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Es sind nicht alle gleich

von Ahadi
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Kate Beckett Richard Castle
23.01.2021
23.01.2021
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23.01.2021 4.415
 
Einen recht schönen, guten Tag wünsche ich euch allen miteinander, sehr verehrte Leserinnen und Leser und Herzlich Willkommen zu meinem druckfrischen Oneshot.

Ich hoffe doch wirklich sehr, dass ihr die Zeit, seit ich mein letztes Projekt beendet habe, gesund und heil überstanden habt, dass ihr gut in das neue Jahr 2021 gekommen und auch bereits riesig gespannt darauf seid, was ich heute wohl für euch parat habe.
   
Und da ich eure Vorfreude, sowie eure Geduld natürlich nicht übermäßig strapazieren möchte, indem ich euch länger, als unbedingt nötig hinhalte, erteile ich hiermit auch schon den Startschuss zu meiner neuesten Arbeit.

Also dann…auf die Plätze…fertig…und los…viel Spaß beim Lesen wünsche ich euch!

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Der erfolgreiche und weltberühmte Bestsellerautor Richard Castle saß im versteckten Büro seiner Bar, dem Old Haunt, am Schreibtisch und schrieb emsig an seinem nächsten Nikki-Heat-Roman, als er auf einmal hörte, wie die geheime Luke zum Keller geöffnet und anschließend wieder geschlossen wurde.

Und obwohl er die Person von seinem Sitzplatz aus nicht sehen konnte, wusste er dennoch sofort, dass sein unerwarteter Besucher ganz klar weiblich sein musste, weil er deutlich das unverkennbare Geräusch von Absätzen vernehmen konnte, als sein Gast die hölzerne Treppe hinunter stieg, sodass er sich ziemlich sicher war, wer genau es war.

Denn er kannte nur eine einzige Frau, die ihn auf einen Freitagabend, nach acht Uhr abends und noch dazu unangemeldet, hier in seinem Kellerbüro aufsuchen würde, das für ihn zu einem Zufluchtsort geworden war, seit er die alte, rustikale und geschichtsträchtige Bar vor einigen Monaten gekauft und damit vor dem endgültigen Aus bewahrt hatte.

Seine Mutter hatte eine Verabredung mit einem Herrn, den sie vor ein paar Tagen in einer Bar kennen gelernt hatte und seine Tochter war bei ihrer Freundin Paige, mit der sie gemeinsam für einen anstehenden Mathetest büffeln wollte und bei der sie auch übernachten würde, somit blieb nur noch eine einzige weibliche Person übrig.

Und tatsächlich sollte sich seine Vermutung als völlig richtig erweisen, als diejenige, die ihn hier einen Überraschungsbesuch abstattete, am unteren Treppenabsatz angekommen war und niemand geringeres vor ihm stand, als seine Partnerin, Muse, gute Freundin und heimliche Herzensdame, Detektive Katherine Beckett.

„Hey“, begrüßte er sie freundlich und schenkte ihr zusätzlich noch ein warmes Lächeln, das, ohne das er etwas davon wusste oder auch nur ansatzweise ahnte, ihr Herz sogleich um einiges schneller schlagen ließ.

Er hatte mit ihrem Auftauchen jetzt zwar nicht gerechnet, nicht im geringsten und er war dementsprechend auch mächtig überrascht darüber, dass sie jetzt hier war, aber das war für ihn natürlich trotzdem noch lange kein Grund dazu, ihr gegenüber irgendwie unhöflich zu sein, geschweige denn dazu, sie einfach so wieder weg zu schicken.

„Hey“, erwiderte sie sowohl die Begrüßung, als natürlich auch das Lächeln, das er ihr zugeworfen hatte, ebenfalls ohne zu wissen oder zu ahnen, dass sie damit genau die gleiche Wirkung auf ihn hatte, wie er zuvor auf sie.

„Verzeih mir bitte vielmals, falls ich Dich stören sollte, Rick…“, begann sie, als sie sah, dass sein Laptop geöffnet war, was sie zu der Schlussfolgerung brachte, dass er wahrscheinlich gerade geschrieben hatte, als sie hereingeplatzt war.

„Nein, nein, nein, Du störst mich nicht, Kate“, unterbrach er sie, was im Grunde genommen zwar ziemlich unhöflich von ihm war, aber er wollte einfach auf keinen Fall, dass sich der Gedanke, sie würde ihn stören, bei ihr im Kopf manifestierte.

Er war zwar gerade ins Schreiben vertieft gewesen, als sie förmlich ins Kellerbüro geplatzt war, aber als Störung empfand er ihr plötzliches Erscheinen dennoch nicht, schließlich hatte er ihr in der Vergangenheit bereits zig Mal gesagt, dass sie jederzeit zu ihm kommen konnte, wenn sie Sorgen oder Probleme hatte, über die sie mit ihm reden wollte.

„Ich habe zwar gerade geschrieben, als Du herein gekommen bist, aber ich war eh schon so gut wie fertig. Von daher ist es kein Problem, dass Du da bist“, versicherte er ihr erneut, dass ihre Anwesenheit ihn keinesfalls störte.

Und um seine Aussage noch zusätzlich zu untermauern, schloss er, kaum hatte er zu Ende gesprochen, seinen Laptop, woraufhin dieser sich nach wenigen Sekunden von selbst abschaltete, anschließend stand er von seinem bequemen, ledernen Bürostuhl auf, ging um seinen Schreibtisch herum und zu ihr hinüber.

Als er unmittelbar vor ihr stand, legte er ihr behutsam seine linke Hand auf den unteren Rücken und führte sie sanft zu der Ecke seines Büros, an der eine dunkelbraune Ledercouch im Clubstil stand, bei dieser angekommen bat er sie mit den Worten „Bitte, nimm doch Platz“ darum, sich auf das so eben genannte Möbelstück zu setzen.

„Darf ich Dir vielleicht etwas zu trinken anbieten?“, fragte Castle seine Partnerin, nachdem diese, auf seine freundliche Aufforderung hin, auf der Couch Platz genommen hatte, auf der sie auch schon viele Male zuvor saß, seit er das Old Haunt gekauft hatte.

„Ja. Was hättest Du denn an zu bieten?“, wollte sie, nach ihrer Zusage, im Bezug auf das angebotene Getränk, anschließend von ihm in Erfahrung bringen, was für Getränke er denn so im Angebot hatte, während sie sich ihren Mantel auszog und diesen dann neben sich auf die Couch legte.

„Alles, was Du nur willst, Kate“, dachte der Schriftsteller im Stillen für sich „Mein Herz, meine ganze Liebe, ein hoffentlich langes, gemeinsames Leben, voll Freude, Glück und Geborgenheit. Wirklich einfach alles, was Du Dir überhaupt nur wünschen könntest und was eine einzigartige und außergewöhnliche Frau, wie Du, verdient.“

„Tja, ich hätte da schottischen und irischen Whiskey im Angebot, Cognac, ein paar Flaschen Schnaps und Wodka, sowie natürlich auch Bier und Wein“, antwortete er ihr schließlich, während er zu seiner persönlichen Hausbar hinüber ging.

Es könnte zwar vielleicht ein wenig überflüssig erscheinen, dass er seinen eigenen, privaten Vorrat an verschiedenen, alkoholischen Getränken in seinem Büro hatte, da sich quasi die Hauptquelle direkt über ihm befand, aber er nutzte einfach gerne die vielen Vorteile, die eine eigene, kleine Bar automatisch mit sich brachte.

Zum einen musste er so nicht jedes Mal extra hoch in den Gastraum gehen, wenn er in seinem Büro war und etwas trinken wollte und zum anderen hatte er so die Möglichkeit besonders edle und kostbare Tropen, die er ausschließlich mit den Menschen in seinem engsten Umfeld, wie beispielsweise Beckett trinken würde, sicher auf zu bewahren.

„Nun, wenn das so ist, dann hätte ich gerne etwas von dem schottischen Whiskey“, teilte die Polizistin ihrem Berater, nach kurzer Überlegung, ihre Getränkewahl mit, woraufhin er ihr ein Glas von dem gewünschten Scotch einfüllte und für sich selbst ebenfalls eines.

„Mit Eis oder ohne?“, fragte er sie, sobald er die zwei Gläser Whiskey eingeschenkt hatte, er fragte sie deswegen, weil sie ihren Scotch mal mit und mal ohne Eis trank, von daher war es nur klug von ihm vorsichtshalber lieber noch einmal bei ihr nach zu fragen.

„Ohne bitte“, entgegnete sie daraufhin und fand es wirklich unglaublich lieb von ihm, dass er sie fragte, ob sie Eis in ihrem Getränk haben wollte oder nicht, bevor er es ihr brachte, aber das zeigte ihr einfach nur wieder einmal, dass er ein vollkommener Gentleman war.

Und da er ebenfalls kein Eis in seinem Whiskey haben wollte, ging er, sobald sie ihm geantwortet hatte, ohne weitere Umschweife, wieder rüber zur Couch und reichte ihr mit den Worten „Hier, bitte sehr“ eines der beiden Gläser Scotch, welches sie mit einem „Danke sehr“, sowie einem sanften Lächeln, entgegen nahm.

Er erwiderte das Lächeln, bevor er sich anschließend neben sie auf die Couch setzte und sogleich, genauso wie sie auch, einen kleinen Schluck von seinem Drink nahm, es folgten Minuten der völligen Stille, die sie dazu nutzte, um sich die Worte zurecht zu legen, die sie an ihn richten wollte und er derweil geduldig darauf wartete, dass sie etwas sagte.

Denn ihm war natürlich von vorne rein, seit sie sein Büro betreten hatte, vollkommen klar gewesen, dass sie nicht deswegen hier her zu ihm ins Old Haunt gekommen war, weil sie Sehnsucht nach ihm hatte, nein, er wusste genau, dass sie aus einem ganz bestimmten Grund hier war.
   
Aber er würde sie natürlich nicht dazu drängen, mit der Sprache heraus zu rücken, sondern ihr stattdessen die nötige Zeit geben, die sie brauchte, um ihm zu sagen, weshalb genau sie hier war, genauso wie er es immer tat, wenn sie zu ihm kam und er ganz genau wusste, dass sie deshalb bei ihm war, weil sie mit ihm über irgendetwas reden wollte.

Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit hatte er leider oft den fatalen Fehler gemacht, sie dazu zu drängen, sich ihm an zu vertrauen, wenn er merkte, dass ihr etwas auf der Seele lastete, was immer zur Folge hatte, dass sie ihm gegenüber komplett dicht machte und ihm damit drohte, ihn zu erschießen, wenn er nicht aufhören würde, sie zu nerven.
   
Aber mittlerweile kannte er sie zum Glück lange und auch gut genug, um ganz genau zu wissen, dass er sie in Zeiten wie diesen lieber nicht bedrängen und ihr stattdessen besser den Freiraum geben sollte, den sie benötigte, wenn er wollte, dass sie ihm ihre Sorgen, Probleme und Ängste anvertraute.

„Rick, ich bin hier, weil ich mit Dir über etwas sprechen möchte“, war sie diejenige, welche die Stille zwischen ihnen schließlich wieder brach, weil sie ihn nicht mehr länger auf die Folter spannen und ihm endlich sagen wollte, aus welchem Grund sie hier war.

„Aber vorher möchte ich Dich nochmal vielmals um Verzeihung bitten, dafür, dass ich einfach so, völlig unangemeldet hier aufgeschlagen bin“, wollte sie sich aber zunächst einmal, wegen ihres plötzlichen und vor allem unangekündigten Erscheinens, aufrichtig bei ihm entschuldigen.

„Schon gut, Kate, mach Dir deswegen keinen Kopf“, winkte der Autor ab, ohne auch nur eine einzige Sekunde lang darüber nachdenken zu müssen, ob er seiner Muse ihr Auftauchen aus dem Nichts verzeihen sollte oder nicht.

„Du bist bei mir jederzeit Herzlich Willkommen, ganz egal, wann auch immer Du zu mir kommen willst. Das weißt Du doch oder?“, erinnerte er sie daran, dass er immer für sie da war und sie ruhig Tag und Nacht zu ihm kommen konnte.

„Ja, das weiß ich, Rick“, gab sie zurück und schenkte ihm ein zärtliches Lächeln, das sein Herz augenblicklich erwärmte, gleichzeitig legte sie ihm ihre freie, linke Hand aufs rechte Knie, so wie sie es nach dem 3XK-Fall bereits schon einmal getan hatte.

Ihre Augen waren dabei die ganze Zeit über fest und unentwegt auf seine gerichtet, sie wandte ihren Blick keine einzige Sekunde lang von ihm ab, genauso wenig, wie er seinen von ihr, das Braun-Grün ihrer Iris traf auf das Azurblau seiner Iris, die Farben verbanden sich miteinander und verschmolzen schließlich zu einer einzigen.

Er erwiderte das Lächeln, nahm dann sein Glas Whiskey von seiner rechten Hand in die linke und legte seine nun freie Hand auf ihre, die noch immer auf seinem Knie lag, er umschloss ihre kleine, zarte Hand behutsam mit seiner großen und strich mit seinem Daumen sanft über die samtweiche Haut, die er unter seiner leicht rauen Fingern spürte.

„Also Kate, worüber möchtest Du mit mir sprechen?“, durchbrach Castle mit dieser Frage im nächsten Moment die Stille, die erneut über sie beide hereingebrochen war und in der sie nichts anderes taten, als die Nähe und die Wärme des anderen zu genießen.

Zwar gab es für ihn natürlich absolut nichts schöneres auf der Welt, als einfach so mit ihr da zu sitzen, ihre Hand in seiner zu halten und in ihre wunderschönen Augen zu blicken, aber sie war ja schließlich nicht hergekommen, damit sie gegenseitig genau ihre Augen studieren und miteinander Händchen halten konnten, sondern aus einem ganz anderen Grund.

„Erinnerst Du Dich noch, wie Du mich heute morgen gefragt hast, wie mein Date gestern Abend gelaufen ist?“, entgegnete sie zwar mit einer Gegenfrage, begann dadurch aber gleichzeitig damit das Thema anzuschneiden, wegen dem sie ihn hier aufgesucht hatte.

Sie hatte während ihrer letzten Mordermittlung einen erfolgreichen Immobilenmakler, namens Henry Michaels kennen gelernt, der ihr, sehr zu Ricks Missfallen, auf Anhieb sympathisch war und mit dem sie am gestrigen Abend eine Verabredung hatte, welche allerdings letztendlich nicht so verlaufen war, wie sie zu Anfang dachte.

„Ja“, bejahte er und nickte zustimmend mit dem Kopf, wobei er natürlich sofort, ohne jeden Zweifel wusste, dass sie nicht deswegen fragte, ob er sich noch an ihr Gespräch am Morgen erinnern konnte, weil sie dachte, er wäre vergesslich oder ähnliches.

Und obwohl er eigentlich nicht mehr über ihr Date vom Vortag wissen wollte, als er ohnehin schon von ihr erfahren hatte, weil es für ihn schwer zu ertragen sein würde, sie über einen anderen Mann reden zu hören, würde er sie dennoch keineswegs daran hindern fortzufahren, das war er ihr, als ihr bester Freund, nun mal schuldig.

Schließlich würde sie ihm ja ebenfalls zuhören, wenn er ihr von einer Verabredung mit einer anderen Frau erzählen würde, es würde ihr zwar wahrscheinlich nicht gefallen, ebenso wenig, wie es ihm gefiel, aber sie würde ihm trotzdem ihr Gehör schenken, weil sie eben nicht nur Partner, sondern auch Freunde waren, sehr enge Freunde sogar.
   
„Ich muss Dir gestehen, ich habe gelogen, als ich Dir sagte, dass das Date gut verlaufen sei“, beichtete sie ihm schließlich, dass sie ihm gegenüber zuvor unehrlich war, was ihr jetzt, im Nachhinein natürlich schrecklich leid tat.

„Hör zu, Rick. Ich möchte, dass Du weißt, dass ich es wirklich zutiefst bereue Dich heute Morgen angelogen zu haben“, ließ sie ihn auch aufrichtig wissen, dass sie natürlich nicht gerade besonders stolz darauf war, ihm mitten ins Gesicht gelogen zu haben.

„Und glaub mir, wenn ich es wieder rückgängig machen könnte, dann würde ich es sofort tun und Dir, ohne zu zögern, die Wahrheit sagen. Wirklich“, setzte sie wahrlich alles daran, ihn zweifelsfrei davon zu überzeugen, dass sie ihre Sünde bereute.

„Es ist einfach nur so, dass ich Dir heute Morgen unmöglich die Wahrheit sagen konnte. Nicht, weil ich es nicht wollte, das musst Du mir glauben. Sondern, weil…weil es mir einfach viel zu unangenehm gewesen wäre, es zu tun“, erklärte sie ihm weiter.

„Hey“, sagte er zum ersten Mal, seit Minuten wieder etwas zu ihr, zwar nahm er es ihr natürlich schon ein wenig übel, dass sie nicht ganz ehrlich zu ihm gewesen war, aber wirklich wütend war er deswegen dennoch nicht.

„Es ist schon in Ordnung, Kate, ich bin Dir nicht böse“, streichelte er, um seine Aussage noch zusätzlich zu untermauern, mit seinem Daumen erneut über ihre Hand und wunderte sich wieder einmal, wie unglaublich weich sich diese anfühlte.

Sie schenkte ihm daraufhin ein zögerliches Lächeln, um ihm zu zeigen, wie unsagbar dankbar sie ihm dafür war, dass er, wie schon so oft in der Vergangenheit, so auch dieses Mal wieder so unfassbar großherzig war, ihr ihre Lüge zu verzeihen, obwohl sie natürlich ganz genau wusste, dass dies alles andere, als eine Selbstverständlichkeit war.

„Dürfte ich Dich denn fragen, wie dein Date mit Michaels wirklich gelaufen ist?“, sollte er zwar eigentlich froh darüber sein, dass ihre Verabredung gestern Abend doch nicht so gut verlief, wie er zu wissen glaubte, aber freuen konnte er sich ja genauso gut auch noch später.

„Zunächst lief es gut, ziemlich gut sogar. Er war aufmerksam und witzig und hat mir immer wieder gesagt, wie wunderschön und attraktiv ich bin“, wollte sie ihren Fehler vom Morgen wieder ausmerzen und ihm diesmal nichts anderes, als die reine Wahrheit sagen.

„Nach dem Essen beschlossen wir noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Aber kaum hatten wir das Restaurant verlassen, schien es so, als wäre bei ihm irgendein Schalter umgelegt worden“, fuhr sie mit ihrer Erzählung fort.

„Er gab pausenlos anzügliche Bemerkungen von sich, die mit jeder Minute, die verging, auch immer unverschämter und widerlicher wurden“, musste der Writer hierbei zwar schwer schlucken, hörte ihr aber natürlich weiter aufmerksam zu.
   
„Bis ich irgendwann schließlich genug davon hatte und ihn darum bat, mich nach Hause zu bringen. Aber er schien meine Bitte so zu interpretieren, dass ich auf seine ekelhaften Macho-Sprünge anspringen und mit ihm ins Bett gehen wollen würde.“

Sie pausierte kurz, woraufhin er behutsam ihre Hand drückte, um ihr zu signalisieren, dass er für sie da war und ihr auch weiterhin sein Gehör schenken würde, ganz egal, was auch immer sie ihm als nächstes erzählen würde, denn er spürte instinktiv, dass das, was jetzt kommen würde, im Vergleich zu dem, was sie ihm bislang berichtet hatte, noch harmlos war.

„Michaels meinte daraufhin nämlich zu mir, dass der Abend doch noch viel zu jung wäre, um ihn jetzt schon zu beenden und das wir das Geld, das wir fürs Taxi ausgeben würden, doch auch besser in ein Hotelzimmer investieren sollten“, sprach sie schließlich weiter.

„Und als ob das nicht schon genug wäre, zog er mich, noch bevor ich mich versah an sich, presste mich fest an sich und legte seine Hände auf meinen Hintern“, erschauderte Kate, als diese Erinnerung noch einmal, wie ein Film, vor ihrem inneren Auge ablief.

Rick hingegen musste sich derweil schwer zusammen reißen, um die Wut, die er auf dieses Dreckschwein Henry Michaels hatte und die langsam, aber stetig in ihm aufstieg, bestmöglich unter Kontrolle zu halten und er schwor sich, dass, wenn ihm dieser Mistkerl noch einmal begegnen würde, dieser dann sein blaues Wunder erleben würde.

„Ich habe mir das natürlich nicht von ihm gefallen lassen und ihm, noch bevor er überhaupt wusste, wie ihm geschah, mein Knie ins Gemächt gerammt“, berichtete sie ihm, auf welche Weise sie sich gegen die dreiste Grabscherei des Immobilienmaklers zur Wehr gesetzt hatte.

„Anschließend habe ich ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er ein widerliches Schwein ist und das er es bloß nicht wagen sollte, mir noch einmal unter die Augen zu treten. Und das er froh sein kann, wenn ich ihn nicht wegen sexueller Belästigung anzeige.

Dann bin ich ihn stehen lassen, bin zum nächsten Taxistand gegangen und von da aus geradewegs nach Hause gefahren“, beendete sie mit diesen Worten schließlich ihre Erzählung und atmete tief durch, um ihre Gedanken, sowie ihre Gefühle zu sortieren.

„Bist Du in Ordnung? Hat er Dich irgendwie verletzt?“, fragte er sie sowohl sichtlich, als auch hörbar besorgt und schaute sie von oben, bis unten an, obwohl er, da sie vollständig bekleidet war, natürlich keine Verletzungen, insofern überhaupt welche da waren, sehen konnte.

Er hatte zwar einige Fragen an sie, unter anderem würde er gerne von ihr wissen wollen, warum sie, anstatt Michaels nur ins Allerheiligste zu treten, ihm nicht stattdessen sämtliche Finger gebrochen oder ihn am besten, noch gleich vor Ort von ihren Kollegen hatte verhaften lassen, aber so groß seine Neugier auf war, ihr Wohlergehen ging definitiv vor.

„Nein, ich bin nicht verletzt, mir geht es soweit gut“, antwortete sie ihm geschwind, um dafür zu sorgen, dass seine Besorgnis um sie so schnell und gut wie möglich eingedämmt wurde und sich damit in gewissen Grenzen hielt.

Denn wenn sie eines nur allzu gut wusste, dann, dass seine Sorge um die Menschen in seinem Leben, die ihm wichtig waren und die ihm etwas bedeuteten, praktisch grenzenlos war und sie hatte im Laufe der Zeit festgestellt, dass er sie, in Sachen Fürsorge, zusammen mit seiner Mutter und seiner Tochter auf ein und dieselbe Stufe stellte.

„Ich bin nur ein wenig beschämt, das ist alles“, meinte die Brünette als Nächstes und sorgte damit für mächtig Verwirrung bei ihrem Gesprächspartner, der sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, weshalb sie beschämt war, nicht einmal im geringsten.

„Beschämt? Wieso bist Du denn beschämt, wenn ich Dich das fragen darf?“, wollte er von ihr natürlich ganz gerne den Grund erfahren, warum sie so empfand, obwohl ja wohl eher Henry Michaels derjenige war, der sich wegen dem, was passiert war, beschämt fühlen sollte.

Wobei das Wort „beschämt“, seiner Ansicht nach, ein noch viel zu milder Ausdruck für das war, was dieser Immobilienheini sich kackdreistes geleistet hatte, wenn er jemals eine Frau so behandeln würde, wie Michaels es gestern Abend mit Beckett getan hatte, dann würde er danach niemals wieder in einen Spiegel schauen können.
   
„Ich fühle mich deswegen beschämt, weil ich so unfassbar dumm war, auf diesen ekelhaften Drecksack herein zu fallen“, erklärte sie ihm schließlich, warum sie sich auf gut Deutsch vorkam, wie die letzte Vollidiotin.
   
„Ich meine, ich bin schließlich eine erfahrene Polizistin. Ein leitender Detektive des Morddezernats, um genau zu sein. Ich hätte doch von vorne rein merken müssen, dass Michaels nur einen auf lieb und nett machte“, führte sie weiter aus.

„Aber stattdessen bin ich auf seine billige „Ich bin ein netter Typ-Masche“ hereingefallen und wurde dafür bestraft. Gott, bin ich eine dumme Kuh“, konnte sie noch immer nicht fassen, wie sie nur so unglaublich blind und blöd sein konnte.

„Nein Kate, Du warst nicht dumm. Keinesfalls. Du hast zwar einen Fehler gemacht, aber Du warst dennoch nicht dumm“, widersprach er ihr prompt, weil er natürlich ganz genau wusste, dass sie nicht dumm war und es auch niemals sein würde.

Ganz im Gegenteil, sie war sogar eine der cleversten Frauen, die er jemals in seinem Leben getroffen hatte und besonders ihre Intelligenz war eine der Gründe, warum er sich so sehr in sie verliebt hatte und gerade deswegen wollte er auf gar keinen Fall, dass sie sich selbst für etwas bestrafte, wofür sie in keinster Weise verantwortlich war.

Also beschloss er alles in seiner Macht stehende zu tun, um sie jetzt und hier davon zu überzeugen, dass sie alles andere als dumm war und zwar so, dass am Ende nicht einmal das kleinste Körnchen Zweifel bei ihr übrig bleiben würde oder er würde nicht mehr länger Richard Alexander Edgar Rodgers Castle heißen wollen.

„Ja, es stimmt, dass Du eine sehr erfahrene Polizistin und noch dazu ein leitender Detektive der Mordkommission bist“, stimmte er ihr bei der Umsetzung seines Vorhabens, aber zunächst einmal in dem Punkt zu, den sie bereits vorgebracht hatte.
   
„Wenn sich jemand für das, was gestern Abend geschehen ist, schuldig fühlen sollte, dann dieser verdammte Henry Michaels und nicht Du“, fuhr er mit ruhiger, einfühlsamer Stimme fort und streichelte derweil mit seiner rechten Hand beruhigend über ihre linke.

„Und ich kann Dir versichern, dass Du weder dumm, noch blind warst, als Du Dich dazu entschlossen hast, Dich mit Michaels zu verabreden“, konnte sie anhand des Ausdrucks in seinen tiefblauen Augen zweifelsfrei erkennen, dass er ihr die Wahrheit sagte.

„Es war, jetzt im Nachhinein gesehen, vielleicht nicht besonders klug von Dir, mit ihm aus zu gehen. Aber Du konntest ja unmöglich schon vorher wissen, was für ein mieses Schwein der Kerl ist“, sprach er unbeirrt weiter.

„Aber das ändert nichts daran, dass Du, trotz allem, rein menschlich gehandelt hast, als Du beschlossen hast, Michaels besser kennen zu lernen. Schließlich bist Du in erster Linie auch nur eine Frau, wie jede andere, mit gewissen Bedürfnissen.

„Somit brauchst Du Dir, wegen der Geschichte, auch keinerlei Vorwürfe zu machen. Zumal auch sonst niemand, den ich kenne, Dir einen Strick daraus drehen würde, dass Du auf die Maskerade dieses Immobilienhai hereingefallen bist.

„Und ich tue es erst recht nicht“, schloss er hiermit seine Ansprache ab, mit der er, wie bereits erwähnt, wirklich inständig hoffte, sie hundertprozentig davon überzeugen zu können, dass sie absolut nichts getan hatte, wofür sie sich selbst irgendwie bestrafen müsste.

Erneut vergingen Minuten der völligen Stille, in denen sie einander weiter tief in die Augen sahen, während auch ihre Hände weiterhin sanft und fest zugleich miteinander verbunden waren, sie nutzte die Zeit, um die Worte zu verinnerlichen, die er so eben zu ihr gesagt hatte und er hingegen wartete darauf, dass sie irgendetwas zu ihm sagte.

„Vielen Dank, Rick“, sollte er auch nicht sehr lange darauf warten müssen, bis etwas von ihr zurückkam, wobei es ihn natürlich ganz besonders freute, dass ihre Reaktion, neben einer Danksagung, auch aus einem zärtlichen Lächeln bestand.

„Wofür?“, wusste er zwar selbstverständlich ganz genau, wofür genau sie sich bei ihm bedankte, aber er wollte es trotzdem gerne noch einmal von ihr selbst hören, aus ihrem Mund, von ihren vollen, rosigen Lippen, die er bereits schon mal hatte küssen dürfen.

„Dafür, dass Du für mich da warst und mir zugehört hast“, war ihr natürlich vollkommen klar, dass er den Grund für ihre Danksagung kannte, aber sie tat ihm dennoch liebend gerne den Gefallen, es ihn noch einmal laut hören zu lassen.

Zumal er in keinster Weise dazu verpflichtet gewesen war, sie als sein Gast zu akzeptieren und ihr sein Ohr zu leihen, da sie ja schließlich völlig unangemeldet hier bei ihm aufgetaucht war, aber wenn sie ganz ehrlich war, dann hatte sie von vorne rein gewusst, dass er sie nicht wieder fortschicken würde, denn das wäre einfach nicht seine Art.

„Immer Kate“, entgegnete er daraufhin und schenkte ihr, zusätzlich zu der verbalen Zusicherung, dass er den Freundschaftsdienst, den er ihr heute Abend erwiesen hatte, jederzeit liebend gerne, ohne zu zögern, wiederholen würde, ein sanftes Lächeln.
   
Sie lächelte unverzüglich zurück und bettete ihren Kopf dann an seine breite, feste, zugleich aber auch weiche und bequeme Schulter, er erwiderte diese Geste, indem er seine Nase in ihrer dunkelbraunen Mähne vergrub, die wie immer herrlich verführerisch nach reifen, frischen Kirschen duftete und seine Sinne binnen Sekunden vernebelte.

Und während die beiden, zum wiederholten Male in absoluter Stille, so da saßen, war Beckett, wie schon so oft in der Vergangenheit, so auch in diesem Moment unsagbar froh und glücklich darüber einen so herzensguten, fürsorglichen, verständnisvollen und einfach nur wundervollen Mann, wie Castle an ihrer Seite zu haben.

Henry Michaels mag ein widerliches Dreckschwein sein, der zu glauben schien, keine Frau auf der Welt könne ihm widerstehen, aber Rick war das definitiv nicht, er war es nie und würde es auch niemals sein, im Gegenteil, er war ein vollendeter Gentleman, der alle Frauen stets mit dem allergrößten Respekt behandelte.

Und für eben genau diese Tatsache würde sie auch auf ewig dankbar sein.

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Tja und hiermit hätten wir dann auch schon das Ende dieses Oneshots erreicht, meinen Ersten seit einigen Wochen, in den ich wirklich sehr viel Mühe gesteckt habe und von dem ich dementsprechend natürlich auch hoffe, dass er euch gefallen hat.

Ich entschuldige mich jetzt vorab schon mal vielmals bei euch, falls dieser Einteiler, in Sachen Qualität, nicht so ganz an meine Arbeiten aus der Vergangenheit heranreichen sollte, aber ich bin leider ein wenig eingerostet und muss mich erst wieder einpendeln.

Trotzdem freue ich mich natürlich schon riesig auf eure, hoffentlich, zahlreichen Feedbacks, wobei mir, wie immer, so auch diesmal wieder völlig schnuppe ist, ob diese nun positiv oder negativ ausfallen, Hauptsache es sind möglichst viele.

Ich wünsche euch allen zusammen selbstverständlich alles Gute, vor allem natürlich Gesundheit, bis zum nächsten Mal dann, euer Ahadi.
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