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Eisblau

von hello436
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Eric Marcus Eaton OC (Own Character) Tobias "Four" Eaton Tori Uriah
15.01.2021
16.05.2021
20
51.247
5
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14.03.2021 4.054
 
Nach dem Mittagessen ging ich zurück in den Schlafsaal und traf auf Adea und Paula. Sonst war der Raum leer. Leises plätschern drang aus der Richtung der Duschen. „Liv, komm mit, wir gehen Shoppen!“, drohte sie mir. „Aber…“, setzte ich an. „Nichts aber! Wir gehen Shoppen! Als hör auf zu diskutieren.“, sagte sie gespielt streng, und schob mich schon wieder zum Ausgang des Schlafsaals. „Wie sollen wir das denn bezahlen?“, fragte ich, in der Hoffnung mich drücken zu können. Adea schien meine Absichten zu bemerken, denn sie verdrehte genervt die Augen, lachte dann aber. „Initianten haben doch eine Gutschriftskarte erhalten. Keine Sorge, wir haben deine hier“, meinte nun Paula lachen. Natürlich wusste ich das, nur wollte ich die Hoffnung noch nicht begraben. „Jetzt beweg dich schon. Edith wartet sicher schon auf uns!“, quwengelte nun Adea. „Edith?“, fragte ich überrascht. „Ja wir haben, nachdem du gegangen bist, noch ein wenig mir ihr gequatscht. Und jetzt treffen wir uns eigentlich vor fünf Minuten mit ihr in der Grube:“sagte sie gestresst und schob mich vorwärts. „Sie ist wirklich nett. Ich hätte nicht so gemein zu ihr sein dürfen.“, entschuldigte sie sich auf dem Weg bei mir. „Dass musst du nicht mir sagen. Außerdem konntet ihr es ja nicht ahnen.“, meinte ich nur verstehend. Adea bekam schnell ein schlechtes Gewissen, das hatte ich bereits bemerkt. Paula hingegen hielt sich zurück. Sie war eine Beobachterin.

„Außerdem werden wir heute Abend feiern.“, sagte Adea wie nebenbei. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Ich war noch nie auf einer Party gewesen. Adea lachte leicht. „Mach kein Drama daraus. Wie sind jetzt Ferox-Initianten. Das muss gefeiert werden. Und Ferox sind für ihre Partys berühmt.“, erklärte sie. „Berühmt oder Berüchtigt?“, stellte ich die rhetorische Frage. Adea verdrehte die Augen, was mich leicht schmunzeln ließ.

Wir betraten die Grube. Am Treppenaufgang stand bereits Edith. Wir traten auf sie zu und umarmten uns. Nur Paula und Edith nicht. Ich vermutete, dass Paula einfach etwas schüchtern oder eventuell auch noch etwas skeptisch gegenüber Edith was. Aber ich bin mir sicher, dass sich das mit der Zeit legen wird.


„Das waren definitiv die anstrengendsten Stunden meines Lebens!“, jammerte ich gequält und setzte zur Veranschaulichung noch hinzu: „Erics Training ist harmlos dagegen!“ Ich erntete jedoch kein Mitleid, sondern nur spöttischen Blicke meiner Freunde. Ich zog einen Schmollmund. Mittlerweile waren wir in unserem Schlafsaal. Zwar waren dort auch die meisten anderen Wechsler, doch das störte uns nicht. Wir beachteten sie einfach gar nicht.

Edith und Adea waren beim Shoppen sehr hartnäckig. Eigentlich haben wir die ganze Zeit nur nach Kleidung für mich gesucht. Ich hatte einige neue Sportklamotten und auch Sachen, die man außerhalb des Trainings anziehen konnte. Außerdem wollten sie unbedingt ein Kleid für mich finden, dass ich heute Abend anziehen könnte. Die meisten, die ich anprobierte waren mir jedoch zu freizügig. Ich wollte, dass mir die Leute ins Gesicht schauten, und nicht auf meine Brust. Ich will hier ernst genommen werden. Und kein Flittchen oder so etwas sein. Letzenendes haben sie jedoch doch ihren Willen durchsetzten können und wir haben uns auf ein schwarzes Kleid geeinigt, dass mir zumindest bis zur Hälfte meiner Oberschenkel reichte. Auch der Ausschnitt war nicht zu groß, nur ein relativ großer Rückenausschnitt, weshalb ich schließlich zustimmte.

Inzwischen war es siebzehn Uhr. Die Anderen hatten geplant, so um acht auf die Party zu gehen. Deswegen brachte ich den Vorschlag noch schnell in den Speisesaal zu gehen, um etwas zu essen. Jedoch brachte mir das nur ungläubige Blicke ein.
„Ähm Liv? Wir sind schon voll spät dran. Wir müssen uns doch noch fertig machen. Du willst doch nicht so auf die Party?“, meinte Edith streng. Ich sah an mir hinunter. Sie hatte recht, dass ich mich noch duschen sollte und meine bisher im Pferdeschwanz gebändigten Haare vielleicht etwas stylen sollte, aber dafür brauchte ich maximal zwanzig Minuten.  

„Keine Sorge, dein Styling übernehmen wir“, lachte nun Edith. Na da haben sich aber zwei gefunden, dachte ich und verdrehte innerlich die Augen.

„Du gehst jetzt erst mal duschen“, sagte Adea und drückte mir einen Rasierer und ein Döschen in die Hand. Bisher hatte ich es nie für nötig gesehen, mich zu rasieren, da ich eh nur sehr kurze, unauffällige Körperbehaarung hatte, doch ich würde jetzt einfach durchziehen, was sie von mir verlangten.

Genervt schritt ich auf die Duschen zu. Ich begutachtete das Döschen. Es handelte sich um eine spezielle Spülung, nach der man die Haare besser stylen kann. Ich verdrehte erneut die Augen. Für solche Wundermittel hatte ich bisher nichts übrig gehabt.
Als ich nur mit einem Handtuch bekleidet wieder in den Schlafsaal trat, blieb mir der Mund offen stehen. Edith und Adea hatten unsere Bette in ein gigantisches Schmink und Kleiderparadies umgewandelt. Ich hatte das Gefühl, das sie alles was die Beiden besaßen oder heute gekauft hatten dort ausgebreitet hatte.

„Ahh“, machte Adea, als sie mich im Türrahmen entdeckte. Ich glaube, ihr macht es Spaß andere zu stylen, denn sie führte mich zu meinem Bett, auf welchem das Kleid, das wir heute geshoppen hatten und schwarze Unterwäsche lag. Diese gehörte jedoch nicht mir.

„Ich dachte mir, du könntest neue Unterwäsche gebrauche. Vor allem, da man wahrscheinlich jede deiner unter dem Kleid gesehen hätte. Davon abgesehen, das du vermutlich nicht ein heißes Teil besitzt“, lachte Edith. Es war ein mit spitze besetzter Tanga und ein dazu passender BH, welcher nicht die gewöhnlichen Träger hatte, sondern am Rücken einen Schmetterling aus Spitze. Die würde sicher toll mit dem Rückenausschnitt des Kleides aussehen. Wobei mir dass doch alles etwas zu viel war. Ich trug sonst nicht so auffällige Unterwäsche.

„Ich hoffe es passt. Ich habe einfach meine Größen genommen. 70E und S?“, setzte Edith noch hinzu. „Ja genau“, sagte ich etwas verblüfft. Edith lachte über diesen Fakt. „Sooo! Zieh die Unterwäsche schon an und dann irgendein lockeres T-Shirt darüber. Wie schminken dich erst, und machen deine Haare.“, sagte Adea nun. Ich seufzte und ergab mich in mein Schicksal. Ich zog mir die Unterwäsche an und legte das Handtuch zum Trocknen über das Bettgestell. Ich sah, dass Adea in meiner Kiste wühlte. Sie zog ein T-Shirt heraus, und hielt es mir unter die Nase. Sofort breitete sich eine wohlige Wärme in mir aus, als der Duft, der von dem Shirt ausging meine Nase erreichte. „Das dürfte nachher leicht zum ausziehen sein“, murmelte sie. Ich schnappte es mir einfach, und hoffte inständig, sie würde nicht irgendeine blöde Frage stellen. Aber natürlich wurden meine Gebete nicht erhört. Als ich in dem Shirt vor ihr stand sah sie mich erst Fragen an. „Ist das deins? Es ist dir ja viel zu groß, und das ist doch auch ein Männershirt, wenn ich mich nicht täusche.“ Ich musste sehr ertappt ausgesehen haben. Doch dann bekam ich von unerwarteter Seite Hilfe. „Ach Liv, du hast ja mein Shirt noch. Ich hatte es ihr neulich zum Schlafen gegeben.“, rettete mich Edith. Ich sah sie ungläubig an. Ihre Augen durchbohrten mich förmlich. Ich brachte nur ein knappes: „Ja stimmt. Ich hab vergessen, es dir zurück zu geben.“, murmelte ich. „Behalt es nur. Aber wir sollten endlich anfangen.“, meinte sie ruhig. Mir wurde bewusst, dass ich jetzt wohl oder übel auch Edith die Wahrheit erzählen musste.

Mittlerweile war es sieben Uhr, und Edith und Adea hatten echt nicht übertrieben. Die Zeit war im Fluge vergangen. Adea und Edith waren auch schon Duschen gewesen und hatten sich in ihre neuen Kleider geschmissen. Adea trog ein sehr schönes in einem dunkelblauen Samt. Mir wäre der Ausschnitt zu gewagt, doch ihr stand es wirklich, und sie hatte auch den Mut es zu tragen. Rico gab zwar, wie üblich, einen blöden Kommentar ab, doch wir hatten gelernt, ihn zu ignorieren. Ihm gefiel dies jedoch gar nicht, und er unternahm immer gewieftere Versuche uns zu nerven. Irgendwie brauchte er das. Wahrscheinlich für sein Ego.

Edith trug ein wunderschönes, knall rotes Kleid. Wobei es vielmehr ein Zweiteiler war. Es war ein Rock und ein Croptop, das zusammen gehörte. Da der Rock jedoch höher geschnitten war, konnte man nur einen schmalen Streifen ihres Bauches sehen. Weil das Oberteil nur dünne Spagettiträger hatte, konnte man ihr Tattoo am Arm sehr gut erkennen. Das Farbenspiel passte unbewusst auch gut zu dem Outfit. Ihre Oberweite hatte sie jedoch betont. Sie konnte mir den Blicken der Männer offensichtlich mehr als gut umgehen. So hat sie beispielsweise zu Leo, der ohne es zu verstecken auf ihre Brüste gestarrt hatte, gesagt, `wenn er so not geil sein, wie er es gerade demonstrierte, gäbe es auf der untersten Etage der Grube ein Bordell´. Dann meinte sie: `Halt, dafür bist du ja noch etwas zu klein´. Ich konnte fast nicht mehr vor lachen

Paula hatte ein schlichtes schwarzes Kleid an, das ihr bis zu den Knien ging. Ganz ehrlich konnte ich nicht verstehen, wieso Edith und Adea so auf mir herum hackten und Paula machen durfte was sie wollte. Jedoch musste ich zugeben, dass ich wahrscheinlich ohne das Zutun der beiden sicher nicht einmal in die Nähe der Party gekommen wäre. Und erst recht nicht in einem Kleid. Paula hatte sich zumindest freiwillig dafür entschieden.

Jacob und Finn waren inzwischen auch wieder da. Wo sie waren, wusste ich nicht so genau. Sie pfiffen uns zu, als sie uns sahen, was mich erröten ließ.

Edith hatte mir mit ihrem Lockenstab große Locken gemach, die jetzt sanft über meinen freien Rücken strichen. Das Kleid saß wirklich gut, und betonte meine Kurven, ohne zu viel zu zeigen. Ab der Taille fällt der Rock in einer A-Linie bis knapp über meine Knie. Der Stoff war etwas Fester.

Adea und Edith hatten mich geschminkt. Ich hatte sie gebeten, es nicht zu übertreiben, da ich noch aussehen wollte wie Liv und nicht wie irgendeine billige Tussi. Sie hatten sich wirklich daran gehalten und lediglich meine Augen betont. Auf meinen Lippen hatte ich nur farblosen Labello. Ich war wirklich zufrieden mit ihrem Werk.

Ich war gerade dabei Edith Haare zu flechten, als jemand durch die Tür trat. Ich stand mit dem Rücken zur Tür, weshalb ich nicht gleich reagierte. Jedoch hörte ich dann ein räuspern, weswegen wir uns alle zur Tür umwanden. Vor uns standen Eric und Four. Four sah zwischen Edith und mir hin und her. Doch scheinbar fasste er sich schnell wieder. Ich habe mir vorgenommen in den nächsten Tagen mal mit ihm zu sprechen. Immerhin ist er auch mein Cousin und bisher finde ich ihn auch nett. Von Edith wusste er schließlich auch.

Eric schaute mich an. Es gab keinerlei Regung in seinem Gesicht, doch er starrte mich fast schon an. Augenblicklich fühlte ich mich unwohl. Ich trat von einem auf das andere Bein. „Wir erwarten euch morgen um punkt neun auf dem Dach. Wir haben uns für Zu-Spät-Kommer lustige Bestrafungen ausgedacht. Also eigentlich nur für uns. Also seit pünktlich.“, lachte Four. „Aber morgen ist doch Sonntag. Ich dachte wir haben am Wochenende frei?“, entfuhr es mir. „Da will wohl jemand gleich die Bestrafung“, spottete Eric, dessen kalter Blick mich immer noch durch bohrte. Ich schluckte heftig. „Nein“, murmelte ich und senkte meinen Blick. Ich musste an das Denken, das ich Eric versprochen hatte. Ich sagte, ich würde ihm nicht mehr widersprechen.

Auch wenn ich ihm nach ansah, wusste ich, dass er kurz triumphierend geschmunzelt hat. Irgendwie begann es in meinem inneren zu brodeln. Ich wollte ihm diesen Triumpf einfach nicht zusprechen. Ich sah ihn wieder in die Augen, doch jetzt durch bohrte ich ihn mit meinem Blick. Dies ließ sein Lächeln wieder verschwinden. Ich spürte eine Hand auf meiner, die immer noch in Edith Haar verwickelt war. Es war Edith. Ich beruhigte mich wieder. Jetzt sah ich ihn ausdruckslos an.

„Wir machen morgen erst Ausdauertraining und dann nochmals Kampftraining. Ihr habt noch einiges zu lernen. Ihr bekommt sowieso schon eine Sonderzeit, also beschwert euch nicht!“, donnerte nun Eric. Diese lauten Worte ließen mich erschaudern und leicht zusammenzucken.

Eric und Four wanden sich zum gehen, doch bevor sie ganz raus waren, wand sich Eric noch Mals um und sah mich an. „Die Ausgangssperre ist am Wochenende übrigens um eins. Wehe ich finde später noch jemanden von euch draußen!“, drohte er, was mich heftig schlucken ließ. Dann ging er endlich. Wieso hatte er nur mich angeschaut, obwohl er mit uns allen geredet hat? Vielleicht weil er mich schon des Öfteren draußen erwischt hatte. Aber dieser kalte Blick seinerseits brannte auf mir und ich fühlte mich als würde ich gleich in Flammen aufgehen. Auch hatte ich das Gefühl, er wartet nur darauf, dass ich erneut einen Fehler begehe.

Ich löste mich aus meiner Starre und befestigte Edith Haare mit einem Haargummi. Ihre Haarfarbe stand ihr wirklich. Sie waren Grau mit einem leichten Blaustich. Ich hatte auch überlegt mir meine färben zu lassen, doch momentan war ich mit meinem langweiligen Braun absolut zufrieden.

Die anderen diskutierten irgendetwas wegen dem Auftreten unserer Ausbilder, doch ich beteiligte mich nicht daran. Ich hörte auch nur halbherzig zu.

Jetzt war es zehn vor acht. Wir machten uns auf den Weg. Ich trug Sneakers. Edith und Adea wollten mich zwar zu Highheels überreden, doch in diesem Punkt konnte ich mich durchsetzen. Ich kann leider gar nicht in hohen Schuhen laufen. Es wäre zwar sicher vorteilhaft, wenn ich es könnte, doch wurde ich mit diesem Talent nicht gesegnet.

Die Jungs hatten sich nicht wirklich besonders fertig gemacht. Sie trugen schwarze Shirts, wie immer. Jacob trug eine schwarze Jeans mit rissen, während Finn eine ohne trug. Immerhin hatten sie ihre Haare gestylt. Ich musste zugeben, dass sie wirklich gut aussahen.

Wir betraten die Grube. Hier war es schon echt sehr voll. Überall standen Ferox herum. Teilweise wirkten diese auch schon betrunken. Alle hatten gute Laune. Sie tanzen und tranken. Dabei schien es egal zu sein, mit wem. Hauptsache es machte Spaß. Ich musste lächeln. Diese Unbeschwertheit bewunderte ich.

In der Mitte war ein Boxring in dem ein Showkampf aufgeführt wurde. Die Kämpfenden waren zwei sehr muskulöse Frauen. Der einen ronn bereits Blut aus der Nase. Warum macht man das für Geld? Sich verprügeln lassen?

Mein Blick schweifte weiter durch die Grube. Links und Rechts von uns waren Bars. Es war absolute Reizüberflutung. Die Musik dröhnte an meinen Ohren und mischte sich mit den Stimmen der Ferox. Die Grube war so gebaut, dass man immer wenn man in der Mitte zwischen den Geschäften, quasi im Flur stand, man direkt unter der riesigen Felsspalte war. Das Hauptquartier der Ferox war in einen Berg gebaut. Wenn es regnet, dann wird hier alles nass. Die Geschäfte waren in den Fels gebaut. Wir befanden uns im Erdgeschoss. Links und rechts gingen Treppen nach oben und nach unten in die Untergeschosse. Wenn ich jetzt gerade nach oben sehe, erkenne ich die Felsspalte weit oben. Ich weiß, dass sie von den Ferox stark bewacht wird, aber dass sie im Winter auch öfter Probleme bereitet. Wasser ist kein Problem, da durch das Hauptquartier sowieso ein Fluss fließt. Das Wasser wird von der Grube einfach in die Schlucht abgeleitet, und wird dann aus dem Quartier getragen. Aber Schnee lässt sich nicht so leicht bewegen.

Ich merke wie meine Gedanken immer weiter abschweifen. Ich blickte mich um. Wo waren meine Freunde? Ich war so in Gedanken, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass sie weiter gegangen waren. Hilfesuchend schaute ich mich um, bis sich mein Blick mit einem paar eisblauer Augen kreuzte. Eigentlich störte es mich, dass ich ihn schon wieder sah, da ich mich ja eigentlich von ihm fern halten wollte, doch war ich in diesem Moment einfach nur froh ein bekanntes Gesicht zu sehen. Er saß auf einem Hocker in der Bar auf der linken Seite, und hatte von seinem Platz aus gute Sicht auf mich. Wie lange hat er mich wohl schon beobachtet? Ich wurde leicht rot.

Ich sah keine andere Möglichkeit und ging auf ihn zu. Er saß alleine da. Die Plätze um ihn herum waren unbesetzt, und das trotz des regen Treibens in der Bar. Jetzt stand ich neben ihn, doch er starrte weiter auf den Platz wo ich noch vor kurzem gestanden hatte. Er beachtete mich nicht. Er führte sein Glas zu seinem Mund und trank genüsslich. Ich glaub es war Whiskey. Zumindest hatte mein Vater das immer getrunken, und es sah genauso aus.

Ich räusperte mich. Er reagiert immer noch nicht. Doch ich konnte erkennen, dass es Absicht war. Er ignorierte mich. „Weist du vielleicht, wo meine Freunde sind?“, fragte ich so leise, das es mich nicht wundern würde, wenn er es gar nicht verstanden hätte, bei der lauten Musik. Ich sah zu Boden. Da spürte ich plötzlich seinen brennenden Blick auf mir. Ich sah auf. Meine Augen begegneten den seinen und ich fühlte mich gerade wie ein scheues Reh. Es würde mich abermals nicht wundern, wenn ich genau so ausgesehen hatte. Dadurch, da ich so klein war, und er, der eh schon so groß war, auf einem Barhocker saß, musste ich auch noch steil nach oben schauen.

„Ich weiß nicht wo sie sind…“, sagte er mit seiner unglaublich rauen Stimme. Ich seufzte. „…aber versuch es mal im Blue, gleich gegenüber. Da hängen die Initianten meistens ab.“, ich konnte es nicht glauben. Er hatte mir tatsächlich geholfen. Ich hätte es wirklich nicht mehr für möglich gehalten. Er war heute schon so kalt und abweisen.

Er nahm wieder einen Schluck von seinem Glas. „Danke!“, hauchte ich, und lächelte ihn sanft an. Er zog kurz einen Mundwirkel in die Höhe.

Dann wand er sich wieder nach vorne und ich mich ab. Als ich die Bar verlassen wollte, kamen mir einige der Anführer entgegen. Izabellas Mann war nicht unter ihnen. Fast hätte ich sie nicht erkannt. Ich war einfach nicht besonders aufmerksam gewesen. Doch dann sprach Max mich an: „Na wen haben wir denn da?“, fragte er und hielt mich an der Schulter fest. Ich sah mich nun gezwungen, auch etwas zu sagen. „Guten Abend“, murmelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart. Ich weiß nicht, wieso ich auf einmal so schüchtern war. Max lachte. „Wo ist den dein Mut hin? Neulich warst du noch so unglaublich mutig“, wieder lachte er rau. „Oder hat Eric dir deinen Mut schon gestutzt?“, fragte er und sein Gefolge von Anführern lachte. Jetzt sah ich ihn böse an. Ich konnte nichts sagen, da er der oberste Anführer war, doch ich konnte mich auch nicht mehr lange zusammenreisen. „Ohh, die Lady fährt schön langsam die Krallen aus“, witzelte er weiter. Ich wollte mich abwenden, und einfach gehen. Doch er hielt mich mit seinem starken Griff fest. „Warte doch Kitty, nicht so schnell. Eric freut sich sicher über deine Anwesenheit“, sagte er und grinste mich pervers an. Ich könnte kotzen. Im nächsten Moment zog er mich auch schon mit einem kräftigen Ruck mit sich wieder in Richtung Eric.

Endlich kam Bewegung in meine Lippen und ich begann mich zu wehren „lass mich sofort los du Idiot. Ich bin keine Puppe. Ich will nicht.“ Ich zappelte, was seinen Griff nur noch mehr zuschnürte, wie einen Schraubstock. Ich konnte nichts sehen, da Max´ Brust mir die Sicht versperrte, doch plötzlich hörte ich Erics Stimme. Erleichterung durchfuhr meinen Körper. „Max? Was macht ihr da? Ist da Liv?“, fragte er. „Ja ich dachte du könntest mal wieder Spaß haben. Du bist kaum auszuhalten, wenn du dich nicht abreagierst. Sie ist doch perfekt.“, meinte Max gespielt unschuldig und grinste. Ich versuchte weiter meine Handgelenke aus seinem Griff zu befreien. Die umstehenden Leute beachteten mich gar nicht. Wahrscheinlich, da sie nichts gegen einen Anführer sagen würden. „Ja Eric, hab endlich mal wieder Spaß.“, sagte einer der anderen Anführer.

„Max, Lass sie sofort los!“, befahl Eric jetzt und ich hörte seine Stimme beben. Max seufzte und schubste mich in Richtung Eric. Eric fing mich glücklicherweise auf, da ich sonst wahrscheinlich Bekanntschaft mit dem Boden gemacht hätte. „Aber Eric überleg es dir gut. Sieh dir nur mal diesen Körper an.“, er deutete auf mich, was mich zum zittern brachte. Ich legte meine Arme um meinen Körper und sah zu Boden. Ich war quasi eingekesselt von Anführern. Ich spürte eine Hand an meiner Schulter und zwang mich so zur Bewegung. Eric führte mich aus dem Kreis der Obersten. Die anderen Lachten, doch das nahm ich gar nicht mehr war. Ich merkte, dass mir langsam ungewollt Tränen in die Augen stiegen.

Auf einmal spürte ich einen kalten Luftzug. Wir waren aus der Bar heraus getreten. Eric zog mich weiter nach links, und dann um ein Eck. Hier war niemand. Es war eine Art Felsspalte. Sie war nicht mal einen Meter breit, und wohin sie führte konnte ich nicht sagen. Mir gegenüber stand Eric. Rechts schallte der Lärm der Grube zu uns, Links war es einfach nur Dunkel.

Ich spürte eine Hand unter meinem Kinn, welche es nach oben drückte. Ich gab dem Druck nach, und blickte in sein Gesicht. „Bitte hör nicht auf die. Die machen sich einen Spaß daraus und meinen es gar nicht ernst.“, sagte er ganz leise, so das ich erschauderte. Mit seinem Daumen wischte er mir eine Träne weg, die sich aus meinem Augenwinkel gestohlen hatte. Seine Hand auf meiner Wange fühlte sich so gut an, dass ich mein Gesicht in seine Hand legte.

„Danke, dass du mich da raus geholt hast“, sagte ich aufrichtig, aber ich konnte nicht verhindern, dass meine Stimme etwas zitterte. Er zog meinen Kopf zu sich und hauchte einen Kuss auf meinen Haaransatz an meiner Stirn. Ich legte meine Arme um ihn.
So standen wir eine Weile da. In diesem Moment war mir alles egal. Er hatte die Fähigkeit, mich zu beruhigen. Ich konnte mir nicht erklären, wie er das immer schaffte. Sein Kinn ruhte auf deinem Kopf und meiner lag an seiner Brust. Ich hatte diese Gefühl, in seinen Armen zu liegen schon wieder so vermisst, und das, obwohl es erst ein paar Tage her ist.

„Hey, ich glaube, du solltest mal nach deinen Freunden sehen. Ich bin mir sicher, sie machen sich Sorgen um dich.“ Sagte er, während er mir beruhigend über den nackten Rücken strich. Ohh Gott, er hatte recht. Sie werden mich sicher suchen. Wir waren sicher über eine halbe Stunde so da gestanden.

„Danke, du hast recht, ich muss los.“, sagte ich und wand mich ab. Er hielt mich am Arm zurück. Ich sah ihn fragend an. „Also erstens komme ich mit, den ich will nicht, dass so etwas noch mal passiert!“, sagte er in seinem strengen und doch liebevollen Ton. Diesen hatte ich am liebsten. Ich lächelte ihn dankbar an. „Und Zweitens?“, fragte ich leise. „Zweitens, solltest du dir erst einmal deine Schminke richten. Sonst sehen deine Freunde sofort, dass du geweint hast.“, sagte er lächelnd, was mich wiederum auch zum lächeln brachte.

Ich hatte mich wieder halbwegs hergerichtet. Die Schminke sah zwar nicht mehr so perfekt aus wie zuvor, aber immerhin erkannte man nicht mehr, dass ich geweint hatte. Eric trat aus dem Spalt und zog mich an der Hand mit. Wir Bogen um die Nächste Ecke und befanden uns wieder in der Grube. Eric ließ meine Hand los. Irgendwie war es eine Art Verlustgefühl. Meine Hand war auf einmal so kalt.

Wir kämpften uns durch die Massen, beziehungsweise ich kämpfte mich durch, während jeder Eric sofort platz machte, bis wir vom Blue standen. Schon durch die Scheibe, die leicht blau getönt war, erkannte ich meine Freunde. Sie sahen sehr aufgelöst aus. Ich wand mich nochmal um, und sah Eric nirgends mehr. Er war weg. Ich musste leicht schmunzeln. Er war doch sehr eigenartig. Doch ich konnte verstehen, dass er nicht mit mir gesehen werden will. Vor allem, da ich mir ja nicht mal sicher bin, was das zwischen uns ist.

Ich öffnete die Tür zum Blue und sofort wurde ich stürmisch von Edith umarmt.


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Hey ihr Lieben,

heute mal ein etwas längeres Kapitel, da ich letzte Woche nichts hochgeladen habe. Es tut mir sehr leid, aber ich war leider echt nicht fit. Ich habe momentan mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die noch nicht ganz beseitigt sind. Ich hoffe, ihr habt etwas Geduld mit mir.

Danke für mittlerweile schon 14 Favoriteneinträge!

Damit ihr euch die Kleider besser vorstellen könnt, hab ich für Livs Outfit ein Foto raus gesucht, wie es in etwa aussehen soll. Jedoch ist es nicht hundert prozentig meine Beschreibung.

https://i.pinimg.com/236x/e4/b8/38/e4b838b78f3336d14e0102dc1aa24791.jpg
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Ich hoffe nächste Woche kommt das Kapitel wieder wie geplant!

Bleibt gesund!
Liebe Grüße hello436
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