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Sinken

GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
16.01.2021
07.05.2021
17
32.091
8
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
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16.01.2021 878
 
Autoren: JMD und Geistermaske
Fandom: Good Omens, CrowleyXAziraphale
Genre: Titanic-AU. Slash, Drama, Romanze, Character Death.



Eins


Wenn Ashton Fell ehrlich zu sich war, hatte es sehr viele Vorteile, Ashton Fell zu sein. Da war zum einen die Kleidung. Kopf eines erfolgreichen Imperiums, die edelsten Stoffe, die bestsitzensten Anzüge, schmeichelnde Schnitte, feine Muster, Goldknöpfe, Lackschuhe. Viele Lagen teuerste Seide im Bauch des modernsten Luxusliners der Welt und ein paar Gäste, die seine Roben trugen. Völlerei, Tanz und Wollust. Seine liebsten Sünden.
Zum anderen war da das restliche Brimborium.
Zigarren aus Kuba, Hausmädchen, Gärtner, ein Koch, der ihm alle Wünsche von den Lippen ablas. Eine der teuersten Suiten auf dem bis dato größten Passagierschiff der Welt. Verhätschelndes Personal, Mister Fell hier. Sir, Sir, Sir da.
Normalerweise hielt er Überseereisen für mondän und schickte Angestellte. Oder seinen Sekretär. Aber einige Tage auf einem schwimmenden Luxushotel mit einigen der reichsten Menschen der Welt auf dem Weg nach New York? Man hätte ihn schon umbringen müssen, damit er sich diese Gelegenheit entgehen ließ. Denn war das nicht alles, was das Leben ausmachte? Gelegenheiten? Gute, schlechte, hervorragende.
Eine Fahrt auf der „Titanic“ zählte wohl zu letzteren.
Er würde dabei sein, wie Geschichte geschrieben wurde. Und wenn es etwas gab, was Ashton Fell noch mehr interessierte als Geld und Glanz, dann waren es Geschichten.

Nervös trommelte er mit den Fingern gegen die champagnerfarbenen Ledersitze.
Sein Fahrer warf ihm nicht mal mehr einen Blick zu, als sie auf den Platz bogen, auf dem bereits in geschäftigem Gewusel Damen in wunderbaren Kleidern und Herren in mehr oder minder gut sitzenden Smokings (Dieser Saum, großer Gott!) ihr Gepäck aus Autos hieven ließen.
Ashtons Fahrer, Brian, hielt recht weit vorn und sofort eilten drei händeringende Pagen herbei. „Sir“, sagte Brian und nickte, bevor er ausstieg  und Ashton die Tür öffnete. Als Ashton sich erhob und an die frische Luft trat, streifte er mit der Hand beinahe beiläufig die seines Fahrers. Brian verzog keine Miene.
Ein weiterer Vorteil, Ashton Fell zu sein war, dass niemand allzuviele Fragen stellte.
Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt, ihm sein Leben so angenehm wie möglich zu gestalten und dafür äußerst großzügig behandelt zu werden.
Denn wo andere Reiche geizig geworden waren, war Ashton für seine Generosität bekannt.
Nicht nur in Geld.
Gesetze erzeugte am obersten Ende der Gesellschaft eine erstaunliche Menge zugekniffener Augen. Da, wo diese Augen weiter unten ganz genau hinschauen würden. Oder anders gesagt: Wer reich war, durfte tun und lassen, was er wollte, solang er sich nur nicht dabei erwischen ließ.

Ashton war nicht leicht zu beeindrucken, aber als er den Kopf in den Nacken legte und seinen Blick über das Schiff schweifen ließ, nickte er anerkennend.
„Eine Schönheit“, sagte er zu Brian und strich sich das wolkenweiße Sakko glatt. Hoffentlich hatte es vom Sitzen keine Falten bekommen.
„Wahrlich eine Schönheit. Zumindest von außen. Hoffen wir, dass sie eine gute Lady ist und auch von innen glänzen kann. Nicht wahr, Brian? Das ist doch oft das Problem, die inneren Werte.“ Einer der Pagen reichte ihm seinen Spazierstock und den kleinen Koffer mit seinen persönlichen Gegenständen, die er nicht hatte aus der Hand geben wollen.
„Sir?“, sagte Brian. Halb Frage, halb Feststellung.
„Was ein Glück“, antwortete Ashton, „dass bei dir alles stimmt. Innen und“, er musterte ihn mit einem verspielten Lächeln, „außen.“
Ashton seufzte und nahm seinen Hut entgegen. „Mach in den zwei Wochen keinen Unfug, Brian. Ich melde mich, sobald ich in New York bin.“
Ein letztes Lächeln, ein letzes Händeschütteln, um ein wenig länger mit dem Daumen auf den Fingern des anderen zu verweilen, dann Kopfnicken und Abenteuer. Es würde eins werden, da war sich Ashton sicher.

Ashton machte ein Geräusch zwischen Pikiertheit und Belustigung, als ihn beinahe zwei Jungs in Knickerbockerhosen und löchrigen Hemden über den Haufen rannten. Sie haschten nacheinander und lachten dabei glockenhell. Ein Mann, vermutlich ihr Vater, murmelte etwas Entschuldigendes und tippte sich an den Schirm seines Arbeiterhutes, als er an Ashton vorbeieilte.
Das passierte nicht oft.
Also, dass er Kontakt zu Menschen hatte, die sich nicht mit Rosenwasser wuschen und sich keine maßgeschneiderte Kleidung leisten konnten.
Ashton hatte seine Tage, dessen war er sich bewusst, in einer Glaskugel gelebt. Um ihn herum eine Welt, die nie nahe an ihn herankam. Zwischen ihm und ihr lag immer eine Wand. Eine durchscheinende zwar, eine wunderschöne. Aber eine ohne Risse. Aberdeen war seine Glaskugel gewesen, für so lange Zeit.
Seine nähere Umgebung hatte er gestaltet, aus Kissen und Stoff und Schönheit. Der Rest da draußen? Der interessierte ihn bloß als Zeitvertreib für einen neugierigen Geist.
Der Gedanke daran, dass er die kommenden Tage auf einem Schiff verbringen würde, auf dem es vorkommen konnte, das jemand von außen an diese Glaskugel klopfte, ließ ihn mit einer Art unaufgeregter Nervosätit zurück. Vielleicht würde es eine willkommene Abwechslung sein.
Vielleicht auch ein Desaster.
Aber für diesen Fall hatte er ja das Essen, den Wein, die Spirituosen und die Pagen. Alle mit der feinen Aura des Dekadenten, des Aufmüpfigen.
Er würde sie schon zu zähmen wissen.
Ashton ließ seinen Blick über den Platz wandern, während er langsam auf das Schiff zuschlenderte. Über Hüte und glänzende Herrenhaare, über Schirmmützen und Krempen. Mit einer fließenden Bewegung setzte er sich selbst den Hut auf und ging sicheren Schrittes weiter.
Ein Abenteuer.
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