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Zwei

von Sassie
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
Felix Edel Sandra Starck
14.01.2021
24.01.2021
6
22.258
 
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24.01.2021 5.604
 
Als der Wecker klingelte, stieß Felix sich fast den Kopf an der Dachschräge, als er sich aufsetzte. Er wurde sich ziemlich schnell bewusst, wo er sich befand, und obwohl die letzte Nacht verdammt aufregend gewesen war, wusste er nicht recht, was er davon halten sollte. Vorsichtig kletterte er über die Blondine hinweg, die noch friedlich schlummerte, und rutschte beinah auf dem gebrauchten Kondom aus, das noch auf dem Boden lag, als er sich auf den Weg in Richtung Badezimmer machen wollte. Er sammelte seine Klamotten zusammen, hielt inne, und drehte sich noch einmal um. Mit bedauerndem Blick schaute er noch mal zu der hübschen nackten Frau im Bett. Der Sex war gut gewesen, und sie hatte definitiv Ahnung davon gehabt, wie man einen Mann um den Verstand bringen konnte, aber viel mehr als eine einmalige Sache konnte Felix sich nicht vorstellen. Sie war eben nur eine Ablenkung gewesen, wenn auch eine willkommene. Er tapste leise ins Badezimmer und schloss die Tür. Die geräumige Dusche bot ihm einen angenehmen Platz, um richtig wach zu werden, und als er sich die Haare trocken gerubbelt hatte, begann er sich anzuziehen.
Als er gerade dabei war sein Hemd zuzuknöpfen, ging die Tür auf, und er blickte in das müde lächelnde Gesicht von Sina.
„Guten Morgen“, schmunzelte sie und stellte sich neben ihn, um in den Spiegel zu sehen.
„Morgen“, antwortete er. „Ich war schon duschen, ich hoffe das ist okay“
„Klar“ Sie lächelte und zupfte seine Krawatte zurecht. „Du siehst gut auch“
„Du auch“, gab er zurück mit einem Blick auf ihren Körper. Sie trug nur ihren Slip.
Sina zwinkerte ihm kurz zu und lehnte sich dann gegen das Waschbecken, bevor sie etwas Zahnpasta auf ihre Zahnbürste drückte. „Du, ich weiß, wir hätten das vielleicht vorher abklären sollen, aber ich hab mich erst kürzlich von meinem Freund getrennt und bin eigentlich nicht auf der Suche nach etwas Festem. Ich mein, eigentlich war ich gar nicht auf der Suche, aber dir kann man schwer widerstehen.“
Er grinste aufgrund des Kompliments. „Mach dir keinen Kopf, mir gehts genauso“
„Oh. Auch verlassen worden?“, fragte sie und fing an ihre Zähne zu putzen, während sie ihn mitleidig von der Seite ansah.
„Ja. Lange Geschichte und eigentlich auch völlig unwichtig.“, lenkte er schnell ein. „Du, ich hoffe es ist nicht unhöflich, aber ich müsste eigentlich auch schon los. Von hier brauch ein wenig länger in die Kanzlei.“
Sina schüttelte den Kopf, putzte sich die Zähne noch fertig, und spuckte die Zahnpasta aus, bevor sie ihm einen Kuss auf die Wange drückte und grinste. „Schon gut. Hab einen schönen Tag.“
„Du auch“, lächelte er und ging an ihr vorbei.
„Vielleicht sieht man sich ja wieder mal bei Gericht“, schmunzelte sie ihm noch hinterher.
„Ich gewinne aber meistens“, zwinkerte Felix.
„Das bezweifel ich“
Er grinste und stieg die Treppe des kleinen Hauses hinab, zog sich an, trat in die frische Morgenluft und ging auf seinen Wagen zu.
Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er nicht ganz pünktlich sein würde, aber was machte das schon. Wenn alles gut ging, würde er in ein paar Wochen sowieso bei Frank in der Kanzlei arbeiten und dort würde er viel flexibler agieren können.
Er hatte relativ gute Laune zum ersten Mal seit langer Zeit, und als er an seinem Arbeitsplatz ankam, hatte er endlich mal keinen Kloß im Hals. Er stieg die Treppen hinauf und schloss die Tür auf.
„Ich dachte schon du kommst nicht“, grinste Biene.
Felix lächelte sie an. „Doch, doch. Da war nur etwas Verkehr.“
Die Sekretärin schien etwas überrascht ihn schon fast fröhlich erleben zu dürfen, freute sich aber offensichtlich darüber. Sie begann zu summen und lächelte, als ihr Chef an ihrem Schreibtisch vorbei in die Küche wanderte.
Sein Schritt stockte kurz etwas, als er Sandra sah, die in der Küche stand und sich Tee kochte. Er ging auf die Kaffeemaschine zu.
„Guten Morgen“, begrüßte sie ihn leise.
„Guten Morgen“, gab er zurück und versuchte nicht allzu kalt, aber auch nicht zu vertraut zu klingen. Er wollte hier kein böses Blut mehr in den letzten Wochen, die er hier war, aber sie durfte ihm auch einfach nicht mehr zu nahe kommen.
Er beobachtete, wie sie sich über den Unterleib strich und erkannte in ihrem Gesicht eine kurze schmerzvolle Regung.
Es kostete ihn ein wenig Überwindung, aber schließlich rang er sich dazu durch sie zu fragen. „Alles in Ordnung?“
Sie schien überrascht über die Frage, sah ihn aber an und nickte nur müde. „Ja, ich hab seit ein paar Tagen ziemlich heftiges Bauchziehen, aber das hängt wahrscheinlich nur mit PMS zusammen“
„Okay“, seufzte er. „Damit hatten Sie ja ab und an generell Probleme“
Sie blickte wieder zu ihm, während er sich Kaffee eingoss und lächelte leicht aufgrund dieses normalen Gesprächs. So eines hatten sie schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr geführt und sie fragte sich, warum er so milde gestimmt war.
Ihr Blick fiel auf einen Zahnpastafleck auf seiner Wange. „Felix, Sie haben da was“
Er sah sie an und rubbelte sich den Fleck dann schnell weg. Sie lächelte und als er seinen Arm wieder senkte, schlug ihr ein Geruch entgegen, der ihr fast augenblicklich wie ein Messer in die Brust stach. Eine süßliche und etwas blumige Note, die definitiv nicht von einem Männerparfum herrührte, geschweige denn von einem Aftershave. Ihr Blick tastete ihn ab und erst jetzt fiel ihr auf, dass sein Haar leicht zerzaust war, sein Hemd nicht ganz zugeknöpft war und dann realisierte sie, dass es keine plausible Erklärung gab, warum ein erwachsener Mann die Zahnpastaspuren bis auf die Wange haben sollte, es sei denn jemand anders hatte sie dort hinterlassen.
Sandra spürte, wie ihr schlecht wurde, aber sie wusste nicht ganz warum. Es konnte an der Erkenntnis liegen, dass er die Nacht offenbar mit einer anderen verbracht hatte, aber auch einfach an dem Kaffeegeruch, den sie seit ein, zwei Tagen komischerweise nicht mehr aushielt.
„Bis später“, stammelte sie schnell, bevor sie sich beeilte in ihr Büro zurück zu kommen. Sie schaffte es gerade noch in das kleine Badezimmer und die Toilette, bevor sie sich übergab. Seufzend lehnte sie sich gegen die kühlen Kacheln und starrte an die Decke, nachdem der Würgereiz etwas abgeflaut war. Sie wusste, dass sie kein Recht hatte ihm auch nur in irgendeiner Art und Weise Vorwürfe zu machen. Er war ein freier Mann, er konnte tun und lassen was er wollte. Aber die Tatsache, dass es unfassbar wehtat zu wissen, dass er sich so schnell getröstet hatte, nagte dennoch schwer an ihr.

Die nächsten zweieinhalb Wochen vergingen unspektakulär. Felix machte wie üblich seine Arbeit, verlor aber bei niemandem in der Kanzlei ein Wort über seinen kleinen One Night Stand, auch wenn Sandra noch sooft versucht hatte subtile Anspielungen zu machen, die ihm eventuell ein Detail entlockten. Er hielt sich bedeckt. Die junge Anwältin wusste überhaupt nicht damit umzugehen, sie wusste auch nicht, wie sie mit ihm umgehen sollte. Ihn kalt und distanziert zu behandeln erschien ihr unpassend, denn auch wenn es eigentlich egal gewesen wäre, sie wollte nicht, dass er dachte, dass sie ihm irgendwas übelnahm. Aber auch Nähe ließ er nicht zu und bei jeglicher Form der klitzekleinsten Vertrautheit machte er sich aus dem Staub. Sandra steckte in einer Sackgasse fest, und Patrizias Spruch darüber, dass alles leichter werden würde, wenn er denn endlich die Kanzlei verließ, hatte ihr nicht unbedingt Trost verschafft.
Sandra wälzte sich unruhig im Bett hin und her und sprang dann plötzlich auf, ohne überhaupt schon ganz wach zu sein. Ihre Beine trieben sie wie automatisch ins Badezimmer und sie raffte in letzter Sekunde noch ihr Haar zusammen, bevor sie sich übergab. Seufzend lehnte sie ihre Stirn auf ihren Arm, der Halt auf der Klobrille gefunden hatte, und schnaufte. Sie wusste nicht, was in letzter Zeit mit ihr los war, aber seit ein paar Tagen war ihr fürchterlich übel und sie befürchtete, dass sie sich gehörig den Magen verdorben hatte in dem kleinen Sushilokal, das sie am Wochenende mit Patrizia besucht hatte. Mit zittrigen Beinen erhob sie sich und schlurfte zum Waschbecken, um sich die Zähne zu putzen. Vielleicht sollte sie bald mal zum Arzt, denn sie fühlte sich allgemein schlapp und ziemlich müde, hatte aber trotzdem das Gefühl, dass sie nicht wirklich schlafen konnte. Sie befürchtete, dass die ganze Situation mit Felix sie innerlich noch mehr aufwühlte, als sie sich wirklich eingestand.
Sandra machte sich fertig, versuchte ihre blassen Wangen irgendwie frischer wirken zu lassen durch ein wenig Makeup, und machte sich dann auf den Weg in die Kanzlei. Das Frühstück hatte sie in der letzten Woche öfter mal weggelassen, in den vergangenen Tagen sowieso.
Sie betrat die Kanzlei und begrüßte ihre Sekretärin, nahm sich ihre Post mit, und wanderte in ihr Büro. Vielleicht tat ihr auch einfach dieser Trott nicht mehr so gut, gepaart mit all dem Stress was Felix anbelangte. Gelangweilt sah sie sich die Briefe durch und blickte auf, als Biene ihr eilig ein Post-It auf den Tisch klebte, bevor sie wieder zurück in den Empfangsraum hastete.
Sandra warf einen Blick auf das Zettelchen und seufzte. Wieder ein Termin, der verschoben worden war. Sie griff nach dem Stehkalender auf ihrem Tisch und strich den Namen des Mandaten durch. Als ein erneutes heftiges Ziehen ihren Unterleib heimsuchte, schlug sie nur die Beine übereinander und krümmte sich ein wenig zusammen. Daran hatte sie sich mittlerweile auch schon gewöhnt. Seufzend überlegte sie und blickte dann wieder auf den Kalender in ihrer Hand, blätterte zurück und begann zu zählen. Als sie am entsprechenden Datum angekommen war, zog sie die Augenbrauen zusammen und zählte nochmal. Sie wiederholte den Vorgang mehrere Male, aber das Ergebnis änderte sich nicht. Sie war zwei Wochen drüber.
Nervös griff sie nach ihrer Aktentasche und zog ihren privaten kleinen Terminkalender heraus, in der Hoffnung, dass sie sich vertan hatte, aber das Datum ihrer letzten Periode stand auch hier in ganz großen Ziffern.
Sandra schluckte und spürte, wie ihr abwechselnd heiß und kalt wurde. Ihr Herz begann zu rasen, doch sie räusperte sich und versuchte sich zusammenzureißen, als es an ihrer Bürotür klopfte.
„Sandra, dein Mandant wäre jetzt da“, lächelte Biene, bevor ihr Gesichtsausdruck besorgt wurde und sie ihre Stimme senkte. „Ist alles in Ordnung?“
„Natürlich“, antwortete Sandra betont locker. „Schick ihn rein“
Sie empfing den Mann mit einem Lächeln und ließ sich zurück auf ihren Stuhl sinken. Doch sie hörte ihm keine Sekunde zu. Ihre Gedanken kreisten nur noch darum, wann sie heute frühestmöglich gehen konnte. Sie musste noch einen Abstecher in die Drogerie machen.

Sandra saß in der Küche und tippte mit den Fingern auf die Anrichte. Noch nie hatte sie sich so nervös gefühlt, nicht einmal vor ihrem Staatsexamen, und noch nie hatte sie sich so erwachsen und zeitgleich so unbeholfen gefühlt. Sie hatte in der Drogerie vor den Schwangerschaftstests gestanden wie eine Fünfzehnjährige, mit verstohlenem Blick und absolut verunsichert. Nun saß sie schon seit einer geschlagenen halben Stunde vor dieser Packung und versuchte sich auf die möglichen Szenarien einzustellen. Was los war, wenn sie wirklich schwanger war, das konnte sie sich kaum ausmalen, denn dann stellten sich tausende von Fragen, tausende von Aufgaben, und sie wusste nicht, ob sie dem gewachsen war. Sie hatte sich nie Illusionen bezüglich Kindern gemacht, ihr war sehr wohl bewusst, dass ein Baby ein ganzes Leben einfach so auf den Kopf stellte und dass es neben kuscheln, füttern, und niedlich sein noch eine ganze Palette an Aufgaben mit sich brachte ein Kind großzuziehen. Aber worüber sie sich nie Gedanken gemacht hatte, war, wie sie das alles stemmen sollte, wenn sie allein damit war. Was würde dann aus ihrem Beruf werden? Wie sollte sie das finanziell schaffen? Sie hatte sich immer geschworen ihr Kind nicht bei ihrer Mutter zu parken. Aber könnte sie es dann überhaupt behalten? Würde sie sich und ein Baby über Wasser halten können?
Sandra trank einen Schluck Saft und knetete nervös ihre Hände. Ihr Blick fiel auf die Uhr, sie hatte vorsorglich einen Termin beim Frauenarzt gemacht und überlegte schon die ganze Zeit, ob sie die drei Stunden einfach noch warten, oder sich die erste Anspannung lieber selbst gleich nehmen sollte. Aber gegebenenfalls war sie ja wirklich nicht schwanger und dann würde sie den Termin vielleicht auch einfach wieder absagen. Sie griff nach der Packung und wanderte ins Badezimmer. Wie würde sie sich fühlen, wenn sie nicht schwanger war? Erleichtert. Aber vermutlich doch irgendwie enttäuscht. Es war ein Gefühlstornado, der in ihr hochkochte, als sie darüber nachdachte, und sie versuchte den Gedanken zu verdrängen. Die einzige Antwort konnte ihr das kleine Ding in der Schachtel liefern. Sandra schluckte, als sie es auspackte. Sie atmete tief durch und nickte dann entschlossen.

Zwei Striche. Und dann war alles schwarz.

Genervt fiel Felix‘ Blick auf sein Handy, das nun schon zum fünften Mal vibrierte. Er hatte mit einem Anruf von Otto gerechnet, da dieser ihm unbedingt noch von seinem Date mit Paula erzählen wollte. Scheinbar verbrachte er jetzt mehr Zeit bei ihr, und Felix hatte es sich zu Hause mit einem Glas Rotwein gemütlich gemacht, denn alleine in der Kneipe zu sitzen hatte über die Jahre auch seinen Reiz verloren. Seufzend beugte er sich vor und blickte auf das Display. Schon wieder Sandra. Er hatte keinen Schimmer, was in sie gefahren war, konnte es sich aber zumindest im Ansatz vorstellen, nachdem sie heute extrem gereizt gewesen war und einen Kommentar bezüglich seiner Affäre gemacht hatte. Er hatte nicht realisiert, dass sie es offenbar irgendwie irgendwo aufgeschnappt hatte, aber im Grunde war es ihm auch egal. Er würde sich nicht rechtfertigen und eine Entschuldigung wollte er schon gar nicht hören. Er war froh, wenn er endlich die ganzen Verträge fertig hatte und zu Frank wechseln konnte. Auch wenn er in letzter Zeit immer versucht hatte versöhnlich auf sie zuzugehen, er spürte, dass ihm das nicht gut tat. Ihre Nähe machte immer noch etwas mit ihm und er merkte zunehmend, dass er einfach nur mal Abstand brauchte. Vielleicht Wochen, vielleicht Monate, vielleicht aber auch Jahre. Und vielleicht einfach für immer. Er wusste nicht, ob er jemals wieder normal mit ihr reden würde können nach allem was passiert war.
Erneutes Vibrieren. Er seufzte und erhob sich, bevor er mit seinem leeren Glas in die Küche wanderte, um sich nachzuschenken.

Sandra stellte den Wagen mit zittrigen Fingern ab und wählte seine Nummer erneut. Sie presste sich das Handy ans Ohr und lauschte, aber wieder tutete es nur, bevor die Mobilbox anging, auf die sie ihm nun schon zum x-ten Mal sprach. Sie schickte gleich noch eine SMS hinterher und blickte dann an dem Apartmentgebäude hoch. In seiner Wohnung brannte eindeutig Licht. Ärgerlich starrte sie zurück auf ihr Handy. Nichts.
Sie griff nach ihrer Tasche und zog den Umschlag heraus, dann das kleine Ultraschallbild. Vierte Woche. Der Frauenarzt hatte keine halbe Minute gebraucht, um sie grinsend zu beglückwünschen und obwohl der Schwangerschaftstest zu Hause schon positiv gewesen war, hatte es Sandra noch einmal einen zusätzlichen Schock durch die Knochen gejagt. Sie hatte sich in ihren Wagen gesetzt und aus dem ersten Impuls heraus Felix angerufen. Immer und immer wieder, eine Stunde fast hatte sie da gesessen und es versucht und schließlich war sie hierher gefahren, denn er musste es wissen.
Sie blickte auf, als sie jemanden auf den Hauseingang zugehen sah. Rasch packte sie das Bild wieder in den Umschlag und den Umschlag in die Tasche, schnappte selbige, und sprang aus ihrem Wagen.
„Warten Sie!“, rief sie und lief auf den Eingang zu. Der ältere Herr beäugte sie skeptisch, während er in der Tür stehenblieb.
„Zu wem wollen Sie?“, fragte er mit quiekender Stimme.
„Herr Edel“, antwortete Sandra, die zwar genervt war von dem Verhör, aber nicht die Kraft hatte jetzt noch mit irgendwem zu streiten.
„Ach“ Der Alte lächelte. „Na, dann kommen Sie mit“
Sandra betrat das Gebäude und dann den Aufzug. Sie fühlte, wie der Mann sie musterte und schlang sich unwillkürlich die Arme um den Bauch, auch wenn man noch nicht einmal den Ansatz einer Schwangerschaft erkennen konnte. Im dritten Stock verabschiedete sich der Alte und Sandra blieb alleine zurück, bis auch sie ihr Ziel erreicht hatte. Sie ging auf die Tür zu und klingelte. Nichts. Langsam begann sie zu verzweifeln. Ja, sie hatte ihn heute in der Kanzlei angezickt, aber das hatte weniger mit ihm, als mit ihrer Anspannung zu tun gehabt.
„Felix!“, rief sie halblaut und klopfte.
Sie klingelte erneut ein paarmal und erschrak, als er plötzlich die Tür aufriss.
„Kommen Sie rein“, zischte er mit einem prüfenden Blick in den Flur.
Sandra beeilte sich in die Wohnung und Felix drehte sich zu ihr um. „Was wollen Sie hier?“
Sie ignorierte seine förmliche Anrede. „Ich muss mit dir reden“
„Alles, was Sie mir zu sagen haben, können Sie mir auch morgen im Büro mitteilen“, antwortete er nur kalt.
„Ich muss mit dir reden, verdammt nochmal!“, schrie sie ihn an und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Aber dieses Mal schaffte sie es nicht sie zurückzuhalten, eine davon kullerte über ihre Wange hinab und Felix seufzte ergeben und ging ins Wohnzimmer.
Sie wischte sich übers Gesicht und folgte ihm, bevor sie sich auf das Sofa sinken ließ. „Du solltest dich setzen“
„Ich habe nicht vor hier ein Pläuschchen mit dir zu halten“, war seine kühle Antwort.
Sandra schluckte. Sie suchte in ihrem Kopf die Worte zusammen, verwarf sie wieder, bildete neue Sätze, aber nichts machte mehr wirklich Sinn. Sie merkte, wie Felix ungeduldig mit den Füßen tippte. Er stand da mit den Händen in der Hosentasche und starrte sie erwartungsvoll und mit wachsender Genervtheit an.
Sandra spürte, wie die Verzweiflung sie zu übermannen drohte.
„Also Sandra, ich hab für sowas keine...“
„Ich bin schwanger“
Er verstummte und blickte sie an. Sie hielt den Atem an. Er reagierte nicht und blinzelte nur kurz, bevor er sich räusperte. „Schön für dich“
„Ich bin in der vierten Woche, Felix“ Ihre Stimme zitterte, war leise.
Er spürte, wie sein Mund trocken wurde und all der Ärger und jegliche andere Emotion aus ihm wichen, gemeinsam mit seinen Gedanken. Und dann donnerten plötzlich alle Fragen gleichzeitig auf den Boden seiner Gehirnwindungen, aber er konnte nur eine einzige herausfiltern. „Wie sicher bist du, dass es von mir ist?“
Sie sah ihn an, ihr Herz klopfte, und sie schüttelte nur fassungslos den Kopf. Ihr Mund öffnete sich, doch es kamen keine Worte heraus und plötzlich spürte sie, wie alle Dämme brachen, und dicke Tränen lautlos über ihre Wangen rollten.
Es dauerte einen Moment, bis ihm die Tragweite seines Satzes bewusst wurde und er blickte auf die weinende Frau, die auf seinem Sofa saß und offenbar vor Verzweiflung weder ein noch aus wusste. „Tut mir leid“
Sie schniefte leise und öffnete ihre Tasche, bevor sie einen Umschlag herauszog und ihn ihm entgegenstreckte. Felix griff unsicher danach, merkte, wie sehr seine Hand zitterte, und zog dann vorsichtig ein kleines Ultraschallbild heraus. Man sah einen dicken dunklen Fleck und inmitten einen winzigen weißen Punkt. Sein Herz hämmerte gegen seine Brust, als er auf diesen schwarzweißen Wirrwarr starrte und seine Augen richteten sich auf dieses kleine Etwas, dieses Pünktchen, das kaum zu erfassen war, nichts weiter als ein weißer kleiner Pixel auf einem Stück Papier und trotzdem füllte dieses winzige Nichts Felix‘ Kopf und Welt auf einmal vollständig aus.
„Ich habe die Pille vor einer Weile abgesetzt“, klang Sandras leise belegte Stimme an sein Ohr. „Ich… ich habe in dem Moment nicht daran gedacht, ich… ich möchte nicht, dass du denkst, dass ich das getan habe, um dich irgendwie an mich zu binden. Es war keine Absicht. Es steckte wirklich keinerlei Vorsatz dahinter, das musst du mir glauben.“
Er blickte nur zu ihr auf, konnte ihr aber nicht antworten, da dieses Ultraschallbild sich tief in seinen Kopf brannte und er kaum wegschauen konnte.
Sie wusste nichts mit seinem Schweigen anzufangen und blickte auf ihren Schoß. „Wenn… ich meine, wenn du es nicht willst… ich… ich möchte dich nicht in eine Aufgabe schubsen, der du vielleicht nicht gewachsen bist. Ich… ich weiß, dass ich keinerlei Recht habe so gravierend in dein Leben einzugreifen, wenn auch nicht absichtlich, deshalb… wenn du es willst, dann… dann… ich habe schon mit dem Arzt gesprochen, ich kann mir jederzeit einen Termin machen. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche kann man abtreiben...“
„Abtreiben?“, unterbrach er sie und nun war seine volle Aufmerksamkeit bei ihr.
„Ja“, antwortete sie unsicher und leise. „ Wenn du das willst...“
„Nein, Sandra, das will ich nicht“, gab er wütend zurück. „Das ist unser Kind, warum um alles in der Welt sollte ich es nicht wollen?“
Sie schluckte. „Ich dachte, weil du vielleicht keine Kinder wolltest...“
„Ich wollte immer Kinder“, antwortete Felix. „Aber darüber muss man sprechen, man muss sich Gedanken machen im Vorfeld. Sowas geht nicht einfach von heute auf morgen. Außer natürlich in so einer Situation wie unserer.“
Er fuhr sich durch sein Haar, schob das Bild schweren Herzens wieder zurück in den Umschlag und hielt ihn Sandra hin. Sie sah ihn an und schüttelte dann nur langsam den Kopf. „Behalte es. Ich werde noch mehr davon bekommen.“
Er ließ seine Hand wieder sinken. „Danke“
Sie schwiegen beide eine Weile, dann räusperte Felix sich. „Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich denke ich brauche jetzt etwas Zeit für mich“
Sandra sah ihn an und nickte. Sie verstand ihn, fühlte sich allerdings trotzdem weggestoßen und alleingelassen. Der Gedanke daran nach Hause zu fahren und sich allein in ihr Bett legen zu müssen mit all den neuen Gefühlen und Fragen in ihrem Inneren machte ihr Angst, aber sie hatte auch nicht im Geringsten erwartet, dass er sich ihr sofort zu Füßen werfen würde, wenn sie ihn mit so einer Nachricht überfiel.
Sie erhob sich langsam und bemerkte seinen Blick auf ihren Bauch. Vorsichtig sah sie an sich hinab. „Ich denke man sieht noch nichts“
Schnell riss er sich von dem Anblick los und schüttelte den Kopf. „Nein“
Sie biss sich auf die Unterlippe und sah ihn noch ein letztes Mal an. „Gute Nacht“
„Gute Nacht“, antwortete er.
Normalerweise begleitete er seine Gäste immer ganz gentlemanlike bis zur Tür, aber er hatte immer noch das Gefühl als wären seine Füße bleischwer. Er lauschte ihr, wie sie langsam ins Vorzimmer ging und als sie seine Wohnungstür leise schloss, hob er den Umschlag wieder hoch und zog das Bild noch einmal raus. Erneut fixierte er den weißen Punkt und strich vorsichtig mit dem Finger darüber. Er wusste nicht, was er fühlen sollte. Das war alles, was er sich jemals gewünscht hatte. Mit der Person, mit der er es sich gewünscht hatte. Nur hatten sich seine Lebensumstände in der Zwischenzeit viel zu sehr verschoben.

Sandra zwang sich einen Schluck ihres Spinat-Apfel Smoothies runter, während sie die Treppe zur Kanzlei hochstieg. Sie hatte relativ okay geschlafen, aber schon wieder mit Morgenübelkeit gekämpft, und da sie ohnehin schon wach gewesen war, hatte sie beschlossen gleich zur Arbeit zu fahren. Sie schloss die Kanzleitür auf und war überrascht zu hören, dass die Kaffeemaschine schon lief. Vorsichtig schlüpfte sie aus ihrem Mantel und warf einen Blick in das Büro ihres Kollegen. Er saß hinter dem Schreibtisch und schien nicht mitbekommen zu haben, dass sie hier war.
„Guten Morgen“, rief sie halblaut, um ihn nicht zu erschrecken.
Er blickte auf. „Sandra! Schon so früh da? Trifft sich gut. Wir müssen reden.“
Sie schluckte, nickte, stellte ihren Smoothie kurzerhand auf Bienes Schreibtisch ab und trat in sein Büro.
„Schließ die Tür bitte, für den Fall, dass Biene gleich kommt“, meinte er und verschränkte die Finger.
Er wartete, bis sie vor seinem Schreibtisch stand, atmete anschließend tief durch und sah sie mit entschlossenem Blick an. „Hast du dir schon Gedanken über das Sorgerecht gemacht?“
„Bitte was?“, gab sie völlig perplex zurück.
„Ich weiß, das kommt vielleicht etwas früh, aber ich will das gleich mal geklärt haben. Ich möchte für mein Kind da sein, nicht so wie mein Vater bei mir. Deswegen wäre es schön, wenn wir uns das Sorgerecht irgendwie teilen könnten.“, erklärte er ruhig.
Sandra schluckte und nickte. „Ja… natürlich“
„Sehr gut, danke. Das lag mir noch am Herzen.“ Er lächelte kurz und senkte seinen Blick dann wieder.
Sein Gegenüber drehte sich um und schlurfte langsam aus dem Büro. Sorgerecht. Auch wenn Sandra es nicht als Hintergedanken gehabt hatte, trotzdem hatte sie vermutlich irgendwie gehofft, dass die Schwangerschaft ihn umstimmte, ihn vielleicht dazu bewegte ihnen wenigstens noch eine Chance zu geben. Aber was wusste sie schon? Vielleicht war er auch mit dieser neuen Schickse zusammen, dessen Spuren er vor zwei Wochen an sich getragen hatte. Sie schluckte den Gedanken schnell runter, da er wieder Übelkeit in ihr verursachte und wollte gerade nach ihrem Smoothie greifen, als ein Stich im Bauch sie etwas in die Knie gehen ließ. „Aua… verdammt“
Sie hörte, wie Felix aus seinem Büro gelaufen kam und im nächsten Moment spürte sie seine Hand auf ihrem Rücken. „Ist alles in Ordnung?“
„Ja, es ist nur… aua...“ Wieder ein Stich.
„Ich fahr dich zum Arzt“ Felix zupfte beinah panisch Sandras Mantel vom Haken und wickelte sie so schnell darin ein, dass sie gar keine Gelegenheit hatte ihm das auszureden.
„Felix, ich denke das ist nur ganz normales Ziehen, das kann vorkommen am Beginn einer Schwangerschaft“, versuchte sie ihn zu beruhigen.
Er schüttelte den Kopf. „Das lassen wir den Arzt beurteilen“
Sie seufzte und ließ sich von ihm vor die Tür schieben. Er beobachtete jeden einzelnen Schritt, den sie über die Treppe machte, und als sie sich kurz eine Hand auf den Bauch legte, sah er sie alarmiert an, aber sie lächelte nur. „Es geht schon“
Sie stieg vorsichtig in Felix‘ Wagen und wurde dann von ihm genötigt ihm den Weg zu ihrem Gynäkologen anzusagen. Er fuhr viel zu schnell und Sandra seufzte nur, nachdem er nochmal betonte, dass es ihm egal war, ob sein Fahrstil jemanden störte.
Als sie an der Praxis angekommen waren, zog sie ihren Arm aus seinem Griff, atmete tief durch, und sah ihn an. „Felix, wir machen da drin jetzt kein Drama, ja? Wir lassen einen Ultraschall machen, um zu sehen, ob alles okay ist. Aber du bauschst jetzt bitte nichts auf, ja?“
„Nein“, antwortete er, es klang aber nicht wirklich glaubwürdig.
„Gut, lass mich einfach sprechen“ Sie zog die Tür auf und trat in den Empfangsraum. Felix nahm ihr den Mantel ab. Das Wartezimmer war glücklicherweise leer. Sandra zog scharf die Luft ein, als ein erneuter Stich durch ihren Unterleib zuckte.
„Setz dich“, murmelte Felix. „Ich melde dich an“
Sandra ließ sich auf einen Stuhl sinken und hörte, wie Felix auf den Empfangstresen zuging.  Sie lauschte dem üblichen Geplänkel und atmete tief durch, um ihren Unterleib etwas zu entspannen.
Als Felix ein klein wenig lauter und aufgebrachter klang, wurde sie hellhörig. „Nein, wir haben keinen Termin, aber meine Frau sitzt da im Wartezimmer, ist in der 4. Woche schwanger und hat Unterleibsschmerzen, also würden wir gerne den Arzt sehen. Jetzt!“
Sie spürte, wie ihr Herz heftig pochte, als ihr die Wortwahl bewusst wurde. Schmunzelnd strich sie ihr Haar zurück und blickte auf, als Felix wieder auftauchte. „Wir können gleich durch“
Sandra erhob sich und ging gemeinsam mit ihm auf das Behandlungszimmer zu. Die Empfangsdame räusperte sich. „Also eigentlich ist der Zutritt für Männer nicht gern gesehen...“
„Das geht schon in Ordnung“, versicherte Sandra und schob Felix vor sich in das Behandlungszimmer.
Sie schloss die Tür und beide reichten dem Arzt die Hand.
„Frau Starck. So schnell sieht man sich wieder.“, grinste der Mann. „Alles in Ordnung?“
„Sie hatte Krämpfe. Stechen. Ziehen. Ich weiß nicht, was war es denn genau, Sandra?“, verhaspelte Felix sich fast in den eigenen Worten.
Der Arzt blinzelte kurz und blickte zwischen den beiden hin und her, dann wandte er sich wieder an seine Patientin. „Ich nehme an das ist der Vater“
„Ja“, lächelte sie unsicher. „Also ich hatte vorhin so ein leichtes Ziehen und es hat ein paarmal ziemlich heftig gestochen“
„Das ist grundsätzlich ganz normal in so einem frühen Stadium der Schwangerschaft, das können noch Nachwirkungen des Einnistungsschmerzes sein, oder auch einfach die Hinweise, dass Ihre Gebärmutter sich langsam etwas umstrukturiert.“, erklärte der Gynäkologe freundlich. „Aber sehen wir es uns trotzdem an. Hatten Sie Blutungen?“
„Nein“, antwortete Sandra. „Nur ziemlich viel Morgenübelkeit“
„Auch das ist völlig normal und wird vermutlich noch ein wenig anhalten“, lächelte der Arzt und setzte sich.
Sandra legte sich auf die Behandlungsliege und zog ihre Bluse ein Stück hoch. Felix‘ Blick glitt auf ihren Bauch. Er beäugte, wie das Kontaktgel aufgetragen wurde und als das Ultraschallgerät auf der Haut landete, richtete er seinen Blick auf den Monitor.
„Also das sieht alles noch genauso gut aus wie gestern“, meinte der Arzt. „Hier. Da ist es.“
Nun sah Felix den kleinen Punkt auf dem Monitor und in Echtzeit. Seinen kleinen Punkt. Unwillkürlich griff er nach Sandras Hand, während er weiter auf den Bildschirm blickte.
Sie schluckte und hielt ihn fest.
Seine Augen saugten das Bild so gut es ging auf, und selbst als der Arzt das Ultraschallgerät wieder von Sandras Bauch genommen hatte, starrte er noch auf den Bildschirm.
Der Gynäkologe reichte der jungen Anwältin einige Tücher um das Kontaktgel zu entfernen und verschob seinen Blick dann in Richtung Felix. „Ich glaube da hat sich jemand verliebt“
Sandra lächelte und zog ihre Bluse wieder hinab, bevor sie sich aufsetzte. Felix hielt ihre Hand immer noch.
Der Gynäkologe ging zu seinem Schreibtisch zurück.
„Sandra, das… das war unser Baby“, murmelte er und sah sie an.
Sie lächelte liebevoll. „Ja, das war es“
Langsam gingen sie zurück zu dem Arzt und dieser sah sie an. „Wie gesagt, solche Schmerzen sind ganz normal, solang keine Blutungen hinzukommen, aber vielleicht schonen Sie sich heute noch ein wenig. Bei Fragen können Sie auch jederzeit gerne anrufen. Ansonsten wünsche ich Ihnen erst mal alles Gute und viel Freude. Und hoffentlich nicht zu viele Übelkeitsanfälle.“
Wieder reichten sie ihm die Hand und wanderten dann aus dem Empfangszimmer. Sandra nahm ihren Mantel vom Haken und sah vorsichtig zu Felix hinüber, dieser schien immer noch völlig verzaubert zu sein. Schweigend traten sie wieder aus der Praxis und gingen auf seinen Wagen zu.
Als sie im Auto saßen, machte Felix keine Anstalten dieses anzulassen, doch Sandra schwieg. Sie wusste, dass er das Ganze erst mal irgendwie verarbeiten musste, genauso wie sie gestern.
Es vergingen einige Minuten. Dann klang Felix‘ Stimme durch den kleinen Innenraum, klar und deutlich. „Ich will das mit dir gemeinsam“
Sie blickte überrascht auf und sah dann zu ihm hinüber. Er erwiderte ihren Blick und es war nichts als pure Entschlossenheit darin. „Sandra, ich will, dass wir das gemeinsam haben. Als Familie. Das ist unser Baby. Ich will nicht nur der Vater sein, der alle zwei Tage mal auf der Matte steht. Ich will bei jedem Ereignis dabei sein, ich will sehen, wann es zum ersten Mal lächelt, ich will es baden, ich wechsel ihm sogar jeden Tag die Windeln. Aber ich will nichts davon verpassen, keine einzige Sekunde.“
Sie lächelte ihn mit Tränen in den Augen an.
„Und...“, sprach er langsam weiter und wieder griff er nach ihrer Hand. „Ich will das mit dir gemeinsam. Ich liebe nicht nur unser Baby, Sandra.“
Sie brachte nur ein Nicken zustande. Sie hatte wirklich mit allem gerechnet, aber nicht damit. Alles, was sie je gewollt hatte, schien sich gerade zusammenzufügen, jetzt, hier, in diesem Moment in Felix‘ Wagen.
„Du musst noch nicht darauf antworten“, flüsterte er. „Ich fahr dich jetzt erst mal nach Hause. Du sollst dich noch ausruhen.“
Die Autofahrt verbrachten die beiden tatsächlich schweigend. Sandra konnte ihr Glück kaum fassen, passierte das hier gerade alles wirklich?
Als Felix den Wagen vor ihrem Haus parkte und aussteigen wollte, hielt sie ihn am Arm zurück. Er hielt inne und sah sie an.
„Ich will nicht, dass du die Kanzlei verlässt“, sprach sie leise.
Er schluckte und schüttelte dann den Kopf. „Das werde ich nicht“
„Gut. Und ich will, dass wir in Zukunft über alles sprechen. Über alles. Immer und sofort. Und dass wir uns gegenseitig zuhören.“, murmelte sie weiter.
Felix schmunzelte leicht. „Das kriegen wir hin“
„Wir müssen“, antwortete sie. „Wir bekommen ein Baby“
Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihren Bauch und obwohl ihn ein Mantel und eine Bluse von ihrer Haut trennten, war dies ein so viel größerer symbolischer Akt, als er es in Worte fassen konnte.
Ohne irgendwelche weiteren Kommentare beugte er sich zu ihr hinüber und küsste sie. Sie versank in seinen Lippen, in seinem Geschmack, in seinem Geruch und alles schien sie irgendwie vollkommen zu machen. Sie und das Pünktchen.
„Ich liebe dich“, flüsterte er leise, als ihre Lippen sich wieder trennten und nur wenige Millimeter voreinander verharrten.
„Ich liebe dich auch“, antwortete sie lächelnd.
Er drückte ihr noch einen sanften Kuss auf die Stirn, dann stiegen die beiden aus dem Wagen und gingen Hand in Hand auf den Hauseingang zu.
In der Wohnung angekommen, bugsierte Felix Sandra vorsichtig auf die Couch und wanderte in die Küche, um ihr ein Glas Wasser zu holen.
Er setzte sich neben sie und sie trank einen Schluck.
„Wie geht es dir?“, fragte er und streichelte zärtlich über ihren Bauch.
„Gut“, lächelte sie. „Alles okay“
Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und wieder küssten die beiden sich. Als Sandra ihn am Hemdkragen näher zu sich zog, löste er sich von ihr. „Der Arzt hat gesagt du sollst dich schonen“
„Ja, aber ein wenig Entspannung kann doch bestimmt nicht schaden“, meinte sie mit einem vielsagenden Lächeln und erhob sich.
Er stand auf und folgte ihr in Richtung ihres Schlafzimmers. „Okay. Aber sag mal…“
Sie blieb stehen und sah ihn an. Er erwiderte den Blick vorsichtig. „Kann ich da auch nichts kaputt machen?“
Sandra blinzelte ein paarmal, dann lachte sie laut auf, schüttelte den Kopf und zog ihn mit sich. „Du meinst außer meinem Bett?“
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