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Der böse Wolf

Kurzbeschreibung
SammlungThriller, Horror / P18 / Het
Fenrir Greyback
23.01.2021
20.03.2022
7
24.045
11
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14.03.2021 1.588
 
Auf Augenhöhe

14. Mai 1980




Fenrir spähte die Straße hinab. Im Fenster zu ihrer Rechten zappte der Fernseher unaufhörlich und warf sein flackerndes Licht durch die Vergitterung. Ein steter Wechsel von Grün zu Gelb verlieh der Londoner Innenstadt-Tristesse etwas Abwechselung.
Gedanken und schmerzhaft pochende Herzschläge brodelten in ihm. Beide tobten unvermindert in seinem Kopf und Körper. Aber er hörte ihnen nicht mehr zu. Sie waren verblasst wie vergilbte Fotografien, abgewetzt im Laufe der Zeit. Fenrir vernahm den Appell nach Selbsterhaltung kaum noch.
Immer wenn sie rief, kam er herbei. Ganz gleich was er eigentlich geplant hatte.
Sie zu finden war schwer. Doch Fenrir hatte dafür allmählich einen Spürsinn entwickelt. Beispielsweise waren die Straßen menschenleer, dort wo sie ihr Unwesen trieb. Die Schreie verjagten irgendwann auch die Schaulustigsten. Angst möglicherweise als nächster dran zu sein überwog die Neugierde bei weitem.
Anstatt darüber zu sinnieren, was ihn wohl gleich erwarten möge, entschied Fenrir sich, ihrem Pfad zu folgen. Donnernde Schritte zweier Stiefelpaare echoten hinter ihm.
Stalk presste sich die Hände auf die Ohren. Das tat er jedes Mal, wenn Bellatrix ihren Spaß hatte.
Gemeinsam bogen sie in die nächste Gasse ein. Ein warmer Schimmer roten Lichtes hatte sie schon aus der Ferne begrüßt.
Beide Lestranges hatten einen Gast, den sie fürstlich umsorgten.
Die Adern in den Augen dieses Unglücksraben waren geplatzt. Rote Augäpfel mit braunen Iriden starrten flehend in den Himmel, während Bellatrix herumwirbelte, um ihrem Ehemann einen heißblütigen Kuss auf die Lippen zu pressen. Ihr Bein schnellte hinauf und wickelte sich um Lestranges Oberschenkel. Entblößte dabei die milchweiße und makellose Haut, die von einem nachtschwarzen Seidenpantoffel gekrönt wurde.
Lestranges Hüfte ruckte vor und presste sich gierig gegen ihre.
Grinsend kratzte sich Fenrir im Nacken. Geduldig diesen wilden Austausch an Speichel abwartend – Bellatrix verabscheute es, wenn man sie bei jedweden Tätigkeiten unterbrach – verschränkte Fenrir die Hände hinter dem Rücken. Als Lestrange lüstern seine Hände in Bellatrix Haar vergrub, beschloss Fenrir seinen Blick auf das Opfer am Boden zu heften. Irgendjemand musste hier ja schließlich den Anstand wahren.
Bode und Stalk teilten seine Ansichten nicht. Der eine schob seine Sonnenbrille die Nasenwurzel hinab, um das Schauspiel besser betrachten zu können, während der andere Mühe hatte leise durch die Nase zu atmen.
»Reinblüterinnen scheinen es echt ganz schön nötig zu haben, mhmh«, brummte Stalk und Bode grunzte zustimmend: »Ganz gleich was die für’n Kraut gesoffen oder geraucht hat, das will ich auch. Für mich und das kleine Hexchen.«
Dann geschah zweierlei:
Fenrir verpasste zuerst Bode, dann Stalk je einen Schlag in den Nacken. Die Welpen mussten dringend lernen ihr Schundloch zu halten. Glücklicherweise kam Bellatrix ihm dabei zur Hilfe.
Beschwingt glucksend schob sie Lestrange bei Seite und deutete mit ihrem krummen Zauberstab auf Bode.
Ein freudiges Glänzen in ihren Augen war die einzige Vorwarnung. Jaulend ging der Welpe zu Boden. Krümmte sich. Das rote Licht hüllte ihn ein. Wie ein Käfig um Brust und Glieder.
»Crucio«, zischelte Bellatrix mit sadistischer Befriedigung und verstärkte die Pein, indem sie die Spitze ihres Zauberstabes weiter auf Bode hinab senkte und langsam drehte, wie man einen Korkenzieher in eine köstliche Flasche Roten dreht. Unverhohlene Erregung trat in ihre Augen.
In seiner vermeintlichen Agonie schrie der Welpe sich die Seele aus dem Leib.
Anstatt seinem Freund zu Hilfe zu eilen, versiegelte Stalk sein Gehör erneut mit seinen Händen. Er mochte dieses Gebrüll wohl wirklich nicht. Es sah aus als klammerte sich Stalk an seine Schmusedecke.
Fenrir wartete geduldig, bis Bellatrix befriedigt von ihrem neuen Ziel abließ. Lächelnd warf sie sich einen Schwung ihres Haares über die Schulter.
»Schön, dass du es einrichten konntest so schnell zu erscheinen«, sagte sie zu Fenrir und ihre Stimme triefte vor Hohn, »Zunächst: Dieser Widerling da lässt die Finger von Unseresgleichen.«
Die Spitze ihres Pantoffels tippte exemplarisch gegen Bodes Schulter.
Jetzt wo sie drei der sechs Anwesenden still geprügelt hatte, wirkte sie wieder ausgeglichen und zufrieden. Wobei still nicht ganz zutreffend war. Gedämpftes Schluchzen kam von Bode, der sich mühsam aufrappelte und der Typ am Boden in der Gasse schnaufte gurgelnd nach jedem Atemzug.
Fenrir nickte. Bellatrix war eh alles gleich was er sagte. Sie war ein Freund der Taten. Wie er selbst.
»Für deinen Aufwand«, meinte Lestrange und machte einige Schritte auf Fenrir zu, um ihn ein paar Münzen in die Hand zu drücken. Das musste ein Scherz sein. Die konnte er sich gleich in den Arsch schieben. »Beseitige die Sauerei, die meine Frau angerichtet hat. Sei ein kleiner braver Hauself.«
Die Münzen verschwanden in den Taschen von Fenrirs Robe.
»Sauerei?«
»Na diese Made da«, antwortete Bellatrix in einer kindlich schrillen Tonlage und deutete auf den am Boden liegenden Kerl.
Fenrir lächelte, als sein Blick abermals auf ihn fiel.
»Ist das irgendwer besonderes?«
»Hach… wen kümmert das schon? Sei ein Schatz, Greyback, und mach dich nützlich.«
Wieder warf sie ihm einer dieser Blicke zu.
Am Anfang hatte er noch Hoffnungen gehabt, dass irgendwann mal was zwischen ihnen laufen könnte, wenn er ihr nur treu und ergeben genug war. Dann hatte Fenrir verstanden, dass Bellatrix kein Interesse an ihren Bediensteten hegte. Sie bevorzugte Anführer.
Also war Fenrir zu einem geworden.

Mit durchgestreckten Rücken ging er an den Reinblütern vorbei und ging neben dem Kerl am Boden in die Hocke. Der war eh bloß noch eine Kartoffel. Vermutlich kullerte nicht mal mehr ein einzelner Knut durch seine Birne.
Also tat Fenrir das, was getan werden musste. Seine Art von Gnade.
Mit seinem spitzgefeilten Fingern fuhr er in einem langgestreckten Bogen seinen Hals entlang, von Ohr zu Ohr. Das gurgelnde Schnaufen des Kerles wandelte sich. Qualvoll nach Luft japsend krallte er sich an Fenrirs Arme. Der Werwolf grinste mitleidig. Die Augen des Fremden wurden starr. Die Pupillen weiteten sich, als eine neue Welle von qualvollen Schmerzen über sein Nervensystem hereinbrach.
Bald schon schwamm der Kopf in einem Meer aus Blut. Der Kerl sagte nichts mehr doch strampelte er noch unter ihm. Versuchte zu entkommen. Ein hirnrissiges Unterfangen. In seinem Zustand kam er nicht mehr weit. Dann ruderten die Arme nur noch phlegmatisch, ehe sie erschlafften.
Das Blut tropfte und spritze durch die Gegend, als Fenrir seine Hände zu Fäusten ballte und auf das Gesicht dieses Unglücksraben einprügelte. Dann rasten seine gestreckten Klauen wie ein Messer auf den Brustkorb zu. Immer und immer wieder stach er zu. Vergrub seine Nägel in dem Fleisch. Zerriss Kleidung und Leib zur Unkenntlichkeit. Es würde die magische Strafverfolgung einiges an Mühe kosten diesen Kerl zu identifizieren. Sein Kopf – oder das was von ihm übrig war – wabbelte locker am Hals, der so zerhackt war, dass die Wirbel aus der Haut stachen.

Lestrange hatte die Weitsicht besessen sich an den Ausgang der Gasse zu stellen und Wache zu halten. Bellatrix hatte sich während dieses blutigen Spektakels zu Fenrir gesellt und ihn freudig kichernd angefeuert.
Das war etwas, das ihn und seine Herrin verband. Ihm machte es nichts aus, die Drecksarbeit zu übernehmen und Bellatrix genoss es ihn dabei zu beobachten.
Sie tätschelte ihm die Wange, ehe sie mit ihrem Ehemann verschwand.
Ein Grinsen schlich sich auf Fenrirs blutverschmiertes Gesicht. Er sah seine Welpen an und grinste noch breiter. Kurz überlegte er sich von Bode oder Stalk abklatschen zu lassen, ließ es dann aber doch bleiben.
Die hatten das ganze Schauspiel beobachtet, ohne ein Wort zu sagen.
Fenrir stemmte sich auf, wischte sich die Hände an Stalks Robe sauber.
»Eh‘ Boss? Haben wir‘n nu Feierabend? Ich hab‘ Hunger.«
»Soll ich den Typen etwa allein klein schneiden?«
»Den erkennt eh keiner mehr Boss. Ich schwöre, das ist nur noch einen Klumpen Blut und Knochen.«
»Darum geht’s nicht. Hört mir mal zu ihr zwei.«
Fast schon väterlich winkte Fenrir seine Welpen herbei und legte jeweils einen seiner vor Blut triefenden Arme um ihre Schultern.
»Es geht darum auf den ersten Blick möglichst viel Grauen zu verbreiten. Versteht ihr? Außerdem wollt ihr die Herrin doch stolz machen, oder?«
Beide nickten unisono. Bode wurde wieder ein bisschen bleicher. Von irgendwoher zückte er eine seiner schlecht gebauten Tüten, zündetet sie mit einem Sturmfeuerzeug an. Rauchend und brummend machte er sich an die Arbeit. Stalk ging ihm zur Hand so gut er konnte und zog gelegentlich an dem Joint.
Bei diesem Gemisch von Körpersäften und dem süßlichen Kraut, bekam auch Fenrir allmählich Hunger. Als sähe er einen Film und nicht die sadistische Verstümmlung eines Mannes. Der vermutlich vor wenigen Stunden Nudeln mit Käse gegessen hatte. Zumindest ließ sein Mageninhalt dies vermuten.

Nachdem der Typ nichts weiter als eine rote Pfütze mit Klumpen war, kramte Fenrir die Galleonen von Lestrange aus seinen Taschen hervor und warf sie den Welpen vor die Füße.
»Der Abend geht auf mich. Zieht euch vorher um, damit die magische Strafverfolgung nicht auf dumme Ideen kommt.«
»Naha, vielleicht dürfen wir uns bald gar nich‘ mehr von unserem Wohnort entfernen, mhmh. Nur noch rauchen, saufen und ‘n paar Nachbarn zerfleischen. Klingt doch ganz gut.«
Beipflichtend nickte Bode Stalk über die Sonnenbrille hinweg zu.
»Macht was ihr wollt. Aber morgen Abend seid ihr wie besprochen am Piccadilly Cirius. Wir haben ein Date.«
Während Stalk die Münzen vom Boden klaubte, wechselten Bode und Fenrir einen kurzen Blick. Nicht auf Augenhöhe, nein. Eher eine Art stilles Verständnis darüber, wie es war sich jemanden zu unterwerfen, der nichts anderes im Kopf hatte als einen wie ein Spielzeug zu benutzen und dann weg zu werfen.
Vielleicht malte auch Bode sich irgendwelche Chancen aus? Alecto gab sich zumindest noch die Blöße ihn mit ihrer Version zuckersüßer Höflichkeit zu behandeln. Dieses Stadium hatten Fenrir und Bellatrix gleich übersprungen. Beim ersten Cruciatus hatte sie ihren Standpunkt unmissverständlich gemacht.
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