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Die Katze und der Drache

von Hopy1x2y
GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P12 / Gen
18.01.2021
04.02.2021
37
58.634
3
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18.01.2021 1.509
 
Diese Geschichte war nun mein erster Versuch im Genre der Gestaltwandlerromane. Leider habe ich hier an den Erwartungen der Leserinnen vorbeigeschrieben - zumindest lässt die schlechte Durchschnittsbewertung auf Amazon (2,6/5) darauf schließen. Ein großer Teil der Geschichte erinnert fast an einen Krimi, da ich versucht habe, der Gestaltwandlerproblematik etwas auf den Grund zu gehen bzw. versucht habe, die Umwelt auf solche Wesen reagieren zu lassen. Dies wurde nicht gerade begeistert aufgenommen, auch wenn die Verkaufszahlen einigermaßen in Ordnung waren.
Ich bin gespannt, wie hier die Reaktion auf die Geschichte sein wird :-)
Viel Vergnügen.
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Dalila

»Ihre Cola, Miss.«

Ich dankte dem Barkeeper, nahm das Glas und suchte mir einen Eckplatz in der Bar. Ich hatte es mir zur Angewohnheit gemacht, den Platz grundsätzlich nach bestimmten Kriterien auszusuchen. Er musste abgelegen sein und durfte nicht am Fenster liegen. Außerdem wollte ich immer den Eingang im Blick haben, sodass ich mögliche Gefahren sofort erkennen konnte. Diese Vorgehensweise hatte sich schon das eine oder andere Mal bewährt.

Ich ließ mich auf einen der wackeligen Stühle nieder, stellte das Glas ab und betrachtete das Treiben um mich herum. Es war höllisch laut hier, zumindest für meine Ohren, aber wenigstens war es friedlich. Mein Bedürfnis an Kneipenschlägereien war nicht sehr ausgeprägt, wenn man mich auch bei solchen Gelegenheiten in Ruhe ließ. Selbst der ungebärdigste Kneipenschläger scheute davor zurück, eine gutaussehende Frau in eine Prügelei hineinzuziehen. Außerdem war diese Bar kein Ort, an dem die Gefahr bestand, dass hier jeden Moment eine Schlägerei ausbrechen würde. Wenn ich mich verabredete, dann immer nur an ungefährlichen Orten, wo man als Normalbürger nicht auffiel. Eine weitere Sache, die mir das Leben sehr erleichterte.

In diesem Augenblick sah ich Chris Paxton an der Tür auftauchen. Er blickte sich suchend um, erspähte mich, kam zu meinem Tisch und setzte sich auf einen freien Stuhl, nachdem er sich etwas zu trinken bestellt hatte.

»Hallo Dalila«, begrüßte er mich.

»Chris!« Ich nickte ihm zu. »Was hast du für mich?«

»Einbruch. Schwierig, aber lohnend.«

»Wo?«

»Hier in der Stadt.«

Ich rieb mir das Kinn. Das gefiel mir eigentlich nicht besonders. Normalerweise arbeitete ich nie in der Stadt, in der ich meinen zeitweiligen Wohnsitz hatte.

»Ich weiß, dass es gegen deine Prinzipien verstößt«, sagte er, während er sein bestelltes Getränk in Empfang nahm. »Aber es ist ein dicker Fisch, der mir da an der Angel zappelt. Und es kommt deinen speziellen Fähigkeiten entgegen.«

Ich trank etwas von der Cola und dachte an den Barbestand auf meinem Konto. Es war höchste Zeit, dass ich wieder zu Geld kam. Chris' Tipps waren immer Gold wert und ich arbeitete gern mit ihm zusammen, weil er im Allgemeinen keinen Unsinn erzählte und alles kühl durchkalkulierte. Wenn er mir etwas anbot, dann hatte es Hand und Fuß.

»Zwanzig Prozent?«

Er schüttelte den Kopf und lächelte mich an. »Diesmal will ich fünfundzwanzig.«

Ich stellte das Glas hart auf dem Tisch ab. »Dann wird nichts draus.«

Paxton zuckte mit den Schultern und tat betont gleichgültig. »Wie du meinst.« Er stand auf und ging zur Theke, um sein Getränk zu bezahlen.

Ich sah ihm nach und beschloss, das Pokerspiel anzunehmen. Wenn er mir einen Job anbot, dann hauptsächlich aus dem Grund, dass es keinen anderen in der Stadt gab, der dafür infrage kam. Er wusste, zu was ich fähig war, und dass ich noch nie einen Auftrag versaut hatte. Paxton würde zu mir zurückkommen, wenn er merkte, dass ich auf sein Angebot nicht einging. Schon sah er aus den Augenwinkeln zu mir herüber, doch ich tat so, als würde ich es nicht bemerken und ihn überhaupt nicht mehr beachten. Ich konnte beinahe körperlich spüren, wie er einen inneren Kampf ausfocht, bevor er sich einen Ruck gab und zu mir zurückkam.

»Du bist ein harter Verhandlungspartner, Dalila. Aber gut, ich komme dir entgegen. Sagen wie zweiundzwanzig Prozent für mich.«
»Zwanzig!«

Er fluchte leise und zog die Augenbrauen zusammen. Ich lächelte ihn nur unschuldig an und schließlich entspannten sich seine Gesichtszüge. »Also gut, du hast gewonnen. Zwanzig.«

Er hielt mir die Hand hin und ich schlug ein.

»Und um was geht es nun genau?«

Paxton deutete auf mein Glas. »Trink aus, dann zeige ich es dir.«
*****
Schweigend gingen wir durch die Straßenschluchten der Stadt. Bei dieser Gelegenheit fiel mir wieder auf, wie hässlich es hier an manchen Stellen war. Dennoch lebte ich nun schon fast zwei Jahre an dem Ort. Die Einwohnerzahl war groß genug, um in der Anonymität unterzutauchen. Sie war aber auch nicht zu groß, als dass ich mich unwohl gefühlt hätte. Die höchsten Wolkenkratzer hatten nicht mehr als vierzig Stockwerke und es gab Stadtteile, die mit ihren drei- oder vierstöckigen Häusern beinahe pittoresk aussahen. Mir gefiel diese Mischung aus Schönheit und Hässlichkeit. Die Stadt war fast ein getreues Spiegelbild des Lebens.

Paxton hatte mich an den Fuß eines der höchsten Wolkenkratzer geführt, wo er nun stehenblieb.

Ich blickte ihn fragend an. »Hier ist es?«

»Hier ist dein Ziel. Genauer gesagt, im vierzigsten Stockwerk.«

»Ich hoffe, der Aufzug funktioniert.«

Er grinste mich faunisch an. »Oh ja, der ist perfekt in Schuss. Nur wirst du davon leider nichts haben.«

»Du machst Witze, oder?« Mir schwante, was er damit andeuten wollte.

»Oh nein, meine kleine Akrobatin. Du kannst nicht einfach durch das Foyer gehen und mit dem Aufzug nach oben fahren. Du wirst einen Weg von oben her in das Gebäude finden müssen.«

Ich strich mir durch die Haare und blickte nach oben, zum Dach des Hochhauses. »Wie viel ist denn zu holen?«

»Rate mal. Ab welcher Summe würdest du denn das Risiko eingehen, dich von dem Nachbarhaus zum Dach des Zielgebäudes zu begeben?«

»Fünfzigtausend wäre das Minimum.«

Er stieß prustend die Luft aus den Lungen. »Dort oben wartet das Hundertfache auf dich, Kleine!«

»Du scherzt doch!« Ich konnte kaum glauben, was er da behauptete.

»Über so etwas mache ich keine Witze! Ich sage dir, dass dort oben im Safe mindestens fünf Millionen auf dich warten. Bargeld, Wertpapiere, Obligationen.«

Mir wurden fast die Knie weich, als ich die Geldbündel vor mir liegen sah. Ich würde nie wieder risikoreiche Jobs eingehen müssen und könnte mich zur Ruhe setzen. »Von wem hast du denn diesen Tipp? Ist der Kerl auch glaubwürdig?«

»Er ist zuverlässig, dafür garantiere ich.«

Ich war noch nicht ganz überzeugt. Irgendwo musste es einen Haken geben. »Und wer ist der Goldfasan, den ich rupfen soll?«

»Tja, der Mann, der diese Etage gemietet hat, heißt Joseph Dyson. Der Safe befindet sich in seinem Büro, Zimmernummer 40.101«

Da war also der Haken. Ich sollte einen der zwielichtigsten und gefährlichsten Männer der Stadt bestehlen. Ich hätte beinahe gelacht und dankend abgelehnt, aber dann sah ich wieder das Geld vor mir liegen, und mein Entschluss schwankte erneut. »Wie ist denn die Bewachung?«

»Ziemlich heftig, wie du dir denken kannst. Deswegen sollst du ja auch nicht den Haupteingang nehmen. Aber wenn es jemand schafft, dann du.«

»Schmier mir bloß keinen Honig um den nicht vorhandenen Bart.« Ich holte tief Luft. »Ich brauche ein paar Tage, um alles vorzubereiten.«

Er schüttelte den Kopf. »Du hast nur drei Tage. Danach wird der Safe geleert und der Inhalt abgeholt.«

»Sagt dein Tippgeber.«

»Das behauptet mein Informant und der muss es wissen, denn er sitzt direkt an der Quelle.«

Ich horchte auf. »Das heißt, er arbeitet für Dyson? Und hintergeht diesen Mann? Entweder ist er lebensmüde und somit nicht ganz bei Trost oder er führt dich an der Nase herum.«

Er winkte ab. »Für einen sechsstelligen Betrag nimmt man schon etwas Risiko in Kauf, meinst du nicht auch? Er ist jedenfalls ganz scharf auf das Geld. Also: Nimmst du an?«

Nachdenklich betrachtete ich den Wolkenkratzer. Wenn Paxton mir für den Job einen sechsstelligen Betrag angeboten hätte, dann wäre meine Antwort negativ gewesen, aber bei einer vier mit sechs Nullen vor dem Komma sah es anders aus. Außerdem traute ich mir durchaus zu, mit allen Schwierigkeiten fertigzuwerden.

Ich nickte schweigend. Paxtons Miene hellte sich auf.

»Du wirst es nicht bereuen. Nach diesem Auftrag bist du ... he, wieso ...«

Ich hatte ihn am Kragen gepackt und zog ihn wie ein Spielzeug zu mir heran. »Wenn du mir etwas verschwiegen hast, dann wirst du mich von einer äußerst unangenehmen Seite kennen lernen. Und deinen Informanten kaufe ich mir dann auch noch, ist das klar?«

»Ich hab dir alles gesagt, was ich weiß, wirklich. Ich bin doch nicht lebensmüde und versuch dich reinzulegen!«

Für einen Moment blickte ich ihm tief in die Augen und sah, wie ihm der Schweiß ausbrach. Schließlich ließ ich ihn los und er wich sofort zwei Schritte von mir zurück.

»Ruf mich in drei Tagen an«, sagte ich. »Dann treffen wir uns und ich gebe dir deinen Anteil - oder grill dir den Arsch über offener Flamme, wenn du mich reingelegt hast.«

Er nickte nur und richtete seinen billigen Anzug. »Ich melde mich«, brabbelte er und ich konnte die Erleichterung beinahe riechen, als er sich umdrehte und die Straße entlang hastete.

Vier Millionen! Die Zahl spukte mir im Kopf herum, während ich mich auf den Weg zu meinem Appartement machte. Es wurde Zeit, einen Plan zu schmieden und die Ausrüstung vorzubereiten.
 
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