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Project: Alicization -Der Bernsteinfarbene Ritter-

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Cardinal OC (Own Character)
14.01.2021
14.01.2021
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14.01.2021 3.237
 
Kapitel I

05. August, 370, Menschlicher Zeitrechnung (Human Empire)

1

       »Haaaah!« Ein stumpfes Geräusch erklang, als die Klinge aus Holz den Baumstumpf traf und gleich darauf zurück prallte. »Hah... hah... Wie soll ich denn nur so stark werden?«, keuchte eine zierliche Mädchenstimme. Das kleine Mädchen stand erschöpft vor dem Baumstumpf und schweißtropfen entrannen ihr schmales Gesicht und tropften zu Boden. Sie hielt ein hölzernes Schwert mit beiden Händ fest umschlungen. Ihr Schultern waren angespannt.  Einige Strähnen ihrer helllilanen Haare, die unüblich waren, fielen ihr Ins Gesicht. Die Kleidung, die sie trug, bestand aus einem Gewand in einem hellen blauton, der schon fast weiß wirkte. An den Enden des langarmigen Shites waren kleine Rüsschen. Dazu trug sie eine graue Hose und kleine braune Stiefel. Die straffe Haltung änderte sich zu einer gekrümmten. Ihr Blick ging zu Boden und sie verzog ihr Gesicht. »Warum musste ausgerechnet Ich diese Berufung bekommen?«, dachte sich das Mädchen und presste ihre Lippen zu einer geraden Linie, »Ich wollte doch Nonne werden.« Weitere Tropfen ereichten den Boden und waren fast zu verwechseln mit dem Schweiß. Es waren bittere Tränen, die das elfjährige Mädchen vergoss.
       »Ileah!«, erklang eine tiefe Männerstimme. Das Mädchen - dessen Name Ileah lautete - zuckte heftig zusammen und wischte sich schnell die Tränen aus den Augenwinkeln. Dann stand sie wieder aufrecht und drehte sich herum. Ihr Gesicht zierte plötzlich ein verschmitztes lächeln und sie sah in die caramellbraunen Augen des Mannes, der auf sie herabschaute und musterte. »Hallo Schwertmeister Jurikan!«, rief sie ihm entgegen. Der Mann, der das Mädchen mit einem mürrischen Blick anschaute, war um die 1,85 Mel groß und war breit gebaut. Er trug eine, für den Osten, allbekannte Kleidung, die der Wachgarde zugeteilt wurde. Das kantige und breite Gesicht des Mannes wurde von einen kurzen Vollbart  geschmückt, im gleichen dunklen schwarz, wie sein kurzes, gewelltes Haar. »Hmpf...« Der Mann sah weiter hinab. Plötzlich änderte sich seine Miene und erhellte etwas. Heiter sagte er: »Du bist fleißig am üben, was?« Die lilahaarige nickte fröhlich und streckte das, für sie ziemlich schwere, Holzschwert in die Höhe. »Ich gebe mein Bestes!« Der Mann lachte und lächelte das Mädchen stolz an. »Hahaha, ja. Du gibst wahrlich dein Bestes! Die Zusatzschläge, die du jeden Tag machst, habe ich nicht übersehen!« Ein leichter Rotschimmer bildete sich bei der elfjährigen und sie nickte bloß stumm. »Na dann«, fing Jurikan - der Schwertmeister - an und legte seine Hand auf den Schopf des Mädchens und wuschelte durch die Haare.
       »Es ist nun schon zwei Jahre her, als du zusammen mit Airi gefunden wurdest! Da wart ihr noch sehr mürrisch und ihr habt euch immer gedrückt.« Der Mann nahm seine Hand wieder herunter und seufzte. »Zumindest ist eine von euch mit fleiß dabei. Airi lernt nur, soviel sie muss und macht sich dann gleich aus dem Staub.«
       »Das habe ich aber gehört!«, rief eine weitere Stimme, die einem Mädchen gehörte, dessen Haare rabenschwarz waren und offen im Wind wehten. Ihre smaragdgrünen schmalen Augen blitzten unter ihr Pony hervor. Ein siegessicheres Grinsen legte sich auf ihre Züge und sie streckte den Zeigefinger der rechten Hand dem Mann entgegen und rief: »Ich bin mindestens genauso fleißig, wie Ileah! Schließlich möchte ich meine Ausbildung so schnell wie möglich beenden und ebenfalls zur Schwertkämpferin werden!« Das kehlige Lachen von Jurikan erregte die aufmerksamkeit einiger Menschen, die in der Nähe unterwegs waren. »Dann übe weiter die Sakralen Künste!« »Jawohl, Schwertmeister Jurikan!«, Airi salutierte und grinste dabei. Mit Neid betrachtete Ileah das Nonnengewand, welches ihre beste Freundin trug. »Hallo Airi«, begrüßte Ileah die schwarzhaarige.
       Die angesprochene rannte auf sie zu und umarmte sie, unbeachtet des Schwertes, das durch den Ruck zu Boden fiel. Genauso schnell, wie die Arme um Ileah geschlungen wurden, verschwanden sie direkt wieder. Nur etwa einen Mel entfernt stand Airi vor ihrer besten Freundin. Sie hatte ihre Augen geschlossen, als sie Ileah angrinste. »Dann lass ich euch Mal wieder allein. Strengt euch an«, verabschiedete sich Jurikan und hob seine Hand zum Abschied. Airu drehte sich energisch zu ihm und wank genauso hinterher. »Jahaa!«, rief sie voller elan. Sie senkten ihre Hand und wartete, bis der Schwertmeister verschwunden war. Dann widmete sich Airi wieder dem lilhaarigen Mädchen, dessen Augen bernsteinfarbend waren.
       Die schwarzhaarige wollte gerade etwas sagen, als sie innehielt und ihre Freundin verwundern musterte. Dann hob sie ihre Hand und zeigte zu ihrem Auge. »Hast du etwa geweint?«, fragte sie mit besorgnis in der Stimme. Ileah hob beschwichtigend ihre Hände und sagte: »Nein, nein! Mir geht es gut.« Zuerst schien Airi das nicht zu glauben, doch sie bohrte nicht weiter nach. »Na dann. Lass und gehen!«, rief sie stattdessen und ging südlich, um den Übungplatz zu verlassen. »Wohin denn?« Die kleinere legte ihren Kopf schief. »Na, wohin denn wohl? In den Wald! Ich habe da etwas interessantes gefunden!« Zuerst war der Schwertlehrling unschlüssig. »Was sie wohl gefunden hat? Einen Schatz? Etwas, was jemand verloren hat?«, dachte sie noch kurz nach. »Na komm schon, Ileah! Du wirst staunen!«, Airi strahlte über beide Ohren, als sie schwärmte, »Es ist wunderschön und garantiert von göttlicher Herkunft!«
       Damit wurde das Interesse der kleineren geweckt. Ihre Augen leuchteten vor Neugier regelrecht. Dann hob sie ihr Schwert auf und rannte los. »Ich komme gleich zum Südtor!«

       Nachdem das Schwert wieder an seinem Platz hing, sauste Ileah schon los, zum Südtor. Dort wartete Airi schon und wank ihr energisch zu. »Kann's losgehen?«  »Ja«, sagte Ileah und die zwei machten sich somit auf dem Weg in den Wald. »Zum Glück ist heute eigentlich Ruhetag«, dachte Airi und grisnte fröhlich vor sich hin. Die lilahaarige legte ihren Kopf in den Nacken, als sie den Bäumen immer näher kamen. In dem Licht von Solus sahen ihre Haare etwas bläulich aus. »Lass uns aber zurück, sobald Solus im Zenit steht, ja?«, fragte diejenige, die diesen durch vorgehaltener Hand betrachtete. »Mhm!«
       Sie gingen eine Weile den Waldweg, als Airi plötzlich diesen verließ und nach links in den Wald selbst hineinlief. »A-Airi? Wohin gehst du denn?« Die Unsicherheit stand der kleineren ins Gesicht geschrieben. »Na, zum Ziel! Keine Angst, wir verlaufen und nicht. Ich bin ja da!« Ileah atmete tief durch, als sie ihrer Freundin nachlief. »Ich erinnere mich wieder daran, als wir hier aufgewacht sind. Umgeben von Bäumen...«, murmelte Ileah. »Mhm! Ich erinnere mich auch noch, als wäre es gestern gewesen. Du hast geschrien, als dann plötzlich das Fuchshörnchen vom Baum herunter geklettert kam und direkt zu dir ging.«  »Ich hab mich jediglich erschreckt«, versuchte sich Ileah zu verteidigen. Airi kicherte und erzählte amüsiert weiter und gestikulierte nachahmend: »Du hast geschrien 'Wa~h mach das Ding weg!' als es auf dein Bein geklettert ist ahaha!« Beschämt sah Ileah zur Seite. »Und dann kam Axtschwinger Barou und hat uns gefunden«, erzählte Airi wieder fasziniert weiter.
       Kurze Zeit später kamen sie schließlich an. Airi rante die letzten Mel zu einer kleinen Grube. Sie stützte ihre Hand an ihr Knie und zeigte mit der anderen direkt herunter, Ileah sah unwohl ebenfalls dorthin. »Dort drinnen ist es!«  »D-dort?« Die kleinere sah sich die Grube an, dessen Ende man nicht sehen konnte. Die Grube hatte etwa einen Durchmesser von einem Meter und ging reichlich tief und quer in den Boden hinein, was auf einen Tunnel schließen ließ. »Bist du dir sicher?«  »Ja! Komm schon. Sei nicht so pingelig.« Das eilige Mädchen riss eine Blume aus dem Gras und hielt sie vor sich.
       Ileah sah sie erstaunt dabei zu, als sie konzentriert eine Formel sagte: »System Call. Generate Luminous Element. Adhere!« Plötzlich leuchtete die weiße Blüte auf. Erstaunt bewunderte Ileah es. »Das war eine Sakrale Kunst!«, prahlte Airi und grinste. Die schwarzhaarige machte sich gleich daran, herunter zu klettern. Doch sie rutschte ab und landete in einer schräge und sah lachend nach oben. Ihre Kleidung und ihre Hände waren voller Dreck. Ihr hing auch etwas Erde an Gesicht und Haare. »Alles in Ordnung?«, rief Ileah erschrocken hinein. Die schräge, an der das Mädchen, das im selben Alter war, war etwas zwei Mel tief in der Erde. »Ja. Komm jetzt!«
       Ileah schluckte. Dann machte sie sich ebenfalls daran. Sie kletterte ein paar Mal, als sie den Boden unter den Füßen verlor und herunter fiel. »Aaaaah!« Sie landete auf ihrer Freundin die sich sofort aufsetzte und sich um das Mädchen sorgte. »Ileah! Alles in Ordnung?« Die angsprochene hatte ihe Augen weit aufgerissen. »J-ja... Ich habe nur Panik bekommen.« Besorgt sah Airi die kleinere an. Dann half sie ihr auf. Was Ileah im nächsten Moment sah, war unfassbar. Ihr erstreckte sich ein Tunnel, der ringsum von Ziegelartiger, fester Wänden umgeben war und Treppen, im gleichen Material, weiter herunter fürhten. Das Licht, das vom Halm ausging, erhellte nur ein bisschen, was sie umgab. Ileah ergiff vor erfurcht der Dunkelheit schnell die Hand ihrer Freundin und drückte fest zu. Sie sah sie an - in ihre smaragdgrünen Augen, in denen sich die Bewunderung widerspiegelte. »Na los«, flüsterte sie, als fürchtete sie, es wäre zu gefährlich. Einmal nickte Ileah und sah wieder herunter. Dann setzten sie ihre Füße langsam auf die Treppenstufen, die sehr stabil waren.
       Sie gingen immer weiter, als Ileah murmelte: »Hier nach unten dringt kein Licht von Solus hinab.« Nach etlichen Treppen kamen sie in einem Hohlraum an. Dieser war riesengroß. Man konnte mit dem Licht das Ende dieses Raumes nicht sehen. Airi entfloh der Hand ihrer Freundin und ging weiter, was Ileah zittern ließ. Sie traute sich kaum weiter. »Bleib stehen...«, flehte sie und rannte zu Airi, krallte sich an ihren Rücken. Diese war stehen geblieben.
       »Hörst du das?« Der Kopf, der gesenkt war, erhob sich leicht und Ileah lauschte in der Dunkelheit. Es war ein leises Rauschen zu hören, wie kleine Tropfen. Erschrocken sah sie hinauf und vor sich. »Siehst du das?«, fragte die schwarzhaarige eher rhetorisch. Denn man konnte das nicht übersehen. Vor den elfjährigen Mädchen erstreckte sich eine kleine Anhöhe. Darauf war ein Skellet, eines unbekannten Wesens. Um ihn herum glitzerten Schätze. An der Wand dahinter waren Schlitze, sauber, wie von Menschenhand, durch denen Wasser foss und die Anhöhe Ringsherum mit Wasser umgab. Mit strahlenden Augen sahen sich die zwei das außergewöhnliche an.
       Plötzlich glitzerte etwas inmitten des Skelettes auf. Die lilahaarige zuckte kaum merklich zusammen und ging näher. Airi schenkte dieses Verhalten keine Beachtung. Erst, als die lilahaarige versuchte auf die Anhöhe von etwa einem Mel zu klettern, fragte sie verwundert: »Was hast du denn, Ileah?«  »Da oben ist etwas!« Airis Interesse wurde geweckt. Sie half ihrer Freundin herauf zu klettern und wurde gleich darauf von ihr nach oben gehievt. Erschöpft setzten sie sich kurz auf das weiche Gras, das auf der Anhöhe wuchs. Erstaunt ließ Ileah die Hände darin und wuchelte etwas. »Ungewöhnlich. Dabei fehlt in dieser dunklen Höhle doch das Segen von Solus, damit solch gesundes Gras wächst...«, staunte sie, als ihr wieder bewusst wurde, weshalb sie hinaus geklettert war.
       Sie erhob sie ruckartig und ging zu den Überresten. Erstaut sah sie den Gegenstand an, der fest im Boden zu stecken schien. »Das ist ja...«  »...ein Bernstein?« Tatsächlich. Dort war ein gigantischer.Bernstein. Es schimmerte. Um ihn herum war das Gras in Bernstein versiegelt, als breitete es sich aus. Vorsichtig streckte Ileah die Hand danach aus und fasste die Oberfläche behutsam an. »Wahnsinn. Es fühlt sich so anders an, als das Eisen unseres Dorfes.«  »Das ist bestimmt...«, fing Airi an und war verzaubert, »... ein Göttliches Objekt!« Die kleinere nickte. »Ja... das muss es sein.« Airi näherte sich und legte beide Hände an den Bernstein. Sie zog so kräftig sie konnte, doch es bewegte sich nicht ein Stück von der Stelle, als sie schon erschöpft abließ. »Unmöglich... Das kriegen wir nicht weg.« Die kleinere sah ihre Freundin verärgert an. »Airi! Das wäre Grabplünderung!« Seufzend setzte sich die größere ins Gras und starrte es weiter an.
       Der leuchtende Grashalm, den sie an ihrer Hüfte befestigt hatte, fiel fast heraus. Das bemerkte sie noch schnell genug und nahm es schnell wieder in die Hand. Der Schwertlehrling betrachtete das glitzernde Gestein noch weiter, bis sie schließlich umdrehte und wieder herunter kletterte. »Lass uns gehen. Solus wird bald im Zenit stehen.« Airi willigte ein und sie verließen gemeinsam den außergöwhnlichen Ort, doch bevor sie die erste Treppestufe erklommen hatten, drehte sich Ileah nochmal um. »Ich werde dich bestimmt wiedersehen«, dachte sie und folgte ihrer Freundin.

       Ileah und Airi verabschiedten sich vor der Kirche, in der Airi wohnte, im gegensatz zu Ileah, die zusammen mit vielen anderen in einem Wohnheim wohnte, der extra für Schwertkampf-Auszubildende war. Dieser lag nur wenige Mel entfernt. »Bis Morgen, Ileah.«  »Warte!« Die schwarzhaarige drehte sich verwundert um.
   Die kleinere brauchte etwas, bis sie sich traute. »Lass uns am Ruhetag nochmal dorthin gehen!« Airi lächelte sanft und nickte. »Sicher.« Sie standen noch kurz so da, bis sie sich ihrer Wege machten.

       Solus schien nicht einmal am Himmel, als Airi von tobenden Leuten geweckt wurde. Sie öffnete ihre Augen und sah ihre Mitbewohnerin unruhig am Fesnter stehen und nach draußen schauen. »Was ist denn da los?«, dachte sie verschlafen. Sie stand auf, was das andere Mädchen bemerkte. Sie sah sie mitleidig an, als sie nach draußen zeigte. »Ileah... sie-«, das Mädchen brach mittendrin ab und man sah eine Träne im Augenwinkel. Mit weit aufgerissenen Augen und Panik stand Airi schnell auf und schaute ebenfalls heraus. Es war kaum zu übersehen.
       Das brennende Wohnheim und die Körper, die von Laken bedeckt wurden. »Oh nein...«, kam es fassungslos von Airi. Sie suchte überall nach ihrer Freundin, doch von ihr war keine Spur. »A-also Ileah ist- Also sie wurde von Schwertmeister Jurikan weggebracht... Sie hat unfassbar geweint und hielt irgendwas in der Hand...« Airi verlor keine Zeit. Sie verließ das Zimmer und rannte, in ihrem Schlafkleid und Barfuß aus der Kirche und suchte am Ort des Geschehens nach ihr.
       Plötzlich wurde sie von jemanden festgehalten. »Hey Airi! Was machst du spät hier? Geh auf dein Zimmer!«, sagte die Schwester Elaiza und sah sie mit strengem Blick an. Airi riss sich aber los und fragte mit Tränen in den Augen: »Wo ist Ileah? Sagen Sie es mir, Bitte!« Die Schwester schwieg.
       Der Körper der kleinen Nonne bebte. »Sie hat das Wohnheim in Feuer gesetzt und hat somit eine Sünde begangen. Sie hat gegen den zweiten Paragraphen verstoßen. Paragraph Zwei: Man darf nicht absichtlich das Leben einer anderen Person reduzieren.« Fassungslos sah Airi zu der Schwester herauf. »Nein... So etwas würde Ileah niemals tun! Das muss ein Irrtum sein!» Empört sah die Schwester die Nonne an. »Sie hielt die Tatwaffe in ihrem Händen!« Entgegen ihres Willens wurde Airi, ohne widerrede, auf ihr Zimmer gebracht.

       Sie lag schweigsam im Bett und grübelte über das Feuer nach. »Es kann unmöglich Ileah gewesen sein.« Dabei dachte sie an ihre Zeit, als sie ihre Berufung noch nicht erhalten hatten. Es dämmerte schon und es brannte das große Lagerfeuer. Es fand ein Fest statt. Ileah traute sich nicht, auch nur in die Nähe des Feuers zu gelangen. Airi zerrte an ihr und wollte mit ihr bloß auch neben dem Feuer tanzen. »Warum denn nicht, Ileah?« Sie sah beschämt weg und flüsterte: »Ich habe Angst vor Feuer...« Airi reckte ihren Kopf zu ihr und hielt still. »Hm?« Ileah nervte es, dass sie es wiederholen musste. Aufgebracht sagte siees etwas lauter. »Ich habe Angst vor Feuer!« Airi sah sie erst verdutzt an und fing darauf an zu lachen. »Ahaha! Sag das doch gleich! Na gut. Dann warte hier.« Die schwarzhaarige ließ sich etwas anderes einfallen.
       Sie rannte auf ihr Zimmer und lieh sich eine Lampe. Mit dieser in den Händen rannte sie zurück und stellte den leuchtendenden Gegenstand auf den Boden, vor Ileah. »So! Jetzt tanzen wir vor dem Feuer. Die Lampe soll das Feuer darstellen!« Ileah war gerührt und nickte heftig. »Ja!«

       Als Solus im Zenit stand, konnte die schwarzhaarige sich noch immer nicht vorstellen, dass ihre beste Freundin das Feuer gelegt hatte. Als sie ihr Gewand anzog und die Kirche verließ, sah sie einen gigantischen Schatten über sich. Verwundert sah sie hinauf und traute ihren Augen nicht. »E-ein Flugdrache?», dachte sie. Schnell rannte sie ihm hinterher. Als sie am Ort ankam, sah sie einen Ritter. Er trug eine silberne Rüstung, die elegant verziert war. Neben ihm war sein bewundernswerter Flugdrache. Sie befanden sich inmitten des Dorfes.
       Der Dorfvorsteher trat hervor und legte seine Hand gegen seine Faust und verbeugte sich. »Ich bin der Dorfvorsteher, Kasa Zakari mein Name.« Der Ritter wendete sich diesen zu und sprach ebenfalls. Seine Stimme klang durch das Material seines Helmes tiefer. »Ich bin verwaltender Integrationsritter der Axiom-Kirche von Eastabarieth Empire. Ailpein Synthesis Ten mein Name. Ileah, das Mädchen ohne Familienname, wird beschuldigt, gegen einen Tabu-Paragraphen verstoßen zu haben. Das hat ihre Festnahme, Abführung und Verhöhr mit Exekution zufolge.«
      Der schon reichlich gefüllte Platz von Schaulustigen wurde totenstill. Jeder war entweder zu geschockt oder sogar erleichtert darüber, dass der Integrationsritter aufgetaucht war. »Ihr Verbrechen verstößt gegen Paragraph zwei des Tabu-Index. Sie hat die Lebensspanne eines anderen Menschen absichtlich gekürzt.«
       Airi konnte sich nicht rühren. »Gegen Paragraph zwei verstoßen? Festnahme und Exekution?«, dachte sie verzweifelt. Sie war viel zu geschockt darüber, was in diesem Moment vor sich ging. Geräusche von Ketten holten sie in die Realität zurück. Sie sah zu, wie Ileah an den Flugdrachen befestigt wurde. Das Leder war fest um das Mädchen geschlungen. Ihre Arme waren auf dem Rücken. Die Kette, die vom Leder hing, wurde an den Flugdrachen befestigt.

       »Ehrenwerter Ritter! Sie würde sowas niemals tun!«, schrie Airi und rannte nach vorne. Der Integrationsritter schenkte ihr keine Aufmerksamkeit. »Sie hat Angst vor Feuer! Niemals würde sie ein Gebäude in Brand setzen und andere verletzen!« Der Ritter hörte jedoch kaum auf das, was das Mädchen sagte. Er ignorierte sie jediglich und ging zu dem Dorfvorsteher und nahm ihm die Kette aus der Hand. Airi ballte ihre Hände zu Fäusten und nahm einen Stein vom Boden. Mit diesen in der Hand rannte sie los. Sie kam am Ritter an, doch dieser stoß sie achtlos mit seiner Schwertscheide. Sie stürtzte zu Boden, doch richtete sich wieder auf.
       »Führt das Kind vom Platz ab«, war das letzte, was der Ritter sagte und stieg daraufhin auf seinen Drachen. Airi schaffte es nicht mehr, da hielten sie etliche Leute fest, bis der Flugdrache weit in der Höhe war. Airi sah zu ihrer besten Freundin hinauf, die nichts zu alldem sagte. Sie lächelte gediglich. Sie lächelte für Airi.

       Ein Mädchen - etwa im Oberschulalter - lag auf einem unbekannten Gerät und trug die Kleidung, wie die von einem neumodischen Krankenhaus. Sie richtete sich auf und sah neben sich. Als sie das Mädchen sah, das noch immer in der Maschine lag, kamen ihr urplötzlich die Tränen. Verwundert wischte sie sich diese weg. »Warum... weine ich?«, dachte sie.
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