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You have my word

von JCypher
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Aragorn Gimli Legolas OC (Own Character) Samweis / Sam Gamdschie
13.01.2021
13.01.2021
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Hallo erstmal!

Ich freue mich, dass es euch auf diese Geschichte verschlagen hat. Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen!






Ein kühler Morgenwind zog über die Umgebung. Das Blätterdach der hochgewachsenen Bäume raschelte und verlor hier und dort einige Blätter, nur um Platz für neue zu schaffen.

Die heruntergefallenen Blätter wirbelten sanft über den Boden, durch die Winde und vorbei an der größeren Mulde hoch oben in einen der Bäume des Fangorn Walds.

Der Fangorn Wald war ein Wald Mittelerdes und lag im Norden von Rohan, östlich des Nebelgebirges, auf Höhe des Methedras.

Wie der alte Wald war auch Fangorn einer der letzten Überreste der großen Urwälder von Mittelerde des ersten Zeitalters, die vor den verheerenden Schlachten des zweiten Zeitalters und den Rodungen durch die Numenorer ganz Eriador bedeckte.

Im dritten Zeitalter waren beide nur noch ein Schatten ihrer Vergangenheit und schwanden weiter.

Viele dunkle Gerüchte ranken sich um den Wald. In einigen Tälern des Fangorn ist die Dunkelheit nie gewichen und die Bäume dort waren alt und bisweilen boshaft. Er wurde daher von den Bewohnern der umliegenden Gebiete und Reisenden gemieden, sogar von den Elben Lothlóriens.

Umso ironischer mochte es sein, dass gerade eins dieser Wesen in dem Wald ein Zuhause gefunden hatte.

Hoch oben in den Wipfeln der Bäume hatte eine Unsterbliche eben diese große Mulde in einem sehr breiten Stamm entdeckt, in der sie ihr Hab und Gut aufbewahrte und sich aus Ästen, Blättern und Decken ein schönes Bett errichtet hatte.

Im Laufe der Jahrzehnte war sie von Süden her immer weiter Richtung Norden gewandert, denn die Herzen der Bäume wurden immer dunkler und boshafter.

Und aufgrund dieser Dunkelheit floh die Elbin immer weiter, bis sie dort ankam, wo die Bäume noch unberührt von der Dunkelheit waren.

Völlig einsam lebte sie allerdings nicht.

Die Ents und Tiere des Waldes leisteten ihr hervorragende Gesellschaft. Ausreichend für sie alle Male.

Ents waren Baumhirten, die geschaffen wurden, um die Pflanzen zu beschützen, insbesondere die Bäume.

Und diesen Schutz mochten sie momentan am nötigsten haben.

Denn die Dunkelheit aus dem Süden wurde bedrohlicher mit jeder Stunde und griff langsam über.

So hatte sie einen Pakt mit dem Wald geschlossen. Sie wurde aufgenommen und geschützt, solange sie diesen Schutz zurück gab. Und dieser Aufgabe kam sie gewissenhaft nach.

Sie verscheuchte und vernichtete nicht jegliches Wesen, dass sich in den Wald verirrte. Doch trat jemand ein, dessen Herz so schwarz wie die Nacht war und der die Natur dieses Waldes schändete, der verließ diesen Wald nicht mehr.

Denn die Elbin hielt an einer Sache fest.

Gab sie jemanden ihr Wort, so würde sie eher sterben, als es zu brechen.

Loyalität, Freundschaft, Vertrauen, dies waren Dinge die mehr und mehr verschwanden, weniger und weniger Bedeutung zu dieser Zeit fanden.

Und mochte sie auch keine Freundschaften seit Ewigkeiten aufgebaut haben, so stand sie doch ein Leben lang für ihr Wort ein.

Und als Unsterbliche war das ein Schwur, der niemals endete.

Helin war nicht ganz so alt, wie man vermuten würde. Sie mochte ihre Prinzipen haben und die Ruhe bevorzugen, doch das machte sie noch keine Tausende Jahre alt.

Tatsächlich war sie noch recht jung, verglich man sie mit anderen Elben zu diesem Zeitalter. Doch stand sie eben diesen Elben in nichts nach.

Die Kampfkunst hatte sie schon früh beherrscht, war im östlichen Elbenkönigreich zu einer hervorragenden Kriegerin ausgebildet worden.

Mit einem Bogen war sie sicher, mit ihren beiden Kurzschwertern war es, als wären sie Teil ihres Körpers und selbst wenn sie doch all ihre Waffen verlieren sollte, so schaffte sie es auch stets im Nahkampf die Oberhand zu erringen.

Helin wusste, wie sie sich zu verteidigen hatte, ob man es ihr ansah, oder nicht.
Und das taten die meisten sicher nicht.

Sie erinnerte sich an einige Male, wo sie aufgrund ihres Aussehens unterschätzt wurde und wo plötzlich all das Lachen verstummte, wenn sie die ausgewachsenen Männer zu Boden warf oder sie entwaffnete.

Denn unüblich für einen Elben war sie recht klein. Noch immer nicht wirklich /klein/, aber doch kleiner als die meisten Elben. Auch war sie nicht so blass wie die meisten, hatte einen dunkleren Hauttyp und schien von der Sonne geküsst.

Was allerdings für die Sippe üblich war, und bei ihr auch nicht anders, sie war schön. Eine unglaublich schöne Frau, dass konnte niemand abstreiten.

Sie hatte ein schlankes, ovales Gesicht, mit einem rundlichen Kinn. Die vollen, geschwungene Lippen besaßen einen rötlichen Ton und ihre Stupsnase war relativ klein und schmal, passt damit perfekt in ihr Gesicht.

Ihre Augen waren ausdrucksvoll, stark und stets aufmerksam. Wimpern schwangen sich lang und schwarz, hinterließen kleine Schatten.

Ihre Augen leuchteten grün und je nach Licht besaßen die einen leichten grauschimmer, welcher auch immer dann zum Vorschein kam, wenn sie ihren Sehsinn konzentrierte.

Ihre Augenbrauen waren zu den Enden hin verdünnt und passten zu ihrem Ausdruck, der zur meisten Zeit kühl und ernst war.

Der einzige Kontrast zu diesem Ausdruck waren die leichten Sommersprossen auf Wange und Nase, die wirklich nur dann rauskamen, wenn sie direkt in die Sonne sah und bei ihr nicht niedlich waren, sondern tatsächlich attraktiv.

Sie hatte lange, leicht wellige Haare in der Farbe tiefen Brauns. Es war weder dunkel, noch hell, strahlte wenn sie in der Sonne stand.

Alle vorderen Strähnen waren ihr nach hinten geflochten, bis auf zwei, die direkt vor ihren Spitzen Ohren lagen.

An dem rechten dieses Ohres trug sie Schmuck. Ein kleiner Stecker befand sich im Oberen ihres Ohres und mit einer silbernen Kette verbunden endete er am Ohrläppchen, wo ein weiterer Anhänger in Form eines Kristalls hing.

Sie trug eine weiße Tunika, deren Schultern allerdings freilegen und welche an ihrem Schlüsselbein verbunden war. Darüber eine lederne, braune Korsage, welche nicht gebunden wurde sondern mit vier Gurten verschlossen war.

In einem sehr viel dunkleren Braun, was nun schon fast ins Schwarze glitt, war ihre Hose. Sie mochte eng anliegen, doch war sie elastisch genug, dass die Elbin jeglichen Kampfstiel ohne Einschränkung nutzen konnte.

Ihre Füße steckten in ebenfalls braunen ledernen Stiefeln, die ihr bis fast zu den Knien ging und in der gleichen Farbe lag abermals Leder um ihre beiden Unterarme, verziert mit goldenen Blättern in der Front, umschlossen sie noch ihre Hände. Lediglich ihre Finger lagen frei.

Auf ihren Rücken befand sich zur meisten Zeit der Köcher, stets reichlich gefüllt mit Pfeilen, so wie ihr Langbogen, welcher in einem hellen braun erstrahlte und an den beiden Enden durch helle, grüne Verzierungen aus Blattform bestückt waren.

An ihrer Hüfte befanden sich auf beiden Seiten unauffällige, schwarze Scheiden, aus denen die goldenen Griffe ihrer Kurzschwerter steckten.

Und das war so ziemlich alles, was die Kriegerin besaß.
Das, was sie an ihrem Körper trug und ihr Bett in den Bäumen. Mehr hatte sie nicht und mehr brauchte sie nicht.

Sie war zufrieden mit ihrem Leben.
Eigentlich ein relativ friedliches Leben, bis auf die gelegentlichen Eindringlinge.


Und ein jeder Tag verlief gleich, so auch dieser. Es störte sie nicht, sie war weder gelangweilt von dem Alltag noch unzufrieden. Sie brauchte einen strickten Ablauf, nichts war schlimmer, als nichts zu tun.

Bei den ersten Sonnenstrahlen wachte sie auf und kümmerte sich um ihre Hygiene. Sie mochte allein in einem Wald leben, doch sie war noch immer eine Elbin und ob sie viel mit ihrer Sippe zu tun hatte oder nicht, aber dieses Vorurteil nahm sie gerne an.

Sie war sehr hygienisch.

Dann folgte ein Rundgang.
Das hatte sie sich erst in den letzten Monaten angewöhnt, seit sie den Schatten von Mordor im Auge behielt und dieser sich ausbreitete.

War dieser Rundgang beendet, gab es meist etwas zu essen. Weil sie eben ein solches Wesen war, brauchte sie kaum viel. Etwas Fisch hier, ein paar Früchte dort und sie war ausgewogen ernährt und gekräftigt.

Folglich unterhielt sie sich einige Zeit mit den Bäumen. Es mochte merkwürdig klingen, doch seit sie diesen Pakt eingegangen waren, hatte sie eine Verbindung zu ihnen und lauschte ihnen, wenn sie Neuigkeiten über die Welt herbrachten.

Gegen Abend gab es dann den nächsten Rundgang und war der beendet, ging sie zu Bett. Es mochte nicht aufregend sein, aber es war zufriedenstellend.

Wäre sie dieses Leben leid, hätte sie es bereits geändert und da das nach all der Zeit noch nicht geschehen war, musste es was bedeuten.

So machte sie auch an diesem Abend ihren Rundgang. Die Arme hinterm Kopf verschränkt und mit wachen Augen. Das Wetter war überraschend angenehm, ruhiger als es sonst war.

Dieser Wald hatte es an sich, feucht und windig zu sein. Heute aber ließen die Blätter einige Sonnenstrahlen durch, wärmte den Boden etwas auf.

Sie mochte fast sorglos erscheinen, doch dem war lange nicht so. Die Elbin hatte absolut alles im Blick. Sie nahm jede Bewegung der Zweige und Blätter auf, hörte jedes Knacken und jedes Geräusch.

Ihr Ausdruck war wie gewohnt hart, ihr Blick üblich kühl.

Dass sie so nicht geboren war, musste klar sein. Doch Verlust und Verrat hatten sie geprägt und ließen sie ein ruhiges Leben allein bevorzugen.

Und als hätte das Schicksal sie gehört, ertönte ein Knacken.

Aber nicht so eines wie es Tiere verursachten. Es war auch kein Ork, denn die bewegten sich wesentlich unvorsichtiger. Es musste ein Mensch sein.

Sie lauschte ins nichts, wandte sich leicht um und konnte die Richtung ausmachen, aus der die Geräusche kamen. Völlig lautlos zog sie sich an einen Baum zurück und kletterte einige Äste hoch.

In Ruhe achtete sie auf die Richtung, zog still einen Pfeil und spannte ihren Bogen.

Geduldig und ohne ein Geräusch zu verursachen fixierte sie die Stelle. Die Schritte kamen näher, die Geräusche wurden lauter und schlussendlich bewegten sich die Sträucher.

Als sie sich auseinander schoben aber, stoppte die Elbin. Ihre Augenbrauen zogen sich etwas zusammen, der Bogen neigte sich langsam.

Ein bekanntes Gesicht und doch schon Ewigkeiten her, dass sie es gesehen hatte.

Er murmelte etwas vor sich hin und sie unterdrückte ein seufzen. Damit war die Ruhe dahin. Allerdings mochte er die einzige Person sein, dessen Gegenwart sie nicht als äußerst störend empfand.

„Was verschlägt dich hierher, Gandalf?“.

Er wandte sich um, sah zu ihr hoch und sein Gesicht hellte sich sofort auf.
„Helin, viel Zeit ist vergangen, seit wir uns das letzte Mal sahen“.

Problemlos sprang sie vom Ast zu ihm, legte eine Hand an ihr Herz.
„Mae govannen“, (Schön dich zu treffen) begrüßte sie ihn ruhig, er lächelte sachte. Schön war es wirklich.

„Es würde dir doch nichts ausmachen, wenn ich dich um eine Tasse Tee bitte?“.

Sie neigte kurz ihren Kopf, gab ihm damit die Zustimmung und er trat neben sie in die Richtung ihres Lagers.

„Wie ist es dir ergangen in den vergangenen Jahren?“, fragte er offen, sie nickte leicht.
„Die Wälder sind größtenteils friedlich“.
„Und doch bist du weit in den Norden gezogen, seit ich dich das letzte Mal besucht habe“.

Sie wusste, sie brauchte darauf nicht zu antworten. Gandalf würde den Grund bereits wissen, also sprach sie dies auch aus.

„Stell mir keine Fragen, deren Antwort du bereits kennst“.

Der Zauberer lachte leise vor sich hin. Helin mochte hart klingen, aber er konnte sie gut leiden. Lernte man mit ihrer Art umzugehen, da war sie eine Person mit äußerst guten Kern.

Gandalf setzte sich an die Feuerstelle und die Elbin bereitete den Tee vor. All das geschah in Stille und erst als der Tee kochte und sie nebeneinander saßen, eröffnete der Graue nochmals das Gespräch.

„Es hat in der Tat einen Grund, wieso ich hergekommen bin“.
„Dessen war ich mir bewusst“ und das meinte sie so. Seit 60 Jahren gut hatten sie sich nicht mehr gesehen. Gandalf würde kaum herkommen, um ein einfaches Gespräch zu führen.

Das hatte er nie.

„Viel hat sich seit unserem letzten Treffen verändert und ich denke auch du hast den Schatten aus Osten bereits lange bemerkt“.

Ja, hatte sie. Es zog aus dem Osten auf, breitete sich in den Süden aus und machte die Bäume krank. Jedes Geschöpf, dass zu nah heran kam, verdarb.

„Da auch mir noch Antworten fehlen, kann ich dir lediglich das mitteilen, was ich bereits erfahren habe. Du kennst bereits die ganze Geschichte mit Isildur und Sauron“

„Offensichtlich“.
Er bereitete Saurons Herrschaft ein Ende, in dem er ihm den Ring der Macht von seiner Hand schlug. Sie war überzeugt, nicht ein Wesen dieser Welt kannte die Geschichte nicht.

„Der Friede könnte schon sehr bald ein Ende haben. Fangorn, wie du weißt, wird von einer bösen Macht befallen und Mordor erwacht zu neuem Leben. Der Feind ist noch nicht in vollem Besitz seiner alten Kräfte, doch befürchte ich, dass dies nicht mehr lange dauern wir. Der Eine Ring, der als ewig verschollen galt... ich habe ihn gefunden. Und Sauron wird versuchen, mit aller Macht jenen wieder in seinen Besitz zu bekommen.“

Helin wandte ihren Blick ab, schüttelte leicht den Kopf. Dieser Mann konnte auch wirklich nie vorbei kommen und ihr irgendwas belangloses erzählen.

Es musste stets immer sowas sein.

„Ihr habt ihn gefunden?“.

„Nun, nicht direkt ich. Es war - ein uns bekannter kleiner Mann“.

Ihre Augenbrauen zuckten leicht zusammen, sie sah wieder zu ihm. Es dauerte einen ganzen Moment, bis ihr wirklich ein Name in den Sinn kam.

„...Bilbo?“.

„So ist es“, Gandalf nickte betroffen von der Situation, zog seine Pfeife aus dem Ärmel und entzündete sie.

Er nahm einen guten Zug, pustete ihn aus und sprach leise „Ich habe es schon eine ganze Weile geahnt. Er lebte unnatürlich lang für einen Hobbit, hat sich recht merkwürdig verhalten bei unseren letzten Aufeinander treffen“.

Die Unsterbliche nickte leicht vor sich hin, behielt die Frage für sich, wieso er Ewigkeiten damit gewartet hat, zu handeln. Er hatte kaum Schuld an dem Chaos.

Und ein Chaos war es gewiss.
Eines, welches in einer wahren Katastrophe enden konnte.

Nicht, dass sie es anders kannte.
Als er das letzte Mal seinen Weg in ihren Wald gefunden hatte, war es wegen dem Krieg zwischen Zwerg und Ork und dort hatte sie auch den Halbling kennen gelernt.

„Sauron weiß bereits davon?“.

„Mit Gewissheit kann ich es dir nicht sagen. Aber ich bin der Überzeugung“.

Helin seufzte, begann dann aber völlig ruhig den Tee in zwei Tassen zu verteilen und reichte dem Zauberer eine.

„Wo ist der Ring nun?“.

„Bilbos Neffe hat ihn“, Helin sah sofort wieder zu dem Zauberer. „Bilbo war bereits eingenommen von dem Fluch und ich schaffte es, dass er den Ring losließ. Er hinterließ es aber dem Jungen Frodo, kurz bevor er sich aufmachte auf eine Reise“.

„Er ist noch immer in Auenland?“. Helin verstand es wirklich nicht. Gerade der Zauberer war doch immer besonders vorsichtig, wenn es um den Frieden der Welt ging.

Und nun ließ er den Einen bei einem Halbling im Auenland, völlig unbeaufsichtigt?

„Ist er. Ich trug Frodo auf ihn geheim zu halten. Sofort zog ich los und versuchte mir Sicherheit zu verschaffen. Die habe ich nun“, sie nickte auf seine Erklärung hin.

So war das also.
Das klang natürlich wie eine recht schlechte Situation.

„Dann wünsche ich euch viel Glück, denn das werdet ihr brauchen, wenn ihr wirklich Sauron aufhalten wollt.“, verkündete sie offen und nahm einen Schluck.

Das keine Antwort kam, gab ihr augenblicklich ein schlechtes Gefühl. Ein /wirklich/ schlechtes Gefühl.

„Helin“, bei den Valar, sie hatte es gewusst.

„Gandalf“, sprach sie ruhig und stellte die Tasse beiseite, sah ihm recht ruhig in die Augen. Ein gewohnt leerer Blick.

„Ich weiß, es macht dir ein außerordentliches Vergnügen, stets hier aufzutauchen und mich in die weltlichen Probleme mit einzubeziehen. Allerdings bin ich kaum deine private Soldatin auf Abruf“.

Er lächelte etwas vor sich hin.
Helin war schrecklich ehrlich und das bereits seit er sie kennengelernt hat. Sie war niemand, der etwas verschwieg, niemand der schlecht dachte. Sie sagte, was sie zu sagen hatte und das mochte er an ihr.

Man musste sich ihrer Motive nie unsicher sein, sie log nicht.

„Du weißt, ich schätze dich“, das wusste sie.
„Und ich fühle mich geehrt, dich schon so viele Jahre meine Freundin bezeichnen zu können“, ja das wusste sie ebenfalls. Zumal er ebenfalls die einzige Person war, die zumindest annähernd an sowas bei ihr heran kam.

„Aber du kannst dich aus dieser Welt nicht raus nehmen. Du bist ein Teil von ihr und der Fangorn-Wald ist es ebenso. Bisher mag es nur der südliche Teil dieses Waldes sein, doch wie wird bald der komplette Wald sein, wenn Saurons Dunkelheit sich weiter ausbreitet?“.

Sie sagte ja nicht, dass er unrecht hatte. Natürlich hatte er recht mit dem, was er sagte. Sie wusste auch, dass sie früher oder später die Konsequenz ebenso zu tragen hatte, wie jeder andere auch.

„Was erwartest du von mir, Gandalf?“.

Der Zauberer neigte die Pfeife und sah seiner alten Freundin entgegen. Er wusste ehrlich, was ein Glück er hatte, ein solch freundschaftliches Verhältnis mit ihr zu haben. Hielt sie sich sonst immerhin von allem fern.

„Ich bitte dich, mir zu helfen“.

Sie musterte ihn kühl.
An diesem Punkt waren sie bereits mehrfach gewesen. Und es waren nie bitten, wie ihm irgendwelche Gewürze oder Pflanzen raus zu suchen.

Sie waren sich gegenseitig nichts schuldig, es standen keinerlei Versprechen offen zwischen ihnen. Sie war kaum verpflichtet das zu tun.

„Es ist keine Zusage, aber /was/ für eine Hilfe willst du von mir?“, sie meinte das ernst. Wenn ihr nicht gefiel, was er verlangte, würde sie es nicht tun.

Gut, ihr würde auf jeden Fall nicht gefallen, was er verlangen würde, aber es kam nichts desto trotz drauf an.

„Ich bitte dich den Halbling Frodo zu begleiten und ihm deinen Schutz zu geben. Solange bis der Ring nicht mehr seine Last ist“, sie hätte fast gelacht.

Ehrlich, sie hätte es fast lustig gefunden, fände sie es nicht zur gleichen Zeit eine unglaubliche Frechheit.

Sie schüttelte leicht den Kopf, fuhr sich über die Augen und sprach leise „Du verlangst viel von mir, dass weißt du, richtig?“, und sie meinte das kaum als Spaß, das verstand auch er.

Und ja, er war sich dessen bewusst.
Er wusste, dass er viel von ihr verlangte, seit sie sich kannten.

„Das weiß ich“, stimmte er also zu.
„Doch tue ich das nicht, um dich zu verärgern. Helin du bist nicht nur unglaublich kampferprobt und eine gekonnte Kämpferin, du bist auch sehr loyal und ich vertraue dir blind“.

Ihr Blick lag im Feuer, sie nahm die Worte auf und sie überraschten sie nicht. Sie wusste, er traute ihr sehr.

„Um das zusammen zu fassen. Du nimmst den ganzen Weg auf dich, kommst her und verlangst von mir mein Zuhause zu verlassen, um einen fremden Halbling mit meinem Leben zu schützen und die Last des Einen Ringes mit auf mich zu nehmen?“.

Er zog an seiner Pfeife und sah vor sich hin, summte tief und stimmte zu „Wenn du es so ausdrückst, klingt es tatsächlich wie eine Frechheit. Aber ... ja, genau das tue ich“.

Sie nickte abermals leicht, war drauf und dran ihn zu fragen, ob das Alter ihn möglicherweise langsam verrückt machte, behielt es aber für sich.

Dieses Mal zumindest.

„Du kannst diese Nacht hier verbringen, ich werde ebenfalls langsam ins Bett gehen“.

„Helin... denkst du wenigstens darüber nach? Bitte?“.

Sie stoppte nochmals, bevor sie begann den Baum hoch zu klettern und schloss einen Moment ihre Augen.
„Sicher“, antwortete sie und sprach leise „Ich denke darüber nach“, ehe sie die Äste hoch sprang und ihr Bett betrat.

Sie breitete die Decke über sich aus und legte sich zurück, mit dem Blick auf den klaren Sternenhimmel.

Was eine unverschämte Bitte.
Er sollte sich angewöhnen zumindest ab und an mal mit Bitten zu kommen, die nicht ihren Tod beinhalten könnten.

Aber dann wäre es wohl nicht Gandalf.
Nein, er musste alle Probleme zu seinen eigenen machen und stets versuchen, alle Probleme und all den Kummer der Welt aus der Welt zu schaffen.

Etwas, das kaum möglich war.

Irgendwann würde auch er einsehen müssen, dass die Welt kein friedlicher, sorgloser Ort war. Es würde stets Sorge und Kummer geben. Und er konnte kaum etwas daran ändern.
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