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Ein Phantom, mein Hund und ich

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
Erik - das Phantom der Oper OC (Own Character)
20.01.2021
22.04.2021
47
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08.04.2021 2.919
 
„Mein Kollege meinte, Sie wollen eine Menge alter Francs Scheine umtauschen? Ein Dachbodenfund, sagte man mir.“, begrüßte sie der alte Mann ruhig, schüttelte ihnen die Hand und setzte sich dann auf seinen ledernden Bürostuhl. Eingeschüchtert nickte Clara und Erik nickte mit, da er sich erinnerte, wie Clara ihn ermahnte bloß nichts zu sagen. „Nun darf ich die besagten Scheine einmal sehen?“, fragte der Mann weiter.

Zögerlich reichte Clara sie ihm. Sie wollte doch einfach nur wissen, wieviel das ungefähr war. „Ah ja, ich sehe schon. Wirklich höchst bemerkenswert“, kommentierte der alte Bankier: „Dürfte ich Sie einmal für Sie zählen?“ „Selbstverständlich, bitte“, erlaubte Clara es, ihre Stimme noch immer dünn und hoch. Sie fasste sich kontrollierend an die Kehle, als ob das in ihrer Anspannung etwas ändern würde.

Routiniert und laut für Erik und Clara zum mitverfolgen zählte der Bankier die halb zerfallenden Scheine.  Am Ende kam er auf 261.200 Francs. „Donnerlittchen das ist wirklich eine stolze Summe“, nickte der Bankier beeindruckt: „Ein kleiner Schatz, den Sie dort gefunden haben. Und Ihnen ist der Wert nicht bewusst?“ „Ich hatte ehrlich gesagt nicht einmal eine Ahnung, dass man diese Scheine noch umtauschen könnte“, konterte Clara verwirrt durch die andächtigen Blicke des Mannes.

„Also dann, soll ich Ihnen sicherlich den aktuellen Wert dieser Summe verraten, richtig?“, dieser Mann machte es spannend und spielte dabei gefährlich mit Eriks Geduld. Er presste fest die Lippen zusammen und verkniff sich jeden Kommentar und das alles nur weil seine Mademoiselle ihn darum gebeten hatte. Wenn er mit dem Mann alleine gewesen wäre, hätte der schon mindestens zwei Morddrohungen erhalten.

„Jetzt spannen Sie uns doch nicht so auf die Folter Monsieur!“, regte sich nun auch die bereits auf den Fingernägeln kauende Clara auf. Der Mann tippte seelenruhig etwas in seinen Taschenrechner und zeigte dann das Ergebnis seinen beiden Klienten: „Nun wir reden hier von umgerechnet 39.819 Euro“

Erik wusste diese Zahl noch nicht wirklich einzuordnen. War das jetzt gut oder schlecht? Es musste schlecht sein, oder? Denn die Zahl war deutlich geringer als vor der Umrechnung! Frechheit so etwas!

Doch er sah, wie Clara neben ihm die Kinnlade herunter fiel. „Sind Sie sicher, dass Sie da nicht zufällig irgendwo eine Kommastelle zu viel gerechnet haben? Oder ein Komma vergessen haben einzutippen?“, fragte sie perplex. Der Bankier schmunzelte: „Ich bin mir sicher, aber es kommen tatsächlich noch 68 Cent dazu. Die habe ich eben nur nicht mit genannt. Es sind 39.819 Euro 68 Cent.* Nun ich werde noch ein paar Telefonate führen müssen und wir würden uns gerne von einem Fachmann die Echtheit der alten Scheine bestätigen lassen, was Sie sicherlich nachvollziehen können, aber es würde uns freuen, wenn Sie sich dazu entschließen, diese Summe in unserer Bank anzulegen. Sie haben bereits ein Konto?“

Clara schüttelte in Zeitlupe den Kopf. „Geben Sie uns ein paar Minuten?“, bat sie schließlich den Bankier in einer weit entfernt klingenden Stimme. „Aber natürlich. Ganz wie Sie wollen. Bitte machen Sie es sich hier bequem bis Sie wissen, wie Sie weiter mit Ihrem Geld verfahren möchten.“

Er zog die Tür hinter ihnen zu und Clara atmete hörbar aus. „Saperlipopette!“, übernahm sie Eriks charmanten altfranzösischen Fluch. Sie hatte mit deutlich weniger gerechnet! Waren Francs nicht eigentlich gar nichts mehr wert? Sie hatte grob gegoogelt, dass ein Euro nur Null-Komma-Irgendetwas Francs waren … gut aber 260.000 mal Null-Komma-Etwas war immerhin noch ein großes Etwas.

Erik wusste noch nicht genau, was das alles zu bedeuten hatte. „Ist das eine annehmbare Summe?“, fragte er schließlich und Clara unterdrückte ein nervöses Lachen. „Also für den Anfang reicht es auf jeden Fall. Das ist, deutlich mehr als ich jemals besessen habe!“, versuchte sie es ihm zu erklären.

Er schmunzelte in sich hinein. Er hatte sich nie viel aus Geld gemacht, was er brauchte konnte er stehlen oder erpressen, aber Clara Dohme schien ihm plötzlich sehr beeindruckt und das gefiel ihm gut. „Sie sind nicht reich?“, schlussfolgerte er: „Nicht einmal wohlhabend?“ „Alex ist wohlhabend, seine Familie ist reich, ich bin seit Jahren schon immer kurz davor pleite zu sein … oh nein, das ist nicht ganz richtig, ich war pleite. Vor etwa fünf Jahren. Hatte circa 3.000 Euro Schulden aber habe alles zurückzahlen können … na ja und jetzt greift Alex mir ab und zu unter die Arme, wenn ich wieder lebendig gewordene 160jährige Männer durchfüttern muss“, erklärte Clara.

Erik legte kurz die Stirn in Falten um ihr zu folgen: „Also bist du arm“, schlussfolgerte er erneut. „Wie eine Kirchenmaus“, bestätigte sie. „Obwohl Geld natürlich überall relativ ist. Mit meinem Ersparten komme ich in Europa nicht weit, wäre jedoch sehr wohlhabend zwischen den hungernden Menschen in Afrika und Asien. Es ist halt alles relativ, aber zurück zu dir, Dagobert Duck, was machen wir jetzt damit?“

In dem Moment wurde Clara klar, in welche riesige Scheiße sie Erik wieder geritten hatte. Sie hatte damit gerechnet, die Francs gegen ein paar hundert Euro einzutauschen, die sie sich relativ guten Gewissens auf ihr eigenes Konto hätte einzahlen lassen können, um davon sein Handy zu kaufen. Es wäre so perfekt gewesen. Doch diese Summe, verlangte nach einem neuen Konto, genauer gesagt nach Eriks erstem Bankkonto. Aber wie sollte er ein Konto eröffnen? Er hatte keinen Pass, keinen Personalausweis, Geburtsurkunde, Versichertenkarte, Schufa-Auskunft, nicht einmal einen Nachnamen! Aber ein bisschen was davon, würde er brauchen. Himmel, selbst der Handyvertrag würde ja erstmal über sie laufen!

„Können die mir nicht einfach das neue Geld geben?“, beschwerte Erik sich, als Clara diese Bedenken äußerte. „Erik ist durchaus in der Lage sein Geld besser und sicherer zu verstecken, als es diese Bank jemals könnte. Hast du die Schließfächer gesehen, an denen wir vorbei geführt wurden? Ich könnte die knacken indem ich…“ „Und das will ich nicht wissen! So etwas tust du bitte niemals und absolut überhaupt nicht, never ever! Das ist böse! Verstanden?“, fiel Clara ihm in den Mund. Erik grunzte etwas, das entfernt an Zustimmung erinnerte.

„Erik, ganz so einfach ist es nicht. Das ist schon eine Menge Geld. Die Summe packt man nicht so eben in eine Tasche und geht damit spazieren. Was wenn du wieder auf der Straße angegriffen wirst? Dann willst du die ganz sicher nicht dabeihaben.“ versuchte Clara es ihm ruhig zu erklären. Er zog verdattert eine Augenbraue hoch: „Und was mache ich stattdessen mit dem Geld? Was gibt die Bank mir dafür, eine dieser merkwürdigen Plastikkarten?“ „Darauf wird es hinauslaufen“, bestätigte Clara ihm.

Erik hatte erneut die Arme verschränkt und drehte auf dem Stuhl nervös hin und her. Clara hasste es, wenn er das auf Drehstühlen tat. „Aber du hast auch so eine Plastikkarte, und du bist arm!“, konterte er. Clara konnte ihm seine Logik nicht verdenken. „Ich weiß, das ist verwirrend. Aber auf meiner Plastikkarte sind einfach weniger Euro gespeichert, als es dann auf deiner wären… deutlich weniger“, versuchte sie es weiter. „Also wäre Eriks Karte größer?“ „Nicht größer, aber mehr wert.“ Langsam begann er nickend zu verstehen. Überzeugt war er trotzdem noch nicht.

Sie schwiegen eine Zeit lang. Clara dachte hin und her. Der perfekte Ansprechpartner wäre jetzt Alex. Er und sein Vater verdienten mit derlei Situationen ihre Brötchen. Schwer atmend zückte sie ihr Handy und wählte Alex Büronummer. „Büro von Alexander Chubert“, meldete Cassy sich. „Hallo Cassy, mögen Sie mich einmal zu Alex durchstellen bitte? Es ist dringend“, bat Clara unsicher an ihren Fingernägeln nagend. Erik hatte skeptisch eine Augenbraue in die Höhe gezogen und ließ sie keine Sekunde aus den Augen, wie sie so nervös durch das Büro lief. Was zum Teufel wollte sie nun mit Alex-Hechel-Stöhn-Oh-ja-Fuck-Chubert? Ihn hoffentlich verlassen weil sie nun einen andern wohlhabenden Mann gefunden hatte? Zugegeben Erik würde Clara mit Freuden in seine Arme schließen, aber eigentlich nicht nur aufgrund seiner neuen finanziellen Unabhängigkeit.

„Was gibt es denn so Wichtiges? Haben Sie wieder Probleme mit Ihrem Hund?“, wollte Cassy spitz wissen. Clara schickte einen Blick der töten könnte durch den Raum bis nach Deutschland zur Sekretärin. „Es geht Sie einen Scheißdreck an, aber glauben Sie mir, dieser Anruf ist ausnahmsweise rein geschäftlich. Ich habe einen neuen Kunden für Chubert hier neben mir sitzen, einen Kunden mit wenig Geduld, also würden Sie mich jetzt durchstellen oder soll ich lieber bei August Silbernagel anrufen, der hat Ihnen doch neulich erst diesen großen Kunden abgeworben, oder etwa nicht?“, Claras Stimme klang kalt und gehässig. Natürlich bluffte sie und würde nie zur Konkurrenz gehen, doch das konnte Cassy ja nicht ahnen.

Auf der anderen Seite der Leitung war es einige Sekunden still, dann hörte sie wie Cassy ausatmete und nur noch sagte: „Einen Moment, ich verbinde Sie.“ Noch bevor Clara „Danke Cassy“ sagen konnte, hatte sie ihren Verlobten in der Leitung. „Alexander Chubert“. Meldete er sich. „Hey mein Schatz, ich bin’s“, begrüßte Clara ihn lächelnd, dass Erik das Blut in den Adern gefror. Sie wollte ihren Verlobten also nicht verlassen.

„Oh mein Schatz, was ist passiert? Bist du verletzt? Du bist doch auf der Arbeit“, fiel Alex ihr besorgt ins Wort bevor sie sich erklären konnte. „Ach, alles gut, ich hab kurz Pause“, log Clara schnell und fuhr eilig fort: „Folgendes, hier ist jemand der dringend deine Hilfe benötigen könnte, genauer gesagt, würde mich das auch brennend interessieren. Nun … ein Arbeitskollege hat einige alte Francs bei sich gefunden und laut der Bank beläuft sich deren Wert auf grob vierzigtausend Euro, also wow …“ Alex nickte nur interessiert: „Nette Summe für gefunden. Ich nehme an er hatte nicht damit gerechnet.“ Seine Stimme klang routiniert. Eine derartige Summe machte ihn noch nicht nervös, dafür fehlten ihr noch drei bis vier Dezimalstellen, auch wenn das für Clara bereits ein Vermögen war.

„So ist es. Das kommt alles sehr überraschend“, bestätigte Clara. „Nun er hat jetzt natürlich alle Zeit der Welt. Er soll sich die Summe auf sein Konto gutschreiben lassen und sich dann bei Gelegenheit mit einem Berater zusammensetzen um die besten Anlagemöglichkeiten zu diskutieren. Soll ich mich vielleicht einmal mit ihm treffen, wenn ich dieses Wochenende zu dir nach Paris komme? Ich hätte da tatsächlich so ein paar Ideen, die die Summe erheblich vergrößern könnten“, bat Alex gönnerisch an. Clara gefror augenblicklich in ihrer Bewegung: Fuck! Alex würde in ein paar Tagen nach Paris kommen! Was sollte sie dann mit Erik tun? Bisher hatte sie dieses Szenario immer geschickt verdrängt, und nun war ihr die Zeit davongelaufen.

„Ähm…“, begann Clara sprachlos stockend: „Also … ja … ja, du kommst nach Paris. Natürlich kommst du. Wahnsinn! Ist es sicher, dass du kommen wirst? Ich meine, erscheinen, nicht kommen in dem Sinne, sondern … zu mir kommen … ähm erscheinen, wie auch immer … wow! Gibt es keine Termine, die dir noch dazwischenfunken könnten?“, fragte sie schnell. Alex stutze in seinem Büro: „Das klingt so, als wäre es dir nicht recht mich zu sehen? Ist alles ok bei dir, mein Schatz? Hast du gerade einen Schlaganfall erlitten?“

„Hm? Was? Oh ja, ich meine nein … es geht mir gut. Es geht mir blendend. Ganz fantastisch. Ich freu mich schon sehr auf dich! Ich kann es kaum erwarten“, winkte sie nervös ab: „Ja, ja das wäre bestimmt hilfreich. Ich werde ihn fragen ob es ihm auch zeitlich passt, dann machen wir was aus.“ „Ok, aber nicht zu früh am Morgen. Ich will gern möglichst viel Zeit mit dir verbringen, kleine Pfadfinderin“, Alex lachte verschmitzt: „Du weißt schon. Eigentlich hatte ich nicht vor viel Kleidung fürs Wochenende einzupacken, … wenn ich komme.“ Ja Clara konnte es sich lebhaft vorstellen und irgendwie sah sie in dem Szenario Erik missbilligend mit verschränkten Armen mit auf der Bettkante sitzen und sie beide böse anfunkeln.

Gespielt fröhlich entfuhr ihr ein kindisches Gekicher gepaart mit einem: „Geht klar mein Hengst.“ Erik verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte sie missbilligend von seinem Drehstuhl aus an. Bitte wie hatte sie Alex gerade genannt? Immerhin, als sie schließlich Erik ansah, schoss ihr die Schamesröte ins Gesicht.

Clara fühlte sich hin und her gerissen. Alex würde ihr nicht wirklich helfen können, solange sie fast alle Fakten vor ihm verheimlichte. Aber sie konnte sich noch immer nicht vorstellen ihm Eriks Identität und ihre Freundschaft, die sich in den letzten Wochen entwickelt hatte, zu offenbaren. „Und wenn mein Kollege gar kein Bankkonto hat?“, versuchte sie sich langsam an die Situation heranzutasten. Sie konnte förmlich hören, wie Alex die Augen verdrehte: „Gott so ein Hippie, ich wusste es. Wir reden hier aber nicht zufällig wieder von diesem Erik oder?“ Clara fühlte sich mehr als nur ertappt: „Na ja, irgendwie schon.“ Alex schnaufte: „Clara Schatz, das ist doch nicht mehr normal mit dir und diesem Typen. Ehrlich was für ein Freak ist das? Wer um alles in der Welt hat heutzutage denn kein Bankkonto? Er soll sich gefälligst eins anlegen, wenn das so ist. Ehrlich ist dieser Kerl ein Stalker, dass ausgerechnet du ihm immer helfen musst?“

Ernüchtert schloss Clara die Augen. Alex hatte verständlicher Weise schon jetzt eine schlechte Meinung von Erik. Zu oft hatte er diesen Namen in der letzten Zeit gehört: Darf Erik auf dem Sofa schlafen? Erik und ich sind shoppen. Erik mischt sich in die Hochzeitsplanung und Beziehung zu meiner Mutter. Darf ich Erik zur Hochzeit einladen? Erik war mit meinem Hund draußen und nun ist der in der Tierklinik. Erik hat Geld aber kein Bankkonto, kannst du ihm helfen?

Ja, wenn sie es sich so vor Augen führte, hatte sie Alex schon ganz schön viel mit Eriks Anwesenheit in ihrem Leben belastet. Dass er da langsam misstrauisch wurde, konnte sie verstehen. Und dabei kannte er ja nur einen Bruchteil. Die wirklich brennenden Schlagzeilen, hatte sie ihm ja gar nicht erzählt. Sachen wie: Erik ist das Phantom der Oper. Erik hat mich inzwischen zweimal fast erwürgt. Erik hat mich von einem Dach gestoßen und festgehalten. Erik hat mich zu einem Einbruch mitgenommen. … Ich habe Erik geküsst und hätte es beinahe wieder getan und wieder und vielleicht würde ich es wieder tun wollen.

Sie schloss die Augen erneut, als sie an diese letzte Sache dachte. Ja, es war dringend nötig einmal wieder mehr Zeit mit Alex zu verbringen um ihren Kopf wieder auf Kurs zu bekommen. Wie einfach und schön war doch das Leben gewesen, bevor Erik auf die Bildfläche getreten war und alles durcheinander brachte.

„Wie lang geht deine Pause noch?“, fragte Alex schließlich, als er nach einigen Momenten nichts von Clara hörte. Sie zuckte auf: „Oh. Nicht mehr sehr lange. Ähm, eine Sache noch. Du hast mir doch einmal von deinem Kumpel erzählt, der sich mit gefälschten Ausweisen und sowas das Studium finanziert hatte. War der nicht auch nach Paris gezogen? Du sag mal, war seine Arbeit gut?“ Sie hörte Alex aufgrund des abrupten Themenwechsels erneut schnaufen: „Also Kumpel würde ich nicht sagen. Immerhin ist das was er da tut kriminell. Seine Arbeit war sogar sehr gut. Grafik- und Computergenie mit gewissen offiziellen Verbindungen aber das ist alles scheiße illegal also halte dich aus der Sache raus! Ernsthaft, ich verbiete es! Aber ja soweit ich weiß müsste der in Paris sein. Wieso? Brauch dein Erik etwa auch noch neue Papiere?“ Er sagte es abfällig wie einen sarkastischen Scherz und hatte keine Ahnung, wie Recht er damit hatte.

Clara nickte resigniert und entschloss sich zu einer weiteren Lüge. Sie konnte einfach nicht damit aufhören. Der Preis dafür wäre inzwischen zu hoch. „Nein, nein ich dachte nur vielleicht hättest du noch Kontakte hier, die es mir auch in den nächsten Wochen wenn du nicht hier bist leichter machen können. Dann … dann müsste ich nicht immer meine Zeit mit Erik verbringen“, versuchte sie ihn kleinlaut zu überzeugen.

Erik fühlte sich wieder wie damals, als er mit Stöcken und Lederriemen in diesem kleinen Käfig geschlagen wurde. Wie Fackeln seine Haut streiften und er einfach nirgendwohin fliehen konnte … Nur war der körperliche Schmerz zum Glück etwas flüchtiges, was schnell vorbei ging. Clara Dohmes letzter Satz würde ihn jedoch noch einige Zeit schmerzen. Wie konnte sie so etwas nur so unverfroren sagen? Ihm dabei ja sogar noch ins Gesicht sehen, nun wissend, dass er doch jedes ihrer Worte hören und verstehen konnte? Dann müsste sie nicht immer ihre Zeit mit Erik verbringen. Hallte es in seinem Kopf wieder. Das tat zu sehr weh! Christine hätte ihn nicht schwerer verletzen können. Ja, ja es fühlte sich so an, wie sie und Raoul de Chagny in seinem Boot davonfahren zu sehen! Ohne das Ende des Gespräches abzuwarten, nahm er seine alten Francs Scheine vom Tisch und marschierte aus dem Raum. Ein paar Bankangestellte, liefen ihm aufgebracht hinterher, doch er ignorierte ihre Rufe und trat auf die belebten Straßen von Paris.

Sollten sie ruhig nach ihm rufen, sich auf der Straße geschockt nach ihm umdrehen, einen großen Bogen machen und tuscheln. Das alles war ihm jetzt egal. Er würde es sowieso nicht mehr lange ertragen müssen. Claras Worte von eben würden es bald schaffen, ihn zu töten. Und bis dahin konnte er sich an dem Ort verkriechen, der ihm immer ein Zuhause war. Dort würde er auf den Tod warten.  



     

* Eigentlich wollte ich ihm ja ein paar Millionen in die Hand drücken, aber auch wenn mir das handlungstechnisch besser gepasst hätte, mag ich es doch die Geschichte so real wie möglich zu halten. Und irgendwie vermute ich, ihr mögt das auch so. Also habe ich gestern noch einmal alles umgestellt. Dies ist nun die reale Summe die mir der Währungsrechner bei zinsen-berechnen.de angezeigt hat. Wechselkurs vom 06.04.2021. Ich habe zwar auch irgendwo gelesen, dass man alte Francs Scheine gar nicht mehr tauschen kann, aber das lasse ich nun wirklich mal außen vor.
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