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Between blue Neon Lights

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Gen
25.01.2021
10.04.2021
2
1.391
 
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25.01.2021 886
 
Bevor ihr weiterlest, wollte ich nur noch kurz anmerken, dass dieses Buch nichts für schwache Nerven ist. Ich thematisiere psychische Krankheiten, sowie auch Drogenkonsum, Alkoholmissbrauch usw. Wenn euch eines dieser Themen triggert, hört hier bitte auf zu lesen.





„Das war der beschissenste Trip, den ich je in meinem Leben hatte, aber ich bin okay“ Mit diesen Worten legte Milo auf und sah sich in der alten Lagerhalle um, in welcher er die letzte Nacht verbracht hatte. Noch bevor der 19-jährige sich überhaupt richtig wach fühlte, schoss ihm der beißende Geruch dieses Raumes in die Nase. Es stank verdammt nach Kotze und Zigarettenrauch, gepaart mit einigen Parfumdüften und anderen Dingen, die er nicht genau deuten konnte. Auf dem verdreckten Betonboden lagen zwischen benutzten Kondomen, ausgedrückten Kippen und Ausscheidungen von irgendwelchen Leuten noch einige Schlafsäcke und Taschenlampen. Diejenigen, die hier öfter herkamen, ließen nicht gerade selten ihr Zeug einfach liegen. Warum denn auch extra bis zur Schule oder Arbeit mitschleppen, wenn man eh nur wenige Stunden weg war? Die meisten waren schon gegangen, wodurch Milo darauf schloss, dass es bereits nach acht Uhr sein musste. Da begann wahrscheinlich für die meisten der Alltag. Für einen kurzen Moment dachte er, er wäre mittlerweile ganz allein hier, bevor sich stechend blaue Kulleraugen, fast schon wie die einer alten Porzellanpuppe seiner Mutter, in sein Blickfeld schoben. „Oh, Lola. Auch noch da?“ Milo strich sich eine seiner grün gefärbten, fettigen Haarsträhnen aus dem Gesicht, woraufhin das Mädchen vor ihm seine Augenringe erst richtig erkennen konnte. „Hatte keine Lust auf Schule und bin deswegen noch länger geblieben. Hab mich eh schon ewig nicht mehr richtig ausgeschlafen“ Lolita, die hier aber von allen nur Lola genannt wurde, grinste ihn mit einer Kippe in der Hand an, bevor sie einmal kräftig daran zog. Die Worte, welche sie gerade ausgesprochen hatte, hallten etwas in dem großen Raum wider. Ihr schulterlanges Haar war zu einem unordentlichen Zopf gebunden, den sie sich vermutlich gestern Nacht im Vollsuff gemacht hatte, um nicht darauf zu brechen. Milo nahm ihr die Zigarette daraufhin ab, um auch einmal daran zu ziehen. Lola wusste, dass er meistens schon Mitte des Monats kaum noch Geld übrig hatte, weshalb es ihr noch nie etwas ausgemacht hatte, mit ihm zu teilen. „Du siehst echt fertig aus“ Sie setzte sich auf Milos Schoß und legte ihren Kopf auf seine Brust. So vertraut diese Geste auch wirkte, die beiden waren keine Freunde, nicht mal annähernd. Sie hatten sich erst vor einigen Wochen in einem Club hier in der Nähe kennengelernt und unterhielten sich seitdem öfter mal. Mehr war da aber auch nicht. Lola wusste nicht, ob Milo arbeitete oder noch zur Schule ging. Wer seine Familie war oder wo er wohnte. Nicht einmal sein Alter wusste sie. Aber Milo selbst ging es da nicht anders, was Lola betraf. Lola und alle anderen hier. Nachdem Milo noch einmal an der Kippe gezogen hatte, drückte er sie auf dem Schlafsack eines Fremden aus, der schon längst nicht mehr hier war. Sein ausgewaschenes, grünes Haar war ihm mittlerweile wieder in Strähnen über die Augen gefallen, was ihn aber nicht wirklich störte. Er warf einen Blick auf sein Handy, um nach der Uhrzeit zu sehen. „Lola, es ist zehn“, stellte er fest, woraufhin die Angesprochene nur nickte. „Scheißegal, ich kann auch hier warten, bis die ganzen anderen heute Abend wieder hier sind.“ Lolas Körper zitterte kaum merklich. Vielleicht war es wegen der Kälte. Vielleicht aber auch wegen ihrer Angst vor dem Ort, an dem sie jetzt eigentlich sein müsste. Das zierliche Mädchen mit dem fast schon puppenhaften Gesicht wusste es selbst nicht genau. Als Milo das bemerkte, warf er ihr eine alte Decke über, an der noch einige Holzspäne hingen. In dieser Halle hier wurde Holz aller Art gelagert und hier kam eigentlich so gut wie nie jemand her, um noch nach dem Rechten zu sehen. Und die wenigen Lieferanten, die manchmal neue Ware brachten, interessierten sich nicht für die Zustände hier. Sie machten ihren Job und diese Halle war nicht ihr Eigentum. Warum also sollte es sie interessieren, wer hier wann wen vögelte oder seinen Rausch ausschlief?„Du hast nix zum Essen da, oder?“, wollte Lolita wissen, nachdem sie sich die Decke bis ins Gesicht gezogen hatte. Milo schüttelte nur den Kopf und sah sich dann kurz um, obwohl ihm eigentlich klar war, dass hier niemand sein Frühstück liegen gelassen hatte. „Wir könnten schnell zum Bäcker um die Ecke gehen, nh?“ Lola kramte in den Taschen ihrer Teddyfelljacke nach ein paar Scheinen, um nachzusehen, wie viel sie noch dabei hatte. Immerhin wollte sie sich heute Abend wieder neue Pillen kaufen. „ne, lass mal. Kein Bock, jetzt extra aufzustehen“ Milo zuckte nur mit den Schultern.„Ich hab aber Hunger“ Lolita schmollte, was zugegebenermaßen wirklich süß aussah. Egal, was sie tat, auf irgendeine Weise wirkte sie immer niedlich. Und das auch noch trotz der Tatsache, dass sich ihr Make-Up von gestern Nacht über ihrem gesamten Gesicht ausgebreitet hatte, als hätte ein Künstler die feinen Bleistiftstriche seiner mühsam gefertigten Zeichnung durch eine unglückliche Bewegung völlig verwischt. Lolita war eines dieser Mädchen, an denen viele dieser schmierigen Typen hier in der Umgebung Interesse hatten. Zumindest an ihrem Körper, ihr Charakter war jedem von ihnen scheißegal. Und der einzige, der sie wirklich bemerken sollte, interessierte sich nicht einmal mehr für ihr bildhübsches Lächeln.
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