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Hilflose Flucht

Kurzbeschreibung
OneshotFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Emily Bannenberg Nikolas Heldt
22.01.2021
22.01.2021
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Nikolas POV

Feierabend. Überschwänglich schlendere ich aus dem Präsidium zu meinem Auto. Julia wartet.
Da entdecke ich ein vertrautes Gesicht neben meinem Auto. Ist Emily vorhin nicht erst zur Schule gefahren, nachdem sie Ellen fast in den Wahnsinn getrieben hat, weil sie den Unterricht aus Protest, Bochum bald verlassen zu müssen, verweigert hat?

„Hey...na Emily, deine Mama kommt auch gleich“ flöte ich gut gelaunt.
„Ich wart‘ nicht auf Mama, sondern auf dich. Ich zieh‘ nämlich zu dir.“
Was? Hab ich richtig gehört? Entrüstet schaue ich sie an.
„Lustige Idee, aber da müsst‘ ich ja erstmal eine Woche aufräumen“ versuche ich meinen erschrockenen Gesichtsausdruck humorvoll zu überspielen.
Doch Emily bleibt komplett ernst. „Ich geh nicht zurück zu Mama.“

„Ach komm schon, sie ist doch gar nicht mehr sauer auf dich.“
Mein halbherziges Bemühen Emily zur Umkehr zu bewegen scheitert gründlich. Aber was wundert es mich, ist sie doch mindestens genauso willensstark wie ihre Mutter.
„Du hast doch selbst gesagt, dass ich ihr zeigen soll, wo ich hingehöre.“
„Ja...“   aber doch nicht damit, dass du von zu Hause ausreißt, kommt es mir in den Sinn. Mein Handy klingelt, „Julia...“


-Flashback-
3 Monate zuvor, wir stehen wegen des Falschgeldfalls bei Frau Dr. Holle im Labor. Ausnahmsweise ist das ganze Team zusammen. Ellen eröffnet uns, dass sie nach Passau gehen wird. Sie hat dort eine Stelle als Oberstaatsanwältin angeboten bekommen. Es reißt mir förmlich den Boden unter den Füßen weg. Unfähig zu reagieren starre ich sie wie versteinert an, fühle mich aus dem Nichts in ein tiefes schwarzes Loch gestoßen.

Nach anfänglicher Hilflosigkeit steigt Wut in mir auf - Wut, dass Ellen einfach aus meinem Leben verschwindet, ohne eine Vorwarnung...oder habe ich ihre Signale einfach nicht wahrgenommen? War ich so sehr damit beschäftigt die Vergangenheit zu verdrängen, dass ich nicht gemerkt habe, dass wir uns entfernt haben?
Ich habe Ellen vorgeworfen wegzulaufen. Aber bin nicht vielmehr ich derjenige, der wegläuft statt ums sie zu kämpfen?
„Ich brauche einen Neuanfang, hier ist alles auf Stillstand“ hat sie gesagt als wir uns lautstark auf dem Büroflur streiten. Es bricht mir das Herz, sie so traurig und resigniert zu sehen.
Dennoch kann ich nicht aus meiner Haut und die in den letzten Monaten entstandene Distanz überwinden, um Ellen meine Gefühle zu gestehen, sie zum Bleiben zu bewegen, für mich - für uns.
-Flashback Ende-


Meine Gedanken schweifen ab in die Vergangenheit, hin zu unserer gemeinsamen Nacht. Für kurze Zeit keine Fragen, keine Zweifel, nichts, das zwischen uns steht. Ich habe vorher noch nie erlebt, wie es sich anfühlt, sich so sehr in einem Menschen zu verlieren, so intensiv zu lieben. Seit dieser Nacht versinke ich immer wieder in Tagträumen. Was wäre, wenn unser Timing besser gewesen wäre? Was wäre, wenn ich damals nicht wortlos nach Mallorca geflüchtet wäre? ...’STOP, Nikolas...was soll das?‘ bremse ich meine aufkommende Gedankenflut. Ich bin glücklich mit Julia! Mit ihr ist alles so unbeschwert und leicht. Sie ist meine Zukunft.

„Bitte Nikolas!“ reißt mich Emily mit zitternder Stimme aus meinen Gedanken. Ihre Augen glänzen. Ganz Teenager-like versucht sie die vermeintlich coole Fassade aufrecht zu halten und die Tränen weg zu blinzeln.
Das Telefon nach wie vor in der Hand haltend, höre ich Julia „Nikolas, bist du noch dran?“ „...äh...Julia...ja, ich bin noch dran...wir müssen unser Treffen verschieben...ja ...ein wichtiger Fall...erzähl ich dir morgen...ja, tschüss“
Damit widme ich mich wieder Emily. So kann ich sie hier wirklich nicht stehen lassen.
„Komm steig ein“ zeige ich auf mein Auto „wir fahren ins Carlo‘s und reden.“
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