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Polar Opposites

von Shaaronn
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Fantasy / P12 / Gen
Armin OC (Own Character) Viola
13.01.2021
24.01.2022
10
9.165
 
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13.01.2021 909
 
Es kann wirklich langweilig werden, wenn du deine ganze Zeit in einem Park verbringst. Und nein, ich meine nicht deine ganze Freizeit. Ich meine Tatsächlich die ganze Zeit.
Ich lebte in diesem Park in Sweet Amoris. Er war mein Zuhause.
Aber so sehr ich diesen Park auch liebte, die Wiesen, die Bäume, die Sträucher, die Blumen - genug war genug. Ich musste etwas tun!
Ich ließ mich entnervt auf eine Bank fallen und beobachte die Menschen, die sich gerade im Park aufhielten. Es war später Nachmittag, deshalb sah man außer den Senioren, die so gern zum Entenfüttern herkamen, auch kleine Kinder mit ihren Eltern und Teenager, die sich hier nach der Schule trafen um ‘abzuhängen’.
Da sie in meinem Alter waren, konzentriere ich mich besonders auf sie. Sofort fiel mir ein Mädchen mit lila gefärbten Haaren auf, das ich hier sehr oft sah. Sie saß auf einer Bank in der Nähe des Sees und hielt einen großen Skizzenblock in der Hand, auf dem sie mit ihrem Stift in großen, flüssigen Bewegungen striche malte.
Da sie sich so oft hier aufhielt, war sie mir sofort sympathisch. Im Gegensatz zu den anderen Jugendlichen war sie allerdings immer allein hier gewesen. Ob sie nun keine Freunde hatte oder schlicht und ergreifend einfach gern allein war, wusste ich nicht, ich wusste nur, dass ich mich gern einmal mit ihr unterhalten wollte.
Ich schlenderte über die saftig grünen Wiesen, ignorierte das nasse Gras, das meine Fußsohlen kitzelte, und setzte mich vorsichtig neben sie.
Das Mädchen schien mich nicht einmal zu bemerken, zumindest sah sie nicht auf oder rutschte weg oder zuckte zusammen.
Sie malte einfach nur weiter diese beruhigenden Wellen auf ihr Papier. Sie zeichnete nicht einfach nur Kreise, wie mir aufging. Sie zeichnete die winzig kleinen Wellen im Wasser, die entstanden wenn ein Blatt auf die Oberfläche fiel oder wenn sich eine Mücke darauf niederließ. Neugierig versuchte ich, gleichzeitig das Wasser und die Zeichnung des Mädchens im Blick zu behalten. Es war unglaublich, wie schnell sie die feinen Linien auf dem Wasser nicht nur erkennen, sondern auf direkt auf ihrem Blatt in perfektion zeichnete.
“Beeindruckend.”; sagte ich und nun zuckte sie tatsächlich zusammen. “Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken.” Ich rutschte ein Stück von ihr weg, um ihr Platz zu machen. Sie starrte mich einige Sekunden lang an, als wüsste sie nicht, was sie von mir halten sollte.
“Du-”, sagte sie dann endlich. “Du hast keine Schuhe an.”
Ich sah hinunter auf meine Füße und kicherte. “Ja, ich weiß. Ich habe keine Schuhe.” Ich stand auf und lief ein paar kleine Runden durchs nasse Gras. “Außerdem ist es doch ein viel zu schönes Gefühl, die Natur unter den Fußsohlen zu spüren, als dass ich welche tragen würde, findest du nicht?” Als ich mich wieder setzte, stand ihr der Zweifel deutlich ins Gesicht geschrieben.
“Ich weiß ja nicht.”, murmelte sie zögerlich. “Ich bin eigentlich nie ohne Schuhe draußen. Selbst in unserem Garten trage ich immer Flip Flops…” Sie musste meine zusammengezogenen Augenbrauen richtig gedeutet haben, denn sie ruderte mit den Armen und lief rot an.
“Aber das kann sich ja auch ändern! Ich bin übrigens Viola, und wie heißt du?” Ein schüchternes, freundliches Lächeln entstand auf ihren Lippen und sie hielt mir die Hand hin, die ich nur zu gern nahm. Wir schüttelten sie kurz, während ich überlegte, welchen Namen ich ihr sagen würde. “Ich bin Amy. Freut mich sehr, Viola. Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, dessen Name besser gewählt war.”
Viola senkte den Kopf, als wäre ihr das peinlich. Sie flüsterte ein paar unverständliche Worte, dann schob sie sich eine Strähne lilafarbenen Haares aus dem Gesicht und sah wieder auf.
Geräuschvoll atmete sie aus, während sich Stille zwischen uns ausbreitete. Ich sah auf meine Füße und fragte mich, ob alle anderen Menschen es wohl genauso merkwürdig fanden, dass ich barfuß lief.
Ich lebte in diesem Park seit ich denken konnte und verließ ihn kaum. Ich besaß nur wenig, und alles davon waren Sachen, die Besucher des Parks vergessen oder weggeworfen hatten.
Dazu gehörten eine rot karierte Picknickdecke, ein geflochtener Holzkorb, eine kleine grüne Elefanten-Gießkanne und ein quietschendes Buch für Kleinkinder. Damit hatte ich als Kind lesen gelernt. Schuhe hatte noch nie jemand vergessen. Halt, Stop, das stimmt nicht ganz - Ich hatte mal einen Babyschuh neben einem Baum gefunden, aber den hatte ich gut sichtbar platziert, damit die Familie ihn wieder abholen konnte. Am nächsten Tag war er tatsächlich nicht mehr da gewesen.
Viola riss mich aus meinen Gedanken, als sie erneut zum sprechen ansetzte.
“Du, Amy, auf welche Schule gehst du eigentlich?”, fragte sie. “Ich gehe nicht zur Schule.”, antwortete ich und streckte mich. Viola zog die Augenbrauen zusammen. “Nicht? Wie alt bist du?” “Achtzehn.”, log ich und sah erneut zum See rüber, der in dieser Sekunde still war. Keine Welle, kein Insekt, kein Blatt bewegte sich.
“Aber irgendwas musst du doch machen?”, hakte sie nach und mir wurde langsam unwohl. Mir fiel wieder ein, warum ich so ungern mit Menschen redete. Ich hasste es, zu lügen und Ausreden zu erfinden.
“Ich würde lieber nicht darüber reden.”, murmelte ich stattdessen bloß. “Oh.”, machte Viola und krallte die Hände in ihr Kleid. “Tut mir leid, ich wollte nicht aufdringlich sein. Das geht mich natürlich nichts an.”
Ich hob beschwichtigend die Hände. “Schon gut! Ich rede nur nicht gern darüber.”
Ich wusste genau, dass sie sich nun unwohl fühlte, deshalb redete ich sofort weiter.
“Dürfte ich dir ein bisschen beim Zeichnen zusehen, Viola?”
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