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Business As Usual

OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Andrew Minyard Neil Josten
19.01.2021
19.01.2021
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Business As Usual


Neil war dumm. Verdammt dumm. Das wusste Andrew besser als jeder andere.

Er hatte es schon auf den ersten Blick gesehen, damals, als er ihm in Millport gegenübergestanden hatte und Neil wurde wahrlich nicht müde, immer wieder unter Beweis zu stellen, wie dumm er tatsächlich war.

Eigentlich sollte das nicht sein Problem sein. Eigentlich war es das auch nicht. Aber wenn Neil direkt vor seinen Augen dämliche Dinge tat – und das schien eine seiner schlechten Angewohnheiten zu sein – wurde es meist zu seinem Problem.

So wie jetzt auch.


Er hatte keine Ahnung, wie Neil es geschafft hatte, sich fast ein Bein und  sein verdammtes Handgelenk gleichzeitig zu brechen, aber andererseits war dieser Trottel ebenso dämlich, wie leichtsinnig.

Andrew hatte von weitem zugesehen, wie er es irgendwie fertiggebracht hatte, den Ball ins gegnerische Tor zu befördern, ohne dabei in irgendeiner Weise auf den Gegenspieler oder seine Deckung zu achten. Wenn er sich dagegen entschieden hätte, den niederrasenden Schläger mit seinem Handgelenk abzublocken, wäre es vermutlich noch intakt, aber nein. Der Punkt war ihm wichtiger gewesen. Wie sollte es auch sonst sein. Es war immer das gleiche mit diesem Vollidioten.

Danach war Neil ziemlich unsanft zu Boden gegangen und bei dem Sturz war es ein Wunder, dass er sich das linke Bein nur verstaucht hatte.

Angesichts so viel selbstverschuldeter Dummheit hielt Andrews Mitleid sich allerdings in Grenzen. Bei genauerer Betrachtung wäre ein Bruch sogar lehrreicher für diesen Idioten gewesen. Andererseits war Neil unausstehlich, wenn er zu lange kein Exy spielen konnte, also war das wohl die weniger nervige Alternative.


»Du bist seltendämlich«, begrüßte Andrew ihn, als Neil endlich in den Wartebereich des Krankenhauses gehumpelt kam. Es war die Wahrheit und er verdiente nichts Geringeres als das.  

Neil stützte seinen rechten Arm auf einer Krücke ab. Der andere hing in einer Schlinge von seinem Hals, damit sein Handgelenk ruhen konnte, aber er wirkte alles andere als niedergeschlagen. Im Gegenteil. Er lächelte sogar. Es war dieses unausstehliche  Lächeln.

»Und trotzdem bist du hier«, stellte Neil heraus.

Andrew antwortete mit einem durch und durch gelangweilten Blick und wartete darauf, dass Neil den Raum durchquerte.

»Wir haben gewonnen«, betonte Neil, sobald er zu ihm aufgeschlossen hatte. Dieser Trottel sah ziemlich zufrieden aus und nicht so, als ob er starke Schmerzen hatte. Großartig. Also war der Lerneffekt gleich null.

»Das ändert nichts daran, dass du dämlich bist«, machte Andrew klar und umschloss grob sein Kinn, um einen genaueren Blick auf sein Gesicht werfen zu können. Er entdeckte ein paar Kratzer und blaue Flecke, aber zumindest seine Nase schien nicht auch noch gebrochen zu sein. Hätte ihn nicht gewundert, bei dem, was er da abgezogen hatte, aber Neil hatte mal wieder mehr Glück als Verstand gehabt.

»Ich bin froh, dass wir gewonnen haben«, sagte Neil.

Andrew verfestigte seinen Griff. »Vorsicht. Du hörst dich gerade so stark nach Kevin an, dass ich dir glatt eine reinhauen will.«

»Deine Drohungen verlieren an Wirkung, wenn du sie nie wahrmachst.«

»Fordere es nicht heraus.«

Andrew zog ihn näher an sich heran, um mit einem durchdringenden Blick eine stumme Warnung auszusprechen. Der Drang, ihn zu küssen, war genauso groß, wie der Drang, ihn zu schlagen.  

Am Ende tat er nichts von beidem und ließ ihn los.


Zu seinem Glück ersparte Neil ihm eine weitere von seinen schlauen Antworten. Er war vielleicht bescheuert, aber nicht lebensmüde. Zumindest nicht absichtlich.

Während sie den Ausgang ansteuerten, entging Andrew nicht, dass Neil sichtliche Probleme beim Laufen hatte, aber natürlich sagte er kein Wort.
Genervt stoppte er ab und packe unwirsch Neils unverletzten Arm, um auch ihn zum Anhalten zu zwingen. Konnte sich ja keiner mit ansehen.

Blaue Augen musterten ihn überrascht, als Andrew wortlos die Krücke beiseiteschob und stützend einen Arm um Neils Körper schlang. Sein Gewicht war etwas Vertrautes und Andrew verließ sich lieber auf seine eigene Stärke, als auf irgendeine jämmerliche Krücke.

»Das ist nicht nötig. Es geht mir g – «

»Beende diesen Satz und du kannst nach Hause laufen«, unterbrach Andrew seinen Bullshit und zog dieses wandelnde Desaster mit sich.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sein Auto endlich erreichten. Selbst ein schneller Läufer wie Neil war nutzlos, wenn er nur ein belastungsfähiges Bein hatte und ihn so auf den Vordersitz zu befördern war ein ziemlicher Kraftakt.

Neils »Sorry«, machte es in keiner Weise besser.

»Halt die Klappe.« Um seine Worte zu untermauern, schlug Andrew die Autotür mit voller Wucht zu. Es hallte auch in seinen Ohren unangenehm laut nach.


Sie fuhren schweigend zurück. Nur das Vibrieren von Neils Handy durchschnitt hier und da die Luft, wenn er eine weitere von gefühlt zehntausend Nachrichten bekam.
Er hatte vermutlich den Fehler gemacht, einem ihrer Teammitglieder zu antworten – oder schlimmer noch, einem der ehemaligen Foxes – und jetzt wollte jeder Wissen, was Sache war. Anfänger.

Natürlich hatte es schon in allen Nachrichtenportalen die Runde gemacht. Man konnte nicht Exy fürs Nationalteam spielen und hoffe, dass man auch nur einen verdammten Schritt machen konnte, ohne, dass einem gleich die Presse am Arsch klebte. Besonders, wenn man dämlich genug war, sich so eine bescheuerte Verletzung zuzuziehen.

Da Neil immer noch nicht wirklich verlässlich war, wenn es darum ging, seine Nachrichten zu beantworten, überflog er den Großteil gerade vermutlich nur, aber die Büchse der Pandora hatte er trotzdem bereits geöffnet. Das verriet die nicht enden wollende Flut an neuen Nachrichten.
Als er genug hatte, stellte er sein Handy endlich lautlos. Mittlerweile wusste er immerhin, wie das ging.  

Es wär merkwürdig, dass er immer noch an diesem alten Handy festhielt, das Andrew ihm vor so vielen Jahren gegeben hatte. Selbst, als der verdammte Akku den Geist aufgegeben hatte, hatte er sich geweigert, ein neues Handy zu holen und sich das Teil einfach ersetzten lassen. Vollkommen bescheuert.

Andrew hatte schon öfter darüber nachgedacht, das ganze selbst in Angriff zu nehmen und ihm einfach ein neues Handy in die Hand zu drücken. Er bezweifelte, dass Neil jemals von sich aus auf die Idee kam, das alte Ding zu erneuern. Vielleicht musste Andrew ihn auch dazu zwingen, es anzunehmen, aber, dass Neil unnötig kompliziert war, war echt nichts Neues. Damit kam er problemlos klar.


Es dauerte zwanzig Minuten, bis sie zu Hause waren. Die Treppen hoch zukommen dauerte noch einmal halb so lang.

Andrew war nie bewusst gewesen, wie viele verdammte Stufen sie eigentlich jedes Mal bis zu ihrer Wohnungstür zurücklegen mussten, aber er machte sich eine mentale Notiz, Neil definitiv nicht allzu früh wieder vor die Tür zu lassen. Das würde er sich so schnell nicht nochmal antun.

Sobald sie die Tür auch nur einen Spalt weit geöffnet hatten, wurden sie von vorwurfsvollem Miauen begrüßt. Die Fellmonster veranstalteten immer einen halben Aufstand, wenn sie zu Hause ankamen, scheißegal, ob sie fünf Minuten oder Tage weggewesen waren. Es war wie Neil: Nervig und vollkommen unnötig.

Andrew scheuchte sie halbherzig mit seinem Fuß beiseite, um zumindest die verdammte Tür ordentlich zu machen zu können. Sich übertrieben an Neils unverletztem Schienbein zu reiben schien gerade aber ohnehin interessanter zu sein.

»Hey ihr beiden«, sagte Neil mit diesem ehrlichen Lächeln auf den Lippen, bei dem sich immer irgendetwas in seinem Brustkorb zusammenzog.

Andrew ertrug es kaum. Ertrug den Gedanken nicht, es irgendwann zu verlieren. Es war unausstehlich. Ließ ihn zu viel fühlen. Vor allem aber wollte er dieses Lächeln beschützen. Mit allem, was er hatte.

Als Neil versuchte, sich nach unten zu beugen, um diese gierigen Fellnervensägen zur Begrüßung zu streicheln, fiel er fast vornüber. Andrew umklammerte grob seinen Arm, um ihn davon abzuhalten, sich noch weitere dämliche Verletzungen zuzuziehen und warf ihm einen tödlichen Blick zu.

Wie er es jemals geschafft hatte, eine Weile alleine zu überleben, war Andrew bis heute ein Rätsel.

»Tut mir leid, ich kann auch gerade nicht streicheln«, entschuldigte Neil sich bei den verdammten Katzen, als ob sie ihn verstanden. Dabei lag eine gewisse Sanftheit in seinen Augen, die nur für sie und Andrew reserviert war. Allerdings war er  derjenige, der das Ganze überhaupt erst zum Vorschein gebracht hatte.

Andrew wusste bis heute nicht wie und er hatte es definitiv nicht mit Absicht gemacht, aber auch das war etwas, was er um jeden Preis beschützen musste. Diesen Ausdruck in seinen Augen.


»Beweg dich«, befahl Andrew, weil Neil sich ganz offensichtlich hinsetzen und ausruhen sollte, statt sich von den Fellmonstern aufhalten zu lassen.
Ohne Widerworte zuzulassen, manövrierte er ihn auf direktem Wege ins Wohnzimmer und half ihm dabei, sich hinzusetzen. Danach ging Andrew geradewegs in die Küche, um einen Stuhl zu besorgen.

Sir folgte ihm auf dem Fuße, in eindeutiger Erwartung, in der Küche etwas zu bekommen und natürlich musste der Kater mal wieder ein unverfrorenes Arschloch sein.
Er sprang direkt auf den Stuhl, den Andrew gerade ausgewählt hatte, um ihn mit ins Wohnzimmer zu schleifen.

»Verschwinde«, sagte Andrew und tötete Sir mit Blicken, aber der Kater blieb davon vollkommen unbeeindruckt, also schob er ihn gnadenlos beiseite. Im Gegenzug erntete er ein unzufriedenes Mauzen, aber er ignorierte diesen Arschlochkater mit Leichtigkeit.

Wenn Neil gerade hier gewesen wäre, hätte er gelacht und ihm gesagt, dass er Sir einfach den Stuhl überlassen und sich einen anderen schnappen sollte, aber Andrew würde sich ganz sicher nicht von irgendeinem dahergelaufenen Kater verarschen lassen. Schon gar nicht von seinem Eigenen.


Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, sah er, dass King sich gemütlich neben Neil zusammengerollt hatte. Sein Schnurren vibrierte durch den gesamten Raum, während Neil ihm sanft durchs weiche Fell fuhr und sichtlich zufrieden wirkte. Es war ein widerlich schöner Anblick.

»Kann ich dir irgendwie helfen?«, fragte Neil, sobald er ihn bemerkte.

»Ja«, entgegnete Andrew ungerührt und stellte den Stuhl vor Neil ab, damit er sein Bein hochlagern konnte. »Bleib wo du bist und komm mir nicht in die Quere.« Er bedachte Neil mit einem stechenden Blick und sah, wie er leicht die Lippen öffnete, im Begriff, etwas zu sagen, aber Andrew wartete seine Antwort gar nicht erst ab. Er wollte es eh nicht hören.

Stattdessen besorgte er Neil ein Glas Wasser, inklusive einer Packung Schmerzmittel. Der Kram aus dem Krankenhaus würde früher oder später an Wirkung verlieren, also konnte er ihm auch gleich Nachschub bringen.

»Danke.« Neil seufzte tief. Statt zu trinken, senkte er den Blick auf das Glas in seinen Händen und murmelte: »Ich hasse es so zu sein.«

»Definiere ‚so‘.«

»Nutzlos.«

»Du bist immer nutzlos«, entgegnete Andrew unverblümt. »Aber vielleicht nimmst du dir das nächste Mal Zeit, eine Sekunde über die Konsequenzen nachzudenken, bevor du so einen Mist abziehst.«

Er sah deutlich, wie Neil ihm widersprechen wollte, aber erstickte alle Einwände mit einem scharfen: »Nein«, im Keim.

Nicht, dass Neil sich groß darum scherte. »Ich bereue nicht, dass wir gewonnen haben«, beharrte er und der trotzige Ausdruck in seinen Augen gefiel Andrew ganz und gar nicht.

Er vergrub eine Hand in Neils Haarschopf und riss ihn grob näher an sich heran, bis kaum noch ein Zentimeter Platz zwischen ihren Gesichtern war.

»Gib mir einen Grund, warum ich dich gerade nicht hochkant rausschmeißen sollte.«

»Du magst mich.«

»Falsch.«

Neil besaß die Dreistigkeit zu lächeln und beugte sich näher vor, um ihre Lippen zu einem Kuss verschmelzen zu lassen. Andrew ließ es für genau eine Sekunde zu, bevor er ihm fest in die Unterlippe biss und ihn von sich stieß.

»Ich kümmer mich jetzt ums Abendessen. Tu mir einen gefallen und geh mir in der Zwischenzeit nicht auf die Nerven mit deiner Dummheit«, sagte Andrew. »Kein aufstehen oder rumlaufen. Ruf mich einfach, wenn du was brauchst.«

»Ich kann – «

Andrew packte ihn am Kragen seines Shirts, um den Schwachsinn, der gerade aus seinem Mund kommen wollte, direkt zu stoppen. »Ich werde mich nicht wiederholen«, stellte er klar, jede Silbe eine stumme Warnung.

Neil erwiderte nur stur seinen durchdringenden Blick, aber sparte sich eine Antwort, also ließ Andrew schließlich von ihm ab und verschwand in die Küche.

Natürlich folgte Sir ihm erneut, um sein Glück ein weiteres Mal zu versuchen.

Neil verhätschelte die Fellmonster wirklich bei jeder sich bietenden Gelegenheit und gab ihnen praktisch immer ein Leckerli, wenn er die Küche betrat. Während er die Katzen beim Fressen beobachtete, sah dieser Trottel allerdings jedes Mal so glücklich und zufrieden mit der Welt aus, dass es schwer war, deswegen ernsthaft sauer auf ihn zu sein.

Aber Andrew war nicht Neil, also war er immun gegenüber den nicht enden wollenden Bettelversuchen nach Futter. Selbst, als Sir mit seinem ewigen Miauen und Schnurren auch King in die Küche lockte, wodurch die Bestechungsversuche verdoppelt wurden, blieb er hart.

Die Futterschüssel dieser immerhungrigen Biester war immer noch reichlich gefüllt und Andrew bewies es ihnen, indem er das Trockenfutter deutlich hörbar hin und her schüttelte.

»Seht ihr das? Hier ist noch genug drin, also hört auf zu nerven.«

Der Trick funktionierte ganze zwei Minuten. Danach gingen sie wieder dazu über, ihm schnurrend und mauzend um die Beine zu streifen, aber spätestens, als das Öl in der Pfanne heiß wurde, schreckten sie vor dem lauten Zischen zurück und flüchteten eilig aus der Küche. Verdammte Angsthasen.

Andrew konzentrierte sich unterdessen weiter aufs Kochen. Er hatte sich für ein einfaches Gericht entschieden, das man problemlos mit einer Hand essen konnte. Ein bisschen gebratenes Huhn, mit Gemüse und Reis.


Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, war Neil gerade damit beschäftigt, nachdenklich auf sein Handy zu blicken. Sir saß auf seinem Schoß, als ob dieser Platz einzig und allein ihm gehörte, während King in merkwürdig verdrehter Position auf dem Fensterbrett schlief. Alles wie immer also.

»Hier.« Andrew wartete, bis Neil zu ihm aufblickte und das Handy beiseitelegte, bevor er ihm die dampfende Schüssel in die Hand drückte.

»Oh.« Neils Gesicht hellte sich sichtlich auf. »Danke.«

Andrew sparte sich eine Antwort und ließ sich neben ihm nieder. Stumm beobachtete er, wie Neil sich abmühte, mit nur einer funktionsfähigen Hand zu essen, während ein Kater auf seinem Schoß saß, der beschlossen hatte, heute mal wieder ein besonders großes Arschloch zu sein. Es war ein jämmerlicher Anblick.

Sir angelte mit seiner ausgestreckten Pfote nach der Schüssel und versuchte, sie nach unten zu drücken, während Neil sie immer höher in die Luft hielt, damit er nicht herankam.

»Hey! Das gehört mir.« Falls er versuchte strengt zu wirken, versagte er auf ganzer Linie. Neils Stimme war weich vor Zuneigung und spätestens das Lächeln auf seinen Lippen verriet ihn.

Er versuchte, sich ein wenig nach vorn zu beugen, in dem ziemlich erbärmlichen Versuch, Sir damit dazu zu bewegen, von seinem Schoß zu springen, aber der Kater blieb unbeeindruckt. Er verstärkte seine Versuche nur und Neil wandte sich lachend zu Andrew um, den Arm noch ein wenig höher in die Luft gestreckt. Was für ein Vollidiot.

Andrew zuckte nicht mal mit der Wimper, als er Sir schließlich einen kleinen Schubs gab, um ihn zu vertreiben. Eine Sache von nicht mal einer Sekunde und das ‚Problem‘ war gelöst.

»Danke für die Hilfe«, sagte Neil und lachte noch immer ein wenig, während er mit sanften Augen beobachtete, wie Sir in Richtung Kratzbaum verschwand.

Andrew bedachte ihn nur mit einem vollkommen unbeeindruckten Blick, um zu verdeutlichen, dass er im Gegensatz zu Neil nicht das Bedürfnis hatte über seine Dämlichkeit zu lachen. Es schien ihm allerdings egal zu sein.

»Ich habe Kevin gefragt, wie lange es bei ihm gedauert hat, bis er wieder angefangen hat zu trainieren, nach der Sache mit seiner Hand«, begann Neil und warf einen Seitenblick auf sein Handy. »Er hat gesagt – «

»Ist mir egal«, unterbrach Andrew ihn. Er wollte diesen Schwachsinn gar nicht erst hören. »Kevin ist genauso bescheuert wie du, wenn es um Exy geht. Wenn du auch nur darüber nachdenkst, in nächster Zeit einen Schläger anzufassen, breche ich dir auch das andere Handgelenk.«

»Das würdest du nicht tun.«

»Find’s raus, wenn du so überzeugt davon bist. Aber heul später nicht rum, wenn dir das Endergebnis nicht passt.«

Sie starrten sich gegenseitig in Grund und Boden. Die Unzufriedenheit stand Neil deutlich ins Gesicht geschrieben, während Andrew kühl und vollkommen unbeeindruckt blieb. Allerdings kannte Neil ihn gut genug, um die versteckte Warnung mitzubekommen.

Er war der Erste, der den Blick schließlich abwandte, nur um danach wie ein verdammtes Kind zu schmollen, aber das war Andrew herzlich egal. Er wusste, dass der Idiot ohnehin so früh wie möglich wieder aufs Feld gehen würde. Trotzdem musste ihn ja nicht auch noch dazu ermutigen, bescheuert zu sein.


Danach aßen sie schweigend ihr Abendessen. Nur der Fernseher sorgte für ein paar Hintergrundgeräusche. Es lief irgendeine Dokumentation über Wale und Haie. Nichts Besonderes, aber weniger nervig, als die Alternativen.

Als sie ihre Schüsseln geleert hatten, war die Anspannung zwischen ihnen verschwunden.
Neil sah ziemlich erschöpft aus und ließ sich begleitet von einem leisen Seufzen tiefer in die Couch sinken. Andrew beobachtete ihn eindringlich, aber konnte keine Anzeichen dafür entdecken, dass er Schmerzen hatte, also nahm auch er eine bequemere Sitzposition ein. Er lehnte sich gegen Neils unverletzte Seite, aber verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust. Er wollte nicht den Eindruck erwecken, dass er zufrieden mit der Situation war.

Neils Hand fand trotzdem ihren Weg zu seinem Kopf und begann, sanft durch seine Haare zu fahren. Es war mittlerweile zu einer von Neils Gewohnheiten verkommen und hatte etwas seltsam Beruhigendes an sich. Nichts, was Andrew ihm jemals gesagt hatte oder sagen würde.

»Mir gefällt das«, sagte Neil plötzlich, vollkommen aus dem Kontext gerissen. Auf dem Bildschirm war gerade ein Hai zu sehen, der gnadenlos einen großen Fisch in Stücke riss, also meinte er offensichtlich nicht das Fernsehprogramm.

Andrew warf ihm einen gelangweilten Seitenblick zu, um zu signalisieren, dass er zuhörte.

»Auf diese Art verletzt zu sein«, erklärte er weiter und hob kurz seinen linken Arm an, der immer noch in einer Schlinge hing.

Andrew starrte ihn einfach nur an, seine Miene vollkommen unbewegt. »Habe ich was verpasst? Soweit ich mich erinnere hast du dir nicht den Kopf angeschlagen.«

»Ich meine, wie eine normale Person verletzt zu sein«, präzisierte Neil, ein wehmütiges Lächeln auf den Lippen. »Keine Kugeln oder Messer oder Folter. Einfach nur…« Er gestikulierte ziellos mit seiner rechten Hand in der Luft herum. »Eine ganz normale Sportverletzung von einer ganz normalen Person.«

»Offensichtlich bist du nicht normal.«

»Ich mag, wo wir sind«, fuhr Neil mit seinem Schwachsinn fort, als ob er ihn nicht gehört hatte. »Und was wir sind. Danke.«

»Du hast keine Ahnung, wie sehr ich dich hasse«, sagte Andrew nach einem Moment der Stille, aber da war keine Schärfe in seiner Stimme.

»Ich liebe dich genauso sehr.« Neil lächelte dieses grausige Lächeln, für das Andrew ihn schlagen wollte. Sanft. Mit seinen Lippen.

»Du machst mich krank«, sagte Andrew. Dann übte er mit seiner Hand genug Druck auf Neils Hinterkopf aus, damit er sich zu ihm beugte und küsste ihn bis zur Besinnungslosigkeit.

Neil küsste immer noch so, als ob er alles, was er hatte, was sie  hatten, jeden Moment verlieren konnte. Es war intensiv. Gierig. Bittend. Dankbar. Nie genug und doch mehr, als er je gehofft hatte zu bekommen.

Andrew wusste das, aber er wollte, dass Neil sich sicher fühlte. Wollte dieses Gefühl von Normalität tief in seine Seele eingravieren, bis es nichts Besonderes mehr war. Bis es alles war, woran er sich erinnern konnte.

Und eines Tages würde er das schaffen. Es war ein Versprechen, das Andrew ihm im Stillen gab.


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Pünktlich zu Neils Geburtstag gibt es ein bisschen Andreil-Fluff von mir!
Seit ich von Sir und King erfahren habe, wusste ich, dass ich die beiden in irgendeiner Weise mal einbringen muss. Ich liebe die Vorstellung der beiden mit den Katzen einfach! Bestimmt wird es nicht das letzte Mal sein, dass ich die beiden 'Fellmonster' einbringe :D

Ich hoffe, es hat euch gefallen!

Liebe Grüße
Electra Heart
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