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Hold on me

KurzgeschichteRomance / P16 / MaleSlash
21.01.2021
21.01.2021
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Es war nachts und im Stray Kids Dorm war nichts zu hören. Kein Lachen und kein Gequatsche, wie es tagsüber üblich und bei acht Jungs auch nicht überraschend war. Sie waren längst in ihren Betten und schliefen tief und fest. Der Tag war anstrengend genug gewesen, sie hatten mit dem Dreh einer neuen MV begonnen. Er hatte früh morgens begonnen und erst am späten Abend geendet. Und trotzdem musste noch einiges verbessert und geändert werden. Textpassagen und die Choreo stimmten an manchen Stellen noch nicht und außerdem wollte Chan noch bezüglich ihres Stylings mit den Stylisten reden. Alles in allem ein Teil ihres ganz normalen Alltags, seit sie eine Band geworden waren. Aber sosehr sie diesen Stress auch gewohnt waren, sie brauchten ihre Ruhe und ihren Schlaf. Beides ist in der letzten Zeit jedoch zu Mangelware geworden. Sie verließen unausgeschlafen und kaum erholt den Dorm und kehrten auch genauso zurück. Kaffee und Energydrinks waren fester Bestandteil ihres Speiseplans geworden, teilweise ersetzten diese Getränke sogar die Mahlzeiten. Kein gesundes Leben, aber sie hatten gewusst, was auf sie wartete, als sie ihre Verträge unterzeichnet hatten. Aber trotz allem waren sie zu einer Familie zusammengewachsen, die füreinander einstand und sich gegenseitig auf den Beinen hielt. Tiefe Freundschaft begleitete sie auf ihrem gemeinsamen Weg. Doch bei einigen von ihnen war es nicht dabei geblieben.

Es kam still und heimlich, keiner von ihnen hatte damit gerechnet, und trotzdem hatte es eingeschlagen wie ein Blitz, und im Nu wurde aus Freunden ein Liebespaar. Sie standen von Anfang an zueinander, drohten sogar mit Ausstieg aus der Band, sollte man ihre Gefühle zueinander nicht akzeptieren. Doch ihren Sorgen waren zum größten Teil unbegründet, ihre Beziehung wurde von ihren Bandmitgliedern gut aufgenommen und auch ihre Freunde unterstützten sie von Anfang an. Doch dann kam die Aufforderung des Managements, in einer Pressekonferenz ihre Beziehung publik zu machen. Es war in Korea zwar nicht unbedingt gern gesehen, wenn zwei Männer ein Paar waren, aber es war weitestgehend akzeptiert.

Doch seit diesem Interview tat sich die Hölle auf. Seit diesem Interview musste Felix Hasskommentare, teilweise sogar Morddrohungen über sich ergehen lassen. Er soll die Finger von Hyunjin lassen. Er soll am besten das beenden, was er vor Jahren begonnen hatte, und es dieses Mal richtig machen. Er war ein Abschaum, zu abstoßend und minderwärtig, um dem hübschen Rapper ebenbürtig zu sein.

Anfangs hatte Felix noch versucht, diese Texte zu ignorieren, und sich ganz auf die Band und Hyunjin zu konzentrieren. Doch die Hasstiraden wurden mit jedem Mal schlimmer, und zerstörten mehr und mehr sein ohnehin kaum existierendes Selbstbewusstsein. Und irgendwann begann er, es zu glauben. Selbstzweifel nagten an ihm und Selbsthass breitete sich wie ein Krebsgeschwür in ihm aus. Er wusste, er musste reden. Er musste sich diese negativen Gedanken und Gefühle von der Seele reden, weinen und schreien.

Doch Felix lächelte. Er setzte seine hübsche, unbeschwerte Maske auf, gab weiterhin sein Bestes für Stray Kids und überschüttete Hyunjin förmlich mit seiner Liebe. Der Australier wusste, dass der Größere ihn bedingslos liebte, dass er alles für ihn tun würde. Und gerade deshalb durfte Hyunjin niemals etwas von diesem Cybermobbing erfahren und schon garnicht von all den negativen Gefühlen und schlechten Gedanken, die in Felix wüteten. Der Australier war ein guter Schauspieler, er führte sie alle an der Nase herum, über viele Monate. Doch wie es für jede Theateraufführung üblich war, schloss sich an diesem Abend der Vorhang.

Felix hatte gewartet, bis Hyunjin eingeschlafen war. Er lächelte leicht und strich zärtlich eine blonde Strähne aus dem weichen Gesicht des Rappers, dann hauchte er einen Kuss auf dessen Lippen und setzte sich vorsichtig auf. Der Australier wollte Hyunjin unter keinen Umständen wecken, er sollte schlafen, um wieder Kraft zu tanken. Felix selbst bekam kein Auge zu. Zuviel spukte in seinem Kopf herum, er kam einfach nicht zur Ruhe.

Auf nackten Füßen schlich er aus ihrem gemeinsamen Zimmer und schloss so leise wie möglich die Tür hinter sich, um schließlich ins Wohnzimmer zu tapsen. Er ließ sich auf die Couch plumpsen und starrte schließlich auf das Handy in seinen Händen. Felix war nicht dumm, er wusste, dass er diese Leute ignorieren sollte, dass er sich nur kaputt machte und ihnen damit das gab, was sie wollten. Aber er konnte nicht anders.

Mit zusammen gepressten Lippen entsperrte Felix das Handy und ging auf sein Instagramprofil. Er seufzte zitternd aus, als er die zahllosen Notifikationen und Nachrichten sah, die er bekommen hatte. Natürlich, es waren nicht alle schlecht, viele unterstützten ihn. Aber er hatte das Gefühl, dass der Hass und die Verachtung überwogen. Er überflog die Nachrichten, es war fast immer das Gleiche. Von den üblichen Beschimpfungen bis hin zu Tipps, wie er sich am besten umbringen sollte, war alles dabei. Felix seufzte zitternd und schluckte den Kloß in seinem Hals runter, dann widmete er sich den Notifikationen.

skz_stay hat dich auf einem Bild markiert

Felix hob verwirrt eine Augenbrauen und öffnete das Bild. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellte. Es war ein Bild von Hyunjin und ihm, aber er selbst war furchtbar entstellt worden. Und der Text unter der Fotomontage war die Krönung von allem, was er bis jetzt erdulden musste.

Felix, du hässliche Bitch, ich hoffe, du siehst das hier. Schau mal, wie hässlich du bist, wie abartig. Und unser armer Hyunnie muss sich das den ganzen Tag antun. Der tut mir total leid. Aber weißt du was? Hyunjin liebt dich nicht! Keine Ahnung, was ihn geritten hat, er hatte wohl Mitleid, weil dich eh keiner haben will. Warum tust du ihm nicht einfach den Gefallen und ritzt dich zu Tode, hm? Glaub mal, er wird eine Party feiern, wenn er dich nicht mehr ertragen muss xDDD

Felix' Lippen begannen zu beben und seine Augen brannten. Diese Worte taten so weh, so unendlich weh. Sie waren noch schlimmer, noch verletztender als alles andere, was er sich bisher anhören musste. Und wäre das noch nicht genug gewesen, gaben die Kommentare noch ihr Übriges dazu. Es waren soviele, die zustimmten und sich über ihn lustig machten.

Er schluchzte leise auf und spürte in dem Moment, wie die ersten Tränen über seine Wangen rollten. Er wusste es doch, er wusste zu gut, dass er nicht gut genug für Hyunjin war. Warum mussten sie ihm das immer und immer wieder sagen?

Plötzlich ging das Licht an und Felix erschrak sosehr, dass er kurz aufschrie und mit großen Augen zur Wohnzimmertür sah. Hyunjin stand da, mit verwuschelten Haaren und schläfrigen Augen. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte Felix diesen Anblick als unglaublich süß empfunden. Aber davon war er gerade meilenweit entfernt. Panik stieg in ihm auf. Was um alles in der Welt machte der Größere hier? Er hatte doch gerade noch geschlafen!

"Baby, was machst du denn hier? Ich habe dich gesu....." Felix konnte förmlich sehen, wie auf einen Schlag sämtliche Lebensgeister in Hyunjin erwachten. Die Augen des Blonden wurden größer, und ganz gleich, was der Australier versuchte, er schaffte es nicht mehr, seine Maske aufzusetzen. Das Schauspiel war vorbei.

"Scheiße, Felix, was ist passiert?!" In Windeseile stand Hyunjin vor dem Sofa, ließ sich neben dem Australier auf die Couch fallen und umfasste zärtlich dessen Gesicht mit seinen Händen. Seine wunderschönen Augen starrten ihn besorgt an. Felix wusste, dass es kein Zurück mehr gab. Sein Freund, sein über alles geliebter Hyunjin, hatte ihn in seinem Depressiv-Modus gesehen. Und er wollte Antworten, das konnte der Australier förmlich riechen.

Aber seine Stimme gehorchte ihm nicht. Er brachte kein einziges Wort über die Lippen. Er sah Hyunjin traurig an, senkte dann den Kopf und hielt dem Größeren schließlich sein Handy vor die Nase. Felix spürte, wie sich Hyunjins Hände langsam von seinem Gesicht entfernten und ihm das Handy aus der Hand genommen wurde.


Die Minuten des Wartens auf eine Reaktion des Blonden war unerträglich. Felix schlug das Herz bis zum Hals. Warum machte Hyunjin es ihm so schwer? Warum machte er nicht einfach Schluss? Er hatte so eine Heulsuse, so einen Schwächli....

Felix kam garnicht dazu, diesen Gedanken zuende zu denken. Er spürte ein zunehmendes Gewicht auf seinem Schoß und wie sich ein warmer Körper an ihn lehnte, wie sich schlanke Arme um seinen Hals legten. Felix blinzelte verwirrt und erwiderte die Umarmung seines Freundes zögerlich. Was war denn jetzt los?

"Lixie, nur damit du eines weißt, ich bin mit dir zusammen, weil ich dich liebe. Weil du ein wundervoller, einzigartiger Mensch bist. Weil du mich unendlich glücklich machst und mir Kraft gibst. Nicht aus Mitleid, so ein Mensch bin ich nicht. Diese Mistviecher suchen nur nach einem Opfer, das sie fertig machen können. Und glaube mir, sobald sie an dir ihr Interesse verloren haben, ist einer von uns dran.", flüsterte Hyunjin, woraufhin Felix ihn nur noch mehr an sich drückte. Allein der Gedanke, dass man seinen Freund so behandeln würde, war zuviel für den Australier.


Er hörte Hyunjin leise seufzen und sah ihn an. Flüssiges Karamell schaute ihm entgegen, so sanft und warm, dass er schlucken musste. Hyunjin war wunderschön, sowohl innerlich als auch äußerlich. Und allein ein Blick in seine Augen brach den Widerstand in dem Australier.

"Ich habe einfach nur Angst, Hyunnie.... Angst, dass du mich für einen Versager, einen Schwächling hälst und ich dich verliere....", erklärte er schließlich, woraufhin der Blonde ihm eine Hand auf die Wange legte. Aus einem Reflex lehnte sich Felix gegen die kühlen Finger. Es fühlte sich so angenehm an.


"Du bist kein Versager. Wenn du mich fragst, bist du einer der professionellsten Musiker, die ich kenne. Ich weiß noch, wie schwer du es am Anfang gehabt hast. Und ich weiß auch noch, wie hartnäckig du dich durchgeboxt hast. Also nach einem Versager sieht das nicht aus. Und ein Schwächling? Was bin ich dann? Ich erschrecke mich vor meinem eigenen Schatten, ich sterbe tausend Tode wenn ich mir nur irgendwo leicht den kleinen Finger stoße und ich heule bei Disneyfilmen. Also bitte." Hyunjin zog eine Grimasse. Das und seine Worte brachten Felix dazu, zu lachen. Und es tat gut. Wie auch immer der Blonde es geschafft hatte, es ging dem Australier ein bisschen besser. Aber es war noch nicht das Ende des Weges.

Felix wusste, dass er noch lange mit Selbstzweifeln zu kämpfen haben wird. Es wird auch immer noch Momente geben, in denen die Angst, Hyunjin zu verlieren oder aus Stray Kids rausgeworfen zu werden, ihm den Verstand rauben wird. Und es wird auch immer wieder Leute geben, die versuchen werden, ihn mental durch die Hölle zu schicken. Aber er hat  jemanden, der seine Hand hält, ihn nicht loslässt und diesen Weg zusammen mit ihm gehen wird. Und das ist das Wichtigste.

The End
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