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Der Beginn einer Leidenschaft

von Yoshi11
KurzgeschichteFamilie / P6 / Gen
Kageyama Tobio
15.01.2021
15.01.2021
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Ich hatte nach ewig langer Zeit mal wieder Lust was auf deutsch zu schreiben. Um 2 Uhr früh…Die ganze Sache basiert auf Kapitel 387 des Mangas, also Spoileralarm!! Ja, der kleine Tobio hat eine Familie xD Und was für eine süße Familie er hat. Ja, ich weine immer noch *schluchz*

Bis zu dem Kapitel hätte ich nie gedacht, dass Tobio eine Schwester hat aber ja, ich liebe sie xD

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Dieser blöde Aufschlag!


Miwa schnaufte frustriert als der Ball, den sie nun schon zum zwanzigsten Mal an diesem Abend in die Höhe geworfen hatte, an ihrer Handfläche abrutschte und mit einem dumpfen Geräusch im Gras landete. Bei den älteren Mädchen hatte das so viel einfacher ausgesehen. Natürlich, die gingen ja auch die dritte Klasse, da kam man sich als jemand, der gerade erst auf die Mittelschule gewechselt war oftmals wie ein Kleinkind vor. Aus genau diesem Grund hatte sich Miwa Kageyama an diesem Abend vorgenommen nach der Schule ein wenig an ihren Aufschlägen zu arbeiten. Da haperte es leider immer noch an allen Ecken und Enden.

Ein paar Meter weiter hatte Tobio, ihr kleines Brüderchen, auf der Veranda des Hinterhofes Platz genommen. Sonst würden er und Miwa jetzt zusammen mit ihrem Großvater ein paar Pässe spielen, da Tobio regelrecht süchtig danach war, doch diesmal hatte Miwa ihn auf den folgenden Tag vertrösten müssen. So saß der Fünfjährige mit angewinkelten Beinen auf den Holzdielen und schaute seiner großen Schwester mit großen Augen beim Üben zu.

Miwa musste bei dem Anblick schmunzeln. Natürlich mochten sie beide Volleyball. Schon als kleine Kinder hatte Kazuyo-san, ihr Großvater, sie mit in die Turnhalle geschleift wann immer ihre Eltern länger arbeiten mussten. Es war beinahe unmöglich nicht zumindest ein wenig Gefallen an der Sportart zu finden wenn man den halben Tag nichts anderes sah.


Und doch war Tobio anders als sie. Das wusste Miwa nicht erst seit heute oder gestern.


Merkwürdig war er schon immer gewesen, grummelig, still und wenig interessiert an den Dingen die andere Kinder in seinem Alter spannend fanden. Legosteine und Actionfiguren kümmerten ihn genauso wenig wie Computerspiele und Bilderbücher, und im Fernsehen verfolgte er Kinderserien mit dem gleichen Level an Begeisterung wie Werbesendungen für Staubsauger, Küchenmesser und Haarwuchsmittel. Vorlesen mochte er, doch wie viel er von den Geschichten mitbekam war fraglich, schlief er doch jedes Mal innerhalb kürzester Zeit ein.


Als ihr Großvater den kleinen Tobio mit knapp drei Jahren zum ersten Mal mit zum Volleyballtraining geschleift hatte, war Miwa ein Licht aufgegangen. Tobio lächelte nicht viel, auch jetzt nicht. Sein grimmiges Gesicht war ihm angeboren und wann immer er bei einem Fototermin dazu genötigt wurde es wenigstens zu probieren, sah das Ergebnis meist gruseliger aus als vorher. Nein, Tobio war kein fröhliches Kind, und doch hatten seine Augen beim Betreten der Turnhalle so hell gestrahlt, als hätte er die Welt zum ersten Mal in Farbe gesehen.

Für sein eigenes Team war Tobio noch zu jung, er ging ja noch in den Kindergarten. Erst ab der zweiten Klasse würde er einem Club beitreten dürfen, wenn er sich bis dahin kein anderes Hobby gesucht hatte. Letzteres schien unwahrscheinlich. Er liebte es bei Spielen zuzuschauen und mit den älteren Damen der Mannschaft, die Kazuyo-san trainierte, ein paar einfache Pässe zu üben. Für sein Alter war er geschickt, viel besser als Miwa es in seinem Alter gewesen war.


“Pah! Als ob ich gegen meinen kleinen Bruder verlieren würde.” Bevor sie es bemerkte, hatte der Satz ihre Lippen verlassen. War das noch normale Rivalität unter Geschwistern oder blanker Neid? Seufzend und ein bisschen angefressen hob Miwa den lädierten Volleyball vom Boden auf und drehte ihn in ihren Händen. Es war schon spät und nach dem vielen Üben fühlten sich ihre Arme an wie Wackelpudding, von wunden Handflächen ganz zu schweigen.

Für Tobio war Volleyball Leben, für sie nur ein Hobby. Sie hatte andere Interessen, schaute gerne Filme, stylte sich die Haare, traf sich mit Freundinnen...alles Dinge, die Tobio fremd waren. Und doch war sie nicht bereit die Bahn frei zu machen und sich von dem Kleinen überholen zu lassen.


Mit der Entschlossenheit einer Kriegerin, die in ihre letzte große Schlacht zog, nahm Miwa Anlauf. Sie warf den Ball in die Höhe, sprang wie sie es an diesem Tag bei Aoki-san gesehen hatte, und schlug den Ball so fest es ihre geschwächten Muskeln erlaubten. Der Ball flog, weiter als bei ihren vorherigen Versuchen, und Miwa wollte sich darüber freuen, als selbiger Ball in der Luft unverhofft seine Flugbahn änderte. Für einen Moment blieb ihr das Herz stehen.


Tobio.

Der Ball flog auf Tobio zu.


In dieser einen Sekunde verlief alles wie in Zeitlupe. Vor Miwas inneren Auge nahm das Unglück seinen Lauf. Tobio, wie er von ihrem Horroraufschlag am Kopf getroffen wurde, Tobio, wie er regungslos am Boden lag, Kazuyo-san wie er hektisch mit dem Telefonhörer am Ohr den Krankenwagen alarmierte. Alles nur wegen ihr, wegen ihrem bescheuerten Stolz.


Bevor sich Miwa für ihre Unvernunft rügen konnte, schreckte sie ein bekanntes Geräusch aus ihrer Schockstarre. Kurz darauf war sie zurück in der Realität angekommen, der Realität in der es keine blutenden Platzwunden gab, keine heulenden Sirenen und kein lautes Geschrei.

Tobio stand ein paar Meter weiter im Gras, die Knie leicht gebeugt und die kleinen Hände hoch über den Kopf gestreckt. Erst jetzt folgte Miwa seinem Blick gen Himmel, dorthin, wo der Ball gerade dabei war an Flughöhe zu verlieren. Wäre sie nicht so baff gewesen, hätte sie ihn zu Tobio zurückspielen können. So konnte sie nur schweigend und mit offen stehendem Mund mitansehen wie das runde Spielgerät vor ihren Füßen im Gras landete. Tatsächlich. Ein perfekter langer Pass, als hätte der Kleine noch nie in seinem Leben etwas anderes gemacht.


“Meine Güte.” Miwa schluckte und wartete darauf, dass sich ihr Herzschlag normalisierte.


Während sie noch am Starren war, spazierte Tobio, ohne die kleinste Miene zu verziehen, zu dem Fleck an dem der Ball gelandet war. Er hob den Ball auf und näherte sich Miwa, seiner Schwester, die ihn soeben ohne Vorwarnung mit ihrem Aufschlag attackiert und in Gefahr gebracht hatte. Mit großen, leuchtenden Augen schaute er zu ihr hoch und streckte ihr den Ball entgegen.

“Nochmal!”, forderte er sie auf, und nachdem er nach mehreren Sekunden noch immer keine Reaktion erhalten hatte, setzte er noch ein “Bitte!” dahinter. Miwa blinzelte noch ein paar mal bevor sie den Ball schließlich mit einem Kopfschütteln an sich nahm. Es war höchste Zeit für eine Pause.


“Heute nicht mehr, Tobio-chan. Es gibt gleich Abendessen. Opa hat gesagt, er wollte Curry machen.”

“Curry?”


Bei der Erwähnung seines Lieblingsessens ließ Tobio den Ball fallen wie ein heißes Stück Eisen und war noch vor Miwa im Haus verschwunden, flink wie ein kleines Nachtgespenst. Die musste lachen, trotz dem Schreck der ihr in den Gliedern saß. Es gab immer noch Dinge in Tobios Leben die seiner Leidenschaft für Volleyball Konkurrenz machten. Und doch hatte sich auch heute wieder einmal ihre Vermutung bestätigt. Sie hatte schon so ein Gefühl gehabt, als Tobio als Baby ausgerechnet ihren Volleyball stibitzt hatte nur um darauf rumzukauen.


Tobio war etwas Besonderes. Wirklich. Sie hatte überhaupt keinen Grund auf ihn neidisch zu sein.
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