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Woman in yellow till the end?

von KleinKoko
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Simon Schempp
24.01.2021
09.05.2021
18
32.908
5
Alle Kapitel
104 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
21.03.2021 1.728
 
Auch am letzten Renntag der Saison gibt es ein neues Kapitel.
Viel Spaß damit.

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Mit den Trainern ist das Rennen ebenfalls schnell besprochen. Wir alle drei sind uns einig, dass mir mein Körper ein Strich durch die Rechnung gemacht hat, jetzt aber kein grundlegendes Problem vorliegt. Lediglich bei unserem Physio habe ich am Abend mehr Zeit verbracht als üblich. Damit sollte das Ergebnis aber auch wieder vergessen sein und die Konzentration geht voll auf das Weltcupfinale in Oslo.Naja. Bei einer Person ist mein Ergebnis auch am nächsten Morgen am Flughafen nicht vergessen- meiner reizenden Tochter.

,,Mama warum du gestern letzte?“ Traurig schaut meine Tochter zu mir hoch. Sie ist wohl mit Abstand mein größter Fan, da kommt auch Simon nicht ran. Wenn ich gewinne, freut sie sich am meisten und wenn ich ein nicht so gutes Rennen abliefere, kommt es sogar vor, dass sie weint und noch Tage später traurig deswegen ist, so wie jetzt. Ich nehme sie auf meinen Arm, ehe ich ihr versuche zu erklären, was gestern bei mir los war.

,,Weißt du Maus. Meine Beine waren gestern so schwer, dass ich einfach nicht schnell laufen konnte. Beim letzten Schießen habe ich dann gezittert und konnte nicht mehr treffen. Quasi so.“ Ich imitiere mein Zittern, in dem ich meinen Oberkörper und damit auch Marlia hin und her bewege.

,,Jetzt sieht du, dass sich das Gesicht vom Papa immer bewegt, oder?“ Marlia nickt nur.

,,So habe ich gestern die Scheiben gesehen und dann konnte ich einfach nicht treffen. Das passiert mal, aber das ist auch nicht schlimm und geht wieder vorbei. Ich verspreche dir. Im nächsten Rennen werde ich wieder viel besser sein.“

,,Das gut, denn du gewinnen gelbes Trikot sollst.“ Marlias Worte bringen uns alle zum Lachen.

,,Ja ich werde mein Bestes geben. Versprochen.“ Ich gebe Marlia einen Kuss auf die Wange und lasse sie anschließend wieder runter. Simon hat die Überraschung wohl schon länger geplant, denn er und Marlia können nicht nur mit uns zusammen rüber nach Oslo fliegen, sie übernachten auch im selben Hotel.

,,Ich freu mich echt, dass ihr hier seid und mit nach Oslo kommt. Danke.“ Ich lehne mich an Simon und werde sofort in dessen Arme gezogen. Kurz kommt es mir so vor wie früher, als wir beide noch im Weltcup unterwegs waren, aber das ist jetzt auch schon 2 Jahre her.

,,Du weißt, dass ich dich immer unterstütze und da ist es das Mindeste, bei deinem letzten Weltcup dabei zu sein. Außerdem weißt du, wie Marlia sich gefreut hat, als ich gesagt habe, dass wir zu dir fliegen?“

,,Ich kann es mir vorstellen.“ Lache ich und blicke zu unserer Tochter, die anscheinend wieder irgendwas mit Erik ausheckt.

,,Also ich glaub Erik wird sie nächstes Jahr am meisten vermissen. Egal, ob du weitermachst oder nicht. Erik hört ja auf.“ Simon beobachtet die beiden wohl ebenfalls.

,,Ja da hast du recht. Ich glaub wir müssen nächstes Jahr einen Urlaub in Oberhof verbringen.“

,,Ich glaubs auch.“ Stimmt Simon mir lachend zu. Ein paar Minuten später können wir uns endlich auf den Weg zum Flugzeug machen. Sicherheitshalber nehme ich Marlia an die Hand, bevor sie mir noch abhandenkommt.

,,Mama du oft Oslo gewesen?“ Fragend blickt meine Tochter zu mir hoch.

,,Ja ich war schon oft in Oslo. Einmal hatten wir da sogar die Weltmeisterschaft und Papa und ich haben in der Mixed-Staffel zusammen Silber gewonnen.“ Erzähle ich meiner Tochter, die mir fasziniert zuhört.

,,Cool. War Papa auch mal guter Biathlet wie du?“

,,Ja. Der Papa war mal der beste Biathlet der Welt. Du kennst doch Papas große Kristallkugel.“

,,Ja, aber war Papa gut wie du?“ Jetzt muss ich anfangen zu lachen. So hat mich das auch noch keiner gefragt.

,,Sagen wir mal so Maus. Papa und ich waren und sind beide sehr gut. Wir sind ja nie gegeneinander gelaufen und deswegen kann und will ich gar nicht sagen wer besser ist. Oder was sagt der Papa dazu?“ Ich stoße Simon von der Seite an, der mich aber nur verwirrt ansieht.

,,Marlia fragt, ob du auch so gut warst wie ich im Biathlon.“ Erkläre ich meinem Mann lachend.

,,Weißt du Maus. Niemand ist so gut wie deine Mutter, da muss sogar ich mich geschlagen geben.“ Zwinkert er unserer Tochter zu, die daraufhin triumphierend grinst.

,,Wusste doch. Mama die beste.“ Ich kann nicht anders und fang an zu lachen.

,,Wenn meine beiden liebsten Meschen auf diesem Planeten aufgehört haben rumzuschleimen können wir dann ins Flugzeug steigen?“

,,Wieso schleimen? Ist doch nur die Wahrheit.“ Simon lehnt sich zu mir rüber, gibt mir einen Kuss und betritt anschließend grinsend das Flugzeug.

,,Jetzt Marlia auch Tuss.“ Ich nehme meine Tochter auf den Arm und gebe ihr einen Kuss auf die Wange. Anschließend folge ich Simon ins Flugzeug. Ich lasse mich neben meinen Mann in den Sitz fallen und setze Marlia neben mich.

,,Marlia ans Fenster oder zu Erit.“ Beschwert diese sich allerdings sofort.

,,Ok wir tauschen.“ Gibt Simon sich geschlagen und so klettert Marlia fröhlich über mich drüber und quetscht sich neben Simon auf den Fensterplatz.

,,Weg Papa mein Platz.“ Ich kann nicht anders als erneut laut loszulachen. Marlia macht das alles mit ihrer fröhlichen kindlichen Art, dass man ihr gar nicht böse sein kann.

,,Ich bin ja schon weg.“ Lacht nun auch Simon und quetscht sich an mir vorbei auf den Sitz am Gang.

,,Lass mich raten, gleich nach dem Start möchte sie eh zu Erik oder durchs Flugzeug laufen.“ Raunt Simon mir zu, als er endlich auf seinem Platz sitzt.

,,Kann passieren, aber lass sie doch. Du kennst unseren kleinen Wirbelwind. Lange stillsitzen ist nicht so ihr Ding. So lange die Häuser und so noch zu sehen sind, ist das Fenster interessant und wenn es nur noch Wolken sind, braucht sie halt wieder was neues.“ Entgegne ich ihm und blicke von Simon rüber zu Marlia, die fasziniert das Fenster raus blickt. Wir haben das Glück, dass ihr fliegen, so gut wie gar nichts aus macht. Im Gegenteil liebt sie den Trubel am Flughafen und vor allem Start und Landung, wenn sie die Landschaft beobachten kann.

,,Hast ja recht und dafür lieben wir sie auch.“ Ich drehe meinen Kopf wieder zu Simon und sehe ihn verliebt in seine Augen.

,,Genau.“ Hauche ich und lege meine Lippen auf die meines Mannes.Plötzlich spüre ich ein einen Schlag auf meinen Kopf und zucke zusammen. Verwirrt löse ich mich von Simon und schaue nach oben. Über mir sehe ich einen grinsenden Benni, der die Bordzeitung in den Händen hält.

,,Könnt ihr euch nicht mal zurück halten. Was sollen denn die Leute von euch denken?“

,,Wir haben ne Tochter. Was glaubst wie die entstanden ist? Die Geschichte mit der Jungfrau funktioniert nicht ganz Benni.“ Entgegnet Simon seinem ehemaligen Zimmerkollegen.

,,Schon, aber Augenzeuge von Marlias Geschwisterchen wollte ich jetzt nicht werden.“

,,Also jetzt übertreibst du aber.“ Bring nun auch ich mich in das Gespräch mit ein. Benni will noch was erwidern, wird aber von der Ansage im Flugzeug unterbrochen.

,,Wie oft und in wie vielen Sprachen ich das jetzt schon gehört habe.“ Grinsend deute ich auf die Flugbegleiterin, die die Sicherheitsdinge erklärt.

,,Zu oft und zu viele.“ Lacht Simon und greift nach meiner Hand. Anders als wir, findet Marlia das immer noch total faszinierend und versucht von ihrem Platz aus alles zu sehen. Als es dann endlich los geht und wir abheben, ist Marlia endgültig fasziniert. Sie drückt sich quasi die Nase an der Scheibe platt und schaut nach draußen.

,,Tuck mal Mama.“ Ich lehne mich zu meiner Tochter rüber und schaue mit ihr aus dem Fenster auf die immer kleiner werdende Landschaft.

,,Alles so tlein von oben.“

,,Ja. Die Häuser sehen aus als wären sie so groß wie dein Puppenhaus.“ Noch ein bisschen können wir die Landschaft beobachten, bis wir durch die Wolkendecke fliegen und draußen alles nur noch weiß ist. Ich setze mich wieder vernünftig in meinen Sitz und ziehe ein Buch aus meinem Rucksack. Simon unterhält sich über den Gang mit Mark und Marlia betrachtet immer noch die Wolken vor dem Fenster.

,,Mama darf ich zu Erit?“ Kommt irgendwann, wie schon von mir vermutet die Frage meiner Tochter.

,,Schaffst du allein ihn zu suchen, oder soll ich mitkommen?“ Ich schaue von meinem Buch auf und Marlia an.

,,Allein. Bin schon troß.“ Erklärt sie mir stolz, was mich leicht lachen lässt.

,,Na dann auf.“ Das lässt Marlia sich natürlich nicht zweimal sagen und klettert über mich und anschließend Simon drüber, der sie auf den Gang hebt. Kurz schaut sie sich um und tippelt dann eine Sitzreihe weiter.

,,Erit?“ Höre ich sie fragen. Das geht ein paar Minuten so weiter, bis sie zwei Reihen hinter uns fündig wird und man ein erfreutes statt fragendes ,,Erit.“ hört.Ich schlage mein Buch zu und drehe meinen Kopf zum Fenster, wo immer nur noch Wolken zu sehen sind. Jetzt geht es also auf den letzten Weltcup in dieser Saison. Die Jahre davor war das nie wirklich was Besonderes. Es war halt das Finale, wo man nochmal was zeigen konnte, aber eigentlich war ich immer nur froh, dass es nach dieser Reise vorbei war. Ich liebe den Sport, aber die Weltcupzeit zerrt ganz schön und da ist man schon froh, wenn es endlich vorbei ist und man sich ein paar Wochen erholen kann.Jetzt allerdings geht es für mich noch um was. Um richtig viel so gar. Es geht um den Gesamtweltcup. Das Größte, was man meiner Meinung nach in unserem Sport erreichen kann. Es zeigt einfach, dass man über eine ganze Saison hinweg, über 4 Monate, die konstanteste und beste Leistung von allen Athletinnen gezeigt hat.Ich habe schon die kleine Kugel im Einzel in dem Jahre wo ich mit Marlia schwanger war und eine Massenstartkugel zuhause, aber das ist schon lange her, dass ich die gewonnen habe. Das war noch ganz am Anfang. Das war noch bevor die Seuchenjahre bei mir anfingen und bevor ich mit Simon zusammengekommen bin. Damlas stand ich am Anfang meiner Karriere und war noch jung. Jetzt haben wir 9 Jahre später und es ist vielleicht das Ende meiner Karriere. In dieser Zeit ist so wahnsinnig viel passiert. Eigentlich wäre es perfekt mit der großen Kugel aufzuhören. Es gibt nur zwei Hacken- die große Kugel hab ich noch nicht sicher und ob ich wirklich aufhören will, weiß ich immer noch nicht. Es ist ein für und wider und im Moment kann ich nicht sagen was überwiegt.
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