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The Auror

von Die Meg
GeschichteRomance / P18 / Het
Draco Malfoy Hermine Granger
13.01.2021
16.07.2021
46
157.073
85
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Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
13.01.2021 6.576
 
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Setting: Story spielt nach Hogwarts, nach dem Krieg. So ungefähr drei Jahre später. Kein Canon, wegen Dramione. Ihr kennt es schon… (Und kein Chara-Death.)

Cliff Notes: Die Story wird länger als die letzte. In meinem Kopf sehe ich 30-40 Kapitel. Das kann sich aber auch noch ändern. Nur dass ihr den Rahmen wisst. Story ist unbeendet, aber ich werde sie beenden. Versprochen.

Trivia: Für die Trivia hole ich hier etwas aus, aber bei der Titelvergabe fielen mir einige Dinge ein. Es sollte ursprünglich eine Scorose-Story werden, aber mich verließ die Lust sehr schnell. Sie sollte in Arizona spielen und die drei Jahre beanspruchen, die es dauert, ein Seltenheitszertifikat zu machen (von mir erfunden, und es hat mir Spaß gemacht!).
Dann habe ich mich anders entschieden, und den ganzen Animagus-Quatsch zum Nebenteil gemacht, obwohl ich da doch sehr ins Detail gehe, da ich mir meine ausführlichen Gedanken im Vorfeld gemacht hatte, und mir sowieso Animagus-Zauber am besten gefallen aus dem Potter-Verse. Habe auch noch keine Story darüber gelesen. – Aber das heißt nicht viel.
Jedenfalls habe ich mich erinnert, dass ich vor fünf Jahren eine Story gelesen habe, die ‚How to train your Auror‘ heißt. Sie ist von MrBenzedrine89 und auf ff.net zu finden, als auch auf AOO. Ich empfehle, was ich grundsätzlich immer empfehle: lernt Englisch und lest Storys auf Englisch. Ich glaube nicht, dass sie übersetzt worden ist. Ich habe die Kapitel nur angelesen, denn sie geht knapp 900 Seiten, was mir zurzeit zu anstrengend ist. Ich wollte sichergehen, dass ich hier keinen Plot stehle. Aber das tue ich nicht. War eine sehr gute Story.
Es gibt Geschichten, die trage ich im Herzen, denke manchmal unbewusst daran, und das ist definitv eine von diesen Storys.
Wie mir im letzten Streitgespräch in den PNs von einer Storyklauerin gesagt wurde, habe ich das Rad nicht neu erfunden, was Dramione angeht, aber ich spreche mich frei von Plagiaten.
Ich schreibe nicht im Team, ich schreibe nicht, um Reviews zu bekommen. Ich schreibe, um meinen Kopf freizukriegen, um Probleme zu verarbeiten, um meine Gedanken zu entspannen. Und ich weiß, das tun die meisten Leute nicht. Die meisten Leute suchen wohl eher das Feedback, die konstruktive Kritik. Ich suche eigentlich nur die Flucht aus dem Alltag, der manchmal unerträglich grau und fantasielos sein kann. Und meine größte Freude ist, wenn ich Leuten dabei helfen kann, eben aus diesem Grau zu entkommen und in eine Story abzutauchen.

Animagus-Krempel: Die Bücher geben erstaunlich wenig her, was dieses Thema angeht, außer dass die Rumtreiber es auf Hogwarts schon schaffen, sich in Tiere zu verwandeln, was mich annehmen lässt – es ist kein Hexenwerk. Ha ha. Zweiter Anhaltspunkt, den ich hatte, war Snapes Patronus-Wandel. In meiner Aurorenausbildung zwinge ich jetzt den Animagus-Schein mit rein, da er bei mir zum guten Ton gehört :> Neben dem normalen Animagus-Schein (man verwandelt sich in seinen Patronus) erfinde ich noch den Seltenheitsschein (man verwandelt sich in ein seltenes, magisch begabtes Tier). Im meinem Kopf kann man seinen Patronus nicht zu einem magisch begabten Tier ändern, weshalb die Animagus-Verwandlung ungleich schwerer ist. Man kann seinen Patronus, nach meiner Logik, aber zu einem Patronus wandeln, der zur Begabtengruppe gehört. Keine Ahnung, was begabt von normal wirklich unterscheidet, aber bei mir hat es mit ‚Coolness‘ zu tun, und dass ich manche Tiere einfach besser finde als andere. Gehört man zur Begabtengruppe kann man das Seltenheitszertifikat machen. Mein Gefasel ist hier natürlich vollkommen unverständlich, aber beim Lesen wird man es verstehen... Das ist mein Nebenplot, der aber wahnsinnig viel Spaß gemacht hat.

Räuber-Klausel: Bleibt fair. Respektiert meine Arbeit. Danke.



The Auror

1. talented


Seine Hände schwitzten, verrieten seine nicht vorhandene Gelassenheit, während er sie trotzdem weiterhin in den Taschen der Hose verborgen hielt.

„Absolut unmöglich. Lass es besser“, vernahm er Blaises Stimme neben sich. Er war seinem Blick gefolgt, und scheinbar kannte ihn Blaise gut genug, dass er erkennen konnte, dass sich Draco in tiefster Planung und Ränkeschmiede befand. Sein Blick glitt über die Menge an Menschen, und er hatte keine Ahnung, wie er es bewerkstelligen wollte. Was er überhaupt bewerkstelligen wollte, denn bei Merlin, er hatte kaum Zeit, überhaupt hier zu sein. Er war so erschöpft, dass er kaum stehen konnte, dass er am liebsten türmen wollte, einfach, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, wie ein Hundertjähriger. Seine neue Arbeit forderte ihn dermaßen, dass er nur noch Überstunden leistete, um jeden Tag erneut voller Furcht auf der Matte zu stehen.
Am liebsten wollte er etwas erwidern, Blaises Worte abtun, aber ihm fiel nicht mal ein, was er hätte sagen können. Stattdessen kaute er abwesend auf der Unterlippe und überlegte krampfhaft, ob ihm jemals Anstand und Benehmen beigebracht worden war. Er glaubte nicht. Oder er erinnerte sich nicht mehr. Wie sollte er ein Gespräch mit ihr beginnen? „Lass uns abhauen“, raunte sein bester Freund achselzuckend, aber Draco ruckte mit dem Kopf. Es war der erste Abend, den er nicht im Apartment verbrachte, sondern draußen. Und seit Monaten hatte er niemand anderen als Blaise zu Gesicht bekommen, und es juckte ihn in den Fingern, mit einer hübschen Frau zu sprechen.

„Noch nicht“, widersprach er ruhig, ohne den Blick zu wenden. Er brauchte einfach nur eine vernünftige Gelegenheit mit ihr zu sprechen, ohne dass es absolut erbärmlich wirkte. Was tat sie hier überhaupt? Sein Verstand arbeitete, und das war mal was Neues. Seit Monaten ließ er sich eigentlich nur noch berieseln und dachte selber kaum noch nach. Was tat sie auf dem Ministeriumsbankett? Arbeitete sie hier? Musste sie wohl. Eine Ehrenfeier war es nicht. Einige junge Mitarbeiter waren hier.

„Dann starte deine Hogwarts-Revival-Party ohne mich. Potter ist hier“, murmelte Blaise kopfschüttelnd, und Draco verzog den Mund. Tatsächlich. Aber er nahm an, Potter würde den gesamten Abend von einer Traube an Bewunderern umringt sein. Trotzdem blieb sein Blick an ihm hängen. Auror, schoss es ihm dumpf durch den Kopf, und er reckte sich, stand etwas aufrechter und suchte nach einem verräterisch roten Haarschopf, aber Ronald Weasley war nicht zu entdecken. Wahrscheinlich waren sie allesamt Auroren im Training, oder bereits fertig ausgebildet. Ihm fehlten einige Jahre in England, um den Werdegang seiner Mitschüler ausreichend beurteilen zu können.

Und als sie sich in Bewegung setzte, tat er es ihr beinahe simultan gleich. „Draco!“, zischte Blaise gereizt, aber Draco mimte ihren Weg, erkannte ihr Ziel, und es bot ihm zumindest ein Alibi, in ihre Nähe zu gelangen. Er vergewisserte sich, dass sein Vater in keiner nächsten Distanz zu ihm war, und schloss den Abstand zur schmalen Bar, die behelfsmäßig an der Wand aufgebaut worden war. Lucius war nur als Sponsor hier. Er belegte keine Position, aber Draco fand es dennoch unpassend, dass sein Vater hier rumspazierte, wo er selbst doch knietief in seiner Schuld stand. Seine Gedanken rasten. Er trank nicht. Nicht wirklich, aber er würde kaum Kürbissaft bestellten können! Und schon stand er neben ihr, sie sprach, nannte dem Barkeeper ihr Getränk, und schon traf ihn der auffordernde Blick des Zauberers, und er sagte, was sein Vater sagen würde.

„Scotch, zwölfjährig.“ Er hasste Scotch. Er schluckte schwer und spürte ihren Blick. Beiläufig, fast überrascht, zwang er sich nach rechts zu blicken. Und er musste tief nach unten blicken, denn sie war kleiner als er.

„Oh hey“, entkam es ihr, tatsächlich überrumpelt, und er sah in ihrem Blick, dass sie diese Begrüßung wohl so sehr bereute wie er seine Scotch-Bestellung.

„Hey“, wiederholte er das Wort langsam, fast schwerfällig, und kam sich grenzenlos dämlich vor. Aber für gewöhnlich stalkte er keine Frauen mit seinem Blick und brachte sich in unangenehme Situationen. Für gewöhnlich brauchte er auch keine Floskeln der Höflichkeit auspacken. Er glaubte auch nicht, dass er welche kannte. Für eine flüchtige Sekunde fragte er sich, wie seine Haare lagen, aber dann nahm sie ihr Getränk entgegen – es war pink – und wollte sich abwenden, und sein Gehirn spuckte das nächstbeste aus, was so spontan möglich war.

„Arbeitest du hier?“ Unverfänglich. Unverbindlich. Gut, wirklich gut.

„Ahem – ja“, bestätigte sie, und wahrscheinlich war es eine blöde Frage, aber sie sprach weiter, Merlin sei Dank. „Ich bin in der Ausbildung hier.“

„Auror?“, vermutete er sofort, und sie nickte zögerlich.

„Ja. Du?“ Scheinbar fragte sie ihn der Höflichkeit halber, der sie scheinbar mächtig war.

„Finanzen. Mein-“, er zögerte eine Sekunde, „selbstgerechter Vater hat mir hier einen Job verschafft“, schloss er dann, wollte nicht ins schmerzhafte Detail gehen, und seit Monaten schaffte es einer seiner Mundwinkel, sich zu heben, den beschwerlichen Weg in seine Wange zu graben, nach all den Enttäuschungen. Und tatsächlich lachte sie kurz auf. Sie war nervös, hob ihr Glas entsprechend und trank einen zügigen Schluck. Tja, und das war es an Smalltalk. Noch einmal suchten seine Augen die Umgebung ab, denn auf keinen Fall brauchte er Lucius‘ Input zu seiner Entscheidung, ein Gespräch mit Hermine Granger zu führen. Lucius hatte für ihn einige Räder ins Rollen bringen müssen, damit Draco überhaupt genommen worden war, nachdem ihn die Mysteriumsabteilung sehr überdeutlich abgewiesen hatte. Es war sein eigenes Drama, seine eigene dreijährige Enttäuschung, und er würde darüber nicht reden. Jetzt arbeitete er auf Probe in der Finanzabteilung, wo er nicht hatte sein wollen, aber Lucius hatte ihm keine Wahl gelassen. „Weasley nicht hier?“ Es sollte beiläufig klingen, tat es aber ganz und gar nicht, wie er unglücklich feststellte. Es klang grenzwertig, es klang lauernd. Wieder sah sie ihn an, schien nicht sicher zu sein, was er von ihr wollte, und die feinste Falte entstand zwischen ihren Augenbrauen.

„Äh, nein. Ron… Ron arbeitet nicht hier“, erklärte sie beinahe distanziert, beinahe… verletzt? Er wusste es nicht einzuordnen.

„Kein Auror im Training?“ Fast überraschte es ihn. Nicht, dass er in seiner Freizeit darüber sinnierte, welcher Gryffindor eine Aurorenausbildung machte, aber tatsächlich hätte er vermutet, das Trio wäre unzertrennlich. Dann wiederum war er drei Jahre nicht hier gewesen und hatte keine Ahnung, was die Leute, die er ohnehin nur oberflächlich kannte, in ihrem Leben antrieb.

„Nein, Ron hat kein übermäßiges Interesse am Ministerium“, entgegnete sie, offenbarte ihm nicht, was Weasley sonst mit seinem Leben anstellte, und fairerweise interessierte es Draco so wenig, dass er es wahrscheinlich am Ende des Abends sowieso wieder vergessen hätte. Und tatsächlich reckte auch sie unauffällig den Kopf. Als würde auch sie anderen gegenüber keine Rechenschaft darüber ablegen wollen, dass sie hier mit ihm stand. Das Gespräch mit ihm war ihr… peinlich? Unangenehm? Eines dieser Worte, nahm er an. Sein Mund schloss sich. Er fühlte sich abgewiesen, obwohl er keinerlei Absichten kommuniziert hatte.

„Hier bist du!“ Fast erschrak er, verschüttete beinahe sein Getränk, fing sich aber im letzten Moment. Oh, dieses Gesicht kannte er. Scheinbar waren Dracos Absichten zumindest auf instinktiver Ebene klar, denn der Mann vor ihm legte Granger den Arm demonstrativ um die schlanke Taille. „Malfoy“, ergänzte der Mann, und Draco wusste, es würde wohl als Arroganz ausgelegt werden, dass er den Namen des Mannes nicht kannte. Er lag ihm nicht ansatzweise auf der Zunge. Er wusste nur, er war ein Gryffindor gewesen, und ein Reinblut, denn allein aus dem Club kam ihm das Gesicht noch geläufig vor.
Und Granger schien sein Problem zu erkennen, oder aber sie kannte sich mit der Etikette besser aus, als angenommen.

„Ahem, Malfoy, du kennst Cormac? McLaggen“, ergänzte höflicherweise, allerdings entging Draco der eindeutige Unterton in ihrer Stimme nicht.

„Sicher“, schluckte Draco ihren Köder dankbar. „McLaggen, du verkehrst im Club, oder?“, brachte er sein schmales Wissen an, und McLaggen nickte knapp.

„Hin und wieder. Selten“, erwiderte er, aber die Antwort war gepresst, und kurz war sein Blick über Grangers Gesicht geglitten, und Draco konnte nur mutmaßen, dass es womöglich ein Streitpunkt war. McLaggen…- am liebsten würde er den Mund verziehen, und Granger fragen, warum sie mit diesem Clown zusammen war und nicht mit Weasley. Aber… das tat er nicht.

„Hm“, machte Draco, der eigentlich einen klanglosen Rücktritt hatte antreten wollen. „Du arbeitest hier?“

„Nein, nein. Merlin bewahre“, entgegnete McLaggen, ebenfalls einigermaßen arrogant. „Ich bin im Familiengewerbe untergebracht.“ Soweit Draco es interessierte, konnten die McLaggens Zirkuseulen dressieren. Es war ihm ziemlich egal, und vor allem – Blaise hatte Recht gehabt. Es war ein viel zu kompliziertes Unterfangen mit Granger zu reden. „Ich bin Hermines Begleitung“, machte McLaggen es deutlich. Sehr deutlich. Sein Blick war stechend. „Wundert mich, dass man dich hier antrifft. Hätte angenommen, dass dein Vater dich in seinem Unternehmen eingeplant hat.“ Draco hätte aus drei Kilometern erkennen können, dass Granger kurz davor war, einzuschlafen.

„Mein Vater ist ein Arschloch“, erwiderte Draco ohne Scham und ohne Scheu, mit einem angedeuteten Achselzucken und einem trockenen Lächeln, und Grangers Aufmerksamkeit gehörte ihm plötzlich etwas mehr. „Unser Name öffnet nach dem Krieg keine Türen mehr, höchstens die in Askaban, und deshalb habe ich meinen Vater genötigt, mir zumindest einen sicheren Job im Ministerium zu verschaffen, da ich nicht dazu verdammt sein will, auf dem untergehenden Schiff ‚Malfoy‘ meine Jahre zu fristen.“ McLaggen wirkte vollkommen schockiert.

„Das ist… ehrlich“, entkam es McLaggen konsterniert. Mit bitterer Miene leerte Draco seinen Scotch in einem Zug.

„Das ist kein Geheimnis“, bemerkte Draco offen. „Und leider reicht meine Begabung nicht für die Aurorenausbildung aus.“ Es war ein Kompliment, aber er konnte Grangers Blick nicht deuten. Zwar war es gelogen, denn ihn interessierten die Auroren nicht, aber Schmeicheleien hatten noch nie geschadet. Er wusste, wann eine Schlacht verloren war. Nicht, dass er irgendwelche konkreten Gedanken gehabt hätte. Es war ein Impuls gewesen, einfach weil Granger heute Abend hier die hübscheste Frau gewesen war. Hübscher, als Draco sie je in Erinnerung gehabt hatte. Aber wohl nicht mehr die klügste Hexe ihrer Zeit, wenn sie McLaggen an ihrer Seite bevorzugte. Er war seit einigen Monaten wieder in England und hatte körperliche Bedürfnisse – um es subtil zu sagen. Seine Beziehung in Arizona war kurz gewesen, und er hatte schlicht keine Zeit gehabt, sich um sein sexuelles Seelenheil zu sorgen. Mittlerweile bereute er seine Entscheidungen, aber jetzt half es ohnehin nicht mehr. Granger hatte irgendeinen primitiven Impuls in ihm geweckt. Mehr nicht.

„Die Leute lassen einen überhaupt nicht mehr in Ruhe. Entschuldigung, ich – oh.“ Potter hatte ihm sachte die Hand auf die Schulter gelegt, um an die Bar zu treten, und erkannte ihn erst jetzt. Unglaube und leichter Unverstand zeichneten seine Züge. Draco hatte ihn lange nicht mehr gesehen, lange nicht mehr an ihn gedacht. „Malfoy?“ Es verließ als Frage seinen Mund und Potters Blick glitt fast hilfesuchen zu Granger.

„Wir… sind zufällig hier aufeinander getroffen“, erklärte sie mit einem hohlen Lächeln.

„Ja“, bestätigte Draco diese Lüge, denn für Granger mochte es Zufall gewesen sein. Vielleicht auch nicht, und sie war tatsächlich einfach nur höflich, hatte ihn bereits durchschaut.

„Oh“, entfuhr es Potter ratlos. „Ich… wie… geht es so?“, wich er in Floskeln aus, und fast wollte Draco lachen.

„Schon gut“, nahm er Potter die Bürde ab, mit einem ehemaligen Todesser zu kommunizieren. „Ich möchte deinen Abend nicht verderben. Harry“, ergänzte er den ungewohnten Namen. Potter blinzelte. „Zeit, zu gehen“, schloss er lächelnd. „McLaggen, Granger“, ergänzte er, und er schenkte ihr ein knappes Lächeln, das sie einigermaßen verwirrt zur Kenntnis nahm. „Genießt den Abend und den freien Alkohol“, schloss er und machte Kehrt.

Versagt auf ganzer Linie. Das würde Blaise ihm vorhalten.

~*~

Genannt wurde es der ‚finanzielle Sonderposten‘. Draco würde eher sagen, es war die komplizierteste Arbeit der gesamten Abteilung. Er hatte im Ministerium arbeiten wollen, aus genau den Gründen, die er auch Granger und ihrer Entourage gestern mitgeteilt hatte. Sein Name war belastet, und er war lange nicht mehr so verbohrt, nicht einzusehen, dass es auf lange Sicht kein Geschenk Merlins war, ein Malfoy zu sein. Er huldigte seinem Vater nicht, huldigte auch nicht seinem Gold.
Das Ministerium sicherte ihm eine einigermaßen gute Stellung. Denn er wusste auch, nicht zu arbeiten, bedeutete, sich den ganzen Tag mit sich selbst zu befassen. Und in ihren Kreisen bedeutete es ebenfalls, dass man zu dumm war, einer Arbeit nachzugehen.

Gregory überlegte seit drei Jahren, was er machen sollte, nachdem er zwei Jahre sinnlos studiert hatte. Pansy suchte einen Mann (Blaise), und Blaise hatte es ihm gleich getan, verzichtete ebenfalls auf eine Anstellung bei seinem eigenen Vater, arbeitete aber nicht in der Finanzabteilung, sondern im Außenwesen. Öffentlichkeitsarbeit war genau das richtige für eine Rampensau wie Blaise es war. Ein Schönling erster Güte. Dracos Mundwinkel hoben sich knapp.

„Fertig hier?“, unterbrach Darwin Leman seine Gedanken. Er war sein Vorgesetzter und auf Dracos Namen ebenfalls nicht sonderlich gut zu sprechen. Draco war überqualifiziert für den Job, den er machte, aber er beschwerte sich nicht. Nicht viel, nicht laut, nicht bei seinen Vorgesetzten. Nur bei Blaise.

„Mhm“, machte Draco, nachdem ihn der letzte Fall zwei Stunden gekostet hatte.

„Gut. Ich habe hier noch eine undankbare Aufgabe für dich“, erläuterte Darwin ihm, und Darwin verzichtete – nur bei ihm – auf die förmliche Anrede. Der Todesser-Stellenwert lag hier… irgendwo tief unter Null, wusste Draco. Darwin reichte ihm einen Zettel. Draco zog die Stirn in Falten.

„Was soll das sein?“, entfuhr es ihm gereizt, denn er machte alles, was hier von ihm verlangt wurde, arbeitete Überstunden, damit er gut dastand, seinen Vater nicht blamierte, der sehr viele hartnäckige Gespräche mit der Verwaltung hatte führen müssen, damit Draco überhaupt die Chance gegeben wurde, in eine Abteilung zu kommen, die weder suchte, ausbildete, noch anstellte. Es lag viel daran, dass er sich gut führte, dass er bewies, dass er den Job machen konnte, mit einer Einarbeitungszeit von einem Monat – denn er löste bereits Fälle, die nicht für Einsteiger gemacht waren.

Es war keine Kunst, nichts Anspruchsvolles. Es war Schadensbemessung. Nichts weiter. Aber die Gepflogenheiten der Abteilung zu erlernen, zu wissen, was von ihm gefordert wurde – das musste er alleine herausfinden, und es war müßig.

„Die Akte fehlt. Finde sie“, ergänzte Darwin fast aufmunternd, mit knapper Genugtuung.

„Sie finden?“, wiederholte Draco bloß. „Wie soll ich das anstellen?“ Aber Draco hatte bereits eine Befürchtung, und Darwin schien ihm die Frage gerne zu beantworten.

„Oh, ich weiß nicht, Malfoy. Ich schlage vor, du erhebst dich aus deinem Stuhl, verlässt dein Büro – es sei denn, du versteckst die Akte unter deinem Schreibtisch – und fängst an.“ Draco sparte sich jeden Kommentar dazu.

„Wer hatte sie zuletzt?“

„Würde ich das wissen, hättest du nicht die Aufgabe, das Ding zu finden, oder?“, erwiderte Darwin kühl.

„Warum ist sie weg?“, wollte er ohne Begeisterung wissen.

„Vielleicht hat sie Beine bekommen und ist weggelaufen?“, entgegnete Darwin gereizter, und Draco nahm an, mehr Infos würde er nicht bekommen. Darwin reckte den Daumen nach oben. „Viel Erfolg. Erledige das bis mittags, Malfoy“, schickte er noch eine Warnung hinterher, und Draco atmete lange aus. Und tatsächlich erhob er sich aus seinem Stuhl, nicht undankbar, sein Büro verlassen zu können. Er wusste nur eine Anlaufstelle, nämlich das Archiv. Dort musste man hin, wenn man Akten außerhalb des Bearbeitungslaufes einsehen wollte.
Allerdings nahm er an, dass dieser Schritt bereits versucht wurde.
Dennoch klopfte er an die offene Tür des Raumes, der magisch vergrößert worden war, denn er blickte bestimmt einen halben Kilometer tief in den Raum, wo sich Aktenschrank um Aktenschrank reihte.
Nur hier war der Apparierschutz aufgehoben, und kurze Zeit später apparierte eine Hexe an den Tresen.

„Ja?“, fragte sie abwartend und Draco reichte ihr den Zettel. Sie hob den Blick. „Mr. Malfoy“, begann die Frau, die ihn scheinbar kannte, denn unbekannt war er nicht, er war lediglich… unerwünscht. „Mr. Leman war vor zehn Minuten hier, um die Akte zu holen, und ich hab ihm mitgeteilt, dass sie seit zwei Monaten fehlt. Hätte ich sie, müssten Sie nicht herkommen.“

Er hatte es sich gedacht. „Ich verstehe“, sagte er dann. „Gibt es irgendwelche anderen Informationen? Können Sie mir sagen, welcher Name hierzu gehört? Welcher Fall es ist?“

„Nein“, sagte sie dann. Draco hielt sich davon ab, frustriert den Mund zu verziehen. „Auch hier haben wir Datenschutz. Die Bearbeitungsnummern sind willkürlich, und-“

„-ok“, unterbrach er sie. „Woher wissen Sie, dass sie seit zwei Monaten fehlt?“, versuchte er es auf eine andere Schiene.

„Ausleihprotokoll“, erwiderte sie eindeutig. Seine Augen weiteten sich knapp.

„Dann verstehe ich nicht, wo das Problem liegt“, entfuhr es ihm verständnislos.

„Das Problem“, begann die Hexe, als sie den Wälzer von Protokoll hervorholte und aufschlug, um mit dem Zauberstab magisch die richtige Seite zu finden, „ist, dass die angegebene Büronummer falsch ist“, schloss sie knapp, und ungefragt beugte er sich vor. „Mr. Malfoy!“, rief sie sofort. „Der Datenschutz-“

„-das ist die Leitung der Auroren“, erkannte er, und die Hexe entzog das Protokoll seinem Blick.

„Das weiß ich, Mr. Malfoy. Mr. Shacklebolt hat allerdings bestätigt, die Akte niemals angefordert zu haben.“ Draco runzelte die Stirn.

„Dann wird es jemand anders aus der Abteilung sein“, bemerkte er, und die Hexe sah ihn entsprechend spöttisch an.

„Es scheint so, nicht wahr?“ Sie schien davon auszugehen, und Draco begriff nicht wirklich. „Mr. Malfoy, in der Auroranabteilung arbeiten zweihundert Mitarbeiter. Niemand hat die Zeit und Muße, jeden Mitarbeiter zu befragen.“

„Wie viele Muggelgeborene arbeiten in der Abteilung?“, kürzte er das Problem präzise ab.

„Bitte?“ Die Frage war eher rhetorisch, denn natürlich ließ sich diese Zahl drastisch reduzieren. Draco deutete auf den Zettel.

„Die letzte Zahl ist eine neun. Das bedeutet, es handelt sich um einen finanziellen Sonderposten. Und das bedeutet, es ist ein Schadensersatzfall wegen Kriegsverbrechen. Kriegsverbrechen sind überwiegend an Muggeln begangen worden, was mich annehmen lässt, es wird hier nicht anders liegen. Also braucht man nur die Mitarbeiter zu fragen, die muggelgeboren sind“, schloss er didaktisch kurz, aber die Hexe schien von seiner offensichtlichen detektivischen Kunst nicht angetan.

„Dann viel Spaß dabei“, erklärte sie lächelnd. „Wäre das alles?“ Draco atmete lange aus.

„Das wäre alles.“

„Einen schönen Tag noch.“

„Ja.“ Er hasste es hier. „Ebenso.“ Er machte kehrt. Und er begriff, vielleicht würde er Granger eher wiedersehen, als gedacht. Wie viele Muggelgeborene konnten schon da unten rumlaufen?



- Nicht viele, wie sich zehn Minuten später herausstellte. Er stand im Büro von Mr. Shackelbolt. „Miss Granger, Mr. Thomas und Mr. Lawson befinden sich im Training, was bedeutet – nun ja, dass sie gerade trainieren. Sie haben kein Büro“, machte Shackelbolt es deutlich. „Wenn Sie also annehmen, Ihre wichtige Akte befindet sich in unserem Besitz, müssen Sie nach unten gehen.“

„Nach unten?“, wiederholte Draco entgeistert.

„Die Trainingseinheiten finden unten statt. In den Trainingsräumen?“, machte er es deutlich, und Dracos Mund öffnete sich. Richtig. Auroren wurden im Kampf ausgebildet. Natürlich saßen sie nicht hier oben.

„Komme ich dort rein?“

„Nicht ohne weiteres, nein. Es sei denn, Sie möchten sich als Ziel anbieten“, schlug Shacklebolt mit einem feinen Lächeln vor. Weil er Sohn eines Todessers war. Witzig. Überaus witzig. Draco verzog den Mund, sagte nichts dazu. Shacklebolt atmete aus. „Ich schreibe Ihnen eine kurzfristige Zulassung.“ Er füllte irgendein Standardformular aus, griff dann in seine Schreibtischschublade und überreichte ihm auch noch einen Anstecker. Er schimmerte dunkelblau. Es war eine Aurorenplakette. „Bitte wieder bringen“, ermahnte Shacklebolt ihn. Draco nickte knapp, als er sie an seinen Hemdkragen steckte. „Junge“, sagte Shackelbolt dann kopfschüttelnd, erhob sich, umrundete den Schreibtisch, überwand jeden höflichen Abstand und griff in seinen Kragen. „Ich denke, die Leute werden sich ohnehin über Sie lustig machen da unten, wie wäre es, wenn Sie dann nicht völlig lächerlich sind?“, bemerkte er eindeutig und steckte die Plakette an seine Brust. „Ich nehme an, Sie wollten verhindern, dass Ihr feines Hemd eine Falte bekommt, aber bei allem Respekt – das ist die Abteilung der Auroren, nicht das feine-Pinkel-Büro, aus dem Sie gerade kommen.“

Draco dachte darüber nach, und tatschlich hob sich sein Mundwinkel. „Verstehe, Sir“, sagte er knapp. Shacklebolt schlug ihm auf die Schulter.

„Wunderbar“, bemerkte er versöhnlich. „Raus mit Ihnen. Lösen Sie Ihren Fall“, verabschiedete er ihn, und zum ersten Mal hatte Draco ein fast angenehmes Gefühl im Ministerium.

Der Weg nach unten war ihm unbekannt. Theoretisch nicht, aber die Fahrstuhltüren hatten sich für ihn nie geöffnet, im Stockwerk 03.

„Auroreneinheit“, informierte ihn die kühle Hexenstimme, seine Plakette schimmerte verheißungsvoll, aktivierte wohl den Zauber der Tür, und der Fahrstuhl öffnete sich, offenbarte ihm einen langen Gang, und er hörte bereits lautes Geschrei, Flüche, die durch irgendwelche Hallen gelten, und kurz überlegte er, dass er absolut ungeschützt, als Sohn von ehemaligen Voldemort-Anhängern, vorhatte, ein Fluch-Training zu stören.

Er durchwanderte den Flur langsam, praktisch auf der Hut. Ein Zimmer stand offen, offenbarte ihm eine Reihe an Besen an der Wand, Ausrüstungen, Uniformen, und ein Zauberer und eine Hexe hoben die Blicke. Wahrscheinlich fiel er auf wie ein bunter Hund.

„Ja?“, wollte der Zauberer beinahe amüsiert wissen. Er trug die graue Uniform, die gelben Signalstreifen an Ärmeln und Beinen, und ebenfalls eine Plakette über der Brust. Sofort holte Draco das Formular hervor.

„Draco Malfoy, ich… suche Miss, Granger, Mr. Thomas oder Mr. Lawson.” Der Mann betrachtete stirnrunzelnd das Formular. Dann hob sich sein Blick spöttisch zu der Plakette über Dracos Brust.

„Kommen ehemalige Todesser jetzt hier runter, um sich ein bisschen an Muggelgeborenen abzureagieren? Wird schlecht für dich enden, Malfoy“, mischte sich die Frau grinsend ein, und Dracos Blick hob sich ausdruckslos.

„Mein Vater ist ehemaliger Todesser. Ich war nur unglücklich genug, als sein Sohn geboren zu werden und eine Handvoll dummer Entscheidungen zu treffen, die ich bereue und nicht rückgängig machen kann.“ Er hatte kein Problem damit, seine Fehler einzugestehen, zuzugeben, einer schlimmen Familie anzugehören. Das war seine Realität. Sie zu beschönigen half keinem. Die Hexe verlor den spöttischen Ausdruck.

„Wenn mal mehr von euch solche Demut besäßen“, sagte sie knapp. „Eleanor Greenwood“, stellte sie sich vor.

„Wir sind verwandt“, fiel ihm abwesend auf.

„Ja, sind wir“, bestätigte sie. „Aber du warst in Windeln, als deine Mutter das letzte Mal bei uns Zuhause gewesen ist“, ergänzte sie lächelnd.

„Wie nett“, entkam es ihm.

„Komm, ich bring dich. Die fressen dich sonst auf“, ergänzte sie versöhnlich. „Nur Granger und Thomas sind zusammen. Lawson ist im dritten Jahr. Jetzt gerade haben nur die Einer und Zweier zusammen Training“, erklärte sie Dinge, die er nicht wirklich verstand. Er wurde weiter geführt, den Flur entlang, während der Zauberer zurückblieb und scheinbar eine Art Inventur über Besen und Ausrüstung nachhielt. Es wurde lauter, und die Hexe stoppte vor einer Halle mit zwei großen Türen Sie sprach einen Zauber stumm, löste eine Art Alarm im Innern aus, und das Geschrei endete abrupt. „Jetzt ist es sicher“, informierte sie ihn überflüssigerweise. Sie öffnete die Tür. „Guten Morgen, Leute. Ich bräuchte einmal Granger und Thomas“, rief sie, und Draco überblickte die riesige Trainingshalle einigermaßen neidisch. So würde er lieber seine Morgen verbringen. Tatsächlich lösten sich zwei Menschen in dampfenden Uniformen aus der Menge und kamen näher. Die anderen Auroren im Training reckten die Köpfe und verrenkten die Hälse.

„Seit wann dürfen sich die Todesser die Muggelgeborenen hier aussuchen, ohne einen angemessenen Kampf vorweg?“, vernahm er die vorlaute Stimme eines äußerst muskulösen Zauberers, den er mit einem eisigen Blick bedachte.

„Halt die Klappe, Cage“, informierte Eleanor den jungen Mann, ohne Zögern.

„Ich meine es wirklich ernst. Scheint mir nicht sportlich zu sein. Aber wahrscheinlich würde sich der Idiot nur seine Lackschuhe schmutzig machen, würde er seinen Zauberstab benutzen müssen“, sagte der Mann namens Cage und erntete zustimmenden Gelächter.

„Wir können das gerne nach Dienstschluss klären“, bemerkte Draco kalt, nicht willig, sich von seiner Altersgruppe beleidigen zu lassen.

„Nach Dienstschluss?“, wiederholte Cage lachend. „Klar! Die reichen Wichser müssen natürlich erst das Gold verdienen, und dann ihren Namen verteidigen.“ Draco ballte die Hände zu Fäusten, nicht sicher, wie er reagieren sollte.

„Niemanden interessiert deine Meinung, Cage“, sagte Granger jetzt, die sich auf halbem Weg zu ihm umgewandt hatte.

„Granger rettet den Todesser. Wie heldenhaft!“ Bevor Draco merkte, wie er sich in Bewegung setzte, hatte sich Eleanors Hand um seinen Arm gelegt.

„Es reicht!“, beendete Eleanor die Auseinandersetzung noch bevor sie wirklich begonnen hatte. Draco konnte sich wirklich gut vorstellen, diesem Arschloch die Fresse zu polieren. Sehr gut. Aber dann hatten die beiden ersten potentiellen Verdächtigen ihn erreicht. „Mr. Malfoy hier hat… eine Frage, nehme ich an?“ Eleanor schien nicht wirklich zu wissen, was er wollte, und fast wusste er es selbst schon nicht mehr. Richtig, er wurde in seiner Abteilung drangsaliert, wie er es auch hier unten wurde.

Und er fixierte nur sie, als er sprach, denn selbst in Uniform gab sie eine sehr gute Figur ab. „Eine Akte fehlt in der Finanzabteilung“, begann er lahm, und kam sich vor wie der letzte Idiot. Die Uniformen unterschieden sich, stellte er fest. Manche trugen einen grünen Streifen über der Schulter, manche zwei. Granger hatte nur einen Streifen eingenäht.

Und tatsächlich sprach sie. „Ich hatte sie ausgeliehen. Sie… ist in meinem Spind“, entkam es ihr still. „Brauchst du sie jetzt?“

„Bevor Mr. Malfoy noch einmal wiederkommen muss, würde ich sagen, ihr klärt es jetzt, in Ordnung?“, mischte sich Eleanor kopfschüttelnd ein.

„Ok“, bestätigte Granger sofort. Sie ging voran, und schließlich folgte er ihr. Ihnen folgten einige Pfiffe, und Dracos Kopf wandte sich über die Schulter zurück. Er sah noch, wie Cage ihm den Mittelfinger zeigte, ehe er von dem Trainer einen nicht zu schmerzhaften Schlag auf den Hinterkopf kassierte. Die beiden Türen schlossen sich hinter ihnen, und sie waren wieder auf dem Flur.

„Ignorier Cage“, sagte Granger bloß, und Draco beeilte sich, gleichauf mit ihr zu gehen.

„Was anderes bleibt mir kaum übrig“, räumte Draco ein. „Wo… ist Potter?“, fragte er das Offensichtliche, denn den König der Truppe hatte er nicht ausmachen können. Tatsächlich schien Granger dankbar über den Themenwechsel zu sein.

„Harry ist im dritten Team, weil er im dritten Ausbildungsjahr ist.“ Draco begriff die Streifen auf den Uniformen.

„Du bist im ersten“, erkannte er dann nickend. Sie hob den Blick.

„Ja.“ Ihre Antwort kam sparsam. Und er fragte, bevor er nachgedacht hatte. Bevor er sich darüber Gedanken gemacht hatte, ob es ok war, zu fragen.

„Wieso bist du nicht auch im dritten Jahr?“ Er bereute die Frage direkt. Was ging es ihn an? Er hatte erst gestern eine Abfuhr von ihr bekommen. Von ihr und ihren zahlreichen Helden und Eroberern. „Vergiss es“, ergänzte er eilig. „Geht mich nichts an. Tut mir leid“, schloss er knapp. Kurz sagte sie nichts, und als sie um die Kurve bogen erkannte er die vielen Schließfächer und Schränke.

„Ich habe eine Auszeit genommen“, erwiderte sie schlicht.

„Drei Jahre?“, entkam es ihm wieder ohne nachzudenken, und diesmal hob sich ihre Augenbraue. Er biss sich auf die Lippe. „Fuck, es tut mir wirklich leid. Keine Ahnung, wo meine Manieren hin sind“, erwiderte entschuldigend, und tatsächlich lächelte sie leicht.

„Schon gut. Was hast du drei Jahre gemacht? Warst du die ganze Zeit hier?“

„Nein“, entgegnete er kopfschüttelnd. „Ich war in Amerika.“

„Drei Jahre?“, wollte sie verblüfft wissen.

„Ungefähr. Plus, Minus ein paar Monate“, räumte er ein.

„Aus Spaß?“

„Teilweise“, antwortete er, und begriff, er gab ebenso wenig Preis, wie sie. Er räusperte sich. „Ich… hatte einen Begabtenschein und habe ein Seltenheitszertifikat gemacht. In… Arizona“, fasste er seinen erfolglosen Werdegang zusammen, und scheinbar wusste sie, wovon er sprach.

„Du hast was?“, wiederholte sie, und jetzt erst glaubte er, wirklich ihre Aufmerksamkeit zu haben, denn sie fixierte ihn sehr genau. „Was heißt das? Du bist ein Animagus?“

„Ja“, bestätigte er achselzuckend.

„Seltenheitszertifikat heißt-“ Sie unterbrach sich plötzlich. „Arizona? Du… bist ein Donnervogel?!“ Sie starrte ihn regelrecht an. „Im Ernst?“, hakte sie ungläubig nach. Er nickte bloß. „Wie zur Hölle kannst du so einen Schein machen und ihn nicht nutzen? Du arbeitest wo? Finanzen?“ Aus ihrem Mund klang es abwertend, nieder, absolut unnötig. Er schenkte ihr ein freudloses Lächeln.

„Meine Bewerbung anderswo wurde abgelehnt.“

Das brachte sie tatsächlich zum Verstummen. Nicht für lange.

„Wie können sie dich ablehnen, mit einem Seltenheitszertifikat? Du kannst Arten zusammen bringen, dafür sorgen, dass die Gattung nicht ausstirbt. Du übermittelst lebenswichtiges Fachwissen – und sie erkennen deine Bewerbung nicht an?“ Es schien sie ernsthaft zu schockieren. Fast war es nett. Er zuckte wieder die Achseln.

„Ehemalige sind hier nicht gern gesehen, schätze ich.“ Mit ihr zu reden war… angenehm, fiel ihm auf. Und ihr Ausdruck wurde weicher, ihr Blick senkte sich plötzlich.

„Oh“, entkam es ihr, einigermaßen sparsam. „Trotzdem“, ergänzte sie zerknirscht. „Das ist nicht fair.“

„Tja…“, schloss er, vergrub die Hände in seinen Hosentaschen.

„Und die Aurorenausbildung? Ich meine, wir müssen den Schein auch machen. Zwar… beileibe kein Seltenheitszertifikat, aber damit wärst du schon mal hoch im Rennen“, sagte sie.

„Ich mache nicht drei Jahre den Schein, um noch mal drei Jahre Ausbildung zu machen. Und garantiert nicht als Auror.“

„Mit dem Schein steigst du direkt im zweiten Jahr ein“, erklärte sie entrüstet. „Und was soll das heißen, als Auror?“, wiederholte sie seine Worte, als hätte er sie persönlich beleidigt.

„Granger“, begann er nachsichtig, „kein Reinblüter wie ich wird Auror“, schloss er eindeutig.

„Was soll das wieder heißen?“ Sie klang beinahe gereizt. „Bist du was Besseres?“

„Eher… das exakte Gegenteil“, bemerkte er verständnislos. Sie war witzig.

„Was?“ Sie sah ihn entgeistert an.

„Helden werden Auroren. Die Leute, die auf der richtigen Seite gekämpft hatten. Nicht… Leute wie ich.“ Ihr Mund öffnete sich in stummem Verständnis, bevor sie die Arme vor der Brust verschränkte.

„Das ist Unsinn, das weißt du, oder?“

„Oh, ich denke, deine Kollegen da drin wären absolut scharf darauf, mich in ihrer Mitte zu haben?“, wollte er herausfordernd wissen, aber sie winkte ab.

„Cage ist ein Arschloch“, erklärte sie.

„Danke für den Tipp, aber ich denke, ich bleibe, wo ich bin.“

„Deine Entscheidung“, antwortete sie fast beleidigt. Sie ging zu ihrem Spind in der Mitte, bevor sie wieder innehielt. „Hast du mir gestern nicht gesagt, du wärst nicht gut genug, um Auror zu sein?“, wiederholte sie seine leeren Worte, und sein Mundwinkel hob sich.

„Du hast mir zugehört?“

„Sollte ich das nicht?“, stellte sie eine direkte Gegenfrage, und er zuckte wieder die Achseln. „Du warst Schulsprecher“, stellte sie schließlich fest, und er lachte auf.

„Im Todesser-Regime. Ja. Das heißt… erdenklich wenig, nicht wahr?“

„Und du hast einen Begabtenschein gemacht“, ergänzte sie argwöhnisch.

„Jaah“, bestätigte er lahm. „Aber über Vitamin B. Mein Vater hat mich im Programm eingekauft. Gold öffnet viele Türen.“ Sie verdrehte entnervt die Augen.

„Schön, dann hast du dich eingeschleimt, aber bestanden hast du die Prüfung trotzdem. Das heißt, du bist einigermaßen Intelligent. Du könntest-“

„-ich wollte aber nicht“, unterbrach er sie. „Danke für die Fürsorge, aber ich habe einen Job.“

„Einen schlechten“, stellte sie klar. Er sagte darauf nichts. Es war besser, als nichts. Was sollte er schon dazu sagen?

Sie öffnete den Spind und kramte die Akte aus den Tiefen hervor.

„Warum hast du sie?“, wollte er wissen. Unschlüssig hielt sie sie in den Händen, bevor sie lange seufzte.

„Du machst also Schadensersatzfälle?“, wollte sie knapp wissen, und er nickte wieder. „Das ist die Akte meiner Eltern.“ Draco wusste nicht, ob ihre Eltern noch lebten oder nicht. Er wollte auch gar nicht fragen.
„Ich… habe ihr Gedächtnis verändert, sie nach Australien auswandern lassen und… habe mich aus ihrer Erinnerung gelöscht.“ Draco war nun an der Reihe, sie anzustarren. „Es musste sein. Der Krieg stand vor der Tür. Sie wären umgebracht worden. Und ich… wollte sehen, ob ihre Adresse hier hinterlegt ist.“

„Und?“, fragte er still, aber sie schüttelte den Kopf.

„Unbekannt verzogen“, schien sie die Akte zu zitieren. „Und auch sonst gibt sie nichts her.“ Sie reichte sie ihm.  

„Willst du sie wiederfinden?“, fragte er. „Es gibt Mittel und Wege, wie-“

„-ich weiß nicht, ob ich das will“, unterbrach sie ihn steif.

„Nicht?“ Er konnte sich ein Leben ohne seine nervtötenden Eltern nicht vorstellen, offen gesagt.

„Ist vielleicht besser so“, schloss sie verschlossen.

„Ok…“ Er wusste nichts weiter zu sagen, nahm die Akte entgegen und nickte ihr knapp zu. „Danke dafür“, ergänzte er still. Sie nickte ebenfalls.

„Kein Problem.“

Er wandte sich von ihr ab, und hoffte, sie würde sich noch verabschieden, noch irgendetwas-

„-Malfoy?“, hielt ihn ihre Stimme auf, und er lächelte unwillkürlich, verbarg das Lächeln aber, als er sich noch mal umwandte.

„Ja?“

„Dein Vater hat dich ins Begabtenprogramm eingekauft?“, wiederholte sie prüfend. „Aber ohne die Begabtenvoraussetzung ist ein Seltenheitszertifikat nicht möglich“, ergänzte sie bloß. Sie war ein kluges Mädchen, das gab er zu. „Was ist dein Patronus?“ Er verzog knapp den Mund, atmete aus, und gab schließlich nach.

„Drache“, räumte er ein, und wieder starrte sie ihn an.

„Dein Vater hat nicht dafür bezahlen müssen, dass sie dich nehmen, oder?“

„Was macht es für einen Unterschied?“, entgegnete er gleichmütig.

„Warum machst du dich schlechter, als du bist?“

„Niemand will es hören, niemanden interessiert es, ok? Es sind unwichtige Details.“

„Ich finde sie wichtig“, behauptete sie.

„Ach ja? Ändert es deine Meinung? Hast du ein besseres Bild von mir, nur weil ich begabt war?“, wollte er spöttisch wissen. „Dann hätte ich das Gespräch gestern damit eröffnet, ich bin sicher, das wäre super angekommen – hey Granger, ich bin absolut begabt und durfte an einem Förderprogramm teilnehmen“, sagte er trocken, reckte einen Daumen in die Höhe, und sie wirkte eine Spur beschämt.

„Warum solltest du mich überhaupt beeindrucken wollen?“, entkam es ihr stiller. Sein Lächeln vertiefte sich deprimiert.

„Richtig. Du… bist vergeben. Also, aus keinem ersichtlichen Grund“, bestätigte er.

„Du wolltest wissen, ob ich vergeben bin?“, griff sie seine Worte beinahe ungläubig auf. „Deshalb die ganzen Fragen gestern?“ Sie sah ihn wieder sehr durchdringend an.

„Möglich“, räumte er vage ein. „Ich… dachte, das wäre klar gewesen“, schloss er dumpf. Ihre Augenbrauen hoben sich schockiert.

„Wie sollte so etwas klar sein, Malfoy? Du bist…“ Sie beendete den Satz nicht. Es wurde wieder unangenehm. So absolut unangenehm, dass er wusste, er hätte längst verschwinden sollen.

„Schon klar“, erlöste er sie von der schrecklichen Stille. „Ich weiß, wer ich bin.“

„Ich meinte nicht…, ich habe nur-“

„-es ist ok.“

„Tut mir leid“, sagte sie ehrlich. Seine Stirn legte sich in Falten.

„Was konkret?“, wollte er wissen, drehte die Akte abwesend in seinen Händen. „Dass du vergeben bist?“, ergänzte er, einen Mundwinkel gehoben, und sie blinzelte verblüfft.

„Dass du geglaubt hast, du hättest eine Chance bei mir“, erwiderte sie beinahe mitfühlend, beinahe nachsichtig, und seine Arme sanken. Oh. Er verstand. Und es wäre besser, würde er die Abfuhr akzeptieren, einfach schlucken. Einfach verschwinden, denn so überdeutlich war er noch nie abserviert worden. Aber natürlich konnte er Dinge nicht auf sich beruhen lassen. Er hasste seinen elenden Stolz.

„Danke für deine Ehrlichkeit, Granger“, räumte er ein. „Wir können schließlich nicht alle Helden sein“, bemerkte er bitter. „Um McLaggen das Wasser zu reichen, braucht es schon einiges, nehme ich an…“, ergänzte er kopfschüttelnd. „Hoher Standard, Granger. Absolut königlich“, schloss er vielsagend, und ihre Mundwinkel sanken böse. Er nickte zum Abschied und machte Kehrt. „Oh“, fiel ihm noch ein, und sein Mund ließ sich nicht von seinem Verstand aufhalten, stellte er entnervt fest, „du könntest dich glücklich schätzen, mich zu haben. Das nur nebenbei.“

Er verschwand mit langen Schritten, bevor sie ihn noch mal demütigen konnte. Was für eine dumme Gans, dachte er zornig. Aber er war leider nicht sonderlich schlagfertig gewesen. Und es störte ihn maßlos, dass Blaise recht behalten hatte, und er trotzdem nicht locker gelassen hatte. Wahrscheinlich brauchte er überdeutliche Abfuhren, überlegte er zerknirscht.

tbc...

A/N: hallo ihr lieben. back again... :> ich hoffe, es finden sich ein paar geneigte leser, die spaß an diesem werk haben werden. ich bemühe mich um gute rechtschreibung! ansonsten muss ich darauf hinweisen, dass hermines line von elena geklaut ist :> es fiel mir erst später auf, aber elena sagt zu damon auch, dass es ihr leid tut, dass er glaube, eine chance bei ihr zu haben... so oder so ähnlich. ich gebe hier plagiatismus zu ^^ aber ich schwöre, das war alles!
ansonsten wünsche ich euch einen schönen abend, und ich melde mich, wenn ich mich melde ^^
M.
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