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Back- Room

KurzgeschichteHorror / P12 / Gen
23.01.2021
23.01.2021
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Die Sterne funkelten hell über dem Himmel Nevadas. Es war kühl, dafür waren die Nächte hier draußen bekannt. Doch der Blick auf das Firmament entschädigte alles. Fernab von jeglicher Leuchtreklame der gigantischen Städte schienen die Sterne noch zehn Mal heller zu strahlen.

Ray hatte eine Decke auf die Motorhaube seines gebrauchten Peugeot gelegt. Während er die Sterne betrachtete, rauchte er in aller Ruhe einen Joint. Hier erwischte ihn niemand dabei.

Sich der Stille voll und ganz hingebend schweiften seine Gedanken ab. Die weite Landschaft faszinierte den jungen Rebellen immer wieder.

Er schaute auf seine Uhr, seine Familie erwartete ihn erst in den Nachmittagsstunden. Bis dahin sollte er sämtliche Spuren beseitigt haben, die ihn eventuell verraten könnten.

Und sowieso glich sein Auto gerade mehr einer Siffkiste als einem Vorzeigeobjekt. Der Wüstenstaub machte sich bemerkbar.

Eigentlich hasste er diesen Zustand, doch die Aussicht gepaart mit der Einsamkeit ließen ihn gerne darüber hinweg sehen.

Nichts desto Trotz musste er mit seinem Auto in die Waschstraße, denn ausgerechnet an diesem Wochenende hatte Gabriel sie bei einem Besuch zu Tante Rosa in Los Angeles angekündigt. Gott, wie Ray diese Besuche hasste. Es war jedes Mal das gleiche. Dieses schöne heile Welt getue, Ray war jedes Mal froh wenn er diese Besuche hinter sich hatte.

Ob er einmal absichtlich mit einer versifften Karre vorfahren sollte?

Zu verlockend war der Gedanke. Der junge Rebell schnippte den Joint weg, der Wüstensand würde ihn bald unter sich begraben.

Er rutschte von seiner Motorhaube, und faltete die Decke zusammen, bevor er diese im Kofferraum verstaute.

Dann setzte er sich hinter sein Steuer, und lies die Zündung an.

Gemächlich fuhr er durch den Wüstensand, hier und da legte er noch ein paar Drifts hin. Der Sand peitschte hoch. Irgendwann würde er genügend Geld zusammen bekommen für die Ralley Dakahr, das nahm er sich fest vor.


Während er seinen Weg fortsetzte, tauchte vor ihm ein Gebilde auf. Ray beschloss darauf zu zu steuern, eigentlich wusste er dass diese Idee ziemlich bescheuert war, doch die Neugier siegte am Ende über die Vernunft.

Als er näher kam, erkannte er das es sich um eine Waschstraße handelte.

“Jackpot.”, stellte Ray grinsend fest. Während er sich die Frage stellte wer auf die Idee kam hier eine Waschanlage hin zu bauen.

Der junge Pilot steuerte seinen Wagen direkt darauf zu. Es schien sich um eine Selbstbedienungs Anlage zu handeln, denn weit und breit war kein Kassierer Häuschen zu entdecken. Die Auswahl hatte definitiv auch schon bessere Tage gesehen doch was sollte er bei solchen Witterungen auch erwarten?

Er drückte den letzten grünen Knopf, meistens waren dies die extra Sauber und Pflege Specials. Nur das Beste für Tante Rosa.

Er zahlte die paar viertel Dollar, da begannen die Bürsten bereits zu rotieren.

Wasser spritzte aus den Düsen auf sein Auto, und die Bürsten kamen immer näher. Es war alles ganz normal. Sein Peugeot wurde eingeseift, abgespült und gebürstet. Als der Prozess seinem Ende entgegen kam, erwartete den jungen Rebell jedoch nicht die gewohnte Ausfahrt, sondern eine Stahltür. Verblüfft starrte Ray diese an, doch in diesem Moment machte es auch einen Sinn. Die Innenreinigung war schließlich auch Kontraproduktiv in einer Wüste. Die Stahltüren öffneten sich, und Ray fuhr hindurch. Er hörte noch wie sich die Tür schloss und er sich in einer riesigen Halle befand. Ray stieg aus und er sah sich um. An einer Ecke befand sich ein Schrauberwagen, was das Herz des Autofans höher schlagen lies. Eine Werkstatt zum selber schrauben, wie geil war das bitte?

Er lief zum Schrauberwagen hin und kramte nach Werkzeug.

Da vernahm er ein leises Stöhnen. Sofort blickte er auf, und nun bemerkte er einen Durchgang an der Wand.

Sofort legte er den Schraubendreher hin, und er trat durch den Durchgang. Hinter ihm kamen ein langer Gang und mehrere Abzweigungen zum Vorschein, und Ray war verblüfft wie groß dieses Gebäude doch war.

Wieder dieses Stöhnen.

“Hey!”, rief Ray in die Stille hinein. Das Geräusch wurde lauter. Ray verließ die Halle und er sprintete in die Richtung aus der er das Stöhnen vernahm. Womöglich lag sein Vorgänger unter seinem Wagen und er war seine letzte Rettung. Weiter immer weiter rannte der junge Rebell.

Und umso lauter wurde das Stöhnen. Da erschien ein weiterer Nebeneingang.

“Halte durch, ich bin gleich bei dir!”, rief Ray und er bog ab- doch nichts.

Seine dunklen Augen starrten nur in eine weitere leere Halle.

“F**ck!”, entfuhr es ihm, sofort drehte er sich um, um weiter zu suchen. Denn dem Jungen war klar das hier jemand seine Hilfe brauchte. Doch auch wenn er weitere Hallen fand, so fand er doch keinen Verletzten.

“Wo bist du?”, rief er in die Stille hinein.

“Hier.”, rief irgendjemand zurück, gefolgt von einem tiefen dunklen Lachen.

Da wurde es Ray schlagartig bewusst, hier brauchte niemand seine Hilfe.

So schnell er konnte nahm er seine Beine in die Hand und er rannte zurück in jene Halle in der sein Wagen stand.

Eins, zwei, drei, vier… fünf… fünf Hallen hatte er durchquert. Doch in Nummer fünf angekommen, bemerkte er das sein Auto weg war. Hatte er sich verzählt?

Er suchte weiter, während Adrenalyn durch seine Venen schoss. Sein Puls ging schneller. Wo war sein verdammtes Auto? Und wo war der verfluchte Ausgang.

Panik erfasste den Jungen, der inzwischen blindlings durch die Gänge rannte… schwere Schritte verrieten ihm das er nicht allein war, in den schier endlosen Gängen.
 
 
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