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Hexenjagd

GeschichteFantasy, Erotik / P18 / Gen
OC (Own Character)
23.01.2021
22.03.2021
7
22.382
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23.01.2021 2.769
 
Es schneit noch immer, als sie endlich am Landsitz der Baroness ankommen. Auf den schmiede­eisernen Blättern und Blumen des hohen Eingangsportals thronen kleine Schneegipfel. Sie rieseln lautlos herab, als die Herrin das Tor schwungvoll öffnet. Der Wind wirbelt die Flocken wild vor ihnen her über den breiten, frisch geräumten Kiespfad, der sich durch den Schnee zum Anwesen der von Lichtentanns einen Weg bahnt. Die vormals roten Dachziegeln des großen Herrenhauses erstrahlen in kaltem Weiß. Glitzernde Eisblumen wachsen auf den Fensterscheiben.

Das Gesinde ist damit beschäftigt, das Anwesen von der Last des Schnees zu befreien. Ein junger Knecht ist gerade im Begriff, ein gesatteltes Pferd durch das Schneetreiben an ihnen vorbei in Richtung der Stallungen zu führen. Das Fell des Rappen dampft in der Kälte. Die Baroness winkt den Jungen ungeduldig heran.

„Kümmert Euch gut um das Pferd, Bursche", befiehlt die Herrin kurz angebunden. „Seine Eminenz reist heute wieder ab. Sorgt dafür, dass sein Tier für die Abreise bereit ist."

„Natürlich, Baroness", der Junge verbeugt sich und wirft Elara heimlich einen fragenden Blick zu.

Doch Elara bemerkt es nicht. Ihre Aufmerksamkeit wird von der goldenen Sonne gefesselt, die auf der Satteldecke des Pferdes prangt. Gedankenverloren streckt sie eine Hand nach der Stickerei aus.

„Komm weiter, Elara!" Elara zuckt zusammen. Die Herrin eilt auf dem Kiesweg der Haupttreppe entgegen. Atemlos versucht sie, mit ihr Schritt zu halten. Die Meisterin hat auf dem Rückweg nicht viele Worte verloren. Wahrscheinlich, denkt Elara, ist sie immer noch zornig, weil ich so dumm war.

Das Hausmädchen empfängt die Frauen, als sie in den hell erleuchteten Eingangsbereich treten. Wärme und der Duft nach frisch gebackenen Plätzchen umfängt sie.

„Euer Hochgeboren, schön, dass Ihr wieder hier seid", begrüßt das Mädchen die Baroness höflich, während sie die feuchten Umhänge entgegennimmt. „Seine Eminenz, der Hochinquisitor, ist eingetroffen und erwartet Euch. Außerdem ist eine Nachricht des Barons angekommen. Euer Gemahl lässt ausrichten, dass er wie gewünscht erst einen Tag vor der Feierlichkeit anreist."

„Sehr gut."

Hochinquisitor? Elara starrt die Herrin mit weit aufgerissenen Augen an.

„Auf den Besuch seiner Eminenz war ich nicht vorbereitet, Baroness", sagt die Dienerin entschuldigend. „Soll ich ihm ein Zimmer...?"

„Nein, auf gar keinen Fall!", unterbricht die Herrin das Mädchen barsch. „Seine Eminenz reist heute noch ab."

Die Dienerin ist bei den ungewohnt harten Worten der Baroness nervös geworden. „Sehr wohl, Euer Hochgeboren!" Ihr Blick flackert zu Elara hinüber, der alle Farbe aus dem Gesicht gewichen ist.

„Wo ist seine Eminenz jetzt? Im Empfangsraum?"

„Ja, Baroness." Die Dienerin deutet den Flur hinunter. „Er hat bereits nach Euch gefragt."

„Bringt ihn in die Wohnküche und setzt ein Feuer für das Teewasser auf. Sagt ihm, ich werde in wenigen Augenblicken da sein."

Das Mädchen nickt: „Wie Ihr wünscht, Euer Hochgeboren!"

„Und, Marthe", die Baroness hebt mahnend ihren Zeigefinger, „ich möchte von niemandem gestört werden. Unter keinen Umständen! Ist das klar? Die Räumlichkeiten sind für das Gesinde tabu!"

„Selbst-selbstverständlich", stottert die Dienerin und verabschiedet sich.

„Gut", die Meisterin strafft ihre Schultern und wendet sich ihrem jungen Schützling zu. „Elara, was machst du noch hier? Geh auf dein Zimmer. "

Elara schluckt. „Aber, Herrin. Kann ich denn nicht irgendetwas tun?", fragt sie mit banger Stimme. „Ich möchte nicht, dass Ihr wegen mir in Schwierigkeit kommt."

„Du musst Dir keine Sorgen machen, Elara", lächelt die Herrin. „Der Hochinquisitor ist nicht Euretwegen hier. Ich werde die Dinge mit ihm regeln. Und jetzt sei ein braves Mädchen und komm erst wieder hinunter, wenn ich dich rufe."

Elara nickt und steigt mit einem unguten Gefühl die Stufen zu ihrem Zimmer herauf. Oben angekommen, dreht sie sich um. Die Herrin steht immer noch im Flur und blickt ihr nach. Das Lächeln auf ihrem Gesicht ist erloschen.

Nachdem ihre Schülerin sicher in ihrem Zimmer angekommen ist, macht sich die Baroness auf den Weg zu ihren eigenen Räumlichkeiten.

Er hätte Elara niemals zu Gesicht bekommen dürfen! Wenn dem Mädchen Leid geschieht, ist das allein ihre Schuld.

Hastig tauscht sie ihre kalte, klamme Gewandung gegen eine dem Anlass entsprechende Garderobe aus grünem Samt. Sie bürstet sich in aller Eile die kupferroten Haare, die Wind und Schnee durcheinandergebracht haben. Zum Schluss legt sie ihren Schmuck an.

Was will er noch von ihr? Sie hat sich an ihren Teil der Abmachung gehalten. Sie hat die anderen Hexen brennen sehen. Dennoch hat sie nicht den leisesten Zweifel daran, dass es in seiner Macht stünde, ihr das gleiche Schicksal widerfahren zu lassen, wann immer ihm der Sinn danach steht.

Die Baroness atmet tief durch und überprüft vor dem Verlassen des Zimmers ihr Erscheinungsbild im Spiegel. Eine stolze und schöne Frau blickt ihr entgegen. Alle Zeichen von Nervosität und Anspannung sind aus ihren Gesichtszügen verschwunden. Sie zaubert sich ein souveränes Lächeln auf die Lippen.

Nachdem sie sichergestellt hat, dass keiner aus der Dienerschaft mehr im Flügel anwesend ist, öffnet sie die Tür zur Wohnküche und verschließt sie hinter sich. Es riecht nach frisch angezündetem Kaminholz, Zimt und getrockneten Kräutern. Ihr Besuch steht mit hinter dem Rücken gefalteten Händen am Fenster und schaut hinaus in den immer heftiger werdenden Schneefall. Als sie eintritt, dreht er sich um. Er hat den Mantel abgelegt, trägt aber immer noch sein Rüst- und Lederzeug.

Gut!, denkt sie. Er rechnet nicht mit einem längeren Aufenthalt.

Wortlos geht sie an ihm vorbei und stellt sie sich an die Arbeitsfläche. Sie spürt seinen Blick in ihrem Rücken. Sie greift nach getrockneten Blättern, die an einem der dunklen Holzbalken vor ihr herabhängen. Sie stellt eine Auswahl zusammen und verliest die Blätter sorgfältig in eine große weiße Kanne. Mit dem kochenden Wasser aus dem kupfernen Kessel gießt sie den Tee auf. Sie entzündet ein Teelicht für das Stövchen und stellt es zusammen mit der Kanne auf den Eichentisch, der in der Mitte des Raumes steht. Schließlich holt sie zwei Tassen aus dem Schrank und setzt sich. Sie mustert ihren Gast, der noch immer am Fenster steht und ihre Handgriffe schweigend beobachtet. Er sieht wie immer unerfreulich gut aus und so entspannt, dass es ihr ein Ärgernis ist – als wäre er nur zu einem netten Plauderstündchen bei ihr vorbeigeschneit. Nun tritt er heran und nimmt einen Stuhl, um sich ihr gegenüber an den Tisch zu setzen.

„Ein Besuch Eurer Frau wäre mir lieber gewesen", sagt sie und wirft einen prüfenden Blick auf den ziehenden Tee. „Die Prinzessin ist eine wesentlich angenehmere Gesellschaft."

„Da bin ich voll und ganz Eurer Meinung", entgegnet er.

Dampf steigt aus der Teekanne auf. Schweigend sitzen sie einander gegenüber. Endlich nimmt sie das Sieb mit dem Teesatz aus der Kanne und stellt es auf eine Untertasse. Sie schenkt den heißen Tee in beide Tassen. Dann reicht sie ihm eines der nach Minze und Thymian duftenden Gefäße.

„Ihr könnt unbesorgt kosten. Es ist nur Kräutertee", sagt sie lächelnd. „Wenn ich wollte, hätte ich Euch schon lange vergiftet."

Er nimmt einen Schluck und erwidert ihr Lächeln: „Und wenn ich wollte, könnte ich Euch für diese Impertinenz die Zunge herausschneiden lassen."

„Möchtet Ihr Zucker in Euren Tee?"

Er greift in die Innentasche seiner Gewandung, holt ein gefaltetes Pergament hervor und schiebt es über die Tischplatte zu ihr herüber.

Sie zieht eine Augenbraue in die Höhe: „Was ist das?"

„Lest!", gebietet er.

Kritisch betrachtet sie das Papier, bevor sie es in die Hand nimmt. Mit spitzen Fingern entfaltet sie es. Hässliche braune Flecken besprenkeln die weiße Oberfläche.

„In ruinam ordinem", erschrocken von den Worten schaut sie zu ihm auf. „Untergang der Ordnung - Das ist..., das ist eine der Losungen des siebten Zirkels. Soll das ein Scherz sein?"

„Sagt IHR es mir, Leonore!", entgegnet er ernst.

Sie sieht ihn fassungslos an: „Ihr glaubt doch nicht etwa, dass ich etwas damit zu tun habe?" Ihr Herzschlag setzt für einen Moment aus. „Haltet Ihr mich wirklich für so töricht? Nach allem, was ich aufs Spiel gesetzt habe?"

Er mustert sie lange und eingehend, bevor er antwortet: „Ich glaube Euch."

Sie atmet auf.

„Dreht das Papier um", bestimmt er. „Sagt Euch das Datum auf der Rückseite etwas?"

Sie kommt seiner Aufforderung nach und runzelt nachdenklich die Stirn. „An diesem Tag richte ich eine Feierlichkeit aus. Zur Wintersonnenwende. Doch das..."

Abermals schiebt er ein Schriftstück – dieses Mal eine Einladungskarte in einem Umschlag aus feinem roséfarbenen Seidenpapier – über den Tisch: „Diese Feierlichkeit vielleicht?"

Sie greift nach dem Umschlag und atmet laut hörbar ein. „Woher habt Ihr diese Einladung?", fragt sie empört. „Das waren private Schreiben! Wie konntet Ihr..."

„Spielt das wirklich eine Rolle?", unterbricht er sie. „Die einzige Frage, die sich mir angesichts der vorliegenden Fakten stellt, ist diese: Habt Ihr mir wirklich alle Namen genannt?" Durchdringend blickt er sie an. „Oder ist Euch vielleicht einer entfallen. Angesichts der Umstände wäre es schließlich nicht verwerflich."

„Nein", stellt sie entschieden fest. „Ich habe niemanden vergessen. Alle Frauen, die ich gesehen habe, habt Ihr auf dem Vorplatz des Lichttempels zu einem Häuflein Asche verbrennen lassen."

„Dann habt Ihr nicht alle zu Gesicht bekommen."

„Wie meint Ihr das?" Sie spürt, wie sich Unruhe in ihr breit macht.

„Dass ihr jemanden übersehen habt."

„Ihr glaubt, es sind noch Hexen des Zirkels am Leben?", sie schüttelt ungläubig den Kopf. „Nein, das kann nicht sein. Ich war sorgfältig. Außerdem wurde jede einzelne durch die Inquisition verhört, bevor..."

„Ein Verhör muss nicht immer zwingend die ganze Wahrheit hervorbringen."

Ihr Herz sinkt. „Vielleicht ist das Papier nicht authentisch. Eine Fälschung. Ein Scherz. Wie seid Ihr überhaupt in seinen Besitz gekommen?"

Er sieht sie nachdenklich an, als müsse er erst abwägen, wie viel er ihr verraten soll. „Wir haben einige der toten Briefkästen, über den sich die Mitglieder des Zirkels Nachrichten geschickt haben, im Auge behalten", sagt er schließlich. „Und vor einigen Tagen tauchte dieses Papier auf."

„Was ist mit dem Datum der Feier?", fragt sie und knetet nervös ihre Finger. „Am Tag der Wintersonnenwende werden viele Feierlichkeiten begangen. Mit meiner Person muss dies nicht unbedingt zusammenhängen. Es könnte reiner Zufall sein."

„Ich glaube nicht an Zufälle, Baroness.", sagt er entschieden. Nach einer kurzen Pause fährt er fort: „Trotzdem schlage ich vor, dass Ihr Eure Feier stattfinden lasst. Ich werde die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen treffen und selbst anwesend sein, dann könnt Ihr..."

„Ach, ich soll also Euren Lockvogel spielen?!" unterbricht sie ihn entrüstet. „Seid Ihr deswegen hier?" Sie schüttelt den Kopf. „Ich muss schon sagen: endlich eine nette Abwechslung."

„Eigentlich bin ich in erster Linie hier, weil ich um Euer Wohlergehen besorgt bin."

Sie lacht laut und freudlos auf: „Und ich habe mich schon gefragt, wann Ihr endlich Euren Humor wiederfindet! Erfrischend, Eure Eminenz. Einfach erfrischend. Um mein Wohlergehen ist es Euch doch wahrlich nie gegangen. Ich werde mich nicht noch einmal Eurem Diktat beugen!" bestimmt sie nachdrücklich.

Er sieht schweigend zu, wie sie bei ihren Worten langsam aufsteht, auf ihn zugeht, und sich mit zornig blitzenden Augen vor ihm aufbaut.

„Ich habe alles getan, was Ihr im Namen Eures Gottes von mir verlangt habt. Ihr habt mich von meinen Sünden freigesprochen, Ihr habt mir Absolution erteilt. Ich bin frei. Ihr und Euer Gott habt keine Gewalt mehr über mich."

„Ihr irrt Euch, Baroness" sagt er und steht nun seinerseits auf. „Außerdem muss ich Euch warnen: Ihr bewegt Euch auf sehr dünnem Eis. Statt ketzerisch daherzureden, solltet Ihr Euch besser demütig zeigen."

Sie schnaubt verächtlich, in ihrem Magen pulsiert es: „Demut?"

Seine Gesichtszüge verhärten sich: „Ihr solltet mir auf Knien dafür danken, Baroness, dass Ihr trotz Eures Frevels gegen den Götterfürsten nicht nur Euer Leben, sondern auch Euren Titel und alle damit verbundenen Privilegien behalten durftet."

„Dankbarkeit", zischt sie feindselig und vergräbt die Fingernägel in ihre Handballen. „Für was? Dafür, dass Ihr mich zum Verrat an meiner Schwesternschaft gezwungen habt?"

„Wer Praios' Gesetz zuwiderhandelt, muss bereit sein, die vollen Konsequenzen seines Tuns zu tragen", antwortet er kalt. „Und was Euch betrifft, Baroness", er sieht sie eindringlich ein, bevor er weiterspricht, „habe ich mehr Gnade als Recht walten lassen."

„Hören die Priester des Lichts sich eigentlich selber reden?", fragt sie mit offenem Spott in der Stimme. Er hebt warnend eine Hand, doch sie ignoriert es. „Ihr seid so selbstgerecht, dass einem übel werden könnte."

Er ergreift ihren Arm und beugt sich zu ihrem Ohr. „Ihr solltet sehr vorsichtig mit dem sein, was Ihr zu mir sagt, Baroness", flüstert er. „Sonst sitzt Ihr schneller wieder in einem Verhörraum der heiligen Inquisition, als Ihr Levthans Feuer sagen könnt."

Die Wut brodelt in ihr. Wild, rot und glühend. Sie stößt einen unartikulierten Schimpflaut aus, nimmt sich eine der Teetassen vom Tisch und schüttet ihm die Flüssigkeit mitten ins Gesicht.

Mit Genugtuung beobachtet sie, wie sich auf seiner sonst so undurchdringlichen Miene Verblüffung breit macht. Wasser tropft aus seinen dunklen Haaren, rinnt über sein Gesicht, fließt in seinen Kragen und hinterlässt unschöne Flecken auf seiner Gewandung. „Schade", stellt sie bedauernd fest, „nur noch lauwarm!"

Sie ist schon im Begriff, sich die nächste Tasse zu nehmen, da ergreift er schmerzhaft ihr Handgelenk, zieht sie vom Tisch weg und dreht sie zu sich. Sie funkelt ihn an, krallt die Fingernägel ihrer freien Hand in seinen Arm und reißt sich los. Sie taumelt zurück und stößt gegen die Tischkante. Porzellan klappert. Ein Schwall heißen Tees ergießt sich aus der Kanne.

Jetzt ist die zweite Tasse wieder in ihrer Reichweite. Sie nimmt das volle Gefäß und schleudert es ihm entgegen.

Er dreht sich zur Seite. Das Porzellan zerschellt klirrend hinter ihm. Der Hochinquisitor mustert sie. Seine Augen sind dunkel. „Seid Ihr sicher, dass Ihr mit dem Feuer spielen wollt, Baroness?"

Lächelnd zieht sie die Teekanne vom Stövchen und gibt zuerst dem Untersatz einen kleinen Schubs, sodass er mit dumpfem Gepolter auf dem Boden zu Bruch geht. Das Teelicht kullert an ihm vorbei und bleibt flackernd hinter ihm liegen.

„Wagt es nicht...!", ruft er und will einen Schritt auf sie zumachen. Doch da hat sie die Teekanne bereits geworfen. Tee ergießt sich über seine Brust. Laut krachend zerspringt das Geschirr direkt vor ihm auf den Kacheln. Wasser überschwemmt den Boden. Er flucht.

„Oh, nein, Eure Eminenz, hoffentlich habt Ihr Euch nicht wehgetan. Und seht nur: Euer edler Zwirn!", säuselt sie. „Wie ungeschickt von mir! Hoffentlich ist er nicht ruiniert." Sie zieht sich rücklings auf die Tischkante und sieht ihn herausfordernd an. Ihre Unterwäsche fühlt sich feucht an. Ist das Tee?

Er kommt auf sie zu. Scherben knirschen unter seinen Schritten. Er greift ihr in die Haare, biegt ihren Nacken nach hinten und zwingt sie, ihn anzusehen.

Mit den Fingern streicht er langsam ihre Kehle entlang und für einen Moment ruht seine Hand auf ihrem Hals. Sie fühlt ihren Herzschlag gegen seine Haut pochen, dann gibt er sie frei. Sie lässt sich vor ihm auf die Tischplatte sinken.

„Ihr seid ein kleines Miststück!"

„Danke für das Kompliment", stößt sie hervor.

Sie spreizt die Beine auseinander. Mit einer Hand hält er sie an Ort und Stelle fest, mit der anderen reist er ihr Bluse und Mieder auf. Sie hört die kleinen Perlmuttknöpfe klackernd neben sich über das Holz springen. Schließlich richtet er sich auf und betrachtet sie, während er die Schnalle an seinem Gürtel löst. Sie schiebt Ihr Höschen zur Seite.

Als er ihrer Einladung folgt, stöhnt sie so laut auf, dass er ihr seine Hand auf den Mund drückt. Sie verdreht die Augen, klammert sich abwechselnd an ihn und an die Tischkante. „Was?", fragt er mit rauer Stimme, als sie irgendwann etwas Unverständliches in seine Finger murmelt. Der Druck seiner Hand auf ihren Mund lässt nach. Sie beißt sich auf die Lippe. „Ihr sollt sie haben...", seufzt sie, „...Eure Feier." Seine Hand wandert unter ihren Rock und da explodiert alle Anspannung wie das Teegeschirr in tausend Teile. Er lässt sie schreien, bis sie still ist. Schwer atmend und ein wenig überrascht sieht sie zu ihm auf.

Er beugt sich zu ihr herunter. „Nachdem wir dies nun also zu unserer beiden Zufriedenheit geklärt hätten", sagt er und streicht eine verschwitzte Haarsträhne aus ihrer Stirn, „schlage ich vor, dass wir versuchen, uns noch einmal vernünftig zu unterhalten."

Sie erkundet sein Gesicht mit ihren Fingern. Dann legt sie ihren Kopf auf die Seite und lässt ihren Blick vom Tisch aus über das Chaos in ihrer Küche wandern. „Etwas anderes bleibt mir wohl nicht übrig."
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