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Eisblau

von hello436
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Eric Marcus Eaton OC (Own Character) Tobias "Four" Eaton Tori Uriah
15.01.2021
07.04.2021
19
49.491
5
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Dieses Kapitel
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15.01.2021 1.373
 
Ein lautes Poltern riss mich aus dem Schlaf. Kurz brauchte ich, bis ich das Geräusch zuordnen konnte. Mein Vater klopfte lautstark an die Tür. Genervt überlegte ich kurz, ob ich wirklich schon bereit war aufzustehen. Die Nacht war viel zu kurz für meinen Geschmack. „Olivia du musst endlich aufstehen! Hast du schon vergessen? Heute ist der Eignungstest.“ Nein ich hatte ihn nicht vergessen. Mein Vater klopfte wieder an die Tür. Schließlich stand ich auf, und schrie durch die Tür, dass ich gleich zum Frühstücken kommen würde. Eigentlich würde ich jetzt erst einmal mein Workout machen, dann eine schöne Runde Joggen gehen und dann nach einer schönen Dusche mich für die Schule fertig machen.  Ich führte weitestgehend mein eigenes Leben. Meistens war ich sowieso alleine. An den meisten Tagen bekam ich niemanden außer vielleicht mal kurz der Putzfrau zu sehen.

Doch heute war kein gewöhnlicher Tag! Heute war der Eignungstest. Irgendwie machte er mir Angst. Ohne Zweifel würde er Candor ergeben, denn schließlich war ich die Tochter von Jack Khan, dem Anführer der Candor, doch irgendwie verfolgte mich seit einigen Tagen so ein komisches Gefühl im Bauch, und je näher der Tag der Entscheidung rückte, desto einsichtiger wurde es für mich. Wollte ich mein ganzes Leben lang nur die Wahrheit sagen und andere dazu anleiten dies ebenso zu tun? Ich war keine Lügnerin, doch wollte ich die Freiheit spüren und war erleben, und nicht an einem Schreibtisch gefesselt sein. Ich kannte den Tagesablauf meines Vaters und dies würde mir auch blühen, wenn ich bei den Candor bleibe. Tief in mir bewunderte ich die Ferox und nur zu gerne würde ich dieser Fraktion angehören. Mit ihrer Wilden und Starken Art!

Nach dem Krieg war unsere Stadt das einzige, das von der Welt übrig geblieben war. Um einen erneuten Krieg zu vermeiden beschlossen unsere Vorfahren, die Stadt in fünf Fraktionen ein zu teilen. Jeder konnte sich mit sechzehn für eine entscheiden. Davor war man in der Fraktion seiner Eltern. Seiner gebürtigen Fraktion. Die Amite waren die Freundlichen. Sie singen und tanzen den ganzen Tag. Außerdem sind sie für unsere Ernährung zuständig, denn sie betreiben den Ackerbau. Die Ken sind die Schlauen.  Sie kümmern sich um den Fortschritt der Technik und Medizin. Die Altruan waren wegen ihrer selbstlosen Art die leitende Fraktion. Deswegen gab es oft schon reibereien. Ich war eine gebürtige Candor. Sie sind die Ehrlichen, verpflichtet immer die Wahrheit zu sagen und sie ans Licht zu bringen. Candor sind außerdem für die Einhaltung des Gesetzes zuständig. Ferox sind die Hüter der Stadt. Sie passen auf die Bürger auf und sind dabei so furchtlos und frei. Ich beneide sie dafür.

Doch mein Vater hatte mir früh klar gemacht, dass es diese Option für mich nicht gab. Er wollte mich als seine Nachfolgerin als Leiterin der Candor und würde meinen Wechsel nicht akzeptieren. Meine große Schwester war vor drei Jahren zu den Ferox gewechselt, und ich bewunderte sie für ihren Mut, obgleich sich Vater von ihr abwendete. Genau das war der Grund meiner Angst. Wo gehörte ich hin? Dorthin, wo mein Herz lag? Oder doch bei meiner Familie? Ich duschte mich, und föhnte meine Haare. Ich schlüpfte in die schwarz-weiße Kleidung, die ich innerlich so verabscheute.

Ich sah in den Spiegel und versuchte mich zu entspannen. Mein Vater merkt sonst sofort, dass etwas nicht stimmt, und der ist, typisch für unsere Fraktion nicht dafür bekannt zu schweigen. Er merkt außerdem sofort, wenn ich lüge. Ich blickte in meine grünen Augen. Ich kam vom Aussehen her, kein Stück nach meinem Vater. Höchstens meine Körpergröße, die mit 165 nicht besonders groß ist und sehr zierlich gebaut, bis auf einige Rundungen an den richtigen Stellen. Ich hatte lange braune Haare und eine helle Haut. Ich hatte feine Gesichtszüge und eine sehr ebenmäßige Haut. Ich empfand mich selbst jedoch nicht als Hübsch. Schönheit hat für mich etwas mit Stärke zu tun. Und Stark sah ich leider ganz und gar nicht aus. Es war zwar schon einmal deutlich schlimmer und seit ich viel Trainierte hatte ich auch etwas an Muskelmasse dazu bekommen, doch angsteinflößend sah ich nicht aus.

Ein letztes Mal Atmete ich tief durch, und verließ erst mein Bad und dann mein Zimmer, um nach unten in das Esszimmer zu gehen. Mein Vater saß am Kopf des Tisches und war in sein Tablett versunken. Wahrscheinlich las er gerade seine Zeitung. Ich ging auf ihn zu und setzte mich neben ihn und begann mir ein Brötchen aufzuschneiden. Ab und zu murmelte mein Vater etwas vor sich hin, blickte jedoch nicht von seinem Tablett auf. Ich war dieses Verhalten seinerseits jedoch gewohnt. Ich hatte mich damit abgefunden. Es hört sich traurig an, ist es vielleicht auch, doch es war nicht zu ändern.

Nach dem Frühstück ging ich in meine Klasse, und mit ihnen dann zum Eignungstest. Je näher ich der großen Halle kam, desto mehr schwitzen meine Hände. Rico schien meine Anspannung zu bemerken und fing an mich vor den anderen Aufzuziehen: „Ohhh, hat unsere kleine Streberin etwa angst nicht gut genug für Papi zu sein?“ Ich sah ihr nur vernichtend an. Er beugte sich langsam zu meinem Ohr hinunter, doch ich wollte nicht zurück weichen. Den Triumpf, dass ich vor ihm Angst zeigte, wollte ich ihm nicht geben. Er flüsterte: „Vielleicht könnte ich dich ja etwas ablenken“ sein Atem auf meiner Haut lies mich erschaudern vor ekel. Er ist noch nie damit klar gekommen, dass ich seinem „Charme“ widerstand. Ich setzte mein angewidertstes Gesicht auf und sah ihn gewollt spöttisch an. Da ich wusste, dass uns gerade alle Candors aus meinem Jahrgang zuhörten, meinte ich nur: „ Du überschätzt dich gewaltig.“, drehte mich um und ging weiter nach hinten in der Reihe. Ich ging Auseinandersetzungen mit ihm tendenziell aus dem Weg, da ich wusste, dass es nicht gut für mich enden würde. Er war stärker und alle anderen standen sowieso auf seiner Seite. Wieso sollte ich mir da die Mühe machen?
Was dann weiter passierte bekam ich nicht mehr mit. Jedoch war ich eine Außenseiterin bei den Candor. Ich hatte sehr wenig echte Freunde. Nur welche, von denen ich wusste, dass sie durch mich an eine gute Stellung gelangen wollen. Jedoch waren selbst diese schnell wieder weg, sobald sie bemerkten, dass sie durch mich nicht an meinen Vater kommen würden.
Endlich wurden wir eingelassen. Wir setzten uns Fraktionsintern auf sie weißen Stühle. In dem Warteraum kam es mir vor wie im Krankenhaus. Alles um mich herum war kahl und in schlichtem weiß gehalten. Typisch Ken eben.

Nach etwa einer Stunde Wartezeit, in welcher ich einfach nur nachdachte, wurde ich aufgerufen und betrat einen verspiegelten Raum mit einer Liege. Eine junge freundliche Amite namens Jana wies mich an einen Becher zu trinken. Ich sah sie fragend und durchdringend an, kam dann jedoch zu dem Entschluss, dass sie mich schon nicht vergiften würde, und kippte den Inhalt in einem Zug hinunter. Nach kurzer Zeit wurde mir schwarz vor Augen.



Als ich wieder aufwachte, wirkte die Amite aufgewühlt. Sie tippte irgendwas auf dem kleinen Bildschirm ein, und sah mich dann an. Nicht mit einem, sonst so üblichen Lächeln auf den Lippen, sondern besorgt. „Du darfst niemanden von deinem Test Ergebnis erzählen. Offiziell werde ich Ferox eintragen, da es am ausgeprägtesten ist, aber du kommst auch für Ken und Candor infrage. Genauer kann ich es nicht sagen“ „Bin ich…“ ich konnte es nicht aussprechen. Sie nickte bloß. In diesem Moment brach eine Welt für mich zusammen. Ich war Illegal. Ich wusste von meinem Vater, dass meine Mutter eine ehemalige Ferox war, daher wahrscheinlich die Feroxgene, aber sie hätte nie für möglich gehalten, dadurch Unbestimmt zu sein. In diesem Moment wünsche ich mir meine Schwester her. Vor ihrem Wechsel waren wir uns sehr nahe gestanden. Unsere Mutter war bei meiner Geburt gestorben, weshalb ich und Victoria oft alleine waren. Und in diesem Moment war mein Entschluss gefasst. Ich will zu meiner Schwester Bei den Candor war sie aufgeschmissen. In der Initation wird nämlich ein Wahrheitsserum verabreicht, und ich könnte mir somit gleich selbst die Kugel geben. Fit genug dürfte ich eigentlich sein. Mit diesen Gedanken schlief ich dann ein. Ich wusste nicht mehr genau, wie ich nachhause gekommen war, aber das war mir jetzt egal! Ich wollte nur noch im Reich der Träume versinken.
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