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Roma Delenda Est

von Mr Bones
GeschichteAllgemein / P16
13.01.2021
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Im Jahre 400 v. Chr. überquerte der keltische Stamm der Senonen die Alpen und fielen im östlichen Italien ein. Sie vertrieben das dort ansässige Volk der Umbrier und plünderten Etrurien. Da sie den keltischen Kriegern wenig entgegenzusetzen hatten, wandten sich die Etrusker an den jungen Stadtstaat Rom. Die Römer zogen in den Krieg gegen die Senonen unter ihrem König Brennus, in der Überzeugung die Barbaren vom Schlachtfeld zu fegen. Im Nachhinein konnte man sagen dass sie sich gründlich verschätzt hatten. An der Allia wurden die Römer vernichtend geschlagen. Rom selbst, nur wenige Kilometer entfernt, wurde geplündert. Die Römer versuchten, sich auf den kapitolinischen Hügel zu flüchten, doch in der Nacht gelang es einigen Kelten die Mauern zu erklimmen und die Tore der Festung aufzuwerfen. Keltische Krieger strömten in die Zitadelle, massakrierten die Verteidiger und versklavten die Zivilisten. Die Stadt selbst wurde niedergebrannt. Als die Barbaren sich wieder zurück zogen, war von der Stadt nur noch eine Ruine übrig. Es sollten 1500 Jahre vergehen bevor die Stadt wieder politisch relevant wurde.

Die Senonen hatten sich eine Vormachtstellung im nördlichen Italien gesichert. Gallische Festungen   sprangen aus dem Boden und barbarische Siedler gründeten zahlreiche Dörfer. Schnell jedoch begann ein reger Austausch mit den italischen Nachbarn. Die Etrusker waren an dieser Stelle von besonderer Bedeutung. Zu Beginn des 3ten Jahrhunderts übernahmen sie das griechische Alphabet von den Etruskern. Architektonische Erfindungen wie das Aquädukt und Kanalisationen wurden in die keltischen Siedlungen integriert. Gebäude wurden zunehmend aus gemauertem Stein gebaut. Das enge Zusammenleben mit den Etruskern veränderte die Kelten. Sie wurden den einheimischen Italern ähnlicher, verloren aber nie ihre keltischen Wurzeln.

Gleichzeitig verschoben die Senonen auch die politische Ordnung der Halbinsel. Nach dem Sieg über Rom wurden sie zur neuen militärischen Großmacht in der Region. Etruskische Städte appellierten im Laufe des dritten Jahrhunderts v. Chr. zunehmend an die senonischen Könige um ihre internen Streitigkeiten zu schlichten. Als die Ligurer im Jahre 287 v. Chr. in Etrurien einfielen, wurden sie durch eine Allianz aus etruskischen Städten und dem Königreich der Senonen zurück geschlagen. Diese Taten zementierten die Senonen als die Schutzherren des nördlichen Italien. Vor allem das Selbstverständnis der Kelten wurde dadurch verändert. Sie sahen sich nicht mehr als fremde Invasoren, sondern als neue Mitglieder der mediterranen Welt und strebten danach, von Griechen und Etruskern anerkannt zu werden.

Zu Beginn des zweiten Jahrhunderts vor Christus begannen die Senonen, ihren Einfluss in Latium auszudehnen. Nach dem Fall von Rom hatten sich die Stadtstaaten und Stämme der Region in einer Reihe von losen Föderationen organisiert. Im Süden expandierte ein neue Macht in die Region; die Samniten, ein Volksstamm aus den Hügeln des südlichen Italien. Eine Reihe von Städten hatte sich den Samniten unterworfen und übten nun Druck auf ihre Nachbarn aus. An der Mündung des Tiber lag Ostia, eine Stadt welche inzwischen zu einer recht bedeutenden Hafenstadt geworden war. Diese Stadt wurde im Jahre 199 v. Chr. zum Ziel einer Koalition aus Samniten und Latinern. In ihrer Angst wandten sich die Ostier an den König der Senonen, Dieser zog aus in die latinische Ebene und schlug die Samniten zurück in die Hügel aus denen sie gekommen waren. So kamen die Hafenstadt von Ostia und der nördliche Teil von Latium unter die Herrschaft der Senonen.


Bis zum Jahre 100 v. Chr. sollten zahlreiche weitere Heerzüge gegen die Samniten folgen. Dennoch konnte keine von beiden Seiten die Andere entscheidend besiegen. Im Süden leisteten die Griechen den Samniten Hilfe und sandten ihnen Krieger sowie Waffen gegen die Kelten. Dennoch sollten Samniten und Kelten viel voneinander lernen. Die Kelten übernahmen die Taktiken der Italer und kämpften in drei Schlachtreihen, welche als Schachbrettmuster aufgestellt waren. So konnten sie ihre Truppen inmitten des Kampfes verstärken ohne die Frontlinie zu beschädigen.

Als das zweite Jahrhundert v. Chr. sich dem Ende zuneigte und die Kriege gegen die Samniten zu kleinen Grenzgefechten runter gebrannt waren, wandte sich der Blick der Senonen gen Norden, in ihre alte Heimat. Jenseits des Flusses Po war ein Krieg ausgebrochen, zwischen den Helvetiern aus den Alpen und den Venetern aus der nördlichen Tiefebene. Die Veneter wandten sich an die Senonen und fragten sie nach einem Bündnis gegen die Helvetier. Im Jahr 124 v. Chr. marschierten die Senonen also jenseits des Po und besiegten die Helvetier bei Medhlan. Doch der Frieden im Norden sollte von kurzer Dauer sein.

Mit Feuer und Schwert erschienen die Kimbern im Jahre 113 auf der Weltenbühne. Sie waren aus den Wäldern nördlich der Kelten gekommen. So wie die Kelten aus Sicht der Griechen Barbaren waren, galten die Kimbern den Kelten als Monster. Sie plünderten und mordeten sich durch die Gebiete der Boier und Helvetier, welche beide der Vernichtung anheim fielen. Als die in Norditalien eintrafen, reagierten die Veneter sofort und sandten eine Armee gegen die Eindringlinge, welche prompt vernichtet wurde. Bis 111 wurden die Veneter noch drei Mal besiegt und ihre Hauptstadt geplündert. Der König der Senonen zog in den Norden um die Kimbern zu besiegen, erlitt jedoch eine vernichtende Niederlage, wurde enthauptet und sein Kopf zurück nach Umbrien gesandt.

Sein Sohn indes bereitete die Verteidigung Italiens vor. Er schloss ein Bündnis mit den Samniten und erbaute eine Reihe von Festungen südlich des Po. Gleichzeitig führte er eine Reihe von militärischen Reformen durch. Als Junge war er nach Griechenland geschickt worden um dort zu studieren. Nach makedonischem Vorbild richtete er so eine professionelle Armee ein, welche er allerdings nicht mit der Pike, sondern dem traditionellen Schwert-und-Speer der Kelten bewaffnete. Diese Truppen verstärkte er mit Kontingenten von etruskischen Hopliten und tarantinischer Kavallerie. Auch schaffte er den Streitwagen ab, welchen er durch die schwer gepanzerte griechische Kataphraktoi Kavallerie ersetzte. Er eliminierte damit die uralte Feudalstruktur der Senonen. Doch als der Angriff schließlich kam, erwiesen sich diese Reformen als entscheidend.

Die Kimbern wurden durch die Festungen verlangsamt und konnten so ihre blitzartigen Überfälle nicht durchführen. Als sie also die Festungen belagerten, konnte der junge König der Senonen die volle Macht seines Königreiches gegen die Invasoren zum Einsatz bringen. Durch zahlenmäßige Überlegenheit konnte er die Kimbern zunächst besiegen, aber nicht vernichten. So verfolgte er sie 105 jenseits des Po, wo er sie schließlich zu Schlacht stellte. In der Tiefebene hatten die Kimbern seiner neuen schweren Kavallerie wenig entgegen zu setzen und wurden, diesmal vernichtend, geschlagen. Bis 100 v. Chr. stellte er den Nordländern nach, als er endlich Patvium, die neue Hauptstadt der Kimbern erobern konnte. Um seinen Sieg zu feiern nannte der König sich nun Kimberix – der König der Kimbern.

Als er jedoch nach Hause zurück kehrte, wurde er nicht jubelnd begrüßt. Stattdessen lockten ihn einige keltische Adelige in einen Hinterhalt und töteten ihn. Seine Reformen hatten die Macht des Adels stark eingeschränkt und viele Krieger in den Ruin getrieben. Ihre Versuche, die alte Ordnung wieder herzustellen waren jedoch wenig erfolgreich. Stattdessen erhob die Armee des ermordeten Königs seinen sechzehn Jahre alten Sohn als Kimberix II. auf den Thron. Die Adeligen wurden in der Schlacht von Ariminum geschlagen. Dutzende verloren ihren Kopf und hunderte flohen ins Ausland.

Kimberix II. setzte die Reformen seines Vaters fort. Er modernisierte die Verwaltung und verlegte die Hauptstadt von Ariminum nach Tarchuna, welches weiter südlich gelegen und besser in den mediterranen Handel integriert war. Gleichzeitig unterwarf er Norditalien endgültig. Ein letzter Aufstand der Kimbern wurde nieder geschlagen und der Vasallenstaat der Veneter ins Reich eingegliedert. Er führte Krieg gegen die nördlichen Illyrer im Osten und stoppte die Expansion der Gallier in das Gebiet der massalischen Liga. Als Kimberix II. im Jahre 50 v. Chr. starb, hinterließ er einen der mächtigsten Staaten Südeuropas.

Die nächsten einhundert Jahre sollten als Höhepunkt keltischer Kultur in Italien in die Geschichte eingehen. Zahlreiche neue Erfindungen und Waren flossen über das Mittelmeer in das Königreich. Kunst und Kultur blühten auf. Viele Klassiker der keltischen Literatur wurden in dieser Zeit verfasst. Kreteus von Firma schrieb seine „Historía tes Keltoi“ in dieser Zeit, welche bis heute eine der wichtigsten Quellen über die Geschichte der italischen Kelten darstellt. Diese Texte waren zumeist auf Gallisch geschrieben, allerdings mit den griechischen Alphabet festgehalten. Auf Anordnung der Könige wurden viele griechische und etruskische Texte ins Gallische übersetzt.

Kein Zeitalter kann jedoch ewig anhalten und so ging auch das goldene Zeitalter der Senonen zu Ende. Es begann als der König Fillippos I. im Jahre 51 versuchte, Südgermanien zu erobern, wo er in der Schlacht bei Uburzis getötet wurde. Daheim brach prompt ein Bürgerkrieg zwischen seinen Söhnen aus, welche das Reich spalteten. Der Ältere regierte im Norden, während der Jüngere den Süden kontrollierte. Nachdem beide gestorben waren, gelang es Fillippos Neffen, das Reich 67 erneut zu vereinen. Seine Herrschaft sollte das Reich bis 95 erneut stabilisieren, doch nach seinem Tod brach ein Bürgerkrieg zwischen Enkeln aus. Dieser wurde zwar schnell beendet, kostete jedoch erhebliche Summen. Um dies wieder auszugleichen, wurden die Steuern angehoben. Dadurch provozierte der König jedoch einen Aufstand von Seiten der Bauern, welche durch den Krieg ohnehin verarmt waren. Es sollte bis 103 dauern, diesen Aufstand nieder zu schlagen.

Gleichzeitig übte eine neue Großmacht aus dem Nordosten druck auf die italischen Kelten aus. Die Markomannen hatten im Laufe des ersten Jahrhunderts weite Teile des Oberlaufs der Donau erobert und stießen nun nach Illyrien und Norditalien vor. Ihr neuer Staat nutzte dabei die Schwäche der Senonen aus, um diese in der Schlacht von Vedinum zu besiegen. Mit dem Verlust der illyrischen Regionen im Ersten Markomannenkrieg von 109 – 115, konnten diese nun ihre Herrschaft über die Donau festigen. So fielen sie 122, 129, 135 und 143 immer wieder in Norditalien ein. 151 eroberten sie Patavium, womit sie 250 Jahre senonischer Herrschaft über die Region beendeten. Der Schock dieser Eroberung setzte sich durch das Reich der Senonen fort.

Über die nächsten einhundert Jahre fiel das Königreich der Senonen auseinander. Bürgerkriege häuften sich. Aufstände brachen aus. Die Könige verloren an Bedeutung während lokale Machthaber an Einfluss gewannen. Stadtstaaten begannen, Könige zu ernennen und abzusetzen. Aleksander II. gilt als der letzte unangefochtene Herrscher des Königreichs. Nach seinem Tod 195 beanspruchten nicht weniger als neun Mitglieder seiner Familie den Thron. Aleksanders´ Witwe etablierte sich in Tarchuna, während der Rest kleine Teile des Reiches kontrollierten. Damit endete das Zeitalter der Senonen und das Zeitalter des Krieges brach an. Es sollte nicht weniger als 600 Jahre dauern, bis Italien erneut vereint werden konnte.
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