Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Shine for me

KurzgeschichteRomance / P12 / MaleSlash
GOT7
21.01.2021
21.01.2021
1
3.635
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
21.01.2021 3.635
 
Es war Frühling, es dämmerte bereits und es schüttete wie aus Eimern. Es passte einfach perfekt zu seinem Gemütszustand. Das Jacket hing über seinem Arm und das weiße nasse Hemd klebte an seiner Haut. Pechschwarze Haarsträhnen fielen ihm ins Gesicht und er hielt den Kopf gesenkt, während er langsam den Bürgersteig entlang ging. Er fühlte sich einsam, er fühlte sich leer. Und er schämte sich für sein Verhalten nicht einmal eine halbe Stunde zuvor.

Normalerweise sollte er jetzt vor dem Traualtar stehen. Nicht als Bräutigam, sondern als Trauzeuge seines besten Freundes. Sein bester Freund, der heute seine große Liebe heiratet. Sein bester Freund, den er schon von kleinauf kannte. Sein bester Freund, mit dem er durch dick und dünn gegangen ist. Sein bester Freund, mit dem er seinen ersten Kuss, sein erstes Mal hatte. Sein bester Freund, der für ihn soviel mehr ist als er es sein sollte. Und  es tat weh. Es tat so unendlich weh, ihn mit diesem anderen Jungen zu sehen. Doch hatte er überhaupt das Recht, wütend und verletzt zu sein? Nein, das hatte er ganz sicher nicht.

An einer Bank blieb er stehen und ließ sich darauf fallen, dann legte er den Kopf zurück und schloss die Augen. Es störte ihn nicht, dass es regnete. Vielleicht konnte das Wasser ja diese verdammten Gefühle wegwaschen, die er nicht haben durfte. Und er erinnerte sich. Er erinnerte sich an den Tag, an dem Changbin in sein Leben trat......

"Kinder, das ist Changbin. Er ist erst neu hierhergezogen, deshalb hoffe ich, dass ihr lieb zu ihm seid und gute Freunde werdet." Youngjae sah von seinen Bauklötzen auf und betrachtete neugierig den Jungen, der sich schon fast hinter der Erzieherin versteckte und sie alle mit großen, ängstlichen Augen anstarrte. Seine Freunde, die mit ihm zusammen auf dem Spielteppich saßen, schien der Neue garnicht zu interessieren. Sie hatten nur kurz aufgesehen und dann weiter gespielt. Youngjae sah kurz zu ihnen und dann wieder zu Changbin, der nun ganz allein dastand. Er hatte seine Finger in den Saum seiner Jacke gekrallt und starrte auf den Boden, den Tränen nahe. Youngjae tat der Junge leid, deswegen stand er auf und ging zu ihm hin. "Hallo Changbin.",begrüßte er ihn, woraufhin der Neue leicht zusammen zuckte und ihn mit großen Augen anstarrte. Youngjae setzte sein strahlenstes Lächeln auf und neigte leicht den Kopf zur Seite. "Ich bin Youngjae, du kannst mich aber Jaejae nennen." Seine Mutter hatte oft gesagt, dass seine Offenheit und sein sonniges Gemüt der Grund dafür wären, dass er so schnell Freunde findet. Und auch dieses Mal schien es sich zu bewahrheiten, denn Changbin erwiderte sein Lächeln, wenn auch ein wenig unsicher." Hallo JaeJae. Du kannst mich Binnie nennen, wenn du willst.", sagte er schüchtern. Youngjae jubelte innerlich, dass Changbin überhaupt auf ihn reagierte, nach außen hin lächelte er einfach und nahm schließlich die Hand des anderen Jungen. "Komm mit, lass uns spielen!"

Wer hätte gedacht, dass sich daraus eine dermaßen tiefe Freundschaft entwickeln würde? Von dem Tag an waren sie unzertrennlich gewesen. Dann kamen sie auf dieselbe Schule, gingen in dieselbe Klasse und bauten einen ansehnlichen Freundeskreis um sich herum auf. Aber keiner der anderen Jungs konnte sich in ihre Freundschaft drängen. Dann kam die Highschool und mit ihr die Pubertät. Bauklötze und Spielzeugautos hatten längst ihren Reiz verloren, dafür rückten andere Dinge in den Vordergrund. Und auch andere Probleme. Youngjae öffnete langsam die Augen. Der Regen war etwas weniger geworden, aber es nieselte immer noch. So wie damals.....

"So ein Mistwetter!", fluchte Changbin, nachdem Youngjae ihm die Tür aufgemacht hatte. Der Brünette kicherte und beobachtete seinen besten Freund, der trotz schlechter Laune immerhin noch den Anstand besaß, seine Jacke und seine Schuhe ordentlich wegzuräumen." Das hat der April so an sich, Binnie. Gerade kann noch die Sonne scheinen und im nächsten Moment geht sinnbildlich die Welt unter.", lachte Youngjae, während sie zusammen in sein Zimmer gingen. Changbin grinste daraufhin leicht. "Dann ist ja gut, dass ich im August und nicht im April geboren bin. Sonst könnte ich mir von dir noch anhören, dass diese wetterbedingten Stimmungsschwankungen perfekt zu mir passen." "Tun sie trotzdem, auch wenn du nicht im April geboren bist.", erwiderte Youngjae ungerührt und wich kichernd Binnies Hand aus, der ihm einen Schlag in den Nacken geben wollte. Dann schloss er die Tür seines Zimmers hinter ihnen und sah seinen besten Freund lächelnd an."So, wo drückt der Schuh? Du meintest am Telefon, dass du ein Problem hast." Das Lächeln beibehaltend, aber auch ein wenig irritiert beobachtete Youngjae, wie sich Changbin nervös den Nacken rieb. "Naja, Problem trifft es nicht so ganz, Jaejae. Ich würde aber gerne etwas ausprobieren.", erwiderte der Schwarzhaarige schließlich und ging langsam auf Youngjae zu. Dieser wich reflexartig zurück und starrte Changbin mit großen Augen an. So ein Verhalten kannte er nicht von dem Jungen und es machte ihm irgendwie Angst. Der Brünette konnte sich nun aber endlich in eine Maus hineinversetzen, die kurz davor ist, gefressen zu werden. Nur das man bei einer Katze verstand, warum sie Mäuse fing. Youngjae aber verstand Changbins Verhalten nicht, ganz und gar nicht, aber er bekam ja auch keine Erklärung dafür. Als der Brünette schließlich mit dem Rücken gegen die Zimmerwand stieß, wusste er, dass er in der Falle saß. "Wa.... Wa soll das werden, Binnie?", stotterte er hervor. Changbin stand inzwischen vor ihm und stützte eine Hand an der Wand neben Youngjaes Kopf ab. "Seit wann hast du Angst vor mir, Jaejae? Du weißt, dass ich dir nie etwas tun würde.", entgegnete der Schwarzhaarige und sah für einen Moment wirklich niedergeschlagen aus. Youngjae schüttelte daraufhin hastig den Kopf. "Ich habe keine Angst vor dir! Ich bin nur verwirrt!", widersprach er etwas heftiger als beabsichtigt. Changbin lächelte daraufhin leicht und griff sanft Youngjaes Kinn. "Glaub mir, verwirrt bin ich auch.", murmelte der Schwarzhaarige. Youngjae kam garnicht mehr dazu, noch irgendetwas zu sagen, da beugte sich Changbin auch schon zu ihm und küsste ihn. Youngjaes Augen wuchsen auf gefühlte Tellergröße und das Blut schoss ihm ins Gesicht. Das war falsch! Das war sowas von falsch! Sie waren beste Freunde, und beste Freunde küssten sich nicht! Er war komplett überfordert mit der Situation. Seine Augen suchten verzweifelt Changbins Blick, doch der hatte seine Augen geschlossen und bewegte beinahe verzweifelt seine Lippen gegen Youngjaes. Die Hand, die eben gerade noch sein Kinn gehalten hatte, lag nun in seinem Nacken. Und verdammt, konnte der Schwarzhaarige gut küssen! Seine Lippen waren rau und schmeckten süßlich, als hätte er Limo getrunken oder so. Aber Youngjae gefiel es. Und diese Gefühle machten ihm panische Angst. Mit aller Willenskraft, die er aufbringen konnte, und mithilfe dem letzten Bisschen, was er noch an Vernunft besaß, schubste er Changbin von sich weg und verpasste ihm eine Ohrfeige. "Bist du bescheuert?! Was zur Hölle sollte das?", fauchte der Brünette wütend und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Changbin sah ihn nicht an. Er hielt sich die rot angeschwollene Wange und starrte auf den Boden. Er sah erschrocken aus. Und irgendwie auch verletzt."Entschuldige..... Ich sollte besser wieder gehen.",murmelte der Schwarzhaarige schließlich mit brüchiger Stimme und verschwand aus Youngjaes Zimmer. Dieser ließ ihn gehen, weil es einfach das Beste war. Sie mussten beide wieder runterkommen und einen klaren Gedanken fassen. Dann würden sie morgen miteinander reden, sich gegenseitig entschuldigen und wieder ihren gewohnten Alltag leben. Das sein Herz wie wild schlug und seine Wangen noch immer glühten, ignorierte Youngjae dabei gekonnt.

Wie falsch er damals damit gelegen hatte.

Dieser Kuss hatte alles verändert. Ihre Freundschaft und auch sie selbst. Und bevor Youngjae sich versah, hatten sie sich beinahe entzweit. Sie gingen nicht mehr gemeinsam zum Unterricht, sie aßen nicht mehr gemeinsam Mittag in der Mensa, sie lernten nicht mehr zusammen, sie trafen sich nicht mehr. Sie sahen sich nur noch ab und zu auf dem Pausenhof und auf den Schulfluren. Ihrer gemeinsamen Clique war diese Eiszeit recht schnell aufgefallen. Er konnte sich noch genau an Hyunjins Worte erinnern. "In jeder guten Beziehung gibt es einmal Streit. Aber vertraue mir, das legt sich wieder und dann seid ihr wieder unser Lieblingsship." Leider hatte der Blonde falsch gelegen, denn fast einen Monat nach ihrem Kuss stellte Changbin ihnen seinen Freund vor. Lee Felix, niedliches Gesicht mit Sommersprossen und der Traum jeder Frau (und so wie es aussah auch jedes Mannes). Youngjae wusste, dass er sich wie ein wahrer bester Freund verhalten und sich freuen sollte. Dass er Changbin alles Gute wünschen sollte. Aber er konnte es nicht. Stattdessen benahm er sich wie der größte Volltrottel auf der Welt, wurde wütend, bedachte beide mit einem abwertenden Blick und ging einfach.

Später gestand ihm eine Klassenkameradin ihre Liebe, und Youngjae gab ihr eine Chance. Suzy war wirklich hübsch und hatte einen süßen Charakter, aber das war es auch schon. Wenn sie sich küssten, wenn er sie im Arm hielt, selbst wenn sie miteinander schliefen, hatte er das Gefühl, dass es falsch war. Dass das alles falsch war. Und nicht nur das. Seit er mit dem Mädchen zusammen war, mied Changbin ihn, als hätte er die Pest. Der Schwarzhaarige wich seinem Blick aus und schien förmlich vor ihm wegzulaufen. Warum auch immer. Bis dann eines Tages Suzy zu ihm kam. Sie wollte mit ihm reden. Und ihre Worte machten ihn sprachlos. "Jae, du weißt, dass ich dich liebe. Aber ich kann und will nicht mit jemandem zusammen sein, der mich nicht liebt. Das wäre uns beiden gegenüber nicht fair. Ich bin dir jedenfalls für diese schönen Monate dankbar und ich hoffe von ganzem Herzen, dass er dich genauso lieben wird wie ich es tue." Youngjae war wie versteinert. Er? Wie kam sie bitteschön darauf, dass es ein Junge war? Ohne ein Wort zu sagen, ließ er ihre Umarmung über sich ergehen und sah ihr nach, bis sie hinter einer Ecke verschwunden war. Jetzt war er also wieder Single. Und wieder allein.

Als es später am Abend bei ihm klingelte, hatte Youngjae nicht die Lust und auch nicht die Laune, um irgendwelchen Besuch zu empfangen. Er wollte allein sein und seinen Frust mit einer kuchentellergroßen Sahnetorte ersticken, die er auf dem Nachhauseweg in einer Bäckerei gekauft hatte. Deshalb ignorierte er die Klingel und aß seelenruhig weiter. Der Besucher war aber ziemlich penetrant und schien irgendwann den Finger garnicht mehr von der Klingel nehmen. Frustriert knallte Youngjae die Kuchengabel auf den Tisch und stapfte zur Tür, um sie zu öffnen und dieser Nervensäge dahinter eine Standpauke zu halten. Doch er hätte beim besten Willen nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet er hier auftauchen würde. Changbin sah ihn betreten an, die Jacke durchnässt und aus seinem Pony tropfte Wasser. Es regnete also draußen, er hatte es garnicht mitbekommen. Aber was Youngjae durchaus gerade hatte, war ein derbes Dejavu. Er starrte seinen besten Freund mit der Ewigkeit eines Augenblicks an, dann öffnete er langsam den Mund. "Binnie....", flüsterte Youngjae und fluchte, dass seine Stimme so heiser klang.

Der Schwarzhaarige schien sich zu einem Lächeln zu zwingen. "Hey Jaejae.... Kann ich reinkommen? Es ist arschkalt.", meinte er, woraufhin Youngjae kurz nickte und ihn eintreten ließ, um dann wieder die Tür schloss. Nachdem sich Changbin seiner Jacke und Schuhe entledigt und Youngjae für sie beide heißen Cappuccino gemacht hatte, saßen sie nun im Wohnzimmer auf der Couch. Es herrschte Schweigen zwischen ihnen, und Youngjae hatte auch keine Ahnung, wie er es brechen sollte. Was sagte man zu seinem besten Freund, mit dem man die letzten Monate so gut wie keinen Kontakt mehr hatte? Der Brünette hatte keine Ahnung, in den 16 Jahren seines Lebens hatte er noch nie so eine Situation gehabt. Er sah aus den Augenwinkeln zu Changbin, der die Tasse zwischen seinen Händen hielt und gedankenverloren die dampfende Flüssigkeit anstarrte.

"Bist du glücklich mit ihr?" Die Frage kam so unvorbereitet und so aus dem Nichts, dass Youngjae leicht zusammen zuckte. "Bitte?", fragte er wenig intelligent, er hatte die Frage schließlich verstanden. "Bist du glücklich mit ihr?", stellte Changbin die Frage noch einmal, ohne ihn dabei anzusehen. Youngjae überlegte kurz, ob er ihm das überhaupt erzählen sollte. Schließlich entschied er sich dafür. "Wir haben uns getrennt. Sie meinte, sie könnte mit niemandem zusammen sein, der sie nicht liebt.", sagte er wahrheitsgemäß und trank vorsichtig von seinem Cappuccino. Ein leises Lachen war daraufhin zu hören, aber es klang weder gehässig noch auf irgendeine Art und Weise gemein. Es klang eher traurig. Youngjae sah Changbin verwirrt an, doch bevor er etwas sagen konnte, ergriff der Schwarzhaarige das Wort. "Fast dasselbe durfte ich mir auch von Lixie anhören. Er meinte, dass wir aufhören sollten, uns gegenseitig die große Liebe vorzugaukeln. Wir wüssten beide doch eh, dass unsere Herzen jemand anderem gehören. Ich wusste in dem Moment nicht, was ich sagen sollte. Er hat aber nur gelächelt und mich umarmt, mir dann viel Glück gewünscht und ist gegangen."

Youngjae legte Changbin mitfühlend eine Hand auf die Schulter, als dieser die Ellenbogen auf seinen Knien abstützte und seine Stirn gegen die Tasse in seinen Händen lehnte. Er sagte es nicht laut, aber er konnte sich bereits denken, für wen Felix seinen besten Freund verlassen hatte. Aber er hatte sich eh gefragt, warum Binnie nie die Blicke aufgefallen waren, die Felix und Hyunjin miteinander gewechselt hatten. Denn ganz ehrlich, man hätte schon meinen können, dass die beiden alleine durch bloßen Augenkontakt miteinander vögelten.

Bei ihm war es anders gewesen. Suzy liebte ihn, aber er sie nicht. Youngjae seufzte leise. "Vielleicht waren wir beide auch einfach nur dumm gewesen." "Oder verzweifelt, Jaejae.""Oder dumm und verzweifelt." Der Schwarzhaarige sah ihn daraufhin an und seine Mundwinkel hoben sich zu einem schiefen Grinsen."Irgendwie passt die letzte Variante am besten zu uns. So verzweifelt, um uns in die erstbeste Beziehung zu stürzen, und so blöd, um so etwas überhaupt in Erwägung zu ziehen. Es hätte uns doch beiden klar sein müssen, dass das in einem Fiasko endet." Youngjae sah ihn daraufhin mit einem traurigen Lächeln an."Vielleicht wollten wir beide auch einfach nur wissen, wie es ist, geliebt und begehrt zu werden. Ich meine, Suzy ist ein tolles Mädchen, aber diese Gefühle, die ich gesucht habe....." "Du hast sie nicht gefunden? So ging es mir bei Felix auch. Er ist wirklich ein toller Typ, aber er war nicht das, was ich gesucht habe, verstehst du? Etwas hat die ganze Zeit gefehlt."

Youngjae sah Changbin daraufhin nachdenklich an. Zum Ende ihrer Konversation hatte sich eine Idee in seinem Kopf manifestiert. Sie wollten beide dasselbe. Sie wollten beide geliebt und begehrt werden. An Liebe hatte es nicht gemangelt, zumindest auf die ein oder andere Weise. Vielleicht.... "Binnie?", fing der Brünette an, ohne weiter darüber nachzudenken. Als er die Aufmerksamkeit seines besten Freundes hatte, räusperte Youngjae sich kurz und nahm Changbin die Tasse aus den Händen, um sie auf den Wohnzimmertisch zu stehlen. Der Schwarzhaarige wollte schon protestieren, aber Youngjae ließ ihn nicht zu Wort kommen, packte ihn am Kragen und zog ihn in einen Kuss. Himmel, wie hatte er diese Lippen vermisst. Diese rauen Lippen, die dieses Mal nach Schokocappuccino schmeckten. Er spürte, wie Changbin sich kurz verkrampfte, entweder war er gerade einfach nur vor Schreck erstarrt oder er musste an ihren ersten Kuss denken, der nicht so toll geendet ist. Youngjae wimmerte leise gegen Changbins Lippen, als er an diesen Tag dachte. Es tat ihm so sehr leid, er wollte es wiedergutmachen.

Eine Hand legte sich in seinen Nacken und schon erwiderte Changbin den Kuss mit derselben Leidenschaft, die Youngjae an den Tag legte. Und verdammt, er war noch nie so geküsst worden! Er ließ Changbins Hemdkragen los und schlang stattdessen seine Arme um dessen Hals, um noch näher an ihn heran zu rücken. Die noch freie Hand des Schwarzhaarigen lag nun auf seinem Hintern, was in Youngjae ein merkwürdiges Gefühl auslöste. Es war aber keineswegs etwas Negatives, es war nur so neu für ihn. Er wollte mehr. Viel viel mehr.
Und das hatte er auch bekommen. Bis zu dieser Nacht hatte er nicht gewusst, wie gut sich der Sex mit einem Mann anfühlte.
Und einige Monate später wusste er auch, wie weh es tat, jemanden von ganzem Herzen zu lieben, aber zu spät gewesen zu sein und diesen mit einem Anderen glücklich zu sehen.

Youngjae setzte sich ruckartig gerade hin und schüttelte heftig den Kopf. Er wollte nicht mehr daran denken, er wollte Changbin doch einfach nur vergessen. Er wollte diese verfluchten Gefühle auslöschen, um nicht mehr so leiden zu müssen. Warum konnte er sich nicht einfach neu verlieben und ganz von vorne anfangen? Warum hing sein dummes Herz so sehr an dem Schwarzhaarigen. Youngjae schluchzte auf und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Seit ihrem ersten Kuss, der nun fast fünf Jahre her war, hatte er nicht einmal wegen Changbin geweint. Er war wütend und eifersüchtig gewesen, aber Tränen waren nie geflossen. Warum musste er gerade jetzt losheulen? Er hatte eingesehen, dass er ihn verloren hatte. Nicht als besten Freund, aber als das, was sie vielleicht hätten füreinander sein können. Wenn er nur mutig genug gewesen wäre, vielleicht hätte er jetzt neben Changbin vor dem Traualtar gestanden. Nicht als Trauzeuge, sondern als sein zukünftiger Ehemann.

Youngjae war sosehr damit beschäftigt, in Selbstmitleid zu versinken, dass er nicht merkte, wie sich jemand zu ihm setzte. Erst als er in eine Umarmung gezogen wurde, sah er erschrocken auf. "Du verdammtes Arschloch.... Ich habe mir solche Sorgen gemacht....", hörte er in dem Moment eine heisere Stimme flüstern, und seine Anspannung legte sich wieder. Zaghaft erwiderte Youngjae Changbins Umarmung und lehnte sich an ihn. Die schwarzen Haare des jungen Mannes kitzelten ihn am Nacken und Wassertropfen fielen auf seine Haut. Es hatte doch mittlerweile aufgehört zu regnen, warum war Changbin dann nass?

"Binnie, was machst du hier? Solltest du nicht bei dei.....", fing er leise an, würde aber prompt unterbrochen. "Jeongin und ich haben die Hochzeit abgeblasen..... Nachdem du mir so filmreif den Ring gegen den Kopf geworfen hast und abgehauen bist. Er hatte mich angelächelt und gesagt, dass es nichts bringen würde. Dass er nicht der Richtige für mich wäre. Und dass er wüsste, dass ich ihn nie lieben würde, weil schon ein Anderer mein Herz besitzt und ich endlich den Mut haben soll, es diesem Idioten zu sagen, sonst würden wir es nie auf die Kette kriegen. Dass ich nicht immer weglaufen soll, sobald es brenzlig wird. Und er hat recht, verdammt nochmal. Er hat so recht."

Youngjae verstand die Welt nicht mehr. Changbin und Jeongin haben die Hochzeit abgeblasen? Die Zeremonie war doch fast zuende gewesen, sie hätten nur noch die Ringe tauschen und sich küssen müssen. In dem Moment spürte er einen sanften Druck an seinen Schultern, der ihn zurückschob. Youngjae sah direkt in Changbins Gesicht, und er lächelte ihn mit soviel Zärtlichkeit an, dass ihm fast schon wieder die Tränen in die Augen stiegen. Der Schwarzhaarige legte eine Hand auf Youngjaes Wange und strich sanft mit dem Daumen über die gerötete Haut. Der Brünette lehnte sich sofort in die Berührung, er hatte diese Innigkeit und Nähe sosehr vermisst. "Jaejae?" Changbins zaghafte Stimme veranlasste Angesprochenen dazu, wieder direkt in dessen Augen zu schauen.

"Ich liebe dich~"


                            ~❤️~


"Und dann? Papa, was ist dann passiert?" Ein vierjähriger Junge lag in seinem Bett, einen Plüschotter fest in seinen Ärmchen haltend, und sah Youngjae mit großen, neugierigen Augen an. Besagter Papa lächelte sanft und streichelte zärtlich durch das weiche Haar seines Söhnchens."Bald darauf heirateten Prinz Binnie und Prinz Jaejae. Und um ihr Glück endgültig perfekt zu machen, nahmen sie später einen kleinen Jungen namens Seungmin bei sich auf, der dann ihr Sohn wurde und den sie mehr liebten als alles andere. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute." Das Kind kicherte daraufhin und kuschelte sich an sein Kuscheltier."Ihr Sohn heißt ja genauso wie ich!" Youngjae schmunzelte und nickte. "Ja, weil sie genau wussten, dass nur ein kleiner Seungmin sie wirklich glücklich machen wird. Und jetzt schlafe schön, mein Spatz. Denk dran, morgen kommen Onkel Hyunjin und Onkel Felix mit Younha. Da willst du doch ausgeschlafen sein." Seungmin strahlte ihn daraufhin an, er freute sich bereits darauf, Younha wieder zu sehen. Sie war genauso alt wie er und die Tochter von Hyunjin und Felix. Er machte artig die Augen zu und murmelte ein 'Gute Nacht, Papa.', und Youngjae konnte ihm garnicht so schnell einen Kuss auf die Stirn geben, wie der Kleine eingeschlafen war. Er lächelte sanft und stand vorsichtig auf, deckte seinen Sohn ordentlich zu und verließ so leise er konnte, das Zimmer. Changbin, der bis gerade noch lächelnd am Türrahmen gelehnt und seinem Ehemann gelauscht hatte, wartete, bis er die Tür geschlossen hatte, und zog ihn dann in seine Arme. "Soso, unsere Lovestory ist jetzt also ein Märchen, ja? Wenigstens hast du die nicht jugendfreien Stellen ausgelassen." Youngjae wurde daraufhin rot und gab ihm einen leichten Klaps gegen die Schulter. "Blödmann, er ist erst vier! Er ist noch viel zu jung für irgendwelchen Sexualkundeunterricht." Die verlegene Reaktion des jungen Mannes brachte Changbin zum lachen, dann beugte er sich vor und küsste Youngjae zärtlich, was dieser auch sofort erwiderte.

"Wo wir gerade von Sexualkunde sprechen, Baby..... Ich glaube, wir müssen ein bisschen was auffrischen."

                              ~Ende~
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast