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Thoughts of fate [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
18.01.2021
13.06.2021
74
124.908
14
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Dieses Kapitel
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11.06.2021 1.824
 
Wie genau Elias hier gelandet war, wusste er gar nicht mehr, doch irgendwo machte es auch Spaß.

Irgendwo machte es Spaß mit seiner Tasse Tee in der Hand in der Ecke des Raumes zu stehen, sich hin und wieder seicht zu den viel zu lauten Tönen der viel zu überdrehten Musik zu bewegen, zu versuchen in den vielen flackernden Lichtern irgendjemanden auszumachen, sie dabei zu beobachten, wie sie sich amüsierten und ganz unauffällig Collin anstarren zu können, der in diesem gesamten Trubel gar nicht mitbekam, dass dort mehr als bloß unzählige weibliche Blicke auf ihm lagen.

Anfangs hatte man sogar versucht dem Blonden einen der vielen roten Plastikbecher mit der undefinierbaren Mische anzudrehen, die Darren und Adrian am Nachmittag vor seinen Augen gemischt hatten, bevor sie die gesamte Bowle in den Kühlschrank verfrachtet hatten, doch er hatte abgelehnt.

Vielleicht eben deshalb, weil er ungefähr wusste, was sich dort drin alles an Hochprozentigem befand und es ihn unwohl fühlen ließ, dass er nach der sechsten Flasche den Überblick verloren hatte. Oder aber daran, dass er einfach nur bei Sinnen bleiben wollte.

Er fürchtete sich nämlich schrecklich davor im betrunkenen Zustand Dinge zu tun, die nicht nur auf sein nüchterner Ich auswirkend, sondern auch schrecklich verheerend sein konnten.

Er wollte gar nicht erst wissen, auf welche Ideen sein benebeltes Hirn kam. Vor allem, wenn er weiterhin so unglaublich exzessiv den Braunhaarigen anstarrte, der sich schrecklich attraktiv in der Menge bewegte.

Tatsächlich war er erleichtert, dass der größere Jugendliche all den Mädchen und jungen Frauen auswich, die versuchten ihn anzutanzen oder sich überhaupt an ihn heran zu machen, doch auf der anderen Seite...

Ließ es ihn fürchten.

Ließ es ihn sich fragen, ob die Anforderungen des anderen einfach nur so hoch waren, dass jede dieser wunderschönen, weiblichen, wenn auch ziemlich nervigen und aufgetakelten Geschöpfe, ihm nicht genug waren. Wie sollte er selbst dann jemals dem anderen-

Hastig wandte er sich ab. Strich diese Gedanken so schnell aus seinem Verstand, wie sie gekommen waren. Ebenso sollte und durfte er nicht denken.

Er ahnte, dass es ihm bloß zum Verhängnis werden und ihn in einen Abgrund stürzen würde, dem zu entkommen, ihm nicht möglich war. Niemals möglich sein würde.

Immerhin war er nur er. Niemand, der dies geschafft hätte. Niemand, der die Kraft gehabt hätte und vor allem nicht den Willen. Sobald er hinuntergestürzt war, würde er hilflos sein.

Langsam und bedacht nach er einen langen und seichten Schluck des lauwarmen Wintertees, der sich bereits so lange in seiner Hand befand, dass er ihm beinahe schon wieder kalt vorkam. Vielleicht war er dies auch. Wer wusste es schon?

Erneut ließ er seinen Blick über die tanzende Menge in der Mitte des Hauptraumes gleiten.

Anders als noch kurz zuvor suchte er nicht die große, muskulöse Gestalt Collins, sondern irgendetwas, was ihn von diesem und dem gesamten Geschehen im Quartier der Clique in dieser Nacht ablenken konnte.

Er war schrecklich erleichtert, als seine Augen an der Couch hängen blieben und er merkte, sie seine Gedanken endlich abschweiften. Sich einem Thema zuwandten, das ihm zwar deutlich weniger Wärme gab, ihm jedoch auch deutlich mehr behagte.

Anders, als noch am Nachmittag war die Couch an die Wand geschoben, die zweite gleichsam dem Couchtisch im Nebenzimmer verschwunden und der Fernseher erst abgedeckt und dann ebenfalls weggeräumt worden.

Bereits am frühen Morgen waren die Jugendlichen gekommen und hatten begonnen alles vorzubereiten. Selbst die Regale und Kommoden hatten sie entweder mit Plastiktischdecken abgedeckt, ausgeräumt oder weggestellt.

Überall im Raum standen nun typische Klapptische mit allerlei roten Bechern. Die Küche war zu einer Bar umfunktioniert worden.

Und die kleine Anrichte, auf welcher normalerweise der Fernseher mit seinem kleinen Soundsystem seinen Platz hatte, hatte nun eine riesige Soundanlage ihren Platz gefunden, welche mit ihren Verstärkern und dem Bass selbst die Wände zum Wackeln brachte.

Elias selbst hatte den anderen ebenfalls geholfen, auch wenn zumindest Xavier und Darren definitiv nicht begeistert davon waren und er aufgrund seines Unwissens auch keine sonderlich große Hilfe gewesen war. Immerhin hatte er noch nie eine Party gefeiert.

Warum auch?

In den letzten Jahren hatte er sich immerhin eher geschworen, auch in den schlimmsten Momenten niemals nach dem Alkohol oder irgendwelchen anderen Drogen zu greifen.

Sie würden ihm sein Leben zerstören, hatte er sich gesagt. Nicht wissend, dass dieses es von ganz allein geschafft hatte.

Vielleicht war eben dies auch einer der vielen Gründe, weshalb er einfach keinen einzigen Schluck von diesem Mischgetränk trinken wollte.

Abgesehen davon, dass er nicht verstand, warum er jetzt dazu greifen sollte, wenn er es doch selbst in den schrecklichsten Momenten nicht getan hatte, fürchtete er sich unglaublich davor. Hatte Angst, beinahe Panik. Verstand nicht nur nicht, wie man diese Kontrolle abgeben und sich freiwillig berauschen lassen konnte, sondern befürchtete auch, dieses Gefühl des Zustands des Rausches, viel zu gut zu finden.

Immerhin kannte er sich selbst. Immerhin wusste er wie schwach seine Psyche war und wie schlecht diese widerstehen konnte, wenn er erst einmal etwas gefunden hatte, was ihn endlich, nach all der Zeit, wieder gut fühlen und dies alles vergessen ließ.

Dies wollte er nicht. Blieb so lieber bei den nichtalkoholischen Dingen, oder mehr bei seinem warmen, leckeren Tee, und hielt sich im Hintergrund.

Ohnehin fühlte er sich nicht, als wäre von ihm irgendetwas anderes gewünscht gewesen. Zwar hatte er von den Jugendlichen keine Anweisungen bekommen, wie er sich verhalten sollte.

Trotzdem jedoch hielt er sich zurück. Fühlte sich unwohl auch nur daran zu denken, etwas anderes zu tun.

Er hätte es seit ganz zu Anfang verstanden, wenn sie nicht gewollt hätten, dass er dort war und ihn gebeten hätten zu verschwinden, doch dies war nicht geschehen. Sie hatten dies nicht von ihm gefordert. Nicht von ihm gewollt.

Auch, wenn es doch eigentlich ihr gutes Recht gewesen wäre. Auch, wenn man zweien von ihnen deutlich angesehen hatte, dass sie es sich gewünscht hätten.

Dazu jedoch waren mindestens drei der Jungen viel zu gute Menschen, als dass sie dies einfach so zugelassen hätten. Und dies, obwohl er ihnen nicht einmal wirklich böse gewesen wäre. Immerhin hatte er Verständnis dafür.

Es war ja nur er. Nichts Großes. Nichts Wildes.

Anfangs hatte er sich irgendwo ein wenig unwohl gefühlt. Einfach so in einer Ecke zu stehen, seinen Tee zu trinken, mit niemandem zu interagieren, nicht mit zu feiern und nicht einmal Alkohol zu trinken.

Doch mit jeder Minute, welche er dies ein klein wenig länger getan hatte, hatte er bemerkt, dass es eigentlich gar nicht so schlecht und unangenehm war, wie er erwartet hatte.

Niemand achtete auf ihn, niemand sah ihn an, niemand hatte überhaupt bemerkt, dass er auch dort war. Für jeden, der auf dieser Silvesternacht darauf wartete, dass es Null Uhr werden würde und sie noch weiter bis tief in die Nacht feiern konnten, war er ein niemand.

Und irgendwo fühlte sich dies verdammt gut an. Vielleicht sogar ein wenig zu gut, doch darüber machte er sich keine Gedanken.

In den gesamten letzten Jahren war er immer und überall beinahe jedem aufgefallen. Immer hatte man ihn erkannt, aus der Menge gepickt, niedergemacht und als jemanden stehen lassen, der kein Teil von Nichts war. Der nirgendwo dazugehörig war und dem man auch deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass dort auch niemals etwas sein würde, dem er angehörte.

Damals wie heute verabscheute er dieses Verhalten. Doch in diesem Augenblick, in dem er niemandem auffiel, niemand auf ihn achtete und er endlich einmal in der Menge verschwinden konnte, wie jeder andere gänzlich normale Mensch, genoss er es unglaublich.

Es war wahrscheinlich etwas, wofür jemand, der nicht sein Leben gelebt, seine Erfahrungen gemacht und seine Vergangenheit besessen hatte, ihn vor Unverständnis für verrückt gehalten und erklärt hätte. Er fühlte sich, wie man sich eben nicht fühlte, wenn man nicht herausstach.

Er dachte, wie man eben nicht dachte, wenn man ein Jugendlicher in der Neuzeit war.

Doch darauf gab er nichts. Dies war ihm gänzlich egal. Er selbst wollte entscheiden, worüber er sich den Kopf zerbrach, wie er dachte und was er fühlte.

Und niemals Worte er zulassen, dass irgendjemand eine solche Macht über ihn bekam, dass diese Person es würde entscheiden können.

Niemals würde dies geschehen. Selbst, wenn er selbst es sein musste, um seine eigene Meinung zu verteidigen.

Andere überzeugen, sich ihr anzuschließen, es zu verstehen oder genauso zu denken, wie er es tat, wollte er gar nicht erst. Er war ein eigenständiger Mensch. Konnte selbst entscheiden, wohin seine Gedanken flossen und brauchte nach all dem, was er erlebt hatte, schon gar niemanden mehr an seiner Seite, um auch noch weitere Ablehnung auszuhalten.

Erneut nippte er an seinem Tee. Wieder und wieder schweifte sein Blick durch den Raum. War nicht so lange an den Möbeln und Gedanken an die Vorbereitung für diese Party hängen geblieben, wie er es sich gerne gewünscht und erhofft hätte.

Schon wieder waren sie dabei den Braunhaarigen in der Menge zu suchen, ausfindig zu machen und die gesamte restliche Zeit über bis Mitternacht nicht mehr aus den Augen zu lassen.

Um viele Minuten konnte es sich nicht mehr handeln. Einige wenige vielleicht noch. Wahrscheinlich nicht einmal mehr.

Er selbst trug in diesem Augenblick keine Uhr und konnte auch in seiner Umgebung keine Ausfindigmachen.

Auch dies jedoch begann unwichtig zu werden, kaum dass er die Gestalt bemerkt hatte, die mit torkelnden, deutlich angetrunkenen Schritten auf ihn zukam.

Es überraschte ihn. Immerhin war er so sehr in seinen Gedanken versunken gewesen, dass er gar nicht mitbekommen hatte, dass überhaupt irgendjemand auf ihn aufmerksam geworden war.

Kaum hatte er dies realisiert, war es jedoch bereits wieder zu spät, um dieser Situation auszuweichen oder sie von sich abzulenken, wie er es in den letzten Tagen zugegebenermaßen ziemlich oft getan hatte.

Dies war geschehen, weil er sich einfach davor gefürchtet hatte, etwas zu tun, was er irgendwann wurde bereuen können.

In diesem Augenblick schien jedoch nicht er selbst derjenige zu sein, der sich darüber Sorgen machen musste. Seine Augen machten nämlich Collin aus, der mit hastigen, wackeligen Schritten auf ihn zu stürzte.

Zwar sah er aus, als würde er vor Alkohol gleich zur Seite kippen, das Bewusstsein verlieren und sich irgendwelche Verletzungen, aufgrund eines Sturzes, zuziehen, doch der größere Jugendliche wirkte so unglaublich entschlossen, dass dieser Gedanke mit einem Mal unwichtig und uninteressant wurde.

Dass alles irgendwo uninteressant wurde, kaum dass Collin Elias so nah war, dass dem Blonden die Alkoholfahne entgegenschlug, der Braunhaarige ihn an Hüfte und Nacken packte und so ruckartig an sich heranzog, dass es beinahe ruppig wirkte.

Im nächsten Augenblick gleich, schien ihm auch alles weitere zu entfallen.

Denn kaum, dass der Braunhaarige seine Lippen auf seine gepresst und einen Kuss begonnen hatte, den Elias einfach nicht einordnen konnte, weil ihm die Expertise dazu fehlte, wirkte die Welt um sie herum mit einem Mal unwichtig.

WAR sie gänzlich unwichtig. War es egal, wie die Jugendlichen um sie herum runterzuzählen begannen und die Feuerwerke über der Hütte explodierten.

Denn die beiden Jungen, mit ihren flatternden Mägen, fliegenden Herzen, leeren Köpfen und kribbelnden Körpern, waren das Einzige, was zählte.
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