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Thoughts of fate [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
18.01.2021
22.04.2021
48
79.621
13
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08.04.2021 1.734
 
>>Was ist so lustig?<< hakte Darren nach, während Ravy ihm beipflichtend zu nickte und die anderen ebenfalls zu Collin aufsahen.

Jeder an diesem Tisch fragte sich, weshalb ihr Anführer gelacht hatte.

Der Braunhaarige war sich ziemlich sicher, dass die eine Hälfte von ihnen es mitbekommen hatte und die anderen bloß wegen dieser Frage darauf aufmerksam geworden war. Ob dies nun gut war, oder nicht, konnte er nicht wirklich sagen.

Der Gedanke, über den er nachgedacht hatte und die Tatsache, dass die anderen ihn so lange ausfragen würden, bis er Preisgabe, was ihn dazu geritten hatte zu lachen, ließen ihn nervös werden. Er wusste nicht genau, wo in diesem Moment das Problem war, doch er wollte nicht, dass sie es wussten.

Vielleicht wusste er doch, wie er es nun fand, dass sie alle darauf aufmerksam geworden waren. Er fand es scheiße. Abgrundtief und schrecklich scheiße.

Hätte Darren nicht nachher fragen können? Wenn sie auf dem Gang gewesen wäre oder ihr kleiner, magerer Mitbewohner schon geschlafen hätte? Hatte dies wirklich sein müssen?

Eigentlich hatte er keine Probleme damit seine Gedanken mit seinen Freunden zu teilen, doch besonders bei diesen störte es ihn tierisch. Vielleicht, weil es damit zusammenhing, dass er sich über einen der Jungen Gedanken machte, die sie regelmäßig ein wenig ärgerten.

Wäre es nur dies gewesen, wäre noch nicht einmal das ein großes Problem gewesen. Bloß wurde er weich, machte sich Gedanken und Sorgen und dachte über Dinge nach, über die die anderen definitiv nicht nachdenken würden. Dachte, wie sie überhaupt niemals denken würden. Wie er vor einigen Wochen nicht einmal gedacht hatte.

Und die anderen würden es noch weniger verstehen als er selbst.

Wie konnte dies sein? Wie hatten sich seine Gedanken zu diesem verabscheuungswürdigen Thema so schnell ändern können? Wie war dies möglich? Und vor allem, wer trug daran schuld?

Er hatte nichts anderes gemacht als sonst. Hatte sich mit nichts anderem beschäftigt, seine Aufmerksamkeit niemand anderem gewidmet und auch die meisten seiner Ansichten nicht geändert.

Er verabscheute dieselben Menschen, wie seine Freunde. Hasste dieselben, schlug dieselben, empfand dieselben als abstoßend und ekelhaft. Nichts war anders, oder zumindest versuchte er sich dies krampfhaft einzureden. Denn offensichtlich war nichts so, wie es einmal gewesen war.

In der Hoffnung, dass sie davon ablassen würden, antwortete er ihnen einige Minuten nicht. Doch da hatte er wohl vergessen, wie seine Freunde waren. Eigentlich hätte er es erwarten müssen. So kannte er sie doch bereits seit Jahren und doch hatte er Hoffnung gehabt. Denn gänzlich gegenteilig als das, was eigentlich sein Ziel gewesen war, wurden sie nun noch viel neugieriger und aufgedrehter.

Ihre Blicke wurden stechend, prüfend und waren so sehr getränkt voller Neugier und Wissensdurst, dass er am liebsten seinen Kopf auf die Tischplatte gedonnert und sich für seine eigene Dummheit gescholten hätte. Einerseits jedoch war es für diese Geste bereits zu spät und andererseits würde es dies alles bloß noch auffälliger machen. Trotzdem blieben seine Lippen versiegelt.

>>Hat es etwas damit zu tun, dass du die gesamte Zeit über auf die Tür des Speisesaals starrst, wie ein Verrückter? Niemand traut sich vorbei. Sie haben alle Angst deinem Blick zu begegnen. Nicht, dass du nachher noch auf sie aufmerksam wirst<< murmelte Tristan völlig albern und überzogen. Xavier und Adrian blieben ruhig.

Doch tatsächlich hatte der Hellbraunhaarige mit dem leichten Rotstich irgendwo Recht. Er brauchte kaum einige Blicke aus den Augenwinkeln durch den Raum gleiten zu lassen, da fiel ihm tatsächlich auf, wie einige Schüler, die bereits ihre Teller und Tablets weggeräumt hatten in seine Richtung starrten, als würden sie darauf warten, dass er den Eingang aus den Augen ließ und sie hindurch huschen konnten.

Er wusste nicht, wieso dies auf einmal so war, doch mit einem Mal war ihm dies schrecklich unangenehm. Was war so unglaublich schlimm und beängstigend daran, dass er zur Tür geschaut hatte?

War er wirklich so brutal, aggressiv und unbarmherzig, dass selbst unschuldige und unauffällige Schüler, die er noch niemals in seinem Leben wahrgenommen hatte, geschweige denn ihnen etwas zur leide getan hatte, Angst und Furcht vor ihm verspürten?

Vor einigen Wochen noch hätte es ihn gut und mächtig fühlen lassen, doch in diesem Moment... Er konnte nicht anders, als still seinen Blick loszureißen, sich ein wenig von dem Ausgang des Saals wegzudrehen und diesen aus den Augen zu lassen.

Beinahe betend hoffte er darauf, dass die stechenden Blicke, welche sich in seinen Körper bohrten, dadurch endlich verschwanden und man ihn in Ruhe ließ. Immerhin war er nicht der, für den ihn alle in diesem Raum hielten.

Um seine Nervosität und das Gefühl des Unwohlseins zu überdecken, lehnte er sich lässig zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und zog missbilligend eine Augenbraue empor. Er wusste, dass die anderen wohl kaum darauf hereinfallen würden, dafür kannten sie ihn zu gut, doch was war falsch daran es zu hoffen?

>>Was sollten diese Dinge miteinander zu tun haben?<< Zuerst klang seine Stimme ein wenig erstickt, doch mit jedem weiteren Wort welches er sprach, gewann diese ein wenig mehr als Sicherheit. Etwas, was ihm selbst ein wenig Ruhe verschaffte, obwohl es ihm in dieser Situation unmöglich wurde sie wirklich zu bekommen.

Was dachte er dort? Warum dachte er über diese Dinge nach, wenn er sich doch offensichtlich nicht wohl damit fühlte? Wenn seine Freunde Dinge wie diese doch nie und nimmer gedacht hätten? Jahrelang hatte er genauso wie sie gedacht, oder es zumindest in jedem einzelnen Moment angenommen, doch nun... Hatte er sich immer geirrt? Oder hatte er sich wirklich so sehr verändert, dass dies nicht mehr seinem Bild entsprach...?

Er wusste es nicht. Wollte es auch gar nicht wissen. Denn es verunsicherte ihn bloß noch mehr.

>>Keine Ahnung. Wer weiß, was du schon wieder ausgeheckt hast?<< hakte Darren noch einmal nach, doch er zuckte bloß gleichgültig mit den Schultern.

Dies, obwohl in seinem Inneren völlig andere Dinge vor sich gingen. Dinge, von denen seine Freunde niemals im Leben etwas erfahren durften. Einige Augenblicke war es still. Sie warteten noch immer darauf, dass er antwortete.

Doch als er dazu keine Anstalten machte und sie erkannten, dass er dies wohl nicht tun würde, blickten die anderen wieder zurück auf ihre Teller und beschäftigten sich mit etwas anderem. Sie hatten die Lust und Aufmerksamkeit verloren, so schien es ihm erleichtert.

Zumindest bis einer der anderen erneut das Wort ergriff. Augenblicklich spannte er sich noch ein wenig mehr und unwohler an. Was war bloß los mit ihm? Es war doch nicht normal!

>>Hat es vielleicht damit zu tun, dass unser Lieblingsopfer noch nicht da ist? Hast du dir wieder eine neue Methode überlegt, um ihn zu ärgern und kannst es gar nicht mehr abwarten das auszuprobieren?<< grinste Xavier hinterhältig und Collin konnte nichts dagegen tun, dass sein Blut bei diesen Worten zu kochen begann. Er sah dafür keinen Grund. Warum reagierte er so?

Die Worte, welche der andere gesprochen hatte, entsprachen schlichtweg der Wahrheit. War es, weil er sich diesmal keine neue Methode ausgedacht, sondern sich einfach darüber den Kopf zerbrochen hatte, dass der andere nicht dort war? Dass er sich sogar um diesen sorgte? Oder hatte es etwa mit etwas anderem zu tun? Damit, dass man ihm so etwas vorwarf? Dabei waren es doch Dinge, welche er vor einigen Wochen noch getan hatte... Was war bloß los mit ihm?

>>Was soll das denn jetzt heißen? Bist du etwa neugierig auf meine Methoden?<< schmunzelte er.

Er war sich nicht sicher, ob überhaupt einen der anderen auffiel, dass dieses Schmunzeln auf gar keinen Fall echt war oder der Wahrheit entsprach. Sein Herz stach. Er fühlte sich nicht danach. Und doch zwang er sich dazu. Allein der Gedanke daran, sich etwas Neues auszudenken, um den Blonden zu ärgern und ihm das Leben schwer zu machen, schnürte ihm seine Kehle zu.

Er wurde krank. Definitiv. Dort war etwas nicht mit ihm in Ordnung, was es eigentlich hätte sein sollen. Doch seine oberste Priorität war es nicht herauszufinden, was genau es war. Diese war es dafür zu sorgen, dass die anderen nichts davon mitbekamen. Er wollte diese Freundschaften unter gar keinem Umstand verlieren. Dafür ignorierte er merkwürdige Reaktion seiner selbst sogar wirklich gerne.

>>Da muss ich dich leider enttäuschen. Wirklich viel ist es nicht. Mit ist bloß aufgefallen, dass unser kleines Lieblingsopfer nicht da ist. Er es dünn, er trägt kaputte Kleidung und er sieht nicht nur dreckig aus, offensichtlich geht es ihm auch so. Und trotzdem kommt er nicht zum Essen<< sinnierte er laut, was ihm einen erneuten Stich verpasste. Er bereute augenblicklich seine Gedanken ausgesprochen zu haben, als er das aggressive Glitzern in den Augen des Weißhaarigen erkannte.

>>Du meinst die Schlampe sucht schon wieder Aufmerksamkeit? Ein kleiner Masochist also der nicht genug bekommt... Interessant<< Mit jedem Wort das Xavier sprach, wurde das Glitzern heller und sichtbarer.

Es erfreute ihn unheimlich einen weiteren Grund gefunden zu haben, um den deutlich zierlicheren, hilflosen Jungen niederzumachen. Und es schmerzte ihm. Erneut. Doch dafür gab es keinen Grund. Also achtete er nicht darauf, als er dir nächsten Worte sprach.

>>Ja, genau das denke ich. Und es ist keine Methode, aber daraus kann man sicher viel machen<< gab er gleichgültig von sich und zuckte mit den Schultern, um das zusammenfahren seines Körpers, auf Grund des plötzlichen Schmerzes in seinem Inneren zu überspielen. Er hoffte einfach nur, dass es niemandem auffiel. >>Naja, auch egal. Sag mal Adrian, wie läuft es mit unserer kleinen Wette? Hast du da schon was? Denkst du, du wirst mit der Zeit auskommen?<<

Collin schluckte unwohl und biss sich ein wenig zu nervös auf die Unterlippe. Die eigenen Reaktionen seiner Selbst verunsicherten ihn. Er konnte es nicht einordnen. Es wurde ihm einfach unmöglich gemacht.

Die Dinge, welche er dachte, oder zumindest jene, welche er sich selbst einzureden versuchte, entsprachen nicht den Dingen, die er fühlte und empfand. Ein Widerspruch, der ihn durch und durch verwirrte und wogegen er auch nichts machen konnte.

Hastig stürzter sich sein volles Wasserglas hinunter und sprang auf, um sich dieses wiederauffüllen zu lassen. Er konnte bloß schwer darauf hoffen, dass es ihm bald wieder besser gehen und all diese Dinge verschwinden würden, denn wie er dies seiner Mutter oder einem Arzt erklären sollte...

Man würde ihn für verrückthalten. Er selbst hielt sich für verrückt.
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