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What is human, anyway?

KurzgeschichteRomance, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
17.01.2021
17.01.2021
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In seinem jungen Leben hatte Chuuya bereits so einige Sünden begangen. Darunter Diebstahl, Erpressung, Folter, Totschlag, ja, sogar Mord. Und von jeder einzelnen dieser Sünden hatte er gewiss mehr begangen, als er auch nur an einer Hand abzuzählen vermochte.
Doch keine dieser Sünden bereitete ihm ein derart schlechtes Gewissen wie diese eine ganz bestimmte es tat. Jene, welche einen eigenen Namen trug. Einen Namen, den man jedoch nicht einfach so aussprach, wie es für Namen üblich war. Den man selbst im Gericht wohl nur zu flüstern wagen würde. Der aber allein schon genug war, um für schuldig erklärt zu werden. Denn der Name kam dem Urteil gleich. Aber kein Urteil würde je dem Namen gleichkommen.
Er lautete: Dazai Osamu.

Der Name verließ seine Lippen in einem gedehnten Stöhnen. Sooo gut. Dazais Hände waren so gut: lang und schlank und kräftig. Seine Linke lag mit Gleitgel eingeölt um Chuuyas halbharten Schwanz, welchen er beiläufig in die Hand genommen hatte. Er begann ihn lässig auf und ab zu pumpen, während seine Rechte mit Chuuyas lockigem Haar spielte und sein Blick in die Ferne -auf die glitzernde Skyline Yokohamas- gerichtet war.
Sein Körper mochte neben Chuuyas auf Dazais riesigem Boxsspringbett im obersten Stockwerk des Port Mafia Towers liegen, doch er selbst war nicht gänzlich anwesend. Seine Gedanken trugen ihn davon. Ein Flugzeug rauschte zwischen den Towern vorüber. Doch Dazais Gedanken befanden sich auch nicht unter den schockierten Passagieren - schockiert zumindest, wenn sie hätten sehen können, wer sich hinter dieser unscheinbaren Fensterfront befand und dass es jemand war, der mit einem Griff unters Kopfkissen ihren Tod hätte bedeuten können - wenn es ihn denn gekümmert hätte. Dass es der Mann war, vor dem sich ihre Kinder fürchteten und gleichzeitig der Mann, der sie ihnen in ihren eigenen Albträumen wegnahm. Dazai Osamu.
Er lag auf einen Arm gestützt, um besseren Zugang zu Chuuyas Körper zu haben. Doch selbst, wenn er ihm körperlich zugewandt war, so hatte er sich doch in Wirklichkeit jedem Wesen auf Erden abgewandt. Und jedes Wesen von ihm. Oh ja, sie fürchteten ihn. Alle außer Chuuya, der seine Position offensichtlich genoss. Aber wie auch nicht?
Der Schlächter Yokohamas zu seinen Füßen. Und das, obwohl er da draußen -außerhalb dieses Panoramafensters- die Spitze der Nahrungskette darstellte. Doch hier drinnen -hinter verschlossenen Türen- da war er seinem eigenen Bluthund hörig. Der Gedanke allein ließ die Hitze in Chuuya neu aufkochen. Es war ihm ein Wunder, dass Dazai sich noch nicht mit der Hand an seinem Schaft verbrannt hatte. Es fühlte sich an, als stände er in Flammen. Aber er ließ sich nichts anmerken, auch wenn Chuuya sich sicher war, dass Dazai um sein dringliches Begehren wusste. Es war ihm bloß... gleichgültig. Denn Dazai war derjenige, der bestimmte, wann es Zeit war ihn zu erlösen und er konnte sich zu siebenundneunzig Prozent sicher sein, dass Chuuya sich gedulden würde. Dreimal hatte er ihn nur auspeitschen müssen. Dreimal hatten sie sich beinahe gegenseitig umgebracht.
Und nun brauchte er ihn für einen einfachen Handjob nicht einmal mehr anzusehen, denn er hatte sich Chuuyas Körper mit all seinen Lustpunkten, Narben und jedem hervorstehenden Äderchen wie eine Schatzkarte in sein Gedächtnis eingeprägt. Und das war auch besser so. Denn, wenn sich ihre Blicke trafen, dann sprühten für gewöhnlich gefährliche Funken und Dazai geriet in Versuchung dem Raubtier nachzugeben, welches sonst immer nur im Unterton seiner dunklen Stimme mitschwang. Ja, nur mit ihm konnte er seine brutalen Begierden ausleben. Ja, Chuuya war der einzige, der ihm so gut zu dienen imstande war. Seine Loyalität ihm gegenüber kannte keine Grenzen. Würde Dazai ihm befehlen sich den Arm abzuhacken, er würde es ohne Zweifel oder Widerrede tun.
Und trotzdem... trotzdem kam er nicht umhin, gelegentlich eine seiner Konkubinen zu bestellen. Nicht für sich selbst, oh nein, sondern weil er wusste, dass es seinen Bluthund hin und wieder nach Freiheit und nach Fleisch dürstete.

Deshalb zuckte keiner der beiden auch nur mit der Wimper, als plötzlich ohne Ankündigung die doppelflügelige Tür zum Gemach aufflog und eine hochgewachsene Frau hereintrat. Yosano Akiko.
Eine der wenigen, deren Namen sich einzuprägen lohnte, denn sie beide hatten einen gewissen... Verschleiß. Ihre Exzesse verliefen selten unblutig. Bisse, Messerspiele, Sadomaso, der kaltherzige Boss der Port Mafia tat alles für ein kleines bisschen Gefühl. Sein Geschmack war explizit, exotisch und ausgelassen. Nichts, was man mit gesundem Menschenverstand überlebte. Gut also, dass Chuuya nicht mehr bei klarem Verstand war.
Doch heute war Dazai abwesend. Er beachtete die mittlerweile halbnackte Frau, die in sein Revier eingedrungen war, nicht einmal.

"Ihr habt schon ohne mich angefangen?"

Sie trat ans Bett.

"Nimm Platz, du versperrst meinem Herrn die Sicht,"

kommentierte Chuuya an seiner Stelle. Sie gehorchte, doch betrat sie damit eine gefährliche Grauzone.
Unter Dazai zu dienen bedeutete gewissen Regeln zu folgen. Eine davon lautete, ausschließlich SEINEN Befehlen folge zu leisten. Eine andere groteskere bestimmte, dass niemand seinen Bluthund ohne SEINE Erlaubnis zu Genuss kommen ließ. Sie würde diese Nacht womöglich beide brechen. Und das, obwohl es bereits vorgekommen war, dass der Boss junge Frauen hatte aufschneiden lassen, um die verflüssigte Lust, die ihm zustand und die sie ihm vorenthalten hatten, wieder aus ihnen herauszuholen. Selten erreichten diese armen Mädchen die Praxis der Schwarzhaarigen noch lebend. Eine Schande, wenn man sie fragte.
Doch Yosano selbst war außerhalb ihrer Dienste als Kurtisane zu wertvoll, um wie Fleisch behandelt zu werden. Sie konnte es sich erlauben, sich in gewissen Grauzonen zu bewegen. Zumindest, solange ihr Boss nicht gereizt war. Und so ließ sie ihr Höschen auf dem Fußboden zurück, stieg zu ihnen aufs Bett und strich Chuuyas Schenkel mit ihren samtenen Handflächen hinauf.

Das war ein ganz anderes Gefühl, als die rauen, vernarbten Hände des Mafiabosses, die nur allzu vorsichtig von Yosanos abgelöst wurden. Chuuya vermisste die schwindende Grobheit augenblicklich, doch war sie ihm in diesem Moment nichts weiter als einen verwunderten Blick wert, denn schon hatte Yosanos Daumen seinen Schlitz erreicht. Er seufzte, als sie darüber rieb und Lusttropfen hervorquellten. Sie kannte ihn zwar nicht so gut wie der Brünette, doch war sie ihm um einiges wohlgesonnener. Dazai liebte es ihn hinzuhalten, ihn stundenlang am Abgrund entlang balancieren zu lassen bis auch die letzten Stränge rissen und Chuuya auch das übrige bisschen Gutartigkeit in sich verlor. Bis er wirklich durch und durch zu dem wurde, was diese Stadt über ihn zu flüstern wusste -von jeglicher Art menschlicher Moral befreit. Aber Yosano... wurde zu oft in ihrem Leben mit kaputten, leidenden Körpern und Seelen konfrontiert, mit der häufig aussichtslosen Aufgabe sie wieder zusammenzuflicken. Sie gönnte ihren Liebhabern nur zu gern deren wohlverdiente Erlösung. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb er sie nicht für sich allein bestellen durfte?
Er hatte keine Zeit darüber nachzudenken, denn Dazai entschied sich plötzlich dazu, ihm schon beinahe sanft durch die roten Locken um seinen Schaft herum zu streichen, ganz so wie er es liebte, wann immer er wie in Trance schwebte. Unterdessen führten Yosanos Finger ihn zu ihren bereits feuchten Schamlippen. Es war unwahrscheinlich, dass sie Zeit gehabt hatte sich hierauf vorzubereiten. Wenn es jemanden in ihrem Geschäft gab, der beschäftigter war, als Dazais Bluthund, dann war es seine Totengräberin aka Chefärztin.
Jedoch mussten die beiden Männer wirklich köstlich ausgesehen haben, wie sie sich nach einem langen Tag erschöpft und erhitzt dorthin gefläzt hatten. Der eine nackt und erregt, der andere noch bis auf den hochgerollten Ärmel im strengen schwarzen Anzug steckend und mit einem unnahbarem Blick im scharfgeschnittenen Gesicht. Er konnte es ihr also nicht übel nehmen, denn er hätte sich an ihrer Stelle wohl auch sogleich von der Atmosphäre anstecken lassen. Wenn er denn nicht schon schmerzhaft hart gewesen wäre.
Sie durchbrach seine Gedanken, als sie sich nun langsam auf ihm niederließ. Chuuya legte den Kopf in den Nacken und stöhnte ausgelassen, als er fühlte, wie sie sich für ihn teilte und er in ihren warmen Körper hinein glitt. Pure Erleichterung für diesen einen Augenblick. Doch hatten ihn dafür Dazais Streicheleinheiten verlassen. Seine Hand lag nun flach auf Chuuyas Unterleib und hinderte ihn mit wenig Anstrengung daran ungeduldig zu werden und in Yosanos kleines Paradies vorzustoßen.

Dazai bezahlte diese Frau schließlich nicht umsonst. Außerdem wollte er nicht, dass sie ihm sein Haustier verzog. Doch Chuuya schmiegte brav und vorbildlich seine Wange in jene Hand, die ihm gleichermaßen Zuckerbrot und Peitsche war. Dazais Hand. Und er hätte beinahe leicht gelächelt.
Stattdessen fuhr er ihm mit dem Finger das Kinn entlang und über die sinnlich geöffneten, mit Saliva überzogenen Lippen. Selbst in diesem Zustand, in dieser Situation, war Dazai es, der sein hübsches Köpfchen ausfüllte und nicht die Frau, die sich gerade auf sein Geschlecht gesetzt hatte, als wäre es das Normalste auf der Welt.
Wie als hätte sie diesen flüchtigen Gedanken gehört, setzte sie sich auch sogleich in Bewegung. Sie begann Chuuya zu reiten, als glaube sie sie könne ihn damit wirklich zähmen. Als wäre er ihr wilder Hengst und die Enge ihres Körpers um sein Glied wäre Schlinge genug, um ihn zu beherrschen.
Sicher nicht. Aber gefallen tat es ihm ohne Frage. Hatte er vielleicht sogar genau das gemeint, als er sie zuvor angewiesen hatte Platz zu nehmen? Vielleicht, vielleicht.
Sie begann mit langsamen und gleichmäßigen Hüftbewegungen, die ihn nach mehr lechzen ließen. Und dann, als ihr Körper sich an die eindringende Größe gewöhnt hatte, fuhr sie in immer schneller werdender Gangart fort, bis sie sich schließlich mit beiden Händen auf seiner Brust abstützen musste. Yosanos Stöhnen vermischte sich mit seinem und dem Geräusch ihrer aufeinandertreffenden Körper. Dazai lauschte diesem Konzert, ohne ihnen jedoch weitere Beachtung zu schenken. Im Augenwinkel nahm er wahr, wie Yosanos Bewegungen gierig und dann zittrig wurden. Ein Knurren seitens Chuuyas verriet ihm, dass sie zum Höhepunkt gefunden hatte und die Anspannung unter Dazais linker Handfläche, die immer noch lässig auf dem Unterleib des Rothaarigen ruhte, gab ihm ein unmissverständliches Zeichen, dass auch er kurz davor war ins Nirvana einzugehen.

"Stopp,"
gebot Dazai mit tödlich ruhiger Stimme und sie hielten wie zwei Marionetten, deren Fäden durchtrennt worden waren, inne. Trotz der Lust und des Hochgefühls und der Gier. Denn Dazai hatte seinen gnadenlosesten Befehlston gewählt. Jetzt schnalzte er mit der Zunge.

"Ihr teilt euch mein Bett ja wie die Tiere."

Chuuya musterte ihn aus seinen klaren blauen Augen von oben bis unten. Noch vor einem Moment waren sie nebelverhangen gewesen.

"Na und?" fragte er.

"Na und?" imitierte Dazai ihn und ließ diesmal ein abwertendes Schnauben hören, "Ihr solltet ein bisschen mehr an eurer lächerlichen Menschlichkeit hängen."

Chuuya verstand die Predigt nicht. War er nicht der Bluthund des Schlächters von Yokohama? Menschlichkeit war ihm schon lange abgesprochen worden, genauso wie seinem Herren. Selbst wenn Chuuya wohl hin und wieder immer noch der lebendigste, loyalste und sogar mitfühlendste Mafioso der Organisation sein konnte, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand. Denn was Dazai an Emotionen fehlte, hatte Mutter Natur Chuuya im Überfluss geschenkt.
Sie waren zwei so unterschiedliche Individuen, auch wenn sie sich so fantastisch multiplizierten.
Sie trotzdem beide mit ihrer Fülle an unterschiedlichsten Facetten einfach nur noch als unmenschlich zu bezeichnen, brachte Chuuya dazu sich zu wundern:

"Was ist schon menschlich?"

Er kassierte einen eigenartigen Blick. Einen, der voller Überraschung, Verwirrung und Ärger steckte. Doch das war noch nicht alles. Chuuya spürte im Moment seiner Frage Dazais Finger auf seinem Unterleib schon beinahe verletzt zucken.
Er musterte ihn genauer. Seine zusammengesunkenen Schultern, der leicht gebeugte Rücken, die halb gelöste Krawatte. Das war also los.
Chuuya stemmte sich auf die Unterarme und bedeutete Yosano mit einer Kopfbewegung von ihm zu weichen. Sie hatte im Hochgefühl schwelgend nicht viel von dem kleinen Gespräch mitbekommen und sah ihn dementsprechend desorientiert an. Sie konnte deutlich in sich spüren, wie hart er immer noch war. Warum wollte er also, dass sie sich entfernte? Doch im nächsten Moment erinnerte er sie daran, dass sie nicht in der Position war Fragen zu stellen. Grob wurde sie an den Hüften gepackt und angehoben. Seine übermenschliche Stärke machte es ihm möglich, sie von sich zu heben und neben sich auf die Matratze zu stoßen, wie ein aussortiertes Sextoy. Sie schnalzte angesichts der Respektlosigkeit nur mit der Zunge, ignorierte dann jedoch die beiden Männer, als sie den von Chuuya zurückgelassenen verführerisch rot schimmernden Petrus neben sich auf dem Nachttisch entdeckte.

"Chuuya... habe ich dir erlaubt meinen Anzug zu beschmutzen?"

ertönte es gereizt hinter ihr im Dämmerlicht, wo Chuuya nun höchstpersönlich auf jemandes Schoß Platz genommen hatte.

"Nein, aber du hast mir erlaubt menschlich zu sein, nicht wahr? Menschen sind doch triebgesteuert und dreckig,"

mit diesen Worten löste er dem Boss die Krawatte und begann ihn mit spitzen Fingern aus dem engen Anzug und den noch engeren bleichen Bandagen darunter zu schälen. Dazai ließ es mit einem Seufzen geschehen. Das Leinen hatte sowieso langsam begonnen zu kratzen und ihm die Luft abzuschnüren.
Yosano sah zu, wie der Rothaarige dem anderen Mann die gebügelte Hose und die teuren Boxershorts vom Leib zog und als zerknäulten Haufen neben das Bett fallen ließ. Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und nippte an dem edlen Tropfen Wein, während sie über den Glasrand hinweg beobachtete, wie Chuuya sein steifes Glied zusammen mit dem immer noch weniger begeistertem Gegenstück des Bosses in die Hand nahm. Er verteilte die Flüssigkeiten, die seinen Schaft zum Glänzen brachten, über ihrer beider Haut, wobei sie selbst nicht umhin kam sich während dieses kleinen Schauspiels sanft über den noch empfindlichen Schritt zu reiben. Zwischen ihren Schamlippen war es nass. Dasselbe Nass, welches sich die beiden Männer gerade über die anschwillenden Schwänze rieben. Ihr wurde wieder wohlig warm bei dem Gedanken. Hoffentlich würden sie sie früher oder später wieder in ihr kleines Spiel miteinbeziehen. Denn im Gegensatz zu Dazai waren ihre Nerven dünn wie Zahnseide und nur zuzuschauen wie sich zwei derart durchtrainierte Männer neben ihr im selben Bett liebten, würde sie wohl um den Verstand bringen.

Als Chuuya mit seinem Ergebnis zufrieden war, welches aus Dazais nun voll erigiertem und von Lustsäften überzogenen Penis bestand, lehnte er sich zu dessen Gesicht vor und fragte ihn erneut:

"Menschen sind doch triebgesteuert und dreckig, nicht wahr?"

"Ja, das sind sie. Von der Oberfläche bis zum Kern," stimmte Dazai ihm nüchtern zu.

"Dann sag mir jetzt, senpai, was habe ich falsch gemacht? Sind die schlimmsten Verbrecher, die größten Lustmolche und Sünder, nicht menschlicher als tausend unschuldige Kinder? Ist es nicht einfach nur das Wort, das völlig verdreht und falsch ist?"

Dazai nahm sein Gesicht in die Hand und musterte ihn. Für einen Moment schien er ernsthaft darüber nachzudenken, doch dann wurde er von etwas abgelenkt, sie wusste nicht was es war, aber die Art wie sein Blick an Chuuyas verführerisch vollen Lippen hing, sagte wohl mehr aus als 1000 Worte.

"Du vergewaltigst nicht Frauen oder Männer, sondern Sprache. Und die kann sich nicht mal wehren. Hast du gar kein schlechtes Gewissen?" murmelte Dazai in den winzigen Raum, der sie beide noch voneinander trennte.

"Bei der Anzahl meiner Sünden? Nicht wirklich."

Chuuyas Lippen streiften seine und die Lider der beiden senkten sich ein wenig. Es war faszinierend, wie sie sich gegenseitig auf Zehenspitzen umkreisten und einander hochschaukelten bis die sexuelle Spannung zwischen ihnen Funken schlug. Nach einer Weile, die von intensiven Blicken ausgefüllt wurde, wie sie nur die beiden in stillem Verständnis zu teilen vermochten, sah es so aus, als hätten sie eine stumme Übereinkunft getroffen dem jeweils anderen nun endlich nachzugeben und sich zu küssen. Doch bevor Dazais Lippen sich auf die des Rothaarigen legen konnten, schlich sich plötzlich ein Finger dazwischen, der ihn anwies noch kurz innezuhalten und noch einmal stumm Chuuyas rauer Stimme zu lauschen:

"Sag mir erst, wer es war."

Der Brünette seufzte und lehnte seine Stirn gegen den Holzkopf des anderen.

"Ich schätze, ich komme nicht damit davon zu fragen, was du meinst?"

"Nicht einen Millimeter weit."

Der Finger auf Dazais Lippen zog ihm die Unterlippe nach unten, sodass eine Öffnung entstand, in der seine weißen Zähne aufblitzten. Chuuyas Zunge fuhr frech über sie und flickte ihm seine Zungenspitze gegen die Oberlippe.

"Dostojewski," gestand der Mafiaboss mit einem Seufzen und der Blick seines Bluthundes verdunkelte sich.

"Was hat er gesagt?"

"Unwichtig, nichts besonderes."

Ein Blick, den sich nur Chuuya erlauben durfte, folgte.

"Na schön. Er hat mich ein Monster genannt. Einen Unmensch. /Seinesgleichen/."

Dazai versuchte es gleichgültig klingen zu lassen, doch Chuuya wusste, wenn ein Wort durch ihn hindurchschnitt wie ein Katana durch Rosenwasser, dann war es das Wort "Monster". Es erklärte seine geistige Abwesenheit von vorhin nur zu gut. Das Tier in ihm grollte augenblicklich vor Zorn.

"Chuuya."

Sein Blick fokussierte sich wieder.

"Es ist Fyodor. Er versucht mit allen Mitteln unter meine Haut zu gelangen. Mit einem simplen Wort wird er mich nicht knacken können."

"Nun, ich würde ihn gern knacken.
Seinen Schädel."

"Schhh, das bist nicht du. Es ist Arahabaki, der nach endloser Rache sinnt. Aber 'Rache ist ein kleingeistiger Gedanke. Eine Idee für Männer mit einem engen Herzen'*. Und du hast kein enges Herz, Chuuya."

Diese Worte waren unerwartet sanft für den gefährlichsten Mann Yokohamas Unterwelt. Manchmal fragte Yosano sich, ob die beiden vielleicht mehr verband, als nur ein Gelöbnis von Loyalität. Ob da nicht vielleicht doch mehr in der Luft lag, als erzwungene Partnerschaft. Doch genau wie jetzt auch, wurde dieser Gedanke stets im Kern erstickt, sobald die beiden begannen sich wieder gegenseitig zu /benutzen/.

"Aber ich habe immer noch einen verdammt engen Arsch. Was hältst du von dieser Idee?" raunte Chuuya.

Sie waren zu körperlich fixiert, um eine tiefere Beziehung einzugehen, als jene, die auf Gewalt und Sex beruhte. Manchmal war es traurig, ja gar enttäuschend mit anzusehen. Denn Dazai war nicht einmal verärgert darüber, dass Chuuya sich selbst nach diesen sanften Worten scheinbar immer noch in erster Linie um seine eigene Erlösung sorgte. Würde man ihn danach fragen, er würde behaupten es sei gut so. Und vielleicht war es das auch. Denn ihre ausschließlich geschäftliche Partnerschaft war bereits zerstörerisch genug. Für die Welt um sie herum genauso wie für sie selbst. Würden diese beiden Monster Gefühle füreinander hegen, sie könnten sich nicht mehr so wie sie es gewohnt waren gegenseitig benutzen, aufbrechen und resetten. Denn jemanden, den man liebte, dem tat man nicht an, was sie einander abverlangten.




*Zitat aus Bernhard Hennens "Drachenelfen - Die gefesselte Göttin"
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