Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Zwei

von Sassie
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
Felix Edel Sandra Starck
14.01.2021
24.01.2021
6
22.258
 
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.01.2021 3.625
 
„Nein, Felix“, antwortete sie so kalt wie möglich. „Und um ehrlich zu sein, würde ich jetzt gerne nach Hause“
„Wieso das denn?“ Er sah sie verdutzt an aus seinen blauen Augen und sie spürte wie ihr Herz sich schmerzhaft zusammenzog.
„Du kannst einfach nicht professionell bleiben“, antwortete sie und wandte ihren Blick kopfschüttelnd ab.
„Bitte?“, fragte er fassungslos und beobachtete, wie sie sich erhob.
„Wir wollten hier arbeiten und du kommst mit Wein und Essen. Das hier ist kein privates Treffen und du kapierst es scheinbar immer noch nicht.“ Jedes einzelne dieser harten Worte stach ihr selbst in die Brust, aber sie wusste, dass sie es ihm klarmachen musste. Er sollte keine Hoffnung schöpfen. Und sie selbst schon gar nicht.
„Hey, jetzt warte mal“ Auch er erhob sich und sie blieb stehen und sah ihn an. „Wir hätten auch Wasser trinken können, aber wir sind keine Dreizehn mehr. Und ich wollte doch nur wissen, ob du Hunger hast. Da war kein Hintergedanke dabei.“
Sie schnaufte und schüttelte erneut den Kopf. „Hätten wir in der Kanzlei gearbeitet, hättest du mich auch nicht gefragt. Es war eine miese Idee hierher zu kommen.“
„Aber bei dir essen wir doch auch immer. Ich versteh das Problem gerade nicht.“, antwortete er und sie hörte, wie seine Stimme etwas dunkler wurde und wusste genau, was das bedeutete. Sie hatte ihn auf dem richtigen Fuß erwischt.
Innerlich entschuldigte sie sich eine Million mal bei ihm. „Ihr Männer kapiert eine Trennung einfach nicht!“
„Ich habe sie sehr wohl kapiert, Sandra. Und du kannst mir ja wohl schlecht vorwerfen, dass ich es nicht mit Würde getragen hätte!“, fauchte er.
Sie wusste, dass sie ihn soweit hatte. „Du warst respektlos“
„Wann war ich denn bitte respektlos? Du hast mich gebeten dich aufzugeben und ich hab das akzeptiert und dich in Ruhe gelassen! Wolltest du doch! Du wolltest doch nicht, dass ich kämpfe!“, wurde er nun lauter.
Sie schluckte. Sie hatte es geschafft. Er war in Rage.
„Und ich weiß bis heute noch nicht warum du dich überhaupt getrennt hast, verdammt nochmal!“
„Das hab ich dir mehr als einmal erklärt, Felix“
„Und ich hab dir gesagt wir hätten noch Zeit gehabt“
„Wie lange denn noch? Wie lange noch?“, fuhr sie ihn nun an. „Wir haben vier Jahre lang herumgetrödelt. Und dann schaffst du es in einem Jahr Beziehung noch nicht mir einen Antrag zu machen und das Kinderthema wolltest du auch immer wieder aufschieben!“
„Aber ich hab dir doch gesagt...“, setzte er an.
„Es interessiert nicht, Felix! Schon gar nicht mehr jetzt!“, schrie sie ihn nun an.
Bedrückende Stille legte sich über den Raum, während die beiden sich anfunkelten. Er konnte es nicht fassen, sie ließ ihn wieder nicht ausreden. Wieder versuchte sie nicht einmal ihn zu verstehen, ihm zuzuhören. Sein Blick bohrte sich in ihre Augen, zum ersten Mal seit einem Jahr sah er sie intensiver an, als er es die letzten Monate gewagt hatte. Und als er sah, was das mit ihr machte, hasste er sich beinah dafür, dass er es nie versucht hatte. Ihr Blick kippte und mit einem Mal konnte er für den Bruchteil einer Sekunde ihre wahren Gefühle sehen. Unendliche Trauer. Verletztheit. Sehnsucht. Reue. Er öffnete leicht den Mund, als sich in seinen Augen nichts als Erkenntnis und Erstaunen widerspiegelte.
Sandra spürte, wie heiße Tränen in ihr aufstiegen, aber sie wollte sie nicht zurückhalten, nicht mehr. „Du hast einfach alles kaputtgemacht!“
„ICH?“, hörte er sich selbst schreien und er spürte, wie er die Kontrolle über seine Gefühle verlor, da sie ihn schon wieder so dermaßen abprallen ließ. „Ich war nicht derjenige, die unsere Beziehung einfach ins Klo geworfen hat!“
„Ja, du hättest ewig einfach immer so weitergemacht ohne irgendwelchen Fortschritt, weil du einfach so wahnsinnig in deiner verschissenen Bequemlichkeit aufgehst, aber DAS BIN ICH NICHT, FELIX!“ Ihre Stimme überschlug sich fast.
Er atmete aus, sah sie an, und schüttelte den Kopf. „Du warst es, Sandra. Du warst diejenige, die zwei Tage nach unserer Trennung schon wieder fröhlich unterwegs war.“
Sie spürte wie die Tränen überquollen und ihr Gesicht hinab liefen. Ärgerlich wischte sie sie weg. Er hatte Recht. Zumindest teilweise. Sie war ausgegangen und hatte in ihrer unendlichen Frustration mit dem Tequila übertrieben. Er war Mitte dreißig, gutaussehend, und äußert angetan von ihr gewesen. Sie konnte sich nur noch schemenhaft daran erinnern, wie sie ihn mit sich aus dem Club gezogen hatte. Er war noch nüchtern genug gewesen, um zu fahren und hatte sie beide in irgendeinen Wald kutschiert. Die beiden waren auf die Rückbank gekrochen und hatten Sex gehabt und Sandra hatte noch nie in ihrem Leben etwas Schlechteres erlebt. Unglücklicherweise hatte Felix davon Wind bekommt und fast zwei Wochen kaum mit ihr gesprochen. Sie hasste sich selbst dafür, aber das hatte sie ihm nicht gesagt.
Sie blickte auf, als sie sein schnelles Atmen hörte.
„Du warst es doch, die zwei verfluchte Tage nach unserer Trennung einen anderen gefickt hat, während ich zu Hause lag und nicht wusste wie ich durch die nächsten vierundzwanzig Stunden kommen soll ohne zu zerbrechen. Und hätte ich gewusst was für eine Schlampe du bist, dann hättest du vielleicht Glück gehabt und ich hätte zuerst Schluss gemacht.“, zischte er sie an.
Die Worte trafen sie so tief, dass sie ihn am liebsten geohrfeigt hätte, aber der Couchtisch stand zwischen ihnen. Sie griff kurzerhand nach seinem Glas und kippte ihm den restlichen Wein über das weiße Hemd.
Er stand für einen Augenblick da und blickte an sich hinab.
„Vielleicht hab ich einfach einen anderen gefickt, weil du es nicht mehr gebracht hast“, rief sie mit brüchiger Stimme.
Er blickte auf und sie sah etwas in seinen Augen, das sie nicht kannte. Als er den Couchtisch zwischen ihnen wütend wegtrat, stolperte sie überrascht einen Schritt zurück, doch er kam auf sie zu und sie sah ihn nur an, als er wenige Millimeter vor ihr stehenblieb. Drei Atemzüge lang starrten sie sich in die Augen, dann ging alles viel zu schnell und Sandra spürte wie der Wein sich langsam auch durch ihre Bluse fraß, als sich Felix‘ Oberkörper an ihren presste. Sie hatte beinah vergessen wie verführerisch seine Küsse schmeckten, wie  geschickt seine Zunge war.
In Windeseile hatte sie sein durchtränktes Hemd aufgeknöpft und über seine Schultern hinab gestreift. Das Geräusch seines klimpernden Gürtels, als er sich selbst um den nächsten Schritt kümmerte, jagte ihr einen Schauer über den Rücken.
„Ich hasse dich“, seufzte sie gegen seine Lippen und als Antwort landete seine freie Hand in ihrem Nacken und der Kuss wurde tiefer und intimer. Sie hatte gar nicht mehr gewusst wie es sich anfühlte, wenn er das mit ihr machte, aber er hatte es immer noch blind drauf. Innerhalb von Sekunden fühlte sie sich wie willenlos, wollte ihn nur noch spüren, von ihm besessen werden. Seine erfahrenen Hände strichen über ihren Rücken, zogen den Reißverschluss des Rockes hinab und zupften unsanft an dem Stoff. Er hob sie hoch ohne den Kuss zu unterbrechen, stieg aus seiner Hose und trug sie die paar Stufen ins Schlafzimmer hoch, bevor er sie wieder hinabgleiten ließ. Sie war überrascht aber gleichzeitig angetan, als er ihre Bluse aufriss und dabei einige Knöpfe zu Boden kullerten. Betört von seinen Küssen, bekam sie kaum mit, wie er ihren Oberkörper freilegte. Erst als er sie so weit gegen das Bett gedrängt hatte, dass sie beinah das Gleichgewicht verlor, wurde ihr bewusst was sie gerade tat. Sie setzte sich gezwungenermaßen und für einen Moment hätte sich ihr Bewusstsein fast durchgeschlagen, aber dann rutschten Felix‘ Boxershorts zu Boden und all ihre Gedanken waren wie ausgelöscht. Sie spürte wie seine fordernden Finger sich in ihr Haar krallten und im nächsten Moment umfassten ihre Lippen ihn nur allzu willig, ihre Zunge erinnerte sich an seinen Geschmack und sie stöhnte auf.
Er ließ ihr die Kontrolle nur für wenige Augenblicke, bevor er sich entzog und sie ihn überrascht ansah.
„Leg dich hin“
Seine Stimme war unfassbar forsch und fordernd, duldete keinen Widerspruch, und Sandra ließ sich langsam zurücksinken. Aber Felix hatte keine Lust auf Spielchen, er kniete sich vor das Bett und zog ihren Slip in einem Ruck hinab. Sie schluckte, als sie spürte, wie er sie in den Kniekehlen packte und ihre Beine hochdrückte. Sein Blick wanderte zu ihr hoch und er sah die freudige Überraschung in ihren Augen.
„Du hast schlicht und einfach vergessen wie sehr ichs bringen kann“, flüsterte er rau. Er wusste ganz genau was sie mochte, was sie verrückt werden ließ, und er war bereit in die Vollen zu gehen. Seine Zunge suchte den direkten Kontakt zu ihrer pulsierenden Mitte und Sandra war über die Schnelle seines Handelns überrascht. Sie stöhnte auf und hob ihren Kopf, um zu sehen, was er tat. Er begann an ihr zu saugen und der Blick aus seinen blauen Augen, der sich hob und sie unvermittelt traf, ließ sie sich auf die Unterlippe beißen. Ihr wurde wieder bewusst wie sehr sie versucht hatte zu vergessen, was er alles mit ihr anstellen konnte. Sie fühlte sich ihm völlig ausgeliefert, aber sie hatte nicht im Geringsten ein Problem damit. Jede einzelne seiner Berührungen war gezielt gesetzt, als hätte er ihren Körper im Kopf wie eine Landkarte abgespeichert und überall an ihren empfindlichsten Stellen kleine Stecknadeln gesetzt. Es war über ein Jahr her, dass sie miteinander geschlafen hatten, aber er wusste noch ganz genau was er zu tun hatte, um sie an den Rand ihres klaren Menschenverstandes bringen zu können.
Ein leichtes Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen, als sie befreit aufstöhnte, sich durchbog, und ihre Finger sich in seinen grauen Haarschopf krallten. Seine Hände streichelten ihre Hüften, ihren Bauch, und jeden Zentimeter ihrer Oberschenkel, den sie erwischen konnten, während seine Zunge jene kreisende Bewegungen vollführte, die eine so betörende Wirkung auf sie zeigten. Er schmeckte sie, nahm jeden einzelnen Tropfen dankbar auf, drang mit seiner Zunge kurz in sie ein, nur um sich gleich darauf leckend und lutschend wieder um den verheißungsvollen Punkt zu kümmern, der ihm schon so verlockend entgegen pochte. Er hörte wie ihr Stöhnen langgezogener wurde, spürte unter seinen Händen, wie ihr Bauch sich anspannte und er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie den Höhepunkt ihrer Lust erreichen würde. Und natürlich wusste er auch mehr als genau, wie er sie möglichst rasch dazu brachte. Es war lediglich seine Zungenspitze, die die schnellen Bewegungen direkt an ihrer empfindsamsten Stelle ausführte und es dauerte keine zwanzig Sekunden mehr, bis ihre Finger sich verkrampften und sie bebte, zittrig seinen Namen stöhnte, und ihn enger an sich drückte. Nur allzu gern kam er ihr entgegen, nahm ihren Geschmack noch einmal in seiner ganzen Intensität in sich auf, und lächelte dann zufrieden, als Sandra sich abrupt aufsetzte und ihn gierig an sich zog um ihn zu küssen. Er spürte ihr Verlangen und die Worte, die sie vorhin erst gesprochen hatte, klangen wieder in seinem Kopf. Er schnaufte und riss sich von ihr los, erhob sich, kniete sich zwischen ihre Beine aufs Bett. Sie sah ihn an und rutschte zurück, er folgte ihr auf den Zentimeter.
„Knie dich hin“
Sie hatte sich kaum aufgerichtet, als er sie auch schon an den Hüften packte und sie mit festem Griff umdrehte. Überrascht über diese ruppige Art blickte sie über ihre Schulter zurück, spürte im nächsten Augenblick aber seine Hand in ihrem Rücken, und wurde ein Stück weit nach vorne gedrückt. Nach Halt suchend stützten ihre Arme sich gegen die Lehne des Bettes und sie rutschte beinah ab, als er im nächsten Moment hart in sie eindrang und sie sein unterdrücktes Aufstöhnen hörte, tief und heiser. Sie gönnte ihm den Triumph kaum aber er fühlte sich einfach zu verteufelt gut an und was er mit seinen Hüften machte raubte ihr jegliche Form von Selbstbeherrschung.
Sie kniff die Lippen zusammen, aber ihr Stöhnen war deutlich zu hören, als seine Finger den empfindlichen Punkt in ihrem Nacken zielsicher trafen und massierten. Sie drängte sich ihm entgegen, wollte ihn tiefer in sich spüren.
„Wusste der andere Kerl das auch, hm?“, hörte sie ihn atemlos fragen.
Sandra schaffte es nicht zu sprechen, aber ihr Stöhnen war ihm Antwort genug.
„Dachte ich mir“, schnaufte Felix triumphierend.
Für eine Weile genoss er selbst seine Stöße, dann beschloss er sie noch einmal über den Abgrund der Lust zu schubsen, bevor er sich hinzugesellen würde. Seine freie Hand wanderte von ihrer Hüfte auf ihren Bauch und dann zwischen ihre Beine.
„Felix...“, stöhnte sie zitternd, als sie die massierenden Bewegungen seiner Finger spürte. Sie spreizte ihre Beine automatisch weiter.
Er hatte keinerlei Gnade mit ihr. Nichts lag ihm ferner als jetzt noch irgendwelche reizvollen Spielchen mit ihr zu spielen, die ihren Orgasmus hinauszögern würden. Er wollte, dass sie kam und das so intensiv und schnell wie möglich. Er spürte seine Wirkung deutlich, merkte, wie sie sich fest und eng um ihn zusammenzog und die Abstände immer kürzer wurden. Sie stöhnte laut auf, bevor sie erneut explodierte und er seinen Rhythmus etwas verlangsamte, um sie zu spüren. Er kostete die Kontraktionen bis zur letzten genüsslich aus und zog sich dann aus ihr zurück.
Während er sich hinsetzte, sah er zu ihr hoch und beobachtete, wie sie sich nur langsam wieder zu erholen schien. Als sie sich umdrehte um zu sehen, wo er war, streckte er seine Arme aus. „Komm her“
Sie kniete sich über ihn und ließ sich dann langsam auf seinem Schoß nieder. Er biss sich genüsslich auf die Unterlippe und als er seine Augen wieder öffnete, war ihr Gesicht ganz nah an seinem. Sie sahen sich an und als sie ihn leise anlächelte, fühlte es sich an als würde sie damit den Eisblock um sein Herz einfach schmelzen. Sie fing an sich langsam auf ihm zu bewegen und er genoss ihre Vorsicht, genoss die Bedächtigkeit, das intensive Gefühl, das er erst jetzt so richtig genießen konnte, da er seine Wut losgeworden war. Seine Hände strichen ihr Haar zurück, er hielt ihren Kopf für einen Moment fest, um sich den Anblick wieder einprägen zu können. Er hatte das alles so unfassbar vermisst.
„Du hast mir so gefehlt“, flüsterte er und seine Lippen wanderten über ihre Halsbeuge, während seine Arme sich um sie schlossen und er ihr mit dem Becken etwas entgegenkam. Sandra schluckte und schloss die Augen, ließ sich von ihm küssen und festhalten, und musste sich eingestehen, dass auch sie sich im Augenblick nichts Besseres vorstellen konnte, als hier mit ihm zu sein.
Auch das langsamere aber dafür weitaus tiefere Tempo verfehlte seine Wirkung nicht im Geringsten. Sandra spürte, wie sie immer noch auf der Höhe ihrer Lust schwebte, und dass sie Felix‘ Zucken deutlich in sich fühlen konnte, half ihr nicht gerade dabei sich etwas zu beruhigen.
Sein heißer Atem näherte sich ihrem Ohr und dann hörte sie seine tiefe Stimme. „Ich will, dass du mich zum Kommen bringst“
Auch sie konnte sich nur zu gut daran erinnern was ihn anmachte und während sie ihn leidenschaftlich küsste, zog sie sich mit voller Absicht um ihn herum zusammen und spürte, wie seine Finger sich ein wenig verkrampften. Sie ließ ihre Hüften kreisen, wohl wissend, dass ihn das verrückt machte. Sie hörte sein tiefes Stöhnen, als er seinen Kopf auf ihre Schulter lehnte und spürte, wie sie selbst auf ihren dritten Höhepunkt zusteuerte.
„Felix“, stöhnte sie leise. „Ich liebe dich“
Er umschlang sie fester, kam ihr noch weiter entgegen und als sie sich noch einmal um ihn zusammenzog, war es um ihn geschehen und er explodierte in einem Feuerwerk aus Endorphinen, während er gegen ihre Halsbeuge stöhnte und seine Nase den Geruch ihrer Haare tief in sich aufnahm.
Durch sein wildes Zucken angetrieben, ließ auch Sandra noch ein letztes Mal los und kam nur wenige Sekunden nach ihm.
Sie waren atemlos und hielten sich mit geschlossenen Augen fest, konzentriert auf ihre wild pochenden Herzen. Felix war der Erste, der sich wieder etwas fing und Sandras Gesicht mit kleinen Küssen bedeckte. Sie lächelte müde und er ließ sie vorsichtig zurück auf sein Kissen sinken, bevor er sich neben sie legte.
Sie drehte ihm den Rücken zu und rutschte so nah wie nur möglich an ihn heran und als er einen Arm um sie schlang, seufzte sie glücklich und es dauerte nicht lang, bis sie eingeschlafen war. Felix genoss die Ruhe, genoss ihre Wärme, ihren Geruch. Und konnte sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal in seinem Leben so überaus glücklich gewesen war.

Sandra schreckte aus dem Schlaf hoch und war irritiert. Sie hatte keine Ahnung wie spät es war, welcher Wochentag war, und… wo war sie hier überhaupt? Ihr Bewusstsein schaltete sich relativ schnell ein. Die Uhrzeit konnte sie am digitalen Wecker ablesen, es war Samstag, und sie war in Felix‘ Wohnung – und noch viel schlimmer, in Felix‘ Bett. Sie sah sich um, er lag halb zugedeckt neben ihr und schien noch tief und fest zu schlafen.
Sandra rieb sich den restlichen Schlaf aus den Augen und setzte sich dann langsam auf. Vorsichtig erhob sie sich und ging um das Bett herum. Sie schnappte sich ihre Unterwäsche und schlüpfte schnell hinein. Seufzend betrachtete sie ihre Bluse. Es fehlten mehr Knöpfe, als sie gedacht hatte. Etwas verloren sah sie sich noch einmal zum Bett um und stieg dann lautlos die paar Stufen ins Wohnzimmer hinab. Auf dem Couchtisch erblickte sie die Akten, auf einigen davon prangten eingetrocknete Rotweinflecken. Sie raffte ihre Unterlagen zusammen und stopfte sie in ihre Aktentasche. Mit jeder Minute, die verstrich, hatte sie immer mehr das Gefühl hier raus zu müssen, um wieder atmen zu können. Ihr Kopf versuchte die Geschehnisse zu verarbeiten und mögliche Konsequenzen auszurechnen, aber sie wusste im Moment selbst nicht wohin mit sich. Was bedeutete das alles? Bedeutete es überhaupt was? Hatte er nur mit ihr geschlafen, um ihr zu beweisen wie gut er sie kannte, um sie daran zu erinnern, was sie alles aufgegeben hatte?
Sie schüttelte leise den Kopf. Es hatte keinen Sinn. Was hatte sie von fabelhaftem Sex, wenn dieser Mann offensichtlich nicht für eine Zukunft mit ihr bereit war?
Sandra schreckte hoch, als Felix sich hinter ihr räusperte. Er stand in seinem Morgenmantel da und lächelte. „Wieso schleichst du dich denn einfach aus dem Bett?“
Er ging auf sie zu und fuhr sich durch sein Haar. Sandra schluckte schwer.
„Möchtest du Kaffee oder… sollen wir noch mal hoch ins Schlafzimmer?“ Er legte seine Hand in ihren Nacken, aber sie schlug sie weg und Felix spürte eine tiefe Schwere in seinem Herzen, bevor er überhaupt richtig realisierte, was hier passierte.
„Weder, noch! Was hier gestern passiert ist war ein Fehler und das wissen wir beide. Das war ein Ausrutscher und wir sollten es vergessen!“, stammelte Sandra schnell und eilte an ihm vorbei.
„Aber...“ Er drehte sich zu ihr um. „Du hast mir doch gesagt, dass du mich liebst… ich versteh das n...“
„Du wirst mich doch jetzt nicht auf eine Aussage festnageln, die ich kurz vorm Orgasmus getätigt habe, oder?“, fauchte sie ihn an.
Felix schluckte und schüttelte den Kopf. „Hast du das dem anderen Kerl auch entgegen gestöhnt oder wie darf ich das verstehen?“
Sie lachte leise auf. „Du bist echt ein Arschloch“
„Ich?“ Er folgte ihr ins Vorzimmer. „Du hast genauso mitgemacht gestern und ich hatte nicht den Eindruck, dass es nur ein Abschiedsfick war!“
„Ich weiß nicht was das war, okay? Auf jeden Fall war es falsch!“ Sie schlüpfte in ihre Stiefel.
Als sie sich wieder aufrichtete, stand Felix vor der Wohnungstür und sah sie an. Sandra schluckte und griff nach ihrer Aktentasche. Sie musste hier auf der Stelle weg, das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen wurde immer stärker.
„Lass mich bitte raus“, seufzte sie.
„Einen Teufel werde ich“, antwortete er. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich dich jetzt einfach wieder gehen lasse, ohne, dass du mir sagst was dein verdammtes Problem ist?“
„Was dachtest du denn?“ Sandra schüttelte den Kopf. „Dass wir nur einmal miteinander schlafen müssen und dann ist alles wieder gut? Das ändert nichts an der Tatsache, dass du offenbar nicht bereit bist für was Ernstes!“
„Ich bin aber nicht derjenige, der hier jetzt gerade wegrennen will, oder?“
„Wir haben es zu Tode diskutiert, Felix! Hör auf!“
„Du tust mir weh, verdammt nochmal“ Er schlug mit der Faust gegen die Tür hinter sich und sie trat unvermittelt einen Schritt zurück, obwohl sie wusste, dass er ihr niemals etwas angetan hätte. Doch mit dieser Reaktion hatte sie schlichtweg nicht gerechnet. Sie sah ihn mit großen Augen an.
Felix schnaufte und schluckte. „Weißt du eigentlich, was du mir damals angetan hast? Du hast mir das Herz rausgerissen. Und die Sandra, die ich gekannt habe, die hätte damit nicht leben können mich so sehr zu verletzen. Aber wer steht jetzt hier vor mir? Eine Frau, die schon wieder vor hat einfach zu gehen? Macht es dir eigentlich Spaß mit mir zu spielen?“
„Ich spiele nicht...“, setzte sie an.
„Ach nein? Wenn du nur jemanden willst, der es dir gelegentlich besorgt, dann such dir dafür einen anderen. Ich glaube schön langsam du willst deine eigene Beziehungsunfähigkeit auf mich abwälzen, weil du nicht damit klar kommst, dass ich dich aufrichtig geliebt habe.“ Er sah sie nur an und als sie betreten schwieg nickte er.
„Ich muss hier weg“, murmelte sie und drängte ihn beiseite.
„Sandra“
Sie hielt inne und blieb an der Schwelle stehen, drehte sich aber nicht um.
„Wenn du jetzt gehst...“
Er musste nicht weiter sprechen. Sie wusste, dass sie verspielt hatte. Aber sie konnte in diesem Moment einfach nicht bleiben, sie konnte nicht so tun, als wäre alles gut, denn das war es nicht. Nicht hier und nicht in ihrer eigenen Gefühlswelt. Daran, dass sie ihn um Bedenkzeit bitten sollte, dachte sie in diesem Moment nicht. Sie schloss für einen Moment die Augen, als stille Tränen über ihr Gesicht liefen und zog dann die Tür hinter sich zu.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast