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Woman in yellow till the end?

von KleinKoko
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Simon Schempp
24.01.2021
09.05.2021
18
32.908
5
Alle Kapitel
104 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
04.04.2021 1.820
 
Frohe Ostern euch allen und viel Spaß mit dem neuen Kapitel.



Den nächsten Tag verbringe ich größtenteils zusammen mit meiner Familie. Wir Mädels waren am Morgen ein bisschen auslaufen und haben den Rest des Tages frei. Meine Beine fühlen sich nach der Behandlung gestern und dem Auslaufen wieder besser an. Wahrscheinlich werde ich morgen am Wettkampffreien Tag nicht komplett mittrainieren, sondern eher locker laufen und am Schießstand arbeiten, aber das wollen die Trainer und ich morgen entscheiden. Je nachdem wie ich mich da fühle.

,,Ist das jetzt ein Zeichen, dass ich alt werde und doch besser aufhören sollte.“ Ich lache zwar, aber lediglich lustig war die Aussage nicht gemeint. Simon hingegen fängt laut an zu lachen.

,,Schatz du bist vor ein paar Tagen 30 geworden. Ich glaub müde Beine am Ende des Weltcups sollten kein Grund sein aufzuhören. Dann hätte ich ja schon nach meiner ersten kompletten Saison wieder aufhören müssen.“ Da hat er auch wieder Recht und eigentlich wollte ich diese Gedanken hier auch gar nicht haben.

,,Auf Erit.“ Die Stimme meiner Tochter reißt mich aus meinen Gedanken. Marlia wollte natürlich die Jungs anfeuern und so stehen wir grad an der Strecke und beobachten das Rennen. Also Marlia beobachtet das Rennen und feuert an. Simon und ich stehen etwas hinter ihr und unterhalten uns.

,,Wie sieht es morgen bei dir aus? Also termintechnisch?“ Wird Simon wieder ernst.

,,Morgen Vormittag ist das Training. Danach auf jeden Fall nochmal Physio. Eine Besprechung mit den Trainern am Abend. Dazwischen habe ich ein bisschen Zeit.“

,,Ich hatte mir nämlich überlegt, ob wir mit der Kleinen mal Skilaufen wollen. Hier haben wir perfekte Bedingungen. Das lenkt dich vielleicht auch wieder ab und du kommst auf andere Gedanken als deine Beine.“

,,Das ist eine tolle Idee.“ Strahle ich ihn an.

,,Ich würde mich dann mal erkundigen, wo wir uns Skier für Marlia ausleihen können. Ich hab meine Langlaufschuhe mit und bekomm doch bestimmt ein paar von dir.“ Mit Hundeaugen sieht Simon mich an.

,,Das muss ich mir aber nochmal überlegen.“ Gebe ich ihm ernst zurück, muss mich aber stark konzentrieren mein Grinsen zu unterdrücken.

,,Ich bin für dich durch halb Europa gereist, um an deinem Geburtstag bei dir zu sein. Da wäre es doch das Mindeste, wenn du deinem Mann ein paar Skier ausleihst.“ Jetzt kann ich nicht mehr und fang an zu lachen.

,,Ok ein paar alte Ski für dich haben wir sicher noch im Truck.“

,,Mama, Papa, Benni tommt gleich.“ Ruft Marlia uns aufgeregt und so widmen Simon und ich uns wieder dem Geschehen auf der Strecke vor unserer Nase.

Am nächsten Morgen steht für mich das Training und die bange Frage an, wie es mit meinen Beinen aussieht. ,,Franzi du läufst erstmal locker ne Runde und schaust wie es funktioniert. Dein Training musst du heute nach deinem Empfinden ausrichten. Wir wissen nicht, wie du dich fühlst. Du entscheidest, was und wie lange du machst. Auch für den Rest gilt natürlich- Jetzt am Wochenende stehen noch zwei harte Rennen an. Lasst es heut eher ruhig angehen.“ Damit entlässt Kristian uns auf die Strecke. Ich versuche während dem Laufen aktiv auf meinen Körper und vor allem die Beine zu achten. Zu meiner Erleichterung fühlt sich alles wieder relativ locker, vergleichbar mit Mittwoch dem Gefühl in der ersten Runde, an. Ich entscheide mich trotzdem hier jetzt nichts Schnelles zu machen, sondern nur locker zu laufen und meinen Fokus auf den Schießstand zu legen und mir dort weitere Sicherheit zu holen. Anschließend an das Training steht im Hotel sofort der Physiotermin an. Auch hier werden meine Beine nochmal gelockert und ich hoffe, dass es bis Sonntag noch irgendwie geht. Einfach diese beiden Rennen noch irgendwie gut über die Bühne bringen und dann ist Pause und ich kann mich hoffentlich Gesamtweltcupsiegerin nennen.

Nach dem Mittagessen geht es dann mit Simon und Marlia auf die Loipe. Schon seit wir ihr beim Frühstück davon erzählt haben, redet sie von nichts anderem mehr. Sie freut sich darauf endlich auf Ski zu stehen. Schon länger redet sie davon, dass sie das, was ich immer mache, auch mal machen will und jetzt ist es so weit.

,,Mami, Papa tommt.“ Drängelt Marlia, als wir in unserem Wachstruck stehen und die Ski für Simon und mich präparieren. Ski und Schuhe für Marlia haben Simon und unsere Tochter schon heut Morgen während meines Trainings geholt und stehen nun schon bereit.

,,Ja Schatz. Dauert nicht mehr lange.“ Antworte ich ihr und schaue zu Marlia rüber. Diese tippelt ungeduldig vor ihren Skiern hin und her.

,,Weißt du was. Du läufst jetzt einmal um den Wachstruck und wenn du wieder da bist, sind der Papa und ich fertig.“ Schlage ich meiner Tochter vor und gehe zu Tür, um ihr diese zu öffnen, da sie selber die Türe nie und nimmer aufbekommen würde. Doch als ich grad nach der Klinke greifen möchte, wird die Türe schon von außen geöffnet und Janina steht plötzlich vor mir.

,,Oh hi Franzi.“ Überrascht sieht die Jüngere mich an.

,,Hey Janina. Was machst du denn hier?“

,,Ich wollte noch ein bisschen klassisch laufen gehen.“ Antwortet Janina mir.

,,Aso. Würdest du vorher noch schnell eine Runde fangen um den Truck mit Marlia spielen?“ Ich deute auf meine Tochter, die unternehmungslustig neben mir steht.

,,Na klar.“ Zwar schaut Janina etwas verwirrt, reicht dann aber doch meiner Tochter die Hand, damit Marlia sicher die Treppe runterkommt.

,,Danke.“ Damit schließe ich die Türe wieder und widme mich wieder meinen Ski.

,,So Mama eine Runde gelaufen. Tu jetzt fertig?“ Steht Marlia auch schon kurze Zeit später wieder im Wachstruck.

,,Ja.“ Lache ich und nehme meine Skier von der Arbeitsfläche runter. Auch Simon nickt und so verlassen wir alle zusammen den Truck. Wir verabschieden uns noch von Janina, ehe wir zur Loipe direkt in der Nähe des Stadions gehen.

,,So Maus. Dann kannst du jetzt in die Bindungen steigen.“ Ich lege die Skier meiner Tochter in den Schnee und öffne die Bindungen. Zusammen mit Simon helfe ich ihr in die Bindung zu steigen. Anschließend möchte auch ich meine Skier anschnallen, aber habe die Rechnung ohne meine Tochter gemacht, die sich mit ihren Stöcken schon anschiebt und loslaufen will. Weit kommt sie allerdings nicht, denn nach nur ein paar Metern verliert sie das Gleichgewicht und plumpst in den Schnee. Schnell steige ich in meine Bindungen und laufe zu ihr hin, um ihr aufzuhelfen.

,,Alles gut Maus?“ Marlia nickt nur und will voller Tatendrang wieder los.

,,Halb lang Frau Schempp. Wir warten erstmal auf den Papa.“ Lache ich und halte meine Tochter fest.

,,Wollen wir erstmal in die Loipe oder…“ Will Simon unserer Tochter fragen, als er bei uns ankommt, doch Marlia unterbricht ihn.

,,Nein. Laufen wie Mama.“ Ich schaue nur zu Simon und grinse. Mit klassisch kommst du bei unserer Tochter nicht weit.

,,OK, ok.“ Abwehrend hebt Simon die Hände und fängt ebenfalls an zu lachen.

,,Wir machen das so. Ich lauf jetzt vor dir und du hältst dich an meinen Stöcken fest. OK?“ Marlia nickt und so stellt Simon sich vor die Kleine. Ich helfe Marlia die Stöcke zu greifen und gebe Simon ein Zeichen, dass er loslaufen kann. Während Simon losläuft und Marlia hinter sich herzieht, laufe ich neben unserer Tochter her.

,,Super Schatz. Versuch die Skier grade zu halten.“ Weise ich Marlia an und zucke immer mal wieder zur Seite, da ich sie halten möchte, aber Marlia macht das wirklich super. Nach einer Zeit kommt Simon zum stehen und ich halte auch Marlia an.

,,Und?“ Simon dreht sich zu uns um und sieht Marlia fragend an.

,,Super. Weiter.“ Ruft Marlia sofort begeistert.

,,Willst du mal versuche zu gleiten?“

,,Erst noch ziehen.“

,,Ok dann weiter.“ Lacht Simon und wir begeben und wieder in Startposition und laufen wieder los. Dieses Mal läuft Simon etwas schneller, was Marlia immer mehr zum Lachen bringt. Ihr scheint das wirklich sehr Spaß zu machen, was mich freut.

,,So jetzt versuchts du mal zu laufen.“ Meint Simon, als wir zu einem langen Flachstück der Strecke kommen. Marlia nickt nur und schaut motiviert zwischen Simon und mir hin und her.

,,Also versuch mal mit dem rechten Fuß den Schnee nach außen zu drücken. So.“ Weist Simon unserer Tochter an und macht es vor. Ich halte Marlia ein wenig fest, während sie versucht es ihrem Vater nachzumachen. Tatsächlich schafft sie es sich ein bisschen vorwärtszubewegen, ehe sie wieder droht das Gleichgewicht zu verlieren und ich sie festhalten muss. Marlia versucht das Ganze ein paar Mal und schafft es immer besser, auch den rechten Ski wieder ran zuziehen, dass sie sich mehrmals abstoßen kann.

,,Das klappt ja schon super. Jetzt versuch das mal mit der anderen Seite.“ Lächel ich unsere Tochter an und wechsel die Seite, um sie weiter festhalten zu können. Auch auf dieser Seite braucht sie ein paar Anläufe, bis es einigermaßen klappt.

,,Also unsere Tochter stellt sich wesentlich geschickter an als ich, als ich das erste Mal auf Ski stand und ich war 13 Jahre älter als sie.“ Lache ich und sehe Simon an, der auf der anderen Seite von Marlia läuft und nun ebenfalls lacht.

,,Allerdings musst du unserer Tochter zugutehalten, dass sie seit ihrer Geburt fast tägliche sieht, wie Skilaufen funktioniert.“

,,Auch wahr.“

,,So Marlia bleib mal stehen.“ Wendet sich Simon wieder an unserer Tochter.

,,Jetzt versuchen wir das mal zu verbinden. Also du stößt dich mit der einen Seite ab und dann mit der anderen und wieder mit der anderen.“

,,Also so wie Mama laufen?“ Marlias Augen leuchten förmlich.

,,Genau.“ Lächel ich und laufen ein paar Meter, um es ihr nochmal zu zeigen.

,,Juhu.“ Höre ich Marlia hinter mir jubeln. Ich bremse und drehe mich zu den Beiden um.

,,Versuch mal bis zu mir zu laufen.“ Rufe ich ihr zu. Simon zückt sein Handy und will wahrscheinlich die ersten Schritte auf Ski unserer Tochter filmen. Auf Simons Kommando hin, läuft Marlia los. Hoch konzentriert versucht sie ihre kleinen Beinchen, die langen Ski und ihr Gleichgewicht zu koordinieren. Immer wieder wackelt sie, fängt sich aber wieder und schafft es tatsächlich sturzfrei bis zu mir.

,,Super.“ Ich nehme meine Tochter in Empfang und hebe sie hoch. Marlia lacht und strahlt mich überglücklich an. Auch Simon kommt zu uns und gibt der Kleinen einen Kuss, als ich sie wieder auf dem Boden absetze.

,,Weiter.“ Ruft Marlia sofort und läuft wieder los. Ich kann nur lachen und merke, wie Simon mich in seine Arme zieht.

,,Sie ist so ein wunderbares Mädchen.“ Flüstert er mir ins Ohr und gibt mir einen Kuss auf die Wange.

,,Oh ja.“ Flüster ich zurück und kann nicht verhindern, dass mir eine paar Tränen über die Wangen laufen. Es sind Tränen des Glücks und der Rührung. Ich bin einfach so dankbar für mein Leben und meine kleine Familie. Ich bin so stolz auf Marlia, dass sie so ist wie sie ist. So dankbar, dass Simon mir immer den Rücken freihält. Eigentlich kann ich gar nicht glauben, dass das hier alles wahr ist, aber das ist es und das ist unbeschreiblich schön.
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