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Langstreckenlauf ins Glück

OneshotAllgemein / P12 / FemSlash
Jane Rizzoli Maura Isles
21.01.2021
21.01.2021
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Hallo :)
Es ist mal wieder nach meiner Bettzeit, aber ich wollte es trotzdem gerne noch vollenden und hochladen. Entschuldigt, wenn rechtschreiblich nicht alles in Ordnung ist, aber ich hab die letzten Fehler dann wohl einfach überlesen.
Vielleicht findet ihr den OS auch langweilig, kann sein. Aber ich fand ihn für zwischendurch bei dem anderen Trubel mal ganz schön! Außerdem hab ich die Schreibweise so bisher noch nie angewendet.
Freue mich über Rückmeldung^^

LG und gute Nacht

Vani-Sashanista

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Mauras Sicht


Es war sieben Uhr morgens und das an einem Dienstag in den Herbstferien. Ich hatte mir gleich nachdem ich mich aus dem Bett schälte meine Laufschuhe angezogen und war von Beacon Hill, wo ich mit meinen Eltern, welche gerade auf ihren jeweiligen Geschäftsreisen waren – wie so häufig - wohnte, nach South Boston gejoggt.

Ich zog meinen Pferdeschwanz enger und pustete mir in die Hände. Es war für Oktober schon ziemlich kalt, und dabei hatte ich mich vorher penibel über das Wetter erkundigt. Es schien, dass selbst der Bericht nicht immer genau war.

Während ich also auf der Stelle trabte und auf eine grüne Ampel wartete, begann ich in meiner Thermowäsche zu frösteln. Ich musste mich auf warme Gedanken bringen, auch wenn das so rein theoretisch nichts an meiner Körpertemperatur ändern würde, mich aber immerhin etwas ablenkte.

Ich dachte an meine beste Freundin Jane. Mit Sicherheit hatte sie unser Treffen für das Physikprojekt bei mir vergessen und dabei hatte ich ihr vorher extra noch eine Nachricht zur Erinnerung geschrieben. Selbst meine beiden Anrufe, die sozusagen als Weckruf gelten sollten, hatte sie ignoriert.

Es half also alles nichts: Ich würde unangekündigt auf der Matte stehen müssen.

Jane lag wohlmöglich noch immer in ihrem Bett und schlief seelenruhig, die schwarzen Locken über ihrem Gesicht verteilt. Ich musste bei dem Gedanken an meine letzte Übernachtung bei ihr grinsen. Wir hatten wie üblich in einem Bett geschlafen, nachdem wir uns in einem Filmmarathon abwechselnd unsere Lieblingsstreifen angeschaut hatten. Ich denke sie war spätestens bei „Über den Dächern von Nizza“ eingeschlafen. Und dabei zählte ich diesen zu meinen liebsten Klassikern! Meinerseits hatte ich ihr die Freude gemacht, ihren James Bond bis zum Schluss mitzuschauen, auch wenn sie vor Begeisterung der nun ja sehr unglaubwürdigen Stunts am Laufenden Band gequiekt hatte. Ich biss mir nur auf die Zunge.

An dem Morgen war ich vor Jane überraschenderweise aufgewacht. Sie hatte sich an meine Schulter gekuschelt und eine Hand auf meine Brust gelegt, sicherlich unabsichtlich. Und ich ließ sie da, bis sie aufwachte und sich selbst von meiner erogenen Zone entfernte. Offenbar hatte sie gar nicht mitbekommen, wo sie mich berührt hatte, dabei muss ich zugeben, dass es mir sehr gefiel. Ich unterließ es jedoch, sie darauf anzusprechen und stattdessen hatten wir unseren Tag normal fortgesetzt.

Mittlerweile war ich noch ein kurzes Ende ab von Janes Straße und so spurtete ich noch einmal los. Ich war trainierte Langstreckenläuferin und so war die Entfernung zwischen den beiden Stadtteilen Bostons keine Schwierigkeit mehr für mich. Ich konnte sie sogar problemlos zweimal schaffen, wenn nötig. Ich zog mir das Stirnband, das meine Ohren bedecken sollte etwas weiter hoch, meine Finger waren jetzt ganz kalt und so ballte ich sie zu Fäusten, als ich endlich in die nächste Einfahrt einbog und einem Mann mit Rottweiler an der Leine auswich.

„Entschuldigung!“, entfuhr es mir, als ich zusammenzuckte, weil das Tier zu bellen begann und mir einen ungemeinen Schrecken einjagte. Dabei hatte ich gar keine Angst vor Hunden.

Sein Herrchen erwiderte nichts, grummelte nur missmutig und so lief ich weiter, machte mir nichts draus.

Ich erreichte die Straße mit den immergleichen Reihenhäusern, in welcher meine beste Freundin mit ihrer Familie lebte.

Jetzt im gemäßigten Schritttempo und doch ein wenig außer Atem, ging ich die Auffahrt hoch, vorbei an dem dunkelgrünen Kleintransporter mit der „Rizzoli & Sons“ Aufschrift. Meine Finger waren kalt, als ich an auf die Klingel drückte und dann einen Schritt zurückging, mich nochmal für das wappnete, was ich sagen wollte, im Falle, dass Jane nicht aufmachte.

Es dauerte etwas, bis es polterte und die Tür aufschwang und den Blick auf die brünette Frau preisgab. Angela Rizzoli, Janes Mutter, sah mich überrascht an und ich wand mich etwas unter ihrer Musterung. Was ich wohl für einen Eindruck machen müsste?

„Maura, Kind! Es ist ja eisig draußen, komm schnell rein!“ Sie nahm mich bei der Hand und zog mich ins Haus, noch bevor ich etwas erwidern konnte.

„Guten Morgen, Mrs. Rizzoli“, antwortete ich, nachdem sie die Tür hinter mir zugemacht hatte und ich im Flur stand. Erst jetzt fiel mir auf, dass die Frau noch im Morgenmantel war. Ich hoffe, ich störte nicht. Wahrscheinlich war es falsch, einfach aufzukreuzen. Wie bin ich auch in dem Glauben geblieben, dass dies eine gute Idee war?!

„Nenn mich Angela, Maura. Wie oft muss ich dich noch darum bitten?“ Ich lächelte verlegen, mochte ich es doch eigentlich gar nicht, mir nicht näher bekannte Erwachsene beim Vornamen zu nennen. Dann fiel mir auf, dass vor mir die Mutter meiner besten – und einzigen – Freundin stand und ich diese sehr wohl kannte.

„Ich werde versuchen, es mir zu merken.“

„Du bist sicher wegen Jane da. Sie hat sich bis jetzt noch nicht blicken lassen. Ich werde sie holen gehen.“ Ich nickte verhalten, war mir die ganze Situation doch etwas unangenehm. „Und Maura! Ich habe gerade einen Kessel Tee aufgesetzt. Geh doch in die Küche und nimm dir eine Tasse. Wärm dich ein bisschen auf, du musst doch frieren.“ Ich wollte protestieren, da mir durch das Laufen ganz und gar nicht kalt war, aber Angela ließ keine Widerworte zu, als sie die Treppen emporstieg, um ihrer Tochter Beine zu machen.

Ich öffnete meine Schuhe und stellte sie fein säuberlich an die Seite, während ich mit einem etwas mulmigen Gefühl in die Küche ging, in welcher Janes Vater hinter dem Boston Globe am Küchentisch versteckt saß.

„Guten Morgen, Mr. Rizzoli“, grüßte ich und bekam ein anmerkendes Brummen zurück, wonach ich mir eine der Tassen nahm, mir eingoss – es duftete nach Holunderblüte – und mich zu dem Mann an den Tisch setzte. Heimlich las ich die Schlagzeile der Zeitung, die mir zugewandt war und nippte dabei vorsichtig an dem Tee.


Janes Sicht


Ich lag auf einer Wiese und spürte die Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Komisch, sonst hatte ich nicht solche Träume. Zumindest bisher nicht. Ich schirmte meine Augen von dem gleißend hellen Schein ab, und wandte mich zur Seite. Dort entdeckte ich sie.

Maura saß neben mir in einem weißen Kleid und Sonnenhut und lächelte auf mich herab.

„Hast du gut geschlafen, Liebes?“ Liebes?! Normalerweise nannte Maura mich nicht so. Die Situation kam mir allgemein fremd vor.

Ich nickte dennoch und lächelte sie an, merkte dann, wie sie sich zu mir beugte und nur wenige Millimeter vor meinem Gesicht innehielt.

„Gut. Ich kann nämlich kaum erwarten, das hier zu tun.“ Und dann küsste sie mich. Ich war so perplex, dass ich kaum reagieren konnte, als ihre Lippen sich auf meine legten. Irgendwie himmlisch. Ich wollte es erwidern, sie zu mir ziehen und unseren Kuss vertiefen, als sie mich plötzlich verstört anschaute.

„Jane, was machst du denn da?“ Dann begann ihr Gesicht zu verschwimmen.

Ich schlug die Augen auf, mit einem Mal war ich hellwach und saß aufrecht in meinem Bett. Mein Bruder Frankie stand in der Tür und formte einen Kussmund. Äffte er mich nach?

Ich warf ein Kissen nach ihm und ärgerte mich dann darüber, dass ich geträumt hatte, wie meine beste Freundin mich küsste. Nein, anders, ich ärgerte mich, dass es nur ein Traum gewesen war.

„Mit wem knutscht du denn da, Janie?“, fragte er und hielt sich vor Lachen am Türrahmen fest.

„Verdammt Frankie! Hau ab!“, rief ich und wollte noch ein Kissen nach ihm werfen, als unsere Mutter sich an ihm vorbeischob und erbost die Hände in die Hüften stemmte.

„Du bist also wach, Fräulein, und siehst es nicht ein, dich anzuziehen und an die Tür zu gehen? Es ist für dich!“

„Ma, ich bin erst seit einer Minute wach. Wer ist es denn?“ Ich rieb mir die Augen, konnte mich nicht entsinnen, jemanden erwartet zu haben.

„Maura ist gerade gekommen. Sie sagt, ihr wart verabredet.“

Verdammt! Das Physikprojekt! Ich hatte es vollkommen vergessen! Wir sollten es nächste Woche gleich nach den Ferien abgeben und Maura wollte es unbedingt heute fertigmachen, dazu hatte sie mich sogar extra abholen wollen. Ich schlug mir die Hand vor den Kopf, das hatte ich gerade gar nicht nötig.

„Na wird’s denn bald? Sie wartet auf dich!“ Ma stapfte wieder raus, um mir einen Haufen Wäsche zu bringen. Sie musste wohl glauben, dass ich draußen erfrieren würde, ehe ich auch nur einen Fuß vor die Tür setzte. „Hier, zieh das an. Es ist verdammt kalt draußen.“

Ich grummelte und warf ihr und meinem Bruder einen vernichtenden Blick zu, wollte ich schließlich nicht im Oktober wie ein Schneemann herumlaufen. Was, wenn Maura mich so sieht?! Sogar die kleine Alleswisserin würde sich nicht mehr zügeln können und mich auslachen.

Es half nichts. Mürrisch stieg ich aus meinem warmen Bett und vermisste es augenblicklich, als ich die Füße auf das kalte Parkett setzte. Ich schloss die Tür und zog mir schnell meine Sportsachen an – wie ich Maura kannte, würde sie laufen wollen – und darüber einen Pulli. Ich ging davon aus, mich nicht zu erkälten, auch wenn ich nicht die von Ma geforderten drei Lagen Stoff anzog.

Nachdem ich meine dunklen, von mir eigentlich wenig gemochten, Locken in einen Zopf steckte und mir dann schnell die Zähne putzte, kam ich die Treppe runter getrottet. Ich konnte Gelächter aus der Küche hören und fragte mich, wer sich schon wieder über wen amüsierte. Hoffentlich machten meine Brüder sich keinen Spaß daraus, meine beste Freundin zu schikanieren. Doch das Bild, das ich vorfand, war ein ganz anderes.

„Und dann macht sie so.“ Frankie stand mit dem Milchkanister vor dem Kühlschrank und spitzte lustvoll die Lippen. Ich konnte sehen, dass Tommy vor Lachen beinahe vom Stuhl sausen wollte und sogar Maura grinste ein wenig, während meine Eltern nichts erwiderten. Ich zog den Kopf ein und stapfte in die Küche, um mir einen Apfel zu greifen. Schließlich wollte ich den Meilenlauf nicht ohne etwas im Magen durchziehen.

„Morgen, Maur“, sagte ich in ihre Richtung und strich ihr über die Schulter, ging dann weiter zur Obstschale und verpasste meinem Bruder eine gegen den Arm.

„Hey, da ist ja unsere Hauptakteurin! Na, wie war Knutschen?“, stichelte nun auch mein jüngster Bruder gegen mich. Ich warf meiner besten Freundin einen Blick zu, welche sich beschämt abwandte, offenbar vor Reue, dass sie das lustig gefunden hatte. Ich erwiderte nichts und verdrehte stattdessen nur die Augen.

„Komm, Maura, lass uns gehen“, sagte ich, während ich geräuschvoll in den Apfel biss.


Mauras Sicht


Ich hatte meinen Tee mittlerweile ausgetrunken, als Jane runterkam und ihren Bruder boxte, welcher uns gerade mit Janes neustem Fettnäpfchen zu amüsieren versuchte. Hauptsächlich musste ich dabei grinsen, weil ich mir Jane so unglaublich süß vorstellte. Wen sie da im Traum wohl geküsst hatte? Als ihre beste Freundin sollte ich schließlich von einem potenziellen Schwarm wissen! Doch mir fiel keiner ein und so dachte ich, Jane hätte über einen ihrer Schauspieler fantasiert. Etwa diesem Daniel Craig? Es lief mir den Rücken runter.

Dass ich ihr ebenfalls einen guten Morgen wünschte, hörte sie nicht, offenbar zu sehr damit beschäftigt, miesepetrig zu sein.

Als sie vorschlug, aufzubrechen, stimmte ich schnell zu und stand dann auf. „Es hat mich sehr gefreut. Mr. Rizzoli, Mrs. Ri- ich meine Angela, Tommy und Frankie. Vielen Dank für die Gastfreundschaft.“ Ich lächelte einmal in die Runde und stellte die Tasse gerade zum Abwasch, als Jane mich am Arm packte und mich schon aus der Küche zog.

„Hör auf zu schwafeln, Maura, du weißt, dass du praktisch hier wohnst.“

„Aber ich habe doch gar nicht-“ Sie schnitt mir jammernd das Wort ab.

„Verdammt, Maura! Jetzt zieh dir endlich deine Schuhe an und lass uns verschwinden!“ Ich hatte mich gerade hingehockt, um ihrer Aufforderung nachzukommen, als ich mir doch meine schnippische Bemerkung nicht mehr verkneifen konnte.

„Du kannst wirklich ungenießbar sein. Weißt du das, Jane Rizzoli?“

„Du willst jetzt also auf den Genuss kommen, huh?“, fragte sie und zog vielsagend ihre Augenbrauen hoch. Ich konnte es nicht fassen! Hatte sie meine Bemerkung gerade als schweinisch empfunden? Jedenfalls hatte sie selbst artähnlich reagiert. Oder verstand ich wie so häufig ihren unterschwelligen Sarkasmus nicht, mit welchem sie mich zu gern aufzog?

Ich sah wieder Frankie und Tommy im Türrahmen stehen, welche nun beide Kussmünder in unsere Richtung streckten und dabei taten, als würden sie jemanden lustvoll liebkosen.

Bevor Jane sich darüber ärgern konnte, zwängte sich Angela an ihren beiden Jungs vorbei und packte ein paar mir bis dahin unbekannte Objekte.

„Warte, Jane! Zieh das an, ohne gehst du mir nicht aus dem Haus“, mahnte sie und streifte dem großen Mädchen dann eine gelbe Bommelmütze – die mit Verlaub wirklich schrecklich zu ihrem dunkelgrünen Boston High Sweater aussah – über und legte ihr einen Schal in derselben unmodischen Farbe um.

Jane verzog plötzlich ganz steif das Gesicht. „Danke, Ma“, quälte sie heraus und zog sich dann ebenfalls ihre Schuhe an, fühlte sich offenbar gedemütigt und vorgeführt in meiner Gegenwart und das tat mir plötzlich schrecklich leid. Schließlich war ich ja diejenige, die es nicht auf sich hatte beruhen lassen können.

„Seid vorsichtig Mädchen, hört ihr?“, trichterte Angela uns noch einmal ein, bevor Jane sich schnell daran machte die Tür zu öffnen und mich mit derselben Hand hinauszog, mit der sie auch ihren Apfel hielt. Ich vergaß völlig zu winken, zu sehr ärgerte ich mich über die Flecken, die das hinterlassen würde. Vielleicht bekäme ich die Fruchtsäure später noch mit einem Waschmittel aus dem besonderen Stoff meines Laufanzuges, welchen Jane spaßeshalber als „Ganzkörperkondom“ bezeichnete. Dabei verstand ich nicht wieso und fragte sie, ob sie denn schon mal ein Kondom aus der Nähe gesehen hatte, wir waren schließlich beide sechzehn und ich schätzte Jane als nicht weniger sexuell unerfahren als mich ein. Doch darauf hielt sie sich immer gleich die Ohren zu, tat kindisch, als wollte sie nie etwas davon hören. Aber ich drängte mich ihr nicht auf.

Wir liefen gemeinsam nebeneinanderher, kämpften ein paar Mal um die Vorherrschaft, indem wir kleine Wettrennen veranstalteten, bis mir jedoch die Waden brannten. Für Sprints war ich nicht gemacht, Jane dafür umso mehr. Allgemein war sie die Sportlichere von uns beiden, spielte sogar im Softball Team der Schule, während ich mich auf das schlichte Säbelfechten beschränkte.

„Können wir bitte langsamer laufen? Bitte“, hechelte ich schließlich, da war Jane mir schon Meter voraus. Sie drehte sich um und trottete auf der Stelle, sah mich mit mir selbst kämpfen.

„Was denn? Ist unsere große Maura Isles etwa aus der Puste? Und ich dachte, es gäbe nichts, das du nicht kannst!“

„Es gibt viele Dinge, die ich nicht kann!“, widersprach ich sofort und sie legte gespannt die Stirn in Falten.

„Die da wären?“

Ich hatte zu ihr aufgeschlossen und wir liefen wieder in einem erträglichen Tempo nebeneinander. „Fliegen, in die Zukunft sehen, unsichtbar sein, einarmiger Handstand, schielen, Chinesisch- “ Wieder unterbrach sie mich.

„Okay anfangs dachte ich, du machst dich über mich lustig. Du kannst nicht schielen?!"

„Nein“, erwiderte ich simpel. Ich hatte ja bereits gesagt, dass ich dazu nicht in der Lage war.

„Mach’s doch mal!“ Sie lenkte beide Augäpfel in Nasenrichtung und schielte. Ich zog eine genervte Grimasse, versuchte dann, es ihr nachzumachen und sah bestimmt total dämlich aus. Jedenfalls konnte Jane sich vor Lachen nicht mehr halten.

„Ich sagte doch, dass ich das nicht kann.“

„Und dafür ist irgendein Gendefekt verantwortlich? Komm schon, jeder kann das!“

„Das weiß ich nicht“, sagte ich nur und wollte dem dann nichts weiter hinzufügen, aber das hatte Janes Überraschung wohl erst richtig angeheizt.

„Du weißt es nicht?! Keine wissenschaftliche Erklärung dafür, dass du so ein Snob bist? Wie lange sind wir jetzt schon befreundet? Drei Jahre? Wow, dass ich mal erlebe, dass du etwas nicht weißt, hätte ich nie erwartet!“

Das reichte mir, ich legte wieder einen Zahn zu, sodass sie Mühe hatte, mit mir mitzuhalten.


Janes Sicht


Wir waren gerade bei Maura in Beacon Hill angekommen, da begann sie bereits, den Reißverschluss ihres Ganzköperkondoms herunterzuziehen und stieg hinaus. Ich war völlig geplättet, als sie einfach so ohne Vorwarnung nur noch in Unterwäsche in der Eingangshalle stand, schließlich hätte sie ja jemand sehen können!

„Keine Sorge, wir sind allein. Christina kommt erst gegen Mittag, um nach dem Rechten zu sehen. Du kannst schon hoch gehen und dich mit dem Material vertraut machen. Ich habe bereits recherchiert und war auch schon in der Bibliothek, wo ich ein nützliches Buch gefunden habe. Ich geh noch schnell duschen und komm dann nach“, sagte meine beste Freundin und flitzte dann die Marmortreppen hoch.

Ich kam nicht umhin, ihren Hintern zu beobachten. Niedlich irgendwie. Sie drehte sich um und sah mich an, ich hatte fast Angst, dass sie mein Starren bemerkt hatte, doch was sie dann sagte, haute mich aus den Socken: „Du kannst gerne mitkommen. Also duschen, wenn du das Bedürfnis hast.“ Ich sah, wie Maura plötzlich die Röte in die Wangen schoss, nachdem sie gemerkt hatte, wie das klang und ich sie erwartungsvoll anblickte. „Also nach mir natürlich! Oder vor mir, wie du willst.“

Ich verneinte stumm, hatte die Vorstellung, mit ihr unter einer Dusche zu stehen, sich mir jetzt wie auf die Netzhaut gebrannt!

Mir war schleierhaft, seit wann ich so über Maura dachte. Sicher hatte ich sie sehr lieb und auch schon das ein oder andere Mal auf die Wange geküsst. Und natürlich kamen wir uns auch näher, wenn wir in einem Bett schliefen. Das letzte Mal hab ich zum Beispiel ganz ohne drüber nachzudenken meine Hand auf ihre Brüste gelegt, nur um zu sehen, wie sie reagieren würde, ob es ihr denn etwas ausmachen würde. Und sie hatte nichts dagegen getan, es einfach dabei belassen, während ich ihren rapiden Herzschlag gegen meine Fingerspitzen gespürt hatte.

Ich tat wie sie befohlen hatte und ging die Treppen in ihr Zimmer hoch. Noch immer staunte ich jedes Mal aufs Neue, wenn ich hier eintrat. So viel größer und schöner als das meine. Die Ironie war, dass Maura viel öfter bei mir war, als ich umgekehrt. Dabei hätte sie theoretisch und auch praktisch viel mehr Platz zur Verfügung, musste ich hingegen damit rechnen, dass alle fünf Minuten meine Eltern oder meine Brüder reinkamen, um zu stören oder nach Sonstigem zu fragen.

Ich hörte das Wasser im Nebenzimmer laufen und stellte mir meine beste Freundin unwillkürlich unter der Dusche vor. Nein, das musste ich mir schnell wieder aus dem Kopf schlagen! Mir wurde ganz warm und meine Finger kribbelten. Was machte dieses Mädchen nur mit mir?!

Ich versuchte mich abzulenken, nahm den Globus auf einem Regal in Augenschein und drehte daran. Nicht ein Fetzten Staub war zu erkennen, sie musste ihn wirklich gut pflegen – was sie eigentlich mit allen ihrer Besitztümer tat. Mir fielen die kleinen roten Punkte auf und ich nahm den Globus runter, um ihn besser zu betrachten. Maura hatte auf einigen Ländern, ebenfalls welchen, deren Namen ich nie zuvor gehört hatte, kleine Sticker geklebt. Wahrscheinlich alles Länder, in die sie bereits gereist war.

Ich staunte, als ich auf vier Kontinenten insgesamt fünfzehn Länder zählte. Wahnsinn! Maura war sogar schonmal in Australien gewesen. Davon konnte ich nur träumen. Aber wer weiß? Vielleicht nahmen Mauras Adoptiveltern mich auch mal auf eine ihrer Reisen mit. Meine würden Maura schließlich mit offenen Armen empfangen.

„Das waren hauptsächlich die Geschäftsreisen und Ausstellungen meiner Eltern gewesen. Kein Urlaub“, sagte Maura als sie hinter mir auftauchte und ich vor Schreck beinahe den Globus fallen ließ. Sie sah wirklich hübsch aus, in dem weiten Langarmshirt mit Uboot-Ausschnitt und dazu die schwarze Yoga Hose. Die honigblonden Haare, noch etwas feucht, fielen ihr frei über den Rücken. Ich liebte es, wenn sie so leger auftrat. Nicht in ihren teuren Kleidern oder Röcken. So gefiel sie mir am liebsten.

„Hast du dich jetzt nur für das Teil interessiert oder dir auch mal den Stapel Papiere dort angeschaut?“ Maura deutete mit einem Nicken auf ihren Schreibtisch, wo sich tatsächlich schon einige Unterlagen zu unserem Projekt sammelten. Ich druckste etwas herum, schüttelte dann jedoch den Kopf.

Großartig! Sie hatte sich so reingekniet und ich hatte so gut wie gar keinen Teil dazu beigetragen. Einer der Gründe, weshalb ich so ungern Schulprojekte mit meiner besten Freundin machte. Es lief immer darauf hinaus, dass sie alles alleine im Voraus erledigte und ich am Ende gefühlt nur noch meinen Namen hinpinseln musste. Normalerweise arbeiteten wir daher an sowas getrennt, aber diesmal hab ich sie gelost. Wie schon gesagt, ich hatte sie sehr lieb, aber bei diesen Dingen, hatte ich immer Angst, dass sie dachte, ich würde sie ausnutzen.

„Na dann komm her und lass es uns durchgehen. Sag mir, wenn ich zu viel besorgt hab, irgendwann habe ich den Überblick verloren und gedacht, alles könnte nützlich sein! Vielleicht sollten wir anfangs den schriftlichen Teil durchstrukturieren und danach schauen, was wir an Material nicht unterbringen können, in Ordnung?“, schlug sie vor und ich nickte, stellte den Globus wieder an seinen Platz und setzte mich dann auf den zweiten Stuhl an Mauras Schreibtisch.

Wir begannen uns mit den Schwingungen und Wellen zu befassen, zeichneten dazu einige Modelle und führten dann mit einem Pendel praktische Versuche durch, die wir dokumentierten. Maura hatte sogar eine Stimmgabel als Instrument, die wir ebenfalls benutzen konnten.

Nach einer Weile, wir waren gerade eifrig dabei, in den Dokumenten zu wälzen und das Wichtigste herauszuschreiben, da wir uns die Arbeit so aufgeteilt hatten, warf ich Maura flüchtig einen Seitenblick zu und erwischte sie dabei, wie sie mich heimlich anschaute und dann ganz schnell den Blick abwandte, als ich sie fing.

Sie biss sich auf die Lippe, machte sich wieder daran zu schreiben und blätterte in dem Buch, doch ich wollte dem nun auf den Grund gehen. Sie verhielt sich sonst nicht so merkwürdig. Es sei denn, sie hatte etwas auf dem Herzen.

„Maura, was ist los?“, fragte ich sie schließlich doch.

„Nichts!“ Ihre Antwort kam eher als ich meinen Satz zu Ende sprechen konnte. Der verräterische Ausschlag ihrer Nesselsucht breitete sich nur wenig später an ihrem Hals und Dekolleté aus. Die Strafe, wenn sie log.

„Na komm. Du hast doch was“, bohrte ich weiter und sie seufzte.

„Weißt du, mir geht das von heute Morgen einfach nicht mehr aus dem Kopf. Hast du wirklich geträumt, jemanden zu küssen? Und das so intensiv, dass du es im schlafenden Zustand physisch ausgelebt hast?“ Ihre Stimme war vorsichtig, beinahe ängstlich.

„Ach das! Herr Gott, das war so verrückt.“ Ich wollte es ihr wirklich nicht erzählen, was sollte sie dann auch von mir denken? Dass ich verliebt in sie war? Ich merkte dabei, dass mir bei dem Gedanken ganz warm wurde. Ich empfand doch nicht mehr für meine beste Freundin als ich sollte, oder?

„Wen hast du denn geküsst? Bitte sag's mir.“ Ihr flehender Ausdruck machte mir etwas Angst. Warum war sie so versessen darauf?

Ich schüttelte den Kopf. „Gut, du wolltest es so. Ich habe geträumt, dich zu küssen. Dabei hast du angefangen, ehe ich mitmachen konnte und dann wurde ich geweckt. Schade eigentlich.“ Ich machte mir nichts weiter draus und wollte weiterarbeiten.

Es war eine Weile ruhig zwischen uns, bis Maura wieder etwas sagte: „Hat es dir denn gefallen? Wie ich dich geküsst habe?“

Sie war ganz rot geworden und auch ich fühlte mich ein bisschen peinlich berührt. „Woher soll ich wissen, wie es sich anfühlen würde? Es war schließlich nur ein Traum. Aber ich denke, dass es mir gefallen haben muss, ich hab schließlich mehr gewollt.“ Das ging wohl oder übel über das Gespräch bester Freundinnen hinaus und ich biss mir augenblicklich auf die Zunge, bevor ich noch etwas sagte, das die Lage zum Kippen brachte.

Ich sah, wie sie offenkundig mit sich haderte, dann sagte sie etwas, was mich absolut überraschte: „Schließ die Augen.“

„Maur, warum?“

„Mach es bitte!“ Ich kam ihrer Aufforderung nach, auch wenn mir etwas mulmig dabei war und dann spürte ich plötzlich die Wärme ihres Atems auf meiner Haut. Gefolgt von ihren Lippen auf den meinen. Maura küsste mich! Und es fühlte sich so viel besser als im Traum an! Sie legte süß und leicht und doch mit so viel Gefühl ihre Lippen auf meine und ich begann zu reagieren, küsste sie zurück. Mit einem Mal löste sie sich von mir, kniff die Augen zusammen und atmete geräuschvoll aus, als hätte sie soeben etwas getan, was sie unglaublich viel Überwindung gekostet hatte.

„Ähm ... Ich denke, ich mach jetzt mit der Erläuterung von Hertz und Dezibel weiter, du kannst ja-“ Doch ich ließ sie mit meinem Mund verstummen, zeigte ihr, dass mir das eben viel mehr bedeutet hatte, als sie schätzen könnte.

„Was ist, wenn ich nicht weitermachen will?“, fragte ich, als ich mich einige Zentimeter von ihr entfernt hatte und in ihre liebevoll dreinblickenden haselnussfarbenen Augen schaute.

Sie grinste und leckte sich über ihre Unterlippe, die nun praller war.

„Dann haben wir noch eine Woche Zeit.“

Und dann zog sie mich an sich, stürmischer, fordernder.

Ich wusste nicht, wohin mich das führen würde. Uns führen würde. Aber ich wusste, dass es damit begonnen hatte, dass ich träumte, wie meine beste Freundin mich küsste.


Ende
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