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Die Prinzessin und der Raubvogel

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Ciri
17.01.2021
23.01.2021
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17.01.2021 4.045
 
Eigentlich war die erste Geschichte nur als Oneshot gedacht. Aber ich habe beschlossen, dass ich daraus eine lose Abfolge von Begegnungen zwischen Cirilla und Cahir mache, welche sich an der Handlung der Bücher orientiert, aber weder storyrelevant ist, noch eine eigenständige Geschichte ergibt.

Wie gesagt: es geht um Prinzessin Cirilla und den Schwarzen Ritter Cahir.



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Noch immer klang Yennefers Schrei in ihren Ohren. Als Ciri erwachte, war ihr nicht klar, was sie gehört hatte. Ihr war so heiß. Im Raum war es stickig, was an Yennefers Zauber lag, den sie über den Raum gelegt hatte.

„Damit dich niemand klaut“, hatte sie trocken gesagt und es war genau so gemeint.

„Ich ersticke!“, hatte sie gejammert.

„Tust du nicht, Ciri. Atme einfach, so wie immer.“

Ciri hatte empört die Augen gerollt. Es war klar. Sie war hier eingesperrt. Von wegen, damit sie niemand klaut.

Jetzt hatte Yennefer sie aus dem Schlaf gerissen, mit ihrem seltsamen Schrei. Zu sehen war sie nicht und wenn Ciri nicht alles trog, so war die Zauberin und Geralt weiter weg. Aber etwas in ihr war mit Yen und Geralt verbunden.

Schweißnass ließ sie sich wieder nach hinten sinken und wedelte sich mit halbvollgekritzelten Liedtexten, welche Jaskier hier liegen gelassen hatte, Luft zu. Des Barden Zimmer war am Gangende und als er nach dem Abendmahl höflich angeklopft hatte und sie gefragt hatte, ob sie geneigt sei ihre Meinung zu seinem neuesten „Jagdtriumph“ (wie er es geschwollen ausdrückte) abgeben würde, begriff sie es gleich. Ihr war sofort klar, dass Yennefer Jaskier die Rolle des Wärters aufs Auge  gedrückt hatte. Aber was hatte sie schon für eine Wahl? Immerhin unterhielt der Poet sie ein wenig, auch wenn sein neustes Werk mitnichten von einer wilden Jagd handelte, sondern nur davon, wie man sich am besten seine Angebetete ins Bett holte.

„Und dazu willst du wirklich meine Meinung, Jaskier? Du weißt schon wie alt ich bin, oder?“

Er war rot geworden, hatte verlegen seine Zettel sortiert und gemurmelt, dass andere in dem Alter schon heirateten und Kinder bekommen.

Ja, taten sie. Aber sie war nicht wie andere, auch wenn sie sich schon wie eine Frau und schon lange nicht mehr wie ein Kind fühlte. Jeder Junge in ihrer Nähe, der nur einigermaßen ihr Alter hatte, war nervös und machte vor allem Geralt unleidlich und übertrieben wachsam.

„Du bist hübsch, aber bildet dir nichts drauf ein, Ziegenköpfchen“, sagte Yennefer manchmal liebenswürdig, wenn sie die Zauberin fragte, ob sie hübsch wäre. Die Jungs machten nämlich auch sie nervös und sie wusste nicht, ob das so sein müsste.

In diesen Minuten der stickigen Hitze, dachte sie allerdings nicht an Jungs. Sie dachte an den Schwarzen Ritter, der sie aus damals aus der brennenden Stadt Cintra gerettet hatte. Mehrmals war sie ihm seither begegnen, dem jungen Mann mit dem Helm, an dem schwarze Vogelfedern waren, die ihn bedrohlich erscheinen ließen. Cahir, nannte Yennefer ihn. War es sein Name? Sie hatte sein Gesicht gesehen, nachdem er sie gerettet hatte. Seine Augen waren blau wie das Meer an ruhigen Tagen. Ob er hübsch war, könnte sie nicht sagen. Yennefer würde es so sagen:

„Was spielt Schönheit für eine Rolle, wenn man dadurch nicht bekommt, was man will?“

Plötzlich begriff sie Yennefers Schrei. Es war der Ausdruck einer erfüllten Lust. Vermutlich hatte sie gerade mit Geralt Sex gehabt und sie war in der grandiosen Lage irgendwie dabei zu sein.

Ciri warf empört die Bettdecke von sich und entdeckte, dass Jaskier vorhin seinen noch halbvollen Krug seines Starkbiers stehen gelassen hatte. Mit einem hinterhältigen Grinsen, setzte Ciri den Krug an und trank ihn komplett leer. Der lauwarme Geschmack des Biers war widerlich und am Ende musste sie einen lauten Rülpser von sich geben. Anschließend kicherte sie und sah aus dem offenen Fenster. Draußen zirpten Grillen, irgendwo weit weg lallte ein Betrunkener und noch viel weiter weg hörte sie die Klänge einer Laute. Es war nicht Jaskier, denn den hörte sie laut schnarchen, weil scheinbar auch sein Fenster weit offen stand.

Gelangweilt legte sie sich wieder ins Bett und dachte ganz absichtlich an den Schwarzen Ritter. Unwillkürlich verglich sie ihn mit Geralt, doch das war unfair. Cahir war ein gewöhnlicher Mensch, kein Hexer wie Geralt, kein Zauberer wie Rience. Nur ein Schwertkämpfer, ein Soldat und ein nicht so übler Bogenschütze.

Unwillkürlich hatte sich ihre linke Hand unter ihr Hemd geschoben. Ihre Haut war feuchtwarm, zwischen ihren Beinen war es hitzig und sie zuckte zusammen, als sie sich berührte. Für eine Sekunde hatte sie Furcht etwas falsch zu machen. Auch wenn Yennefer immer betonte:

„Dein Körper gehört dir, Ciri. Achte und beschütze ihn“, so kam sie mit ihren neuen Aufwallungen nicht immer gut klar. Allein die Vorstellung von dem, was Geralt und Yennefer eben getan hatte, was Yen vielleicht dabei gefühlt hatte, erregte sie sehr. Cahir, dachte sie.

„Cahir“, sprach sie seinen Namen probehalber laut aus. Der Name hatte einen schöne, edlen Klang.

Vorsichtig bewegte sie ihre Fingerspitzen, als ein Geräusch sie zusammenfahren ließ.

Es kam vom Fenster, was weit offen stand, auch wenn kein Luftzug raus- und reinkam. Aber scheinbar kam man doch durch Yennefers Schutzzauber. Ein schwarzer Schatten schwang sich behände über das Fensterbrett und landete nicht gerade lautlos auf dem Holzboden.

Ciri setzte sich erschrocken auf, griff nach ihrem Dolch und versuchte im Dunkeln etwas zu sehen. Hätte sie doch nur die Kerzen angelassen.

„Wer ist da? Ich bin bewaffnet und ich schreie laut, wenn du nur einen Schritt tust! Bleib wo du bist!“, zischte sie scharf. Etwas ließ sie auf dem Bett sitzen bleiben. Sie wollte auch noch nicht um Hilfe rufen, aus einem sehr gefährlichen Grund. Sie war extrem neugierig, wer es geschafft hatte Yennefers Zauber zu überwinden.

„Ich will dir nichts tun!“, hörte sie eine Stimme. Sie klang männlich, aber seltsam eingesperrt. Die Gestalt machte einen Schritt nach vorn und Ciri sprang beinah das Herz aus der Brust, als sie im schwachen Hintergrundlicht des kommenden Tages die Federn am Helm erkannte.

„Du? Was … wie kommst du hier rein? Willst du …“ Sie war so fassungslos, dass sie kaum einen ordentlichen Satz zustande brachte. Gerade noch hatte sie heiße Fantasien von ihm und nun stand er im Raum? Das war besorgniserregend und nicht real. Sie musste träumen, eindeutig.

„Du hast mich gerufen.“

„Unsinn, habe ich nicht!“, schleuderte sie ihm respektlos entgegen. Er kam einen weiteren Schritt näher und nahm sich dabei den Helm ab.

„Cirilla, ich …“

„Oh nein, wage es nicht mir mit deinen falschen Worten den Verstand zu verdrehen. Darauf falle ich nicht mehr rein! Ich bin kein Kind mehr, weißt du?!“

„Nein, das bist du nicht mehr.“ Er kam näher und endlich konnte sie sein Gesicht ein wenig besser sehen. Cahir war schöner als sie ihn in Erinnerung hatte. Seine Wangenknochen waren markanter, sein Kinn entschlossener und sein Mund hübscher geschwungen. Ciri wurde heiß und sie wollte aufstehen, doch schon kniete er vor ihr. Seine Rüstung schepperte und knarzte dabei ein wenig, es klang wie eine instrumentale Untermalung.

„Ich bin weder hier, um dich zu verletzen, zu töten, noch zu entführen. Alles was ich will, ist …“

Dich. Ja, Ciri dachte dies sehnsüchtig. Mit halboffenem Mund musste sie den Ritter verwundert anstarren und kam sich selbst dabei dümmlich vor.

„Aber ich bin nur ein Mädchen.“

„… ein Gespräch mit Geralt. Kannst du mir dazu verhelfen?“ Es dauerte, bis sie verstand, dass er nicht wegen ihr hier war. Als sie es verstand, wurde sie wütend.

„Wie bitte? Du willst mit dem Hexer sprechen? Dann geh zu ihm! Du bist im falschen Zimmer. Überhaupt, wie konntest du Yennefers Zauber überwinden?“

„Welchen Zauber?“ Seine blauen Augen schauten sie derart unschuldig an, dass sie ihm glauben musste. Vielleicht war Yens Zauber zusammengebrochen, als sie vor Lust geschrien hatte. Das zu verstehen, machte Ciri nur noch zorniger. Sie wurde nun also entführt, vorher zerstückelt und ausgeweidet, nur weil Geralt und Yennefer Sex haben musste. Sehr schön. Was für ein ehrenvoller Tod.

„Nein, ich helfe dir nicht!“, fuhr sie Cahir böse an. Er kniete noch immer auf einem Knie, während das andere Bein aufgestellt war, was bedeutete, dass er sehr schnell wieder auf die Beine kommen würde, wenn er wollte. Ciri hatte bei den Hexern in Kaer Morhen viel Nützliches über den Kampf selbst gelernt. Nichts gelernt hatte sie über Gefühle und deren unkontrollierbaren Auswüchse.

Cahirs hübsches Gesicht nahm einen so schmerzvollen Ausdruck von Hoffungslosigkeit an, dass ihr Herz zu schmerzen begann.

„Gut, ich verstehe dich. Ich musste es einfach versuchen. Ich folge euch schon so lange und warte auf den passenden Moment, um Geralt meine Dienste anzubieten, doch es soll scheinbar nicht sein. Ich weiß, was ich dir versucht habe anzutun und … es tut mir leid.“

„Du … hast mein Leben in Cintra gerettet“, erwiderte sie fest, aber immer noch sauer, weil er sie nur benutzen wollte.

„Vielleicht. Aber das zählt nichts, denn du hasst mich und ich verstehe das wirklich.“ Ehe Ciri recht drüber nachdachte, streckte sie ihre Hand nach seinen dunklen Haaren aus. Sie fühlten sich weicher an, als sie vermutet hatte. Erschrocken blickte er wieder hoch.

„Ich kann dir nicht trauen, Cahir.“ Sie sprach zum ersten Mal seinen Namen in seiner Gegenwart aus. Ein prickelnder Schauer jagte über ihren Rücken und sammelte sich zwischen ihren Beinen, wo er weiter pulsierte, verlangend und warm.

„Das weiß ich. Aber wenn du es nicht … gestattest, tötet er mich, bevor ich die weiße Fahne schwenken kann.“ Auch Cahirs Stimme war dunkler und ein wenig rauer geworden.

„Er tötet dich allein, weil du nachts hier eingedrungen bist und … mich berührst.“ Die letzten beiden Worte waren nur ein Flüstern. Die blauen Augen weiteten sich.

„Was? Aber das tue ich nicht.“

„Aber ich würde es gern wollen“, hörte sich Ciri flüstern und biss sich selbst erschrocken auf die Zunge, bis sie Blut schmeckte. Cahir räusperte sich, blickte verlegen hinter sie an die Wand und schwieg eine Weile.

„Gut, Yennefer wird dich dafür häuten und Geralt dreht dich am Spieß über dem Feuer, aber das Leben ist riskant, sagt Geralt.“

Aus Cahirs Kehle kam ein Geräusch zwischen einem verächtlichen Lachen und einem Laut der Furcht (oder gar Zustimmung, Ciri wusste es nicht genauer).

„Das hätte ich nicht sagen sollen, tut mir leid.“

„Schon gut, Cirilla. Ich sollte dann besser wieder verschwinden, ehe ich Langschwein am Spieß werden.“ Cahir wollte aufstehen, doch Ciri drückte ihm schnell ihre Hände auf die Schultern, um ihn daran zu hindern.

„Und … wenn ich schweigen würde wie ein Grab?“ Seine blauen Augen verengten sich ein bisschen.

„Hast du etwa vor mich währenddessen zu töten?“ Sein Blick ging zum Dolch, der griffbereit neben ihr auf dem Bett lag.

„Währenddessen?“, fragte sie ganz unschuldig, obwohl sie genau wusste, wovon er sprach oder an was er dachte. Das zumindest sagten ihr seine Pupillen, die größer geworden waren. Yennefer hatte sie über derartige Anzeichen aufgeklärt, auf ihre schnörkellose, unumwundene Art.

„Nimm dich in Acht, Ciri. Entfachst du erst das Feuer, brauchst du mehr als einen Eimer Wasser, um es zu löschen.“ Die wenigen Gleichaltrigen, welche sie bisher getroffen hatte, waren in der Hinsicht leicht zu handhaben. Nur ein harsches Wort und sie schwiegen schockiert, bis Ciri wieder das Wort an sie richtete. Cahir war kein Junge mehr, ganz und gar nicht.

„Lass mich gehen, Cirilla, ehe ein Unglück geschieht.“

„Ich weiß nicht, was du meinst. Erkläre es mir!“ Ciri warf mit einem gezielten sexy Schwung, den sie sich von Yen abgeschaut hatte, ihre hellblonden Haare in den Nacken und seufzte auf möglichst genervte Art (auch von Yen abgeschaut). Cahir wirkte verwirrt. Es sah aus, als wenn er aufstehen und gehen wollte, doch komischerweise kniete er noch immer vor ihr. Ihre Hände lagen nach wie vor auf seinen Schultern. Das kalte Leder unter ihren Händen wurde langsam warm, während sie ihm begierig auf eine Äußerung ins Gesicht schaute. Jäh hob er sein Kinn und schaute ihr direkt in die Augen. Als er das tat, zog es so süß in ihrem Bauch und Unterleib, dass sie unwillkürlich ein wenig mit ihrem Hintern hin und her rutschte.

„Ich … würde dich gern berühren und küssen. Vermutlich sieht man mir das an, doch deine … Ersatzeltern werden es rausfinden, selbst, wenn du schweigst wie ein Grab. Wenn …“

„Wenn … wenn … wenn … bist du ein Junge oder der Schwarze Ritter?“, knurrte sie ungehalten. Auch das hatte sie von Yennefer gelernt. Willst du etwas, nimm es dir. Kenne keine falsche Scham, keine Hemmung und keine Furcht. Wenn du willst, brauchst du es. Cahirs Gesicht offenbarte kurz Überraschung, dann erschien ein Lächeln auf seinen Lippen. Dieses Lächeln machte ihn gleich weniger finster und verwandelte ihn vom Schwarzen Rittern mit den Vogelflügeln am Helm, zu einem jungen Mann, der vielleicht doch ein wenig schüchterner war, als man annahm. Ciri fühlte Macht und verstand zum ersten Mal Yennefer und ihre stolze Haltung. Es war berauschend und süchtig machend.

„Du bist frech und vorlaut und … wunderschön. Zu wertvoll, um dich auf diese Weise zu entehren und …“ Cahir wagte es noch immer ihr zu widersprechen und es gab nur eine Antwort darauf. Sie schlug ihm ihre flache Hand an die Wange. Verwirrt blinzelte er und rieb sich über sein Gesicht, während sie scharf sagte:

„Nenn mich nie wieder wertvoll, wenn du nicht willst, dass alle Welt hinter mir her ist, Cahir.“

„Du … hast recht“, murmelte er und Ciri tat es schon leid. Diesmal schob sie beide Hände in seine Haare, zog sich daran näher an sein Gesicht und küsste ihn einfach, ehe er noch tausend gute Ausreden fand es nicht zu tun. Denn er hatte recht. Geralt und Yennefer würden ihn töten, wenn sie davon erfuhren. Es war nicht so, dass es ihr egal war. Es war nur etwas in ihr, was sie antrieb und drängte, wie es keine Macht der Welt, kein noch so gelungener Zauber, keine perfekte Kampftechnik und keine mysteriöse Vorhersehung aufhalten konnte.

Sie wollte Cahir küssen und sie tat es.

Cahir wollte erst panisch zurückweichen, doch sie hielt ihn mit den Fingern in seinen weichen, dunklen Locken fest. Neugierig tastete sie mit ihren Lippen seinen Mund ab.

„Ciri“, hörte sie ihn mit dem lahmen Versuch sie aufzuhalten, doch gleich verschloss sie seine Lippen mit einem weiteren Kuss, den er nach einem Moment erwiderte. Als er das tat, geschah etwas mit ihr und in ihr. Heiß und verschlingend loderte eine Flamme hoch, von der sie dachte, dass sie die eher in Cahir entfachen würde. Ungeduldig zog sie ihn an den Haaren auf sich, während sie sich nach hinten auf ihr Bett sinken ließ. Seine Rüstung klirrte und knarzte leise, er stöhnte überrascht auf und stützte sich mit beiden Händen ab, ehe er auf sie drauf fiel. Ciri war nach einem Kichern, gleichzeitig wollte sie ihn nicht loslassen. Ihre Lippen pressten sich energisch gegen seine, ihre Finger vergruben sich tiefer in seine Haare sie fühlte zumindest den unteren Teil seines schweren Körpers auf ihrem. Es war beängstigend und erregend zur selben Zeit. Fühlte sich Yennefer so, wenn Geralt sie liebte? Gefangen und so sehnsüchtig.

Cahirs Lippen waren behutsam und weniger ungeduldig wie ihre. Als Ciri merkte, dass er sie freiwillig küsste, löste sie langsam ihre Finger aus seinen Haaren und öffnete ein bisschen ihre Augen, um ihn zu betrachten. Cahir sah sie ebenso an. Seine Augenlider waren halbgeschlossen, der Rest der blauen Augen warn dunkel geworden und zwischen seinen Augenbrauen, war eine Falte entstanden, so konzentriert schien er sie zu liebkosen. Gleichzeitig waren seine markanten Gesichtszüge weicher geworden und ein sanftes Seufzen kam aus seinem Mund, als er ihren Blick bemerkte.

Ciri lächelte kurz, um ihm zu zeigen, dass sie es sich nicht anders überlegt hatte. Seine Reaktion war, dass er ein wenig höher rutschte und nun seinen kompletten Körper auf sie legte. Kurz raubte es Ciri die Luft. Weniger, weil er schwer war, eher weil es ungewohnt war. Ein heimlicher Traum wurde wahr und es war so real, dass sie sein Geschlecht an ihrem Unterleib wahrnehmen konnte. Ihre Aufregung stieg. Zärtlicher als zuvor, schob sie ihre Hände in seinen verschwitzen Nacken. Unter seiner Rüstung musste es sehr warm sein. Oder ihm war aus anderen Gründen heiß.

Ihr war auf jeden Fall heiß. Nie war sie einem männlichen Geschlechtsvertreter näher gekommen. Cahirs Küsse waren weich, seine Zunge, die immer wieder gegen ihre Zunge und ihre Lippen stupste, war warm und sein Atem ging ebenso schnell wie ihrer. Ciri befand sich in einem berauschenden Zustand der ersten sexuellen Erregung, die sie nicht allein mit sich selbst auslebte. Sein Gewicht auf ihr, hielt sie unwillkürlich gefangen. Sie konnte sich nicht wirklich sicher sein, dass er aufhören würde, wenn sie das wollte. Aber genau das machte den Reiz aus. Auf ihre Frage, hatte Yennefer mal wieder schlau geantwortet:

„Sicher, Ciri. Es gibt nicht nur eine Art sich zu lieben. Manchmal ist ein wenig Schmerz und Zwang ganz … köstlich. Doch verschwende keinen Gedanken daran, hörst du? Ich will dich nicht unter einem Kerl hervor zerren müssen, dem ich anschließend die Buckelpest an den Hals zaubern muss. Klar?!“

Ganz deutlich spürte sie nun Cahirs Erregung an ihrem Unterleib. Sein Geschlecht war so hart geworden, dass es sich zwischen sie drückte. Dieses Gefühle dieser Härte, sein Ausdruck von Lust und Begehren, stimulierte Ciri nur noch mehr. Unwillkürlich ließ sie ihren Unterleib kreisen und genoss dieses Kribbeln, welches immer stärker wurde.

Cahir hatte sich einmal hektisch mit den Zähnen seine Handschuhe ausgezogen und strich mit seinen warmen Händen nun über ihr Gesicht und ihre Haare. Inzwischen küsste er nicht mehr nur ihre Lippen, sondern ihren Kiefer, ihre Ohrmuschel, ihren Hals und er rutschte noch tiefer. Ciri hatte erstaunt festgestellt, dass sie begonnen hatte leicht zu zittern als würde sie frösteln. Dabei war ihr heiß. Ein kaum zu bändigendes Feuer schien in ihr zu toben. Sie hörte sich leise keuchen und vernahm dabei das Echo von Yennefers Lustschrei. Das war es also, was Yen fühlte, wenn Geralt sie liebte. Cahirs warme Hände hatten ihr lockeres Hemd nach oben geschoben, bis sie es auszog. Plötzlich schämte sie sich ihrer Nacktheit, obwohl Yennefer ihr mehr als einmal gesagt hatte, dass sie einen vollkommen natürlichen Körper hatte. Dabei benutzte sie nicht das Wort wunderschön, sagte nur, dass er normal wäre. Typisch Yen. Lob gab es nicht für Nichtstun. Ciri fand ihre Haut zu bleich, ihre Brüste zu klein und ihren Warzenhof zu hell, ihren Bauch zu fett und dabei hatte sie ihre Hose sogar noch an. Cahir schien nichts davon zu wissen, denn er begann ihren Bauch zu küssen, der leicht unter seinen Lippen bebte. Als er sich nach oben liebkoste, war sich Ciri nicht sicher, ob sie den Moment herbeisehnte, an dem er ihre Knospen erreichte, oder ob sie Furcht haben sollte. Die Falte zwischen seinen Augenbrauen hatte sich vertieft, seine Augen waren geschlossen und seine Hände hielten sie fest. Als es soweit war, seine Lippen sich um ihre linke Knospe schlossen, stöhnte Ciri auf. Erschrocken hielt sie sich selbst die Hand vor dem Mund. Sie hatte einfach nicht erwartet, wie intensiv es sein würde. Von ihrer Brustwarze aus, schien es eine direkte Nervenverbindung in ihren Unterleib zu geben. Als Cahir seine Zunge kreisen ließ, ihre Knospe in seinen Mund saugte, hatte sie das Gefühl ihr Schoss würde gleich explodieren. Unruhig bewegte sie sich, hob ihr Becken an und drückte sich ihm entgegen. Die Sehnsucht danach ihn in sich zu spüren, war kaum noch zu ertragen.

„Bitte …“, keuchte sie unartikuliert. Entweder verstand Cahir nicht was sie wollte, oder er wollte es besser nicht verstehen, denn er küsste sie unbeeindruckt weiter, bis Ciri am liebsten schreien wollte. Wieder packte sie in seine Haare und zwang ihn sich wieder ganz auf sie legen. Diffuse dachte sie dabei, dass er sich doch irgendwann mal ausziehen müsste, um das zu tun, was Geralt und Yen taten. Ciri reicht jedoch gerade schon sein schwerer Körper auf ihrem. Der Geruch des Rüstungsleders und des Fettes, mit dem es behandelt wurde, drang in ihre Nase. Es roch würzig und unendlich erregend. Seine Lippen trafen wieder ihre und ihre Verschmelzung war berauschend und nicht mehr ganz so zurückhaltend wie zuvor. Auch Cahir ließ nicht kalt, was sie taten, bemerkte Ciri mit reichlich Zerstreuung, als sie ihn mit ihren Armen so fest gegen sich drückte, wie sie vermochte. Ihr Atem hetzte wie verrückt, ihr Unterleib puckerte und alles zwischen ihren Beinen fühlte sich angeschwollen und feucht an.

„Schwarzer … Ritter …“, seufzte sie haltlos an seinen Hals. Sie konnte einfach nicht mehr ruhig liegen, presste sich immer wieder an ihn und seine harte Lust, die sie so dringend in sich spüren wollte, wie sie Durst hatte, wenn sie schwitzte. Die Barriere sich und ihn zu entkleiden, schien unüberwindlich. Ciri bestand nur noch aus dunstiger Lust, einem drängenden Verlangen und aus den Sinnen, die Cahir zu dem machten, was er war. Der Schwarze Ritter, der sie gerettet hat, dem sie ihr Leben zu verdanken hatte und in den sie scheinbar mehr verliebt war, als sie sich eingestehen wollte.

Auch er lag nicht mehr so still. Sein Körper spiegelte ihre hungrigen Bewegungen, bis heftige Hitze zwischen ihnen entstand. Das Feuer, dachte Ciri lahm und genüsslich, während sie gierig seine Unterlippe in ihren Mund saugte. Wie in einem atemberaubenden Rauschzustand, atmeten sie nur, berührten sich, küssten sich und rieben sich aneinander wie Tiere. Es war herrlich, bis Ciri fühlte, dass es gleich kippen würde. Besitzergreifend und weil sie nicht wollte, dass er ging, krallte sie wieder ihre Finger in seine Haare und stöhnte ihm ihre unermessliche Lust auf die Lippen und in seinen Mund.

Mit einem „Cahir …“ fiel sie nach unten, begleitet von dem lauten Herzschlag ihrer beider Körper, der in ihren Ohren dröhnte. Sein Herz, ihr Herz, sie schlugen abwechselnd und doch im absolut selben Rhythmus. Sein dunkles, raues Stöhnen, ließ sie erzittern.  Wie wäre es erst, wenn sie es richtig taten? Dieser vage Gedanke machte ihr Angst. Noch immer hörte sie ihre beiden Herzschläge laut in ihren Ohren pochen. Aber einer verklang allmählich, wurde leiser und leiser, bis er gänzlich aus ihr entschwunden war.

„Cahir!“ Ciri riss die Augen auf und war allein im Raum. Es war schon hell und die Luft war endlich wieder atembar. Erschüttert griff sie sich an die Brust, tastete sich dummerweise ab. Tatsächlich hatte sie ihre Schlafhose an, war oben herum jedoch nackt und fröstelte nun so in der frischen Morgenluft. Draußen meckerte schon eine Ziege, die gerade gemolken wurde und eine Männerstimme rief:

„Halt die Klappe, Catrinchen, du weckst noch alle auf!“

Ciri kam nur langsam zu sich. Ihr Schoss glühte noch, ein beschämter Griff ihrer Finger verriet Feuchtigkeit und wenn sie stillhielt, fühlte sie noch das süße, prickelnde Echo eines gigantischen Höhenfluges. War der echt gewesen, oder nur ein Traum? War Cahir wirklich bei ihr gewesen? Wollte sie nur, dass es so war? Träumte sie deswegen solche Dinge, die ihr nun die Röte auf die Wangen trieben? Als sie aufstand, zitterten ihre Beine sogar ein bisschen. Sie wankte zum Fenster, atmete gierig die frische Luft ein. Yennefers Zauber war definitiv weg. Als sie sich vom Fenster wegdrehte, darüber nachdenkend, ob sie Yen und Geralt von dieser seltsamen Traumbegegnung erzählen sollte, sah sie es.

Unter ihrem Fenster, was im ersten Stock war, lag eine schwarze Feder. Zufall? Von irgendeiner Krähe, die sie verloren hatte? Oder war es von Cahirs Helm, der in dieser Nacht doch hier gewesen war? Ciri beschloss Yen und Geralt nichts zu erzählen, ehe sie wieder unnötigen Sanktionen erließen. Als sie angezogen war, kletterte sie behände am Rosengitter nach unten, bemerkte dabei, dass das Gitter so stabil war, dass auch durchaus Cahir hätte daran zu ihr empor klettern können, und holte sich die Feder. Liebevoll streichelte sie die Feder und steckte sie dann unter ihr Hemd. Damit war sie direkt auf ihrer Haut, wie Cahirs Lippen und Hände in der letzten Nacht.

Ciri konnte ihr Lächeln nicht recht abstellen, als sie Yen wenig später zum Frühstück traf.

„Na, gut geschlafen, Schafsnase?“

„Hervorragend, bis auf deinen Schrei, der mich einmal geweckt hat.“ Wenn sie gehofft hatte Yennefer von Vengerberg damit in Verlegenheit zu bringen, irrte sie sich. Yen schmunzelte nur vielsagen und meinte:

„Ja, die Nacht war ziemlich heiß. Manchmal hilft es, sich die Hitze aus dem Leib zu schreien. Irgendwann wirst du wissen, was ich meine Ciri. Nun iss tüchtig, damit du nicht beim Laufen zusammenklappst.“

Ciri aß hungrig wie nie. Sie würde Cahir schon bald wiedersehen, da war sie sich mehr als sicher. Die weiche Feder auf ihrer Haut versprach es ihr. Schon bald.
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