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Wenn Sterne fallen

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
13.01.2021
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Es war einmal vor langer Zeit, in einer Welt, unserer nicht unähnlich, da lebte einst der dunkle Zauberer Zahduir in einem Land voll Dunkelheit und finsteren Mächten. Gefangen in seinem Wunsch nach Macht, verfiel sein Geist dem Bösen. In seinem Wahn nach mehr Macht beschwor er die dunkelsten Mächte und Zauber hervor und suhlte sich im Gefühl der Beherrschung aller Elemente und des Todes. Der Preis für seine unverzeihlichen Taten entstellte den Körper, sodass dieser zerfiel und ein hässliches Wesen zurückließ. Doch alsbald verlangte sein Geist nach mehr, war ihm die Macht der Zauberei noch nicht genug. Nicht nur über die Zauberei, sondern auch die Menschen, gar die Welt in allem, wollte Zahduir beherrschen. Sein Wahn entfesselte Kriege. Seite an Seite starben Brüder, Väter und Freunde im Kampf gegen die dunklen Geschöpfe Zahduirs.

Tausendfach fielen die Sterne. Denn - so müsst ihr Wissen - bedeutet ein fallender Stern, dass eine Seele in die Hallen der Toten aufgenommen wurde und ewigen Frieden gefunden hatte.

Zu jener Zeit, als die Kämpfe für die Menschen verloren schienen , trug es sich zu, dass ein Ritter gesegneten Blutes dem Zauberer gegenübertrat. Der Krieg hatte schon seine geliebte Frau dem Leben entrissen, doch für seine Tochter wollte er die Welt retten. An den Hängen eines Gebirges kämpfte der Ritter gegen die dunklen Mächte Zahduirs und als sein Sieg gewiss schien, da geschah es, dass Zahduir in seinem Hass und seiner Verblendung einen letzten Zauber beschwor. Sich seiner Niederlage bewusstwerdend, rief er seinen dunkelsten Diener, dass dieser die Tochter des Ritters herbringen sollte.

So kam es, dass des Ritters Tochter in Fesseln gelegt und ihrem Vater vorgeführt wurde. Dem Ritter am Hang des höchsten Berges entgegentreten, sprach Zahduir einen letzten Zauber, auf dass die Ritterstochter für immer verflucht sei. Seine Stimme erscholl und hallte tausendfache an den Gebirgshängen wider.

»Bis in alle Ewigkeit solle ihre Seele an diese Welt gebunden sein und keinen Frieden finden können. Körperlos soll sie ihre Zeit fristen, auf dass niemand sie wahrnehmen könne. Weder Stimme, noch Gestalt. Doch gewahre Ritter, nur ein Feuerritual kann ihre Seele befreien und die Forte zu der Halle der Toten öffnen. Ihren Körper jedoch vermag nur ein Nachkomme meines Blutes finden.«

Im Glauben, keinen Nachkommen je zu haben, ließ Zahduir die Tochter los und stieß sie den steilen, Klippen gleichen, Häng hinab, auf dass ihr Körper zwischen den Hängen verloren sei.Noch im selben Moment, als die Tochter vom Hang stürzte, hauchte Zahduir seinen letzten Atemzug und der Hass in seinen Augen erlosch für immer.

Auch wenn jede Frau und jeder Mann, jedes Kind und jeder Greis nach der Tochter suchten, so wurde man nie fündig. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen wurden Monate und bald schon Jahre.Und was nie in Vergessenheit geraten sollte, ging verloren. Die Geschichte der Tochter wurde zu einer Legend.


Es vergingen Jahrhunderte, gar tausend Jahre auf den Tag genau, als ein junger Bursche entlang des alten Weges ritt. Die Zeit hatte einst all die Spuren des Kampfes vergessen lassen und der Legende nicht gewiss, beschritt dieser den Weg. So kam es, dass der Bursche den Name Rûn trug und - aller Gedenken zum Trotz - vom Blute Zahduirs war. Denn, so wusste Zahduir nicht, hatte er einst einem jungen Mädchen ein Kind geschenkt gehabt, doch im Lauf der Zeit war dessen Existenz in Vergessenheit geraten.

Da ritt Rûn, den Weg zum Ziel nur erahnend, seines Weges entlang und kam alsbald zu einer Kreuzung. Sich dem richtigen Weg nicht gewiss, rastete er und musste den rechten Weg wählen.

Ein Weg, voll Geröll und Dornen zum Gipfel empor, und ein Weg, so eben und frei ins Tale hinab. Da Ziel und Heimat nicht hoch im Berge lagen, begab sich Rûn ins Tale, nicht wissend sich vom Ziele zu entfernen.

Zu spät, erst bei Einbruch der Nacht, war Rûn die Erkenntnis des Fehlers bewusst, doch als er wenden und zurückkehren wollte, war vom Pfad kein Deut zu sehen. So ritt er weiter voran und schlug erst spät ein Lager am Hange auf, glaubend sich für immer verirrt zu haben, kam auch bald der Schlaf über die Welt. Nebel, hauchzart und eines Atems gleich, legte sich langsam über die Schlafstätte. In den Schatten des Nebels regte sich der Fels und was einst vom Berg verborgen gehalten wurde, gab der Fels nun frei.

Am nächsten Tag, so schien es, war Rûn nicht mehr an den felsigen Hängen des Berges, sondern weit fort in einem Tal voller Leben und Pflanzen. Verwundert, von einer seltsamen Ruhe befallen, bestaunte er die Lichtung, welche sich vor ihm auftat. Doch zwischen Blumen und Weidegräsern lag ein Mädchen von wenigen Sommern.

Es schien als läge sie dort und schliefe nur, doch war ihre Haut so blass und weiß wie Schnee und kein Rot zierte die kleinen Lippen. Gebettet in einem Blumenmeer, glich die Lichtung einem ewigen Grab und ließ denn Schrecken vergangener Zeit erahnen.Sich jener Legende erinnern, erschrak der Bursche und fiel sogleich auf die Knie. Sich seines Blutes bewusstwerden, bat er um Verzeihung, da er sich seines Vorfahrens Vergehen schuldig fühlte.

Sachte nahm Rûn den zierlichen Körper auf und bettet diesen in mitgeführte Tücher, welche einst als Geschenk an den Vater gedacht waren. Vorsichtig, als hielte er einen Schmetterling, stieg er auf sein Pferd. Den Göttern für ihren Schutz über des Tochters Grabesstätte dankend, kehrte er der Lichtung den Rücken. Alsbald verlor sich die Lichtung im Nebel, doch wagte Rûn keinen Blick zurück, sich vor der Magie dieses Ortes fürchten.

So ritt Rûn entlang des Tales, einem unbekannten Pfad folgen, welcher ihm der Nebel auftat. Da kam er bald in die ersten Ausläufer des Berges, als sich der Nebel lichtete und am Horizont die Ruinen einer Burg preisgaben. Im Arm das Mädchen sicher halten, führte er sein Pferd Richtung jener Burg. Auf einem Hügel, nah der Burg, stand eine Eiche. Mächtig und Alt gewahrte sie über die Gräber zu ihren Wurzeln. Am Grabe des ersten Burgherren, dem Ritter aus alter Zeit, welcher einst - in Gedenken an die Tochter - jene Burg erbaute, ließ Rûn das Mädchen nieder.

Hell leuchteten die Sterne, als zu später Stund, im Schatten einer Ruine, ein Feuer hoch leuchtete. Im Schein des Feuers stand ein Junge, ein Bursche von jungen Jahren, und blickte hinauf zu den Sternen. Am Rande, auf dem Grab eines Ritters, stand eine Eiche. Ganz blass und zart stand dort am seltsamen Ort ein Mädchen von wenigen Jahren und lächelte dem Burschen zu. Doch dieser sah nur den Stern am Himmelszelt, einsam und allein, als dieser fiel und die Gestalt des Mädchens langsam verblasste. Seltsam und befreit war dem Burschen zu Mute und als er einen Blick zu der mächtigen Eiche auf dem Grabe warf, da konnte er ganz leis und zart ein Lachen vernehmen. Engelsgleich umspielte es ihn und als der fallende Stern am Horizont verblasste erklang nur leise:

»Danke!«
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