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Manchmal, aber nicht nur manchmal...

von CUtopia
OneshotLiebesgeschichte / P12 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
22.01.2021
22.01.2021
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Add On zur Folge 362 "Die kleine Polizistin"

Hallo ihr Lieben, mal wieder ein Oneshot von mir :) Ich konnte mich bei dieser Steilvorlage, die Dirk mir in dieser Folge geliefert hat, einfach nicht ignorieren - ich hoffe es gefällt euch!

Viel Spaß beim Lesen :)

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Manchmal, aber nicht nur manchmal...


"Frau Küppers, manchmal könnte ich Sie küssen."


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Dirk lächelte in sich hinein als er auf den Anleger hinunter blickte wo Harry den Kapitän begrüßte den sie jahrelang für tot gehalten hatte.

Da hatte Regina Küppers sich wirklich selbst übertroffen… dieser letzte Fall hatte Harry wirklich mitgenommen und seine Vorgesetzte hatte es mit einem Anruf geschafft alles wieder ins Lot zu bringen. Es war eine dieser kleinen Taten die einen daran erinnerten dass sie zwar streng und auf die Vorschriften bedacht war, aber dass das Wohl ihrer Leute ihr durchaus wichtig war.

Nach einem letzten Blick zu Harry startete er den Motor seines Mercedes und drehte das Radio lauter. Die Sonne schien, die Stones dröhnten aus dem Lautsprecher und er freute sich auf ein wohlverdientes Feierabendbier auf der Repsold.

Fälle bei denen Kinder betroffen waren setzten allen Beteiligten immer besonders zu und da war es wichtig sich die Zeit zu nehmen um zu entspannen oder die Woche mit einem positiven Erlebnis aufzuhellen. Harry hatte so einen Lichtblick dringend gebraucht und er war froh dass sie ihn bekommen hatte.

Auf dem Weg nach Hause hielt er noch kurz am Supermarkt um einige Kleinigkeiten zu besorgen und wenig später parkte er seinen alten Mercedes neben dem Anleger. Er war zu sehr mit seinen Einkäufen beschäftigt um den BMW wahrzunehmen, der nur ein Stückchen entfernt stand, und so fielen ihm beinahe die Tüten aus der Hand als er über die Gangway schritt und niemand anderes als Regina Küppers am Bug seiner Repsold stehen sah.

Für einen Moment dachte er dass er sich das alles nur einbilden würde, da sie ihm wie eine wunderliche Erscheinung aus einer anderen Welt vorkam. Das Licht der Abendsonne brach sich an ihren blonden Haaren und ließen sie wie Gold glänzen während die sanfte Abendbrise mit ihnen spielte…
Sie hielt ihr Gesicht mit geschlossenen Augen in Richtung Sonne, ihre Miene war vollkommen entspannt und sein Herz machte einen Hüpfer als er bemerkte dass ihre Sommersprossen, die er absolut charmant fand, langsam wieder zum Vorschein kamen.

Dirk starrte sie für einen Moment einfach nur an, doch dann schien sie ihn wahrzunehmen und drehte sich um. Der Bann war augenblicklich gebrochen und zurück blieb nur dieses Kribbeln in seiner Magengrube das er seit beinahe 10 Jahren einfach nicht los wurde.

“Herr Matthies, ich hoffe ich störe Sie nicht.”

“Nein, nein,” antwortete Dirk hastig und stellte seine Einkäufe im Steuerhaus ab. Seit dem Tod ihrer Mutter vor ein paar Monaten hatte sie ihn nicht mehr auf der Repsold besucht, und schon gar nicht in so offensichtlich privater Mission. Anscheinend war sie seit ihrem Gespräch in ihrem Büro zu Hause gewesen - statt ihres Anzuges trug sie eine dunkle Jeans und einen lockeren Strickpullover.

Allerdings sah sie noch genauso müde aus wie vor einigen Stunden. Es war sonst nicht ihre Art, aber die letzte Nacht hatte sie laut Krabbe im Büro verbracht… ja, Fälle mit Kindern berührten wirklich alle im Team.

“Kann ich Ihnen was anbieten, Frau Küppers? Kaffee, Tee… ein Bierchen?”

Warum war er denn plötzlich so aufgeregt? Sie hatte ihn doch schon öfter Abends auf der Repsold aufgesucht, mal mehr in privater Mission, mal weniger...

Aber irgendwas an ihr war heute Abend auch anders. Er konnte es nicht wirklich beschreiben, sie kam ihm nicht so verschlossen vor wie sonst. Inzwischen kannte er sie gut genug um zu sehen wann sie ihre kleine Schutzbarriere verstärkte oder fallen ließ, und jetzt gerade… sie hielt ihn eindeutig nicht auf Abstand.

“Oh, wenn Sie ein Bier trinken würde ich auch eins nehmen.”

“Bier, in Ordnung…,” murmelte Dirk, mehr zu sich selbst als zu ihr, und versuchte sich nicht zu sehr mit dem aufzuhalten was er sich nicht erklären konnte. “Machen Sie es sich doch oben schon mal gemütlich, ich räum nur schnell mein Zeug weg.”

“Klar,” sagte sie locker und gab ihm ein schnelles Lächeln das ihn noch immer ein wenig desorientierte als er schon längst in der Wohnküche neben seinem Kühlschrank stand. Er war wirklich neugierig - was wollte sie hier? Vor allem wenn sie diese seltsame Energie ausstrahlte…

Natürlich störte es ihn keineswegs dass sie hier war und anscheinend aus ihrem Schneckenhaus heraus kam, vor allem seit dem Tod ihrer Mutter war sie oft in sich gekehrt gewesen… Aber ihr Besuch kam so aus dem Nichts, da durfte man sich ja schon einmal ein wenig wundern.

Als Dirk wenig später mit zwei Flaschen Bier auf das Sonnendeck hinauf stieg hatte sie es sich schon auf einem seiner Sonnenstühle gemütlich gemacht und blickte mit einem entspannten Gesichtsausdruck hinaus auf die Elbe.

“Manchmal beneide ich Sie wirklich um diese Aussicht, Herr Matthies. Danke.”

Sie nahm die Bierflasche von ihm entgegen und schenkte ihm ein weiteres Lächeln bevor sie wieder zu einem großen Containerschiff blickte dass sich langsam Elbabwärts schob.

“Joa, ist schon schön, ne.”

Dirk beobachtete wie sie sich zurück lehnte und einen Schluck aus ihrer Bierflasche nahm; er fragte sich ob sie sofort den Grund für ihren Besuch ansprechen würde, doch sie schwieg und beobachtete das Treiben auf der anderen Seite der Elbe, also machte auch er es sich in seinem Stuhl gemütlich.

Er wusste nicht wie lange sie dort nebeneinander gesessen hatten, doch es war auch nicht wirklich wichtig. Das Schweigen war nicht unangenehm und irgendwie genoss er ihre Gesellschaft auch. Zwar waren sie auf der Arbeit nicht immer einer Meinung, aber privat hatten sie, wie Renate Küppers ihm schon vor Jahren gesagt hatte, mehr gemeinsam als er jemals gedacht hätte.

Die Sonne hing schon sehr tief am Himmel und seine Bierflasche war längst leer als Dirk beschloss endlich das Schweigen zu brechen - er konnte seine Neugier einfach nicht mehr zurückhalten. Es brannte ihm einfach unter den Fingernägeln herauszufinden was sie hierher geführt hatte und so stellte er entschlossen seine Bierflasche auf dem Deck ab, räusperte sich laut und rückte seinen Stuhl etwas näher an den ihren heran.

“Frau Küppers… nicht dass ich sie nicht gerne hier habe und sie dürfen auch jederzeit vorbeikommen und mein Bier trinken, aber… darf ich fragen warum Sie hier sind?”

Erst reagierte sie nicht, dann drehte sie ihren Kopf und ihre Mundwinkel zuckten in einem beinahe frechen Lächeln nach oben als sie ihn ansah. Etwas funkelte in ihren blauen Augen und Dirk war froh dass er schon saß - dieser Anblick ließ seine Knie weich werden.

Manchmal machte diese Frau ihn verrückt, und er war sich sicher dass sie das genau wusste.

“Ach… ich hatte mich nach unserem Gespräch von heute Nachmittag nur etwas gefragt.”

“So?” fragte Dirk verwundert und hob die Augenbrauen. Er war sich nicht ganz sicher worauf sie hinaus wollte und er rief sich den Moment in ihrem Büro nochmal in Erinnerung, wie sie ihm den Zettel mit dem Namen des Kapitäns gegeben hatte, für Harry…

“Sie meinten dass Sie mich manchmal küssen könnten. Da wollte ich nur mal so aus Interesse wissen… wie oft kommt das denn vor?”

Seine Augen weiteten sich vor Überraschung; er wusste natürlich noch genau wie ihm diese Worte rausgerutscht waren. Die gute Tat, die sie für Harry gemacht hatte, hatte ihn so gefreut und er hatte versucht seine Dankbarkeit auszudrücken ohne sich irgendwie zu blamieren oder zu viel zu sagen… da hatte er gesagt was er am liebsten in dem Moment getan hätte.

Sie hatte nicht großartig auf seine Worte reagiert, außer kurz zu Lächeln, daher war er davon ausgegangen dass sie sie für einen Scherz gehalten hatte… doch anscheinend hatte sie sich mehr Gedanken darüber gemacht als erwartet.

Was sollte er nur darauf antworten?

Eine sarkastische Bemerkung um ihre Beziehung da zu halten wo sie gerade war, auf sicherem Terrain, mit professioneller Distanz…

Oder sollte er die Wahrheit sagen und damit das Risiko eingehen dass seine Ehrlichkeit das, was sie hatten, gefährdete wenn sie seine Gefühle nicht erwiderte?

Und da war noch die Frage… was wollte sie von ihm hören?

Dirk hatte noch nie ein Problem damit gesagt geradeheraus zu sagen was er meinte, doch Regina war da anders...

Er zögerte einen Moment, dann entschied er sich dazu einfach mal den Zeh ins Wasser zu halten um die Bedingungen zu testen. Den Kopf schief gelegt blickte er ihr tief in die Augen und antwortete so locker wie möglich: "Häufiger als Sie denken."

Sie reagierte erst gar nicht und Dirk hielt tatsächlich die Luft an, doch dann blitzte etwas in ihren blauen Augen auf und Regina grinste ihn an während sie sich ein wenig näher zu ihm hinüber lehnte.

Irgendwie erinnerte diese ganze Szene Dirk extrem an den Abend vor vielen Jahren als sie ihn besucht hatte um ihm zu erzählen dass der Stalker ihrer Mutter nur ein von Renate Küppers selbst engagierter Schauspieler war.
Damals hatten sie sich auch so nahe zueinander gebeugt und der Wind hatte mit ihren Haaren gespielt als sie sich tief in die Augen geblickt hatten…

"Sehr interessant, Herr Matthies. Jetzt weiß ich womit Sie ihre Dienstzeit verbringen."

Sein erster Instinkt war es, ihre mit einem Augenzwinkern vorgetragene Anschuldigung abzuweisen, doch irgendwie stimmte es ja auch. Manchmal saß er wirklich in seinem Büro und sah ihr dabei zu wie sie Krabbe umher scheuchte. Und wenn sie hin und wieder in seinem Büro war, ob nun aus einem angenehmen Grund oder weil sie sich über etwas aufregte, dann wurde sein Blick eben manchmal von ihren Lippen angezogen…

"Manchmal schweift man ja ab, ne. Passiert den Besten," antwortete er mit einem frechen Grinsen und kam ihr noch ein wenig näher. Er konnte schon beinahe ihren Atem auf seiner Haut spüren und ihr dezentes Parfum riechen. "Sie denken doch auch bestimmt nicht immer an die Arbeit."

Reginas Augenbrauen zuckten belustigt in die Höhe und Dirk hatte das Gefühl als würde sie ihr Bestes geben um zu verschleiern dass er sie ertappt hatte. “Wir haben alle unsere kleinen Geheimnisse, Herr Matthies.”

“Ich erzähle Ihnen eines von meinen wenn Sie mir ihres verraten,” schlug Dirk vor, ohne wirklich groß darüber nachzudenken was er sagte, doch sie schien das keineswegs zu stören.

“Hm, das klingt nach einem fairen Tausch.”

“Woran denken Sie wenn Sie an ihrem Schreibtisch sitzen und so tun als würden Sie Ihre Mails lesen, es aber offensichtlich ist dass Sie sich gerade in Ihren Gedanken verlieren.”

Ein irritierter Ausdruck huschte über ihr Gesicht - verständlich, da er gerade zugegeben hatte sie manchmal ziemlich genau zu beobachten - doch sie fing sich zu seiner Erleichterung sehr schnell wieder und lachte leise. “Das wüssten Sie wohl nur zu gerne.”

“Ja, das wüsste ich wirklich gerne,” antwortete Dirk mit rauer Stimme und sein Blick glitt für einige Sekunden hinunter zu ihren Lippen. Wie gerne hätte er sich einfach noch ein Stückchen vorgebeugt… aber das war eine Grenze die sie eisern verteidigte.

Mit den Jahren hatte er gelernt sich davon abzuhalten dieser unsichtbaren Linie zwischen ihnen zu nahe zu kommen, doch jetzt gerade war sie es die sie beide gefährlich dicht an eine Übertretung heran gebracht hatte.

Spielte sie nur mit ihm?

“Meistens denke ich an Sie, Herr Matthies.”

Es war wirklich schwer Dirk zu überraschen. In seinem Leben hatte er schon so einige Dinge erlebt und nichts haute ihn schnell aus den Socken, aber ihre Antwort schaffte es, ihn zu überrumpeln.

Für einen langen Moment konnte er gar nichts tun, er starrte sie einfach nur an während sein Hirn versuchte Reginas Worte zu verarbeiten. Er kannte sie gut genug um ihre Miene sicher zu interpretieren und ihm blieb kurz der Atem weg als er realisierte dass sie es vollkommen ernst meinte.

Dirk räusperte sich, versuchte die richtigen Worte zu finden, doch er war einfach zu überfordert von ihrem Geständnis… wohin wollte sie dieses Gespräch nur führen? “Oh?”

Sie machte nur ein bestätigendes Geräusch, ein herausforderndes Glitzern in ihren Augen, und Dirks Hirn schien immer langsamer zu arbeiten.

Eine Spannung hing zwischen ihnen die Dirk kaum richtig atmen oder klar denken ließ. Fieberhaft versuchte er die Puzzleteile, die sie ihm nach und nach gereicht hatte, irgendwie zusammenzufügen…

“Subtilität war noch nie deine Stärke, Dirk Matthies,” sagte Regina plötzlich mit einem resignierten Seufzer und bevor er wirklich wusste wie ihm geschah griff sie nach seiner Lederjacke, zog ihn noch näher zu sich heran und plötzlich lagen ihre Lippen auf seinen.

Und von einer Sekunde auf die andere war ihm klar weshalb sie ihn besuchen gekommen war.

Er hätte natürlich darauf kommen können, doch so lange hatte er nicht zu hoffen gewagt…

Der Gedanke löste sich auf bevor er ihn zu Ende führen konnte; der Kuss und die Gefühle, die er in ihm aufleben ließ, waren das einzige, woran er in diesem Moment denken konnte.

Dirk fühlte sich um Jahre jünger, sein Herz schien vor Glück Luftsprünge zu machen…

Damit hatte er wirklich nicht gerechnet.

Es schien als wäre eine wunderbare Ewigkeit vergangen bis Regina den Kuss langsam löste; sie öffneten beinahe gleichzeitig die Augen und schauten sich für einige Zeit einfach nur an, dann kräuselten sich ihre Lippen zu einem triumphierenden Lächeln. “Manchmal könnte ich dich auch küssen, Dirk Matthies. Ich wollte es endlich mal wirklich tun.”

“Da… da habe ich nichts gegen,” flüsterte Dirk zurück und fragte sich kurz ob er einfach nur einen wirklich realistischen Traum hatte, doch dann schloss sie wieder die Distanz zwischen ihnen um ihn wieder zu küssen.

Eindeutig kein Traum.

Ein Teil von ihm wollte sie stoppen, wollte wissen woher dieser sehr plötzliche Sinneswandel kam nachdem sie ihn immer auf Abstand gehalten hatte, doch er wollte diesen schönen Moment nicht zerstören.

Und so schlang er einfach seine Arme um sie, zog sie so nahe an sich heran wie er nur konnte und genoss einfach den Augenblick.

Vielleicht würde er in Zukunft das Privileg genießen sie dann küssen zu dürfen wenn ihm danach war… und das war nicht nur manchmal.

THE END
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