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Das Engels-Mysterium

von Assan
GeschichteMystery, Fantasy / P18 / Gen
Artemis Fowl Butler Holly Short Julius Root OC (Own Character) Trouble Kelp
25.01.2021
26.09.2021
16
47.912
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15.07.2021 2.496
 
Vor 5 Jahren ...?

Der Dämon hatte ihn in den dunkelsten Stunden der Nacht über die Erde gebracht, weil er sich noch gut an Lucifers Geschichte und an das letzte Mal erinnerte, an dem er ihn aus der Hölle geholt hatte. Lucifer starrte düster auf Gottes Werk in all seiner dreckigen Pracht. Sogar in Dunkelheit gehüllt ärgerte es ihn mit seiner Perfektion. Yonatan drückte verständnisvoll seine Schulter. Lucifer schnaubte zur Antwort und stakste ein paar Schritte durch das hüfthohe Gras. Er tat dem Dämon leid. Es drang ihm aus jeder Pore, es schlang sich um Lucifers Seele, erdrückte ihn fast. Er war der Lichtbringer, er sollte angebetet werden! Jeder andere Dämon hätte für diese Unverschämtheit gebrannt.

Lucifer atmete die kalte Luft ein und die dunkle Wolke in seinem Herzen verlief sich. Der Engel fuhr zusammen. Nein, das war nicht richtig. Dies war nicht sein zuhause! Er gehörte hier nicht hin! Er biss die Zähne zusammen und bot all den kochenden Hass auf, den er für seinen Vater und seine Brüder empfand. Er würde nicht zulassen, dass diese ruhige Aue ihn besänftigte.

Yonatan führte ihn zu einer alten Eiche in der Mitte der verborgenen Oase. Dort saßen sie, in Stille, die Sterne leuchteten wie winzge Glühwürmchen, und Lucifer starrte gedankenverloren hinauf in den Himmel.

"Woran denkst du?", fragte Yonatan sanft.

"Es ist schön", erwiderte Lucifer ohne nachzudenken und seine Augen weiteten sich, als er sich das sagen hörte. Yonatan grinste und drückte seine Hand bekräftigend. Seine obsidianfarbene Haut bildete einen starken Konrtast zur Blässe der Haut des Engels. Lucifer zog die Hand weg. Es war nicht schön. Er hatte gelogen. Natürlich hatte er das. Aber warum schonte er die Gefühle des Dämonen?

"Das bedeutet gar nichts, Dämon", spie er aus. "Dies ist nicht mein zuhause. Ich gehöre weder hierher, noch in die Hölle. Mein Thron steht im Himmel."

Das Lächeln des Dämons Yonatan war milde. "Und da wirst du hinkommen, Lou. Du wirst sie alle beherrschen."

Eine Sternschnuppe überquerte den Nachthimmel, aufflackernd im Moment ihres Todes. Lucifer zweifelte nicht daran, dass der Dämon sich etwas gwünscht hatte. Er glaubte an solchen Unsinn.

"Was hast du dir gewünscht?"

Der Dämon beschäftigte sich damit, seinen wilden Bart zu besänftigen, unfähig dem Anderen in die Augen zu sehen. "Dass ich mit dir kommen kann."

Lucifer höhnte. "Dämonen dürfen nicht in den Himmel."

"Aber du könntest die Regeln ändern, nicht wahr? Wenn du der neue Herrscher bist und alles?"

Der Engel ließ seinen Blick über die definierten Arme des anderen Mannes wandern, über seine breiten Schultern und schließlich seine Augen. Diese roten Augen, die mehr Aufrichtigkeit und Edelmut ausstrahlten als die aller himmlischen Engel zusammengenommen.

Lucifer packte ihn am Hemd und zog ihn in einen rauen Kuss. Yonatan ließ ihn gewähren. Knurrend biss Lucifer auf seine Lippen und wieder ließ Yonatan ihn. Der Engel schmeckte Blut, Rauch und das Versprechen eines einfacheren Lebens. Als sie sich trennten, schaute er ihm gerade in die Agen.

"Ich werde dich zum König im Himmel machen. Die Engel sollen vor die niederknien."

Und alles was Yonatan tat, war sein weises Lächeln zu lächeln.


***************


Captain Short marschierte aus dem Krankenhaus, unsicher wie sie mit alldem umgehen sollte, was heute Morgen gesagt wurde. Sie glaubte nicht, dass sie alles aus der Aussage des Elfs für bare Münze nehmen konnte. Sein letzter Kommenatr hatte sie darin nur bestärkt. Es stimmte, das meiste von dem was er gesagt hatte, stimmte mit den Aufnahmen der Kamera überein. Aber vampiristische Engel? Sie war sich nicht einmal sicher, dass es so etwas gab. Vielleicht hatte der Engel seinen Kopf stärker getroffen, als sie geglaubt hatten. Dazu musste sie eine Anmerkung in ihren Bericht schreiben.

Armer Kerl. Er hatte geglaubt, er könne endlich die Arbeit an seinem großen Projekt aufnehmen, nur um bei erster Gelegenheit niedergeschlagen zu werden. Hätte man sie gefragt, sie hätte gesagt dass sie keinen Bedarf an einem weiteren Buch über Steine hatte, aber die Unterirdischen waren gerade verrückt nach allem, was mit Gestein zu tun hatte. Das würde ein paar Jahrzehnte dauern, dann würden sie sich etwas anderes suchen.

Sie erinnerte sich noch an die Zeit, als jeder fluoreszierende Skarabäen sammelte. Das war ein Albtraum, besonders als irgendein Vorschüler sie freigelassen hatte und sie sich an alles und jeden klebten. Wenigstens würden Steine einen nicht angreifen. Holly checkte ihr Mondmeter. Wenn sie sich beeilte, konnte sie die letzte Magmawoge noch erwischen und die anderen treffen. Inzwischen mussten sie dabei sein, den Professor zu befragen. Gerade wollte Holly zu den Tunneln gehen, als ihr jemand hinterher hetzte.

"Captain!", keuchte eine winzige Fee, die Krankenschwester-Uniform zerknittert von einer langen Nachtschicht.

Captain Short drehte sich um, den Kopf höflich geneigt.

"Wir haben ein Problem", stammelte die Schwester mit einem gehetzten Gesichtsausdruck.

Mit einem unterdrückten Seufzen folgte Holly der Fee zurück ins Krankenhaus. So viel zur Magmawoge. Sie schrieb Trouble eine Nachricht über den kleinen Bildschirm, der in ihrem Anzug eingebaut war. Hoffentlich verpasste sie nicht den ganzen Spaß über der Erde.

Die Schwester wollte ihr partout nicht sagen, was passiert war, sondern drängte sie nur "schnell zu kommen!" Also lief Holly den ganzen Weg zu dem Korridor wieder herunter, den sie eben vor zehn Minuten verlassen hatte. Schließlich hielten sie vor dem Korridor an, wo Holly die Fee am Arm zurückhielt und eine Erklärung forderte.

"Ben, einer unserer Schwestern", japste die Schwester schließlich.

"Ja? Was ist mit Ben?"

Holly versuchte wirklich, nicht ungeduldig zu klingen. Sie spähte durchs Fenster, doch der Korridor war still. Niemand ging hindurch. Und es schrie auch niemand, was mal eine schöne Abwechslung war.

Die Fee würgte und begann zu schluchzen. "Er ... er ..." war alles, was sie noch herausbrachte, bevor sie zu hicksen begann.

Großartig, dachte Holly, jetzt musste sie auch noch den Beistand für diese Fee spielen. Unter Zuhilfenahme der Handbuch-Phrasen, die sie aus ihren Erinnerungen kramte, beruhigte sie die Fee bis diese ihr erzählen konnte, was in den letzten zehn Minuten passiert war.

"Er hat seine Verbände gewechselt. Ich meine, er war so still und nett", schluchzte sie. Sie rieb sich die Augen und verschmierte ihren Mascara über ihre Wangen.

"Wer?", fragte der Captain, obwohl sie bereits wusste, wer. Bei dem Gedanken an die Worte des Geologen stellten sich ihr die Nackenhaare auf. Wie er sie angesehen hatte, wie ein Hungernder. Sie hatte gewusst, dass etwas nicht stimmte.

"Mr Stampa. Er sah immer so traurig aus. Und dann hat er ..." Die Fee schluchzte erneut und Holly packte die kleine Fee bei den Schultern.

"Und dann hat er was?!"

Das Gesicht der Fee verzog sich zu einer grotesken Fratze. Ihre Lippen zitterten und ihre Augen waren weit aufgerissen. "Dann hat er ihn gebissen!"

"Was meinst du, er hat ihn gebissen?"

Die Stimme der Schwester war schrill als sie antwortete. "Seinen Arm. Er hat ihn in den Arm gebissen, so fest. So viel Blut."

Holly starrte sie ungläubig an. Sie erwartete nicht wirklich, dass das ein Scherz war, doch falls ja, dann würde sie sicherstellen dass jemand wegen Behinderung der Justiz angeklagt würde.

"O-kay, ich seh mir das mal an. Du bleibst, wo du bist. Sind da noch andere im Korridor?"

"Nein, gerade war Schichtwechsel", sagte die Fee und rieb sich die Hände. Ihre Lippen waren lila geworden. Holly kannte diesen Audruck. Sobald sie ging, würde die Fee ohnmächtig werden. Captain Short änderte ihre Meinung und schob die Schwester in die andere Richtung.

"Geh und mach einen Anruf. Frag nach Commander Root und sag ihm genau das gleiche, was du mir gesagt hast. Lass ihn wissen, dass ich rein bin um nach den Leuten zu sehen. Schnell!"

Die Fee nickte und schwankte davon. Captain Short wartete bis sie weg war, bevor sie die Türen aufstieß. Zeit rauszufinden, was mit dem Gesteins-Jungen los war.

***************


Captain Trouble Kelp zählte bis hundert. Er wusste jetzt, wie Root sich zu 90% der Zeit fühlte. Es kostete ihn jede Unze seiner Selbstdisziplin, dem Menschenjungen keine runterzuhauen. Innerhalb von nur zwei Stunden hatte Artemis Trouble auf 37 verschiedene Arten beleidigt. Nicht dass er mitzählte.

Und während Artemis die Pause für seinen dauerhaft berechnenden Geist genoss, langweilte er sich langsam. Der untersetzte Elf war nicht wirklich eine Herausforderung für ein Gehirn wie seines. Artemis checkte sein Handy zum dritten mal in ebenso vielen Minuten. Wo blieb Butler?

Wie aufs Stichwort brach Butler in den Raum. Sowohl Artemis als auch Trouble wussten sofort, dass etwas schiefgelaufen war. Trouble sprang von seinem Sitzplatz auf der Couch auf, damit Butler die reglose Frau von seiner Schulter entfernen konnte. Ihr Blut war durch das weiße Hemd um ihre Körpermitte und in Butlers Jackett gedrungen. Dafür hatte ihr Gesicht jede Farbe verloren, ihr Teint war tödlich fahl geworden. Sie atmete kaum noch.

"Was ist passiert?" Artemis tastete an ihrem Handgelenk nach einem Puls.

Butler konnte nicht galuben, was er gleich sagen würde. "Ein Engel hat sie angegriffen."

Artemis wandte sich Trouble zu. "Können Sie etwas tun?"

Trouble knackte mit den Fingern, ein Tick den er immer dann hatte, wenn er nervös war. Was nicht oft passierte.

"Mal sehen", bot er wenig überzeugt an. Seine Heilkünste waren nicht so fortgeschritten wie die von Holly. Er war eher ein Haudrauf-Typ. Er zog seinen Handschuh aus und legte seine Hand unter den Hemdverband.

"Heile", befahl er und die Funken flogen aus seiner Hand, tanzten um die Wunde und sanken unter die Haut. Trouble nickte grimmig. "Sie wird nicht sterben."

Artemis hob eine Augenbraue. "Wow, danke, Doktor. Das ist das mindeste, was Ihre Magie tun sollte."

"Ich bin kein Heiler, okay? Sie hat viel Blut verloren. Ich kann nicht all meine Magie mitten in einer Oberflächenmission verbrauchen. Das letzte Stück muss sie selbst machen."

Artemis antwortete nicht, konzentrierte sich stattdessen auf das Zählen des Herzschlags unter seinen Fingern. Ihr Puls war jetzt stärker. Und wenn sie etwas benebelt war, wäre sie auch einfach zu befragen, stellte er pragmatisch fest. Er richtete sich auf. "Butler, wie sieht es aus?"

Butler hatte das Hotelzimmer abgeschlossen und stand nun am Fenster, wo er durch die zugezogenen Vorhänge linste. Er hatte sich in den Verkehr eingefädelt, um den Engel sicher abzuschütteln. Trotzdem würde seine Wachsamkeit jetzt nicht nachlassen. Er drehte sich um und trat von den Vorhängen weg.

"Scheint ruhig zu sein. Jetzt."

Er berichtete von den Ereignissen in der Bibliothek und hielt inne, als der Professor sich rührte. Artemis öffnete gerade den Mund als das Fenster mit einem lauten Knall barst. Butler hielt sich nicht damit auf, nach dem Grund zu suchen, sondern packte Artemis und zog ihn hinter die Couch. Trouble folgte auf dem Fuß, zog seinen Blaster und zielte auf das Loch im Fenster.

Sofia sprang auf, desorientiert und erschrocken von dem Lärm. Formen und Farben tanzten vor ihren Augen, doch ihr Gehirn konnte nichts davon verwerten. Ihre Beine gaben unter ihr nach und sie fiel mit dem Gesicht zuerst auf den weichen Teppich. Eine Hand packte ihren Knöchel. Sie trat blind danach, versuchte den Teppich zu grefen, doch die Person die an der Hand hing war zu stark und zog sie hinter eine Art Wand. Sie wand sich zu einem riesigen Mann herum, der sich über ihr abzeichnete. Ihr Starren ignorierend, Pistole in der Hand kletterte er über sie. Sofia setzte sich auf und wünschte sich sofort, es nicht getan zu haben. Ihr Kopf drehte sich. Was war passiert? Hatte jemand sie uner Drogen gesetzt?

"Vielleicht wollen Sie ihren Kopf zwischen die Beine nehmen. Der Blutverlust kann Sie benommen machen", sagte eine Stimme neben ihr. Sie drehte sich zu einem Jungen mit dem blassesten Teint, den sie je gesehen hatte. Allerdings wummerte ihr Kopf viel zu sehr, als dass sie über dieses Detail nachgedacht hätte, also folgte sie den Instruktionen. Schüsse zerissen die Luft.

Trouble versteckte sich hinter einem massiven Sessel. Als er das erste Mal eingetreten war, hatte er mit Abneigung auf den verschwenderischen Luxus geblickt. Wer brauchte das alles? Jetzt war er dankbar für den zusätzlichen Schutz. Er konnte nicht sehen, was Butler gerade tat, also musste er selbst einen angemessenen Plan ausarbeiten. Er stellte den Regler seiner Waffe auf Medium. Idealerweise würde er den Angreifer betäuben. Sollte es ein Engel sein, könnten sie ihn gleich befragen. Zwei Stinkwürmer mit einem Schuss.

Er machte sich bereit, duckte sich tief und schoss zweimal auf das Fenster, noch während er den Sessel drehte. Obwohl er niemandem beim Fenster gesehen hatte, zog er sich hinter seine Deckung zurück. Sichtschild oder nicht, er war nicht dumm. Er war nur unsichtbar, nicht unbesiegbar. Er wagte einen erneuten Blick um den Sessel, scannte die Umgebung. Seltsam. Dieser Kerl war nirgends zu sehen.

Trouble hörte das Schlagen von Flügeln über ihm. Bevor er den Gedanken zu Ende denken konnte, welcher auch immer ihm gerade durch den Kopf gegangen war, übernahmen seine Instinkte die Kontrolle. Er hob den Blaster, feuerte auf den Angreifer und traf das geflügelte Biest direkt ins Gesicht. Die schiere Wucht des Schusses ließ seinen Kopf zurückschnellen und tötete es sofort. In seinem spätere Bericht würde Trouble seine Überraschung darüber zum Ausdruck bringen, dass es sich scheinbar nicht um seine eigene physische Unversehrtheit interessiert hatte. Entweder juckte es den Engel nicht, oder er erwartete keine Gegenwehr von dem Elfen. Die plötzliche Stille, die dem Angriff folgte, war ohrenbetäubend.

Artemis richtete sich hinter der Couch auf bevor er geistesabwesend sein Hemd richtete und sein Jackett neu knöpfte. Nachdem er die Situation als sicher eingeschätzt hatte, trat er näher an die Leiche heran, die mitten im Hotelzimmer lag. Butler und Trouble standen bereits über ihr und betrachteten den Engel genauer. Es war das erste Mal, dass Trouble einen von nahem sah.

"Diese Flügel", brachte Trouble nach einer Sekunde heraus. Sie mussten mindestens vier Meter Spannweite haben, und sie waren umwerfend. Und angesichts der brutalen Natur des Engels waren sie überraschend weich. Dieser Vertreter seiner Art hatte braune Federn mit goldenen Spitzen. Und ein Loch im rechten Flügel, wo Butler ihn getroffen hatte. Und eines im Kopf, wo Trouble getroffen hatte.

Sofia lugte über die Sofalehne, an der sie sich schwer abstützte und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Sie schwitzte bereits vor Anstrengung. Dennoch ging sie hinüber, um sich den Engel im Licht anzusehen. Trotz seiner immensen Flügelspannweite sah er ... ausgehungert aus. An jedem anderen Tag hätte er ihr leid getan. Doch heute war sie beinah durch seine Hand gestorben. Heute kam sie mit einer mitleidlosen Behandlung klar. Jemand fasste sie am Arm, noch bevor sie selbst bemerkte, wie verschwommen ihr Sichtfeld geworden war.

"Der Major muss das sehen", sagte sie undeutlich.

"Und was würdest du ihm sagen?", fragte eine Stimme hinter ihnen.
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