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Ein Problem kommt selten allein

von Mistress-
GeschichteAbenteuer, Romance / P16 / Het
James "Krone" Potter Lily Potter OC (Own Character) Regulus Arcturus Black Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
19.01.2021
04.05.2021
25
54.184
10
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
04.05.2021 4.473
 
Hallo ihr Lieben!
Dieses Kapitel hat wieder lange auf sich warten lassen...  (ಥ﹏ಥ)
In meinem Umfeld hat sich so einiges geändert und zurzeit fehlt mir die Zeit, an der Fanfiktion zu schreiben.  Natürlich werde ich auch weiterhin an der Geschichte arbeiten, aber die Updates werden erst einmal unregelmäßig kommen.  Wenn ich mich zum Schreiben zwingen muss, fällt es mir umso schwerer, etwas zu Papier zu bringen.  Mir liegt die Geschichte am Herzen, aber momentan habe ich zu viele andere Dinge im Kopf. (ノಠ益ಠ)ノ彡┻━┻
Das soll nicht heißen, dass ich die Geschichte pausiere oder abbreche.
Die neuen Kapitel kommen einfach nur etwas schleppender. ʕ•́ᴥ•̀ʔっ
Dennoch wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!
Heute trifft nämlich mein neues Lieblingstrio aufeinander.    ♥ ᕙ(^▿^-ᕙ) ♥

PS: Ich kann nicht sagen warum, aber in letzter Zeit bin ich mit meinem Schreibstil sehr unsicher. Vielleicht habt ihr ja Tipps, Kritik oder Anmerkungen zur Verbesserung?  ☜(⌒▽⌒)☞




Auf nach Hogsmeade!

Die Woche verging schneller als erhofft und bevor ich mich versah, war es Samstag.
Die letzten Tage haben Phoenix und ich kaum miteinander gesprochen und auch die Verabredung mit Regulus hat er deutlich schlecht aufgenommen. Unser letztes Gespräch verlief nicht gerade gut und seitdem geht er mir aus dem Weg. Ich hätte es besser wissen müssen, denn gerade bei den Themen Mord und Todesser reagiert er sehr empfindlich. Ohne ihn fühle ich mich so viel einsamer, denn vorher hatte ich ihn wenigstens zum Reden. Jetzt ist allerdings alles genauso wie in 2036: keiner will etwas mit mir zu tun haben und ich bin wieder einmal nur auf mich gestellt. Dabei waren Phoenix und ich nie die dicksten Kumpel – was ich auch nicht für eine Sekunde lang in Betracht gezogen habe – doch inzwischen habe ich mich an seine Gegenwart gewöhnt. Ja, manchmal habe ich sogar richtig Spaß mit ihm, wenn wir herumalbern oder uns Insiderwitze aus der Zukunft erzählen. Vielleicht sehe ich zum ersten Mal die Seiten an ihm, die sonst nur mein Bruder zu Gesicht bekommt. Auf eine merkwürdige Art und Weise fühle ich mich dadurch geehrt. Ihn als meinen Freund zu bezeichnen wäre allerdings zu viel des Guten. Auf diesem Level sind wir noch lange nicht, aber unsere Beziehung hat sich im Vergleich zu vorher deutlich verbessert.
Auch wenn ich die anderen Slytherins aus seinem Haus nicht gut leiden kann, freue ich mich dennoch, dass er relativ gut mit ihnen auskommt. Seitdem wir kaum noch etwas miteinander unternehmen, haben sie ihn viel besser aufgenommen. Anscheinend sind sie froh darüber, dass er endlich zur Besinnung gekommen ist und sich von seiner Halbblutfreundin „getrennt“ hat. Mittlerweile habe ich mitbekommen, wie sehr gemischte Paare verachtet werden. Tatsächlich kann ich das nur schwer nachvollziehen, da es in unserer Zeit vollkommen normal ist. Es ist ein Wunder, wie sie von all dem Hass noch nicht müde geworden sind. Mir wäre es definitiv zu anstrengend, mit so einer negativen Einstellung durch die Weltgeschichte zu laufen.

Die Hufflepuffs in meinem Jahrgang machen noch immer einen großen Bogen um mich und vermeiden jeglichen Augenkontakt. Zuerst dachte ich, es wäre ihnen unangenehm, doch dann stellte ich fest, dass sie Angst haben, von mir verhext zu werden. Natürlich ist das schwachsinnig! Zwar bin ich gut im Beschwören von Zaubersprüchen, aber noch lange nicht so gut, um jemanden mit bloßem Blickkontakt zu verfluchen.
Den Lehrern fällt das abweisende Verhalten der anderen Schüler nicht auf oder sie ignorieren es einfach. Lediglich Professor Phios bleibt unverändert und muntert mich mit seiner üblichen guten Laune auf. Ich verbringe meine Nachmittage gerne mit ihm beim Teetrinken. Etwas an dem Lehrer für Wahrsagen kommt mir wohlig vertraut vor und lässt mich sicher fühlen. Jedes Mal nach unseren Treffen, gibt er mir ein Buch über Planetenkonstellationen und deren Bedeutungen mit. Vermutlich meint er es nur gut und will mir damit ein wenig Ablenkung verschaffen. Obwohl ich keinerlei Interesse daran habe, kann ich sie nicht ablehnen und nehme sie höflich an. Seine blauen Augen blitzen dabei immer freudig auf. Und das Gefühl, mir etwas Gutes zu tun, will ich ihm einfach nicht nehmen.
So merkwürdig es auch klingt, Professor Phios gibt mir Kraft. Wie gerne hätte ich ihn zu meiner Anfangszeit in Hogwarts schon kennengelernt. Damals habe ich viel und oft in der Nacht geweint, weil die anderen Schüler so gemein zu mir waren und mir ständig fiese Spitznamen gaben. Je mehr ich dagegen angekämpfte, desto schlimmer wurde es. Irgendwann habe ich dann meine Koffer gepackt und eine Eule zu meinen Eltern geschickt, mich bitte schnellstmöglich abzuholen. Lieber wäre ich eine aussätzige Hexe ohne Schulbildung gewesen, statt weiter durch die Hölle zu gehen. Selbstverständlich haben sie es nicht getan und stattdessen die Lehrer informiert. Ich musste viele Gespräche über mich ergehen lassen, die letztendlich doch zu nichts führten. Cassian war ebenfalls keine große Hilfe. Man sollte meinen als großer Bruder würde er die Dinge wieder geradebiegen, aber er war kein bisschen besser als der ganze Rest. Zwar warf er mir keine Beleidigungen an den Kopf, doch dafür stand er teilnahmslos daneben und war der Meinung, ich hätte diese Art von Behandlung verdient. Ich kann gar nicht sagen, wann ich mich damit abgefunden habe und aufhörte zu kämpfen. Mit der Zeit gehörte es einfach zu meinem Alltag und die Leute haben sich daran gewöhnt. Meine Mutter versicherte mir immer wieder, dass es auch eine Zeit nach Hogwarts gibt und es danach nur noch besser werden kann. Trotzdem tut es weh und der stechende Schmerz ist selbst nach all den Jahren nicht weniger geworden.

Ein lauter Seufzer entfährt mir, als ich mein elendiges Spiegelbild betrachte. Ausgerechnet heute fühle ich mich überhaupt nicht gut. Am liebsten würde ich das Treffen absagen und mich einfach nur verkriechen. Meine Augenringe sind noch tiefer geworden und lassen meine hellen Augen besonders müde erscheinen. Auch meine goldblonden Haare sehen viel abgestumpfter und trostloser aus. Bis zu diesem Punkt wusste ich nicht einmal, dass Haare trostlos aussehen können. Vielleicht rede ich mir das auch nur ein, um nicht allzu enttäuscht zu sein, wenn Regulus mich hässlich findet. Sirius hat zumindest kein Geheimnis daraus gemacht, wie unattraktiv ich in den Augen von Jungen bin. Seine Worte hallen jeden Tag in meinem Kopf nach und füttern das tief schlummernde Monster namens Unsicherheit in mir.
Dementsprechend habe ich auch nichts Außergewöhnliches angezogen, denn was kann ich damit schon groß ändern?
Den Hauselfen habe ich jedenfalls zu verdanken, dass ich nicht andauernd in meiner Uniform herumlaufen muss. Freundlicherweise haben sie mir mit einigen Fundstücken ausgeholfen. Zwar sind die Sachen viel zu groß, die Farben zu grell und der Stoff kratzig, doch es ist besser als nichts. Auch wenn ich aussehe, als hätte mich eine Fünfjährige angezogen. Wenigstens passt es zum wechselhaften Novemberwetter und hält mich warm. Zudem habe ich heute nicht wirklich die Absicht, irgendjemanden mit meinem Aussehen zu beeindrucken. Um ehrlich zu sein, sehe ich die Verabredung als eine Pflicht der Wiedergutmachung, weil ich Regulus in Zaubertränke hängen gelassen habe. Nichts mehr und nichts weniger.

Heute habe ich das Frühstück wieder bewusst ausgelassen. Nicht etwa aus Aufregung, sondern um den anderen Schülern aus dem Weg zu gehen. Remus ist nach wie vor unauffindbar und die unzufriedene Stimmung der Gryffindors färbt langsam auf den Rest der Schule ab. Deswegen hole ich mir zurzeit dann und wann einen Vorrat aus der Küche und unterhalte mich mit den Hauselfen. Ich bin gerne bei ihnen, weil sie immer nett sind und sich über meine Anwesenheit freuen.
Ein wenig Zeit bleibt mir noch, bevor ich mich mit Regulus in der Eingangshalle treffe. Bereits einen Tag nachdem er mich gefragt hatte, kam seine Eule mit unserem Treffpunkt. Er will sich gleich zu Beginn des Frühstücks auf den Weg machen. Damit sind wir mit Sicherheit die ersten Schüler in Hogsmeade, denn keiner würde freiwillig so früh an einem Samstag aufstehen.
Lustlos werfe ich meine Tasche über die Schulter und schlurfe den Korridor vom Kerker entlang. Nicht eine Menschenseele kommt mir entgegen, wofür ich einerseits dankbar bin, es aber auch gleichzeitig beängstigend finde.
Kaum nehme ich die Stufen hoch zur Eingangshalle, sehe ich auch schon Regulus Black dort stehen. Er hat seine Hände hinter dem Rücken verschränkt und starrt tief in Gedanken versunken in den Innenhof.
Auf dem letzten Treppenabsatz mache ich Halt. Wieder überkommen mich Zweifel und ganz weit hinten in meinem Kopf sagt eine Stimme, dass es eine ganz dumme Idee ist. Mein Herz beginnt zu rasen und mein Atem wird schneller. Noch kann ich umdrehen und mir eine Ausrede einfallen lassen.
Unbewusst mache ich einen Schritt zurück und gehe langsam die Treppe wieder herunter. Nur noch zwei Stufen und ich bin außer Sichtweite. Plötzlich dreht Regulus sich in diesem Moment um.
Unsere Blicke treffen sich. Mein Körper ist wie versteinert und verharrt augenblicklich noch in derselben Bewegung.
Sein pechschwarzer Mantel wirbelt imposant um ihn herum, als er schnurstracks auf mich zukommt. Nur kurz kann ich einen Blick auf die Kleidung darunter werfen. Sie ist genauso dunkel wie der Mantel und zuerst kaum voneinander zu unterscheiden. Für einen einfachen Besuch nach Hogsmeade ist er auffällig edel angezogen. Allgemein macht er eher den Eindruck, als wäre er zum Tee beim Zaubereiminister eingeladen und nicht auf einem Schulausflug.

„Du bist zu früh“, bemerkt er knapp und mustert interessiert meine Kleidung.

Ich zucke mit den Schultern und bemühe mich, möglichst gelassen auszusehen. „Du bist ja auch schon hier.“ Meine Stimme ist wesentlich dünner und unsicherer als ich es erwartet habe. Peinlich berührt räuspere ich mich und lasse meine Augen zu Boden schweifen.
Regulus‘ Blick ist immer so intensiv, als würde er einem direkt in die Seele starren. Deswegen kann ich ihm niemals standhalten, ohne mich dabei vollkommen entblößt zu fühlen.
Er öffnet den Mund um etwas zu sagen, aber schließt ihn kurz darauf wieder. Offensichtlich hat er es sich anders überlegt und behält seine Gedanken lieber für sich. Schweigend stehen wir uns gegenüber und keiner weiß so recht, was er jetzt sagen soll.
Nach einige Minuten sammle ich meinen Mut zusammen.
„Es ist noch ganz schön früh… Hoffentlich haben die Läden überhaupt schon auf.“

„Um diese Zeit sind kaum Schüler in Hogsmeade. Das macht das Einkaufen wesentlich angenehmer.“

Insgeheim stimme ich ihm zu. Hogsmeade ist sonst völlig mit jungen Hexen und Zauberern aus Hogwarts überfüllt. Und die Läden sind dermaßen gut besucht, dass sie oftmals aus allen Nähten platzen.

Auf einmal taucht hinter Regulus eine Gestalt aus der großen Halle auf, die gemütlich auf uns zu schlendert. „Ah! Ihr habt auf mich gewartet! Das wäre doch nicht nötig gewesen!“
Mit einem süffisanten Grinsen und weit ausgebreiteten Armen gesellt sich Phoenix zu uns. Es macht nicht den Anschein, als wäre er rein zufällig gerade vorbeigekommen. Viel eher vermute ich, dass er uns aufgelauert hat, um in exakt diesem Moment dazwischenzuschlagen.

Sofort wirft Regulus ihm einen düsteren Blick zu. Wäre er ein Hund, würde er jetzt vermutlich knurren und seine Zähne fletschen. „Was willst du denn hier!?“

Vollkommen unbeeindruckt geht Phoenix an ihm vorbei, schlingt lässig seinen Arm um meine Schultern und zieht mich zu sich heran. Wieder klopft mein Herz wild in der Brust und pure Verwirrung macht sich in mir breit.
Was soll das? Erst will er tagelang nichts mit mir zu tun haben und auf einmal tut er auf beste Freunde?

„Was für eine dumme Frage! Ich bin Doras Begleitung!“, verkündet er vergnügt und tätschelt meinen Oberarm. „Dachtest du wirklich, ich würde sie mit dir alleine lassen? Mach dich bitte nicht lächerlicher als du bist, Black.“

Empört ramme ich meinen Ellenbogen in Phoenix‘ Seite. Die Beleidigung war nun wirklich nicht notwendig! Während der Sechstklässler scharf die Luft einzieht, schüttle ich seinen Arm von mir ab und trete an Regulus‘ Seite. Mir bleiben jetzt genau zwei Optionen: Entweder stoße ich Phoenix vor den Kopf und gehe mit Regulus allein nach Hogsmeade oder ich spiele mit und schätze mich glücklich, einen Verbündeten an meiner Seite zu haben. Viel Zeit zum Nachdenken habe ich nicht, bevor sich die beiden Jungen die Köpfe einschlagen werden.

„Er… uhm…“, beginne ich und lasse mein Gehirn auf Hochtouren laufen. Vor einigen Tagen hätte ich ohne zu zögern zugestimmt. Aber jetzt? Warum taucht er gerade in diesem Moment auf und macht alles nur noch komplizierter?! Kleinlaut murmle ich vor mich hin und versuche, keinen der Beiden direkt anzusehen. Bevor mein Kopf eine Entscheidung treffen kann, plappert mein loses Mundwerk bereits drauf los. „Ich dachte: Je mehr desto lustiger? Außerdem sagtest du doch, ich könnte jemanden mitnehmen…?“

Triumphierend legt Phoenix seine Hand auf meinen Rücken. „Dann mal los!“ Mit sanfter Bestimmtheit drückt er mich in Richtung Innenhof, ohne dem jungen Black irgendwelche Beachtung zu schenken oder auf eine Antwort zu warten. Unsicher werfe ich einen Blick über die Schulter und beobachte, wie er uns nach kurzem Zögern langsam folgt. Seine Unzufriedenheit ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Dennoch macht er keine Anstalten von Protest und bleibt vorerst friedlich.

Der Weg nach Hogsmeade war noch nie so lang und unangenehm wie jetzt. Keiner spricht auch nur ein einziges Wort und die Stimmung bleibt angespannt. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Fiebrig suche ich nach einem passendem Gesprächsthema, doch mir will einfach keins einfallen.
Der Himmel über uns färbt sich vom milden Orange langsam in ein helles Blau. Ein paar Blätter segeln von den Ästen der Bäume auf den Boden und breiten sich wie eine kupferrote Decke darüber aus.
Hin und wieder werfe ich verstohlene Blicke zu den Jungen. Während Phoenix ganz interessiert die Umgebung betrachtet, starrt Regulus stur geradeaus. Seine Hände hat er tief in den Taschen seines Mantels vergraben und seine Lippen presst er so stark aufeinander, dass jegliche Farbe aus ihnen gewichen ist. Phoenix hat sich mit voller Absicht zwischen uns gedrängt und erlaubt Regulus keine einzige Sekunde lang, mir zu nahe zu kommen. Mittlerweile fühle ich mich eher wie ein Kleinkind, welches mit seinem Babysitter einen gemütlichen Spaziergang zum Spielplatz unternimmt. Eigentlich fehlt nur noch, dass Phoenix mich an die Hand nimmt und mich mein liebes Kind nennt.

In Hogsmeade sind die meisten Läden gerade erst beim Öffnen. Das Dorf ist wie ausgestorben und wir bisher die einzigen Schüler dort. Ein wenig verloren bleiben wir am Dorfplatz stehen und schauen uns ratlos an. Phoenix verschränkt die Arme vor der Brust und mustert Black erwartungsvoll. „Also? Was ist der Plan?“

Regulus dreht dem Älteren bewusst den Rücken zu und wendet sich an mich. „Ich führe dich erst herum und dann kannst du dir aussuchen, wo du hinwillst.“

„Sehr schön. Komm.“ Phoenix drückt sich an dem Viertklässler vorbei und rempelt ihn hart an. Dann legt er wieder seinen Arm um meine Schulter und zieht mich widerwillig hinterher.
Regulus tut mir ein wenig leid. Immerhin war das unsere Verabredung und Phoenix hat sich einfach selbst eingeladen. Nun übernimmt der Sechstklässler die Führung und lässt ihn gänzlich außen vor. Jeder von ihnen versucht krampfhaft, den anderen auszustechen und zu ignorieren. So ein Verhalten habe ich bisher immer nur bei kleinen eifersüchtigen Kindern erlebt, was die ganze Situation nur noch absurder macht.
„Lass uns zuerst in Schreiberlings Federladen gehen. Ich brauche noch ein paar Schulsachen“, sagt er und steuert augenblicklich besagten Laden an.

„Niemand hat dich nach deiner Meinung gefragt, Gray“, zischt Regulus und packt mein Handgelenk. „Mach was du willst, aber mach es ohne uns!“

Phoenix schnaubt verächtlich und zieht spöttisch eine Augenbraue hoch. „Was lässt dich glauben, dass Dora nicht auch dort hinmöchte?“

Plötzlich huscht für den Bruchteil einer Sekunde Unsicherheit über Regulus‘ Gesicht. Unauffällig schielt er zu mir rüber, um nach Anzeichen einer Antwort zu suchen. Wieder stehe ich zwischen ihnen und muss mich für eine Seite entscheiden. Dieser Ausflug ist noch viel schlimmer, als ich es mir ausgemalt habe!

„Ich…“, beginne ich, doch lasse den Rest ins Leere laufen. Wenn es eine Sache gibt, die ich mitunter am meisten hasse, dann ist es, sich für eine Seite entscheiden zu müssen.

Während Phoenix nicht gewillt ist aufzugeben, lockert sich Regulus‘ Griff um mein Handgelenk und gesteht damit seine Niederlage ein. Mein Herz verkrampft sich schmerzvoll. In diesem Moment kann ich genau nachvollziehen, was er empfindet.

Ich zwinge mich zu einem unbeschwerten Lächeln. „Geh nur. Regulus zeigt mir den Rest.“

Phoenix‘ Augen schweifen zwischen Regulus und mir hin und her. Schließlich seufzt er geschlagen und schüttelt entnervt den Kopf. „Meinetwegen. Wir treffen uns dann später wieder hier.“
Damit kehrt er uns den Rücken zu und verschwindet im Schreibwarengeschäft.

Kaum ist der Sechstklässler verschwunden, hellen sich Regulus‘ Züge auf. Seine Muskeln entspannen sich und auch auf seinen Lippen zeichnet sich die Andeutung eines Lächelns ab. Auf einmal wirkt er so viel offener und freundlicher.
Gemeinsam gehen wir durchs Dorf. Er zeigt mir jedes Geschäft und einige schöne Ecken, die es in meiner Zeit gar nicht mehr gibt. Wie ein kleines Kind an Weihnachten, strahlen seine Augen vor Begeisterung und Aufregung, doch gleichzeitig bleibt er äußerlich ruhig und gefasst. Heute ist er das genaue Gegenteil von dem verklemmten Slytherin, den ich kennengelernt habe. Mittlerweile fällt auch meine Anspannung immer weiter ab und zum Ende hin habe ich sogar richtig Spaß. Noch vor wenigen Stunden hätte ich mich am liebsten gedrückt, aber nun ist es doch gar nicht so übel.
Mit der Zeit füllt sich Hogsmeade immer weiter und die Läden werden nur so von Schülern überschwemmt. Nach mehreren Stunden von Gedrängel durch Menschenmassen, einigen wir uns auf eine Pause. Dafür kehren wir zum Treffpunkt zurück, wo Phoenix bereits mit mehreren vollen Taschen und Beuteln auf uns wartet. Im Gegensatz zu ihm habe ich mir nichts gekauft und frage mich, woher er das ganze Geld aufgetrieben hat. Schließlich sind wir mit nichts, außer der Kleidung die wir am Leib trugen, hierhergekommen. Und Phoenix ist niemand, der andere um etwas bittet. Schon gar nicht, wenn es um Geld geht.

„Alles in Ordnung?“, fragt er mit einem Hauch Besorgnis in der Stimme.

„Alles gut. Wie ich sehe warst du fleißig“, bemerke ich und deute auf seine Einkäufe.

„Kleinigkeiten. Nichts Wichtiges.“ Er zuckt belanglos mit den Schultern und nickt zu den Drei Besen rüber. „Wollen wir was trinken?“

Weder Regulus noch ich haben etwas dagegen einzuwenden. Wie erwartet ist es dort knüppelvoll und die meisten Tische bereits besetzt. Wir zwängen uns durch die Menge, bis wir endlich einen freien Platz finden. Erleichtert lassen wir uns nieder und genießen für eine Sekunde den Triumph, den Kampf um einen Tisch gewonnen zu haben. Im Gasthaus herrscht eine brüllende Hitze. Ich merke, wie sich der Schweiß bereits auf meiner Stirn sammelt und ziehe meine Jacke aus.
Sofort starren mich die beiden Jungen an. Verlegen presse ich die Jacke gegen meine Brust und schaue unsicher an mir herunter. Es ist jetzt nicht so, dass ich mich besonders freizügig angezogen habe. Eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall, weshalb ich ihre Reaktionen nicht nachvollziehen kann.

„Wow…“, haucht Phoenix und mustert mein Oberteil. „Das ist vermutlich das Hässlichste, was ich jemals gesehen habe. Hast du das auf der Straße in einem Mülleimer gefunden?“

Obwohl Regulus nichts sagt, kann ich in seinem Gesicht deutlich lesen, wie er dasselbe denkt. Damit ich ihn bloß nicht nach seiner Meinung frage, lässt er seine Augen ruhelos durch den Raum wandern.

„Und du? Hast du deine Sachen aus dem Mülleimer?“, gebe ich beleidigt zurück, doch bekomme nur ein genervtes Augenrollen als Antwort.

Unruhig rutscht Regulus auf seinem Platz hin und her. Anscheinend ist ihm die Unterhaltung ein wenig unangenehm oder er fühlt sich in diesem Augenblick zwischen Phoenix und mir lediglich fehl am Platz. Bereits in der nächsten Sekunde erhebt er sich und kämpft sich nach vorne zur Theke durch.
Phoenix und ich bleiben zurück und sehen uns in den Drei Besen um. Überall um uns herum sind lachende Schüler, betrunkene Gäste und sogar der ein oder andere Lehrer. Jetzt wäre vermutlich ein passender Zeitpunkt, mich mit dem Slytherin auszusprechen, doch seine Aufmerksamkeit gilt bereits jemand anderem.

„Freunde von dir?“, frage ich beiläufig und folge seinem Blick zu der Gruppe von Slytherins, die sich im hinteren Teil des Gasthauses breit gemacht haben. Lautstark unterhalten sie sich über Schlammblüter, Muggel und die Schande von gemischten Ehen für die Zaubererwelt. Sie empfinden keinerlei Scham, so abfällig in der Öffentlichkeit darüber zu reden.
Einige der Gäste drehen sich verstört um und schütteln ungläubig den Kopf. Allerdings traut sich niemand, sie zu unterbrechen oder ihnen den Mund zu verbieten.

„Mister Gray! Wie schön, Sie hier zu sehen!“, trällert plötzlich eine fröhliche Stimme. Umgehend wirbeln wir herum und lassen die rassistischen Slytherins hinter uns.
Es ist ein sehr stark angetrunkener Slughorn, der torkelnd neben Phoenix zum Stehen kommt und dabei einen Schwall Butterbier auf ihn gießt. Erschrocken weicht er zurück, was Slughorn als Einladung sieht und sich neben ihm niederlässt.
Breit grinsend schaut er uns an. Seine Augen sind leicht glasig und die Wangen vor Heiterkeit ganz gerötet. Kurz tätschelt er Phoenix anerkennend die Schulter, bevor er seine Hand wegzieht und sie verwirrt betrachtet.

„Sie sind ja ganz nass, mein Lieber!“

„Ja…“, brummt er gereizt und rutscht von dem Lehrer weg. „Danke für den Hinweis, Professor.“

„Sie sind ja wirklich ein ganz interessantes Kerlchen! Wie lange planen Sie noch, mich mit dem Aufsatz warten zu lassen? Ich bin schon ganz gespannt!“
Slughorn reißt seinen Becher Butterbier in die Höhe und verschüttet dabei noch mehr von der goldbraunen Flüssigkeit.

„Ja, der Aufsatz… Ich bin froh, dass Sie den ansprechen. Um genau zu sein, bin ich so gut wie fertig und überarbeite nur noch einmal den Schluss. Sie wissen doch, dass das Ende einem immer am längsten im Gedächtnis bleibt.“

Plötzlich gibt der Professor ein lautes bellendes Lachen von sich und lässt uns zusammenzucken. Ohne jegliche Vorwarnung, schlägt er Phoenix hart auf den Rücken, sodass dieser beinahe über den Tisch fällt.

„Aber dir fehlte doch noch über die Hälfte!“, mische ich mich ein.

Fassungslos starrt Phoenix mich an. Im nächsten Moment tritt etwas hart gegen mein Schienbein und lässt mich scharf die Luft einziehen.
Nervös lächelt er den verwirrten Lehrer für Zaubertränke an und gibt ein künstliches Glucksen von sich.
„Ach, Dora… Du hörst mir wirklich nie zu. Ich sagte, mir fehlt noch die Hälfte von meinem Schluss.“ Seine Mimik verhärtet sich und mit bestimmtem Nachdruck fügt er hinzu: „Das habe ich dir doch gestern noch gesagt.“

„Gestern haben wir uns doch gar nicht gesehen?“ Verwirrt schüttle ich den Kopf und wieder tritt er mir hart gegen das Schienbein. So langsam verstehe ich seine Botschaft und beiße mir auf die Unterlippe, um nicht noch mehr zu sagen. Wer hätte gedacht, dass Phoenix einen Professor so schamlos ins Gesicht lügen kann?

Meine Gedanken gehen in Slughorns herzlichem Gelächter unter. „Eine reizende kleine Freundin haben Sie da! Es ist sehr wichtig, dass man besondere Menschen im Leben festhält.“ Erneut setzt er seinen Becher an die Lippen und leert diesen in einem Zug. Zufrieden seufzend knallt er ihn anschließend auf den Tisch.

„Hast du das gehört, Phoenix? Halt mich bloß fest, denn ich bin etwas ganz Besonderes.“
Neckisch lehne ich mich zu ihm rüber und knuffe seinen Arm. Genervt verdreht er die Augen und schlägt halbherzig meine Hand weg.
Genau in diesem Moment kommt Regulus mit zwei Bechern Butterbier zurück. Da Professor Slughorn seinen Platz eingenommen hat, setzt er sich zögerlich neben mich. Höflich rutsche ich zur Seite und ignoriere mein klopfendes Herz. Wir sind uns nun so nah, dass ich sein Parfum riechen kann. Es ist ein überraschend angenehmer Duft und das genaue Gegenteil von Phoenix. Während der Sechstklässler auf erfrischende Gerüche setzt, ist der von Regulus eher schwer und gleichzeitig sehr nobel.

Er reicht mir ein Butterbier und wirft Phoenix einen eiskalten Blick zu. „Du hast doch nicht erwartet, dass ich dir auch eins mitbringe? Wenn du was trinken willst, musst du es dir schon selber holen.“

Phoenix verschränkt die Arme vor der Brust und schnaubt höhnisch. „Nicht doch, Black. Du hast mir einen Gefallen getan, denn eigentlich mag ich gar kein Butterbier. Und eines sollte ich dir noch sagen: und zwar, dass Geiz und Egoismus bei Mädchen so gar nicht ankommen.“

Die Stimmung schlägt um, als die Jungen sich ein feuriges Blickduell liefern. Sogar dem betrunkenen Slughorn wird es zu unbehaglich. Peinlich berührt räuspert er sich und tupft sich mit einem bunten Taschentuch seine verschwitzte Stirn ab.
„Also nun… ich denke, ich sollte die Jugend nicht weiter aufhalten.“ Schwerfällig erhebt er sich und schwankt dabei gefährlich. Er muss sich am Tisch abstützen, um nicht aus Versehen über seine eigenen Füße zu stolpern. „Meine Herren-“ Slughorn nickt seinen Slytherin Schützlingen zu und legt dann die Stirn nachdenklich in Falten, als er sich mir zuwendet. „Und Miss… Tinkle!“

„Tonks“, korrigiere ich ihn.

„Ja, ja… sagte ich doch.“ Bedeutungslos winkt er ab und klopft zum Abschied auf den Tisch.

Ich weiß nicht, was mich mehr schockiert. Entweder, dass Slughorn meinen Namen bereits vergessen hat oder er sich nicht im Geringsten dafür interessiert, wie ich wirklich heiße.
Regulus und Phoenix murmeln etwas, das wie „Schönen Tag, Sir“ klingt, ohne den Lehrer dabei überhaupt anzusehen.


Wir Trinken in Ruhe unser Butterbier und unterhalten uns relativ gelassen. Zwar fallen zwischen den beiden Slytherins noch immer die ein oder andere Beleidigung, aber immerhin fangen sie keinen richtigen Streit an. Nach den Drei Besen besuchten wir noch ein paar letzte Geschäfte, in denen mir Regulus etwas kaufte, sobald ich es ein wenig länger als nötig betrachtete. Vielleicht hat er sich angegriffen gefühlt, nachdem Phoenix ihn als geizig und egoistisch bezeichnet hat. Möglicherweise will er auch mit seinem Reichtum prahlen. Oder aber er möchte einfach nur nett sein.
Mir kann es egal sein, auch wenn ich mich nicht gerade wohl dabei fühle, diese Geschenke anzunehmen. Meine Proteste ist er jedoch gepflegt übergangen und hat am Ende doch das gemacht, wonach ihm der Kopf stand.

Damit neigt sich der Tag langsam dem Ende zu und als es zunehmend kühler wird, machen wir uns auf den Rückweg. Ich hatte heute überraschend viel Spaß und fühle mich auch wesentlich besser als heute Morgen. Es ist fast schon ein Jammer, dass es vorbei ist und uns morgen der langweilige Alltag wieder einholt.
Zurück im Schloss trennen sich unsere Wege. Ich bedanke mich bei Regulus für den schönen Tag und sehe zu, wie sich seine Wangen zartrosa färben. Phoenix spricht kein einziges Wort, bleibt aber so lange an meiner Seite, bis der Viertklässler in den Kerkern verschwunden ist.

„Ich kann nicht glauben, dass ich meinen Tag mit euch beiden Vollidioten vergeudet habe…“

Schnaufend drehe ich mich zu Phoenix um und baue mich empört vor ihm auf. „Niemand hat dich gezwungen mitzukommen! Du hättest es auch sein lassen können!“

„Und dich mit einem Todesser alleine lassen? Ja klar! Weißt du eigentlich, wie viel Fremdscham ich ertragen musste, als ich euch beim-“ Plötzlich bricht er ab und starrt mit leicht geöffnetem Mund und großen Augen über mich hinweg.
Verwundert über sein eigenartiges Verhalten, drehe ich mich um. Dort auf dem Treppenabsatz, steht ein leicht orientierungsloser Remus Lupin.

„Remus…?“, flüstere ich ungläubig und in diesem Moment treffen sich unsere Blicke.
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