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Widerstand

GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Het
Dean Thomas Draco Malfoy OC (Own Character) Oliver Wood Viktor Krum
24.01.2021
06.10.2021
72
79.992
5
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19.09.2021 1.111
 
Ich lasse meinen Blick noch einmal durch mein Wohnzimmer schweifen, ob ich auch an alles gedacht habe. Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich einmal mit Aquila und Amanda hier sitzen und über all die vergangenen Ereignisse reden würde, die uns so eng zusammengebracht haben, wie es sich nie jemand von uns hätte vorstellen können. Selbst Anfang August, als Anastasia und Aquila so überraschend bei mir aufgetaucht sind und ich ihnen geholfen habe, hätte ich mir nie vorstellen können, was noch passieren würde.
Meine Eltern wohnen noch immer bei uns. Allerdings sind sie heute bei meinen Großeltern eingeladen. Die Abwechslung wird ihnen gut tun. Oliver will sich das erste Mal seit langem wieder mit seinen Teamkollegen treffen und dann später am Abend zu uns stoßen. Natürlich könnten wir uns auch bei Aquila oder Amanda treffen. Das Malfoy Manor ist mir allerdings trotz der Tatsache, dass sich ihre Eltern und Draco derzeit nicht darin befinden, unheimlich. Amanda wohnt seit dem Ende des Kriegs bei Deans Eltern. Dort hätten wir nicht ungestört sein können. Eigentlich war Dean zu dem Treffen heute auch eingeladen. Seine Eltern wollen ihn jedoch für das Erste nicht so schnell wieder aus den Augen lassen, was ich auch verstehen kann, wo dieser kleine Mensch in meinem Bauch immer weiter wächst. Bis zur Geburt dauert es allerdings noch eine Weile.
Dann klingelt es auch schon an der Tür. Ich lege noch schnell einen Wärmezauber auf die Teekanne, da mir der Tee warm viel besser schmeckt, bevor ich die Tür öffne und Aquila und Amanda mit einer festen Umarmung begrüße.
Auf dem Weg ins Wohnzimmer kommen die ganzen Erinnerungen an die Ereignisse während der Schreckensherrschaft der Todesser in mir wieder hoch. Ich erinnere mich noch genau, wie schlimm es für Amanda war, Dean bewusstlos hier liegen zu lassen. Auch die Angst und Fassungslosigkeit in Anastasias Blick, als sie zufällig bei mir gelandet sind, sehe ich sehr deutlich vor meinem inneren Auge. Es schmerzt immer noch sehr zu wissen, dass sie nie wieder in diesem Haus oder irgendwo anders herumlaufen wird. Dadurch, dass auch Lavender nicht mehr wieder kommt, kann ich verstehen, wie viel trauriger und schrecklicher es für Viktor sein muss, der sie so viel besser als wir gekannt hat und sie in den letzten Monaten ihres Lebens kaum gesehen hat.
„Sie wäre glücklich, wenn sie wüsste, dass wir uns nach all dem, was passiert ist, treffen und zusammensetzen. Das hätte sie gewollt“, kommt es von Aquila, die meine Gedanken erraten hat.
Ihre Hand liegt sanft auf meiner Schulter und ich kann den Schmerz und die Trauer auch in ihrem Gesicht sehen.
„Wir alle und auch sie wussten, worauf wir uns einlassen. Sie hat sich dafür entschieden. Die Abschiedsbriefe sind ein Zeichen dafür“, geht Amanda auf das Thema weiter ein.
Der Brief liegt ganz oben im Nachttisch. Ich habe ihn auch schon geöffnet, doch nach den ersten Zeilen konnte ich nicht weiterlesen. Sie war noch so jung und hat sich bereits mit den Gedanken über den Tod und besonders ihren Tod auseinandergesetzt. Ich weiß, dass ich irgendwann auch die restlichen Zeilen lesen werde, doch bis jetzt war ich noch nicht bereit dafür.
„Habt ihr euren Brief schon gelesen?“, will ich wissen.
Aquila nickt, während Amanda den Kopf schüttelt.
„Ich habe es noch nicht geschafft, den Brief zu öffnen. Dean hat auch einen Brief von ihr bekommen und ihn ebenfalls noch nicht geöffnet. Die Zeit bei seinen Eltern erlaubt uns gerade, die Schrecken des Kriegs in die Ferne zu schieben und sie erst später aufzuarbeiten.“
Sie schweigt eine Weile, bevor sie weiterspricht.
„Außerdem möchte ich ihn am Grab meiner Mutter lesen. Es ist für mich der passenden Ort, um mich an die Krieg zu erinnern. Einmal war ich nach unserem Sieg schon dort. Er hilft mir sehr.“
Ich wünschte, ich hätte auch so einen Ort. Doch ein Friedhof wäre für mich nicht der passende Ort.
„Ich möchte unser Versteck gerne kaufen. Der Gedanke, dass andere Menschen darin wohnen könnten, die den Wert des Haus für uns nicht kennen, gefällt mir nicht. Dafür müssen wir jedoch zuerst den Fidelius-Zauber aufheben“, erklärt uns Aquila.
Ich nicke. Das hatte ich sowieso vor. Wir brauchen es nicht länger als Versteck und es ist eine weitere Erinnerung an die Tyrannei. Es ist zwar nicht richtig, alle schlechten Erinnerungen zu löschen, aber wir müssen eine Balance zwischen Trauer und Freude finden.
„Was willst du dann damit tun?“, fragt Amanda nach.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht werde ich irgendwann darin einziehen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, mein Leben lang im Anwesen meiner Eltern zu wohnen. Aber jetzt bin ich noch lange nicht bereit, sesshaft zu werden. Ich muss erst einmal herausfinden, was ich will. Alles hat sich bis jetzt entweder um Draco oder die Wünsche meiner Eltern gedreht. Es hat mich nie gestört und ich habe mich auch freiwillig für diesen Weg entschieden. Aber Anastasia hat mir und allen anderen auch gezeigt, wie einzigartig wir doch sind. Ich will versuchen, dem gerecht zu werden und meinen eigen Weg zu finden, auch wenn es sicher nicht leicht wird.“
Ich kenne Aquila noch nicht lange, aber ich bin mir sicher, dass sie vor dem ganzen Krieg eine andere Hexe war, als wie wir sie heute kennen.
„Das müssen wir alle, keiner kann jetzt einfach so an das Leben von vor dem Krieg anknüpfen“, erkläre ich Aquila, „aber für dich wird es vermutlich noch schwerer sein, als beispielsweise für mich. Wir sind jedoch immer für dich da. Das darfst du nie vergessen.“
„Danke.“ Ihr Stimme ist fast tonlos.
Jeder von uns hängt seinen Gedanken nach, bis Amanda schließlich die Stille durchbricht.
„Wie geht es deinem Baby?“, versucht sie das Gespräch wieder in eine hoffnungsvollerer Zukunft zu lenken.
Schon allein der Gedanke daran lässt mich strahlen. Es gibt mir in dieser Zeit der Trauer so viel Kraft.
„Sehr gut. Wir waren nach der Schlacht auch schon bei einem Heiler und er hat uns bestätigt, dass mit dem Baby alles in Ordnung ist.“
Ich streiche mit beiden Händen über meinen sehr runden Bauch. Als ich die Bewegungen meines Babys spüre.
„Es tritt gerade. Wollt ihr mal fühlen?“, teile ich den beiden mit.
Amanda legt ihre Hand zögerlich auf meinen Bauch und ich schiebe sie etwas zu recht, damit sie die Tritte spüren kann. Oliver hat die Tritte erst vor wenigen Tagen das erste Mal gespürt und abgesehen von ihm und meinen Eltern, ist Amanda die erste Außenstehende, welche die Tritte spürt.
Amandas Augen strahlen und erst, als sie die Hand weggenommen hat, traut sich auch Aquila.
Auch ihre Augen beginnen zu strahlen, als mein Baby sich bemerkbar macht. Das ist die Zuversicht auf eine bessere Zukunft, die wir brauchen.
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