Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Embrance me

von ugetsuvie
SammlungDrama, Romance / P16
Akihiko Kaji Haruki Nakayama Ritsuka Uenoyama Ugetsu Murata Yūki Yoshida
13.01.2021
13.01.2021
1
2.863
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
13.01.2021 2.863
 
„Das waren die letzten Kisten…“ – gab Onazuka Bescheid und wischte sich die Schweißtropfen aus seiner Stirn. Er trug dabei ein ärmelloses Shirt und zog sich seine Arbeitshandschuhe aus. In der Großstadt Tokio hatte der Sommer gerade erst begonnen. Wie jedes Jahr überwiegten Hitze und eine hohe Luftfeuchtigkeit die kommenden Monate. Die Tür des neu bezogenen Hauses blieb offen und Onazuka fragte Gilbert wohin er die Kisten ablegen sollte.
„Vielen Dank für deine Hilfe Yuu…“ – erwähnte Gilbert erfreut und bat ihm die Kiste ins Wohnzimmer zu stellen. Große Fenster, lichtdurchflutete Räume und genug Freiraum ließen das neue Zuhause wohlfühlen.
„Keine Ursache. Ich werde den Transportwagen aus der Einfahrt parMiyasaka…“ – gab Onazuka Bescheid und sah seinen guten Freund und Mitbewohner, Miyasaka Miyazaki durch die Tür eilen. Außer Atem hob Miyasaka seinen Arm und lehnte sich an den Türrahmen an. Anfangs brachte er kein Wort über seine Lippen, während Onazuka sich ihm näherte.
„E-Es t-tut mir Leid – ich habe nicht auf die Uhr geschaut und habe mich hierher beeilt…“ – erklärte Miyasaka und konnte Onazuka´s wenig beeindrucktes Gesicht erMiyasakanen. Er verschränkte die Arme und war dies von Miyasaka gewohnt.
„Du kommst zu spät, Miyasaka. Wir haben bereits ohne dich angefangen, doch du kannst gleich den Transportwagen übernehmen und ihn aus der Einfahrt parMiyasaka…“ – antwortete Onazuka amüsiert und übergab ihm den Autoschlüssel.
„Wo ist Katou?“ – fragte Miyasaka und nahm den Schlüssel entgegen. Er winkte Gilbert zu, der sich freute ihn zu sehen.
„Katou ist noch im oberen Stock…“ – antwortete Gilbert und hörte schon, wie Katou die Stufen hinunter kam.
„Miyasaka – ich habe dich angerufen! Wo warst du? Wir hatten doch ausgemacht, dass ihr uns beim Umzug helft…“ – rief Katou in Erinnerung, worauf Miyasaka seine Hände zusammenklatschte und sich nochmals bei seinem guten Freund, Katou Youji entschuldigte.
„E-Es tut mir Leid, Katou…“ – entschuldigte sich Miyasaka erneut und verließ das Haus, um den Wagen wegzufahren.
„Wieso ist er nicht  mit dir mitgefahren, Onazuka?“ – fragte Katou skeptisch, worauf Onazuka anfangs nur seufzte.
„Wenn er zu Hause gewesen wäre, hätte ich ihn mitgenommen. Doch er hat letzte Nacht wo anders übernachtet…“ – erklärte Onazuka und half weiter beim Ausräumen der Kisten.
Im Haus nahm Katou seinen Partner, Gilbert an der Hand und führte ihn hinauf in die erste Etage. Ihre Schritte hallten durch die Räume und Katou konnte es nicht erwarten Gilbert ein ganz spezielles Zimmer zu zeigen.
„Katou – was ist los?“ – fragte Gilbert ein wenig zurückhaltend, während Kato ihn von hinten umarmte und sich an seine Schulter anlehnte. Er lächelte und schmiegte sich ganz nah an ihm.
„Ich habe mir gedacht, dass du deinen eigenen Arbeitsraum haben solltest. Hier ist genug Platz für deine Bücher und du hast ausreichend Ruhe für deine Ideen und Inspirationen. Außerdem ist es das hellste Zimmer, das über einen kleinen Balkon verfügt. Was sagst du dazu?“ – flüsterte Katou ihm zu und hatte die Türe geöffnet. Seine Worte ließen Gilbert sprachlos und er betrachtete das leere und großzügige Zimmer mit erstaunten Augen.
„K-Katou – das war nicht notwendig. I-Ich weiß nicht was ich sagen soll…“ – erwähnte Gilbert gerührt, worauf Katou ihn fest an sich drückte. Seine starken Arme umgaben Gilberts Taille und er konnte seinen angenehmen Duft sowie Wärme deutlich fühlen.
„Du musst nichts sagen. Mir genügt es diesen Moment gemeinsam mit dir zu genießen…“ – flüsterte Katou ihm zu und lächelte ihn dabei an.

In der Küche hatte Onazuka bereits für eine Ordnung gesorgt. Den Kühlschrank befüllte er mit einigen Lebensmittel, während Miyasaka sich ihm anschloss und eine Wasserflasche entnahm. Durstig und erschöpft setzte er sich auf die lange Küchenkoje und beklagte sich über nervtötende Hitze.
„Funktioniert die Klimaanlage eigentlich schon?“ – wollte Miyasaka wissen, worauf Onazuka den Kopf schüttelte.
„Ich sehe sie mir gleich an. Wo hast du eigentlich letzte Nacht geschlafen?“ – fragte Onazuka amüsiert, worauf Miyasaka sich fühlte, als ob er bei etwas erwischt wurde.
„W-Wieso fragst du? – Kann dir doch egal sein…“ – erwiderte er schnippisch, was Onazuka so nicht akzeptierte. Er schupste ihn leicht aus der Küchenkoje – Miyasaka verlor dabei das Gleichgewicht und wurde dabei hochmütig.
„Hey, Onazuka – hör auf damit…“ – beklagte sich Miyasaka und konnte Onazuka´s genervtes Verhalten fühlen.
Onazuka ging an ihm vorbei und sah wie sich einige Anrainer der Gegend näherten. Geflüster und eine kleine Ansammlung von ihnen reichte, um die Aufmerksamkeit von Onazuka zu bekommen. Er knallte die Tür zu und mochte es nicht, wenn die Privatsphäre anderer belauscht wurde.
Im Wohnzimmer standen alle vier vor vollen Kisten und Katou krempelte sich die Ärmel seines weißen Hemds hoch.
„Ich würde sagen, wir legen dann mal los. Immerhin müssen wir heute den Großteil schaffen, denn wir erwarten am Wochenende einen wichtigen Besuch…“ – kündigte Katou motiviert an, worauf Miyasaka und Onazuka auf einer der Kisten saßen. Mit überkreuzten Bein und verschränkten Armen hörte Onazuka anfangs zu und dachte für einen Momentlang, dass Katou einen seiner Scherze ausgepackt hatte.
„Ein wichtiger Besuch? – Wer ist den wichtiger als wir?“ – fragte Miyasaka, worauf Onazuka nicht glauben konnte, was er gerade hörte.
„Du Genie – Gilberts Sohn - Ritsuka – wird übers Wochenende hier bleiben. Schon vergessen?“ – nörgelte Onazuka, worauf Miyasaka sich beklagt, wieso er diesen scharfen Ton hatte. Gilbert versuchte die Situation ein wenig zu beschlagnahmen und bat Onazuka ihm zu helfen. Die Klimaanlage müsste eingestellt werden, während Katou und Miyasaka sich um die restlichen Kisten kümmern würden.

Im Haus nebenan kam gerade der Schüler Yuki Yoshida nach Hause und sah den großen Umzugswagen.
„Wer da wohl einzieht?“ – fragte er sich leise und betrat sein Daheim. Er legte seine Tasche ab und hörte schon die sanften Schritte seiner Mutter, Megumi Yoshida.
„Yuki, du bist schon zu Hause?“ – fragte sie überraschend, während Yuki sich die Schuhe auszog.
„Wir haben die Musikprobe auf morgen verschoben. Ich muss für die bevorstehende Prüfung lernen…“ – erklärte er und hörte seinen Vater im Wohnzimmer telefonieren.
„Ist er nicht auf Dienstreise?“ – fragte Yuki seine Mutter, die ihre Schürze festschnürte. Sein Vater, Sakano Yoshida machte die Tür zu um ungestört zu bleiben.
„Dein Vater wurde für heute Abend zu einer Gala eingeladen, wo seine Anwesenheit von großer Wichtigkeit ist…“ – fuhr sie fort, während sie das Essen zubereitete. Yuki wunderte sich nicht weiter und erzählte von dem Umzugswagen im Nebenhaus.
„Nebenan ist jemand eingezogen. Hast du sie schon gesehen?“ – auf seine Frage schüttelte Megumi den Kopf und hatte bereits mit einigen Leuten in der Umgebung telefoniert.
„Wir werden sie früh oder später kennenlernen. Mach dir keine Sorgen. Lerne lieber für deine Prüfung…“ – zog sie in Erwägung, worauf Yuki seufzten die Stufen hinaufging.
Als der Abend einbrach saßen Onazuka und Miyasaka auf der großen Couch im Wohnzimmer. Mit ausgestreckten Beinen und erhobenen Armen breitete sich Miyasaka aus und stützte sein rechtes Bein an Onazuka´s Oberschenkel.
„Ich kann keine einzige Schraube mehr sehen. Und ich wusste nicht, dass ein Kasten aus so vielen Teilen besteht…“ – gestand Miyasaka sich ein und klang dabei erschöpft. Onazuka trank aus seiner Wasserflasche und hatte keine Kraft sich von Miyasaka´s nervigen Bein zu lösen. Katou und Gilbert bedankten sich bei ihren Freunden für ihre Unterstützung. Das Haus war Großteils eingerichtet – es fehlten die kleinen Details, die im Laufe der Woche folgen würden.
Gilbert sowie Katou saßen auf einer Couch gegenüber ihrer Freunde und fühlten sich Antriebslos.
„Morgen sollten wir uns in der Nachbarschaft vorstellen. Was sagst du dazu, Katou?“ – begann Gilbert, während Katou seinen Kopf an die Schoß seines Partner stütze.
„Das ist eine gute Idee. Bestimmt fragen sich viele hier, wer wir sind. Außerdem befindet sich Ritsukas Institut nicht weit weg von hier…“ – erwähnte er und blickte zu Gilbert auf.
Onazuka ergriff den Moment und erhob sich aus seinem Sitz.
„Lass uns gehen, Miyasaka. Ich muss morgen früh raus…“ – begann Onazuka und bedankte sich bei Katou und Gilbert für den heutigen Tag. Mühevoll und Lustlos erhob sich Miyasaka und wäre am liebsten auf der Couch geblieben.
„W-Wir haben zu danken. Schaut doch am Wochenende vorbei. Ritsuka wird hier sein und wir könnten etwas gemeinsam unternehmen…“ – erfreute sich Gilbert, worauf auch Katou seinen Dank aussprach. Er begleitete die Beiden Freude vor die Tür.
Katou verabschiedete seine Beiden Freunde mit einem Händedruck und einer anschließenden Umarmung.  
Miyasaka nahm seine Jacke und bat Onazuka um den Autoschlüssel.
„Lass mich fahren…“ – erwähnte er, worauf Onazuka ihm den Schlüssel übergab.
„Schönen Abend, euch beiden…“ – fuhr Onazuka fort und verließ gemeinsam mit Miyasaka das Haus.
Als die Tür zu fiel, ging Katou zurück ins Wohnzimmer. Gilbert war auf der Couch eingenickt, worauf sein Partner sich neben ihm hinlegte und sein zärtliches Gesicht streichelte.
„Willkommen im neuen Zuhause, Gilbert…“ – flüsterte er ihm ins Ohr und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
Draußen öffnete Miyasaka den Wagen anhand des Autoschlüssels und entschuldigte sich bei Onazuka für sein Unpünktliches erscheinen. Sie setzten sich ins Auto und Miyasaka liebte diesen Wagen. Die edlen hellbraunen Sportsitze und die bereitgestellte Bequemlichkeit, waren dabei ein wichtiges Detail.
„Hast du etwa ein schlechtes Gewissen?“ – fragte Onazuka amüsiert und schnallte sich an. Miyasaka startete den Wagen und blickte dabei nach hinten, um den Parkplatz zu verlassen.
„Das weißt du ganz genau, Yuu…“ – erwähnte er, worauf Onazuka ihn bat ihn nicht „Yuu“ zu nennen.
„Willst du mich ärgern? – Nenn mich nicht Yuu – niemand, außer meiner Mutter, nennt mich so…“ – erklärte Onazuka und öffnete das Fenster. Ein angenehmer Wind zog durch, worauf Miyasaka ihn die ganze Fahrt über bei seinem Vornamen ansprach.

Am nächsten Tag saßen Katou und Gilbert in der Küche und tranMiyasaka ihren ersten Kaffee in ihren neuem Zuhause. Gilbert hatte sich eine schwarze Schürze umgebunden und bereitete eine Kleinigkeit zu Essen vor. Dabei hatte er die Ärmel seines weißen Hemds aufgekrempelt, während Katou auf einem, der Hocker saß und die Zeitung durchblätterte.
„Heute werden noch einige Möbel angeliefert. Ich muss noch ins Studio, um Sachen im Set zu besprechen. Die Möbel baue ich nach der Arbeit zusammen…“ – erläuterte Katou und beobachtete seinen Partner, der ihm einen „French Toast“ zubereitet hatte.
„Mach dir keinen Kopf wegen der Möbel. Das hat Zeit. Was hältst du davon, wenn wir heute Abend auf unseren Umzug anstoßen? - Hier in der Gegend soll es ein gutes Restaurant geben..“ – erwähnte Gilbert und streichelte Katou über sein blonder Haar. In diesem Moment konnte Katou sein Glück nicht in Worte fassen.  
„Genau so habe ich es mir immer vorgestellt…“ – begann Katou, worauf Gilbert ihn verwirrt ansah.
„Katou…“ – flüsterte Gilbert.
„Mit dir gemeinsam aufzustehen – in unserem eigenem Zuhause zu frühstücken und gegen Abend falle ich für gewöhnlich über dich her…“ – gestand Katou seinem Partner ein und sah tief in seine Smaragd-grünen Augen. Sie waren wunderschön und füllten sein Herz mit Zuneigung und Wärme. Gilbert konnte sich sein Grinsen nicht lange für sich behalten als plötzlich Katou´s Handy klingelte. Katou entschuldigte sich bei seinem Partner und nahm sein Handy.
„Hier Katou Youji…“ – antwortete er und ging dabei durch das Wohnzimmer auf und ab. In der Zwischenzeit begann Gilbert das Geschirr abzuräumen.

Im Haus der Familie Yoshida eilte Yuki in die Küche und steckte sich ein Toastbrot in den Mund. Dabei hatte er seine Krawatte nicht gebunden und schlüpfte in seine Schuhe.
„Ich bin dann einmal weg…“ – rief er durch den Gang und verließ das Haus.
„Verdammt – wieso hat mein Wecker nicht geläutet?“ – ärgerte er über sich selbst und knabberte dabei an seinem Frühstück. Zum ersten Mal sah er wie einer der neuen Nachbarn hinauskam. Katou Youji verließ das Haus - ein blonder, großer Mann – der ein Model sein könnte. In Hemd und Stoffhose verabschiedete er sich von jemandem im Haus. Bevor er zu seinem Auto eilte, bemerkte er Yuki, der einfach nur da stand und ihn einen scharfen Blick warf.
„Guten Morgen – wir Miyasakanen uns noch nicht. Ich bin Katou Youji und sind von nun an Nachbarn…“ – begann er und lächelte den Jungen an.
„Guten Morgen – ich bin Yuki Yoshida - sehr erfreut.“ – sprach Yuki und sah wie Katou in das Auto einstieg.
„Ich glaube du kommst zu spät in die Schule oder? – Beginnt der Unterricht bei euch Kids nicht für gewöhnlich um acht?“ – stellte Katou fest, worauf Yuki auf sein Handy die Uhrzeit feststellte.
„So ein Mist!!!! – man sieht sich!“ – aufgebracht verabschiedete sich Yuki und würde die Strecke wohl oder übel laufen müssen.
Yuki Yoshida besuchte die Oberstufe und war für seine guten Noten im Institut bekannt. Seine Tutoren verloren kein schlechtes Wort über ihn und auch schloss er schnell Freundschaften. Yuki´s Eltern waren Mitglieder des Eltern-Komitees und förderten das Institut mit verschiedensten Projekten. Trotz seiner guten Noten und seiner vorbildlichen Erziehung, fand Yuki seine wahre Leidenschaft an der Musik. Über die Jahre hatte sich Yuki, das Gitarrenspielen selbst beigebracht und trat bei einigen Schulveranstaltungen auf. Er sowie einiger seiner Kameraden hatten eine Schulband gegründet, die an manchen Nachmittagen gemeinsam probten. Für Yuki war dies der einzige Moment, wo er sich wohl fühlte und seiner Leidenschaft nachkommen konnte.

Nach dem Unterricht machte er sich auf dem Weg, um einen guten Freund zu besuchen, der in einer noblen Gegend wohnte. Draußen regnete es, was Yuki einfach nicht glauben konnte. Er stand vor einem großen Haus und betätigte die Klingel. Zum Glück war er nicht all zu nass geworden, doch vertrug das feuchte Wetter nicht. Ein Sommerregen sollte für gewöhnlich für eine Abkühlung sorgen, doch für Yuki war es alles Andere, als eine Abkühlung.  
Er klingelte einige Male und rief den Namen seines guten Freundes.
„Hey, Ugetsu – ich bin es Yuki! – Schläfst du etwa noch?“ – rief er als plötzlich das Türschloss aufgesperrt wurde und sich die Tür öffnete. Ein Junge mit kurzem schwarzen, Haar und hellbraunen Augen hatte ein Handtuch um seinen Hals. Sein nasses und ungekämmtes Haar verrieten, dass er unter der Dusche war.
„Du hättest anrufen sollen…“ – begann Ugetsu und ließ ihn hinein. Eine minimalistisch eingerichtete Wohnung, die eine gewisse Leidenschaftslosigkeit widerspiegelte. Die Wände zeigten kein einziges Bild und in der Küche befand sich eine Tasse und ein Kaffeekocher.
Yuki zog sich seine Schuhe aus und folgte Ugetsu ins Untergeschoss, wo sich ein kleiner Beistelltisch befand und darauf zwei Gläser und ein Aschenbecher lagen.
„Hattest du Herrenbesuch?“ – fragte Yuki vorlaut und öffnete den Kühlschrank, der seinen Nutzen nicht nachkam.
Ugetsu hatte Platz auf dem Boden genommen und trocknete sich mit dem Handtuch seine Haare ab.
„Er ist heute Morgen gegangen…“ – erklärte er und schaltete die Klimaanlage anhand einer Fernbedienung ein. Die Fenster waren noch von den Jalousien bedeckt, sodass das Tageslicht den Raum nicht erhellen konnte.
„Dein Kühlschrank ist leer. Aus was hast du dich ernährt? – meine Mutter hat gestern einen Braten gekocht, ich hätte dir etwas mitgenommen…“ – erklärte Yuki und schenkte sich Wasser in ein kleines Glas ein. Das Radio lief leise im Hintergrund und Ugetsu warf einen Blick auf sein Handy, das auf der Couch lag. Auf dem Boden waren einige Kleidungsstücke zu erkennen, die Yuki aufhob.
„Für gewöhnlich werde ich zum Essen eingeladen oder lasse mir etwas zukommen. Wieso hast du nicht angerufen?“ – wollte Ugetsu wissen, während Yuki die Kleidung auf die Couch legte.
„Mein Tag hat total gestresst begonnen und habe vergessen dir Bescheid zu geben. Ich weiß, dass ich dich für gewöhnlich anrufen soll, doch heute ist einfach nicht mein Tag…“ – erklärte Yuki bedauerlich.
„Wie war die Prüfung?“ – fragte Ugetsu und tippte an seinem Handy eine Nachricht. Yuki nahm sich einen Stuhl, den er aufklappte und sich hinsetzte.
„Die Prüfung war in Ordnung. Am Wochenende findet eine Schulveranstaltung statt – meine Eltern sponsern diese und unsere Band darf auftreten. Möchtest du kommen und es dir ansehen?“ – lud Yuki ihn ein und hoffte ihn zu überreden. Er wusste, dass Ugetsu nur schwer zu beeindrucken war, doch ließ nie etwas unversucht.
„Am Wochenende habe ich bereits Pläne. Ich spiele in einem Konzert…“ – begründete Ugetsu und zündete sich eine Zigarette an.
„Schon gut, ich habe mir schon gedacht, dass du keine Zeit hast – doch man soll nichts ungefragt lassen. Ein Konzert? – Etwa mit einem richtigen Orchestra?“ – wollte Yuki wissen, auf die Ugetsu leicht grinsen musste.
„Es ist nichts großartiges. Ich leite das Stück ein und damit ist auch mein Auftritt zu Ende, doch der Komponist hat mich darum gebeten und mir eine ausgiebige Gage geboten…“ – fuhr Ugetsu fort und nahm einen Zug seines Tabaks. Die Zigarette begann zu glühen und der Rauch stieg langsam empor. Yuki blickte auf die Beiden Gläser und der vielen Zigarettenstummel, die auf dem Aschenbecher übereinander gehäuft waren.
„Ist dieser Komponist etwa dein gestriger Herrenbesuch gewesen?“ – fragte Yuki direkt, worauf Ugetsu ihn überrascht ansah.
„Ist das wichtig?“ – fragte Ugetsu, was Yuki mit einem Nicken beantwortete.
„Nein – ich date niemanden, mit dem ich zusammenarbeite. Zufrieden?“ – erwiderte Ugetsu, was Yuki erleichterte.
„Sollen wir uns etwas zum essen bestellen und uns einen Film ansehen?“ – schlug Yuki begeistert vor und zückte sein Handy raus. Er ging die Speisekarte ihres Lieblings Restaurants durch. Auf dem Fensterbrett konnte man die vielen Regentropfen hören, während Ugetsu seine Zigarette ausdampfte. Das Wetter schien sich nicht beruhigt zu haben. Die dunklen Woken zogen über die Stadt vorbei, während Yuki die Frage im Raum stehen ließ.  
„Dinierst du nicht für gewöhnlich mit deinen Eltern? – was bewegt dich dazu mit mir zu essen?“ – hinterfragte Ugetsu, worauf Yuki sich neben ihm hinsetzte.
Er wirkte plötzlich niedergeschlagen und hatte bis heute, Ugetsu´s Art und Weise zu leben nie verstanden. Sein Mitgefühl für seinen guten Freund waren oft legitim, da Ugetsu nicht viele Freunde hatte. Darüber beschwert - hat er sich jedoch nie…

Ende Kapitel 1
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast