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come find me in the afterglow

von leeswaggy
KurzgeschichteRomance, Freundschaft / P12 Slash
Bilbo Beutlin Thorin Eichenschild
13.01.2021
13.01.2021
1
2.373
 
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Als Thorin ihn umarmt, fühlt Bilbo sich lebendiger, als er sich je gefühlt hat, seit er denken kann. Alles ist gut, Thorin lebt, alle leben, sie sind Azog entkommen und sind dem Berg näher als je zuvor. Außerdem sind sie einander näher als je zuvor – einerseits, weil sie sich bis jetzt noch nie umarmt haben (Bilbo fragt sich, warum, denn es fühlt sich wirklich gut an und er würde am liebsten nie wieder aufhören), aber andererseits, weil Thorin ihn nun endlich als ein Mitglied der Unternehmung akzeptiert. Er ist nicht länger eine Last für alle, sondern kann helfen, etwas Nützliches beitragen, weil er über sich hinausgewachsen ist, und Thorin sieht das.

Bilbo ist nicht sicher, ob Thorin ihm wirklich ein kaum hörbares „Danke“ ins Ohr flüstert oder ob er sich das nur einbildet, aber auf einmal breitet sich eine Wärme in seinem ganzen Körper aus und er fühlt sich zum ersten Mal wirklich willkommen.

Nach viel zu kurzer Zeit löst sich Thorin wieder von ihm, aber die Wärme bleibt, und Bilbo kann nicht aufhören zu lächeln, weil er sich endlich fühlt, als sei er angekommen.


Natürlich müssen sie weiter, und natürlich muss Bilbo jetzt über andere Dinge nachdenken als darüber, wie gut er sich fühlt – vor allem, als sie auf einmal von einem enorm großen Bären bis in dessen Haus gejagt werden. Als sie alle schwer atmend von der Verfolgungsjagd auf dem Boden sitzen, sieht Bilbo sich um und ist ein weiteres Mal froh, dass sie es alle bis hierhin geschafft haben. Es ist schwer zu übersehen, wer mit wem verwandt ist, da jeder Zwerg sich um seine Familie sorgt und kümmert, aber zum ersten Mal sieht Bilbo sich als ein Teil der großen Familie, zu der sie alle durch die Reise langsam werden. Natürlich liegt der Fokus auf den eigenen Brüdern, aber jeder sieht nach jedem, und auch Bilbo wird von allen Seiten auf die Schulter geklopft. Bofur zieht ihn sogar in eine kurze Umarmung: „Es ist gut, dass du dabei bist, Bilbo.“
„Das ist es“, seufzt Bilbo, und nach einer kurzen Pause fügt er ein leises „Danke, Bofur“ hinzu. Bofur ist einer der wenigen, die von Anfang an nicht an Bilbo gezweifelt haben – mehr noch, er hat dem Hobbit regelmäßig Mut gemacht und gezeigt, dass er ihn nicht nur akzeptiert, sondern ihn wirklich, wirklich gernhat. Angesichts der Tatsache, dass der Anführer der Gruppe dies bis vor Kurzem nicht getan hat, weiß Bilbo das umso mehr zu schätzen.

Aber schon wieder bleiben seine Gedanken bei Thorin hängen. Thorin, der nie an ihn geglaubt hat, sich über ihn lustig gemacht hat, ihn nie ernst genommen hat, trotz Bilbos Bemühungen. Thorin, der gesagt hat, Bilbo sei eine Last, der geglaubt hat, Bilbo würde sie einfach verlassen.
Thorin, dessen Leben Bilbo gerettet hat und der auf einmal so herzlich zu dem Hobbit ist, dass dieser gar nicht so recht weiß, wie er darauf reagieren soll.



Als er sich sicher ist, dass die Zwerge schlafen, steht er leise auf und schleicht sich nach draußen. Er braucht ein wenig frische Luft und vor allem Ruhe von dem Schnarchen, von dem das ganze Haus gerade erfüllt ist, und er ist sich sicher, dass der Bär keinen einzelnen Hobbit angreifen wird. Dazu ist er einfach nicht gefährlich genug, und außerdem ist er ja leise.
Er setzt sich auf den Boden, lehnt seinen Rücken gegen den Baum hinter sich und schließt die Augen. Für einen Moment hört er nichts außer dem leisen Rascheln der Blätter, und wenn er sich nur darauf konzentriert, fühlt er sich, als sei er wieder im Auenland – auf seiner Bank, mit einer Pfeife in der Hand und einem guten Abendessen im Magen… Und ohne all die Zwerge, die er so ins Herz geschlossen hat. Vor einigen Wochen wäre er noch froh darüber gewesen, die ungebetenen Gäste nie wiedersehen zu müssen, aber jetzt hat sich so viel geändert, Bilbo hat sich geändert. Er erkennt sich kaum wieder, und wenn er ganz ehrlich zu sich selbst ist, ist er froh darüber. Im Grunde war es die beste Entscheidung seines Lebens, mit den Zwergen zu gehen, und Bilbo ist Gandalf unglaublich dankbar für die Chance, die dieser ihm damit gegeben hat.
Natürlich, er vermisst das Auenland, er vermisst die Leute dort, aber er würde die Zwerge noch viel mehr vermissen, wenn er sie jetzt nicht um sich hätte. So seltsam sie auch sind und so wenig sie alle gemeinsam haben, Bilbo glaubt nicht, dass er in seinem Leben jemals so gute Freunde hatte.
Und vor allem hatte er noch nie jemanden wie Thorin. Jemanden, den Bilbo leise bewundert, obwohl er es vor dem Zwerg niemals zugeben würde, jemanden, der sein Leben riskiert, um anderen zu helfen, obwohl er nicht erwartet, dass die anderen dasselbe auch für ihn tun.

Natürlich war Bilbo schon verliebt, oft sogar, aber noch nie hat er sich so gefühlt wie jetzt. Wenn er Thorin ansieht, fühlt es sich an, als würde die Sonne in sein Gesicht scheinen, und jedes Mal, wenn er sich über etwas freut, erwischt er sich dabei, wie er sich sofort zu Thorin dreht, weil er ihn daran teilhaben lassen will. Und jetzt, wo Thorin seine Meinung über Bilbo geändert hat, fühlt er sich nicht mehr so unerreichbar an, aber Bilbo weiß nicht, wie er damit umgehen soll, weil er sich eigentlich damit abgefunden hat, den Zwerg aus der Ferne zu beobachten und sich dann schnell wegzudrehen, wenn Thorin auch zu ihm sieht.


„Was macht unser Meisterdieb so spät in der Nacht hier draußen?“, unterbricht Thorin seine Gedanken, und Bilbos Herz bleibt fast stehen, weil er so tief in Gedanken war, dass er die Schritte nicht gehört hat.
„Es ist gefährlich und es regnet“, sagt Thorin so sanft, dass Bilbo fast vergisst, zu antworten, aber in der letzten Sekunde rettet er sich: „Äh, ja, ich… Ich konnte nicht schlafen, und da dachte ich… Naja. Außerdem finde ich den Regen schön.“
Dass er bis gerade eben nicht einmal gemerkt hat, dass es überhaupt regnet, verschweigt er lieber, und jetzt, wo er darüber nachdenkt, findet er den Regen wirklich schön. Irgendwie ist alles schön, wenn Thorin bei ihm ist, aber darüber sollte er jetzt wirklich nicht nachdenken.
„Was machst du denn eigentlich hier?“, fragt er also, um das Schweigen und vor allem seine Gedanken zu unterbrechen, aber Thorin schüttelt nur lächelnd den Kopf: „Ich bin aufgewacht und habe gesehen, dass du weg warst. Ich dachte, vielleicht hat der Bär dich gefressen.“
Bilbo lacht ein wenig, aber nur, um zu überdecken, dass er viel zu viel darüber nachdenkt, dass Thorin sich jetzt auch noch Sorgen um ihn macht. Vor ein paar Tagen war er noch eine Last, und jetzt?

„Darf ich?“, fragt Thorin und deutet auf den Platz neben Bilbo, aber bevor dieser antworten kann, setzt sich der Zwerg schon neben ihn. Kurz öffnet Bilbo den Mund, schließt ihn aber sofort wieder, weil er sich nicht sicher ist, was genau er eigentlich sagen wollte.

Eine ganze Weile sitzen sie einfach nur schweigend nebeneinander, und Bilbo weiß nicht, wie es Thorin geht, aber er für seinen Teil genießt den Moment sehr. Der Regen prasselt auf das Dach des nah gelegenen Hauses und auf die Blätter der Bäume, die sie vor den Tropfen schützen, und dieses Mal muss Bilbo sich nicht das Auenland vorstellen, um sich wohl zu fühlen. Er ist genau da, wo er hingehört.
Kurz überlegt er, dann fasst er sich ein Herz und holt tief Luft: „Thorin--“
„Meister Beutlin--“, beginnt Thorin in genau demselben Moment, und beide sind kurz still, bis Thorin murmelt: „Rede ruhig zuerst.“
„Oh, nein, nein, das ist nicht so wichtig“, sagt Bilbo schnell, denn er will wirklich wissen, was Thorin ihn zu sagen hat. Dieser stößt ein tiefes Seufzen aus: „Nun gut. Ich… Um ehrlich zu sein, möchte ich mich bei dir entschuldigen, dafür, wie ich dich behandelt habe.“
Bilbo will etwas sagen, aber Thorin unterbricht ihn mit einer Handbewegung: „Das ist genauso unangenehm für mich, wie es für dich ist, glaub mir, aber ich möchte, dass du weißt, dass ich mich in dir getäuscht habe, und das tut mir leid. Ich habe über dich geurteilt, ohne dich zu kennen, und nun sehe ich, dass dieses Urteil falsch war. Ich habe mich über dich lustig gemacht und dich nicht ernst genommen, und du hättest trotzdem dein Leben für mich gegeben. Das ist mehr, als ich verdiene. Ich bin froh, dass du dabei bist… Bilbo.“

Aus mehreren Gründen ist Bilbo jetzt absolut sprachlos, und er weiß, dass er etwas erwidern sollte, aber er hat keine Ahnung, was man auf so etwas antwortet. Er will sich bedanken, aber irgendwie kommt nur ein viel zu leises „Ich auch“ aus seinem Mund, bevor er schnell ein Blatt vom Boden aufhebt und es genau betrachtet, um nicht ganz so überfordert auszusehen. Er hat vieles erwartet, aber niemals, dass Thorin so ehrlich und so freundlich zu ihm sein würde, und jetzt weiß er nicht, wie er damit umgehen soll – natürlich freut er sich, vielleicht auch ein wenig zu sehr, aber seine Stimme verweigert ihm den Dienst und sein Gehirn scheinbar auch.

„Bilbo“, sagt Thorin – Bilbo glaubt nicht, dass er sich jemals daran gewöhnen wird, dass Thorin jetzt offenbar seinen Vornamen benutzt – „Du wolltest auch etwas sagen.“
„Oh, ja, das. Hm. Nein, ich glaube, ich habe vergessen, was ich sagen wollte“, behauptet Bilbo, weil er sich nach Thorins Worten von vorhin lächerlich für das fühlt, was er sagen wollte. Er kann doch nach so einem Monolog nicht einfach nur sagen, dass er es schön findet, mit Thorin hier zu sitzen.
Thorin seufzt, aber er versucht nicht, Bilbo zum Antworten zu zwingen, wofür Bilbo ihm zwar dankbar ist, aber irgendwie ist er auch ein bisschen enttäuscht. Verärgert über sich selbst schüttelt er kaum merklich den Kopf, dann dreht er sich zu Thorin, um endlich das zu sagen, was er sagen wollte, aber Thorin scheint gleichzeitig auf dieselbe Idee gekommen zu sein, und jetzt sind ihre Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt.
„Oh“, macht Bilbo leise, und er kann nicht verhindern, dass sein Blick für den Bruchteil einer Sekunde zu Thorins Lippen abrutscht. Auch Thorin sieht ein wenig abgelenkt aus, und seine Hand liegt auf einmal auf Bilbos Knie, als er leise anfängt zu reden: „Ich glaube, du wolltest etwas sagen.“
„Denkst du, ich kann mich so darauf konzentrieren?“, flüstert Bilbo, während die beiden sich ganz langsam noch näher kommen, bis Bilbo fast Thorins Wimpern an seiner Wange spüren kann, wenn dieser blinzelt.
„Nein, ich… Ich glaube, ich sehe dein Problem“, murmelt Thorin, und ohne seinen Blick von Bilbos Augen zu lösen, streicht er dem Hobbit so vorsichtig eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht, dass dieser eine Gänsehaut bekommt. Auch er kann sich nicht von Thorins Augen lösen, und es scheint unmöglich, einander noch näher zu kommen, aber sie tun es trotzdem, bis…


„Ahh, hier seid ihr!“, schallt Bofurs Stimme viel zu laut durch den Garten, und sofort fahren Bilbo und Thorin auseinander. So schnell und unauffällig wie möglich versucht Bilbo, sowohl seine Kleidung zu richten (wann hat Thorin sich an seiner Jacke festgehalten?!), als auch die Röte aus seinem Gesicht verschwinden zu lassen, aber natürlich funktioniert nichts von beidem so, wie er es sich vorstellt. Er hofft, dass die Dunkelheit ein wenig für ihn arbeitet. Thorin räuspert sich währenddessen lauter als nötig und dreht sich finster zu Bofur: „Was machst du hier? Geh schlafen.“
„Was macht ihr hier? Ich dachte, ich könnte mich dazugesellen und ein bisschen trinken und singen, aber es sieht so aus, als würdet ihr zwei gerade allein sein wollen“, grinst Bofur und wackelt mit den Augenbrauen. Obwohl das offensichtlich nicht ernst gemeint war, muss Bilbo ein wenig husten, während Thorins Gesichtsausdruck noch düsterer wird und er Bofurs Versuch, einen Witz zu machen, im Keim erstickt: „Ehrlich gesagt, ja. Geh wieder ins Haus.“
Lachend winkt Bofur ab und dreht sich um und folgt Thorins Anweisung, aber nicht, ohne den beiden noch zuzuzwinkern und „Na dann mal viel Spaß“ zu rufen, bevor er im Haus verschwindet.

Ein wenig überfordert fährt Bilbo sich durch die Haare: „Ah, ja, das war… Hm.“ Er weiß selbst, dass er genauso gut nichts hätte sagen können, aber das Schweigen ist viel zu unangenehm, um es nicht zu durchbrechen. Er weiß nicht so wirklich, ob Thorin ihn gerade wirklich küssen wollte, und vor allem weiß er nicht, ob er das jetzt immer noch will, denn Bilbo selbst will das definitiv, aber er hat keine Ahnung, wie er das vermitteln soll. Außerdem wirkt Thorin gerade eher erzürnt als alles andere, und Bilbo weiß, dass man den Zwerg in einer solchen Situation nicht noch mehr verärgern sollte.
Aber es ist Thorin, der sich jetzt wieder zu Bilbo umdreht und dessen Gesichtszüge sofort weicher werden, als er den Hobbit ansieht.
Bilbo hat das Gefühl, Thorin könnte gerade jedes einzelne Gefühl aus seinen Augen ablesen, und schnell sieht er weg, nur um seinen Blick dann sofort wieder zu Thorin schweifen zu lassen: „Ja, äh, wo waren-…“

Aber da hat Thorin schon eine Hand in Bilbos Nacken gelegt und ihn zu sich gezogen, bis ihre Lippen sich etwas weniger sanft als beabsichtigt treffen. Bilbo fühlt sich, als wäre keine Luft mehr in seinen Lungen, und er hält sich an Thorin fest, als wäre dieser alles, was er hat, denn irgendwie ist er das.
Als sie sich schwer atmend voneinander lösen, bleibt Thorins Hand in Bilbos Nacken, und auch Bilbo löst seinen Griff nicht. Er lässt seine Augen geschlossen und fühlt für einen Moment nur Thorins Nähe – ihre Gesichter sind noch so nah beieinander, dass sie sich nur um eine Haaresbreite nach vorne lehnen müssten, um sich wieder zu küssen, und genau das ist es, was Bilbo jetzt tut.
Es gibt wenig Dinge in seinem Leben, bei denen er sich wirklich sicher ist, dass sie richtig sind, aber Thorin zu küssen ist definitiv eins davon, und Bilbo würde am liebsten nie wieder damit aufhören.

„Was ich gerade sagen wollte“, flüstert Bilbo, als sie sich für ein paar Sekunden voneinander lösen, „ist, dass ich es wirklich schön finde, mit dir hier zu sein. Und… Jetzt finde ich es noch viel schöner, ehrlich gesagt.“
Thorin lacht ganz leise, aber nicht, weil er Bilbo auslacht, sondern weil er in diesem Moment wirklich, aufrichtig glücklich ist. „Ich weiß genau, was du meinst.“
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