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Die Insel der letzten Hoffnung

von Avya
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
De Sardet Kurt Siora Vasco
16.01.2021
17.09.2021
4
11.280
 
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24.01.2021 2.889
 
Kapitel 1 Die Gesandte der Kongregation

Die junge Frau saß in einem kleinen Raum gefüllt mit Farbtöpfen und Pinseln. Hinter einer Leinwand verborgen stand ein kleiner Mann mit einem Spitzbart. Er hielt eine Farbpalette und einen Pinsel in seinen Händen. Seinen Blick hatte er konzentriert auf die Leinwand vor ihm gerichtet. Das erste volle Sonnenlicht schien durch die breiten Fenster und tünchte den Raum in goldene Farben.
Amalia De Sardet saß auf dem Stuhl und versuchte nicht zu atmen. Es war wirklich schwer still zuhalten, wenn die Kleidung juckte, ihre schwarzen Haare sich aus dem geflochtenem Zopf lösten und ihre Füße bereits vor Stunden eingeschlafen waren.
„Wenn Ihr euch vielleicht noch etwas aufrechter aufsetzen könntet“, sagte der Maler und schielte  kurz hinter seiner Leinwand hervor.
„Genau so eure Exzellenz...das Kinn etwas weiter herunter… Wenn ihr den Kopf noch etwas nach rechts drehen könntet…“ Kurz trat Stille ein bevor der Maler tönte: „Perfekt, das sollten wir gleich haben.“
Amalia versuchte nicht laut zu seufzen. Sie saß nun seit Sonnenaufgang in diesem Raum und versuchte nicht mit ihren Zehen zu wackeln und die Versuchung war groß. Zumindest hatte sie sich aus einem üppigen Kleid, einem engen Korsett und einem wuchtigem Reifrock heraus reden können. Am liebsten hätte sie dieses Portrait erst gar nicht anfertigen lassen, ihrem Onkel dem Prinzen und Herrscher der Nation, hatte sie es jedoch schlecht abschlagen können.
„Nur noch wenige Minuten...Ihr habt so ein einzigartiges markantes Gesicht“, fuhr der Maler fort.
Amalia unterdrückte einige scharfe Wiederworte. Der arme Sir De Corton erfüllte auch nur seine Aufgabe, eine die sie scheußlich fand. Das Schlimmste war sein Gebrabbel. Wie alle am Hofe des Prinzen versuchte er es mit schmeichelhaften Worten. Seit einigen Stunden war sie diesem bereits ausgesetzt.
„...Kompliment aus meinem Mund“, hörte sie ihn plappern und merkte, dass sie ihm nicht zugehört hatte. Ihre Gedanken wanderten zu ihren steifen Gliedern.
„..verleiht euch Charme“, hörte sie den Maler sagen. Sie seufzte leise. Der Maler schien gar nicht aufhören zu wollen mit seiner Lobestirade. Da öffnete sich plötzlich die Tür.
Ein älterer Mann mit grauem Haar betrat den Raum. Überrascht sah er zu Amalia.
„Du bist noch hier?“, fragte er verwunderte. Er schien sich nicht über ihren Anblick zu freuen.
Amalia erhob sich sofort von ihrem Stuhl. Mit steifen Bewegungen ging sie auf ihren alten Lehrer Sir De Courcillon zu. „Wir sind fast fertig“, erklärte sie ihm.
„Ihr habt doch nicht etwa vergessen, dass wir noch heute mit der nächsten Flut die Segel setzen?“, fragte er vorwurfsvoll.
„Natürlich nicht Meister.“ Sie sah über ihre Schulter. Der Maler studierte aufmerksam die Leinwand. „Braucht Ihr etwas von mir?“ In ihrer Stimme lag Hoffnung.
Ihr Meister machte ihr mit einer Kopfbewegung deutlich ihm zu folgen. Die beiden verließen den Raum.
„Euer Vetter ist nirgendwo zu finden“, begann er mit tadelndem Unterton. „Ich habe den ganzen Palast von Keller bis Dachboden durchsucht. Euer Onkel ist außer sich.“
Amalia seufzte. Typisch Constantin, dauernd brachte er sich in Schwierigkeiten.
„Er wollte gestern Abend die Stadt unsicher machen“, erklärte sie. Ihr Meister verzog das Gesicht, er kniff die Augen zusammen, sein Mund wurde zu einem dünnen Strich. Oh sie kannte dieses Gesicht nur zu gut. „Es wird Zeit, dass Euer Vetter die Verantwortungen übernimmt, die Ihn erwarten“, sagte er missgestimmt. „Er sollte vor unserer Abfahrt die Botschafter der Brückenallianz und von Thélème verständigen.“
„Macht Euch keine Sorgen darum. Ich werde Constantin finden und in seinem Namen bei den Botschaftern vorbei schauen. Konzentriert Ihr euch auf eure Vorbereitungen, wir treffen uns beim Boot“, versuchte Amalia ihn zu beruhigen und es gelang ihr. Ihr alter Meister nickte zustimmend und verschwand. Amalia atmete erleichtert auf. Das wäre geschafft. Sie drehte sich zu dem Maler herum. Dabei versuchte sie ihr erleichtertes Grinsen zu verstecken.
Sir De Corton studierte konzentriert seine Leinwand und gab vor nicht zugehört zu haben. Amalia war sich sicher, dass er gelauscht hatte. Wie alle am Hof liebte er es Klatsch und Tratsch zu verbreiten.
Sie versuchte so bedauernd zu gucken wie es nur möglich war. „Es tut mir außerordentlich leid Sir, aber wichtige Angelegenheiten erfordern meine Aufmerksamkeit. Können wir dies ein anderes Mal fortsetzen?“, fragte sie höflich.
Der Maler sah auf und er war nicht glücklich. „Aber Milady, ihr verlasst den Hafen mit der Flut. Wenn ich das richtig gehört habe“, versuchte er zu protestieren.
Amalia machte einige Schritte in den Raum und griff nach der Tür, ihr Blick ruhte auf dem Maler.
„Es tut mir leid Sir, ich muss dringend gehen“, erwiderte sie.
Sie zog die Tür zu, dabei sah sie wie der Maler auf sie zu kam.
„Milady, ich flehe euch an“, rief er, während er auf die Tür zu eilte.
Die Tür schloss sich genau vor seiner Nase. Während Amalia für einen Moment an der Tür lehnte, konnte sie ihn auf der anderen Seite jammern hören: „Eure Hoheit der ehrenwerte Prinz  von D’Orsay hat mich höchst persönlich damit beauftragt das Portrait fertig zu stellen.“ Dann hörte sie Schritte, die sich entfernten.
Amalia ließ die Tür los und atmete tief durch. Der Maler schien aufgegeben zu haben. Sie lächelte erleichtert. „Danke Vetter, dass du mich daraus befreit hast!“
Ihr Füße waren mittlerweile wach. Vorhin noch hatten sie höllisch gekribbelt, sie hatte sich große Mühe gegeben nicht auf ihren Meister zu zu humpeln. Froh endlich wieder in Bewegung zu sein, schritt Amalia die Treppen herab. Das Personal verneigte sich vor ihr. Es würde eine Freude sein die Insel zu verlassen und endlich frei zu sein von Etikette und Rang.

„Hey Frischling“, rief eine Stimme, kaum hatte sie den Hof betreten. Amalia drehte sich zu dem Sprecher herum, noch in der Bewegung fing sie das Schwert.
„Kurt…“ Sie sah ihn wenig überrascht an, provokant reckte sie den Kopf. Ihre Augen leuchteten aufmüpfig.
„Der Tag ist also wirklich gekommen. Die königlichen Grünschnäbel verlassen das Nest“, sagte Kurt, ihr Ausbilder.
„In Begleitung ihres loyalen und zähen Waffenmeisters“, erwiderte sie mit einem breiten Grinsen.
„Nur so loyal wie euer Gold eure Exzellenz.“
Hörte sie da Spott in seiner Stimme?
„Ach komm schon Kurt. Hör auf den kaltherzigen, eigennützigen Söldner zu spielen. Ich weiß, dass du uns magst!“ Sie sah ihn amüsiert an.
Beide umkreisten sich, dabei ließen sie den anderen nicht aus dem Auge.
Kurt war seit Kindertagen im Dienst des Prinzen und ihr Lehrer. Er hatte ihr das erste Schwert in die Hand gedrückt. Er hatte sie gelehrt ein Schwert richtig zu halten und sich damit zu verteidigen. Und er hatte sie oft stundenlang über den Hof gescheucht und auf sie eingeschlagen. Zu Beginn hatte sie keine Chance gehabt. Es war eine frustrierende Zeit gewesen, manches Mal hätte sie ihr Holzschwert am liebsten über den ganzen Hof geworfen.
Mit den Jahren war sie besser geworden. Und nun duellierten sie sich und provozierten sich immer und immer wieder. Amalia hatte bereits mit einem Test vor ihrer Abfahrt gerechnet.
Während sie umeinander schlichen fiel ihre eine Gruppe Soldaten ins Auge.
Zwei Offiziere schienen etwas zu diskutieren. Die Soldaten dahinter trugen einfache Kleidung, nicht das typische blau-weiße Gardehemd.
„Wie ich sehe versteckst du deine Männer nach wie vor im unscheinbaren Schatten der großen Welt“, rief sie provokant.
„Hey, unsere Klingen sind es die Euch zarte Persönlichkeiten am Leben erhalten.“
Sie lachte. „Ich bin nicht auf deinen Schutz abgewiesen, ich bin kein Kind mehr Kurt.“ Ihr Gesicht zierte ein selbstbewusstes Grinsen.
„Das werden wir ja sehen.“ Kurt hob sein Schwert. Beide waren stehen geblieben. Amalia´s Körper war zum zerreißen gespannt. Sie wartete darauf, dass ihr alter Lehrmeister den ersten Schritt machte.
Mit einem schnellen Satz sprang er vor und holte aus. Amalia riss das Schwert hoch und parierte den Schlag. Sie wich ihm zur Seite aus. Dabei beobachtete sie ihn genau. Sie hatte  fast 20 Jahre Zeit gehabt seine Bewegungen zu studieren und sie kannte ihn genau.
Kurt machte einen weiteren Satz, er machte eine Finte und holte aus. Doch sie hatte ihn durchschaut. Wieder parierte sie ihm.
Das Gemurmel im Hof war verstummt. Sie spürte die Blicke der anderen Soldaten und Bediensteten. Diesen Moment der Unachtsamkeit nutzte Kurt. Er brachte sie zum Stolpern. Sein Schwert sauste nieder, sie schaffte es sich sie sich zur Seite zu rollen, gerade noch zur rechten Zeit. Das Schwert sauste nur knapp an ihrer vorherigen Position vorbei. Damit war ihre Reisekleidung ruiniert.
Kurt machte eine schnelle Bewegung. Sie hörte das Zischen des Schwertes an ihrem Ohr, dann das Klirren von Stahl auf Stahl. Wieder hatte sie ihn pariert. Doch Kurt war schnell und es war nicht einfach einen Treffer zu landen. Und er unterschätzte sie nicht. Nichts war schlimmer, als ein Gegner der vorsichtig war.
Der Kampf zog sich in die Länge. Immer wieder parierte sie seine Hiebe. Manchmal holte sie aus, wirklich treffen tat sie nicht.
Bis sie schließlich eine Chance witterte. Sie gab ihm das Gefühl noch unsicher zu sein. Sie ließ ihn glauben, sie hätte noch einige Lektionen mehr verdient. Der Glaube er könne ihr noch etwas bei bringen ließ ihn nachsichtig werden. Plötzlich fiel sein Schwert klirrend zu Boden und ihr Stahl blitzte im Licht der Sonne an seinem Hals. Amalia sah ihn triumphierend an. Dabei versuchte sie nicht all zu schwer zu atmen. Sie trat einen Schritt zurück und ließ die Waffe sinken.
„Du hast dich gut verteidigt Frischling, man könnte meinen du hattest einen guten Waffenmeister“, sagte er mit ernster Stimme.
Amalia grinste. „Den Besten.“ Sie klopfte sich den Dreck von ihrer Kleidung.
Kurt steckte sein Schwert zurück in seine Schwertscheide und kam auf sie zu. „Übst du schon für deinen neuen Posten als Gesandte?“, fragte er. „Spar dir deine Mühen, Schmeicheleien werden dir bei mir nicht helfen. Was das Kämpfen angeht… Du hast alle deine Lehren im Kampf angewendet. Damit hast du dir gerade eine letzte Lektion erspart. Es sei denn du möchtest die Grundlagen noch einmal wiederholen?“
Amalia unterdrückte ein Kichern. „Vielen dank, wirklich.“, sagte sie amüsiert. „Aber ich habe noch einige anderen Aufgaben zu erledigen.“
Kurt seufzte. Amalia konnte sich vorstellen, wie gern er sie ein letztes Mal belehrt hätte.
„Hier stehst du, noch nicht mal in der Nähe der Insel und übernimmst bereits politische Aufgaben, schon beschäftigt und schon so in Eile.“ Er machte eine kleine Pause. Schließlich fuhr er fort. „Solltest du auf der Insel das Bedürfnis nach etwas Übung verspüren, dann lässt sich sicher in der Taverne ein Übungspartner finden. Oder du gibst dich mit dem alten Mann vor dir zufrieden.“
„Danke Kurt. Ich werde es mir merken, auch wenn ich keinen alten Mann sehe.“ Sie grinste.
Er verzog das Gesicht, schwieg aber. Eine kleine Pause entstand. Amalia hatte Zeit ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Sie musterte Kurt und spürte wie ihr Herz einen Satz machte. Sie benahm sich wie eine der Dienerinnen früher, als sie noch jung gewesen war. Damals war Kurt noch ein junger Mann, Amalia erinnerte sich an die kichernden, gackernden Mägde und die sehnsüchtigen, begehrenden Blicke. Jetzt benahm sie sich fast genau so albern. Sie räusperte und durchbrach die Stille. „Und hast du deine Taschen schon gepackt?“
Er nickte. „Du weißt doch ich komme mit sehr wenig zurecht. Wenn wir schon mal dabei sind, ich hoffe du bist nicht verärgert, dass ich euch begleite?“, fragte er mit ernstem Ton. Amalia wunderte sich, dass er über so etwas ernsthaft besorgt schien.
„Nicht doch ich freue mich dass du und Sir De Councillon mitkommen. Auf fremden Gebiet ist es nie verkehrt ein paar Freunde dabei zu haben.“ Sie warf ihm ein aufrichtiges Lächeln zu.
Kurt verzog keine Miene, doch sie hörte die Missbilligung. „Der verstaubte Schullehrer ist also meine Konkurrenz?“ Amalia lachte. Es platze einfach aus ihr heraus.
„Ach Kurt, du weißt doch wer mein Lieblingslehrer ist.“
„Du weißt  deine Schmeichelein…“ Er brach mitten im Satz ab. Ihm schien etwas eingefallen zu sein. Er sah hinter sieh, als erwartete sie das jemand hinter ihr auftauchen würde.
„Wo ist denn unserer zukünftiger Gouverneur, ich hatte gehofft vor der Abreise auch seine Fähigkeiten testen zu können.“
Amalias sah Kurt missmutig an. „Darüber wollte ich mit dir reden, ich war eigentlich auf dem Weg zu dir. Constantin wollte gestern Nacht die Stadt unsicher machen und er ist nicht zurück gekehrt. Sein Vater ist außer sich… Ich hätte mit ihm mit gehen sollen gestern.“ Sie machte eine Pause. Ihr Blick ging traurig in die Ferne. „Aber ich war nicht in der Stimmung. Bei dem Gedanken von meiner  Mutter Abschied nehmen zu müssen…“ Sie holte tief Luft. „Ich habe es noch nicht übers Herz gebracht sie zu sehen.“
„Ich weiß Abschied nehmen ist schwer, doch du solltest sie jetzt sehen. Sie wartet sicher schon. Wenn du fertig bist treffen wir uns vor dem Palast und dann suchen wir nach Constantin“, sagte Kurt mitfühlend.
Sie nickte. „Danke Kurt.“
Mit schweren Schritten näherte sie sich dem Zimmer ihrer Mutter. Vor der Tür hielt sie einen Moment inne. Ihre Hand lag bereits auf der Klinke, doch sie fühlte sich, wie erstarrt. Ein schwerer Klumpen hatte sich in ihrem Hals gebildet.
Amalia schluckte. Sie wusste, dies war ihr endgültiger Abschied. Sie würde ihre Mutter nicht mehr wieder sehen.
Für einen Moment wollte sie einfach davon rennen. Wenn ich mich nicht verabschiede, dann ist es vielleicht kein Lebewohl für immer, dachte sie. Doch Amalia wusste, dass  dem nicht so war und dass sie es bereuen würde. Spätestens auf hoher See würde sie das schlechte Gewissen einholen nicht mit  ihrer Mutter geredet zu haben. Es würde sie für den Rest ihres Lebens quälen. Mit diesem Gedanken öffnete sie die Tür und trat ein.

Die Frau im Zimmer starb. Es war deutlich sichtbar. Die Krankheit hatte sie erblinden lassen. Die Augen lagen trüb und leer in dem schmalen ausgemergelten Gesicht. Ihre Adern standen dunkel hervor. Schwarzes Blut rann hindurch.
Die Frau saß in einem Stuhl, darauf wirkte sie verloren und fehlplatziert wie eine Puppe. Sie war dünn, ihre Knochen waren durch die dünne Haut sichtbar und die Krankheit ließ sie wesentlich älter aussehen. Bewegen konnte sich die Frau kaum. Den Tag über saß sie nur in ihrem Raum und spürte das Sonnenlicht durch das Fenster kommen und gehen. Die Frau wusste, dass ihr Ende nah war.
Als sich die Tür öffnete sah sie auf. „Wer wagt es..? Hat man dir nicht beigebracht zu klopfen“, rief Amalias Mutter aufgebracht. Dabei zitterte ihre Stimme. Amalia konnte ihre Anstrengung sehen. Sie kniete sich neben den Stuhl und nahm ihre Hand. Sofort hellte sich das Gesicht der Frau auf.
„Mein Kind, du bist es.“
Amalia hatte Mühe ihre Mutter an zu sehen. Sie sah so müde und ausgezehrt aus. Die Krankheit hatte sie zermürbt. Verflucht sei der Malichor, dachte Amalia. Hoffentlich würden sie auf der Insel ein Heilmittel finden.
„Es tut mir leid, dass ich Euch noch nicht besucht habe Mutter. Es fällt mir immer noch schwer Euch so zu sehen.“
Ihre Mutter lächelte aufmunternd. Sie legte ihre Hand an die Wange ihrer Tochter.
„Komm Kind. Lass uns über erfreulichere Dinge sprechen. Ich bin froh deine Stimme zu hören“, sagte sie. „Du erinnerst mich so sehr an deinen Vater.“ Sie seufzte. „Ich vermisse ihn sehr…“
Amalia hätte ihn gern kennengelernt. Sie kannte nur die Geschichten ihrer Mutter. Doch sie wusste, dass ihre Mutter ihn sehr geliebt hat.
„Heute ist der große Tag nicht wahr?“, fuhr ihre Mutter mit festerer Stimme fort. „Bereit die Segel zu setzen zu dieser Insel über die jeder redet?“
„Ja … Aber die Vorstellung dich zurück zu lassen alleine und krank...“, Amalia brachte es nicht übers Herz den Satz zu beenden.
„Ich sterbe mein Kind. Du kannst mein Leiden nicht lindern, wenn du hier verweilst.“ Ihre Mutter sprach mit so viel Wärme und Überzeugung, obwohl kaum Kraft zum Reden übrig geblieben war. Es brach Amalia das Herz. Sie wusste, dass ihre Mutter für sie stark sein wollte.
„Eine Sache Kind macht mir Mut. Es heißt die Insel sein voller Wunder. Vielleicht findest du dort ein Heilmittel.“
Amalia schüttelte den Kopf und stand auf. Ihr Blick ging aus dem großen Fenster, durch welches die Sonne jetzt mit voller Kraft schien. „Selbst wenn wir ein Heilmittel finden, ich wäre niemals rechtzeitig zurück um…“ Ihr versagte die Stimme.
„Ich weiß. Aber es tröstet mich, dass meine Tochter zu einer Mission aufbricht um ihr Volk zu heilen. Komm jetzt. Es ist Zeit für dich zu gehen.“ Sie holte etwas aus ihrem Gewand hervor. „Hier mein Kind nimm das mit auf deine Reise.“
„Was ist das?“, fragte Amalia. Sie betrachtete die Kette neugierig, es handelte sich um ein kleines Medaillon an einem Lederband.
„Ein Familienerbstück, etwas das…“ Ihre Mutter unterbrach sich. „Nimm es und führe es immer mit dir. Möge es dir Glück bringen.“
Amalia beugte sich vor und gab ihrer Mutter zum Abschied einen Kuss auf die Stirn.
„Mein Segen wird dich auf deinem Weg begleiten und jetzt geh“, drängte ihre Mutter. Erschöpft schloss sie ihre Augen.
An der Tür drehte Amalia sich ein letztes Mal um. Ihre Mutter saß nun zusammen gesunken auf dem Stuhl, die Augen immer noch geschlossen. Einen Moment lang kämpfte sie mit den Tränen. Ihr Herz wog schwer in ihrer Brust. Sie wollte zu ihr laufen und sie in den Arm nehmen. Es kostete all ihre Kraft, schließlich drehte Amalia sich herum und verließ den Raum.
„Auf wiedersehen Mama“, murmelte sie und wischte sich eine einzelne Träne von der Wange. Sie richtete ihre Kleidung und schritt Richtung Ausgang. Sie musste ihren Vetter finden.
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