alt und ihr Blut ist verseucht. Ungeeigent."

"Das ist eine weitgefasste Theorie", merkte Artemis zweiflend an. Sofia langte ihn ihre Tasche und holte ihr Handy heraus.

"Nicht, wenn du die anderen Manuskrpite bedenkst. EIn Pijjut, ein antiker Text aus dem vierten Jahrhundert, beschreibt die Erschaffung der Welt. Er spricht explizit über Bäume und die göttlichen Geschenke des kleinen Volkes. Historiker halten das für Metaphern, aber es würde mich nicht überraschen, wenn es in Wirklichkeit eine Fehlübersetzung wäre", sagte sie und ihr professoineller Enthusiasmus übernahm die Kontrolle, als sie das Foto auf ihrem Handy betrachtete. Einen  Moment später hielt sie den krisseligen Bildschrim mit dem Bild des Textes hoch.

"Dürfte ich das sehen?", fragte Trouble. Sofia zögerte eine Sekunde bevor sie dem Elfen das Handy übergab. Diese Nacht konnte nicht mehr bizarrer werden, entschied sie.

Trouble nickte nach einer Weile. Er erinnerte sich an die Geschichte; ein altes Märchen - eine Geschichte, die Großeltern kleinen Elfen vor dem Zu-Bett-Gehen erzählten. "Die Worte sind andere", sagte er schließlich und gab ihr das Handy wieder. "Aber ich habe diese Geschichte schon einmal gehört."

Stille senkte sich über den Raum, als Lucifer verarbeitete, was diese Enthüllung zu bedeuten hatte. "Aber sie haben menschliches Blut über Jahrhunderte getrunken", sagte er langsam.

Sofia schnippte mit den Fingern, "Genau. Und sie sehen sehr ... mager aus. Das tut ihr alle, um ehrlich zu sein. Aber sie zeigen auch Anzeichen von Demenz. Als ob sie senil würden, oder alterten."

Lucifers Gesuchtsausdruck wurde finster, das erste Mal überhaupt, seit sie sich kannten. "Du meinst, sie haben sich die letzten Jahrhunderte selbst umgebracht?"

Sofia nickte. Lucifer klatschte in die Hände und stand auf. "Großartig, dann lassen wir sie damit weitermachen. Problem gelöst."

"Sie haben angefangen, Unterirdische anzugreifen, falls du dich erinnerst?"

Lucifer zuckte die Achseln. "Und das interessiert mich, weil?"

"Das Blut der Unterirdischen vielleicht ihre Kräfte wiederherstellt?", sagte sie und wartete darauf, dass Lucifer die Auswirkungen kapierte. Tat er nicht.

"Das ist sehr traurig, aber nicht mein Problem."

"Ich habe noch mehr", sagte sie ernst und widmete sich wieder ihrem Handy.

Artemis lehnte sich fasziniert nach vorn. Diese Frau hatte sich als interessanter herausgestellt, als er erwartet hatte.

"Das ist aus einem anderen Buch. Das, dass du mir gegeben hast. Als ich es zuerst las, ergab es keinen Sinn. Aber letzte Woche mit dem Engel, er sagte, dass er diesen Ort niederbrennen -"

"Bla, bla, bla, komm zum Punkt, Frau!", unterbrach Lucifer sie.

Sie warf ihm einen empörten Blick zu, bevor sie die Passage von ihrem Handy vorlas:

Und er eröffnete mir, dass das Ende herannaht mit dem wiedererstarkten Göttlichen: dass die ganze Erde zerstört werden wird, und die Erde soll gereinigt werden von aller Befleckung, aller Sünde und aller Strafe, und von allem Leiden.

Sofia pausierte, und hoffte, dass sie den Absatz, den sie ihrem Publikum vortrug, nicht missverstanden hatte.

Und ich sah ein Feuer, dass ohne Unterlass brannte und niemals in seinem Weg inne hielt, ob Tag oder Nacht. Und ich fragte: "Was ist es, dass nicht rastet?" Und einer der heiligen Engel, die bei mir waren, antwortete mir und sagte zu mir: "Dieses Feuer, welches du gesehen hast ist das reinigende Feuer und es macht all die Körper des Himmels wieder ganz. Es beginnt mit dem Ende und wird brennen, bis die Erde verschlungen ist."

Sofia hielt inne. Etwas in der Art, wie sie jede Silbe wie ein fantastisches Gedicht betonte, hatte Lucifers Lächeln verschwinden lassen. "Erklär es", verlangte er.

"Dieses Feuer könnte das Ende der Welt in Gang setzen. Und dann würde die Erde zerstört werden und ... ich glaube, dass das jeden Engel, gefallen oder anderweitig entweiht in seinen früheren Zustand zurückversetzen kann. Und dann würen sie vermutlich in den Himmel zurückkehren."

Lucifer zuckte die Schultern als interessiere ihn das gar nicht. In Wirklichkeit drehte sich ihm der Kopf. Versuchten sie, diesen Ort zu verlassen, um nach Hause zu kommen? Michael würde das nicht zulassen, oder? Nicht, ohne seine ach so kostbare Pflicht zu erfüllen.

"Und?"

"Wenn die Erde zerstört wird, wird das alles und jeden auf ihr auslöschen."

Einschließlich Yonatan. Lucifer verschränkte die Arme vor der Brust, um seine zitternden Finger zu verbergen. "Und es hat dich nur ein Jahr gekostet, das herauszufinden", spottete er.

Sofia rutschte auf ihrem Stuhl herum und Hitze stieg ihr in die Wangen, als sie ihn finster ansah. "Es ist ja nicht so, als hättest du mir irgendwelche Anhaltspunkte gegeben."

Trouble war der Meinung, er hätte das meiste der Informationen verstanden. Er müsste sich an all das erinnern, für seinen Bericht und um Root und Holly ins Bild zu setzen.

"Kann man das Feuer auch herstellen, ohne das Ende der Welt und ohne die Unterirdischen umzubringen? Kann man sie direkt in den Himmel schicken?", fragte er vernünftig.

Lucifer schüttelte den Kopf. "Reinigendes Feuer kann nur von einem Engel erschaffen werden, der voll ist mit göttlicher Energie. Es ist wie eine Selbstentzündung und es wird sich ausbreiten. Ich bin so göttlich wie es nur geht, aber nicht einmal ich habe diese Macht." Er hielt inne, sein Blick fest auf Trouble geheftet. "Ich meine, ich könnte sie mir besorgen, wenn ich dein Blut trinken würde, Elf."

Trouble erstarrte und fasste nach seiner Waffe, die immer noch am anderen Ende des Zimmers lag. Aus Lucifer brach lautes Lachen hervor. Er fuhr sich mit einer Hand durch die Locken. "Keine Sorge. Ich würde niemals so tief sinken, als dass ich irgendjemandes Blut tränke."

"Und wie halten wir sie also auf?", wechselte Sofia das Thema.

"Gibt es einen Weg, sie ohne das Feuer loszuwerden?", grübelte Artemis.

"Wir können sie immerhin töten", bot Lucifer an. "Habt ihr vielleicht, ich weiß nicht genau, ein paar tausend Armeen übrig?"

Trouble schüttelte den Kopf. "Das wichtigste ist, erst mal jeden Unterirdischen von diesen Engeln fernzuhalten, damit sie nicht noch mächtiger werden."

Es muss doch einen Weg geben, ihnen den finalen Schlag zu versetzen, dachte Lucifer, nicht die Guerillataktik, die er anfangs angewandt hatte. Doch welchen, das wusste er nicht. Er war eingesperrt, als die Nephilim hinab gestiegen waren. Er kratzte sich den Bart.

"Es gibt nur ein Wesen, dass die Antwort auf diese Frage wissen könnte. Zmeu war eines der ersten Geschöpfe auf der Welt bevor die Nephilim hinabgestiegen waren. Er wird wissen, was sie zerstören kann, endgültig. Er hält sich irgendwo in den Karpaten auf. Sollte dich nicht mehr als eine Woche kosten."

"Sprichst du mit mir?", fragte Sofia, halb im Scherz. Der Engel sah sie an, als habe sie die letzte Tasse verloren, die noch in ihrem Schrank zu finden war. "Weißt du, ich habe einen Job. Ich kann nicht einfach verschwinden", schnaubte sie.

Lucifers schleimiges Grinsen war wieder da. "Und du vergibst diese Möglichkeit, mehr über das Wesen der Welt zu erfahren? ich glaube nicht."

In Sofias Gesicht bildeten sich rote Punkte der Wut. "Und warum gehst du nicht selbst, wenn du dir so sicher bist, dass er die Antwort kennt?"

Lucifer lächelte in gespielter Unbehaglichkeit. "Wir haben eine Vergangenheit. Er wäre nicht so froh, mich zu sehen."

"Und was lässt dich glauben, dass er mit mir reden wird und nicht einfach etwas spitzes in mich hineinstechen wird?"

Lucifer unterdrükte ein Lachen, als einziger. "Vertrau mir, er wird mit dir reden. Aber der Major wird dich begleiten. Ich habe ihn über den Ort informiert. Das sollte dir ein besseres Gefühl geben, nein?"

Butlers Augen zuckten bei Erwähnung des vertrauten Namens. Artemis linste hinüber zu der Leiche des Engels.

"Wie werden wir die Leiche los?"

Lucifer folgte seinem Blick, dann schnippte er mit den Fingern. Der Körper ging in Flammen auf und verbrannte in weniger als einer Minute zu einem Häufchen Asche. Zufrieden mit dem Chaos, das er angerichtet hatte, verschwand Lucifer durch das Fenster bevor ihn irgendwer aufhalten konnte, und ließ eine ungehagliche Stille zurück.

"Trouble räsuperte sich. "Ihr Chef ist ... anspruchsvoll."

Sofia schnaubte. "Bitte. Er ist nicht mein Chef. Eher würde ich mich umbringen."

Sie stand auf. Lucifer mochte es gefallen in der Aufmerksamkeit dieser Fremden zu baden, die um den Couchtisch saßen. Sie tat es nicht. "Ich sollte gehen", verkündete sie.

Artemis nickte. Auch er stand auf und knöpfte seine Jacke zu. "Sie haben recht, wir sollten keine Zeit verlieren."

"Wir?!"

Auch Butler sah nicht allzu begeistert aus. "Artemis, halten Sie das wirklich für eine gute Idee?"

"Ziemlich sicher. Sie, Professor, werden offensichtlich jede Hilfe gebrauchen können, die sie kriegen können."

Sofias Nase kräuselte sich. Es war, als wäre Lucifer nie gegangen. "Ich bekomme das gut alleine hin. Musst du nicht irgendwann zuhause sein?"

"Ich wäre nur ein größeres Risiko für meine Eltern, wenn ich nach Hause ginge. Wenn Sie mich fragen gibt es keinen Grund, die Engel zu meinem Ausgangspunkt zu lotsen. Ich habe mir Ihre Karriere genauer angesehen, Professor. Sie sind bewandert in diversen der alten semitischen Sprachen. Allerdings, korriegieren Sie mich, wenn ich falsch liege, aber Slavisch gehört nicht zu Ihren Fähigkeiten. Sie werden also einen Übersetzer brauchen, um ihre Mission erfolgreich zu erfüllen?"

Sie hätte schwören können, dass Lucifer das alles eingefädelt hatte. Niemand sollte den Teufel so gut imitieren können.

"Außerdem wird es Sie einige Zeit kosten, nach Rumänien zu fliegen. Ich bin mit meinem privaten Jet hier und kann Sie noch heute Nacht dorthin bringen."

Das ließ sie innehalten. "Was willst du im Gegenzug?", fragte sie argwöhnisch.

"Nichts. Kann ich Ihnen meine Hilfe nicht für einen guten Zweck anbieten?"

Sofia verschränkte die Arme, was Artemis seufzen ließ. "Sie werden alle Hilfe brauchen, um die Zerstörung der Welt aufzuhalten, Professor. Eine Apokalypse würde auch mich und meine Unternehmungen betreffen. Die Aktienmärkte reagieren nicht gut auf so ein Ereignis. In Hinblick auf meine finanziellen Mittel bin ich also sehr interessiert an Ihrem Erfolg. Wenn Sie also keine Fragen mehr haben, ich nehme an, Sie wollen noch ein paar Dinge holen bevor wir gehen?"

Dr Sofia Masseti unterrichtete seit fünf Jahren Studenten. Sie hatte die wildesten Ausreden für verspätete Hausarbeiten gehört und dachte, sie kannte Verrücktes. Die Nacht in der sie Artemis Fowl traf jedoch, brachte das auf ein ganz neues Niveau.
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