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Teil 8 - Die andere Welt

von Chahoz
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
24.01.2021
19.09.2021
70
126.720
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Zuko hatte sich der Meute angeschlossen, welche den Eindringlingen folgte. Wer waren diese nur? Vielleicht Jeong Jeong und andere Deserteure. Ihm sollte es recht sein. Eigentlich hatte er im Gefängnis nachsehen wollen, doch einem inneren Drang folgend zog er zum Palast. Er wollte seiner Schwester gegenübertreten, das musste noch sein! Wahrscheinlich war Riario ja auch dort. Tatsächlich sah Zuko ihn. Er lag auf dem Boden, verschnürt wie ein Bündel Brennholz. Er konnte sich nicht alleine aufrichten, immerhin war es ihm anscheinend gelungen, sich kriechend von den größten Kampfschauplätzen zu entfernen. Bevor Zuko seinen einstigen Mitstreiter erreichte, musste er sich jedoch noch den Attacken eines Feuersoldaten erwehren. Da er keine Uniform trug, wurde er als Feind betrachtet. Nach ein paar gewaltigen Flammensalven war das erledigt.
„Girolamo, ich befreie dich!“ Dann war Zuko bei ihm, entgeistert starrte Riario diesen an. „Das tut jetzt kurz weh.“
Mit einem dosierten Feuerstoß entzweite der Prinz die Fesseln seines ehemaligen Gefolgsmanns. Erst jetzt registrierte er die anderen zwei. Sie mussten eben hinzugekommen sein. Die beiden sahen anders aus, als Einwohner der Feuernation oder der anderer Kontinente. Waren das zwei von den Fremdlingen?
„Da Vinci, Nico“, stieß Riario weihevoll hervor.
„Wir haben noch andere Feuerbändiger getroffen. Häuptling Manku und sein Volk der Sonnenkrieger. Mit ihnen greifen wir jetzt den Palast an“, erstattete Nico diesem Bericht.
„Du bist Zuko, richtig?“ Leonardo zeigte mit seinem Schwert auf den Sohn des Feuerlords.
Zuko ging in Angriffsstellung, wartete jedoch ab. „Ja. Aber ich bin auf eurer Seite. Ist Iroh bei euch?“
„Nein. Er hat den Avatar begleitet, um Ozai aufzuhalten.“ Da Vinci ließ das Schwert sinken.
Da vernahm Zuko einen monströsen Blitz, in etwa 30 Metern Entfernung. Das musste Azula sein, das Wunderkind! Nur sie konnte Blitze bändigen.
Er zog Riario auf die Füße.
„Ich nehm’s mit meiner Schwester auf“, sagte er.
Da Vinci und Nico bedachte Zuko noch mit einem Blick, dann machte er sich zielstrebig auf den Weg.

„Ergib dich, Prinzessin!“, dröhnte Manku. Es hatte einige Zeit beansprucht, die Tochter des Feuerlords an einer Wand in die Enge zu treiben. Zuerst hatten er und seine Männer sich gegen mehrere ihrer Soldaten durchsetzen müssen.
„Nicht so voreilig“, zischte Azula, ihre Muskeln waren vollends angespannt, wie eine lauernde Raubkatze stand sie in Positur. „Ich weiß nicht, wer ihr seid, aber das ist nicht wichtig. Bei eurer Bestattung wird’s keine Trauerrede geben.“
Urplötzlich bemerkte Häuptling Manku aus den Augenwinkeln, wie einer seiner acht Krieger, mit welchen er die Prinzessin umstellt hatte, zusammenbrach. Kurz darauf dessen Nachbar. Ein pink gekleidetes Mädchen war dafür verantwortlich, mit Flickflacks und Radschlägen flitzte es wendig umher. Die Formation löste sich auf, die Männer versuchten die Angreiferin mit Flammenpeitschen- und schüssen zu erwischen. Dies nutzte Azula aus und rannte los, um sich aus der Bredouille zu befreien.
Doch da schlug eine gewaltige Feuerpeitsche vor ihr auf den Boden. „Hallo Azula.“
Die Prinzessin verlor die Kontrolle über ihre Mimik.
„Überrascht, mich zu sehen?“, sprach Zuko. „Ich hab eine Neuigkeit für dich. Ich bin nicht mehr dein Werkzeug. In Ba Sing Se habe ich unsere Mutter getroffen. Da staunst du? Sie ist nach ihrer Verbannung dorthin geflohen. Sie hat mich darüber aufgeklärt, was für eine verräterische, abscheuliche Sippe wir sind. Ich wette, du hast das alles gewusst. Wenn du dir noch einen letzten Rest Ehre bewahren willst, dann ergibst du dich jetzt. Denn ich hab noch eine Neuigkeit für dich. Der Avatar ist aufgebrochen, um Vater zu besiegen.“
„Und er hat es bestimmt schon getan“, setzte Manku hinzu. Inzwischen hatten er und seine verbliebenen Sonnenkrieger wieder den Halbkreis geformt. „Denn er hat den Avatar-Zustand zu beherrschen gelernt! Und hier werden wir auch bald fertig sein. Falls es dir entgangen sein sollte, uns sind viele Bürger aus der Stadt nachgefolgt und kämpfen ebenso gegen euch. Niemand hat mehr Lust auf euren Krieg und eure Herrschaft. Ergib dich, Prinzessin.“
Azula keuchte schwer, Schweiß glitzerte auf ihrer Stirn, ihre Augen waren zum Anschlag aufgerissen.
„Also gut.“ Sie senkte den Kopf. Kurz sah es so aus, als würde sie tatsächlich die Waffen strecken, doch mit einem Mal vollführte sie eine schwungvolle Drehung, indem sie sich mit der rechten Hand am Boden abstützte und ihren Fuß ausstreckte. Damit schleuderte die Tochter des Feuerlords einen Ring aus blauen Flammen von sich. In der Folge darauf ließ Azula Blitze aus ihren Fingernägeln sprühen. Diese fungierten als eine schier unglaubliche Antriebskraft. Einer Rakete ähnelnd preschte die Prinzessin in die entgegengesetzte Richtung von der, in die sie vorhin gewollt hatte. Sie verlor ihre Haarspange in Form einer Krone, ihre hüftlangen Haare schlackerten umher, ihre Gesichtszüge verunstalteten sich vollständig zu einer Grimasse des Wahnsinns.
„Azula, warte auf mich!“, schrie ihr das pink gekleidete Mädchen nach – Ty Lee.
„Kämpf’ weiter!“, fauchte die Prinzessin. Kurz hatte sie innegehalten, dann setzte sie ihre rasante Flucht fort.
Ty Lee tat wie ihr geheißen. Sie drehte sich um, entgegen kam ihr Zoroaster. Dieser wusste gar nicht, wie ihm geschah. Zwei Faustschläge trafen ihn unterhalb der Arme und ließen die Gliedmaßen lahm werden, sein Schwert fiel hinunter. Ein Hieb noch auf sein Bein und er knickte um. Ty Lee wandte sich ab. Ihr nächster Gegner sollte Kilik sein. Aber der war ebenfalls gewandt. Mit seinem Stock sprang er dem Mädchen entgegen und traf es mit diesem wuchtvoll am Oberschenkel (Phoenix Lunge). Ty Lee wurde unsanft zu Boden befördert und blieb liegen.
„Es gibt ein Konzept, genannt Reichweite. Du solltest es lernen“, gab Kilik altklug von sich.
„Hey, zieh’ mich auf die Seite, bevor noch jemand auf mich drauf tritt!“, plärrte Zoroaster.
Mittlerweile war kaum noch Feuer zu erblicken. Azula floh, verfolgt von Manku, seinen Kriegern und Zuko. Als sie realisierten, dass sie auf verlorenem Posten kämpften, ließen die Soldaten ihre Waffen fallen und streckten die Hände nach oben. Es blieb jedoch ein Chaos, diverse Aufständische stürmten den Palast oder andere Gebäude. Mina bekam ebenso mit, wie sich Azula von dannen machte. Ohne groß nachzudenken rannte sie hinterher. Aus den Augenwinkeln erspähte sie Talim und Yunsung, welche die gleiche Idee gehabt hatten. Der Weg führte in die Palaststadt hinein, dann an dem Ufer eines Sees entlang, anschließend die Kraterwand hinauf. Mina hing weit hinterher, vor allem auf den steilen Pfaden des zerklüfteten Kraterhangs konnte sie keineswegs mit den Feuerbändigern Schritt halten. Immerhin wusste sie, durch deren Flammen und Blitzen, wo diese ungefähr waren. Schließlich hatten die drei freie Sicht auf die Bändiger. Sie befanden sich noch auf dem Weg nach oben, links schräg über ihnen, in vielleicht 40 Metern Entfernung waren die anderen. Azula hatte gestoppt – und sie sahen noch etwas! – bei der Nautilus! Kapitän Nemos Raumschiff stand dort auf dem kleinen Plateau! Das Folgende konnten Mina, Talim und Yunsung Wort für Wort verstehen, so laut wurde es gekreischt.
„Wenn ich verliere, sollt auch ihr was verlieren!! Zunächst eure verfluchten Freunde, hahahahahahahaha!!“ Azula schoss in die Höhe, höher und höher. Aus ihren Füßen zischten Rauch und Blitze. Dann schwang sie ihre Arme, erschuf Hitze, eine blaue Feuersbrunst und ließ diese auf die N-Nautilus los! Mina, Talim und Yunsung schmissen sich zu Boden und bedeckten ihre Augen. Sie spürten die glühende Hitze und das gleißende Licht. Und hörten das scheußliche Kreischen von Azula, das alsbald von anderweitig höllischem Lärm übertönt wurde. Die drei hielten sich lieber die Ohren zu, ihre Augen kniffen sie aber weiter fest zusammen. Ein riesenhaftes Gepolter ließ die Erde erbeben. Dies alles war in einem Zeitraum unter einer Minute geschehen! Als die Soul Calibur-Krieger wieder hinsahen, war die N-Nautilus weg, das ganze Felsplateau war weggesprengt. Azula nirgends mehr zu entdecken. Mechanisch sahen sie nach unten. Unten im Abgrund lag das Raumschiff, zerschellt in Trümmern. Qualm und Staub zog zu ihnen herauf. Sie hatten sich mit dem Gedanken ja im Grunde schon zwangsweise angefreundet. Als sie auf der Sonneninsel gestrandet waren. Doch damals hatte es wenigstens noch die theoretische Chance gegeben, je wieder heimzukehren. Jetzt existierte auch diese nicht mehr. Es sei denn man konnte die Maschine reparieren! Quatsch, unmöglich! Die N-Nautilus war Geschichte – zerschmettert, zerschmolzen, verkohlt. Erst langsam lichtete sich der betäubende Nebel in ihren Köpfen.
„Vielleicht war Nemo da drin“, stammelte Talim.
Minas Kopf flog herum. Weit oben am Krater stieg rasch ein Ballon auf und entfernte sich zusehends. Wenn da nicht Azula drin saß! Rechts des einstigen Plateaus waren Bewegungen auszumachen. Häuptling Manku und die anderen hatten den Feuersturm überstanden, anscheinend waren sie ebenfalls in Deckung gegangen. Die Prinzessin konnten sie nicht mehr verfolgen. So begannen sie mit dem Abstieg.
„War das ...?“, fing Manku mit belegter Stimme an, als sie den drei Soul Calibur-Kriegern begegneten.
Mina nickte stumm. Da erblickte sie Zuko und erhob reflexartig ihren Speer.
„Halt, ich will nicht mehr kämpfen“, beschwichtigte der Bruder der Prinzessin.
Die Gruppe machte sich an den Abstieg. Auf halbem Wege zum Palast kamen ihnen Da Vinci, Nico, Riario, Zoroaster und Kilik entgegen. Zoroaster wurde von letzterem gestützt.
„Was ist das für ein Lärm gewesen?“, wollte Leonardo wissen. „Was ist mit der Prinzessin geschehen.“
„Azula hat ... hat ...“, fing Mina an, brachte den Satz jedoch nicht über die Lippen.
„Azula hat euer Raumschiff zerstört“, sprach Häuptling Manku es aus.
„Und dann ist sie mit einem Ballon getürmt“, fügte Zuko hinzu.
„Was?“ Da Vinci entglitten alle Gesichtszüge.
Der Schock überwältigte sie. Nico gaffte ins Leere, Zoroaster verlor seinen Halt und plumpste zu Boden.
„Wir brauchen Toph“, behielt Manku einen kühlen Kopf. „Sie muss die Flammen mit Erde ersticken, damit das Feuer nicht auf die Stadt übergreift. Wir sorgen derweil hier für Ruhe.“
Es brauchte seine Zeit, bis die Ordnung wiederhergestellt war, die Verletzten versorgt wurden, und auch die Toten beiseite geschafft. Als Mina, Talim und Yunsung zusammen mit den Sonnenkriegern, Zuko und Leonardo ihre Runde im Palast drehten, trafen sie unter Anderem auf die Piraten. Diese waren gerade dabei, wertvolles Geschmeide, Wandteppiche und Geld einzusacken.
„Wir sind nicht zum Plündern gekommen“, strafte sie Häuptling Manku ab. „Lasst die Sachen hier! Ihr bekommt eure Belohnung früh genug.“
„Wir dachten nur, für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Avatar scheitert“, meinte Chin schöntuend.
„Nein, lasst alles hier! Ihr könnt euch draußen nützlich machen.“
Mina hatte die Seeräuber im Kampf kein einziges Mal gesehen. Als sie sich mit ihrer Gruppe abwendete, bekam sie mit, wie Oh und ein paar weitere Schurken trotzdem das ein oder andere Schmuckstück unter der Kleidung verschwinden ließen. Doch das war im Angesicht ihrer Situation komplett unwichtig!
Auf ihrem weiteren Rundgang betraten sie eine abgeschlossene Zimmerflucht. Dort fiel ihnen ein riesiger Stein vom Herzen. An einem Tisch saß Kapitän Nemo! Mina, Talim, Yunsung und Da Vinci hatten ihn zuletzt auf Kyoshi gesehen, im letzten Jahr. Ihm die grauenhafte Nachricht zu überbringen war am schwersten.
Leonardo versuchte es. „Kapitän. Ich ... wir sind leider dazu gezwungen, Ihnen mitzuteilen, dass die Nautilus ... die Nautilus zerstört worden ist.“
„Wie bitte?“ Der stolze Mann fasste die Neuigkeit genauso auf, wie sie befürchtet hatten.
„Es tut uns leid, es war Azula! Bitte seien Sie nicht böse mit uns, wir sind dadurch mindestens so gestraft wie Sie“, wimmerte Talim und brach schluchzend zusammen.
„Wo ist Ihre Crew?“ Auch Mina war am Ende, doch es gab noch etwas zu tun. Sie funktionierte bloß noch.
„Andrew, Lenny, Rául, Yared und Caius sind in anderen Gebäuden der Kraterstadt untergebracht”, erwiderte Nemo. „Meine Familie ist wahrscheinlich weiterhin auf der Ascheninsel.“
„Diese befreien wir als nächstes“, sagte Manku.
Im Anschluss traten sie den Rückweg an.
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